Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1937-05-13 · 19 (13.5.1937) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
19 (13.5.1937)
Date
1937-05-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2277379-2277516-2277535--11886-2281451
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 19 * 1. Beiblatt CYZeitung 13.MaM937 —Seite 3 Die Krönung in England Aus Änlass der bevorstehenden Krönung König Georgs VI. fand in der Grossen Synagoge in Aldgate ein Festgottesdienst statt, an dem Vertreter aller religiösen Richtungen der englischen Judenheit, der Orthodoxen, Liberalen und Reformer, teilnahmen. Der Gottesdienst wurde von . dem Ober.rabbiner des britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, geleitet; ihm assistierten Reverend H. Mayerowitsch von der Grossen Synagoge, Rabbi Dr. Israel M a 11 u c k von der Liberal Jewish Synagogue, _ Reverend J. G. de M e s q u i t a von der spanisch-portugiesischen Synagoge und Reverend Vyvyan G. S i m m o n s von der West London Synagogue. Unter den Persönlichkeiten, die in den. für die Synagogenvorsteher bestimmten Sitzreihen Platz genommen hatten, sah man auch den Präsidenten der Weltvereinigung für das religiös - liberale Judentum, Dr. Claude G. Mantel iore. Oberrabbiner Dr. Hertz nannte in seiner Predigt die Krone die Garantie für die Fortdauer der britischen Regierungsgrundsätze der Gerechtigkeit und Freiheit. Sie sei von lebenswichtiger Bedeutung für Frieden, Gedeihen und Glück von mehr als einem Viertel der Menschheit. Während des Gottesdienstes wurde vor der geöffneten Torlade ein eigens für diesen Tag verfasstes Gebet für den König und für die königlich«» Familie gesprochen. Die englische Nationalhymne wurde in hebräischer Sprache gesungen. * In der Grossen Synagoge in Genf wurde am letzten Freitag abend ein Festgottesdienst zur Krönung des englischen Königspaares veranstaltet. An der Feier nahmen u. a. der englische Konsul in Genf, der Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbund, Repräsentanten der Genfer Jüdischen Gemeinde sowie eine Reihe anderer hervorragender jüdischer Persönlichkeiten teil. An Bord der „Queen Mary" hat am 4. Mai der Stadtverordnete von Montreal, Max S e i g 1 e r. die üeberfahrt nach Europa angetreten, um als Vertreter der Judenheit Kanadas an den Krönungsfeierlichkeiten in London teilzunehmen. * Anlässlich der bevorstehenden Krönung des englischen Königspaares sind u. a. auch mehrere führende jüdische Persönlichkeiten in den Adelsstand erhoben bzw. ausgezeichnet worden. Sir Herbert Samuel erhält den Rang eines Viscount, der Herausgeber des „Daily Herald", Julius S a 11 e r E1 i a s, ist in den Adelsstand mit dem Titel eines Barons erhoben worden. Der frühere Ger.eralgouverneur von Australien, Sir Isaac Alfred Isaacs, wurde zum Ritter des Grosskreuzes des Bath- Ordens ernannt. Unter den neuernannten Offizieren des Ordens des British Empire befinden sich Emil Haus er (in Anerkennung seiner Verdienste um den musikalischen Unterricht in Palästina) und Chaim Solomon (in Anerkennung von Leistungen ,im öffentlichen Dienst Palästinas), ferner wurde M i c h ae 1 A 1 e i n i k o I f (in Würdigung seiner Leistungen im öffentlichen Dienst Palästinas) zum Mitglied des Ordens des British Empire ernannt. Unter den ausgezeichneten Nichtjuden befindet 6ich der Kommandant der palästinensischen Streitkräfte, Generalleutnant Dill, der den Bath- Orden im Rang eines Kommandeurs erhielt * Sir Herbert Samuel, der sich einige Zeit dem politischen Leben ferngehalten hat, wird demnächst wieder mit einem grossen politischen Vortrag vor die Oeffentlichkeit treten. Er wird am 27. Mai über „Wirtschaftliche Gesundung der Welt durch freieren Handel" sprechen. * „News Chronicle" berichtet, 'dass nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Baldwin der voraussichtlich neue Premierminister Neville Chamberlain das Kabinett umbilden werde. Dabei sei als Nachfolger des derzeitigen Kriegsministers Duff Cooper der gegenwärtige Verkehrsminister Hore-Belisha, der Jude ist, in Aussicht genommen. A uslands-Nachrich ten Algerien Eine von der französischen Regierung eingesetzte Untersuchungskommission erstattete nach ihrer Rückkehr dem Ministerrat in Paris Bericht über die Lage der algerischen Juden und die judenfeindliche Propaganda. Einzelheiten wurden nicht bekanntgegeben, jedoch weiss die Presse zu berichten, dass die mohammedanische Agitation vielfach mit dem Schlagwort: „Werft alle Juden und Franzosen Algeriens ins Meer" arbeite. Gegenmassnahmen sollen sofort eingeleitet werden. Amerika Die Vereinigung jüdischer Akademiker Amerikas „Zeta-Beta-Tau" hat beschlossen, die Richard-Gottheil-Medaille, die für hervorragende Verdienste um die Judenheit gestiftet wurde, in diesem Jahre dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Franklin D. Roosev e 11 zu verleihen. ' Belgien Einige Diamantenhändler Antwerpens haben der Regierung eine Denkschrift zugehen lassen, in der sie den Ausschluss der Juden aus diesem für das Land bedeutenden Industriezweig fordern, da die Juden mit dem Land nicht verwurzelt und daher jederzeit in der Lage seien, die Industrie zu verpflanzen. Der Verband der Diamantenindustriellen und die Gewerkschaft der Diamantenarbeiter Belgiens wenden sich in einer Proklamation gegen dieses Ansinnen einer Minderheit, die nur allzu leicht vergesse, dass Juden die Industrie gegründet und zu ihrer Weltbedeutung geführt hätten. Die Behauptungen der Denkschrift werden als lügenhaft bezeichnet, und es wirddie Entfernung der fünfzehn Unterzeichner des Aufrufs aus dem Diamantenhandel gefordert. Dänemark Der Kongre'ss der skandinavischen jüdischen Jugend verbände findet in diesem Jahr vom 20. bis 22. Juli in Kopenhagen statt Griechenland Die Leitung des griechischen RotenKreuz e s übermittelte Oberrabbiner Dr. K o r e t z ein Dankschreiben „für die Leistung der jüdischen Jugend im Dienste der öffentlichen Wohltätigkeit". Holland Kronprinzessin Juliane von Holland verlieh an ihrem 28. Geburtstag u. a. D. Ensel in Amsterdam und J. Ph. M o k in Haarlem die Silberne Verdienstmedaille des Roten Kreuzes. Italien Der berühmte Handelsrechtler Professor Davide S u p i n o ist im Alter von 86 Jahren in P i s a gestorben. Er erhielt bereits im Alter von 27 Jahren den Lehrstuhl für Handelsrecht an der Universität seiner Geburtsstadt Pisa und hat in den sechzig Jahren seiner Lehrtätigkeit zwei Generationen italienischer Studenten herangebildet In den Jahren 1898 bis 1920 war-er Rektor der Universität, im Oktober 1919 wurde er zum Mitglied des italienischen Senats ernannt. Anlässlich seines Ablebens hat König Viktor Emanuel der Universität ein herzliches Beileidstelegramm gesandt. Auch der Präsident des italienischen Senats, Luigi Federzoni, hat ein Beileidstelegramm gesandt in dem die grossen Verdienste des Verstorbenen für die Wissenschaft gerühmt werden.. Oesterreick Anlässlich des 50jährigen Bestehens der Union österreichischer Juden ist eine von ihrem Ehrenpräsidenten, Dr. Jakob 0 r n s t e i n , verfasste reichhaltige Festschrift erschienen. Sie stellt eine Geschichte des zweiten Vierteljahrhunderts der Union ^dar, den Zeitraum ihres Wirkens von 1910 bis 1936. Sieben ausführliche Kapitel behandeln u. a. die Themen: „Der Weltkrieg und das Anwachsen des Antisemitismus", „Der Wiederaufbau Palästinas'4, „Der jüdische Nationalismus", ..Die Union im Vorstand der Kultusgemeinde in Wien", „Rechtsschutzarbeit". Das „Schlusswort" klingt in dem Bekenntnis des Verfassers aus, „dass wir gleich sind allen Bürgern in der Liebe und in der Öpferwiliigkeit für unsere uralte Heimat in Oesterreich." An einer Festversammlung nahmen Delegierte des Vorstandes der Budapester Gemeinde, des Bundes jüdischer Frontsoldaten, des Reichsverbandes jüdischer Legitimisten sowie hervorragende Persönlichkeiten des jüdischen öffentlichen Lebens. * In der Generalversammlung des Vereins blinder Musiker und Musiklehrer wurde der Antrag auf Einführung des Arierparagraphen angenommen und gleichzeitig alle jüdischen Mitglieder ausgeschlossen. Rumänien Der am 9. Mai in Bukarest abgehaltene Kongress des Verbandes der rumänischen Rechtsanwälte hat die Beseitigung aller nicht reinblütigen Rumänen aus dem A n w a 11 s s t a n d beschlossen. In dem Beschluss heisst es, dass eine „totalitäre autochtone Zusammensetzung des Barreaus" gesichert und zu diesem Zweck die Registrierung aller Rechtsanwälte überprüft werden soll. Leitungen von Reehtsanwaltskammem, die diese Beschlüsse nicht durchführet, sollen aufgelöst werden. Die demokratischen Delegierten erklärten, sich diesem Beschluss nicht fügen zu wollen, und wurden aus der Versammlung entfernt. Sie hielten eine eigene Konferenz ab und richteten an König Carortelegraphisch einen Protest gegen den Beschluss des Verbandes. Ungarn Die Ehrenpräsidentin des Landesverbandes ungarischer israelitischer Frauenverbände, Leopoldine S t e rn, die Gattin des Präsidenten der Pester Israelitischen Religionsgemeinde und der Israelitischen Landesk'anzlei, Hofrat Samuel Stern, ist im Pester Jüdischen Krankenhaus nach langem schweren Leiden gestorben. Leopoldine Stern, die an allen philantropischen und kulturellen Angelegenheiten der ungarischen Judenheit stärksten Anteil nahm, hat sich auch ausserhalb des jüdischen Kreises auf humanitärem und patriotischem Gebiet hervorragend betätigt 25 Jahre Agudas Weltorganisation Die Agudas Jisroel veranstaltete anlässlich ihres 25jährigen Bestehens eine religiöse Konferenz in London, zu der zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens y&H tun ui# findet jetzt die Sprechstunde der Beratungsstelle des jüdischen Centrai- Vereins, Berlin W 15, Emser Straße 42, IV, statt. Sprechtage sind Montag bis Freitag, für Mitglieder des Centrai-Vereins auch ausserhalb der angegebenen Sprechstunde nach vorheriger telephonischer Vereinbarung. Wann und wo finden Sie Rat? Hessen-Nassau Hessen Friedberg •20. Mai. 15—17 Uhr, Gemeindehaus, Kais«rstrasse. 25. Mai. 10—12 Uhr, Braubacher Strasse 17, bei Rabbiner Dr. Laupheimer. 25. Mai. 15—17 Uhr, Werner- Senger-Strasse 13, bei Albert Metzgor.__ Mitteldeutschland | 19. Mai, 16—19 Uhr, bei Sa- ]ffagdeburgr_I batzky. Königstrasse 15. II. Hannover 20. Mai. 11—14 und 16—18 Uhr, Georgstr. 14. Das Kind St UNTER DEM cpwt 'NOVELLE VON GEORG HIRSCHFELD „Geber!" Er hörte den Ruf. Es war eine hohe, etwas sehrille, immer klagende Frauenstimme. Seine Mutter sprach tief und lind, wie ein gedeckter Brunnen. Seine Mutter gab Ruhe und Würde, wenn sie sprach. Dennoch hatte jenes fremde Weib, das ihm noch nie begegnet war, den Zauber, der die Welt zu öffnen schien. Es war eine andere Welt, die es wirklich gab, die draussen wartete und rief, wo Mannheit lebte. Geber rührte sich nicht. Er wusste das Weib auf dem steinigen Felde ihrer armen Hütte, unten vor der Stadt. Sie sah ihn wieder auf Gibeon, sie hatte seinen dunklen Kopf erkannt. Aber er musste diesem Rufen taub bleiben. Sie hatten kein Recht auf ihn. Warum kamen sie immer von neuem und rissen an seinem Herzen und meinten höhnisch: „Du weisst noch nichts, du wirst betrogen, Wahrheit ist nur bei m i r." Nach Zion blickte Geber, auf die klaren Höhen im Abendrot. Weit dehnte sich die neue Königsstadt. Davids Sohn sass auf dem Thron seines Vaters. Der Glaube eines Siebzehnjährigen folgte König Salome Es rauschte von der Höhe in die Täler, lebendige Mär: ein Bau, ein Haus, von Menschengeist ersonnen für Gott, sollte erstehen. Die Krieger im Lager, die Hirten auf dem Felde erzählten es sich. Es wurde ein nie erschautes Haus auf der Höhe. Der König selbst entwarf den Plan. Er stieg zum Höchsten auf, um Gott zu dienen. Zu solchem Werk rief er sein ganzes Volk. Alle sollten mitschaffen in Israel. Und Geber? — „Geber!" Er sprang auf. Diese Stimme war Frevel an seiner Zukunft und an seiner Geburt. Die Mutter verdiente solchen Ruf nach ihrem Sohne nicht, die. Treue, Einzige, Unwandelbare. Er wollte zu ihr, er sah sie wieder vor sich, wie sie in ihrem Garten schaffte, hochgeschürzt, das gelbe Tuch um den kleinen Kopf, mit nimmermüden Händen. Er musste in den Garten der Mutter eilen. Aber seine Füsse wurden schwer. Langsam zog er sie weiter, als ob er durch Wüstensand ginge. „Geber!" Nein, sie hielt ihn nicht. Seine scharfen Knabenzähne bissen die Lippe wund. Wild entschlossen nahm er den kürzesten Weg. Sie sah ihn jetzt gewiss entfliehen, unbekümmert, stolz, ohne einen Blick für die Fremde. Das wollte er. So kam er fort. Dennoch lauschte er immer wieder, je weiter er sich entfernte. Hörte er sie noch einmal, schön und abstossend, hold und verderblich. Er blieb am Fuss des Hügels stehen. Er neigte den Kopf in die Richtung von Hebron. Nein, sie kam nicht mehr, sie verstummte. Die schmalen Hände an den Kopf gedrückt, sprang Geber in die alte Gasse. Hier wohnte die Mutter am Weinberge. Hier war ihr Garten. Sie band Reben auf. Noch immer war sie ein schlankes, jugendliches Weib. Sie lächelte ihm unter ihrem safrangelben Tuch entgegen. „Kommst du endlich? Hast du wieder auf Gibeon geträumt? Von des Königs goldenen Reitern?" Er trat zu ihr. Er nahm ihre Arbeitshand. Sie sah den Aufruhr seines Gemüts. Willig Hess sie sich fortziehen. Auf dem Brunnenrande sassen sie und sogen den kühlen Hauch des 'Wassers ein. „Du grübelst zuviel, mein Sohn. "Warum gehst du nicht hinaus zu den andern: Beim Oelberg üben sie sich. Läufer, Speerwerfer, Bogenschützen will der König, keine Träumer. Du suchst doch sonst nur, was der König will?" ^Mutter, ich kenne Salomos Gebot. Die anderen folgen ihm alle. Nur ich bleibe abseits, wenn die Werber durch das Land trommeln/' „Du denkst an den Tempel? Solche Arbeit ist noch nicht für dich. Du bist zum Holzfäller und zum Steinmetz nicht geschaffen. Lasse sie nur gehen, die anderen, zu schwerem Frohn. Sie haben andere Glieder als du. Ein Krieger wirst du dennoch, weil du schnell bist und kühn. Du hast einen hellen Kopf, den jene nicht haben. In der Levitenschule übertraf dich keiner." „Die Levitenschule liegt hinter mir, Mutter. Ich gehöre jetzt zu denen, die den Propheten von Silo befragen dürfen. Ahia unterrichtet mich. Ich bin kein Knabe mehr." „Und was willst du?" „Einem Jüngling in Israel bleibt nur der Tempel." .„Geber!" „Sei geduldig, Mutter. Verstehst du mich nicht? Ich diene dem König. Seinem Willen genügen ist alles. Salomos Weisheit waltet über dem Reich. Warum bin ich so schwach? Sie lachen bei den Werbern, wenn ich in die Reihen trete. Geh zu deinem Mütterlein, komm wieder, wenn die Mauern des Tempels stehen. Dann haben wir vielleicht Arbeit für dich." „Spotten sie deiner?" „Warum bin ich so schwach, Mutter?" Sie sah ihn weinen, das waren keine Kindertränen. Es ging ihm um kein versagtes Spiel. „Mein Liebstes", sagte Diblaim, ihn umfangend. „Ich fühle deine Not. Ich will dir helfen. Glaubst du mir das?" Er starrte vor sich nieder. — „Helfen, Mutter? Ich fühle nur eine Hilfe." „Welche?." „Die Wahrheit." „Wer verhüllt sie dir? Wer darf es wagen? Glaubst du, dass ich nicht wahr bin?" Er erschauerte. — „Das ist nicht möglich. Du nicht. Aber es! Es lügt um mich her! Zwischen mir und dem Leben ist keine Brücke! Verstehst du das? Ich sehe täglich, was ein Mann vermag! Ich gehöre dem König! Ich weiss, dass ein sterblicher Mensch den Weg zu Gott gefunden! Salomo fand ihn, Mutter!"- ü Diblaim nickte schwer: ,,Wir haben keinen Teil daran." „Ich erforsche die Quelle seiner Weisheit nicht. Ich will ihm dienen, wie einst mein Vater." „Dein Vater?'' „Er war doch Kriegsmann gegen die Hetiter! So sagen die Leute." Sie fasste sich. „Gewiss. Sei stolz auf deinen Vater." „Ich will nur seiner würdig bleiben. Mein Vater ist kein Rätsel für mich." „Wer ist für dich ein Rätsel?" Er warf den Kopf in ihren Schoss. Sie blickte sinnend auf ihn nieder: ,,Ich ahne, was dich bewegt. Wir lebten unbeschwert in unserem Garten, jeder neue Tag war rein und gut. Warum ist das vorbei? Warum sind wir anders geAvorden?" „Ich weiss es nicht Mutter." Sie lauschte auf sein blutendes Weh: „Du quälst dich ohne Ursache. Du fühlst dich belogen, und um dich her ist alles wahr. Aber ich ahne, wer dir die Quelle deiner Tage getrübt hat." „Du ahnst es?" Sie sah ihm in die Augen: „Ja. Geber, ein Drittes muss es geben, ein fremdes Geschöpf, das sich zwischen uns drängt, zwischen mich und mein Kind." . „Nein, Mutter! Niemand!" „Wirst du ständhaft bleiben? Immer?" „Warum fragst du?<£ „Willst du mir alles bekennen?" \ Er schüttelte den dunklen Kopf: „Was ich weiss und was mich immer wieder befällt am hellsten Tage, das ist keine Schuld, weder vor mir noch vor dir. Das muss über uns bleiben. Das Rätsel der Geburt, Mutter. Ist nicht ein grosses Rätsel über dem Menschen? Werden wir nicht alle in ein Geheimnis hinausgestellt? Ich werde den König befragen." Diblaim zitterte: „Den König?" „Man sagt, er könne jedes Rätsel lösen. Auch die Zaubersprüche der Königin von Saba hat er erraten."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.