Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 17 (29.4.1937)
- Date
- 1937-04-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.17*29.Aprin937 C-V.-Zeitung Seite 5 Frühjahrs - Ausstellung Berliner Jüdischer Künstler Das Jüdische Museum eröffnete mit einleitenden Worten seines Direktors, Professor Franz La n d sb e r g e r, Sonntag eine grosse Ausstellung. Sie ist im Verein mit der Wirtschaftshilfe Abteilung Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde und dem Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde, dem Sekretariat für Bildende Kunst, organisiert und gibt einen Ueberblick über das zeitgenössische jüdische Kunstschaffen. In dieser Frühjahrsausstellung, die sämtliche Gebiete umfasst, ist der Malerei ein weiter Raum eingeräumt. Man verfolgt mit Interesse, wie viele der ausstellenden Maler und Malerinnen sich spezialisieren, eine Tatsache, die immer begrüssenswert ist. Das vornehm gemalte Porträt einer vornehmen Frau aus der Hand von Anneliese Ratk o ws k i-B r a u n reiht sich der Reihe von beachtenswerten Bildnissen ein, die von dieser Berliner Malerin unlängst zu sehen waren; die etwas zu elegant geratenen Bildnisse von Käte Levinstein entbehren nicht einer persönlichen Note im Farbigen, Gemälde von Erich W o 1 f s f e 1 d sind Porträtbeiträge in verschiedenstem Sinne; der „Marokkanische Töpfer" und die Frauengestalt auf dem Gemälde „Das kalte Zimmer" verdeutlichen die beiden Pole ganz nuancierter Menschenerfassung. Conrad Fliess malt „Lots Töchter" und ein Simsonbild, und auch er ist in beiden Arbeiten nicht nur ein kultivierter Maler, sondern ein feinsinniger Menschenschilderer. Von Fred G o 1 d b e r g bringt die Ausstellung die ..Betenden Juden*', die wie Fritz Salomonskis, des Kantor-Malers „Bildnis Koigan" und Walter G r o - w al d s Selbstdarstellung, wahrhafte moderne Porträts bedeuten, ebenso wie Arno Nadeis Gemälde. Ganz anders Beatrice L i o n s „Barmizwa", ein Oelbild, in dem die begabte Malerin dem Beschauer Rätsel aufgibt, an deren Lösung er sich aber gern heranwagt, weil er empfindet, dass dieses Jünglingsbildnis viel von dem enthält, was man nicht aussprechen kann, also ein wirkliches Kunstwerk ist, auch im Koloristischen. Klarer und einfacher malt Eugen Kersch den Sohn Wolfgang, und das Kinderbild „Helga" spricht frei zu jedem, der da die Wände abschreitet. Wieviel Namen sprechen doch von diesen Wänden, bekannte und. unbekannte; ganz unmöglich, in diesem Rahmen allen Ausstellern gerecht zu werden! Julie Wolfth o r n zeigt gleich im ersten Saal der Museums- Ausstellung ihre „Negersängerin" und ihre „Tänzerin", Max Heimanns Selbstporträt, sein bekanntes Saxophonbild, zwei seiner kleineren Stillleben hängen in der Nähe der Arbeiten anderer Segaischüler; Gertrud Bursch-Dreyfuss hat Häuser gemalt, die ihre geschulte Lichtführung zeigen, und in einem Blumenbild „Clivie" sieht man, wie diese Künstlerin, die Natur zu sehen versucht, der sich ja alle Schüler Arthur Segais verschrieben haben. In diesem Sinne malt auch Frieda Bradt ihr Hafenbild, aus welchem jene Blickpunktmalerei zu uns beachtlich spricht. Die weitaus grösste schöpferische Kraft besitzen ein Stilleben und ein Gemälde, das den vielsagenden Titel „Im-Spiel der Lichter" trägt, von Anneliese Braun-Ratkowski, in diesen Versuchen der „Neuen Naturalistin" ist alles gesagt, was zum Programm dieses Malerkreises gehört. Die Landschafter, zu denen wir seit langem schon Julius Rosenbaum, Adele Reifenberg, Alice Michaelis, Martha Friedländer-Leweuz, Clara Gumpertz, Isidor Asehheim erfolgreich rechnen, sind in dieser Frühjahrsschau gut vertreten; das Alsterbild von Clara Gumpertz und der Garten im Schnee von Martha Friedländer-Lewenz führen wieder einmal das Charakterische dieser Malkunst vor Augen. Ein besonderer Raum im Museum ist der Graphik eingeräumt. Auch hier viele alte und neue Bekannte: Erich Wolfsfeld radierte Justizrat Brodnitz und Dr. Ludwig Holländer, Lotte Hagelberg stellt ein perspektivisch gut geratenes und flott gemaltes Selbstbildnis aus, ein Aquarell, Nelly Nord egg zeichnete den ungarischen Maler Raskov, Käthe Schuf tan hielt in Aquarellen Tiere fest, Margarethe Nehemias, Georg W o 1 f f, Martha Cohn-Lebenheim zeigen ihre zuletzt geschaffenen Arbeiten, Maria Burchardt ist zum erstenmal mit Kreideblättern erfolgreich kennenzulernen, Selma Cohn, David Friedmann und Berthold Nothmann geben Proben einer kultivierten Malkunst. Neben den Malern und Malerinnen die bildhauerischen Talente. Ottilie Wollmann mit dem „Exotischen Schwerttänzer" und mit keramischen Arbeiten, Jula R a d t mit einem Frauenkopf und Rudolf Marcuse mit dem Porträt Siegfried Ochs (getönter Gips) fallen als neuartig auf. Sehr interessant auch die Bekanntschaft mit den Tierkeramiken von Adolf W e i s s und den Tierbronzen von Else Fürst, die dem Leben wirklich abgelauscht scheinen! Auch Nora Herz, vornehmlich in Arbeiten aus gebranntem rotem Ton. Erna Rosenberg- Nonnenmacher, Viola Böhm, Edith Samuel, Walter Cohn beleben die Ausstellung im guten Sinne. Dr. Olga Bloch. ° * Der Besuch des Ausstellung ist so lebhaft, dass das Jüdische Museum. Oranienburger Str. 31, ausser den Vormittagsstunden auch an den kommenden Dienstagabenden von 8 bis 10 Uhr geöffnet bleibt. Kunstnachrichten Das staatliche Museum Jeu de Paumes in Paris hat ein Gemälde von Käte M ü n z e r - Neumann (Kate Munzer) „Maternite" erworben. Bei Hugo Helbing. Frankfurt a. M., findet am 11.. 12. und 13. Mai 1937 eine umfangreiche Versteigerung statt. Den Grundstock der Auktion bildet eine Sammlung aus rheinischem Besitz, die in erster Linie asiatische und ostasiatische Kunst umfasst. Chinesische Frühkeramik und chinesische Frühbronzen sind in ungewöhnlich schönen Stücken vertreten, sehr reichhaltig ist das chinesische Porzellan. Unter der chinesischen Plastik befindet sich eine bedeutsame Skulptur des 12. Jahrhunderts, von gleich hervorragender Qualität eine indische Bronze- Plastik, ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert, ferner japanische und siamesische Plastiken des 12. bis 14. Jahrhunderts. Eine zweite Sammlung, die in dieser Versteigerung zum Ausgebot gelangt — aus Frankfurter' Besitz —■, bringt moderne Gemälde, am wichtigsten sechs Hauptwerke von Trübner. Daran anschliessend eine Sammlung alier Bilder aus süddeutschem und rheinischem Besitz. Der mit 60' Tafeln reich Alexander Kipnis steht mehr denn je im Zenith seines Wirkens, und wir haben es zu begrüssen, dass er. der Künstler von Weltruf, von Zeit zu Zeit nach Berlin kommt und uns einen Abend lang so aus dem Vollen schöpfen lässt. wie wir das nicht oft erleben. In einer Folge von Arien durchmisst er das Reich seiner Stimme, die uns mit allen Nüancen, der etwas gebrochene Akzent nicht ausgenommen, vertraut und lieb wurde. Es ist etwas Urtümliches, Naturhaftes in diesem forte, etwas nicht nur klanglich, sondern menschlich Zartes in diesem piano. Ueberhaupt drückt Kipnis jedem, aber auch jedem Stück einen persönlichen Stempel auf, und wer sein mephistophelisches Lachen in den „Faust" - Kompositionen von Moussorgsky und Gounod einmal in sich aufgenommen hat, der wird den Eindruck nicht so bald wieder los. Der innere Reichtum gibt solchem Abend das Beglückende: neben dem Pathos des König Philipp steht der leichte Charme der „Onegin"- Arie „Ein jeder kennt die Lieb'", steht die ungemein, fesselnde Art, jiddische Lieder aristokratisch zu geben. Kein Wunder, dass die Hörer nicht genug bekommen konnten, und Kipnis. in bester Gebelaune, spendete Zugabe über Zugabe. Rudolf Schwarz aber durfte mit der Meisterschaft seiner stets durchsichtig gehaltenen Begleitung — besonders fiel mir die straffe, dabei grundlebendige Rhythmik im Wolgalied auf — einen guten Teil des künstlerischen Erfolges für sich mit in Anspruch nehmen. H. Fr. Musikwissenschaft neue Forschungsgebiete erschlossen werden, sondern an dessen Ende das Ziel einer von Grund auf erneuten wissenschaftlichen Musikbetrachtungsweise überhaupt steht, der sich von der bisher in Geltung gewesenen durch ihre Gesamthaltung unterscheiden * wird. Und zwar vor allem dadurch, dass man nicht bei historischer, ästhetischer und funktionstechnischer Wertung der musikalischen Formphänomene stehenbleibt, sondern indem man den Kreis der Erkenntnissuche über den Bereich des eigentlich Kunsttheoretischen hinaus erweitert, zugleich auf tieferliegende musikalische Ausdrucksstrebungen eingeht, in deren Hintergrund nichts Geringeres als die S e e 1 e der rassischen Gemeinschaft, damit aber ein wesentlicher Bestandteil aller unterbewussten Schaffenskräfte fühlbar wird." F. F. Theater, Musik, Film „Turandot dankt alr', ein fünfaktiges „Spiel von Politik und Liebe" von Marianne Riesser- W c r f o 1. einer Schwester Franz Werfe!.«, erlebte am Züricher Schauspielhaus die erfolgreiche Uraufführung. Die Regie führte Leopold L i n d t b e r g, in Episodenrollen wirkten u. a. Horwitz, Kaiser und W a 11 b u r g mit. # Direktor Arthur H e 11 m e r hat für die neue Spielzeit des von ihm geleiteten Theaters an der Wien u. a. die Uraufführung der musikalischen Komödie „Franz im Glück" von Richard Taub c r (Buch von Paul M organ und Adolf S c h ii t z), ferner das Schauspiel „Michaelerplatz" von Ernst Lothar in Aussicht genommen. # Das Jüdische Kulturtheater in Wien brachte das Schauspiel „Jud Süss" von Ashley Dukes, deutsch von L. D a m s e r t, für die Bühne eingerichtet von Rudolf Frank zur deutschsprachigen Uraufführung. ¥ Die Sommersaison der Stadttheater Karlsbad und Marienbad wird am 1. bzw. Ende Mai unter der Leitung von Oskar Bäsch eröffnet werden. Von Gästen wurden u. a. Gisela W e r b e z i r k, Paul Morgan, Max Hansen und Otto W a 11 b u r g verpflichtet. # In der Staatsoper Wien wird Webers „Oberon" in der Bearbeitung Gustav M a h 1 e r s unter der musikalischen Leitung Bruno Walters als nächste Neueinstudierung in Szene gesetzt. # Am 30. April bringt der Luxemburger Senillustrierte Katalog ist durch Hugo Helbing, Frankfurt a. M., zu beziehen. Die Ausstellung von Werken der Maler: Lrnst Prevfuss, Max Stern. Kurt Lüwengard des Sekretariats für bildende Kunst im Khibheim des jüdischen Frauenbundes. Berlin. Marburger Str. o, wird Sonntag, 9. Mai, eröffnet und am 31. Mai geschlossen. Im Berliner Kulturbund alternierte mit W. Landerer Rita Storch als Solistin des Tschaikowsky-Konzerts. Man hörte eine überaus energiegeladene, geraffte Darstellung, die sich auch im Lyrischen nie schweifend verlor. Die scharfen Rhythmen der Ecksätze wurden pointiert geschleudert, die Läufe rollten perlend klar. So wahrte das Klavier seinen Führungsimpuls, aber auch das Orchester unter Rudolf Schwarz füllte seinen Platz in dem Kräftespiel des Werkes und mündete namentlich mit dem grossen crescendo am Ende des Allegro con fuoco in einen Abschluss von elementarer Wucht. H. Fr. Anlässlich einer Musikveranstaltung im Rahmen der Jüdischen Kunstgemeinschaft Köln spielten Lilly Heumann, Ida 0 p p e n - heimer und Hugo Schwalb mit Kurt Heine m a n n am Flügel das von Medefeind bearbeitete Vivaldische Konzert für drei Violinen in einer einheitlich klangschönen und klaren Wiedergabe. Als Solistin zeigte Lilly Heumann im Violinkonzert von Mendelssohn, von Heinemann meisterhaft begleitet, ihre geigerische Kunst: sie ist eine starke Begabung mit 'hochgesteigerter technischer Kultur und Vermag sich ohne jede Pose in gesunder Natürlichkeit durchzusetzen. Zum Schluss hörte man das Adagio und die Canzonetta aus dem Streichquartett" es-dur von Mendelssohn — ein kraftvoll beschwingtes, gelöstes Musizieren, das herzlichen Beifall des Publikums fand. —yo— der um 9% Uhr Musik aus „Die Hebriden" von Mendelssohn. * Am 6. Mai singen: Joseph Schmidt um 15 Uhr in Strassburg, Max Hansen um 16.25 Uhr in Wien, Richard Tauber um 19K Uhr in Brüssel auf Schallplatten. # Auf der Pariser Weltausstellung werden die Wiener Philharmoniker im Monat Juni zwei Konzerte unter Leitung von Bruno Walter veranstalten. * Die W i e n e r Philharmoniker führen unter Leitung von Karl Krueger am 2. Mai u. a. Mendelssohns Italienische Sinfonie auf. Alexander Kipnis singt am 4. Mai im Wiener Mozart-Saal Beethoven. Schubert, Brahms, Tscfaaikowskv und russische Volkslieder. * Das zweite Wiener Konzert von Erika M o r i n i findet am 12. Mai statt. # Seit vier Jahren veranstaltet der ägyptische Rundfunk regelmässig eine „Jüdische Stunde"', die grossen Anklang gefunden hat. In der letzten Zeit ist um diese Sendungen ein Sprachenkampf hauptsächlich zwischen der zionistischen Zeitung „Israel" und dem revisionistischen Blatt „Kadima" 'entbrannt, das verlangt, dass an Stelle des Jiddischen Hebräisch für die Jüdische Stunde eingeführt werde. # In einer Konzertaufführung von Richard Strauss' „Elektra'" durch das New-Yorker Philharmonische Orchester unter Leitung von Artur Rodzinski hatte Rose Pauiy als Elektra ungeteilten Erfolg bei Publikum und Presse. * Erich Wolfgang Korngold komponiert die Musik zu dem neuen englischen Film „The Prince and the Pa"upcr" (nach Mark Twain). # _ Max Reinhardt wird als einen der nächsten Filme „Die Spieler" (nach Dostojewskis bekanntem Roman) inszenieren. Eine der weiblichen Hauptrollen spielt Bette Davis. Alle Ihre Bücher von der Buchhandlung am Zoo Fritz Ring Cfaarlotfenbprg, Joachimsfhaler Sir. 43-44 Mitglied der jüdischen Gemeinde Telefon: Sl 6506 Zusendung nach allen Siadiieile« Leo Blech Generalmusikdirektor und Slaatskapellmeister Leo Blech ist, wie das Deutsche Nachrichtenbüro meldet, nach 31jäbriger Tätigkeit an der Berliner Staatsoper in den Ruhestand getreten. Die „Frankfurter Zeitung" äussert sich in einer Würdigung der künstlerischen Bedeutung Blechs u.a.: „Wer noch, bis in die jüngste Zeit hinein Aufführungen unter seiner Leitung gehört hat, musste diesen Dirigenten für unverwüstlich halten; so frisch und lebendig wirkte der Mensch und seine Leistung ... Als ein Theatermensch von ungewöhnlichemTemperament und wachem Verstand, der über alles Wissen hinweg, mit Nerven und Sinnen der Bühne gehört, hat sich Blech ganz der Oper verschrieben. Die Erfolge, die er errang, waren Erfolge der Gattung Oper schlechthin. „Carmen" und „A'ida", Richard Strauss' „Frau ohne Schatten" und Busonis „Dr. Faust", daneben eine Reibe von deutschen, französischen, italienischen Spielopern — w-er eines dieser Werke unter Blech hörte, hat das Wesen der Oper erfahren. Blech hat sich seine Arbeit nicht leicht gemacht. Als ein Fanatiker der Genauigkeit ist er unerbittlich gegen sich und gegen andere gewesen. Seine Aufführungen waren Muster des leichten, schwebenden, durchhörigen Klängs, der fliessenden, zündenden Rhythmen, der klaren Phrasierung und der Disposition auf lange Sicht. . * Leo Blech ist 1871 in Aachen geboren und war zunächst Kaufmann. Vom 20. Lebensjahre ab studierte er Musik und war u. a. Schüler von Humperdinck. Als Kapellmeister wirkte er zunächst in seiner Vaterstadt, bis ihn Angelo Neumann 1899 nach Prag holte, von wo er 1906 Dach Berlin berufen wurde. Dort wurde er 1913 zum Generalmusikdirektor und 1933 zum Staatskapellmeister, ernannt. Blech komponierte einige sinfonische Dichtungen, Chöre mit Orchester, einige Opern, darunter „Versiegelt", und eine Reihe von Liedern. Die Judenfrage in der Musik In einem Aufsatz „Musik und Rasse" („Deutsches Volkstum", 19. Jahrg., Nr. 4) geht Walter Abendroth auf die Frage der rassischen Bedingtheit musikalischen Schaffens ein. ..Sofern die Musikwissenschaft", sagt Abendroth, „bisher die Frage des Rassenstils, der innerhalb der von ihr berücksichtigten Nationalstile unterbewusst wirksam ist, überhaupt ernsthaft mit in Erwägung zog, tat sie dies so, dass sie Einteilungen zugrunde legte, die heute als veraltet gelten müssen. Sie unterschied etwa zwischen germanischer, romanischer und slawischer Musik, entsprechend den noch unentwickelten Begriffen der allmählich und ungemein zögernd sich hervorwagenden speziellen Rasseforschung selbst. Wenn Musikerpersönlichkeiten von starkem Instinkt wie Richard Wagner oder sogar in noch jüngerer Zeit Hans Pfitzner mit besonderem Nachdruck das Juden problem aus der verfälschenden Hülle einer Religionsangelegenheit in das helle Licht der rassischen Untersuchung rückten, so wurde dies von den gesetzten, ,objektiven' Wissenschaftlern teils aus ehrlicher Ueberzeugung, teils aus wohlerwogenen Rücksichten privatem Uebermut, gehässiger Leidenschaft, ohnmächtigem Erfolgsneid zugeschrieben. Andererseits brachte es die ausnehmende Bedeutung gerade dieses Problems im modernen Musikbetrieb mit sich, dass nach dem Umbruch das Thema .Musik und Rasse' langehin fast einzig unter dem Gesichtspunkte der Judenfrage erörtert wurde. Dass dabei nur ein bescheidener Gewinn für die ernsthafte Wissenschaft heraussprang, ist begreiflich. Hier hatten sich — mit gutem Recht — tatsächlich angestaute Leidenschaften erst einmal notgedrungen zu entladen, bevor die wiederhergestellte Ruhe der Gemüter ein abgeklärtes, sachliches Interesse und damit eine Dehnung der Problemgrenzen erlaubte. Heute aber sind wir soweit, dass auch die junge Generation — und g e r a d e sie — von reinem idealistischen Drang nach rassischer Selbsterkenntnis beseelt ist und sich Bereicherung, Vertiefung ihres Verständnisses für unsere grosse, ewige arteigene Musik erwartet, wenn Männer zu ihr sprechen, die in stiller, gesammelter Arbeit der Aufhellung jener unterbewussten Zusammenhänge nachgehen. Denn solche Männer sind seit geraumer Zeit schon am Werke: sie haben sich, von verschiedenen Seiten kommend, einen gangbaren Weg gebahnt, auf dem nicht allein der Max Heimann: „Selbstporträt" Eugen Mersch: „Helga" Fot. (2) Sonnenfeld. Konzerte und Vorträge