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Central-Verein-Zeitung · 1937-04-29 · 17 (29.4.1937) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
17 (29.4.1937)
Date
1937-04-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 C.-V.-Zeitung Nr. 17 »29.April1937J doch immer noch etwas Geheimnisvolles, Erregendes über dieser Art von Industrie, deren Objekte mit ihrem einzigartigen Dasein ein ganzes Teil des Lebens und Schicksals der Völker beherrschen. Etwas vom kindlichen Illusionswillen mag in den meisten Menschen verborgen sein. Und so werden wahrscheinlich die meisten Menschen, ganz unbewusst, den Wunsch und die Hoffnung haben, der rohe, ungeschliffene Diamant möchte recht unansehnlich, vielleicht sogar hässlich aussehen, damit nachher das überraschte Staunen um so grösser sein kann: „Aus diesem unscheinbaren Ding hat man den funkelnden Stein geschliffen — welch ein Wunder!" Nun, der rohe Diamant kommt dieser Vorstellung ziemlich weit entgegen: graubraun sieht er aus und man kann sich gut denken, dass nur sehr geübte Augen ihn in den Minen zu erkennen fähig sind. Oft hat er Flecken und eine Art Einbruchsteilen; seine Form ist die eines regelmässigen oder unregelmässigen Kristalls. Der Arbeitsvorgang selbst, in dem aus dem rohen Stein der glitzernde Diamant wird, ist weniger kompliziert als eigenartig uud reizvoll. Es muss für den Menschen ein besonderes Gefühl sein, wenn das Material, das er bearbeitet, sich aller Kunst und Technik seiner geistvollen Erfindungen erfolgreich widersetzt und nur durch Zuhilfenahme seiner eigenen Natürlichkeit sich verändern lässt. Es ist noch nicht gelungen, den Diamanten — diese äusserste Reinheit, das Wunder, das in den Tiefen der Erde geboren wird — nachzuahmen; Diamant kann nur wieder mit Diamant bearbeitet werden. So erhalten die scheibenförmigen, hauchdünnen Kupfersägen, die zur Spaltung der Steine dienen, am Rande eine aufgelegte Schicht aus Diamantenstaub, mit bei gemischt, ebenso wie die rotierenden Scheiben zum Schleifen. Es würde zu weit ES"Sf»h MrVM&\ Malermeister, BERUH W 50 übll SilaW&l Marburger Str. 2, Tel.: 24 0830führen, den Arbeitsvorgang bis ins Kleinste zu schildern. Nur soviel: In einer Menge grosser, luftiger Säle arbeiten über 600 Leute im Amsterdamer Werk von Asscher. Verwirrende Zahlen hört der Laie: in einem Saal etwa stehen über 400 Sägemaschinen, in deren jeder ein Diamant zur Teilung eingegipst ist. Es dauert etwa drei Stunden, ehe ein Stein von verhältnismässig kleinem Durchmesser gespalten wird und dabei macht jede der Kupfersägen in jeder Minute 5000 Umdrehungen. "Mit 2200 Touren pro Minute laufen die Schleifscheiben. Und jeder Schliff wird von dem betreffenden Arbeiter nur nach dem Augenmass durchgeführt; diese unzähligen, winzigen Flächen an jedem Stein, die endlich das wundervolle Feuer sprühen lassen! Es ist eine harte Arbeit. Dass die Arbeit den Menschen Freude macht, muss jeder feststellen, der einmal durch das Amsterdamer Werk gegangen ist. Abgesehen davon, dass, wie man überall weiss, Diamantenarbeiter gut verdienen; es herrscht ein schöner, erfreulicher Ton in den luftigen Räumen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen, von denen jeder in einem kleinen Papiertütchen eine Menge Steine vor sich hat — es gibt, wie einem gesagt wird, keine eigentliche Kontrolle, so gross ist das Vertrauen zwischen Leitung und Arbeiterschaft! — haben fröhliche, fast strahlende Gesichter. Wenn man durch die verschiedenen Stockwerke des grossen Baus geht, so hört man aus den Sälen Lachen und sehr viel Lieder und besonders anheimelnd ist es, wenn es zum grossen Teil jüdische Lieder sind; die Mehrzahl der dort beschäftigten sind Juden. An keinem der Eingangstore sieht man eine Stoppuhr; man hat das Vertrauen, dass die Menschen ihre Pflicht tun und wenn sie einmal ein wenig später kommen, dann werden sie's schon von selbst nachholen, besonders, da viele der Diamantschleifer auf eigene Rechnung im Werk arbeiten. Es ist ein Haus, in dem grosse und kleine Erinnerungen leben und treulich bewahrt werden. An den Wänden der Büroräume hängen viele Photographien von Herrschern und Grossen der verschiedensten Länder, die das Werk besucht und ihr Wohlgefallen davon kundgetan haben. In einem Prospekt, das zuerst den Gründer, I. J. Asscher im Bild bringt, wird einem eine Aufnahme gezeigt von einem Schleifer bei der Arbeit und wenn man dann etwa fragt, in welchem Saal dieser Mann sitzt, kann man zur Antwort bekommen: „Er lebt nicht mehr, aber er lebt in unserem Werk wie alle die Menschen, die hier geschafft haben und von uns gegangen sind." Und neben der Erinnerung an Menschen verschiedenster Art und Stellung ist ganz gross und wie ein Märchen über das ganze Haus gebreitet die Erinnerung an einen Diamanten, einen der grössten der Erde: den Cullinan. Die Geschichte dieses Steins scheint einem aus Tausend und einer Nacht zu kommen. Man hört mit einem leisen Schauern, wie durch Zufall in der Dämmerung des 26. Januar 1905 Captain M. F. Wells bei einer Inspektion der Premier- Mine im Nordwesten Pretorias einen glitzernden Flecken in einem Felsstück entdeckte, der alle letzten Sonnenstrahlen des Tages in sich gesogen zu haben schien. Der Stein wurde gebrochen; er wog 3 024V4 Karat; man gab ihm den Namen des Präsidenten der Gesellschaft, der die Mine gehörte: Cullinan, und die südafrikanische Siedlung bot ihn dem König von Grossbritannien und Irland zum Geschenk. Das Märchen wird zum spannenden Roman, wenn man dann weiter hört, wie König Edward VII. beschloss, die Bearbeitung des ungeheuren Steins — dessen Wert mit 9 Millionen holländischer Gulden genannt wird — den Gebrüdern Asscher in Amsterdam zu übertragen, wie diese in einer privaten Audienz vom König empfangen und wie gemeinsam .die besten Bearbeitungsmethoden besprochen wurden, wie man ihnen in Anwesenheit höchstgestellter Persönlichkeiten den Stein übergab. Fast bleibt einem heute noch das Herz stehen im Anblick des Bildes, das Mr. J. Asscher. in dem Augenblick zeigt, als er mit wundervoll kräftiger Gebärde ausholt, um die erste Teilung des Cullinan vorzunehmen. Innerhalb von zehn heissen Arbeitsmonaten war das Werk vollendet und unter besonderer Bewachung wurden die neun aus dem .Cullinan geschliffenen Steine nach England zurückgebracht. Heute sind sie mit dem andern Kronschatz im Tower in-London aufbewahrt und in dem Amsterdamer Werk zeigt man ihre ganz getreue Nachbildung, die den Besucher höchstens in kühnen Träumen die Herrlichkeit des Originals ahnen lässt, und dazu einen wundervollen, grossen Pokal mit einer Widmung Königs Edward VII. an die Gebr. Asscher, als Ausdruck höchster Zufriedenheit und Anerkennung Seiner Majestät ,,of their Services in connection with the cutting of the Cullinan Diamond, 21st November 1908". Aber es muss ja noch nicht mal der Cullinan sein: eine Reihe herrlichster Steine von nie gesehener Grösse und Färbung, die in einer Kassette vorgeführt werden und die wunderschöne Namen tragen, versetzen den Besucher in neidloses Staunen und äusserste Bewunderung, dass er, das Herz erfüllt von Glanz und Schönheit, mit einem gewissen Empfinden der Dankbarkeit das grosse Werk verlässt. . Hilde Marx. KALENDER Nach den rumänischen Kommimalwahlen Das Ergebnis der Kommunalwahlen in Rumänien, über das wir in der C.-V.-Zeitung berichtet haben, hat deutlich gelehrt, dass den antisemitischen Parolen der christlich-nationalen Partei Professor Cuzas Grenzen gesetzt sind. Trotz der Aufwendung erheblicher Geld- und Propagandamittel hat die Gruppe des achtzigjährigen Professors in Bukarest kein Mandat erringen können. Dagegen gelang es der liberalen Regierungspartei des Ministerpräsidenten T a t a r e s c u , ihren beherrschenden Einfluss weiter zu festigen. Aber die Entwicklung der letzten Zeit — bis zu den Wahlen am 16. April — hat in unmissverständlicher Weise klargemacht, dass die Regierung einen Kurs steuert, der in der Judenfrage den antisemitischen Forderungen der Rechtsparteien praktisch sehr entgegenkommt. Die Regierung huldigt nicht direkt antisemitischen Parolen, aber sie ergreift Massnahmen, die das Leben der Juden mit schwerster Sorge erfüllen. Sie identifizierte sich nicht mit der Forderung der Ausschaltung der Juden, aber sie verfasste doch letzthin Gesetze und Gesetzentwürfe, die diesem.Ziel der Rechtsparteien sehr nahe gerückt sind. In Erinnerung dürften noch die Debatten um das neue Arbeitsgesetz sein, das für das wirtschaftliche Leben der Juden in Rumänien von einschneidender Bedeutung ist. Dieses Gesetz, das vorsieht, dass 75 Prozent aller in Handels¬ und Industrieunternehmungen beschäftigten Angestellten „ethnisch-rumänischer Abstammung" sein müssen, während nur 25 Prozent den nationalen Minderheiten zu entehmen sind, wurde, wie in einer Reihe von Artikeln in der C.-V.- Zeitung dargelegt worden ist, hauptsächlich gegen die Juden wirksam werden. In manchen Kreisen wird der liberalen Regierung vorgeworfen^ dass ihre innerpolitische Tätigkeit vor allen Dingen darin besteht, sich von dem Wind treiben zu lassen, den die Rechtsgruppen zu entfachen verstanden haben. Ministerpräsident Tatarescu ist nun etwa drei Jahre am Ruder. In der ersten Zeit seiner Regierung schien es, als ob die Judenpolitik eine Modifikation erfahren solle. Aber diese Meinung hat sich durch die Vorgänge der letzten Monate als revisionsbedürftig erwiesen. Tatarescu und seine Regierung haben sich allerdings recht oft gegen alle Ausschreitungen gegen die Juden in der schärfsten Form gewendet, die Regierung hat ferner keinen Zweifel darüber gelassen, dass sie die Zwischenfälle an den Universitäten beendet sehen möchte, und sie hat auch entsprechende Massnahmen durchgeführt. Aber andererseits glaubte die Eegierung, dem Unwillen, den sie dadurch bei den Rechtsparteien erregte, am besten zu begegnen, wenn sie Konzessionen an diese Parteien und Gruppen macht. Rumänien hat in der Frage des Antisemitismus eine alte Tradition. Neben Russland war es der Staat, der in der Vorkriegszeit sich am längsten und am nachdrücklichsten gegen die Emanzipationsbestrebungen, die die westeuropäischen Staaten erfasst hatten, sträubte. Noch im Jahre 1865 wurde in einem Gesetz ausdrücklich'unterstrichen, dass den Juden der Ankauf von Besitz in Stadt- und Landgemeinden verboten sei. Aus diesem Gesetz geht der Geist hervor, der im allgemeinen in der Auffassung über die Judenfrage herrschte. Man betrachtete die Juden nicht als eine Religionsgemeinschaft, sondern als eine besondere Nationalität, die ausserdem noch den Interessen des Rumänentums entgegengesetzt, im günstigsten Falle als „fremd" erschien. So bestand eine Scheidewand zwischen" dem rumänischen Volk und den Juden^ aufgerichtet durch behördliche Massnahmen,' gehegt durch Publikationen und bewiesen durch die handgreifliche „Andersartigkeit" der Juden, die teils aus Zwang, teils aus religiöser Ueberzeugung ein Eigenleben führten. Diese Auffassungen, nach denen die Juden in Rumänien „Fremde" und — bei irgendwelchen staatspolitischen, wirtschaftlichen und sozialen Komplikationen — Schädlinge am Volke sind, haben sich bis auf den heutigen Tag bei den Rechtsgruppen erhalten. Sie sind im höchsten Masse unzufrieden darüber, dass Rumänien durch die Friedensverträge verpflichtet wurde, den Minderheiten, also auch den Juden, die bürgerliche Gleichberechtigung zu gewähren. Die Heftigkeit ihrer Agitation wird auch nicht dadurch gemindert, dass tatsächlich diese Verpflichtung nur in einem sehr unzulänglichem Masse durchgeführt worden ist. Uebersehen wird dabei zunächst, dass im Jahre 1919 nicht zum erstenmal in einem Friedensvertrag für Rumänien Bestimmungen über die Minderheiten eingebaut worden sind. Beispielsweise auf dem Berliner Kongress im Jahre 1878, Aber diese historischen Reminiszenzen fallen praktisch nicht ins Gewicht. Die Juden stehen im Mittelpunkt der innerpolitischen Auseinandersetzungen, und in den nationalen rumänischen Kreisen wird nur vereinzelt für sie Stellung genommen. Zwar erhebt sich dann und wann eine Stimme in dem öffentlichen Chor, die daran erinnert, dass die Juden sich um Rumänien wohl verdient gemacht hätten, zwar hat der greise Heerführer der rumänischen Truppen vor ein paar Monaten darauf hingewiesen, dass die Juden sich im Kriege die Berechtigung für die bürgerliche Gleichstellung sehr teuer erkauft hätten, aber diese Stimmen sind nicht so laut wie diejenigen, die die Juden als die zerstörenden Elemente des Staates hinstellen. Nun, nach der schweren Niederlage einer repräsentativen antisemitischen Partei bei den Kommunalwahlen, kann es so scheinen, als ob die Regierung, die für politische Windrichtungen und Windstärken sehr empfindlich ist, eine etwas konziliantere Haltung den Juden gegenüber einnehmen wird. Ueber eine Million rumänischer Juden bangen um ihr Schicksal. Von der Regierung wird es nun abhängen, ob sie das Votum des rumänischen Volkes so deutet, dass der Situation der Juden mehr Verständnis und mehr Gerechtigkeit entgegengebracht werden soll. —Id. * Bei Redaktionsschluss erhalten wir die Meldung von einer Publikation in der rumänischen Tageszeitung „Argus " , die für die Beurteilung der-politischen Lage und für die Stellungnahme der Regierung gegenüber den Juden ausserordentlich bedeutsam ist. Das Blatt bringt den Wortlaut des Dekretes „Zum Schutze der nationalen Arbeit", das die Regierung während der Parlamentsferien im Verordnungswege herausbringen will. Das Dekret gibt dem als Judengegner bekannten Minister für Handel und Industrie — der übrigens als Verfasser des Entwurfs bezeichnet wird und den Entwurf dem Kabinett bereits vorgelegt haben soll — das Recht, ohne weitere Begründung die Zusammensetzung der Belegschaft in wirtschaftlichen Unternehmungen zu beeinflussen und auf Herstellung des bekannten zahlenniLssigen Verhältnisses zwischen Staatsbürgern rumänischer und nichtrumänischer Nationalität zu dringen; der Minister soll das Recht haben, „fremdes" Personal aus Privatbetrieben zu entlassen und Verstösse mit Strafen zu belegen. Fast die gesamte rumänische Presse spricht sich gegen den Entwurf aus, weil er verfassungswidrig sei und den Grundsätzen „kommunistischer Staatswirtschaft" entspräche. Bemerkenswert ist jedoch, dass der Kultusminister Jamandi vor der Presse eine Erklärung abgegeben hat, wonach das Dekret nur Bestimmungen enthalten soll, die sich auf ausländische Staatsbürger beziehen. Die Presse nimmt an, dass auf Grund der allgemeinen Ablehnung, die das Dekret gefunden habe, im Kabinett eine Aenderung vorgenommen worden sei. Mai 1937 Jjjar 5697 1. Sonnabend 20 Wochenabschnitt: Emor " 3. B. M., 21-24 Haftara: Ez. 44, 15-31 Pirke Awoth 4 8. Sonnalsend 27 Wochenabschnitt: Behar, ' Bechuckotai 3. B. M. 25-27 Haftara: Jer. 16,19—17,14 Neumondsweihe Pirke Awoth 5 10. Montag 29. Jom Kippur Katan Ssiwan 5697 11. Dienstag 1. Rosch Chodesch 15. Sonnabend 5 Wochenabschnitt: Baniicbsr * 4. B. M. 1—4,20 Haftara: Hosea 2, 1-22 Erew Schawuoth Pirke Awoth 6 16. Sonntag 6. 1. Tag Schawuoth 17. Montag 7. 2. Tag Schawuoth " (Buch Ruth) 22. Sonnabend 12. Wochenabschnitt : Nasso 4. B. M. 4,21-7,^9 Haftara: Richter 13, 2—25 Pirke Awoth 1, 2 29. Sonnabend 19. Wochenabschnitt: Behaalotcha 4. B. M. 8-12 Haftara: Secharja 2,14-4,7 Pirke Awoth 3, 4 Auslands-Nachrichten Italien Die Diskussion, die in der italienischen Presse über das Verhältnis des Faschismus zum Zionismus und darüber hinaus zum italienischen Judentum überhaupt entstanden war und über die die C.-V.-Zeitung in ihrer Nr. 15 vom 15. April ausführlich berichtet hat, veranlasste die italienische Botschaft in Paris zu einer Erklärung gegenüber einem Vertreter der ITA, in der W u. a. heisst, dass der judenfeindliche Ton, der von einigen faschistischen Zeitungen in Italien angeschlagen wurde, nicht der Stimmung der italienischen Regierung entspricht. Der ITA-Bericht fährt dann fort: In den italienisch-diplomatischen Kreisen von Paris wird es unangenehm empfunden, dass die französische Presse jetzt beginnt, den judenfeindlichen Aeusserungen in italienischen Zeitungen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Man befürchtet, dass auch die englische und amerikanische Presse dem Beispiel der französischen Zeitungen folgen und die antijüdische Propaganda in Italien zum Anlass nehmen könnte, gegen die gegenwärtige Politik des Faschismus Front zu machen. Man hat deshalb den Auslandskorrespondenten zu verstehen gegeben, dass das italienische Ministerium für Presse und Propaganda in Zukunft die judendfeindliche Propaganda in einzelnen Zeitungen unterbinden dürfte. Oesterreick Der Vorstand der Kultusgemeinde hat gegen die Stimmen der Vertreter der ..Union" das Höchstmass der Kultussteuer von 6000 auf 9000 Schilling jährlich erhöht. Nur zehn jüdische Steuerzahler werden von der Höchstbesteuerung betroffen. Ferner wurde die Leitung der Gemeinde ermächtigt, notwendigenfalls zur Deckung eines Defizits oder zur Bestreitung eines ausserordentlichen Bedarfs d>> Kultussteuer um höchstens 50 Prozent innerhalb eines Finanzjahres zu erhöhen. * Im Alter von 63 Jahren ist in Wien Universitätsprofessor Dr. Jacob Erdheim gestorben. Der Verstorbene gehörte zu den bedeutendsten Vertretern derWiener Schule der pathologischen Anatomie. Seine Vorträge wurden besonder? von englischen und amerikanischen Medizinern stark besucht. Es war vorgesehen, dass Professor Erdheim, der aus Boryslaw (Ostgaliz/ien) stammte, nach der Gründung einer medizinischen Fakultät an der Hebräischen Universität nach Jerusalem berufen werden solle. Portugal Da trotz der von den portugiesischen Behörden vor kurzem dem Vöikerbundsoberkommissar für Auswandererfürsorge gegebenen Zusicherungen, die Ausweisung jüdischer Ausgewanderter aus Portugal andauert, hat die Leitung der HIAS-JCA-Emigration Association (HICEM) den Oberkommissar abermals ersuchtbei der Portugiesischen Regierung einzuschre1ten. Obwohl dem Oberkommissar erklärt worden war, dass kein Grund vorhanden sei. Massenausweisungen zu befürchten, deuten die von HICEM erhaltenen Mitteilungen darauf hin dass sich die Lage zahlreicher Ausgewanderte!' sehr ernst gestalten wird, wenn" nicht eim1 wirksame Intervention erfolgt. Ungarn Auf einer Kundgebung in Szegedin befasse sich Ministerpräsident Daranyiln einer Red1' mit der ungarischen Innenpolitik. Zur Judenhaß sagte er, die Regierung werde einen radikalen Antisemitismus nicht dulden. Das Wesen dehauptsächlich wirtschaftlich zu beurteilenden Judenproblems bestehe darin, dass der Prozent; satz der jüdischen Bewohner Ungarns grösser «sei als in den meisten übrigen Staaten, und dass Judentum auch im Verhältnis zu diesem Prozentsatz zu grosser Macht im Wirtschaftsleben gelang sei. Strassenkundgebungen und Schlägereien könnten die Judenfrage aber nicht erledigen, und die Regierung werde die volle Strengendes Gesetzes gegen Ruhestörer anwenden

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