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Central-Verein-Zeitung · 1937-04-22 · 16 (22.4.1937) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
16 (22.4.1937)
Date
1937-04-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 C.-V.-Zeitung Nr. 16 —22. April! 937 Jüdisches Leben — jüdischer Geist Lehrhausarbeit in Wiesbaden Dem Arbeitsbericht über das Winterhalbjahr 1936/37 entnehmen wir, dass der Häuptwert auf die Arbeitsgemeinschaften gelegt wurde. Sie standen unter der Leitung von Hanns Berjer (Physik), Lehrer C a p e 11 (Bibel und ~ihr Kommentar). Dr. Lazarus (u. a. über Franz Rosenzweig), Lehrer L i 1 i e n t h a 1 (Jüdische Stätten am Rhein und Main), Ruth Lehmann (Stenographie), .Dr. Alfred Mayer.. (Europäische Literatur im 19. Jahrhundert), Lehrer P an us cli (Hebräisch), Studienrat Steinhard (Englisch). Ueber den Vortragszyklus ..Sinngebung des Judentums" ist in der C.-V.- Zeitung regelmässig berichtet worden. Sämtliche Kurse und Vorträge waren gut besucht, so dass für die Zukunft sogar an eine Erweiterung der Tätigkeit gedacht wird. Semesterbeginn am Rabbinerseminar zu Berlin Der Rektor Rabbiner Dr. Weinberg eröffnete das Sommersemester mit einer Ansprache, in der er in tief empfundenen Worten Dr. Nathan Birnbaums gedachte, zu dessen Ehren sich die Anwesenden von ihren Plätzen erhoben. Im Programm des kommenden Semesters ist erstmalig den Hörern des Rabbinerseminars Gelegenheit geboten, an allgemeinwissenschaftlichen Vorlesungen ausserhalb der Universität teilzunehmen, denn, so führte Dr. Weinberg aus, die Antwort der Orthodoxie auf unsere Situation soll nicht Verzicht, sondern der erneute Versuch einer echten Synthese von Thora und Derech erez sein. — Mit einer kurzen Würdigung Isak Abravanels wurde zu dem wissenschaftlichen Eröi'fnungsvortrag des Seminardozenten Rabbiners Dr. Grünberg : ..Don Isak Abravanel und seine Stellungnahme zu bibelkritiscken Fragen" übergeleitet. Jakob Horovitz, Frankfurt a. M.: Josef Hahn. Aus Anlass des 300. Todestages von Rabbiner Josef Hahn veranstaltete die Gesellschaft für Jüdische Volksbildung, Frankfurt a. M., eine religiöse Weihestunde, in deren Mittelpunkt die Gedenkrede von Gemeinderabbiner Dr. Jakob Horovitz stand. Josef Hahn wurde mit der Zeit Mittelpunkt des Frankfurter jüdischen Lebens. Unter anderem hat er das Wohlfahrtswesen musterhaft und von Grund auf neuorganisiert, Vereine geschaffen, in denen das Leben der Thora im Mittelpunkt stand, und sah es als eine der wichtigsten Aufgaben an, dass die Lehre des Judentums vor allem auch ins Land getragen wurde. So sehen wir, dass das Wirken Josef Hahns bis auf diesen Tag Bedeutung behalten hat. Der Redner schloss seine klaren und eingehenden Ausführungen mit dem Zitat aus Josef Hahns Werk, dass nur „die Menschen den jüdischen Weg erfassen können, die reiner Hände sind." A.H.J. Davin Schönberger, Aachen: Die religiösen Richtungen im Judentum. In der Synagcge zu Nordhausen a. H hielt Rabbiner Dr. Schönberger vor der Gemeinde diesen Vortrag. — Die gegenwärtig sichtbaren religiösen Richtungen des Judentums haben, so führte der Redner aus, ihren Urgrund bereits in der frühen jüdischen Geschichte. In Mosche, Aharon und Korach stehen sich weltanschauliche Lebenserfassung gegenüber, ebenso wie in den echten und falschen Propheten, und dem Priestertum, wie im Gegeneinander der Sadduzäer, Pharisäer und Essener, wie . in der Differenzierung der Rabbonim usw. sich, deutlich Richtungen des Fortschritts, des Bewahrens und der Sektenbildung abheben.. Die Kristallisierung des Schulchan Aruch bedeutet als Höhepunkt einer Entwicklung zugleich Hemmnis und Stagnation. Die . praktische Kabbala, der Mystizismus des Mittelalters und das Wollen der Chassidim stellen sich als Reaktion auf die Auswirkung des Schulchan Aruch dar. Dem 19. Jahrhundert ist die Xeuformung und Organisation der drei Richtungen: Reform, Liberalismus und Neuorthodoxie vorbehalten, deren führende Männer im Für und Wider ihrer Gedanken einander gegenübergestellt wurden. Neue Problematik des 20. Jahrhunderls, nicht zuletzt von der nichtreligiöseu Richtung zionistischer Gedankengänge beeinflusst, überwindet die Säkularisierung und stellt zugleich vor die nie abgebrochene Aufgabe der Synthese des Gesamtjudentums, mm. Das Jüdisch-theologische Seminar (Fraenckelschc Stiftung) Breslau gibt sein Vorlesungsverzeichnis für das äonnner-.'Seniester heraus. Neben den theologischen und rabbinischen Vorlesungen werden von den Dozenten folgende allgemein wissenschaftliche Themen behandelt: Prof. Dr. Heinemann: Die Juden im römischen Reich. Apokryphen. Pseudepigraphen, Neues Testament. Dr. Lewkowitz: Die Hauptriehtungen der Erkentnistheorie. Die Weltanschauung der Renaissance in ihrem Verhältnis zum Judentum, Uebungen zu Spinozas Ethik, Hebungen zu Kants Prolegomena. Dr. Urbach: Arabisch. Studienrat a. D. Dr. W. Cohn: Allgemeine Geschichte im Zeitalter der Hohenstaufen. Uebungen: Aus gew. lat. Urkunden zur mittelalterlichen Geschichte. Bürodircktor Glaser: Jugend- und Kinderfürsorge. Weitere allgemein bildende Lehrgänge werden eingerichtet. Im Breslauer Jüdischen Kulturb und sprach Dr. Friedrich B r o d n i t z (Berlin) über „Die kulturelle Situation der jüdischen Jugen d". Der Redner skizzierte die Schwierigkeiten der heutigen jugendlichen Generation gegenüber den Generationen der Kriegs- und Vorkriegszeit und arbeitete von den drei für die Formung des Jugendlichen in Frage kommenden Faktoren, Elternhaus, Schule und Bund, vor allem die Bedeutung des Bundes heraus. In temperamentvollen Ausführungen befasste er sich abschliessend mit der künstlerischen Erziehung der jungen Generation, die nach dem Grundsatz, dass die Kunst eine der ganz grossen formenden Prinzipien der Menschheit sei, in umfassender Weise durchgeführt werden müsse. Schw. Die Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung hat soeben einen neuen 16 Seiten starken Rundbrief veröffentlicht, der u. a. den Umriss eines Einführungslehrgangs in die Geschichte der Juden während des Mittelalters sowie eine Singanweisung enthält. Der Rundbrief ist gegen Einsendung von 40 Rpf. in Briefmarken von der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung, Frankfurt a. M.-Ginnheim, Fuchshohl 67, zu beziehen. Wenn und wo finden See Rat? Voranzeigen Berlin: _ 25. April. 20 Uhr 15 Min.: Arienabend Alexander Kipms. Brüdervereinshaus. 25, April. 20 Uhr 15 Min.: Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde. Notstands-Kabarett. Viertes Programm. Tanzpalas't Alt-Wien, Landsberger Strasse 31. Ostpreussen: 26. April his 4. Mai: Die Jüdische Kleinkunstbühne „Der Bunte KaTren" mit Fried-s-ald gastiert in Kömfrsberc, Elbinjr, Tnsterburp; und anderen Kulturbünden Ost- .preussens, ferner im Kulturbund Danzig.. %CMA€M^CKE Schachaufgabe Ist. 06 von Paul Kosenblatt (Berlin).?Adscid&sse MOtk Ue&mee Erscheint wöchentlich ohne Gewähr. Postschluss für Luftpostsendungen bei folgenden Postämtern: Berlin C -2, Frankfurt/Main Bahnpostamt 19 und Flughafen, München Bahnpostamt 1 und 2 (Flughafen). Einwurf bei anderen Postämtern oder in anderen Orten bis zu 1 Tag früher. Abkürzungen: BA Buenos Aires, C Cuxhaven. Bord. Bordeaux, Cherb. Cherbourg. Ziffern in Klammern Abfahrtszeiten. Ab Seeweg nach Nordamerika An Berlin Hamburg Brem. Cherb. N.-York 22. 4. 22. 4. (19) „Bcrengaria" 24. 4. SO. 5. 2«. 4. 26. 4. (19) „Bremen" 27.4. 2.?. 4. 3. f». 23. 4. 29. 4. (S) „Hamburg" 29. 4.(C) 30. 4. 7. 5. Luftweg: zurzeit keine Verbindung Seeweg nach Südamerika Berlin Frankfurt München Bord. Neapel Rio B. A. 26. 4. (IS) 27. 4. (8) 29. 4. 11. ä. 14. 5. 29. 4. (18) 30. 4. (9) 1. 5. 13. 5. 17. 5." Luftweg: Zuschl. f. je 5 g 1,50 RM (U25 Brasil) Berlin Frankfurt Rio B. A. 24.4. (13) 24.4.(15) Franz. Luftpost 27.4. 28.4. 28. 4. (21) 28. 4. (24) Deutsche „ 1. 5. 2. 5. Seeweg nach Südafrika Berlin Köln South. Kapstadt 28. 4. (16) 25. 4. (21) 30. 4 17. 5. Luftweg: Zuschlag 35 Pf. für je 5 g Berlin München Brindisi 23. 4. (9) 23.4. (18) 23. 4. (7) Laufzeit S—9 Tage 27.4.(9) 27.4.(18) 29.4.(7) „ S—9 „ See- und Landweg nach Palästina Berlin München Jaffa Haifa 23.4.(16) 24.4,(9) üb. Belgrad-Istanbul 28.4. 2:>. 4. U-n 26. 4. (9) üb. Belyrad-lstanbul 30. 4. 27. 4, (16) 28. 4. (9) 29. 4. Schiff ab Brind. 3. 5. 28. 4. (16) 29. 4. $) üb. Belgrad-Istanbul 4,•». Luftweg: Zuschlag 70 Pf. für je 5 g, mind. 15 Pf. Berlin München Athen Brindisi 24.4.(3) 25.4. (5) 24. 4. (9) 24. 4. (18) 26. 4. (7) 26.4.(6) 27.4.(31) 28.4.(3) 29.4. (8) 28. 4. (9) 28. 4. (IS) 30. 4. (7) 30. 4. (6) 1. 5. (11) Laufzeit ca. V/2 Tage Mitteid eutscliland Erfurt 20. April. 16—13 I'br. bei Dr. Max Baiimgart, Xonuei rain 6Sj. Aus den Familien Ludwig F r e u n d (Breslau) beging am 20. April seinen SO." Geburtstag. — Frau Henriette Levy (Kyllburg/Eitel) feiert am 23. April ihren SO. Geburtstag). — Frau Obersehützky (früher Osnabrück, jetzt lassen) wird am 25. April 75 Jahre alt. — Magnus Cohn (Beckedorf/Schaumburg) begeht am 25. April seinen 80. Geburtstag. — Frau Rosa Ii u d n c r geb. Gractz (Berlin) vollendet am 28. April ihr 70. Lebensjahr. — Hermann Bahr (Massenba chAVürtt.) feiert am 29. April seinen 90. Geburtstag. — In Haifa starb Emil S t r e i s a n d , kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahres. — In Bad Ems ist Bezirksrabbiner i. R. Dr. Laser W c i n g a r t c n gestorben. Er trat am 1. Februar 1890 sein Amt als Bezirksrabbiner an und gründete unter anderem das „Israelitische Zentral-Waisen- und Mädchenheim" ww^w®,'W% 'WM ^ßWmk Pi. i# wm/' '""«^""'«"V Ä PP k IPdb §11 R W$** ' Vel^T Ffl "Ü ,j, - , ßm„„ /S, {BlU §j H Matt in zwei Zügen. Weiss: Kh3. Df4, Tbl, Lc2, Ld4, Sbo, Sc6, Bc5. f3 (9) Schwarz: Kbi. Dh6, Tal, Te8, LcS, Sa6, Beb, fo, hä (9- # Schachaufgabe Nr. 97 von A. Schiffmann (Berlin). W-kWTB Ü « WM W4 ■■:-/'M. Wm mm , >vfi^-:p/p^"yry ^'''vf ^Ikj^^^^ « / fi, m §g m,?m..„ wm;« X '«WM ^I^Ä»* S_ S HS n Matt in vier Zügen. Weiss: Kg7. Leo. Sd8, Sc7, Bb4, b6, d2, e2, g3 (9) Schwarz: "Ke5, BbT (2) « Richtige Lösungen von Nr. 94 und 95 gingen ein von Michael Lew (Krefeld). Herbert Heiniann (Ratibor), LamlgsM-icbtsrat a. D. Dr. K. Ulrich (Mimchen). Adolf Schuck (Breslau). Steinweg (Dortmund), H. Lindner (Burgkunstadt), Dr. Heinz Baer (Halle), Gottfried Gumbel (Stuttgart). A. Löwenstein, Hedwig Kahn (Köln). Julius Cahn (Neuwied), Lothar' Schönthal (Nürnberg), Rechtsanwalt Dr. Ernst Boehm (Brieg), Gerda Loewkowitz (Konstadt). Landgerichtsrat a. D. Dr. Bretzfelder (St. Gallen), Dr. med. I Meverhoff (Rotenfels), Tierarzt Max Koschminski (Landsberg). Otto Spanier, Ella Ruhen (Bünde), Siegmund Austeiiitz (Gicssen), Sanitätsrat Dr. S. Domke, Erich Falk, F. Dresel, Richard Mannheim, Gustav Lewi, Rechtsanwalt Ludwig Mayer, H. G. Leiser Joachim Neumark. Dr. med. Herbert Picard, Diplomvolkswirt Walter Silberstein (Berlin), Bernhard Loeb (Bingen), Karl Bechhöfer (Nürnberg), Rechtsanwalt Dr. Ernst Meyer, Sanitätsrat Dr. Ritterband (Berlin), Dr. med. Th. Gernsheimer (Mannheim), M. Hcvncmann (Düsseldorf). Von Nr. 95: Hans Löwenstein (Bocholt), Wirtschaftsprüfer Dr. Herbert E. Hirschberg. G. Arnheim, Louis Rawicz, Harry Nagler (Berlin). Weitere Lösung von Nr. 93: Rechtsanwalt Dr. Ernst Meyer (Berlin). # Schachbriefkasten: E. R. (Bünde). Problem Nr. 91 ist nicht mit 1. Dfl—f4 lösbar. fiiiniiiiiiiiiiiiiiiniuiiiiiiiiiiHfnminiiJiiiniiinniiiiiiiiiiiiiiiininiiiim und den „Hilfsverein für unbemittelte jüdische Nerven- und Gemütskranke". — Sally Sternberg (PlettenberglWestf.) ist am 17. April gestorben. Schwagers weit hinter sich gelassen. Niemand wird jene Epoche nach solchen Statistiken beurteilen, aber er wird allgemeine bildungspsychologische und soziologische Gesetzmässigkeiten daraus abzuleiten versuchen, was hier im einzelnen nicht geschehen soll. Nur soviel sei festgestellt, dass die Ergebnisse, hundert Jahre später gegen damals, uns keinerlei Argumente gegen den immanenten Vorwurf geben, der in jenem Satz liegt, und den wir deshalb in seinem vollen Umfang sehr ernst nehmen wollen. Man mag als Entschuldigung für das Faktum auf die Verluste durch Abwanderung und durch Bildungsschwierigkeiten hinweisen, oder auf die Sorgen gerade der Angehörigen geistiger . Berufe, für die selbst eine Mark im Monat eine schwere Belastung bedeutet. Aber es wird trotzdem nicht möglich sein zu rechtfertigen, dass eine Zeitschrift wie ..Der Morgen" nur 1100 Bezieher hat. Hier liegt ein Kultur-, ein Bildungspessimismus, um nicht zu sagen -nihilismus, vor, gegen den aufzutreten auch dann noch unsere Pflicht sein wird, wenn der Kreis unserer Menschen noch stärker zusammenschrumpft und seine Wirtschaftskraft noch stärker schwindet. Es ist leider modern geworden, kulturelle Ansprüche herabzuschrauben, und wer aufmerksam beobachtet, wie sich das jüdische Publikum heute von manchen Darbietungen begeistern lässt, die es früher mit dem Schlagwort „Provinz" rasch abgetan hätte, der muss daraus schliessen, wie stark die Urteilsfähigkeit dieses Publikums nachgelassen hat. und erschreckt fühlt er, wie diese Menschen die Verringerung des Niveaus erlöst aufatmend begrüssen, so wie jemand, der den steifen Kragen losknöpft, sobald die Gäste das Haus verlassen haben. Und wir Juden sind ja nur noch ganz unter uns! — Es scheint so, als ob manche die Parole, die man gelegentlich hört und liest: „Vergesst Europaschon zu befolgen beginnen, während sie sich noch im Herzen Europas befinden. Welcher Widersinn, Europa überwinden zu wollen, indem man sich so verhält, wie es dort ist, wo es erst anfängt, diesen Namen zu verdienen. Und noch rätselhaftere Psychologie, Auswanderern zu empfehlen, Europa zu vergessen! Es mag junge Menschen geben, die dieser wie allen vereinfachenden Parolen um so bereitwilliger folgen, je weniger sie die Werte, auf die sie verzichten wollen, kennen. Denn Europa als .einen wertvollen Inbegriff haben allenfalls noch die Menschen erfahren, die um die Jahrhundertwende geboren sind. Die Jüngeren kennen nur den Krampf und die Schmerzen dieses Erdteils, der sie nun ausstösst, und setzen diesen Eindruck und einige zivilisatorische und dekadente europäische Erlebnisse Europa gleich! Wer aber will, dass das Judentum in den neuen Ländern wertvoll wird und wächst, muss gerade jedem, der hinausgeht, viel von dem unsichtbaren Gepäck mitgeben, das echtes Europa enthält. Es kann — vielleicht sogar nicht einmal in Palästina — kein lebensvolles, weltwertes Judentum geben, das nicht den Humanismus und die Bildung Europas als Stoff und als Gehalt empfände. Es gibt unter uns inmitten kulturmüder Menschen, wie die Auflageziffer des „Morgen" positiv aussagt, noch über Tausend, die als Juden bew'usst und persönlich opferbereit Europa kennen und immer von neuem zu begreifen sich bemühen, und die nicht einsehen w'ollen, dass es unvermeidlich sei, auch geistig mit Urwald und Sumpf neu zu beginnen, wo Urwald und Sumpf beseitigt werden müssen, ehe neue Heimat ward: Jeder mag sich darüber klar werden, ob es lediglich bei diesen Tausend sein Bewenden haben soll; Englands Verstoss im Mittelmeer In einem Aufsatz „Neue Entwicklungen am Mittelmeer" (..Europäische Revue", 13. Jahrg., Nr. 4) geht Richard von Kühlmann auf die Neuorientierung der englischen Mittelmeerpolitik ein: ..Als" das britische Weltreich trotz der Konzentration fast seiner gesamten Seestreitkräfte im Mittelmeer vor der italienischen Drohung kapitulierte, erlebte das alte Schlagwort Finis Britanniae eine kurzlebige Auferstehung. Mit Energie ging Grossbritannien nach dieser Schlappe daran, seine Stellung auszubauen und zu verstärken. Die Verhandlungen mit Aegypten wurden mit grösserem Nachdruck betrieben. Die skeptischen Stimmen verstummten. Der Vertrag vom 26. August 1936 regelte alle Schwierigkeiten schiedlich-friedlich, und ein zwanzigjähriges Bündnis gestattete England, im Falle kriegerischer Verwicklung auf Aegypten zu rechnen. In Palästina hatte die entschlossene Gegnerschaft breiter arabischer Kreise gegen die Forlsetzung der jüdischen Einwanderung einen Zustand gefährlichen Guerillakrieges erzeugt. Die Entsendung einer englischen Studienkommission und die Bemühungen arabischer Stammesfürsten haben eine wenigstens zeitweilige Beruhigung des Zustandes gebracht. England hat nicht unbedeutende Truppenmengen nach Palästina entsandt, und es sollte nicht wundernehmen, wenn der Versuch gemacht' würde, wenigstens einen Teil dieser Truppen auch nach Regelung des Palästina-Problems dort zu belassen. Die grossen Manöver, die vor kurzem um die neue Riesenfestung Singapur abgehalten wurden, haben aufs neue den hohen Wert bewiesen, den England diesem Schlüssel zum Fern Ostgebiet beimisst. Jeder Tag, den Schiffe oder Truppen sparen können, müssen einmal Verstärkungen nach Fernost dirigert werden, ist kostbar und kann in der Partie entscheidenden Einfluss gewinnen. Cypern war im Jahre 1914 annektiert worden, ohne dass England militärisch Nutzen aus seinem Besitz zu ziehen versucht hätte. Gleich nach der schmerzenden politischen Niederlage, hat der unermüdliche und zähe Sir Samuel Hoare sich, durch eine Rundreise vom Zustand des Mittelmeers aus eigener Anschauung eine Vorstellung gebildet. Bei Nicosia auf Cypern soll ein starker englischer Stützpunkt entstehen Mit dem neuen Wehrwillen, von dem England beseelt scheint, wurde sofort zugegriffen; die Arbeiten sind in vollem .Gange, Die in neuerer Zeit sehr gepflegten diplomatischen Beziehungen zur Türkei und zu Griechenland lassen es denkbar erscheinen, dass, sohle es wider alles Verhoffen und trotz Gentlemen's Agreement im Mittelmeer wieder zu einer englisch-italienischen Spannung kommen, englische Flotten und englische Luftgeschwader die zum Teil ausgezeichneten Basen dieser Mittelmeermächte zu benutzen in die Lage kommen könnten. . . . Im ersten Augenblick der Entmutigung, als der Schiffbruch der englischen Völkerbundspolitik klar vor Augen lag, fehlte es nicht an Stimmen, die befürworteten, die beiden langen, in der Flanke vielfach bedrohten Defilees des Mittelmeeres und des Roten Meeres ausser acht zu lassen und den längeren, aber so gut wie vollkommen sicheren Weg um das Kap zu wählen. Südafrika, welches die grössten Anstrengungen macht, um auf Kosten des Suezkanals seine Häfen zu fördern, benutzte den psychologischen Moment, um den Ausbau Kapstadts als Flottenstützpunkt zu beschliessen. Doch spielt, wie gesagt, bei Verwicklungen im Fernen Osten der Faktor Zeit eine viel zu entscheidende Rolle, als dass England auf die kürzeste und schnellste Route ins Gelbe Meer verzichten könnte. Deshalb sehen wir das Empire mit allen Mitteln bestrebt, die alten Stellungen auszubauen, neue zu schaffen und auch die^diplomatischen Beziehungen für einen künfügen möglichen Konflikt sorgfältig zu pflegen." F.'F. Am 25. April würde Paul Nathan sein 80. Lebensjahr vollendet haben. Vor zehn Jahren bereiteten wir die Festnummer zu seinem 70. Geburtstag vor, als der Tod ihn unerwartet abberief. Wir haben seiner aus Anlass seines zehnten Todestages am 15. März in Nr. 10 der C.-V.-Zeitung vom 12. März gedacht und erinnern uns heute aus Anlass seines 80. Geburtstages erneut alles dessen, was er für das Judentum und für den Jüdischen Centrai-Verein getan hat. iii!i!:ii!!iiiii!i:i!iNiiiiiiin!ii!niiiii!nn!iniin Wir weisen med erholt darauf hin, dass unverlangt eingesandte Manuskripte nur zurück' gesandt werden, wenn Porto oder Freiumschlag beigefügt war. Irgendwelche Rechtsansprüche können aus der Zurückbehaltimg von Arbeiten, denen das Rückporto nicht beigefügt war, nfcAf hergeleitet werden.

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