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Central-Verein-Zeitung · 1937-05-06 · 18 (6.5.1937) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
18 (6.5.1937)
Date
1937-05-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 "C.*?,-Zerfarrg WrM*&mdt%m der Gesamtorganisation der Juden in Deutschland ging. Mit Vorschlägen, die für den preussischen Bereich galten, ist das Blatt zuerst 1842 hervorgetreten, als es die Einführung einer Konsistorialverfassung nach französischsüddeutschem Muster anregte. Aber die Anregung wurde von den Gemeinden, die sie zuerst "betraf, nicht aufgenommen, auch für die Zeitung war sie keine Lebensfrage, und so verlief die Angelegenheit im Sande. Eine Richtung findet sich hier bereits angedeutet, die von dieser frühen Zeit an die innerjüdische Haltung des Blattes durchzieht: das Bestreben, der jüdischen Zersplitterung eine Ordnung entgegenzusetzen, eine Tendenz, die auch mit dem Versuch der Zeitung zusammentraf, Judentum als Religion im Denkbereich der Umwelt sichtbar zu machen und abzugrenzen. Darum ist es nicht erstaunlich, wenn schon 1848 wieder und dann mit steter Regelmässigkeit in jedem Jahrzehnt wenigstens einmal Anregungen und Vorschläge dieser Art in der Zeitung auftauchen. In einer „Ansprache an die israelitischen Gemeinden Preussens, insbesondere der Provinz Sachsen, über das die Verhältnisse der Juden betreffende Gesetz vom 23. Juli 1847" ruft Philippson aus, die Stunde der Freiheit, der Augenblick, in dem die „oktroyierte" Verfassung von 1848 den Juden Preussens die persönliche Gleichberechtigung gegeben habe, dürfe nicht die Stunde ihres Todes sein. Aber die Tat bleibt aus, diesmal scheitert sie wie auch oftmals späterhin an dem Widerstand und der Verschleppungstaktik der Gemeinden, zumal des Berliner Gemeindevorstands, der in diesen Jahren innerlich völlig zerfallen ist. In den achtziger Jahren gibt Philippson einmal in einer ausführlichen Darstellung einen Ueberblick über die zahlreichen Bemühungen, die er vor und nach der Einigung des Reiches eingeleitet hat, um eine zentrale Vertretung der jüdischen Gemeinden zu schaffen. Mehrmals hatte er IIIIIH 2fn|te(tung^gefud). (Sin £efyrer, 5er fsi'f einer Reifte fcon 3aj?ren in einer unb fcerfel&en angcfef)enen@emembe aTr^cfire^prebiger unbSorfofer fungirr hat unb nod? fungirf, unb feine Befähigung 511 Siefen Siemfern fdjon mehrere 3JtaIe offenftidj erliefen, roünfAf eine anbere ©feite. ÖesfcUflge Sfnfroorf über OTamen unb 2SoT)norf be3 £er)rer3 ertheilf b:e Iftebocüon tiefer 3eüung. (Erstes Stellengesuch aus der Nummer 26 vom, 2. Juli 1SS7, wiederholt in den Nummern 31 vorn 8. und 34 vom 15. Juli.) Uli! IUI zu Synoden geladen, immer wieder hatten sich Hindernisse vor die Verwirklichung geschoben. Nur die Synode zu Leipzig im Jahre 1869 war ein Erfolg, aber auch kein bleibender. Allzu stark war das Selbstgefühl der einzelnen Gemeinden ausgeprägt, keine wollte sich ein- oder unterordnen. Von Berlin ging auch in den Jahren, als schon die gewichtige Bedeutung der künftigen Grossgemeinde spürbar zu werden begann, kein einigender Einfluss aus. In einem „Aufruf an "die Israeliten Berlins" hält die Zeitung den Berliner Juden einmal mit bitteren Worten vor, dass alle entscheidenden Impulse in den bewegenden Fragen der Zeit von den „Provinzen" ausgegangen seien. Immer habe Berlin wichtigere Geschäfte vorgeschützt, wenn es galt, Angelegenheiten der jüdischen Gesamtheit zu regeln. „So hat sich die Berliner Judenschaft alles Verdienst und alle Ehre um die Hebung und Entwicklung des Judentums in der neueren Zeit vorausnehmen lassen." Allerdings führt die Zeitung diese Erscheinung darauf zurück, dass es nicht gelungen sei, geeignete „Führer für das geistliche Amt und für die Verwaltungsbehörden der Gemeinde zu berufen", obwohl „edelste Kräfte in ihrem Schosse" vorhanden seien. Als man gleichzeitig mit der Leipziger Synode unter Moritz Kohners Vorsitz den ersten Gemeindetag des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes abhält, ist kaum Wesentliches erreicht. Noch dauert es fast drei Jahre, bis der Gemeindebund sich konstituieren kann, denn erst nach Ablauf dieser Zeit hatten sich die zur Gründung erforderlichen 100 Gemeinden zum Beitritt bereit erklärt und die notwendigen Subventionen gezeichnet. Die A. Z. erlässt für den Gemeindebund werbende Aufrufe und begleitet seine Tätigkeit späterhin mit wohlwollendem Interesse. Aber der Gemeindebund hielt nicht, was man sich bei seiner Gründung von ihm versprochen hatte. Er beschränkte sich immer stärker auf einzelne verwaltungstechnische, fürsorgerische Massnahmen und wurde der grossen Aufgabe, eine Gesamtvertretung der Juden in Deutschland zu bilden, nicht gerecht. Gegen den heftigen, partikularistisch gemeinten Widerstand der Gemeinden übernahm 1904 der „Verband der deutschen Juden" diese Aufgabe, ohne dass es ihm gelungen wäre, öffentlichrechtliche Anerkennung zu erlangen. Die gleichzeitigen Bemühungen des Gemeindebundes, sich eine gesamtheitliche Verfassung zu geben, schlugen fehl, Satzungsentwürfe aus der Feder der Juristen Rosin und Machol wurden nach jahrelangen, fruchtlosen Debatten, in die die Zeitung lebhaft eingriff, verworfen. Erst der Nachkriegszeit blieb es vorbehalten, entscheidende Schritte auf dem Gebiet der Gesamtorganisation des Judentums in Deutschland einzuleiten, als die Schicksalsstunde von 1933 die aussergemeindlichen Kräfte zur einigenden Tat aufrief und verantwortungsvoll bereit fand. Wie in einem Brennspiegel fängt in diesen Jahren 'die A. Z. alle Auszahlungen jüdischen Lebenswillens auf, bindet sie zu einem hellen Strahl und wirft sie gesammelt zurück. Immer wieder finden sich in den Blättern der Zeitung Aufrufe und Ueberschriften wie „An die verehrlichen Vorstände und Vertreter der deutschen Israeliten", und einmal wird es mit Deutlichkeit ausgesprochen, dass mangels einer zentralen Organisation nur der Weg über die Zeitung selbst bleibe, um den Weg zu den Juden in Deutschland und ihren Gemeinden zu finden. Das lebendige Wort, aus heissem Herzen niedergeschrieben, hat hier ersetzt, was der Organisationskunst misslang: in der andrängenden Vielfalt des Jahrhunderts die Idee der jüdischen Gemeinschaft zu wahren, das vom Geiste der Zeit nur schwach berührte Gebilde des Gemeindewesens dennoch lebendig zu erhalten und bereit für ein neues Schicksal. Redaktion Ohne Telephon / Von Margarete Edelhelm „Etwas Wichtiges habe ich Dir zu melden, ich habe dea Plan gefasst, eine ,Allgemeine Zeitung für das Judentum in religiöser, politischer, literarischer, linguistischer und historischer Beziehung als Organ und Centralblatt des Judentums' herauszugeben. Ich lasse Dir von Julius etwas spezieller den Plan abschreiben. Ich habe das Ding energisch angegriffen und schon von zwei Buchhändlern bejahende Antwort. Ich werde mich mit Baumgärtner in Leipzig darüber einigen. Vielleicht reise ich Ende dieser Woche auf einen Tag nach Leipzig. Wie gern hätte ich Deinen Rat hierbei benützt; allein die leidige Entfernung, und dann ist alles sehr rasch gegangen. Vorläufig ist bestimmt, dass die Zeitung in Gross-Quart wöchentlich zweimal erscheinen soll. Deine Herkunft zu Purim ist mir deshalb doppelt lieb, da sich vieles dann besprechen lässt. Du musst wacker mitarbeiten." Diesen Brief, die Geburtsurkunde der „Allgemeine Zeitung des Judentums", schrieb der damals fünfundzwanzig jährige Ludwig Philippson am 4. März 1837 an seinen Bruder Phöbus, der nach Klötze in der Altmark übersiedelt war. „Die leidige Entfernung" ist also der Weg von Magdeburg nach Klötze. Das kommt uns Menschen, die wir gewohnt sind, solche Entfernung zwischen Kaffee und Abendbrot zu erledigen, oder zum ersten Frühstück noch in Berlin zu sein und in London schon das Lunch zu nehmen, fast lächerlich vor. Aber es charakterisiert die Zeit und zwingt uns eine Minute zur Besinnung, wie die Welt in zivilisatorischer Beziehung vor jenen hundert Jahren ausgesehen hat, als Ludwig Philippson, Rabbiner in Magdeburg, ein Mann, der seinem Amte nach bestimmt war, für die Ewigkeit zu wirken, zum Gänsekiel — oder war es wohl schon eine Stahlfeder? — griff, um sich als Journalist, also für den Tag, zu betätigen. Wie mag wohl sein Redaktionszimmer ausgesehen haben? Uns Schriftleitern des Jahrhunderts der Sachlichkeit unfassbare Vorstellung. Ein Gelehrtenzimmer mit hohen Bücherregalen, auf denen ehrwürdige Bände in Pergament, Jahrhunderte alt und für Jahrhunderte gedacht, aufgereiht gewesen sein mögen. Kein jüdisches Lexikon, kaum ein Nachschlagewerk, das die Arbeit hätte beschleunigen können. Ein Schreibtisch, wie wir ihn aus Urväterzeiten kennen, Mahagoni oder Nussbaum, gediegene Handarbeit, der auf unzähligen Fächern und Etageren Platz für Familienbilder und Andenken bot. Manche Daguerrotypie eines lieben Verwandten oder Freundes mag da, als neue Erfindung bestaunt, gestanden haben. Mit Recht konnte man ja stolz sein auf die Familie, die so kluge und feine Köpfe hervorgebracht hatte. Und auch von den Wänden mag manch Ahnenporträt in Oel oder Kreide voll Verwunderung betrachtet haben, welch weltlichem Treiben sich dieser Rabbiner plötzlich zuwandte. Denn ein weltliches Beginnen war ja die Zeitungsschreiberei, wenn auch in den ersten Jahrgängen, ja in den ersten Jahrzehnten und fast bis zum Kriege der Mitarbeiterstab meist aus Lehrern, Predigern, Rabbinern bestand. Ja, selbst als die nunmehrigen Schriftleiter in die Redaktion der kaum geborenen C.-V.-Zeitung — die jetzt gerade ihr fünfzehnjähriges Jubiläum feiert — jenes späten Kindes der „Allgemeinen Zeitung", eintraten, galt noch das ungeschriebene Gesetz, dass des Rabbiners oder Predigers Beitrag erstrebenswerter sei als der des weltlichen Autors oder gar des Journalisten. So wählte Philippson seine Mitarbeiter, und so boten sie sich ihm auch von überall her an, aus Deutschland und aus Polen, aus 1.30^8. &U$zmüiu Sfa>. l. äcitimg fceS Sttfccnt&ttmS- (Sin unpart&eüfc&eS SDrgan für attcS jüinfebe $ntcreffe SJißlitt?, Stcligyjn, Sitcrotuc, ©cfdjtdbtc, Sprod>f«m&c nr.b 23cÜctrtfttt~ «SR« Xmtl eaäWdWJ iillniin«i(l)tr CnutrfKoii.: Kebacrrrr SBertag t S>r. £uta>i<i ^>hfIt>pfon, J*x iSaiintfti " £fip_jig, 6cn 2. OTai 1S37. }U üct 2JucbI;anNiing o Ii t i?. 3eirungäna^rid)tcn. Oletafat ber <S«t5nif5r =cm januar 183T an.) Smnrna, 22. San. 2£m rrftm Zage ist einig« Stunbrn vcz «sonnenunrercang, j.-rf:crt« ein Grtbebi bt« Stäbtc 2ib«r:a«, ©.iahet unb eile umticg'enbi Stäb:« unt 26rfcr im UmJteifc 3cn 20 'Seilen. G« Stauet geoen 30 Sctunben. Sie Stabt Jaffa ift in «'» Schutthaufen terrcanbet:; ren ben 15,000 Si 3,000 i et 2:ber:a« hetrtg:« fich. utfu-ibete beutiid) be; " x gebe £uft machte. ich. rtv.hrcnb biefer jTctMjrrcjshr, Sultan, bei (i* cus bem 3"» Sibraltar, 15. gefcruat. Sie %aim haben tVure atlfter ihre Säben gefdjIcfJcTt, einen Sraucräottc'bienft geha!>. ten, unS «ine ©eüfammlung seranfraite:, beren Srfult.it ben jDIiet trat nimiief; btircb «in ©chreiben brf btieti'fchen Jtcnfdi Gafft baut in Beiret in itennfflij stfeljt »orten, Seiten Sßcnfötn. and) über 500 3fcaeli:en ihr 2ebcn »er: visier, L.SWr}. Sie ütird) ben Silben 53en 2Jur canb son Seiten 2bb c[ 5?nbcr'« an'gcfm'ipften gri« benSunteebanblungcn haben 'fich •!«rf(f)[agra. Seicht« tefta »enigee ist 23<n Suranb Xutlaufä) ■■ l'crfcK.ige jreifefjm ben granjefea i:nb lfbi:eUÄober teaüfitt. Gt fthiefte ben gtanjefen 600 Stijftn. .uni nahm t.ifür ßifen, Stahl, Seite, glirtt SSrgrnrnig be: Sobtra, unb «ine Summe »ein 14,000 gt. wir. 3)!an tjatte seo/.subt, et teerte fidj «I« Stelben tjttrr Z'sa»t!:Äa8erf mi) begeben. bere, 15. ffebr. Die Diffrfjtidjren übet 2s» bi SKeifer.t ibfon auf I n 5üea.e iriltifche Sieetontu! SSillfhit in Gimam ftlhji ©eflenftanbe, bie bem Ä>. Douibfon cjelioH, iKeifenbe' sen einem 2htilc bef Stamme« CT! $>arib angr> griffen unb crfd;cj7en troeben. Senflantpiopel, 23. 3an. 2fn biefem 2nce izaä) in Salat, einem sen 3f"ie!iten bereobnren Stabmiertel Etnf:antinpi«Is, eine Sjeuersbrunfi nu*, roeldje gegen 100 £aufer unb 60 £aufmann<buben ottjthctt. — 1. SKatj. 3n ^<ra ift in retigtt ©eetje eine me>i. jimfÄe ©ehielt eröffnet trorben. 25aü Stubium »et jjraft. Änatemie erlaubten bie Ultma« aliein unter ber Bebingung, ba§ nur Äcrscr pon Cbriften unb 3uten fecirt rrerbrn fsUtn. (Tin.™.) St. ^tter«hutg, 1. SJtärj. 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St. OTaj. ber jtaifet haben qeniht, Ii« Sueignreng ber bentfef/en UebetfeDcng M ganjen 3enifalemi< fehen unb Sabrlcnifdien 2a!mub mit 3nbegeiff be« intet: punflitten Seite« in 2S Soiicbdnbm Den I)r. ginnet nns jimehm«n, unb auf 100 Gr. tiefe« umfaffenben SBrrfe« fuS ftnbirtn;ti ["offen. #:n I). 'Pinner, ber sot jrrei SRonäten 5^n Scnfrantincpel über 29r;rfchau hierher fam, mirb in rini« den 2aiien nach Berlin luruefreifen. uro fith fofen mit bei . ' 1 Holland und aus Spanien, jene Männer, die Mittelpunkte der Gemeinden und damit auch deren beste Korrespondenten waren. Dieser Korrespondentenstab war umso wichtiger, als es noeh keine Telegraphenbüros und Zeitungskorrespondenzen gab. Mit Schere und Kleistertopf war damals noch nicht viel zu machen. Man musste sich die Nachrichten von Ort und Stelle direkt beschaffen. Leider wissen wir nicht, denn die alten Briefwechsel sind nicht erhalten, ob dieser „Nachrichtendienst", wie man im modernen Zeitungsbetrieb zu sagen pflegt, plan massig aufgebaut war, oder ob Philippson es dem Zufall überliess, wie und von wo ihm gerade Meldungen zuflössen. Die waren natürlich auch nicht überwältigend frisch. Jetzt nach hundert Jahren ist es für uns ja gleichgültig, ob die Meldung damals vier Wochen später kam, als der Vorfall sich ereignete. Und wie sollte sie denn auch früher kommen, es gab doch kein Radio und kein Telephon, kein Telegramm, ja noch nicht einmal eine Reichspost, und die erste Eisenbahn war erst zwei Jahre vorher zwischen Nürnberg und Fürth in Betrieb gesetzt worden, Und wieviele Grenzen musste jeder Brief passieren! Ein Glück nur, dass Magdeburg von Leipzig nur wenige Postkutschenstunden entfernt war. Aber immerhin weit genug, um illll!!l!ii!l!!!!l»!i:ilUII!l!l!ll!!!II Blätter füritealfchhim undjadenftim. ßtriin, 4. OToJ VKt W L Jebrgaofl o üe. J imm 5 Cmtrol-Verems dmtfrfur/ h-ffOli «fiAi?««!««»»* fiteHth<HM!*M 'Orqon&zst________________________ 6tgfl&frftrggriü&foto film&gasTo AIi$«;metrie Zettunö des jud:n:um- Occleia »■* 6<*>rtf(Ieittins: Strlin etP6«, fiaitnSrarie 13 SetnfpreAee: 7*m! TTI*rie>p[<ie> 11545, 1031«, 7ST7 Der Kopf der ersten Nummer der C.-V.-Zeitung lllillllillilllllillllilllll es unmöglich zu machen, noch die Korrekturen in Magdeburg zu lesen. So gab es denn auch manchen Aerger. Die Zeitung, in wunderschönem Handsatz hergestellt, wimmelte von Druckfehlern, und bald finden wir Entschuldigungen, es sei leider nicht möglich, diese Druckfehler zu verhindern, weil die Zeitung in Leipzig hergestellt werde, und die gedruckten Aufsätze erst in der fertigen Zeitung dem Herausgeber zu Gesicht kämen. Einmal finden wir sogar die Mitteilung, ein wichtiger Text sei, „ohne Veranlassung der Redaction, durch eigenmächtiges Verfahren des Correctors, der deshalb entlassen worden, verunstaltet/' Wenige Jahre später allerdings verlangte das sächsische Pressegesetz — das Reichspressegesetz kam ja erst 1874 —, dass in Leipzig, dem Druckort, ein verantwortlicher Redakteur wohnen müsse. Und so wurde denn dort ein Mann ernannt, dem formell die Verantwortung übertragen wurde. Ob er jemals ein Manuskript zu sehen bekommen hat, das wissen wir leider nicht. Ueberhaupt war es mit der presserechtlichen Verantwortung eine merkwürdige Sache. Jeder Staat hatte damals noch sein eigenes Pressrecht. An manchen Orten gab es eine Vorzensur, an anderen nicht, und auch die A. Z. war einige Jahre lang der Zensur unterworfen, wobei es Philippson allerdings gelang, ohne jegliche behördliche Beanstandung durch all die Jahre seiner Scbriftleitung hindurchzukommen. Aber wir finden gelegentlich schon im ersten Jahrband den Hinweis, dass alles, was die Korrespondenten berichten, unter deren eigener Verantwortung erscheine. Ein Rechtszustand, der nach der Erfindung des wirklichen „Verantwortlichen Redakteurs", durch das Reichspressgesetz, und erst recht seit dem Schriftleitergesetz von 1933 nicht mehr möglich wäre. Philippson war alles in einer Person: Schriftleiter und Verleger, Vertriebsleiter und bald auch — Inseratenwerber. Er hatte die Zeitung ganz aus eigenen Mitteln aufgebaut. Aber sie muss sich auch bald zu einem guten Geschäft entwickelt haben. Denn schon am 19. Juli, also zwei Monate nach Erscheinen der ersten Nummer, konnte er seinem Bruder Phöbus mitteilen, „die vorige Woche hatte ich Besuch von einem Buchhändler aus Stockholm, der eben aus Leipzig kam und dem Baumgärtner sagte, es ginge sehr gut mit der Zeitung, einige hundert Exemplare gingen allein nach Polen". Und in einem Aufsatz im Jahrgang 1849 heisst es: ,.Als wir uns, 25 Jahre alt, auf dem Fahrzeuge der Zeitung einschifften, mutig die Flagge Judas entfalteten, mit jugendlicher Zuversicht an das Steuerruder traten, da meinten viele, das sei ein gebrechliches Ding, das an den ersten besten Klippen scheitern werde. Aber Tausende unserer Glaubensgenossen — wir sagen ,Tausende', gestützt auf die Abonnentenzahl schon im ersten Vierteljahr — riefen uns .glückliche Fahrt' zu und begleiteten uns mit ihren Wünschen und Hoffnungen." So also schlug das neue Unternehmen ein, und wenn es auch durch die Abonnementsbeiträge schon gesichert w-ar, so suchte Philippson doch nun auch Inserenten. Zuerst wandte er sich wohl nur an die Verleger. Da linden wir die merkwürdige Notiz, dass. wer ein Buch zur Besprechung einsende, auch ein Inserat aufgeben müsse — trotzdem entwickelte sich der Inseratenteil sehr langsam, denn auch in dieser Beziehung war die A.Z. ein Kind ihres Jahrhunderts, in dem das Zeitungsinserat erst sehr spät als Werbemittel Geltung bekam. Von einem geschlossenen Inseratenteil kann man eigentlich erst sprechen, nachdem die A. Z. im Jahre 1890, also nach dem Tode Philippsons, unter der Schriftleitung Ludwig Geigers nach Berlin verlegt und in den Druck von Rudolf Mosse übergeleitet wurde. Die Juden hatten sich, ihrer Eingliederung in die Umwelt entsprechend, gewöhnt, auch ihre Anzeigen in die inzwischen gewachsene allgemeine Presse zu setzen. So hatte die jüdische Presse schwerer als die allgemeine Presse zu kämpfen, bis sie einen eigenen nennenswerten Anzeigenteil bekam. Wenn wir Nachfolgenden heute mit allem Respekt, der uns unseren Ahnen gegenüber geziemt, die Jahrgänge der A. Z. durchblättern, so freuen wir uns jenes Werkes und geniessen wohl auch mit ästhetischem Vergnügen die Schönheit des Satzes, dessen Buchstaben, noch handgeschnitten, heute auf vergilbtem Grunde wie alte Kupfer wirken. Aber unser durch lange berufliche Schulung vielleicht allzu kritisches Auge vermisst etwas, was uns heute last ebenso wichtig wie der Inhalt der Nummer zu sein scheint, nämlich die „Aufmachung". Davon gibt es keine Spur. Wir hörten ja schon, dass den Umbruch der Drucker besorgte. Unausdenkbar für uns, die wir. selbst jede Woche in der Setzerei zu stehen und die Anordnung jeder Zeile anzuweisen gewohnt sind. Auch die Gruppierung nach dem Inhalt fehlt völlig. Wenn die Seite zu Ende ist und der Aufsatz nicht, so kürzt man nicht etwa, sondern schreibt „Fortsetzung folgt". Und so können wir es denn erleben, dass sogar Nachrufe sich durch sechs Nummern fortsetzen. Moderne Zeitungstechnik hielt erst ihren Einzug, als dem Amateurredakteur der Berufsredakteur, als dem Gelehrten der Schriftleiter, als der A. Z. die C.-V.-Zeitung folgte. So gibt auch das äussere Bild und das äussere Werden dieser Zeitung die Entwicklung des Jahrhunderts vom Biedermeier zur Technik wieder, dessen innere kulturelle und politische Wandlungen sie in ihrem Inhalte so klar aufzeigt. Aber über allen Wandel und über alle technischen Aenderungen dauerten Name und jüdischer Inhalt. Private Photo - Lehrgänge für Nichtarier von Julius GiUcksohn "rAr; *™ Berlin - Wilmersdorf

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