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Central-Verein-Zeitung · 1937-05-20 · 20 (20.5.1937) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
20 (20.5.1937)
Date
1937-05-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 'C-V.-Zeftpng Nr.20 *20.Man937! Magister Kirsch der guieLikör, Magister MünchenVll In Berlin zu beziehen durch, die Weingroßliandlung Bernhard Brauer, Burgsir. 3 TeL 51 43 40. Zuspitzung der polnischen Kaufleute in unselbständige Berufe von Jahr zu Jahr fortschreitet. Dies gilt beispielsweise vom Ratenhandel, der früher ganz in jüdischen Händen lag. Heute verkauft die Stadt Wien in eigener Regie Gas- und Elektrizitätsapparate, Oefen, Fliesen, Wandverkleidungen und andere Produkte, und der Staat verfolgt die Tendenz, die kleinen Ratenhändler allmählich völlig zu verdrängen. Man darf die Wäre nicht anbieten, nicht ins Haus schicken, neue Lizenzen werden nicht erteilt. Ebenso wie in den unteren Regionen des Wirtschaftslebens steht es in den oberen. Im Jahr 1910 beschäftigten die Wiener Bankinstitute insgesamt 25 000 Angestellte, wovon mehr als die Hälfte Juden waren. 1935 hatten sich am Ende eines beispiellosen Schrumpfungsprozesses dieses führenden Geschäftszweigs der Residenzstadt vier Grossbanken erhalten, die 3141 Beamte, darunter 819 jüdische, beschäftigten. In Wien gibt es eine verhältnismässig grosse Anzahl jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender. Eine führende Rolle spielen sie in der Kürschnerei, Wäscherei, Damenschneiderei, Modisterei, Weissnäherei und im Filmgewerbe, eine wichtige bei den Photographen, den Uhrmachern, den Juwelieren, den Automatenrestaurants. Im Schankgewerbe dagegen, das in früheren Zeiten ganz jüdisch gewesen ist, waren 1935 nur mehr 183 jüdische Betriebe unter insgesamt 3860 zu verzeichnen. So kann es nicht verwundern, dass seit Kriegsende die Auswanderung die Einwanderung überwiegt. Die Einwanderung war. minimal, die Auswanderung war es, an deutschen Vergleichsmassstäben gemessen, zwar ebenfalls, aber sie umfasste doch immerhin rund 20 000 Menschen im Zeitraum von 1918 bis 1936. Die Mehrzahl der Auswanderer dürfte nach Palästina gegangen sein. Stärker fällt ins Gewicht, neben der bereits erwähnten christlichen und dissidentischen Austrittsbewegimg, dass ungefähr 2500 Todesfällen pro "Jahr nur 700 Geburten gegenüberstehen. Aus dem Zusammenwirken aller dieser Faktoren erklärt sich der mehr als 12- \ prozentige Bevölkerungsrückgang von 1923 bis 1935. I|! Kra^k@n¥@i'si€heryg*g!§■ W&\ Aufnehme bis 70 Jahre ohne Untersuchung g H» &»§ fSMifi f>U*\Ji!!-%v°B Frankfurt a. M., Tel. 23977 nanS 5Cfl W3F£ Gr. Bockenheimer Straße 29,!. Der Bericht,, 'den Präsident und Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien über die Tätigkeit in den Jahren 1933—1936 vorlegen, lässt erkennen, welche mannigfache Arbeit die Gemeinde auf dem Gebiet der Fürsorge zu leisten hatte. Die Zahl -der Fürsorgeakten, weiche ungefähr der Zahl der befürsorgten Familien entspricht, beträgt 23 000. die Zahl der befürsorgten Personen 60 000. Da die Steuerstatistik rund 45 000 Erwerbstätige ausweist, bleibt eine Restzahl von ungefähr 70 000 Kindern, nicht befürsorgten und nicht erwerbstätigen Frauen, Studenten, Greisen und ähnlichen Personenkategorien übrig. Rund ein Drittel der Wiener jüdischen Bevölkerung ist also ohne Erwerb und auf die Zuwendungen der Allgemeinheit angewiesen. Unter ständiger Fürsorge standen im zweiten Halbjahr 1936 auch 768 Einwanderer aus Deutschland. Infolge seiner geographischen Lage ist Wien ein Zentrum der Wanderfürsorge, wobei jedoch Deutschland, was den letzten Wohnort der Betreuten betrifft, hinter Oesterreich, Frankreich und Polen weit zurücksteht Bei dem seit Jahrzehnten in Wien bestehenden „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis" standen im ersten Halbjahr 1936 1649 Stellengesuchen 1104 Stellenangebote gegenüber, die Zahl der Stellenvermittlungen betrug 569; während aber die Hälfte der nachsuchenden Mädchen und Frauen vorallem in Haushaltsteilen, untergebracht werden konnte, waren es bei den Männern kaum mehr als 15 Prozent und von diesen wieder beinahe ein Drittel in gewerblichen und industriellen Berufen. Diese Zahlen werfen ein symptomatisches Licht auf die Berufsaussichten. Glücklicherweise folgt die Jugend dem Ruf der Tatsachen und geht in immer stärkerem Umfang, trotz vieler Schwierigkeiten, zur Berufsumschichtung über. Allein an zwei grossen Gewerbeschulen Wiens, in welchen nur in Stellung befindliche Lehrlinge aufgenommen werden, befinden sich gegen 1000 jüdische Schüler. Von berufener gemeindlicher Instanz wird angenommen, dass ein rundes Drittel der schulentlassenen jüdischen Jugend sich gewerblichen Berufen zuwendet. Judenfirage Schwere Unruhen in verschiedenen Teilen des Landes haben irn Verlauf der vergangenen Woche das polnische Judentum heimgesucht. Weit über die jüdischen Kreise hinaus haben die Unruhen die politischen Leidenschaften angefacht und im ganzen Lande Erregung hervorgerufen. In . der Nähe des polnischen Städtchens Slonim fand man zwei ermordete Juden auf der Landstrasse. Die polizeilichen Ermittlungen haben bisher kein Ergebnis gezeitigt. In dem Dorfe Juchampol bei Zalescziki drangen Attentäter in die Wohnung des einzigen im Ort lebenden Juden ein und ermordeten ihn und seine Frau, ohne dass man ihrer habhaft werden konnte. Noch ernsteren politischen Charakter als diese Vorfälle tragen die Ausschreitungen in Grabow in der Nähe von Warschau, obwohl es hier zu Mordtaten nicht kam. ■ Eine Auseinandersetzung zwischen einem Juden und einem Christen, in deren Verlauf der Christ niedergestochen wurde, hatte schwere antijüdische Ausschreitungen zur Folge, bei denen mehrere Juden verletzt und ein erheblicher Sachschaden angerichtet wurde. Das grösste Aufsehen erregten aber Vorgänge in Brest-Litowsk, wohl weniger wegen der Verheerungen, die im Judenvierlel angerichtet wurden, als vielmehr deswegen, weil hier beklagenswerterweise ein polnischer Polizist zu Tode kam. Der Polizist Kendziora war beauftragt worden, grössere Mengen Fleisch zu beschlagnahmen, die angeblich von illegal durchgeführten rituellen Schlachtungen stammen sollten. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf ein ITjähriger Jude namens Szozerbowski den Polizisten schwer verletzte. Auch der Täter wurde verletzt. Auf dem Wege zum Krankenhaus erlag der Polizeibeamte seinen Wunden. An diese Ereignisse schlössen sich schwere judenfeindliche Unruhen an. Viele Juden wurden verletzt, einige von ihnen erheblich. Riesig ist der angerichtete Sachschaden, der auf zwei Millionen Zloty geschätzt wird. Die Einrichtungen zahlreicher . Geschäfte wurden vernichtet, die Waren auf die Strassen geworfen mid an Arme verteilt, soweit sie nicht gleichfalls der Vernichtung anheimfielen. Die Geschäftsstrassen der Stadt glichen während der Unruhen, die sich über mehrere Tage hinzogen, einem Trümmerfeld. Der jüdischen Bevölkerung bemächtigte sich eine Panikstimmung. Der Sejmabgeordnete Dr. Emil Sommerstein begab sich zu dem Woiwoden von Polesien und erhob Gegenvorstellungen. Der Gouverneur versicherte dem Abgeordneten ebenso wie auch einer anderen jüdischen Abordnung, dass die Unruhen unterdrückt werden würden. Das Durchgreifen der Polizei hatte erst spät Erfolg. Es wurde erforderlich, aus Warschau Polizeiabteiiungen nach Brest-Litowsk zu beordern. Auch im Warschauer Innenministerium wurde von jüdischer Seite interveniert. In der polnischen Oeffentlichkeit hat das Ereignis von Brest-Litowsk lebhafte Kommentierung gefunden. Im Zusammenhang mit den Vorgängen in der Provinz ist noch eine Meldung bemerkenswert, wonach die Zeitung „ABC", das Organ der Nationalradikalen Partei, wissen will, dass Oberst K o c, der Chef des ..Lagers der nationalen Einigung", mit der Neubildung der Regierung beauftragt werden soll, nachdem Neuwahlen zum Sejm ausgeschrieben sind. K. J. R. * Die jüdischen Aerzte haben eine Protesterklärung gegen die Einführung des Arierparagraphen beim Verband der Aerzte Polens veröffentlicht und sich rechtliche Massnahmen vorbehalten. Auf Veranlassung des Verbandes der jüdischen Rechtsanwaltsanwärter hat der Sejmabge-- ordnete Dr. Emil Sommerstein, der Vorsitzende des jüdischen Parlamentsklubs, bei dem Vizejustizminister vorgesprochen, um mit ihm mit dem Gesetzesvorschlag zur Neuregelung der Advokatur zusammenhängende Fragen zu beraten. In einer Pressekonferenz berichtete der Verband der jüdischen Ingenieure über die Arbeitslosigkeit in seinen Reihen. Nur 20 Prozent der jüdischen Ingenieure Polens ist in ihrem Fach tätig, 60 Prozent sind völlig arbeitslos. Der Verband richtete an die jüdischen Unternehmer den dringenden Appell, jüdische Ingenieure zu beschäftigen. * An den Gedenkfeiern für den ersten Marschall Polens, Josef P i 1 s u d s k i, nahm die jüdische Bevölkerung lebhaften Anteil. In der Warschauer Grossen Synagoge veranstaltete man einen Gedächtnisgottesdienst, zu dem Mitglieder des Verbandes jüdischer Kriegsinvaliden in geschlossenem Zuge erschienen. Ungarische Judendebatte Gelegentlich der Budgetberatung im ungarischen Abgeordnetenhaus berührte der Abgeordntete Dr. Johann Vazsony, dessen Vater als Justizminister gewirkt hat und damit als erster Jude Mitglied der ungarischen Regierung gewesen ist, in längeren Ausführungen die Judenfrage. Er lehnte einen Antrag des Grafen Viktor Karolyi, wonach die Juden in Ungarn als nationale Minderheit gelten und damit auf dem Gebiet des Schulwesens bestimmten Beschränkungen unterliegen sollten, ab, indem er betonte, dass von einer jüdischen Nationalität nicht gesprochen werden könne. Das Judentum stelle nirgends eine homogene Einheit dar, soziale, politische und wirtschaftliche Unterschiede bestünden zwischen dem Juden ebenso wie innerhalb der übrigen Bevölkerung. Eie Königliche Kurie habe bereits früher entschieden, dass das Judentum in Ungarn als Konfession zu gelten habe. Der Abgeordnete wies den Vorwurf, dass von einer Einwanderung galizianisc-her Juden nach Ungarn gesprochen werden müsse, zurück. Die in Ungarn lebenden Juden seien seit Jahrtausenden mit dem Lande verwachsen. Die Aufforderung eines extrem rechtsgerichteten Abgeordneten, 450 000 Juden zur Auswanderung zu bringen, müsse abgelehnt werden. Die ungarische Judenheit werde 'nicht auswandern, sondern nach wie vor für ihr Vaterland kämpfen und arbeiten. Im weiteren Verlauf der Beratungen des Parlamentes gab Ministerpräsident Daranyi eine Erklärung über die Stellung der Regierung zur Minderheitenfrage ab, in der er besonders darauf hinwies, dass für die Zugehörigkeit jedes einzelnen Staatsbürgers allein das freiwillige Bekenntnis massgebend sei. Die Regierung werde über die tatsächliche Gleichheit und Freiheit der zu den Minderheiten gehörenden Staatsbürgern auf allen Lebensgebieten sorgfältig wachen. Wegen der Judenfrage verwies der Minister auf seine — auch von uns verzeichneten — Ausführungen in Szeged, denen er nicht hinzuzufühen habe. In Szeged hatte Daranyi erklärt, dass es in Ungarn eine Judenfrage nicht gebe. Auch der frühere Ministerpräsident Graf Bethlen kam auf die Judenfrage zu sprechen und erklärte, die Gleichheit vor dem Gesetz dürfe nicht aufgehoben werden. Gegen eine Politik des Hasses sträube sich nicht nur das Rechtsgefühl, sie würde auch Ungarn der Sympathien der Welt verlustig gehen lassen. Im Anschluss an die Ausführungen des Grafen Bethlen erklärte der Abgeordnete Rupert, dass es schmerzlich sei, Ausfälle gegen die Juden mit ansehen zu müssen, wenn man an die jüdischen Kriegskameraden denke. Der Abgeordnete hob, durch zahlreiche judenfeindliche Zurufe unterbrochen, die Leistungen der Juden für Geistesleben und Wirtschaft" Ungarns hervor. Er wies nach, dass eine Reihe der bedeutendsten ungarischen Industrien, die Zuckerindustrie, die "Lederindustrie, die Baumwollindustrie, die Forstbewirtschaftung und Kohlen- und Eisenwerke von Juden geschaffen worden seien. An die Beurteilung von jüdischen und christlichen Grossvermögen müssen mit gleichem Massstab herangegegangen werden. Auslandsnachrichten Afrika Die Südafrikanische Regierung hat die Bestimmung setroffen, dass Personen mit sogenannten einseitigen Ausweispapieren (One—Way- Papers) künftig zur Einreise nach Südafrika nicht zugelassen werden sollen. Wie das Büro des High Commissioner für Südafrika der ITA mitteilt, bezieht sich die Bestimmung auf Pässe, die von irgendeiner Regierung ausgestellt sind und dem Inhaber die Rückkehr in das Ausstellerland nicht gestatten. Algier Das Gericht in Tunis, verurteilte 21 Araber zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen, weil sie in Djebel Aboid jüdische Geschäfte geplündert hatten. England Anläßlich der Krönung, an der die jüdische Bevölkerung in England mit grossem Jubel teilgenommen'hat, haben Lyonei de Rothschild, Lord Bearstead und S i r Robert Waley Cohen in der „Times" zur Schaffung eines Krönungsfonds für die Förderung der jüdischen Jugendbewegung aufgerufen. Es wird darin auf das tiefe Interesse hingewiesen, das der König stets für die jüdische Jugendbewegung und auch " jetzt für diesen neuen Plan bekundet" habe. „Die jüdischen Jugendorganisationen", so heisst es in dem Aufruf, „leisten dem Vaterland einen besonderen Dienst, indem sie die heranwachsenden jüdischen Bürger mit jenem Geist der Gemeinschaft und Zusammenarbeit erfüllen, der für das englische Volk kennzeichnend ist und in dem britischen System der Freiheit und Toleranz eine wichtige Rolle spielt." 50 000 Pfund sind von einer: kleinen Zahl von Spendern bereits gezeichnet worden. 100 000 Pfund sollen mindestens aufgebracht werden. Tsch eck oSlowakei In einer programmatischen Rede, die der neue Bürgermeister von Prag, Petr Zenkl, anlässlich'seiner Amtseinführung hielt, führte er unter anderem über das Verhältnis zu den Minderheiten aus: „Wir müssen unsere Nation positiv lieben, müssen aber deswegen nicht andere Nationen hassen. In diesem Geiste' wollen wir das Verhältnis zu den nationalen Minderheiten gestalten". Entschlossen, mit den besten Kräften opferwillig und uneigennützig im Sinne der schönsten' nationalen Tradition für ein tschechisches und nationales Prag zu arbeiten, müssen wir auf Grund dieser Tradition und aus unserer Abneigung gegen jeden Druck wünschen, dass unsere Minderheiten sich in Prag zu Hause fühlen."__ Nichtarier nicht Mitglieder im „Kyffhäuserbund" Der Bundesführer des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyffhäuserbund", SS-Gruppenführer Reinhardt, hat die Bundessatzung in wesentlichen Punkten geändert und neu "bekannt gegeben. Danach gehen die Anforderungen an die Reinheit des Blutes der Mitglieder über den § 5 der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz hinaus und sind in dieser Form vom Reichsminister des Innern im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers der NSDAP genehmigt worden. Personen, die niehtarischer Abstammung oder mit einer Jüdin verheiratet sind, sind grundsätzlich von der Mitgliedschaft in einer Kameradschaft des Reichskriegerbundes ausgeschlossen. Als arisch gilt für den Reichskriegerbund nur, wer frei von fremdrassigem Bluteinschiag ist. Dagegen ist die Zahl der jüdischen Hochschüler von 1925/26 bis 1936/37 bei gestiegener Gesamtstudentenzahl in der juristischen Fakultät von 669 auf 251, in der philosophischen von 774 auf 416 zurückgegangen, während in der medizinischen Fakultät immer noch ein leichtes Ansteigen der absoluten Zahl bei allerdings gleichzeitigem Absinken der Prozentziffer festzustellen war. Die übrigen Wiener Hochschulen werden im Studienjahr 1936/37 nur mehr von 335 jüdischen Hochschülern besucht, während 1925/26 allein an der Hochschule für Welthandel 934 Juden eingeschrieben waren. Solche rapid sinkenden Ziffern sind freilich in erster Linie den Behinderungen des Ausländerstudiums durch besondere Taxen und Inskriptionsgenehmigungen zuzuschreiben: während damals mehr als 40 Prozent aller jüdischen Studierenden Ausländer waren, ist der Prozentsatz in diesem Studienjahr auf kaum 15 Prozent zurückgegangen. So gliedert sich die Wiener Judenschaft von heute, zusammengefasst in ihrer grossen, einheitlichen Gemeinde, dem allgemeinen Bild, das die Stadt Wien bietet, ein. Es ist das Bild einer Stadt, die von ihrer stolzen, imperialen Höhe zum Verwaltungssitz einer Republik von kleineu Leuten herabgesunken ist. Wien hat dieses Schicksal mit jener äusserlichen Lässigkeit getragen, hinter der sich viel mehr an zäher Selbstbehauptung verbirgt, als der flüchtige Beisende auf den ersten Blick vermuten möchte. Die bayrisch-österreichische Neigung zu liebevoller Ausarbeitung des Privatlebens bei improvisierter Handhabung öffentlicher Angelegenheiten trifft zusammen mit der Notwendigkeit, sich mit einer vielfältig hereindringenden fremden Völkerwelt auseinanderzusetzen: denn „hinterm Sacher", heisst es, „fängt der Orient an". Warum sollte es bei den Juden sehr viel anders sein? Es gibt unier ihnen eine Ueberfülle von Individualitäten, nirgends findet man so viele tüchtige Wissenschaftler, so viele interessante Menschen, so viele Originale wie in Wien; aber keiner will auf den anderen eingehen, jeder sitzt in seinem Gehäuse für sich, ist verbittert und resigniert, weil „die anderen" nichts taugen. Niemand, wenn man von seltenen Ausnahmen absieht, will sich herbeilassen, den Standpunkt des Gegners gerecht zu würdigen, es fehlt, am Willen zur Zusammenarbeit, an der Fähigkeit zur Organisation. Gleichwohl ist dieses jüdische Wien nicht nur die Stadt von Güdemann und Chajes, von Herzl und Bloch, von Freud und Schnitzler, von Birnbaum und Beer-Hofrnann; auch in seiner Gemeinde und den vielen in ihr enthaltenen Gruppierungen versucht es, dem Widerstreit der aneinandergekoppelten Kräfte des Bürgerlichen und des Proletarischen, des Westlichen und des Oestlichen, des Weltgeöffneten und des Nationalen, des Beharrenden und des Beweglichen zu begegnen und bei ungeheurem Reibungswiderstand von aussen und von innen die Schwierigkeiten der Situation zu meistern. (Wird fortgesetzt.) * Im März d. J. sind einschliesslich der Angehörigen insgesamt 121 Personen aus Oesterreich nach aussereuropäischen Ländern ausgewandert. Hiervon gingen 13 Personen nach Palästina. HauptselirifUcilcr Dr. Alfred Hirsehborg: Stellvertreter und verantwortlich für die Aufnahme von Bildern: Dr. Margarete Edel heim Verantwortlich für Sport: Dr. E r n s t C. L ö w e n t h a 1. sämtlich in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Frei Umschlag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteihing und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen. Friedrich Nathan, Berlin. DA I. Vj. 40 000. PI..5. Verlag: Jüdischer Central-Verein e. V.. Berlin W 15, Emser Strasse 42. Druck der Buch- und Tiefdruck Gesellschaft mbH., Berlin SW 19. W7"& W ¥S7 »' Wf In allen führenden Wäschegeschäften iklauher- Wasche wssenetabr srik Rosa Klauber / München Klauher- Witsche

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