Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 18 (6.5.1937)
- Date
- 1937-05-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr.18*6.Mai1937___C.-V.-Zeitung__ Seite 5- 99. und" die Wissenschaft / vonFritz Bamberg In den langen Jahren ihres Erscheinens hat die A. Z. immer ein positives Verhältnis zur Wissenschaft gehabt. Mit dem Wandel der Zeitung und der Zeit änderte es sich. Nimmt man sich aus der grossen Reihe der Jahrgänge fünf oder sechs in Abständen von etwa fünfzehn Jahren heraus, so hat man diese Veränderung sinnfällig vor Augen. Der kulturhistorische Reiz einer solchen vergleichenden Betrachtung wird noch grösser, wenn man dabei die Rolle, die die Wissenschaft heute in unseren jüdischen Zeitungen spielt, nicht ganz ausser acht lässt. Noch eine Möglichkeit gibt es, um Masssiäbe für eine solche Betrachtung zu gewinnen: man wird sich fragen müssen, wie es denn um die Wichtigkeit der Wissenschaft in der allgemeinen Presse bestellt war? Oder auch — beide Blickrichtungen sind notwendig — welcher Art und wie stark die Leistung der nichtwissenschaftlichen Publizistik für die Wissenschaft war? Vor aller genaueren Festlegung hebt sich eine Tatsache heraus, die ebenso für die jüdische wie für die nichtjüdische Presse gilt. Die Zeitungen und Zeitschriften des vorigen Jahrhunderts sind wissenschaftlicher gewesen als die unserer Tage, auch wenn sie ihrer eigentlichen Bestimmung nach keinen wissenschaftlichen Zwecken dienten. Der Gelehrte hat sie als Publikationsorgane benutzt, und die Wissenschaft zitiert noch heute diese Zeitimgsveröffentlichungen. Welch eine Fülle an wissenschaftlichem Material enthalten doch zum Beispiel die Sonntagsbeilagen der alten „Vossischen Zeitung". Ein umfangreiches, mit wissenschaftlicher Genauigkeit gearbeitetes Register ist geschaffen worden, um den "Inhalt dieser Beilagen der Forschung leicht zugänglich zu machen. Nun ist Illllliii 2luff orfcctuit 3 an esffe Ssraeßtett Itetsdptabs 5 u (Sub ftripttontn/ eine jüMfi&e %atvtltät unfc ein jübtfße§ (Seminar füt £cutf<J>lan& ju btgtünöen. Sfrart frc&t *n f«ncm ©lauben, in fmwr 3iftung unb in feina bürgerlichen StÄung Öl eina tebeurfamm, tntfd&eib&nfcrn Ärifc! Sfratl tfcljt im Srntcjnmfte fcineS irninn onb 5uj«rn SJafrinö! Sie wrctaufmbjetyrigc ©efcfjirfjte SfaelS i|i gegcnroäriig an einen ScbcnSnrittetpunff gelangt, »ob Cera aus bie Sorferjung gfvart }ii feinem bofcn, &ciligei<3icie~tüfiren wirb. (SS ijl an tm5, ju bereeifra, ba§ bitfe tiertaufentjaTjrige Grfa&nmg triebt sergefieaS ao Sfrael «et» flbwgcgangm. (?s ift an tm§, ben (Sang ber SScgebenfieüen rmb NS Seben« rsicr>t aflem fidj felbft jn üfcffteffen. (SS ift aa m$, tbattrdfttg einjugreifen unb fcutd; eigne« Sc:! imfere Sn&nft ju befthnntm, mffl» 3tttun{t aufjubetfen. 2Bir fieb.en wr bem ganjen ©urepa, cor ba gefasijnten 3Xcnf<f$eit SSit fielen cor ber 3u!unft uttb aUm fclgenbcn ©cfdjtedjterii. IBir miljjm eurepa, wir muftin ter 3urunft, wir münen allen fotgenben (Sefijlet^tern baoeifen, itelcf)« tinfet 2Bifle, reaS unfer Streben ijl. SSir frefjrn »er einer langen Sergangenfjeit,"oor allen ratetgefunfenen ©efötafjtern, bi« un§ fragen: Sfjir fjabra <Sud> gefiit)rt bi* bjertier, geführt buref) Sumpf, fc-rd) 2ob, burd) Unterfcrüdung biä t)ierr>er — ber Sampf ifl jum grieben gestorben, ber Sob jum Seben, bie Untrrbrücfung jut SuISung — »eilet ifjt oun ben grieben jtim $eile, baä Seben jur <Srfcnnmi& bie Sutbung jur grtitjeit führen? (Aus der Nummer 88 vom 24. Oktober 1837.) . r .. .., '' ..^ .v^;.;,■ ■; allerdings dies eine Spitzenleistung. Aber auch die grossen Beiträge Ludwig Philippsons, des Redakteurs der A. Z., für seine Zeitung konnten noch 1911 anlässlich seines 100. Geburtstages mit anderen Arbeiten zu den zwei Bänden der .,Gesammelten Abhandlungen' mit dem Anspruch zusammengefasst werden, von der wissenschaftlichen Absicht her dauernde Werte darzustellen. Die Redakteure unserer jüdischen Zeitungen werden ähnliches für ihre Artikel nicht erwarten. Damit ist niemandem ein Vorwurf gemacht, sondern nur die verschiedene Funktion der Zeitung früher und heute der Wissenschaft gegenüber klargestellt. Diese Verschiedenheit hat ihren Grund in dem Wandel der Wissenschaft selbst und in dem veränderten Bildungsinteresse der Leserschaft. Die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts ist stärker am Stoff interessiert, als es die heutige Wissenschaft ist. Die moderne Wissenschaft, ganz gleich wie ihre Methoden im einzelnen Fall und Fach auseinandergehen, nimmt den Stoff fast schon als Voraussetzung, die sich von selbst versteht. Sie gebraucht ihn als Material, mit dem sie arbeitet und das sie sehr viel stärker verarbeitet, als das früher die Wissenschaft tat. Sie sucht die grossen Linien, die geistesgeschichtliche Entwicklung oder die psychologische Vertiefung. Sie braucht dazu Belege, aber es liegt ihr nicht mehr so viel an einer sorgfältigen und in sich ruhenden Beschreibung dessen, was sich der Wissenschaft als Stoff zunächst darbietet. Die Wissenschaft und wissenschaftliche Darstellung früherer Zeit waren bescheidener und gaben der blossen exakten Mitteilung bisher unbekannter Tatsachen bereits einen grossen wissenschaftlichen Wert. Die veränderte Wissenschaftsidee geht mit einem sich verändernden Ideal der Allgemeinbildung zusammen. Diese sinkt quantitativ ab und lässt an Reichhaltigkeit nach. Man stellt die Forderung nach Konzentration, begründet sie mit der grösseren technischen und zivilisatorischen Beanspruchung des modernen Menschen und vergisst den Wissenszuwachs als solchen zu schätzen. Man fordert eindeutige Weisung. Man verlangt den Wissensstoff bereits hergerichtet, auf bestimmte Interessen zugeschnitten und (die historische Belletristik ist zu einem grossen Teil ein böses Beispiel dafür) beziehungsreich aufgemacht. Die veränderte Wissenschafts- und Bildungslage musste den Platz, den die Wissenschaft in der Zeitung einnahm, beschränken. Aus der Art dieses eben jetzt nicht mehr vorhandenen wissenschaftlichen Interesses erklärt sich die Bedeutung, welche die Wissenschaft früher für die Zeitung haben konnte. Schon von der Form her lässt sich dieser Nachweis führen. Die Wissenschaft des vorigen Jahrhunderts liebte die Miscelle, d. h. die kleine wissenschaftliche Mitteilung vom Umfang weniger Zeilen, die schlicht und anspruchslos in ihrem Bericht ein neues Steinchen zu einem grossen Wissensmosaik hinzutat. In den meisten Fällen war der Gelehrte bei anderer Arbeit nebenbei und zufällig auf sie gestossen, sie war eine Lesefrucht oder etwas, was bei der Niederlegung von Forschungsergebnissen am Rande liegen blieb, aber doch zu wertvoll war, um verlorenzugehen und vergessen zu werden. Die Zeitungen haben in Fülle solche wissenschaftlichen Miscellen wiedergegeben, die A. Z. nicht ausgeschlossen, und haben schon so einen lebendigeren Kontakt mit der Wissenschaft gehalten. Der geringe Umfang dieser vermischten Mitteilungen hat den Raum der Zeitung nicht über Gebühr in Anspruch genommen, aber sie instand gesetzt, von wissenschaftlicher Arbeit auch dann Kenntnis zu geben, wo der umfangreiche und sorgfältig ausgearbeitete Aufsatz den Rahmen der Zeitung gesprengt nätte. Aehnlichen Anlass, aber grösseren Wert haben die zahlreichen, Erstveröffentlichungen bisher unbekannter Briefe und anderer Dokumente. Zwei Beispiele seien für viele gleichgelagerte Fälle angeführt. Der Literatur- und Kulturhistoriker Ludwig Geiger, der Sohn Abraham Geigers, und Meyer Kayserling, jüdischer Historiker und Mendelssohnbiograph, haben neu bekanntgewordene Briefe Mendelssohns und viele andere literarhistorisch wertvolle Manuskripte, fast könnte man sagen, laufend in der A. Z. bekanntgegeben. Diese Editionen sind anspruchslos und auch in ihrer Wirkung auf den Leser fast ganz auf den Text gestellt. Gewiss haben diese Veröffentlichungen nicht nur als wissenschaftliche gewirkt. Der fachlich Interessierte ist zu seinem Recht gekommen, ebenso aber auch der breitere Kreis derer, die an einem Brief Mendelssohns nur die Kuriosität empfinden konnten oder ihn als das von einem Grossen stammende Erinnerungsstück bemerkenswert und ehrwürdig gefunden haben. Vor einigen Jahren hat eine grosse Zeitung in regelmässiger Folge bisher unbekannte oder einem, grösseren Kreis unbekannt gebliebene Briefe bedeutender Menschen abgedruckt. Es ist kulturhistorisch und für den Wandel des Bildungsinteresses aufschlussreich, dass der Brieftext selbst dabei nicht eigentlich die Hauptsache wTar, sondern dass, an ihn anknüpfend und ihn interpretierend, ein Essay sich anschloss, das sich zu dem Brief selbst etwa verhielt wie musikalische Variationen zu dem Thema, über das sie gehen. Die alte Art, die nicht nur von der A. Z. gepflegt wird, sondern für die ganze zeitgenössische Presse typisch ist, hat die wissenschaftliche Publizistik entlastet und die Wissenschaft selbst lebendig und beweglich gemacht. Wieviel von dem, was der einzelne Wissenschaftler heute ausgräbt und entdeckt, bleibt unbekannt und geht der Wissenschaft verloren, weil es zum Buch oder zum wissenschaftlichen Aufsatz nicht ausreicht. Es gäbe aber einen falschen Eindruck, wenn man meinen würde, die Wissenschaft wäre in der A.Z. nur in dieser „kleinen Form" vertreten. Im Gegenteil-: sie bringt wissenschaftliche Aufsätze von einem Umfang, den heute jeder Schriftleiter hohnlächelnd ablehnen würde. In dem frühen Jahrgang 1838 werden die Erörterungen über die Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät durch 32 Nummern hindurchgeführt, ein Aufsatz über die Landwirtschaft der Hebräer beansprucht 12 Fortsetzungen. Ludwig Philippsons populärphilosophischer Aufsatz „Ueber den Pessimismus (aus dem Jahrgang 1876) hat in den „Gesammelten Abhandlungen" 24, ein Artikel „Die fortschreitende Entwicklung" (1884) 38, eine Abhandlung über die Lehre des Judentums von der göttlichen Vergeltung (1870/71) fast ebensoviel grosse Oktavseiten. Zehn Bücherbesprechungen, allerdings Auseinandersetzungen IIIIIIIIIIII Photographisclies Portrait in xsifttenfarten - <yormat nadj ber Statur aufgenommen im 3anuar 1 SGI. Dr. Oabriel Riesser, ganje gigur. ^ptedjcnb äfjnlicfj; auSgejeidjnefc Seijtung auf bem gelbe ber ^fjotcgrapljic. SEirb in Scutfdjlanb gegen 8vana?:(Ein[cnbungbcö 93efra; geS sen i £f?lr. Sprcujj. (Stf. franco erpebirr. Hamburg.. >@$>r. Serena ftf&n. SBiAewcrfaufet erhalten' angemefienen Rabatt. (Aus der Nummer 7 vom 12. Februar 1861.) HDsn Ti bv jnsan IHT ©Ie üon meinem Safer, bem Cfta&fcmer, #errn (Samuel £a^aru$ 23oget3&orff fy'cr fetf circa 50 3<ri?ren rübmtidjjf betriebene £ftümpd?ett*$a&nf fabe id) übernommen. 3a? berbinbe hiermit &te ergebende 2m* jw'gc, bapid) $Uümpd)en*:Sonbon$ vmb alle in Me3 $acf/ getjörenbe SlrfifeT für YtfD f°^e un^ fa" brisire. 3u geneigten STuffragen empfier/tf fidj pofen im OMvi 1846. 2$eöi)or #ogete&örff. (Aus der Nummer 14fom 30. März 1846.) mit ausserordentlich wesentlichen Büchern, wie David Friedrich Strauss „Der alte und der neue Glaube", Mommsens fünftem Band der Römischen Geschichte, Eduard v. Hartmanns Streitschriften, Renans Geschichte des Volkes Israel und Treitschkes Deutscher Geschichte im neunzehnten Jahrhundert, fassen, neu abgedruckt, 278 Buchseiten. Auch in dieser grösseren Form wird ernsthafte wissenschaftliche Arbeit vermittelt (erst in den letzten Jahren der Zeitung kann dieser Anspruch nur noch selten aufrechterhalten werden). Schon äusserlich tritt das in Erscheinung: die Aufsätze haben zu einem grossen Teil Anmerkungen, wissenschaftliche Fussnoten, die die Belege, ins Einzelne gehende oder polemische Exkurse bringen; Fremdsprachiges (vom Hebräischen bis zum Griechischen) wird häufig unübersetzt angeführt (und ist, o Wunder, ohne Druckfehler gesetzt!). Dabei muss man berücksichtigen, dass die Zeitung die wissenschaftlichen Publikationsorgane nicht ersetzen will und auch nicht zu ersetzen braucht, da es genug davon gibt. Der Grund der grösseren Wissenschaftlichkeit einer Zeitung wie der A.Z. liegt an der Stellung, die die Wissenschaft überhaupt im Leben einnimmt, sie wird dadurch ermöglicht, dass die geeigneten Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Dem gebildeten Bürgertum der Mitte des vorigen Jahrhunderts war die Wissenschaft. als die Garantie ihrer Bildung nahegebracht worden. In diesem Sinn kamen alle Richtungen überein, die das kulturelle Gesamtbild des 19. Jahrhunderts geformt haben. Für die Aufklärung lag in ihr die Gewährleistung richtigen Tuns auf Grund "richtiger Einsicht, die Klassik sah in Ihr den Ausdruck menschlicher WTürde, die Romantik die Bewusstwerdung der jeden Einzelnen und die Gemeinschaft formenden historischen Kräfte, die aufkommende neue Naturwissenschaft den Weg zum Fortschritt. Für das Judentum, das vor noch nicht allzu langer Zeit seine Wissenschaft erst begründet hatte, galt das noch akzentuierter. Den Begründern der Wissenschaft des' Judentums war diese zu errichtende Wissenschaft als der Weg erschienen, auf dem das Judentum zur modernen Bildung geführt werden sollte. Seine wissenschaftliche Begründung war ihnen mit der Rechtfertigung jüdischer Existenz gegenüber der modernen Welt identisch. Wenn Frankel in den 50er Jahren zugespitzt sagen konnte: Ohne Wissenschaft kein Judentum, so verband sich darin eine alte jüdische Tradition mit der allgemeinen Ueberzeugung der Zeit. Aus den ersten Jahrgängen der A.Z. spürt man noch den Stolz und die Genugtuung heraus, wenn irgendwo (nicht nur bei Juden) Jüdisches Gegenstand wissenschaftlicher Bemühung ist. Sie bringt ^t^idLm^:^^ f\ RiEIDUHGFF W?ä* w FF-FERTIG-KLEIDUNG 40.- 50.- 60.- 70.- 80.- FF-SONDER-ANFERTIGUNG ~* 70.- 90.- 100, FF-REIN^MASS mit 2 Anproben 100,-110.*-13Q.r- Als Speziaf-Geschäft für wirklich gute Herren- Kleidung mit hervor/agender Paßform und tß. ' gediegener Verarbeitung haben wir uns einen Leistungsruf erworben, der uns die Treue Zehntausender von Stammkunden sicherte, die durch ständige Weiterempfehlung ihre Zufriedenheit zum Ausdruck bringen. Dieses sollte erst recht für Sie Ansporn sein,, unsere Angebote " bei ihrem diesjährigen Einkauf nicht ungeprüft zu fassen. FF erwartet Siel