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Central-Verein-Zeitung · 1937-05-06 · 18 (6.5.1937) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
18 (6.5.1937)
Date
1937-05-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seife 2 C-V.-Zelfung Nr. 18* 6. Mai 1937, A stra^ tferren-MlKe* Sei I fffmM Unterwasc^/ 'OTl^ HÄcii AM BERLINER RÄTHAUS*SEIT 18?2 Für uns, die wir im Getriebe der Re- 'daktions- und Verlagsarbeit stehen, ist unauslöschlich gegenwärtig, wie wir 1933 merkten, dass man aus Rotationspapier und Druckerschwärze Dämme gegen MutundHoflnungslosigkeit auszurichten vermag. „Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt", versuchen wir, alle mitsehen zu lassen, die uns befreundet sind. Je enger wir den Kreis fühlen, der unseren jüdischen Raum umgrenzt, um so stärker pflegen wir die Vertiefung. Jakob Burckhardt sagt einmal zum Lobe der Krisen — und zweifellos befinden wir uns in einer solchen —, dass sie ungeahnte Kräfte in dem einzelnen und in der Masse erwecken und „auch der Himmel hat einen anderen Ton". Das haben wir gespürt Wir haben Vieles schwinden sehen, was vielen lieb und teuer war; aber wir haben niemals Leichenreden gehalten, weil für uns nur Zeitliches starb. Um den überzeitlichen Sinn unseres Lebens als Juden in Raum und Zeit sind wrir jede Stunde bemüht geblieben; aber wir haben keine Tröstung versucht, die nur als Schminke auf der Blässe der Bangnis geklebt hätte. Wir gehen den wirklichen Kräften der Zeit nach; aber wir durchmessen nicht wie Sonnenblumenjeden Tag einmal alle Richtungen,;'aus denen gerade Helle und Wärme strömt. Der jüdische Mensch mit seinen sachlichen und seelischen Nöten ist unsere Sorge und der jüdische Gedanke in seiner fruchtbaren Auseinandersetzung mit den Mächten der Zeit. Echte Begabung suchen wir zu fördern, und ehrlicher Polemik antworten wir ehrlich und frei. Wir wenden uns gegen jede Enge im jüdischen Bezirk. Der jüdischen Welt und allen Welten, in der Juden denken, arbeiten und leben, fühlen wir uns geöffnet. Aus grossen Weiten kommen die Winde her, die Dumpfheit aufhellen. Wir fangen sie auf, und die Ferne bietet sich mit ihren Möglichkeiten und Versprechungen dar. „Wir haben während unserer ganzen Wirksamkeit den Grundsatz befolgt, dass, wo irgend innerhalb des Judentums sich Leben regte, eine Kraftäusserung zutage strebte, ein Gedanke die Geister zu beleben und zur Beteiligung des Interesses führen könnte, dies mit aller Kraft zu fördern ist." Durch die Zeiten und Men- ' sehen hindurch ist in diesem" Satze Ludwig Philippsons die innere Kontinuität der hundert Jahre unserer Zeitung gewahrt. durch solche Schritte aber ein grosser Schaden für das ganze Land angerichtet werden. K.J.R. Südafrika Das Südafrikanische Parlament hat in dritter Lesung eine neue Bestimmung für die Regelung der Einwanderung nach Südafrika angenommen, durch die die Einwanderung von Personen unterbrochen wird, die ihre Staatsangehörigkeit verloren haben. In der Bestimmung heisst es, dass Personen, deren Ausweispapiere zu den sogenannten „einseitigen Papieren" (one way-papers) gehören, künftig nicht mehr zur Einreise nach Südafrika zugelassen werden sollen. Der steilvertretende Innenminister J. H. Hofmeyer erklärte, dass in der Zeit vom 1. November 1936 bis zum 1. Februar 1937 nur 56 Einwanderungskandidaten in die Union gekommen sind. Nach dem 1. Februar war die Zahl der Einwanderer noch geringer. Jüdische Einwanderer, die in der Zeit vom 1. November bis zum 15. Februar eingetroffen sind, erhalten die Bewilligung zu vorübergehendem Aufenthalt, bis die Entscheidung des Einwanderungsausechusses bekannt geworden ist. Erörterungen um die Judenfrage In verschiedenen europäischen Landern sind in den letzten Tagen Stimmen laut geworden, die sich in mannigfacher Form mit der Judenfrage beschäftigen. Die Gleichzeitigkeit dieser Aeusserungen lässt die Vielfältigkeit der Beurteilung deutlich werden, die man dem Vorhandensein von Juden innerhalb der Grenzen der verschiedenen Länder zuteil werden lässt. * Oliver Stanley, der en g 1 i s c h e Unterrichisminister, hat sich auf einem Bankett des Ausschusses für jüdische religiöse Erziehungswarn Juwelier aara A # Lodwlg Steinmetz \ Nürnberger Str.56 (nebenWoolworth) arbeit in London mit der Lage der Juden in England beschäftigt. Der Minister wandte sich dabei aufs schärfste gegen eine judenfeindliche Propaganda in England, da sie weder den überlieferten Anschauungen des englischen Volkes noch den Leistungen der britischen Juden im [Weltkrieg entspreche. Niemand habe in jenen trüben Tagen des Krieges gesagt: Du darfst nicht für uns sterben, denn du bist ein Jude. Solle man jetzt in den Tagen des Friedens sagen: weil du ein Jude bist, darfst du nicht mit uns leben? In der italienischen Presse sind, wie wir vermerkt haben, in den letzten Wochen an einigen Stellen scharfe Angriffe gegen die Juden zu verzeichnen gewesen. So hat noch zuletzt die Zeitschrift „Quadrivio" unter der Ueberschrift „Die jüdische Nation" einen Artikel veröffentlicht, in dem sie darauf hinwies, dass die Juden überall nicht nur eine Religionsgemeinschaft — wie dies in Westeuropa behauptet werde —, sondern eine ethnische Einheit bildeten. Innerhalb der Führung des italienischen Judentums sind im Zusammenhang mit solchen Presseangriffen lebhafte Gegensätze zwischen zionistischen und nichtzionistischen Kreisen aufgebrochen. Die Folge dieser Vorgänge war der Rücktritt der Exekutive des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens, der die staatlich anerkannte und in das italienische Korporationssystem eingegliederte Gesamtorganisation der italienischen Juden ist; allerdings begründete Krankenversicherung Aufnahme bis 70 Jahre ohne Untersuchung I HSHS SChW3rZ G™BoXeJ°eIm^ die Exekutive, deren Geschäfte zunächst ein Regierungskommissar fortführt, ihren Rücktritt mit dem kürzlich erfolgten Ableben ihres Präsidenten Feiice Ravenna. Die jüdische Zeitschrift „Israel" hat die antijüdischen Presseangriffe zum Anlass für einen grundsätzlichen Artikel über die Stellung der Juden im Staate genommen. Sie weist darauf hin, dass Zionismus mit italienischer Vaterlandsliebe keineswegs unvereinbar sei. Die Tatsache, dass er in Sowjetrussland verfolgt wird, beweise, dass er keine Bewegung des Umsturzes sei. Der Führer der Faschistischen Partei .. Frankreichs (Französische Sozialpartei), Oberst de la Rocque, hat eine Erklärung zur Judenfrage abgegeben. Er geht davon aus, dass die Partei nicht antisemitisch sei, einmal, weil sie alle Bekenntnisse respektiere, sodann, weil , es in Frankreich mit Rücksicht auf die Rassenmischung innerhalb der französischen Ration - keine Rassenfrage geben -könne. Einen Franzosen wegen seiner Abstammung oder Religion zu bekämpfen, sei sinnlos, zumal, wenn er am Krieg teilgenommen .'. habe. Das einzige Kriterium sei Assimilation mit uneingeschränkter Annahme aller französischen Sitten, Gewohnheiten, Gefühle und Gedanken. Dem Ministerpräsidenten Leon Blum wirft de la Rocque vor, dass er durch seine Politik einen Anreiz biete, die Judenfrage aufzurollen, und hauptsächlich jüdische Mitarbeiter heranziehe. Im Anschluss an eine auch von uns verzeichnete Rede des ungarischen Ministerpräsidenten Da ran vi veröffentlicht der Präsident der Landeskanzlei ungarländischer Israeliten und der Pester Kullusgemeinde, Hofrat Samuel Stern, im „Pesti Naplö" einen Artikel, der sich mit den in letzter Zeit gegen die Juden gerichteten Angriffe beschäftigt. Es müsse vom jüdischen Standpunkt aus Klarheit darüber geschaffen werden, ob es in Ungarn ein „Judenproblem" gebe, nachdem diese Fragestellung nicht nur von seiten radikaler Elemente, sondern auch von höchster Stelle aufgenommen worden ßei. Hofrat Stern wies auf die Verbundenheit der Juden mit dem Lande und auf ihre Leistungen im Verlauf der letzten anderthalb Jahrhunderte hin. Im Weltkrieg hätten zehntausend ungarische Juden bewiesen, dass sie für ihr Vaterland auch zu sterben wüssten. Bei aller Objektivität sei es daher ein wenig karg, wenn der Ministerpräsident auf die Frage, ob tatsächlich das Judentum die Ursache allen Uebels sei, bemerke, es würde zweifellos auch dann U ebelstände geben, wenn kein Judentum in Ungarn vorhanden wäre. Ohne die Friedensarbeit der Juden und ihre Leistungen im Kriege würde der Zusammenbruch des Landes viel grössere Ausmasse angenommen haben. Die Stellung der Juden innerhalb der [Wirtschaft, die der Ministerpräsident als zu stark bezeichnet habe, sei darauf .zurückzuführen, dass die Juden in Ungarn früher Zugang lediglich zu den wirtschaftlichen Berufen gefunden hätten. Erst eine Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben würde eine Judenfrage in Ungarn aufwerfen, nämlich die, wie für die verdrängten Juden neue Lebensmöglichkeiten geschaffen werden könnten. Gleichzeitig würde Meldungen aus Polen Im Anschluss an die von uns in der vorigen Woche veröffentlichten Erklärungen des Stabschefs des vLagers der nationalen Einigung", Oberst Kowalewski, hat der Verband der jüdischen Teilnehmer an den Kämpfen für die Unabhängigkeit Polens -eine zweitägige Konferenz abgehalten. Der Verband bekannte sich zu seinem unpolitischen Charakter und wandte sich dagegen, dass in diesen unruhigen Zeiten Gegensätze zwischen einzelnen Gruppen heraufbeschworen würden. Niemand dürfe die Vaterlandsliebe eines Verbandsmitgliedes bezweifeln, das sich zu Polen bekenne. Der Verband sei bereit, mit dem Staat bei Aufbau und Verteidigung des Landes zusammenzuarbeiten. # Vertreter grosser Unternehmungen des Gold- und , Silberschmiedegewerbes und eine Abordnung jüdischer und nichtjüdischer Vertreter der Bekleidungsindustrie und des Grosshandels haben beim Handelsminister darauf hingewiesen, dass der Judenboykott schädigende Wirkungen nicht nur für die Juden, sondern für den ganzen Gewerbezweig und damit die Gesamtwirtschaft zeitige. Es müssten daher Massnahmen gegen den Boykott getroffen werden. * Ein Mitglied der Exekutive 'der Nationaldemokratischen Partei,. Professor Bogdan Was I u t y n s k i, ist gezwungen worden, sein Amt ^- niederzulegen,-.weil . bekannt wurde, dass sein Schwiegersohn getaufter Jude ist und er selbst väterlicherseits, von einem getauften Juden abstammt. * In Mühlhausen und C r o s n e s sollen Strassen nach . Hauptmann Alfred Dreyfuss umbenannt werden. Die Stadt Mühlhausen hat den Ministerpräsidenten Leon Blum eingeladen, an •der Feier der Namensgebung teilzunehmen. Der Oberbürgermeister von Leipzig hat ein© Polizeiverordnung erlassen, wonach Inhaber von Gast-, Schank- und Speisewirtschaften, die von Nichtariern betrieben oder von Nichtariern aufgesucht werden, an der Aussenseite oder am Eingang des Lokals deutlich sichtbar kenntlich zu inachen sind. Deutschblütiges weibliches Personal darf in diesen Betrieben nicht beschäftigt werden. Das leistungsfähige jüdische Spezialgeschäft für Herren- und Knaäenkleiduns Frankfurt a. M„ Hindenburgplatz 12 gegenüb. d. Hauptfaahnhof Nachdem der Paulus-Bund (Vereinigung nichtarischer Christen) kürzlich die volljüdisehen Mitglieder ausgeschlossen hat, wurden nunmehr auch alle die Mitglieder des Bundes ausgeschieden, die nach den Bestimmungen der Nürnberger Gesetze nicht die Reichsbürgereigenschaft besitzen. (Zum Beispiel christliche Mischlinge 1. Grades, die mit Juden verheiratet sind.) Der Bund wird künftig nach seiner neuen Zusammensetzung ohne Bezugnahme auf das Religionsbekenntnis seiner Mitglieder die Bezeichnung ..Vereinigung 1937 der nicht vollblütigen deutschen Reichsbürger" führen. A Uilw (f^i ALLIGATOR^ d alii-si n d g'u t e Ude.rworen UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE. Berlin, TauentzienstxaÄe 16 Hamburg,. Juagfeinstieg 43 Köln a.Rh.. Hohestrafce 115 E a s e a. LImbedcstea&e 10 Essen. Am HanptbahnhoflO Bochum, Korrua»tn&e 67 Frankfurt a.M„ Rofcmaxkt 15 Zentrale. Offenbacb a.M Wuppertal-Elberfeld, HerzogatraÄe 36 liches Bekenntnis zur jüdischen Glaubensgemeinschaft und ohne jüdische Namen* sowie der .Halbjuden' wird von Bergström mit 6—SOO für das ganze Land angegeben." Hugo Stein 50 Jahre alt Am 7. Mai begeht der Vorsitzende des Badischen Landesverbands des C.-V., Rechtsanwalt Hugo Stein, seinen 50. Geburtstag. Nur schwer gewöhnt man sich an den Gedanken, dass dieser "Mann, der so herzerfrischend lachen kann, nun seine erste Jugend abgeschlossen haben soll. Auch heute noch ist er in unserer ganzen Gemeinde der amüsante, nie um einen schlagfertigen Witz verlegene Gesellschafter, der liebenswürdige Poet. Aber nicht um seiner gesellschaftlichen Talente willen, so gross sie auch, sind, sei heute seiner gedacht. Die jüdische Gemeinschaft von Einwanderer in Skandinavien In dem Bericht über die offiziösen Zahlen und Daten der Einwanderer in Skandinavien auf der ersten Seite der vorigen Nummer ist bedauerlicherweise ein sinnentstellender Druckfehler enthalten. Im dritten Absatz muss es richtig heissen: „Die Zahl der Juden aus Deutschland mit ,mosaischem Glaubensbekenntnis', ferner der ,Rassejuden ohne ausdrück- Karlsruhe und Baden dankt ihm wegen seine!! unermüdlichen Arbeit im Dienste der jüdischen Gesamtheit. Vor über fünf Jahren hat er unter sehvraerigsten Verhältnissen, die Leitung des Badischen: Landesverbands des C.-V. übernommen, ihn seitdem in unverdrossener Arbeit geführt. Sein kluger Rat und seine nie versagende Hilfsbereitschaft standen jedem Juden seines Bezirks allezeit zur Verfügung. Vielen hat er in ihren Sorgen und Nöten helfen können. Es ist kein Zufall, sondern die Auswirkung seiner untadeligen Persönlichkeit, dass "ihn, wie in vergangenen Zeiten die Karlsruher Anwaltschaft und viele andere angesehene Vereine, •auch die wichtigsten jüdischen Organisationen in ihre Leitung beriefen. Vor allem hat er in den letzten Jahren in der Verwaltung seiner Heimatgemeinde führend mitgearbeitet- und sich durch die mustergültige Organisation der jüdischen Krankenpflege und als Referent der jungen jüdischen Schule in Karlsruhe Ausserordentliches geleistet. Die jüdische Gemeinde Karlsruhe und ■ die Gesamtheit der Juden in Baden wissen, dass sie von seiner Arbeit noch vieles erwarten dürfen. Deshalb können und sollen diese Zeilen keine erschöpfende Würdigung seiner grossen Verdienste sein, sondern nur ein kurzes Dankeswort, verbunden mit herzlichen Wünschen für weitere erfolgreiche Tätigkeit im Dienste der jüdischen Gemeinschaft. W., Karlsruhe. Eine Anzahl unserer regelmässigen Beilagert, aktueller Nachrichten und Nachrufe mussten wegen der Festauf sätza aus dieser Nummer herausbleiben und werden in der nächsten Woche nachgetragen.' Ranptschrif tieiter Dr. Alfred Hlrschberg; Stellvertreter und verantwortlich für die Aufnahme von Bildern: Dr. Margarete Edelheim, Verantwortlich für Sport: Dr. Ernst G. Löwenthal, sämtlich ia Berlin. Für Rücksendung nnverlangter Einsendungen ist Freiumscblag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan. Berlin. DA I. Vi 40 000. PL 5. Verlag: Jüdischer Central-Verein e. V.. Berlin W 15, Emser Strasse 42. Druck der Bnch- und Tiefdruck Gesellschaft mbH.. Berlin SW 19. 5 UBER 5 J E I N H C 0 ■REICH"ENBERCER STR. 75Udltrlin^.O.U UMZÜGE NACH ALLEM OUTEN DER WELT (Jrankfurt a.Ji. ßURNI TZ STRASSE 6 - LAGERUNG C E P'A' CK. B E F'O'R. DER. UMC

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