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Central-Verein-Zeitung · 1937-04-29 · 17 (29.4.1937) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
17 (29.4.1937)
Date
1937-04-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17 * 1. Beiblatt CYZeitunq 29. April 1937—Seite,{ Blick auf Holland Der Rahmen des jüdisch-politischen Lebens In Holland sind die Auseinandersetzungen - über die Formen der Gemeinschaftsbildung, die heute Europa beschäftigen, noch in einem Stadium, das an der uneingeschränkten Geltung der alten Masstäbe wenig geändert hat. Denn dieses Land ist mit einer wachen Entschlossenheit darauf bedacht, eine strenge Tradition im Leben des Alltags zu wahren. Das ganze Dasein in ihm ist betont konfessionell ausgerichtet. Die Formen des menschlichen Zusammenlebens und die Art und Weise der Gemeinschaltsbilduug sind durch Auffassungen beeinflusst, die vom Individuum her die Haltung zum Leben bestimmen. Der Rahmen des jüdisch-politischen Lebens steht ganz unter dem Kennzeichen dieser Einstellungen. Er ist anders als in den Vereinigen Staaten, anders als in England, anders als in jedem anderen Land. Denn hier wird zum ersten Male die Frage akut: ist dieses jüdische L"-ben überhaupt politisch bestimmt? Ist dieses Wort ..politisch" nicht zu eindeutig, als dass es bei einer Anwendung auf das jüdische Gemeinschaftsleben in den Niederlanden ganz ins Farblose verfiiessen würde? Und in der Tat zeigt sich, dass hier die Religion, das Judentum als Religion, viel mehr Gewicht hat und viel mehr Orientierungspunkt ist als die jüdische Politik in dem Sinne, wie wir si»a in anderen Ländern finden. Das jüdische Dasein fc* 11-13 UU findet jetzt die Sprechstunde der Beratungsstelle des Jüdischen Centrai- Vereins, Berlin W15, Emser Strasse 42, IV, statt. Sprechtage sind Montag bis Freitag, für Mitglieder des Centrai-Vereins auch ausserhalb der angegebenen Sprechstunde nach vorheriger telephonischer Vereinbarung. Wann und wo finden Sie Rat? links rfaein Agrippinahaus. Breite Strasse SvöSu 92—96, III, Z inm-er 76—7S, Montag—Freitag , 10—13 Uhr. 'Aneben Gemeindebaus, 16%—18 Uhr, am 11. und 25. Mai. Bob» Gemeindell aus, Tempelsirasse, 17^—19% UhT, am 3. Mai. KoMeivz im Hotel Continental, 16—18 Uhr, am i. und 18. Mai. iBärenznaoIi Gemeindehaus, Adolf - Hitler- Platz 11. 10—12 14 Uhr, am 12. und 26. Mai. Trier im Büro von Rechtsanwalt Dr. Voremberg, Adolf-Hitler- Strasse 9. 11H- -13 Uhr, am 5. und 19. Mai. Mitteldeutschland 5. Mai. 11—13 1 Jhr, Gemeinde¬ Plauen haus, En^elstra; st. IIill!iill!!illllll{l}[!!l!UI3lliliilililEI!iiilili!llinil!!l!IiiHi!UUIliilili!i!IIB ist seiner Natur nach viel mehr religiös und sozial ausgeprägt. Die Geborgenheit bürgerlichen Daseins ist viel zu entwickelt, als dass die Voraussetzungen für ein reges jüdisches poetisches Leben vorhanden wären. Die Kernzelle des jüdischen politischen und gesellschaftlichen Lebens, die Gemeinde, ist in Holland fast ausschliesslich religiös orientiert. In religiöser Beziehung, herrscht eindeutig der Konservativismus. Das traditionstreue Judentum ist absolut. Versuche eines religiösen Liberalismus konnten sich bisher nur schwach durchsetzen und zu einer religiösen Reformbewegung ist es erst recht nicht gekommen. Auf der anderen Seite ist von zionistischer Seite kaum ernstlich der Versuch gemacht worden, die Gemeinde zu einer Volksgemeinde auszugestalten und ihr damit auch andere als religiöse Funktionen zuzuweisen. Ansätze zu einer Orientierung in dieser über das Religiöse hinausgehenden Richtung sind erst in den letzten Monaten zu beobachten. Sie sind dadurch entstanden, dass man die aus Deutschland eingewanderten Juden für das Gemeindeleben interessieren will. Aber ob sie eine tiefere Wirkung haben, kann nur die Zukunft zeigen. Wir können hier nicht die Gründe darlegen, die zu diesem Wesensinhalt des holländischen jüdischen Lebens geführt haben. Die äusseren Gegebenheiten, unter denen die holländischen Juden leben, spielen hierbei sicher eine grosse und fast entscheidende Rolle. In einem Lande, in dem das Judentum offiziell als eine Konfession angesehen wird, verläuft das jüdische Leben naturnotwendig in einer bestimmten Richtung. Und wo das geschichtliche Herkommen noch so stark beachtet wird, gehen die Kräfte des Daseins anders als dort, wo man Geschichte gewissermassen noch selbst formen muss, weil das „historische Gedächtnis" nur kurz und spärlich ist. Dieses Geschichtliche ist auch beim Aufbau des Gemeindelebens wirksam. Das holländische Judentum zerfällt in eine sephardische und eine hochdeutsche Gemeinschaft, die heute die überwiegende Mehrheit der holländischen Juden umfasst. Die Sephardim leiten sich von den im 17. Jahrhundert eingewanderten sephardischen Juden her, die Aschkenasim stammen von den im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts aus Deutschland und Polen gekommenen Juden ab. Die sephardischen Juden bilden den Portugiesisch-Israelitischen Kirchenverband, dessen Geschäfte von einer Hauptkommission (Hoofdcommissie vor de zaken van het Portugeesch IsraelietischKerkgenootschapinNederland) unter Vorsitz von Professor P a 1 a c h e geführt werden. Insgesamt gibt es in Holland nur etwa 6000 portugiesische Juden. Die aschkenasischen Gemeinden 9ind im Niederländisch-Israelitischen Kirchenverband zusammengeschlossen. Sein oberstes Organ ist die Zentrale Kommission (Centrale Commissie tot de Algemeene zaken van het Nederlandsch Israelietisch Kerkgenootschap). Sie setzt sich aus den Abgeordneten der Bezirke zusammen, die im allgemeinen mit den holländischen Provinzen zusammenfallen. Gegenwärtig besteht der Plan, Amsterdam, wo allein 59 Prozent aller holländischen Juden wohnen, zu einem selbständigen Bezirk zu machen. Exekutivorgan der Zentralen Kommission ist eine Permanente Kommission, die die Gemeinden nach aussen vertritt. Vorsitzender beider Körperschaften ist .der bekannte Diamantenindustrielle A. Asscher. Er ist zugleich Vorsitzender der Niederländisch-Israelitischen Hauptsynagoge in Amsterdam und spielt im holländischen Judentum eine führende Rolle. Der religiöse Charakter des jüdischen Lebens in Holland bedingt es, dass die Aguda und der Misrachi eine grosse Anhängerschaft haben. Der religiöse Liberalismus hat erst in den letzten Jahren einigen Zugang erhalten und wird insbesondere in Amsterdam durch die aus Deutschland eingewanderten Juden gestärkt. Die Liberalen stehen dort ausserhalb der Einheitsgemeinde. Sie haben ihre eigenen religiösen Einrichtungen. In Kreisen der Einheitsgemeinde wird gegen diese Abkapselung Stellung genommen. Abgesehen von der Einstellung zum religiösen Liberalismus sind Bestrebungen im Gange, die Neueinwanderer am Leben der Gemeinde zu interessieren und sie zu veranlassen, sich der Hauptgemeinde als Mitglieder anzuschliessen. Es ist ein sogenanntes „Contact"- Komitegegründet worden, das für die Einwanderer Kundgebungen und Vorträge veranstaltet. Besonders der neue Oberrabbiner von Amsterdam. L. H. S a a r 1 o u i s , hat sich wiederholt in Botschaften an die Einwanderer gewandt. Die Zionisten sind in einer Zionistischen Vereinigung zusammengefasst, deren langjähriger Vorsitzender Abel J. Herzberg ist. Im Gegensatz zu anderen Ländern, etwa Frankreich, wird der Zionismus in den Niederlanden in der Hauptsache von eingesessenen Juden getragen und weniger von Ostjuden. Schon deshalb sind hier die Spannungen zwischen Zionisten und Nichtzionisten nicht so ausgeprägt. Er ist eine eindeutig philanthropische Angelegenheit. Er hat sich nicht in eine politische Arena begeben. Die Ostjuden unter sich bilden einen Ostjüdischen Verband, der in Amsterdam im vergangenen Jahre sein fünfjähriges Bestehen gefeiert hat. Der jüdische Frauenrat leistet eine beträchtliche kulturelle Arbeit und beteiligt sich intensiv an der Palästinaarbeit, für die die WIZO als ..Jüdische Frauenvereinigung für praktische Palästinaarbeit" als zionistische Frauenorganisation ausschliesslich tätig ist. Es zeigt sich hier in Holland ein wesentliches Kennzeichen jüdischen sozialen Lebens: wo die Politik in ihm zurücktritt und das Religiöse massgebend wird, dort ist das gesellschaftliche Dasein mit vielem erfüllt, was von jüdischer Religion zur Bestimmung gemacht wird. Wir finden so in Holland ein jüdisches Wohlfahrtswesen, dessen Breite und umfassende Gestaltung dem Betrachter Bewunderung abnötigt. Es gibt kein Land in der Welt, in dem Juden wohnen, das so klein ist und doch eine so grosse Zahl von Vereinigungen und Wohlfahrtseinrichtungen hat. Unter ihnen gibt es Institutionen für Alters- und Krankenfürsorge wie „De Joodsche Invalide" und Organisationen für die Heilung von Krankheiten und Nöten aller Art. Die Wohlfahrtsarbeit hat sich in den letzten Jahren besonders auch auf die Fürsorge für die Eingewanderten aus Deutschland erstreckt. Die Hilfskomitees, die von den Gemeinden geschaffen wurden, haben viel getan, um Nöte zu lindern, um die Weiterbeförderung oder Eingliederung der Eingewanderten zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang ist als eine der sozial aktiv tätigsten Persönlichkeiten des holländischen Judentums Professor D. Cohen zu nennen, der auch im gesamten jüdischen Leben eine hervorragende Rolle spielt. Das holländische Judentum steht heute vor Entscheidungen, die seine Zukunft in vielem beeinflussen werden. Es hat sich auch in diesem Lande die Frage erhoben, ob der geistige und soziale Wandlungsprozess in Europa nicht grössere Auswirkungen haben kann. Dabei fragt es sich, ob das holländische Judentum weiter unpolitisch bleiben kann oder ob ihm Aufgaben zuwachsen werden, die in die politische Sphäre hineinreichen und auch jüdischer- Das holländische Arbeitsgesetz angenommen Amsterdam, 25. April. Die seit langem in Vorbereitung befindlichen neuen Arbeitsgesetze (vergl. C.-V.-Zeitung Nr. 2 vom 14. Januar), die eine Genehmigungspflicht für selbständige Betriebe vorsehen, sind nunmehr auch in der ersten Kammer in der Sitzung vom 20. April 1937 angenommen worden. Ueber die Einzelheiten (Beginn der Wirksamkeit, Verfahren) kann erst nach Pubiizierung des Gesetzes berichtet werden. Rückgang der holländischen Arbeitslosigkeit Ueber die sehr günstige Entwicklung der holländischen Wirtschaft in den letzten Monaten unterrichtet ein ausgezeichneter statistisch belegter Artikel: „Die Finanz- und Wirtschaftslage der Niederlande im ersten Quartal 1937", der im Vierteljahrsbericht der Amsterdamschen Bank enthalten ist (Nr. 51, April 1937). Wir ersehen daraus, dass der Beschäftigungsindex der niederländischen Industrie, wenn man das Jahr 1929 als Ausgangspunkt mit 100 annimmt, bis auf G6.3 im Jahre 1935 gefallen war. Seit August 1936 ist eine ständige Aufwärtsbewegung, und zwar ansteigend von 66,7 im August 1936 zu 91.4 im Dezember und zu 92 im Januar 1937, bemerkbar. Die Ziffern über die rückgängige Bewegung in der Arbeitslosigkeit bestätigen die obige Festeilung, wobei — wie der Bericht sagt — zu berücksichtigen ist, dass „nach den inzwischen noch publizierten Indikationen allgemeiner Art auch im ersten Quartal 1937 die Arbeitslosigkeit abgenommen hat, während sonst Einmal geschah es mir, als mich jemand nach meiner Heimatstadt fragte und ich „Bayreuth" antwortete, dass der Frager mit eine-m tiefen Atemholen sagte: ,.Da müssen Sie aber herrlich singen können!,£ Ich lachte sehr über diese Unlogik, fand sie aber in ihrer Plötzlichkeit immerhin verzeihlich. Eine ähnliche Reaktion des ersten Eindrucks mag es gewesen sein, die mich im Anblick der Ässcher-Werke in Amsterdam als Erstes denken Hess: „So ein Riesengebäude für so winzige Steine!" Obgleich ich mir selbst keineswegs vorgestellt hatte, dass man in einer romantischen Hütte Diamanten schleift — die Ausmasse des Amsterdamer Werkes mussten verblüffen. Allerdings — und das ist vorwegzunehmen — hatte ich auch noch nie \^Jiaxkß^\ Alligator!^/ das sind gute Lederwaren UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE. Berlin, Tauentzienstr&Se 16 Essen, Am HaaptbahnhoflO Hamburg, Jungfernsüeg 43 Bochum, Kortumstra£e 67 Köln a.Hb., Hohestra&e 115 Frankfurt a.M„ Rofonarkt IS Essen. Limbedcstrafie 10 Zentrale, Offenbach a-M Wuppertal-Elberfeld, Herzogstra&e 36 seits eine entsprechende Stellungnahme erfordern. Das Auftauchen einer judenfeindlichen Partei bei den bevorstehenden Parlamentswahlen gibt einige neue Probleme auf. Die Gemeinden haben ein Komitee eingesetzt, das Sonderaufgaben zu übernehmen hat, die im politischen Bereich entstehen könnten, das „Comite voor bysondere Joodsche Belangen". Wenn so das holländische Judentum auch nicht ganz sorglos sein kann, die Konstanz seines Wesens ist bisher noch unberührt. ahzg. # Dieser Beitrag ist der fünfte im Rahmen unserer 'Aufsatzreihe. Bisher sind dargestellt worden: Vereinigte Staaten, England und seine Dominions, Frankreich. üblicherweise in dieser Saison eine ziemlich starke Zunahme zu verzeichnen ist.*' Der Arbeitslosigkeitsindex für die vielfachen Berufe ergibt folgende Uebersicht: 1935 1936 Diamantindustrie . . . 69,4 55,7 Kleidungsindustrie . . 22,8 31,1 21,3 14 Steinkohlenbergbau . 41,5 37.2 32,2 2937 Wir ersehen aus diesen Ziffern, dass in den verschiedenen Berufen, von denen die Diamant-, Textil- und Bekleidungsindustrie für die holländischen Juden aller sozialen Schichten von besonderer Bedeutung sind, die Arbeitslosigkeit schon 1936 zurückgegangen ist. Für das erste Quartal 1937 ist eine noch bessere Allgemeinsituation festzustellen. Diese wirtschaftliche Vorwärtsentwicklung, die in der ausführlichsten Weise unter Zuhilfenahme des gesamten statistischen Materials in dem erwähnten Bericht behandelt ist, ist für das holländische Judentum aus den verschiedensten Gründen von Bedeutung. Naturgemäss wirkt sich jede wirtschaftliche Besserung, ganz gleich auf welchem Gebiete, auf die holländischen Juden sehr stark aus, da sie in allen sozialen Schichten vertreten sind. Der Rückgang der allgemeinen Arbeitslosigkeit und die gesamte Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse wirkt sich zudem als Hemmschuh gegen die fortschreitende Radikalisierung der heranwachsenden Jugend aus. Schliesslich bringt die stark aufgelockerte wirtschaftliche Situation mehr Verdienstmöglichkeiten für die hier hergewanderten oder mindestens eine günstigere Einstellung ihrer wirtschaftlichen Betätigung gegenüber mit sich. vorher Diamanten von der Grösse gesehen wie nachher im Werk. Doch das hat mit dem Haus natürlich wieder gar nichts zu tun. Es ist für eine Frau anscheinend wirklich besonders schwer, im Zusammenhang mit Diamanten sachlich zu bleiben. Ich will es versuchen." Ein riesiges, helles Gebäude also, von dessen Dach stolz und lustig die Fahnen wehen, steht in einer kleinen Querstrasse im Süden Amsterdams. Hinter unzähligen, unverhangenen grossen Fenstern kann man schon von der Strasse her Männer und Frauen bei der Arbeit beobachten, von der man erst einen Begriff bekommt, wenn man durch die einzelnen Säle gegangen ist. Emen Begriff: denn wenn man das Technische noch so glänzend versteht, so bleibt Arbeitsrecht und Arbeitsmarkt Von unserem H.-Berichterstatter Amsterdams grösste Diamantsch leiferei Ausrüstung für Palästina und Übersee Schriftliche Anfragen an die Obersee-Abteilung / Telefonische Verabredungen unter 52 00 11

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