Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 20 (20.5.1937)
- Date
- 1937-05-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 C-V^Zeitung Nr. 20 * 20. Mai 1937;V Ans dieser Tabelle ergibt sich — wie es in dem Artikel liefest, dass bis Anfang 1933 der Steuerertrag fast in jedem Quartal unter einer Million Reichsmark blieb, von 1933 an wurde im Vierteljahr ein Betrag von 4 bis 6 Millionen RM erreicht Die scharfe Spitze im Jahre 1934/35 ist durch eine „aussergewöhnliche Einnahme" von 16 Millionen RM im August 1934 verursacht worden, die mit der Auswanderung einer besonders wohlhabenden jüdischen Familie zusammenhing. Ein steiler Aufstieg des Ertrags der Reichsfluchtsteuer ist 1935 wahrzunehmen, der nach der in dem Aufsatz vertretenen Auflassung zum Teil wohl auch im Zusammenhang mit der stärkeren jüdischen Auswanderung nach, der Nürnberger Gesetzgebung gestanden haben mag. Das Rechnungsjahr 1936/37 schloss mit einem Ertrag von fast 70 Millionen RM, insgesamt hat die Reichsfluchtsteuer "bisher fast 174 Millionen RM eingetragen. Das von der Reichsfluchtsteuer erfasste Vermögen lässt sich für die gesamte Zeit mit ungefähr 6S0 Millionen RM errechnen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Werte in dieser Höhe ins Ausland gebracht worden sind. Denn die Steuerschuld entstehe nicht aus der Uebertragung des Vermögens, sondern aus der Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland. Da die Transferierungsmöglichkeiten stark beschränkt seien, dürfte — etwa vom Hausrat abgesehen — nur ein geringer Teil dieser 680 Millionen tatsächlich ins Ausland übertragen worden sein. Die nicht der Reichsfluchtsteuer unterliegenden Vermögen, die Auswanderer transferiert haben, sind in dieser Statistik naturgemäß nicht enthalten. Ma. Go. Jüdisches Leben — jüdischer Geist Das Sommer-Semester beginnt Das Jüdische Lehrhaus Berlin eröffnete sein Sommersemester vor einem leider wenig zahlreichen Publikum mit einem Vortrag Rabbiner Dr. M.Warseliauers über „Religion und Kultur". Das Thema war durch den Untertitel „Gedanken zum Schawuotfest" spürbar verengt und so deutete der Redner im wesentlichen nur feinsinnig und gedankenreich die Wirkung der Sinai-Offenbarung, deren Kraft heute nicht allein das Leben von *14 Millionen Juden, sondern auch das von fast einer Milliarde gläubiger Menschen gestalte. Der Schritt vom Heidentum zum Mono-Theismus war nicht nur eine zahlenmässige Wandlung, sondern eine wesenhafte Veränderung des Glaubens. An Stelle von Göttern, die nur Natur-Mächte waren, trat ein Gott als sittliche Macht. Am Sinai wurden Religion und Sittlichkeit unlösbar miteinander verknüpft und seit da stehen sie in un ablässlich er gegenseitiger Wechselwirkung. Wie religiöse Gedanken von einer sozialen Sittlichkeit zur Idee der Menschheit führten, so bewirkte die Sittlichkeit, dass — getragen von den Propheten — der Kultus an Bedeutung gegenüber dem sittlichen Leben verlor. Das Judentum bejaht das Leben und damit den Kulturprozess; das ist zutiefst auch der Grundgedanke des jüdischen Messianismus. Das Judentum ist — nach einem zutreffenden Wort Wellhausens — keine Sonntagslehre bloss, sondern durchdringt alle Gebiete unseres Tuns und Treibens. Dies ist auch eine Rechtfertigung des späteren Gesetzes-Judentums, das wir nicht als Entartung des Sinai-Glaubens zu empfinden haben. Das jüdische Gesetz ist und will ein Erziehungsmittel zur sittlichen Läuterung sein. Die eigentliche Leistung des jüdischen Volkes ist — ohne die übrigen Kulturtaten jüdischer Denker verringern zu wollen — die Schöpfung einer religiös-sittlichen Kultur. Seine Literatur und seine Geschichte sind von religiösem Geist gelragen und die sittlichen Werte, die sich das Judentum über die Jahrtausende hin erhielt und weitertrug (Familie, Bruder- und Wohltätigkeits- Sinn z. B.) sind religiös bedingt. So ist und bleibt das jüdische Volk das Volk der Religion. In seinen Eröffnungsworten hatte Dr. Paul Eppstein darauf hingewiesen, dass die Weiterarbeit des Lehrhauses jedem einzelnen besondere Pflichten auferlegt und nicht nur der treue Hörerstamm die Notwendigkeit und Be- £ luweüer Ludwig Steinmetz \ ______C. _____iL. *i Nürnberger Str. 56 (neben Woolworth) rechtigung dieser Gemeinschaftsarbeit weiter zu erweisen habe, sondern die jüdische Gesamtbevölkerung Berlins. Sie müsse in ernster Mitarbeit an den Arbeitsgemeinschaften ihre Zahl und Bedeutung erhöhen und ihren Fortbestand sichern. Hans Lamm. Arbeitsgemeinschaften: Montaus: P o 1lak „Weltwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft'1, Anguststr. 17: Dienstags: Sternberg „Biblische Sozialethik", Fasanenstr. 80: Frey hau „Disraeli: Auseinandersetzung mit dem Judentum in. seinem Roman .Tancrid"', Marburger Str. 5: Eisenberg ..Vom Sprechen: Uebungen in freier Rede", Fasanenstr. 80: Mittwochs: Margolius ..Hermann Cohen: Religion nnd Sittlichkeit1', Fasanenstr. 80; Berliner/Kar minskl „Erziehangs- und Aushildungsfragen der weiblichen jüdischen Jugend", Fasanenstr. SO: Pulver m a e h e r ..Geschichte der Stile in der bildenden Kunst", Marburger Str. ö: Donnerstags: Jonas ..Lektüre und Besprechung der Sprüche der Väter". Fasanenstr. SO; Kuhn „Psychologie der Persönlichkeit I", Marburger Str. 5. Arbeitskreis für Svnagogale Musik: Donnerstag, 20. Mai. 20 Uhr/ Marburger Str. 5. III: Einführung und Besprechung des neuen Werkes für Chor. Solo und Orchester „Bereschit", ein Schüpfungshymnus von Oskar Guttmann. Referenten: Oskar" Gu 11 m a n n. Hanns John Jacobsohn. Hoher die laufenden Sprachkurse erteilt das Sekretariat, Marburger Str. 5, III, Auskunft. Fragen des Wunders Vor einem grossen Zuhörerkreis erörterte Oberrabbiner Dr. C a r 1 e b a c h in Hamburg ..Fragen des Wunders'4. Sie seien als Grundfragen der Religion anzusehen. Das Wunder ziehe sich durch unseren ganzen biblischen Bericht hindurch. Es stelle das Entscheidungsmerknial der Wahrhaftigkeit der Religion dar. Der Referent unterschied das absolute, das gänzlich unerklärbare vom relativen Wunder, das nicht als volle Unterbrechung der Natur anzusehen sei. Alle Wunder der Bibel seien solche relativen Wunder; sie alle seien in der Schöpfung vorgesehen. Der Moment, da solch ein „Wunder" geschähe, sei der Moment, da die Naturuhr mit der ethischen Uhr übereinstimme. Er beweise, dass es eine Macht gebe, die die Natur einer höheren ethischen Notwendigkeit dienstbar mache. S. E. Rambam-Lehrhaus Berlin Rabh. Dr. L. Berkovits: „Halacha und Aggada in ihren inneren Beziehungen", 22. Mai, 20 Uhr (zwischen Mincha und Maariw), Synagoge Passauer Str. 2. — Rabb. Fand. K1 a p p h o 1 z : „Das religiöse Problem heim Aufbau Palästinas", 25. Mai, 20,:J0 Uhr, Wochentags-Synagoge, Münchener Str. 37. j schota sehr weich zu sprechen, wie fran- (schsehr zesisches jT z. B. janella Fenster, weich) 1 ele i. Im Anlaut und im Inlaut vor Vokal wie im Deutschen, z. B. Idmpada elektrische Birne, }al(l)ar — sprechen. , z. Im Inlaut vor Konsonanten und im Auslaut ist es mit stark nach hinten gebogener Zunge zu sprechen (ärmlich wie das rheinische 1), so dass es oft nur schwer von u zu unterscheideil ist, z- B. alto hoch (klingt fast wie auto)> a capital — die Hauptstadt; adj. mau schlecht und adv. ma[ schlecht, deren Aussprache beinahe dieselbe ist (s. auch § 2). m eme wie im Deutschen, z. B. morar wohnen. — Auslautendes ursprüngliches n (durch Vergleich mit anderen romanischen Sprachen zu ersehen) wird stets m geschrieben, z. B. jardim Garten, hombom Bonbon. Tritt aber an das auslautende -m eine Endung, z. B. das Plural -s, so muss sofort wieder das ursprüngliche n geschrieben werden, z, B. jardins Gärten, hombom Bonbons. Beide Schreibungen, ob -m oder -n, sind indes nasal zu .sprechen, ähnlich wie in dem deutschen "Wort „Ring". n ene wie im Deutschen, vgl. Buchsrabe m (s. auch § 2). o o hat drei Aussprachen: 1. Unbetontes o klingt wie dumpfes u, besonders im Auslaut, z. B. ricorcich, oder o männlicher Artikel, o wechselt daher auch in der Schreibung häufig mit u; so findet man chapeu der Hut und chapeo, ceu Himmel und ceo (vgl. u). 2. Betontes o oder 6 klingt offen wie in dem deutschen V/ort „Loch", z. B. novo — neu, po Puder, corte — Schnitt. 3. 6 geschlossen zu sprechen wie in dem deutschen Wort „Moor'', z. B. cor Farbe, corte Hof (Residenz). ' p pe wie im Deutschen, q ke kommt nur zusammen mit u vor, also qu, das Doppelaussprache hat: 1. Vor a und 0 (vor u kann es nicht vorkommen) klingt es wie im Deutschen kw, z. B. qualidade — Qualität, quota die Quote. 2. Vor e und i klingt es k (wie im Französischen), z. B. quente warm, quinze fünfzehn (s. auch §2) r ere nur als Zungen-r zu sprechen. s esse!■ Im Anlaut und im Inlaut vor Konsonant hart zu sprechen, z. B. sola Zimmer, rosto Gesicht. 2. Zwischen Vokalen klingt es weich, z. B. casa Haus; ebenso im Auslaut, z. B. tres drei. Daher wechselt es in der Schreibung häufig mit z (s. dort); so findet man mes — Monat und mez (vgl. §2). \ te Im allgemeinen wie im Deutschen. u u wie im Deutschen, v we wie das deutsche zu zu sprechen, x schies wat vicr Aussprachen: 1. Wie weiches s, besonders in der Vorsilbe cx- (auch esgeschrieben) vor Vokal, z. B. cxemplo Beispiel, exame Prüfung. 2. Wie hartes s, besonders in der Vorsilbe ex- (auch es-) vor Konsonant, z. B. extrangeiro Ausländer und Ausland. 3. Wie sch stets In allen Worten, die mit x anfangen, z. B. xadrez Schachspiel (auch fazenda de xadrez karierter Stoff), xarope Sirup, xcarque — Dörrfleisch (Ausfuhrartikel Brasiliens). Bei x im Inlaut ist die Frage der richtigen Aussprache für den Neuling qft schwer zu entscheiden, da in Worten wie o luxo der Luxus, 0 lixo der Müll das x wie sch gesprochen wird, dagegen in 0 auxilio die Hilfe wie hartes s. Als Beweis für diese schwankende Aussprache (nur im Inlaut des_ Wortes) führe ich falsche und richtige Schreibungen derselben Worte nebeneinander an; dem Volk selbst ist meist nicht mehr bewusst, was richtig und was falsch ist; das mündliche Verständnis überwiegt. Richtig: Falsch: a ficha Gutschein a fixa (für Speisen, Getränke, Karte aus einer Kartothek) a graxa Stiefelwichse a gracha (s. auch Nr. 4). 4. Selten wie deutsches x gesprochen, z. B. fixo fest (precos fixos feste Preise, estrclla fixa Fixstern), sexo — Geschlecht (natürliches Geschlecht, nicht grammatisches). y ipsilon wie i zu sprechen, wechselt daher oder in der Schreibung häufig mit _ i i grego (vgl. dort), z. B. physica Physik und fisica, gymnasio Gymnasium und ginasio (s. § 2). z see stets als sehr weiches s zu sprechen. (s sehr z. B. zero Null. In der Schreiiveich) bung häufig mit s im Inlaut zwischen Vokalen und auch im Auslaut verwechselt (vgl. s). § 2. Besonderheiten in der Schreibung lc sind keine Buchstaben des brasilia- und N nischen Alphabets, trotzdem sie, w allerdings selten, in Worten fremder Herkunft vorkommen, z. B kilo, kilometro (daneben auch schon quilo, qitilomelro), kilowatt. Namen, wie Wenceslao, Wladimiro, die ihre Herkunft deutlich erkennen lassen, ph wechselt häufig in der Schreibung mit f (geographia und geografia). -ec, Eine vollkommen ungerechtfertigte -ez Eigentümlichkeit verschiedener Schreibung desselben Wortes ist folgende: In Adjektiven auf -es, die von Völkernamen abgeleitet sind, kann geschrieben werden: -cz (ohne Akzent) portuguez inglez franeez polonez dinamarquez (mit Akzent) portugues ingles frances poloncs dinamarqu.es u.a. In Worten wie frequentar regelmässig besuchen, tranquilio ruhig, delinquente Verbrecher wird das u deutlich ausgesprochen. Hier liegt eine Nachlässigkeit der Schreibung vor; sie sollten eigentlich frcqücntar, tranqüillo, delinquente geschrieben werden, wobei das ü bedeutet, dass u ausgesprochen werden soll (auch vor e, i). Dieses " (trema) über dem u erscheint aus Nachlässigkeit fast nie in der Schreibung. (Fortsetzung folgt) Zahlen zur Auswanderung 1936 Von Quartal zu Quartal erscheinen in „W irtschaft und Statistik" Zusammenstellungen über die überseeische Auswanderung aus Deutschland, soweit sie über die wichtigsten deutschen und (z. T.) ausländischen Nordseehäfen erfolgt. Wir haben schon verschiedentlich über diese Arbeiten berichtet. Im letzten Heft der genannten Zeitschrift (Nr. 7) liegen nun die Zahlen für das gesamte Jahr 1936 vor, die einige interessante Einzelheiten erkennen lassen. Es muss aber wieder hervorgehoben werden, dass es sich nur um einen Ausschnitt aus der gesamten Wanderungsbewegung handelt, da erhebliche Auswandererströme nicht über die Nordseehäfen, sondern — vor allem nach Palästina, Südamerika und Südafrika — über die Mittelmeerländer gegangen sind und gehen. Es fehlt in den folgenden Ziffern natürlich auch der überwiegende Teil der Europa-Wanderung. Vergleiche mit anderen, die gesamte jüdische Auswanderungsbewegung umfassenden Ziffern, würden daher zu falschen Schlüssen führen. Bei Berücksichtigung dieser Einschränkungen wird man der Untersuchung aber doch auch für die jüdischen Kreise - interessante Gesichtspunkte entnehmen köanen. Die Zahl der reichsdeutschen überseeischen Auswanderer über die genannten Häfen betrug im Jahre 1936 insgesamt 14 933 Personen. Gegenüber dem Vorjahr ist sie um 2707 oder 22 Prozent gestiegen. Die in den Jahren 1933 und 1934 beobachtete Aufwärtsentwicklung der überseeischen Auswanderung hat sich '— nach einer Unterbrechung in den ersten drei Vierteljahren 1935 — damit fortgesetzt. Der Bericht in „Wirtschaft und Statistik" weist darauf hin, dass auch im Berichtsjahr die Wanderungszunahme wieder vorwiegend auf die Gebiete mit starkem fikiket Betykäu Metatt Meto jüdischen Bevölkerungseinschlag entfallen ist, so dass auf eine entsprechende Verstärkung der jüdischen Auswanderung geschlossen werden könne. Dabei wird auch an die Charterung der „Stuttgart" erinnert. Unter den Gebieten mit starkem jüdischen Bevölkerungsanteil, die auch von der Wanderungszunahme im besonderen betroffen wurden, hebt der Bericht zunächst Berlin hervor, wo sich die Zahl der Auswanderer auf 1885 verdoppelt hat. ferner Hessen-Nassau einschliesslich Frankfurt, hier war sie um 82 Prozent höher. In Hessen hat sie sogar eine Steigerung um 164 Prozent (von 213 auf 563 Personen) und in Hamburg eine solche um 44 Prozent aufzuweisen. Auch in Thüringen (plus 57 Prozent), in Niederschlesien (plus 50 Prozent), in Baden (plus 30 Prozent) und in der Provinz Sachsen (plus 28 Prozent) lag die Zunahme über dem Reichsdurchschnitt, während in Ostpreussen, in Sachsen und in Württemberg — einem Gebiet mit meist starker Auswanderung — weniger Auswanderer als im Jahr vorher gezählt wurden. Au9 einer Tabelle ergibt sich, dass auf 100 000 Einwohner die höchste Zahl mit 93,4 (1935: 65,3) Auswanderern auf Hamburg entfiel, dann folgt Bremen mit 52.S (58,0), Baden mit 46.9 (36.3), Berlin mit 44,4 (22,6), Hessen-Nassau mit 39.3 (21,7), Hessen mit 38,6 (14,7), Württemberg mit 32,1 (33,3) Auswanderern auf 100 000 Einwohner. Die geringste Zahl Auswanderer (ebenfalls auf 100 000 Einwohner) weisen auf: Oberschlesien (4,8), Schaumburg-Lippe (5.9), Brandenburg (6,5), Grenzmark Posen-Westpreussen (6^6), Sachsen (7,0), Lippe" (7,2), Pommern (7,9), also fast alles Gebiete mit einem im Verhältnis zu den vorher genannten Gegenden nicht sehr grossem jüdischen Bevölkerungsanteil. Der gesamte Reichsdurchschnitt auf 100 000 Einwohner stellte sich auf 22,2 Auswanderer gegenüber nur 18.3 1935. Der Anteil des weiblichen Geschlechts an der überseeischen Auswanderung betrug 55,4 gegen 60,2 Prozent im Vorjahr und je 59 in den Jahren 1933 und 1934. Dieses Sinken des Reichsdurchschnitts ist durch den besonders niedrigen Anteil auswandernder Frauen gerade in den Gebieten mit stark gestiegener Wanderungszahl bedingt. So hatte Berlin nur 46,4 Prozent, Hessen 50,4 Prozent, Hessen-Nassau 51.6 Prozent und Niederschlesien 53.1 Prozent Frauenanteil an der Auswanderung, während eigentümlicherweise im übrigen Süddeutschland, wie auch in Hannover und Sachsen, die Frauen unter den Auswanderern (wie auch schon in früheren Jahren) überwogen. Sie machten in Württemberg 65 Prozent, in Sachsen und Hannover je 62 und in Baden 59 aus. Wichtig und interessant ist schliesslich vor allem noch die Richtung der Auswanderung, die natürlich gerade bei dieser Untersuchung "besonders stark durch die Lage der erfassten Häfen, die vor allem dem Verkehr über den Nordatlantik dienen, bestimmt wird. So erklärt sich auch, dass sich reichlich zwei Drittel der Gesamtzahl der Auswanderer aus dem Reich (9900 Personen gegenüber 8882 Personen im Jahre 1935) nach den Vereinigten Staaten von Amerika gewandt haben. An zweiter Stelle folgt Brasilien mit 1580 (897 im Vorjahr) Auswanderern, dann Argentinien mit 1461 (gegen 990) Personen. Dass nach Südafrika 596 Auswanderer über die Nordseehäfen gegangen sind, dürlte im wesentlichen auf den Sondertransport mit der „Stuttgart" zurückzuführen sein. In „Wirtschaft und Statistik" wird ferner noch darauf hingewiesen, dass die Auswanderung" nach Afrika, wie auch z. T. na?k anderem Ländern, tatsächlich auch noch aus einem .anderen Grunde als einleitend erwähnt höher ist, als esbei der Ausreise über Hamburg oder Bremen ermittelt wird. Und zwar liege das hauptsächlich daran, dass in den meisten Ländern die Einreisegenehmigung für vorübergehenden Aufenthalt leichter erteilt werde als die Einwanderungsgenehmigung, die an die Erfüllung verschiedener Einwanderungsbestimmungen und die Beibringung umfangreicher Unterlagen, z. T. auch an Kapitalnachweise, gebunden sei. Infolgedessen können ein Teil der Auswanderer in der Statistik nur als Reisende erfasst werden. In der Reihenfolge ■der Auswanderungsländer sind ferner Uruguay mit 272, Asien mit 135, übriges Südamerika "(mit Ausnahme der erw-ähnten oder noch folgenden Länder) mit 81, Chile mit 67, übriges Afrika mit 64, Mexiko und Mittelamerika mit 59, Britisch-Nordamerika mit 49, europäische Staaten mit 33 und Australien mit 12 Personen vertreten. H. W—I. Ausbildungswesen in Amerika Aus einem Ueberblick über „25 Jahre jüdische Erziehung in den Vereinigten Staaten" ergibt sich, dass die Frequenz der jüdischen Schulen in Amerika im Sinken begriffen ist. Während im Jahre 1910 30 Prozent aller schulpflichtigen jüdischen Kinder eine jüdische Schule besuchten, war dies im Jahre 1935 nur noch bei 25 Prozent der Kinder der Fall. Nach einer Hochschulstatistik machen die jüdischen Studierenden 9.1 Prozent der gesamten Studentenschaft aus. Da der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung 3,5 Prozent beträgt, so ist ihr Anteil an der Studentenschaft zweieinhalbmal grösser. In New-York, wo die Jude» 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind 50 Prozent der Studenten Juden. Das Frauenstudium ist unter den Juden weniger stark verbreitet als unter der allgemeinen Bevölkerung. Zahlreiche jüdische Hochschüler studieren trotz grösster Hindernisse und unter ungeheuren Opfern und Entbehrungen, um die Voraussetzungen für den Eintritt ins Berufsleben zu erlangen. Wann und wo finden Sie Rat? liiiiksrlicin Köln Aachen Bonn Koblenz Kreuznach Bnden Karlsruhe Freiburg atittcl deutschland Erfurt Agrippinahan«, Breitestrasse K bis 96. 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