Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 16 (22.4.1937)
- Date
- 1937-04-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 C-V.-Zeifung Nr.16—22.ApriI1937, ^#*r*mr.w?^"&trvy&—^^^^^^^^^ 'gfy&f' a<." ■? ^■X^ sXK"'^ 'A'*^VSW'A>^. ' ~-^/^-£~^*U~< '■ s *w»,'«'Jr,„ '-VS '"""Z^ ' v ' ' 'v^* ' S/ I V*"^, / " ' ' Innenansicht des Israelitischen Tempels im Com posteil die für die Finanz.eebaning der jüdischen Gemeinde verantwortlichen Männer in Frankfurt. Abwanderung und Zuwanderuns hielten eich zahlenmässig in den letzten Jahren zwar ungefähr die Waage, finanziell ist aber eine sehr spürbare Schwächung der Gemeindemitglieder eingetreten, die sich durch die zunehmende Ueberalterung und durch die Schrumpfung des Vermögens der Stiftungen, die früher die ganze soziale Hilfstätigkeit in der Frankfurter Gemeinde leisteten, noch schärfer auswirkt. Ein Blick in den Etat für 1937/38 zeigt in wenigen Zahlen die Grösse der finanziellen Aufgaben. Er schliesst mit einer Gesamtsumme von rund 1,59 Millionen Mark ab. Es ist ein Zeichen der Zeit, dass unter den Ausgaben die Soziale Fürsorge mit über 412 000 Mark gegenüber nur rund 300 000 Mark im Vorjahr weit an erster Stelle steht, erst in grossem Abstand folgt mit nahezu 190 000 (i. V. 180 000) Mark das Ünterrichtswesen, dem sich die Aufwendungen für Synagogen und Beisäle mit (gegenüber dem Vorjahr wenig verändert) 172 000 Mark dicht anschiiessen. Es ist selbstverständlich, dass die Ausgaben zum weitaus grössten Teil aus den Eingängen der Kultussteuer, die mit etwa 1,15 Millionen Mark angesetzt sind, bestritten werden müssen. Der Ausgleich des Etats war allerdings nur dadurch möglich, dass 198 000 Mark aus einem in früheren- Jahren gewonnenen Enfschuldungsfoads eingesetzt wurden. Die Schulen Von besonderer Bedeutung war in Frankfurt schon seit vielen Jahrzehnten das jüdische Schulwesen; seine Einrichtungen sind für andere Gemeinden vorbildlich geworden. Es bestehen in Frankfurt zwei höhere jüdische Schulen und dementsprechend heute auch zwei Volksschulen, einmal das Reform- Realgymnasium Philanthropin (gegründet 1805, jetzt nahezu 1300 Schüler und Schülerinnen) mit der ihm angeschlossenen Volksschule, und zum anderen die von der Religionsgesellschaft unterhaltene Samson-Raphael-Hirsch-Schule, mit der jetzt gleichfalls eine Volksschule verbunden ist. Sie werden von ungefähr 1000 Schülern besucht. Beide Schulen sind hervorragend geleitet, es steht ihnen ein Stab erstklassiger jüdischer Lehrkräfte zur Verfügung. Frankfurt ist darüber hinaus aber noch durch andere jüdische Ausbildungsstätten zu einer Zentrale jüdischer Bildungsarbeit geworden (Jeschiwa, Religionsschulen, Lehrhaus usw.). Erwähnt sei, dass Frankfurt auch im jüdischen Sport eine grosse Rolle spielt. Der „Schild" ist durch die Vielseitigkeit seiner Arbeit besonders bekannt geworden. Aber auch der Bar-Kochba, der Sportverein Philantropin und der der konservativen Seite nahestehende jüdische Turnerbund zeigen stets grosse Leistungen. Sozialarbeit Die Zunahme der Arbeitsgebiete einer grossen jüdischen Gemeinde hat es mit sich gebracht, dass die örtliche Zentralisierung der Arbeit einer gewissen Auflockerung weichen musste. Erfreulicherweise ist es in Frankfurt gelungen, eine organische Trennung dadurch durchzuführen, dass in der Quinckestrasse ein Gebäude — das Königswerther-Haus — zur Verfügung stand, in dem fast alle die Stellen, die sich mit der sozialen Arbeit im weitesten Sinne befassen, geschlossen untergebracht werden konnten. Auch die Jüdische Winterhilfe hat in ihm ihr Heim aufgeschlagen. In diesem Jahr werden von ihr 44S4 Menschen betreut. Die Winterhilfe wird übrigens von der Hauptgemeinde und der Religionsgesellschaft gemeinsam durchgeführt, eines der Gebiete, auf denen es erfreulicherweise zu einer Zusammenarbeit gekommen ist. Als erstes werfen wir nun, unter der entgegenkommenden Führung des Leiters der jüdischen Sozialarbeit in Frankfurt a. M., Dr. Bergel, einen Blick in die Jüdische Notstandsküche. Vor sechs Jahren hat die Notstandsküche mit der Verpflegung von 80 Personen täglich ihre Arbeit begonnen, heute werden täglich mehr als 1000 Portionen (zu 10 Pfennigen bei etwa 33 Pfennig Selbstkosten) ausgegeben; im Sommer wurden zusätzlich täglich noch 350 Kinder auf dem Spielplatz der Jüdischen Gemeinde voll verpflegt. Täglich werden 150 Haushaltungen mit rund 450 Köpfen in weiter .entfernt liegenden Stadtteilen durch Boten beliefert und so den Hilfsbedürftigen, das Fahrgeld erspart. Alles geht nach Nummern, kein Name erscheint, keiner braucht sich also zu schämen, die Notstandsküche in Anspruch nehmen zu müssen. Das Essen kann nur abgeholt, nicht dort eingenommen werden. Das hat eine grosse soziale Bedeutung. Man war bestrebt, die Familie zu erhalten und wollte auf diese Weise erreichen, dass die Familie gemeinsam ihre Mahlzeit einnimmt. Der Voranschlag für 1936/37 der Notstandsküche betrug über 100 000 RM, für 1937/38 ist er auf 110 000 RM gestiegen. Die Finanzierung eriolgt zum grossen Teil durch Spenden oder feste Monatsbeiträge; eine schwierige Aufgabe in einer Zeit, in der die Finanzkraft der Gemeindemitglieder fortlaufend geringer wird. Wir unterhalten uns mit dem Leiter der jüdischen Wohlfahrtspflege in Frankfurt a. M., Dr. Bergel. Umfangreich sind ihre Aufgaben, von Jahr zu Jahr werden sie grösser. Für 1935/36 betrug der Voranschlag 400 000 RM, für 1936/37 486 000 RM und für 1937/38 stieg er auf 515 000 RM. Die Jüdische Wohlfahrtspflege gliedert sich auch in Frankfurt in die drei grossen Gebiete der Jugendfürsorge, der Erwachsenenfürsorge und der Wanderfürsorge. — Als besondere Einrichtung sei das Erwerbslosenheim erwähnt, das seine Aufgabe in der Betreuung und Fortbildung von männlichen erwerbslosen jüdischen Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 Jahren sieht. Eine Schreinerwerkstatt, eine Schuhmacherwerkstatt und eine Gartenbauabteilung dienen der praktischen Ausbildung, Unterricht in allen Fach- und Fortbildungsfächern, in Sprachen, Singen, Turnen usw. der geistigen und körperlichen Weiterbildung. — In Frankfurt hat ferner der Das leistungsfähige ^tfUÄga jüdische Spezialgeschäft ^mP^^b^^S^ für /3&r^BSi"B39H@^5^il7r Herren- und Frankfurt a. H., Xnabenkleldung Hindenburgplatz 12eegenüb. d.Hauptbahnhot Provinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege für Hessen-Nassau, dessen Geschäfte von Fräulein Hilde Meyrowitz geleitet werden, seinen Sitz, dem die" Wohlfahrts- und Winterhilfsbetreuung der jüdischen Landgemeinden der Provinz Hessen-Nassau obliegt. Gerade in diesen Tagen wurde vom Provinzialverband gemeinsam mit dem Jüdischen Frauenbund (der in Frank-' furt durch die Verwaltung des nahe gelegenen Heimes in Neu-Isenburg eine besondere Aufgabe hat) in der Wöhlerstrasse ein neues Altersheim eröffnet, das einer grösseren Zahl alter jüdischer Menschen ein neues gemütliches Zuhause gibt. Die Grundlehre baut aus Ein Zimmer weiter, und wir stehen mitten in der Tätigkeit der jüdischen Wirtschaftshilfe. Trotz drängender Arbeit gibt uns ihr Leiter, Dr. Rudolf "Stahl, bereitwilligst Auskunft. Die Wirtschaftshilfe, über deren grundsätzliche Fragen in diesen Blättern schon mehrfach berichtet wurde und deren Aufgaben hinsichtlich der beratenden oder unterstützenden Tätigkeit in fast allen Gemeinden ähnlich sind, hat sich in Frankfurt a. M. besonders der Schulung und Weiterbildung des Nachwuchses zugewandt, zum Teil im Jüdischen Jugendheim in der Eschersheimer Landstrasse. Das ist ein der Gemeinde gehöriges Haus, in dem neben Gemeinschaftsräumen jeder der jüdischen Jugendbünde sein eigenes Heim hat, in dem aber auch viel für die Aus- und Fortbildung der jungen Menschen getan wird, Gross ist die Arbeit, die die Er- Das Frankfurter Gemeindehaus, das ehemalige Bankhaus der Rothschilds Fot. Wiesenthal FRANKFURTER UNTERNEHMUNGEN Bankhaus S. & H. Goldschmidt gegründet 1866 BH Alle Sparten des Bankgeschäfts Vermögensverwaltung und Beratung s E Gegründet 1832 OFFENBACH a. M. FRANKFURT a. M. 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