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Central-Verein-Zeitung · 1937-05-20 · 20 (20.5.1937) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
20 (20.5.1937)
Date
1937-05-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20 * 1. Beiblatt 20. Mai 1937 —Seife 3 pprendam , bratfleiro! Kurzgef asste Grammatik des in Brasilien gesprochenen Por tugiesisch Von Prof. Dr. H. Reichmann, Säo Paulo Einleitung Den neu ins Land Kommenden wird zuerst die scheinbare Regellosigkeit der Schreibung vieler "Worte auffallen. Da jeder — soweit schreibkundig — schrieb, wie er es nach dem Klang des gesprochenen "Wortes für richtig hielt, ergab sich bald die Notwendigkeit, eine gemeinsame Basis des geschriebenen "Wortes zu schaffen: Es entstand auf Umwegen die „Ortografia simplificada", d. h. vereinfachte Rechtschreibung, welche die gesprochenen Laute möglichst getreu durch die Schreibung wiederzugeben suchte. Man schrieb peti Vater (statt pae), man Hess stumm gewordene Buchstaben fort wie in sinal Signal (statt signal), ph wurde durch /, y durch i ersetzt und dergleichen mehr. Sehr bald machte sich indes eine Gegenströmung fühlbar, welche die geschichtliche Entwicklung des Wortes auch in der Schreibung zum Ausdruck bringen wollte, und tatsächlich wird heute offiziell die „Orthographia antiga' geschrieben, .'während man im Privatgebrauch ein merkwürdiges Gemisch beider Schreibungen antrifft. Der neu Ankommende braucht sich in dieser Hinsicht nicht zu beunruhigen; man kann hier selten sagen, diese oder jene Schreibung sei falsch. Es ist ziemlich alles richtig — oder falsch, was den Klang des gesprochenen "Wortes wiedergibt. Jeder wird im Lauf der Zeit durch die Praxis Stellungnahme zu diesem Problem finden. Ich möchte indes noch auf einen wichtigen Punkt hinweisen: Die in Brasilien heute gesprochene Sprache weicht erheblich von dem in Portugal gesprochenen Portugiesisch ab, so dass man sie eher „Brasilianisch" nennen müsste, statt sie auch als „Portugiesisch" zu bezeichnen. Der "Wortschatz weist erhebliche Abweichungen auf; viele von Portugal übernommenen "Worte haben ihre Bedeutung geändert, manches ist ganz verlorengegangen und, den neuen Verhältnissen entsprechend, durch fremdes Sprachgut ersetzt. Ferner mussten hier solche Begriffe, besonders aus der Tier- und Pflanzenwelt, die in Europa unbekannt sind, durch Sprachanleihen und Sprachanlehnungen an die indianischen Ursprachen benannt werden. Auch die Grammatik hat manche Aenderung erfahren, es ist vieles vereinfacht und manches Ueberflüssige beseitigt. Kenntnisse des Portugiesischen, ob in noch so gutem Privatunterricht oder durch Selbststudium erworben, sind bestenfalls europäisches Portugiesisch. Allen denen, die sprachlich nicht ganz unvorbereitet nach Brasilien kommen wollen, mögen die folgenden kurz gefassten Lehrgänge diese Möglichkeit bieten. Säo Paulo, im März 1937 Der Verfasser. Ueber die Aussprache § i. Lautzeichen und Buchstaben Das in Brasilien gebräuchliche Alphabet besteht aus 24 Buchstaben wie folgt: Buch- Ausstabe spräche Bemerkungen a a wie im Deutschen b be wie im Deutschen c sse hat doppelte Aussprache: (das s ist 1. Vor e, i, y klingt es wie scharfes sehr hart ss, z. B. ccu — Himmel, cigarro zu spre- Zigarette, cyclista — Radfahrer, dien) 2. Vor a, o, u und vor allen Konsonanten lautet es wie deutsches k, z. B. cavallo Pferd, com mit, curto kurz; cravo Nelke (s. auch § 2). ch wird wie deutsches sch gesprochen, z. B. aebar — finden (vgl. auch x). d de Im allgemeinen wie im Deutschen, z. B.: dar geben, e e hat drei Aussprachen: 1. Unbetontes c klingt wie dumpfes;', besonders als erster oder letzter Buchstabe eines "Wortes, z.B. extrangeiro der Ausländer und das Ausland, aquelle jener; so auch in der Piuralcndung -es, z. B. mar Meer, Plural mar es — Meere. — Infolge der verschiedenartigen Aussprache kann sogar hier in der Schreibung e mit i wechseln, man sieht igreja Kirche neben egreja, Iphigenia neben Ephigenia. 2. Betontes e oder e klingt wie helles deutsches ä, z.B. je Glaube, cafe Kaffee. 3. e wird wie e in den deutschen Worten „Meer, leer' gesprochen, z. B. sede Durst.! efe wie im Deutschen, wechselt häufig in der Schreibung mit ph, z. B. ortographia und ortografia. g sehe hat doppelte Aussprache: (sehr 1. Vor e, i, y klingt es wie sehr weich, wie weiches sch (französisches g), z. B. frz. g) general General, girar drehen, gymnasio Gymnasium. 2. Vor a, o, u und vor allen Konsonanten lautet es wie deutsches g, z. B. gato Katze, gosto --- Geschmack, gume Schärfe, Schneide (eines Messers); globo — Erdball. h agd stets stumm, z. B. sabir — herausgehen. i i wie im Deutschen, wechselt häufig mit y (vgl. dort). Zwischen Vokalen klingt es wie sehr weiches deutsches 1, z. B. maio — Mai. Reichstagung der Forschungsabteilung Judenfrage Aul der zweiten Jahrestagung der Forschungsabteilung Judenfrage des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschland vom 12. bis 14. Mai in München sprach, nach Pressemeldungen, nach begrüssenden Worten des geschäftsführenden Leiters, "Dr. Wilhelm Grau, der Präsident der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, Professor Dr. Johannes Stark über ,?Der jüdische Geist in der Naturwissenschaft." Kennzeichnend für den jüdischen Naturwissenschaftler sei die Durchsetzung seiner Lehrneigung durch willkürliche Definitionen sowie das Streben nach persönlichem Vorteil. Zur Erreichung seiner Ziele ignoriere oder diffamiere er seine wissenschaftlichen Gegner und bediene sich seines Einflusses in den wissenschaftlichen Organisationen und Ministerien. Professor Dr. Otmar Freiherr v. Verschuer (Frankfurt a. Main) behandelte die Aufgaben des Genealogen zur Erforschung der Judenfrage. Professor Dr. Max Wim dt •(Tübingen) führte aus, die Philosophie sei im Judentum etwas Künstliches und zeige die Züge, die das Judentum in der Zerstreuung angenommen habe. Ueber Baruch Spinoza legte Professor Dr. Hans Alfred Grunsky (München) dar, dass sein Gedankengebäude ausgesprochen talmudisches Denken gewesen sei. Es sprachen ferner Dr. Karl Georg Kühn (Tübingen) über Weltjudentum in der Antike, Professor Gerhard Kittel (Freiburg) über ..Konnubium mit Nichtjuden im antiken Judentum", Professor Hans B 0 g n e r (Freiburg) über Philo von Alexandrien. Professor Franz Koch (Berlin) führte aus, dass Goethe ein ausgesprochener Gegner der Juden-Emanzipation, die er als „Humanitätssalbaderei" bezeichnet habe, gewesen sei. und als eine Gefahr für die Deutschen angesehen habe. Ueber Kurt Tucholsky als den Typ des unpolitischen Literaten, der sich mit Politik befasse und infolge seines inneren Missverhältnisses zu den über-individuellen Ordnungen des „Gastvolks" zerstörend wirke, sprach — nach Meldung der Fränkischen Tageszeitung — Dr. Wilhelm Stapel (Hamburg), Tucholsky sehe Staat und Heer, die er beide mit Hass verfolge, nur von unten her. Was er diesen Ordnungen entgegensetze, sei nichts anderes als die Forderung des ungehemmten privaten Wohllebens und Sich-auslebens. Er sei vielleicht der einzige gewesen, der trotz seiner Pseudonyme nie eine Maske getragen habe. Den Abschluss der Tagung bildeten Vorträge des Chefs der Nachrichtenabteilung der Obersten Heeresleitung während des Weltkrieges, Oberst a. D. Walter Nicolai und des Gauleiters Julius Streicher. Die Programmgestaltung der Jüdischen Kulturbünde Reichskulturwaller Hinket, der Beauftragte für die Ueberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden in Deutschland, hat sich zu einem Schriftleiter der ..Nationalsozialistischen Partei- Korrespondenz" über die gegenwärtige Situation der jüdischen Kulturbetätigung in Deutschland geäussert. Nach Ausführungen über Entwicklung, Organisation und Aufgaben der Kulturbünde bemerkte Reichskultnrwalter Hinket zur Programmgestaltung noch folgendes: „Behendig^und stets im Vordergrund, sobald es sich um Fragen der Kulturwirtschaft handelt, bestreitet der Jude hilflos die Programme seiner eigenen Kulturveranstaltungen mit Schöpfungen aller Art, teils von Juden," die gerade bisher Wert darauf legten, .deutsch' genannt zu werden, teils von Nichtjuden. die zufällig einmal Themen aus der jüdischen Geschichte'behandelten. Im übrigen nehmen Namen wie Moliere, Shakespeare, Verdi, Johann Strauss. Shaw und Ibsen nicht unbedeutende Plätze im Spielplan ein. Als Anmassung muss jedoch empfunden werden, wenn bei Vorschlägen bzw. Anträgen zu Veranstaltungen der Judenschaft unter sich Werke von Beethoven, Goethe und Mozart auftauchten: denn es ist nicht der Zweck d«sr Uebung, inhaltlich deutsche Kulturbünde mit jüdischen Mitgliedern aufzuziehen. Vielmehr soll dem Judentum Gelegenheit zur Entfaltung in den eigenen geistigen und schöpferischen Grenzen gegeben werden. Sollte diese Entfaltung dem Juden zu dürftig sein, dann wird er es um so besser verstehen, warum wir ibn nicht als Herrn und Meister über unser Kulturleben haben mögen." Der Ertrag der Reichsfluchtsteuer Jeder Reichsangehörige, der seinen Wohnsilz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Reiche aufgibt, hat ein Viertel seines Vermögens als Reichsfluchtsteuer zu entrichten, sofern es grösser als 50 000 RM (früher 200 000 RM) ist. Diese Bestimmung und ihre Auslegungen in Literatur und Rechtsprechung ist jüdischen Kreisen, die sich der Auswanderung zuwenden, gut bekannt. Auch in dieser Zeitung sind laufend Veröffentlichungen über dieses Rechtsgebiet erschienen. Neuartig und interessant ist aber der Versuch, der in Heft 11/1937 der „Wirtschaftskurve" gemacht wird — die „Frankfurter Zeitung" berichtet hierüber in der Nummer vom 16. Mai 1937 —, nämlich die Beträge statistisch zu erfassen, die seit dem Jahre 1931 (die Reichsfluch tsteuer wurde durch die Notverordnung vom 8. Dezember 1931 eingeführt) an Reichsfluchtsteuer vom Reich vereinnahmt wurden. Die Reichsfluciitsteuer 1931 bis 1937 (in Millionen Mark) Wie das ..Hamburger Tageblatt" meldet, hat eine ausserordentliche Hauptversammlung des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg einstimmig eine Aenderung der Vereinssatzungen beschlossen. Mitglied des Vereins kann nur sein, wer berechtigt ist, deutscher Reichsbürger zu werden. Juden sind damit ausgeschlossen. Rechnungs- Jahr April bis Juni Juli bis Sept. Oktob. bis Dez. Janaar bis März Insgesamt 1931 32......... _ _ 0.565 1.363 1.S38 19 2 33......... 0,fiS9 0.116 0,005 0.129 0.938 1533 34......... 2.+-2.") 5.498 5.710 3.970 17.602 1934 35......... fi.344- 21.471 5.333 4.771 38.120 1935 36......... 2.9S4 4.R51 22.881 14.872 45.337 1936 37 ......... ] 5.2-21 18.781 15.971 18.938 -69.911 Zusammen 173,846 Blick in die Zeitschriften Rexismus und Judenfrage In einem Aufsatz „Rex" („Deutschlands Erneuerung", 21. Jahrg., Nr. 5) sucht Gerhard S t 0 e d t n e r das Wesen der Rex-Bewegung, die zu einem wichtigen Faktor des belgischen politischen Lebens geworden ist. klarzustellen. ..Das völkische Problem in Belgien'*, so führt er aus, „besteht seit Gründung des Staates und zieht sich durch seine ganze Geschichte. Auch Degrelle, der Führer der Rexisten. versucht mit dieser Frage fertig zu werden und kommt zu neuen Lösungen. Das rexistische Programm erkennt die Existenz der drei völkischen Gruppen (Wallonen, Flamen, und Deutsche) in Belgien als Tatsache an und gibt jeder Gruppe eine gewisse Bewegungsfreiheit in der .Gemeinschaft der Kultur und Sprache" (communante culturelle et linguistique). Wichtig ist aber, dass Dregelle über die .Gemeinschaft der Kultur und Sprache' gewissermassen als Dach die .Gemeinschaft der Nation' setzt und endlich zur letzten Umhüllung, zur .Gemeinschaft des Volkes' kommt. Daraus wird ersichtlich, dass die Verwaltung und mithin die bestimmende Gewalt über die völkischen Gruppen in der Hand ler Führung der Nation, also in einer Hand msammengefasst ist. Da sich der Rexismus '"om liberalen Staat grundsätzlich dadurch anterscheidet, dass er weltanschaulich gebunden ist, so wird die Art der Weltanschauung Hich die Massnahmen des Staates für oder "regen die völkischen Gruppen beeinflussen und allen drei Gruppen kann man es schwerlich auf einmal recht machen. Das Ideal der völkischen Auffassung ist der völkische Staat, das bedeutet aber die Ueberführung auch der Verwaltung in die Rechtsbefugnis und in die Rechlsanschauung dieses völkischen Staates. Das würde für Belgien, wenn nicht gar Zerreissung. so doch einen Uebergang in einen aufgelockerten Bundesstaat zur Folge haben. Degrelle ist aber nicht nur an einer Erhaltung des Status quo interessiert, sondern möchte die Eigenbewegung der völkischen Gruppen der Gesamtbewegung der belgischen Nation eingliedern. Die rexistische Tnese der fünf Gemeinschaften (Gemeinschaft der Familie, des Berufes, der Kultur und Sprache, d^r Nation, des Volkes) ist überhaupt so ausserordentlich geschickt aufgebaut, dass man hier mehr an Konstruktion als an ein natürliches Gewachsensein glauben könnte. Dieses durch das ganze innerpolitische- Leben gezogene Netz von Gemeinschaften soll alle jene inneren Gegensatze überbrücken, an denen das Leben in Belgien heute krankt. Der völkische Gegensatz wird überbaut durch Gewährung kultureller und sprachlicher Autonomie, während der Staat wieder mit der .Gemeinschaft des Berufes' quer hindurchgreift und zum Ueberbau noch die .Gemeinschaft der Nation' als Sitz der staatlichen Autorität und die .Gemeinschaft des Vol- 5es' als den alle Gemeinschaften unifassenden Begriff schafft." Wichtig ist es noch, dass Stoedtner einen judenfeindlichen Einschlag in der rexistischen Bewegung als vorhanden annimmt: ..Ein wichtiges Mittel zur Prüfung der Ehrlichkeit einer Bewegung, die sich die Erneuerung des politischen Lebens unter Ablehnung des Liberalismus und Marxismus zum Ziel gesetzt hat, ist die Einstellung zur Judenfrage und zur Freimaurerei. Bei dieser Gewissensfrage hält der Rexismus allerdings stand, denn seine Feindschaft gegen das Judentum und die Freimaurerei ist zwar nicht programmatisch festgelegt, läset sich aber immer wieder in den rexistischen Schriften zwischen den Zeilen erkennen. Besonders in der letzten Zeit stellt man den Anteil des Judentums am Bolschewismus stark üeraus." Rumänische Probleme In der in Hermannstadt erscheinenden politischen Monatsschrift für das Deutschtum im Osten, „Volk im Osten" (4. Jahrg., Nr. 29) hat Dr. Victor C. Irk einen Aufsatz ,JDieJudenfrage in Rumänien" veröffentlicht, in dem es eingangs heisst: ,.Von allen Problemen des heuligen politischen Innenlebens Grossrumäniens nimmt kaum ein anderes einen breiteren Raum ein als das der endgültigen Stellungnahme des rumänischen Volkes zum jüdischen Volks- und Rassenelement im Bereiche des rumänischen Lebensraumes. Dieses Problem ist der fast unerschöpfliche Stoff von Auseinandersetzungen in der Oeffentlichkeit. es füllt die Spalten der rumänischen Tagespresse, beansprucht einen wesentlichen Anteil in den Reden der grossen Versammlungen und Kundgebungen der politischen Parteien ebenso wie in den Regierungserklärungen, es beschäftigt die Planung neuer Gesetzgebung auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiete, und es bildet schliesslich den Gegenstand doktrinärer und dogmatischer Erörterungen auf der Ebene der religiösen Vorstellungswelt. Will man das Rumänien von heute erkennen und sich über das von morgen ein Bild machen, so wird man die ungeheure Tragweite und Wirkungsbreite des Judenproblems dieses Landes erkennen müssen, von dessen Lösung die politische Formgestaltung der Zukunft wesentlich bestimmt sein wird. Nichts wäre aber unrichtiger, nichts könnte zu grösseren Fehlschlüssen und Missdeutungen führen als der Versuch, diese den rumänischen Staats¬ und Volkskörper betreffende Frage von einem ausserhalb des Landes gedachten Standpunkte aus erfassen und danach beurteilen zu wollen." ..Bis zum Weltkriegsende", sagt Dr. Irk weiterhin, „war der Jude in Rumänien kein Vollbürger. Die gesetzlichen Beschränkungen der Einwanderung und Aufenthaltsbewilligung suchten die Juden dadurch zu umgehen, "dass sie sich unter den Schutz einer fremden Staatshoheit stellten. Namentlich Oesterreich erfreute sich einer gewissen Beliebtheit. Die Juden wurden so zu „fremden Untertanen", denen man das auf zwischenstaatlichen Abmachungen beruhende Aufenthaltsrecht füglich nicht vorenthalten konnte. So fand der deutsche Begriff „Untertan" zu „Tertan" verstümmelt in "den rumänischen Sprachgebrauch Eingang und bedeutete ausschliesslich den Juden! ""Die vollbürgerliche Gleichberechtigung der Juden war eine gesetzliche Zugabe, ein Danaergeschenk, das die Friedensverträge Rumänien "gebracht haben... Heute beträgt die Zahl der Juden in Rumänien nach amtlicher Schätzung über eine und eine halbe Million, nach den ^Erhebungen der nationalen Bewegung beträgt das jüdische Element Rumäniens 2 Millionen ^Seelen, das ist 10 v. H. der 20 Millionen umfassenden Gesamtbevölkerung. Rumänien ist neben Polen (mit 11 v. H.) somit das judenreichste Land Europas." Als den vielleicht schwierigsten, weil ungeklärtesten Teil des rumänischen Judenproblems bezeichnet I rk die R a s s e n f r a g e. „Aus zwei Gründen," sagt er. „scheint — bis jetzt wenigstens — das rumänische Volk dem Gedanken des Blut- und Kassenschutzes viel ferner zu stehen als das deutsche: Einmal, weil sich der Rassebegriff ,Latinität' als Blut-, Sprach- und Kulturgemeinschaft mit ganz anderen Anschauungen deckt, als mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen, in denen das deutsche Volk die Grundlagen der Rassenlehre erkennt. Und dann: weil nach einem ganz irrtümlichen rumänischen Volksempfinden bis in unsere Zeit hinein die Ablehnung einer rumänisch-jüdischen Mischehe als etwas ganz Selbstverständliches galt, das man gar nicht erst durch Gesetze verankern müsse. Zudem hatte das geburtenstarke rumänische Volk — im Gegensatz etwa zum ungarischen — die Assimilation fremder Volks- und Rassenelemente überhaupt nicht nötig. Erst in jüngster Zeit erscheint im nationalbetonten rumänischen Begriff des ,B 1 u t r u m ä n e n' zum erstenmal die Idee reiner rassischer und volklicher Scheidung auch vom doktrinären Standpunkte aus." In Anbetracht der grundsätzlich judengegnerischen Haltung Irks ist es interessant, dass er abschliessend die Meinung vertritt, gerade die christlich-nationale Bewegung Rumäniens versuche den Juden den Weg in die Zukunft zu weisen. Er beruft sich dabei auf eine programmatische Aeusserung jener Bewegung: „Der Kampf Cuzas und der christlich-nationalen.Partei verfolgt nicht etwa die Vernichtung des jüdischen Volkes, sondern er ist der Willenausdruck des rumänischen Volkes, auf seinem Lebensraum ohne Teilhaber zu leben. Darum hat Cuza zu wiederholten Malen erklärt: Man gebe den Juden ein nationales Eigengebiet, damit sie sich eine normale Existenz zu schaffen vermögen und ein wirklicher und nützlicher Faktor der Menschheit werden." Ueber den Standpunkt, den die Juden Rumäniens zu diesen Fragen einnehmen, haben wir kürzlich berichtet. F. p. Fahrschule Kimelman Berlin W SO, Nürnberger Plati 5 Huf: 2451 06

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