Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 18 (6.5.1937)
- Date
- 1937-05-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 C-V.-Zeitung Nr.18*6.Mai1937 wurde, durfte Philippson die stolze Freude geniessen, die Festrede zu halten. Noch eine Frage von allgemein-jüdischer und von wesentlicher Bedeutung für die Art Philippsons sei hier mit einigen Worten gedacht. Im Jahre 1840 erschien eine C. L. K. unterzeichnete Broschüre „Neu Judäa", die einen Entwurf zum Wiederaufbau eines selbständigen jüdischen Reiches enthielt. Sie forderte die Schaffung eines Territoriums als Voraussetzung für die Bildung einer politischen „Staatsnation". Während sich Julius Fürst, der Herausgeber des „Orient", zustimmend zu dem Plan äusserte, wandten sich I. M. Jost und besonders Philippson mit aller Schärfe gegen die Idee eines jüdischen Staates. In einem Artikel: Tages Controlle (19. September 1840, Nr. 38) kritisiert er Veröffentlichungen der englischen Zeitschrift „The Globe", die mit dem jüdischen Staatsplan sympathisierten. Philippson sieht die Aufgabe Israels in Palästina als gelöst an und betont die neue Mission Israels im Galuth: ■ „Welche sie sei. mag uns in der Tiefe des Bewusstseins liegen. Die Zeit ruft sie! Auf die Zukunft hat sie den meisten Anspruch. Die Gegenwart aber sagt uns: ihr solltet an der Menschheit existieren... Was hätte hiermit eine Kolonie heimatloser Juden zu tun. deren Bestand eine Gnade entfernter Mächte ist. deren Beschaffenheit von fremden Befehlen abhängt, deren Wesen ein zweck- und tendenzloses Judentum sein würde?"-- Seine ganze Kraft und seine ganze unermüdliche ■ Arbeit bis zum letzten Aufsatz, den er noch wenige Stunden vor seinem Tode für die Zeitung diktierte, hat Philippson diesen seinen Idealen gewidmet: der Wahrheit des Erkennens, der Liebe zu seinem Judentum, dem Recht als dem ewig unerschütterlichen Pfeiler jeder sittlichen Gemeinschaft * Nach dem Tode Philippsons übernahm Gustav Karp e 1 e s die Redaktion der Zeitung, die er bis zu seinem Tode (22. Juli 1909) geführt hat. Es war kein leichtes Erbe, das er antreten musste, denn sein Vorgänger hatte der Zeitung den Stempel seines eigenen Standpunktes und seines Temperaments aufgedrückt. Aber indem Philippson die Ziele des Fortschritts mit Mässigung und mit Schonung anderer Auffassung vertrat, war die Zeitung doch gleichzeitig zu einem die gesamte Judenheit umfassenden Bande geworden. Gerade dies ermöglichte es Gustav Karpeles, der von Haus aus der konservativen Richtung angehörte, auch seinerseits im Geiste der höheren Einheit des Judentums zu wirken. Im Gegensatz zu Philippson ging Karpeles der kämpferische Sinn und die Freude am' Waffengang mit politischen Gegnern ab, er war eine mehr beschauliche, kontemplative Natur mit einem leichten Zug ins Elegische. Aber die Zeit, in der die schweren Kämpfe um und gegen das. Judentum in der Öffentlichkeit ausgefochten wurden, haben auch in ihm Kräfte entwickelt und ihn zum öffentlichen Verteidiger seiner Gemeinschaft gehärtet. Der Literarhistoriker Gustav Karpeles, der im Sturmjahr 1848 in einer kleinen Stadt Mährens geboren war, der Verfasser wertvoller Heine-Bücher, war in weiten literarischen Kreisen kein Unbekannter mehr. Sein dauerndes Denkmal aber hatte er sich sclion 1885 durch die zweibändige „Geschichte der jüdischen. Literatur" gesetzt, deren Ziel' es war, das jüdische Schrifttum in die Weltliteratur einzugliedern und ihr die allgemeine Beachtung zu gewinnen, die ihr gebührt . . . Waren seine literarischen Arbeiten der Wissenschaft, seine publizistischen dem Tage und dem Tageskampf gewidmet, so galt ein Gebiet seiner Tätigkeit der Belehrung seiner Glaubensgenossen in weitestem Sinne: dem' jüdischen Geschichte- und Literaturverein. 1892 gründete Karpeles in Berlin den Verein für jüdische Geschichte und Literatur und nach und nach bildeten sich in ganz Deutschland gleichnamige Vereine, deren Zahl vor dem Kriege 220 war, und deren Verband Karpeles führte. Das Jüdische Lehrhaus neben dem Bethaus, in späteren Jahren lebendige Wirklichkeit geworden, war das Ziel, das Karpeles vor Augen stand, als er seinen Verein gründete. * „Kulturgeschichte" schrieb einmal M. Steinschneider, „ist das eigentliche Ziel der Weltgeschichte, weil das Ziel aller Geistestätigkeit." Ludwig Geiger, der Sohn Abraham Geigers, Professor an der Universität Berlin, war Kultur- und Literaturhistoriker. Als solcher hat er die Zeitung geleitet, als solcher hat er ihr zehn Jahre lang Farbe und charakteristische Tönung gegeben. Es war eine bittere Enttäuschung für Abraham Geiger, als der Sohn nach kurzer Zeit der Vorbereitung für den Räbbinerberuf seinen Entschhiss änderte. Aber wenn Ludwig Geiger Geschichte und Literatur studierte, so sind diese seine Studien durch die Vertiefung seiner Erkenntnis von den Beziehungen der allgemeinen Kultur und jüdischer geistiger Entwicklung seinem nie erlöschenden Interesse für die Geschichte der Juden zugute gekommen. Blättert man in den Jahrgängen unserer Zeitung, die er geleitet hat, so wird man den Niederschlag seiner Studien nicht nur in den einzelnen Aufsätzen und unzähligen historischen und literarischen Miszellen wiederfinden. Mehr noch spiegelt sich der Geist des Humanismus, der ins Universale gehende Zug als Frucht seiner Arbeiten über die geistigen Strömungen der Neuzeit in der Gesamthaltung "des Blattes wider. Nur im Zusammenhange und in dem Zusammenklingen mit der seelischen Entwicklung der Umwelt, wie sie am reinsten sich in den künstlerischen und literarischen Schöpfungen offenbart, konnte sich Ludwig Geiger die geschichtliche Erscheinung des modernen Judentums in Deutschland-''denken. Der Mann, der 34 Bände der von ihm begründeten Goethe-Jahrbücher herausgab, der die Geschichte des geistigen Lebens der preussischen Hauptstadt 1688 bis 1840 darstellte, war so erfüllt von diesem Geiste der Umwelt, in deren Mitte er lebte und die ihm ureigenster Besitz geworden war, dass ihm jeder andere Gedanke fremd und unfassbar erscheinen musste. Diese seine Stellungnahme haben Ludwig Geiger von verschiedenen Seiten den Vorwurf des Unjüdischseins oder nicht genug Jüdischseins eingetragen. Wenn schon sein Wirken im Dienst des Judentums, wie es sich in der „Allgemeinen Zeitung'' und zahllosen Veröffentlichungen darstellt, diese Vorwürfe entkräften, so legt ein besonders beredtes Zeugnis von seinem Judesein ein Gedicht ab, das er 1916 — während des Krieges — als Bekenntnis und als Dank für den Vater veröffentlichte: „Judentum". * Albert Katz, der nach Geigers Tod die Redaktion 'der Zeitung übernahm, hat sie nur kurze Zeit — vier Jahre — geleitet. Es waren die schlimmen Zeiten der Nachkriegszeit: der Revolution, der Inflation, der Umwertimg der sittlichen und geistigen Werte auf allen Gebieten. Katz war noch ganz von der schwärmerischen Begeisterung seiner jungen Jahre für die Haskaia erfüllt und sah in der Verbreitung jüdischen Wissens und jüdischer Aufklärung einen der Pfeiler jüdischen Lebens. Mit gewandter Feder und reichem theologischen Wissen hatte er schon zu Geigers Zeiten die Leitartikel der Zeitung gesehrieben und die Bei- IIIIIIIIIIIIIH^ läge „Der Gemeindebote" geleitet. Die kurze Zeit seiner Tätigkeit und seine Krankheit Hessen den treuen, selbstlosen, hingebenden Arbeiter nicht mehr zur vollen Entfaltung seiner Fähigkeiten und seines Wollens kommen. *' Vier Redakteure schufen geistige Haltung und Lebensstil der A". Z. Durch das Medium ihres Temperaments, ihrer Bildung, ihrer Persönlichkeit wurde die Ganzheit des jüdischen Lebens gleichsam in seine Spektralfarben zerlegt, die sich in den Erscheinungen von Politik und Sozialgestaitung, in den Leistungen von Kunst und Wissenschaft zeigten: „Am farbigen Abglanz haben wir das Ltben." Aus alten Jahrgängen Slnsctgcr. 3n fccmjelbcn werben Annoncen aller 2frt gcaen l ©r. ©t; fcüfyrcn für bic gcfpaltenc Seile auö $>ctit Sdjaft obec beten Sfaum aufgenommen. £tfr33ctlag$&anblung. golgenbe emrfctjlcnsirertt'c Südjcr fi'nb im Serlagc bcS Unter.- gcfdjnetcn crftf;tcncn, unb t>uiei) alle ffiudjfjanbiungtn ju erhalten: Perlenscbnüre aramäischer Gnomen und Lieder oder aramäische Chrestomathie, mit Erläuterungen u n «1 Glossar. »r. JuI. Fürst. Zu des Verfassers aramäbchum Lehrgebäude als UebungsbucK jcliöri-, Gr. S. I Tiilr. 8 Gr. Der SScrfafier bc» »arcimöifcjen Sc&rgc&äubcS« fjat in biefetf (Sfjrejremacljie bie loieigfren Sinnfprück, bic [c^enfren "parrbtecn ber jübt'fdjcn Salome: Sage, ur.b Inderin ber cJirtjiltctjen Söclr unbekannte gcjtgcfänge, in einem juerft viclm'g punfrirren unb rrin'i'd.) u>icbcri)ä-gifreu"ten tfwmdifav mit realen unb [pracijliäiE;; (Scholien, üufammcngefrcllr, baü Dieüllnn jugleid] ein nüstidu-s UebungSbud) für ben Srfiüler, eine intenifante Satton für ftreunbe orientalifdH'r Wccjie, unb ein wichtiger Beitrag lpradjn?tffenft^ofrlieget (frgcbnnye für bie gorberer fanfcrirofamitiidjer ©tubien in. Namen der Jude n. Eine, gesch i c lit Ii che Untcrsu chu n g ron Dr. Zunz. 8. IS Gr. £cr ©egenfranb biefer Schrift, »reicher in ber neueren Mit ein befonbereö allgemeines Sntcriffe erhalten hat, ift con bent berühmten Jöcrrn 25crfaficr aus bem gerichtlichen Sranöyunrte aufgefaßt, unb mit oorjügluijcr ©rünbt'ichteir erörtert. SJ. jyDi't trt ^etysifl- (1. Anzeige aus der Kummer IS vom IG. Juni 1SS7.) A m 24. Juni wurde der durch seine Mildtätigkeit ausgezeichnete israelitische Kaufmann Moses Montefiore von der Londoner Bürgerschaft aus ihrer Mitte für das nächste Jahr zum Sherif von London und Middlesex erwählt. Es ist dies also der zweite jüdische Sherif, den sich die City im Zeitraum %'on zwei Jahren gegeben, ein hinlänglicher Beweis, dass sie mit der ersten Wahl sehr zufrieden war; und zwar beides sehr religiöse Männer, die sich durchaus genieren, z. B. am Sonnabend zu Fuss in die Sitzung zu kommen. Ueberhaupt sind die englischen Juden ebenso weit entfernt, ihre Religionsgebräuehe um der äusseren Annäherung wällen zu verleugnen, als die englischen Christen es sind, dergleichen von ihnen zu erwarten oder zu verlangen. So z. B. hält die. mechanics-institution in Manchester, eine sehr ausgedehnte Anstalt zur Beförderung allgemeiner Bildung unter den Handwerkern und Fabrikarbeitern, gegenwärtig keine Sitzung am Sonnabend ab, weil ihr vor kurzem erwählter Präsident, der Dr. Franklin, an diesem Tage nicht schreibt. "Montefiore hat vor VA Jahren dem König der Belgier ein sehr elegantes Dejeuner in seiner sehr kostbaren Lauberhütte gegeben. Ebenso sind die bei jüdischen Stiftungen vorkommenden Öffentlichen Mahlzeiten nie anders als kaschar gekocht und werden, unter dem Vorsitz von Rabbinern mit den hebräischen Gebeten sehr nachdrücklich und mit bedecktem Kopfe von der ganzen Gesellschaft, eingeleitet und geschlossen, ohne dass es den. sehr zahlreich anwesenden sehr vornehmen Christen (Prinzen,! Lords,.Parlamentsmitgliedern usw.), die auch zu diesen Anstalten beisteuern, einfällt, dies im geringsten unbritisch oder unaufgeklärt zu finden und allenfalls mit achselzuckender Herablassung zu bemitleiden. Diese Erscheinung wurzelt aber lediglich darin, dass den freien Engländern ihre Freiheit nichts Neues, nichts Sauererworbenes, nichts von tausend Argwohnen Belauertes, sondern der natürliche Zustand ist, den sie anderen ebensowenig missgöniien wie ein' Gesunder dem anderen sein Wohlbefinden. (Aus der Kummer 85 vom IS. Juli 1S37.) Die Zeremonie der Beeidigung des Sheriffs, welche dem Herkommen gemäss am Tage nach Michaelis, diesmal am Sonnabend stattfinden sollte, wurde auf den Montag verschoben, weil einer der neuen Sheriffs, der Banquier Montefiore, ein Israelit ist. Dieser Mann, durch seine Wohltätigkeit sehr beliebt, hängt mit. Gewissenhaftigkeit.an dem Glauben seiner Väter. Er hat schon eine Wallfahrt nach Jerusalem gemacht. — Bekanntlich wurde schon früher Herr David Salomons, ebenfalls ein Jude, zum Aldermann der City erwählt. (Aus der Xununer.SS xom 24. Okiober 1S37.) bleut* Mkkt, dm*!*---- W: Dl kaufen Sie Ihre Kleidung für die DAME, den HERRN, das KIND LEIPZI-GER5TR ASSE RNOLD HÜLLE TA U EN TZ I EN STRASSE