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Central-Verein-Zeitung · 1937-04-15 · 15 (15.4.1937) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
15 (15.4.1937)
Date
1937-04-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15 » 1. Beiblatt CYZeUunq .„„............ . .kwv* ,|Mcvcke allicatorI^ Die Trauerfeier für Ferdinand Samo je Die Trauerfeier für Rechtsanwalt Ferdinand Samo je fand am 13. April im Krematorium Berlin-Wilmersdorf statt. Ein ungewöhnlich starker Kreis von Freunden und Vertretern vor allem aus dem Jüdischen Centrai-Verein, der Anwaltschaft, der Jüdischen Gemeinde sowie vielen anderen Organisationen hatte sich mit der -Witwe und den Kindern des Verstorbenen versammelt. Blumen deckten den Sarg, an dessen Seite ein Vertreter des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten mit der Bundesfahne Aufstellung genommen hatte. Rabbiner Dr. Manfred Swarsensky gedachte des Verstorbenen als eines mutigen, warmherzigen Menschen von lauterster Gesinnung, Güte und Treue. Dann nahm Dr. Otto Hirsch im Namen des Jüdischen Central-Vereins das Wort. „Wieder", so führte er aus, „muss der Jüdische Centrai-Verein einen letzten Abschied nehmen. In schmerzlich rascher Folge gesellt sich zu Ludwig Holländer und Julius Brodnitz unser Freund Ferdinand Samoje. Er stand nicht wie diese an der Spitze des Vereins, aber mehr und mehr wurde er sein Mittelpunkt. Als Neffe des unvergessenen Eugen Fuchs, dessen juristischer Mitarbeiter er gewesen ist, verkörperte er ein Stück bester Tradition des Vereins, dem er vor mehr als einem Menschenalter beigetreten war und dessen Hauptvorstand er fast zwei "Jahrzehnte angehörte. Aber er wandelte die' Tradition in Leben, zu einem Leben selbstlosen Dienstes an den drei Kreisen, denen er sich zugehörig fühlte und die er als eine grosse Einheit empfand, am jüdischen Kreis, am deutschen Kreis und am Anwaltsstande. Der Kern seines Wesens war ein starkes Rechtsgefühl, -ein starkes, aber kein starres. Nicht bloss das Richten erschien ihm als etwas Heiliges, sondern auch das Schlichten; und dieser Sinn für das Recht, verbunden mit einer seltenen, aus einem gütigen Herzen kommenden Fähigkeit des Ausgleichens, bestimmte auch sein Wirken im Centrai-Verein. Julius Brodnitz zog ihn zur Führung der wichtigen Vereinsgeschäfte heran, im Beirat wurde seinem klugen, ehrenhaften und ruhigen Wort entscheidende Bedeutung beigemessen, und jeder von uns freute sich, wrenn er als ständiger Vertreter des Vereinsvorsitzenden mit Würde und Mit mancher heiteren Wendung amtierte. Nie, buchstäblich zu keiner Stunde des Tages oder 'der Nacht hat er sich einem Ruf , versagt. Der Mut, der ihn als den besten Reiter seiner Batterie schon als Einjährigen und dann im Kriege in den schweren Kämpfen in Rumänien auszeichnete, wurde zur Zivilcourage. Er hat auch den Widerspruch gegen einseitige Parteimeinungen nicht gescheut. . Er war kein enger Parteimensch, er wollte dem Ganzen dienen und er hat auch im innerjüdischen Leben Brücken zu schlagen verstanden. Immer richteten sich in schwierigen Situationen alle Augen auf ihn, den Zuverlässigen und Treuen, den Sachlichen und Uneigennützigen, und nie hat er das Vertrauen enttäuscht. Aber niemals hat er viel Aufhebens von sich und seiner Tätigkeit gemacht, — ein tief bescheidener, ein sehr liebenswerter, ein ganzer Mann.. Auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, dessen Führerrat Rechtsanwalt Samoje angehörte, und der durch den Bundesvorsitzenden selbst bei der Trauerfeier vertreten war, nahm am Sarge Abschied von dem Kameraden Samoje. Kammergerichtsrat i. R. Dr. Dienemann pries den Verstorbenen als einen Menschen, der alles das in sich vereint habe, was nach soldatischer und jüdischer Auffasung einen ganzen Mann ausmacht. Er sei, obschon ein Mann des Friedens und der ausgeglichenen Lebensweisheit, im Grunde seines Herzens eine soldatische Natur gewesen. Pflichtbewusst bis zum Ende, treu der Sache und den Kameraden, einsatz- und opferbereit ohne Rücksicht auf die eigene Person und erfüllt von einem reinen Wollen für das Gute und Edle. Er gedachte des mutigen Verhaltens Samojes im Kriege und schloss mit den Worten des alten erschütternden Soldatenliedes: Kann dir die Hand nicht geben, bleib' du im ew'gen Leben, mein guter Kamerad! Im Namen der Freunde des Entschlafenen aus der Anwaltschaft rief ihm Rechtsanwalt Dr. Ernst Wolff ein letztes Lebewohl zu und gedachte zunächst der hingebenden Treue, mit der Ferdinand Samoje die ihm anvertrauten Interessen in jahrzehntelanger Arbeit vertreten hatte, eine Tätigkeit, in der er sich die Achtung der Richter, die Dankbarkeit seiner Klienten und das Vertrauen seiner engeren Berufsgenossen in reichstem Masse erworben habe. Ein gutes Jahrzehnt lang habe er in den verschiedensten Organisationen der Anwaltschaft, freien und amtlichen, vor allem im Vorstand und im Ehrengericht der Berliner Anwaltskammer gewirkt, und als dann die Zeit kam, da Samoje diese ihm ans Herz gewachsene Arbeit aufgeben musste, fand er den besten Trost für eigenes Leid darin, anderer Leid zu lindern und seinen Schicksalsgenossen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. "So lebe sein Bild unter seinen Freunden fort als das eines charaktervollen Mannes voll hoher Gaben, der auch im Unglück Haltung und Würde bewahrt hat. Mit dem Gesang des El mole rachamim des Oberkantors John Jacobsohn und dem Kaddisch schloss die eindrucksvolle Feier. - Bild eines jüdischen Rechtsanwalts Ferdinand Samoje wurde am 19. Januar 1875 in Ratibor geboren, verlebte seine Gymnasialzeit auf der Kreuzschule in Dresden, studierte sodann in München und Berlin, und zwar zunächst Volkswirtschaftslehre mit der Absicht, Kaufmann zu werden, entschloss sich aber dann, zur Rechtswissenschaft überzugehen und damit die Laufbahn zu beschreiten, für die er recht eigentlich prädestiniert erschien. Im Jahre 1906 lässt er sich bei dem Kammer*' gericht eintragen, dessen Rechtsanwaltschaft er bis zu seinem Tode angehört hat. Seine Tätigkeit begann er als Sozius seines Onkels Eugen Fuchs, und in manchen Zügen seines Wesens mag man das grosse Vorbild spüren, dem er nacheiferte, so in der schlichten Würde des Auftretens; in der Klarheit und Eindringlichkeit seines Vortrages und vor allem in der Wärme, mit der er sich der von ihm als gut und gerecht erkannten Sache anzunehmen pflegte. So gewinnt er schon früh hohes Ansehen sowohl bei den Richtern wie bei den Anwälten des Kammergerichts. Im letzten Jahrzehnt seines Lebens erobert sich Samoje neben der Kammergerichtstätigkeit ein neues Tätigkeitsfeld, das ihn in immer steigendem Masse fesselt, das Arbeitsrecht. Dabei ist es für ihn von entscheidender Bedeutung gewesen, dass er dies Gebiet nicht nur als Anwalt bearbeitet hat, sondern dass es ihm ein Jahr lang vergönnt gewesen ist, als Richter den Vorsitz in einer ihm von der Preussischen Justizverwaltung anvertrauten Kammer des Berliner Arbeitsgerichts zu führen. Dass er sich durch diese richterliche Tätigkeit den Dank und die Anerkennung aller Beteiligten erworben hat, ist bekannt genug. Bedeutsame Probleme des Arbeitsrechts, die durch die Entwicklung der neuesten Zeit hervorgerufen waren, beschäftigten den Dahingeschiedenen bis in die letzten Tage. In seinem Beruf war Samoje Praktiker durch und durch; alles blosse Theoretisieren wrar ihm unsympathisch. Die Durchdringung des Tatsachenstoffes, das Verständnis für die menschlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge sind ihm die Hauptsache. Hier konnte er mit seiner Welt- und Menschenkenntnis, seiner Lebenserfahrung und seiner umfassenden Allgemeinbildung aus dem Vollen schöpfen. Der Ernst und die Tiefe seiner Berufsauffassung trat besonders in seinem Verhältnis zu den Geboten der anwaltlichen Standessitte hervor. Die Beschäftigung mit dem Standesrecht, eine von vielen vernachlässigte Materie, übte auf ihn von jeher eine besonders starke Anziehungskraft aus, und die Anwaltschaft erkannte seine Bewährung auf diesem Gebiet dadurch an, dass sie ihm im Jahre 1922 die höchste Auszeichnung zuteil werden Tiess, die sie zu vergeben hatte, indem sie ihn in den ' Kammervorstand wählte. Was er dort in mehr als zehnjähriger Arbeit — einen grossen Teil der Zeit als Leiter einer Abteilung und Vorsitzender des Ehrengerichts — geleistet hat, entzieht sich naturgemäss der Darstellung. Seine Mitarbeiter wissen davon zu erzählen, mit welcher Hingabe er dieses Amtes gewaltet hat und wie er namentlich als Ehrenrichter milde und menschlich war — unerbittlich streng nur, wrenn das Ansehen und die Reinheit des Standes auf dem Spiel zu stehen schien. Eine andersgeartete, aber nicht minder wichtige Tätigkeit im Interesse des Anwaltsstandes übernimmt Samoje mit dem Eintritt in die Abgeordnetenversammlung des Deutschen Anwaltvereins. Auch hier galt es, eine grosse, zum Teil entsagungsvolle Arbeit zu leisten, deren UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE. Berlin, Tauentrienstraie 16 Esaen, AmHanptbahahofM Hamburg, junjjfcmstieg 43 Bochum, Kormm»ix«6e 67 Köln ».Hb., Hoheatrafee 115 Frankfurt a.M„ Ro&markt 15 Esten, Limbedkstra&e 10 Zentrale, Offenbach, a.M "Wuppertal-Elberfeld. Herzogstrafee 36 Wert und Bedeutung nur dem engeren Kreis von Mitarbeitern erkennbar wrar. Tief bedauerlich, ist es, dass Samoje niemals dazu gekommen ist, irgend etwas von den Ergebnissen seiner standesrechtlichen Arbeiten literarisch zu verwerten. Die Pflichten des Tages Hessen wohl den Rastlosen nicht zur Sammlung und Sichtung des Materials kommen. Wer sich die Mühe nicht verdriessen lässt, die im Anwaltsblatt veröffentlichten stenographischen Berichte über die Abgeordnetenversammlungen zu studieren, findet in den zahlreichen kurzen, meist fein und witzig pointierten Diskussionsreden Samojes wenigstens Bruchstücke. Einigedavon, wie dieetwas umfangreicher ausgefallene höchst temperamentvolle Rede über die Syndici, die er im Jahre 1926 auf der Tagung in Hannover gehalten hat, wird man auch heute noch gern lesen. Neben der Tätigkeit in den offiziellen Standesorganisationen läuft eine inoffizielle, die nicht minder wichtig ist. Man kann sie vielleicht als die vorbeugende bezeichnen. Jahraus, jahrein wenden sich Rechtsanwälte in schwierigen Standesfragen vertrauensvoll an Samoje. Sie appellieren an seine tiefe Kenntnis des Standesrechts und der Standessitte, an seine praktische Erfahrung, vor allem aber an seine gütige Menschlichkeit und sein unbeiwbares Taktgefühl. So hat er bis in die jüngste Zeit hinein zahlreichen Kollegen den richtigen Weg gewiesen, Missgriffe verhütet und, was besonders hervorgehoben zu werden verdient, Streitigkeiten beigelegt. Er war der geborene Schlichter. Ein geradezu ästhetischer Genuss wTar es, ihn Verhandlungen leiten zu sehen und zu beobachten, wie er es immer wieder fertig brachte, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen, die Diskussion nicht zerflattern zu lassen und widerstrebende Elemente durch seine hohe Autorität, oft auch mit der Waffe des Humors, die er in unvergleichlicher Weise beherrschte, zur Räson zu bringen. Was er unter restloser Einsetzung seiner Kraft und Zeit bis in die letzten Tage hinein für den engeren und weiteren Freundeskreis geleistet hat, alles das zu schildern, würde den engen Rahmen dieser Skizze überschreiten. Alle, die mit ihm gelebt und gearbeitet haben, werden von dem schmerzlichen Bewusstsein durchdrungen sein, dass das Dahinscheiden dieses Mannes, eines der edelsten und besten, die je unter uns gelebt haben, eine Lücke aufreisst, die sich nicht wieder schliessen wird. Wir werden niemals aufhören, ihn zu betrauern. Richard Kann. Panama Soliderbericht für die C.-V.-Zeitung von Dr. Bruno Weil Colon, im März 1937 Die Republik Panama ist ein kleines Land. Sie zählt noch nicht einmal eine halbe Million Einwohner. Juden gibt es kaum fünfhundert, etwa 200 in Panama. 250 in Colon, der Rest zerstreut. Eine irgendwie in Betracht kommende wirtschaftliche Bedeutung "haben sie nicht. Die meisten sind erst in den letzten Jahren zugewandert und mit dem Aufbau ihrer Existenz beschäftigt. Das ausserordentlich bedeutende Geschäftsleben in Colon und Panama liegt völlig in indischen, japanischen und chinesischen Händen. Kaum dass es einige jüdische Detailgeschäfte und vielleicht den einen oder anderen sefardischen Juden in gehobener Stellung gibt. Eine Zuwanderung von Juden aus Deutschland hat nur in einigen wenigen Fällen stattgefunden, im ganzen noch nicht ein Dutzend Menschen. Auch die Möglichkeit weiterer Zuwanderung ^vird sehr zurückhaltend beurteilt. Nicht so sehr ^egen der Einwanderungsbestimmungen. Diese *ind ohne Schwierigkeiten zu erfüllen, jedoch ^ird ausnahmslos eine - nicht unerhebliche Sicherheit in Dollars verlangt. Aber davon abgesehen ist auf dem Gebiet des Einzelhandels die asiatische Konkurrenz, die mit reichem Kapital ausgestattet ist, nicht zu. schlagen. Bei Angestellten ist die Bestimmung zu beachten, dass "3 Prozent der in jedem Betrieb. Tätigen die Staatsangehörigkeit von Panama besitzen müssen. In allen Berufen aber, in denen körperliche Ar- °eit die Hauptsache ist, ist die Ueberlegenheit' der Neger unbestreitbar. Dazu kommt, dass das Leben recht teuer äst. Auch hier zeigt sich, dass die hohe Währung — der panamanische Dollar Ist praktisch dem nordamerikanischen gleich — zu erhöhten Kosten der Lebenshaltung führt. Es *ommt also ungefähr alles zusammen, um die Einwanderung nach Panama fast unmöglich zu dachen, Die Bedeutung Panamas für die jüdische Einwanderung liegt aber auch gar nicht in der Frage, ob ein paar Menschen mehr oder weniger dorthin einwandern können, sondern dort, wo sie auch für den Staat Panama, dessen Produktion und Ausfuhr ziemlich bedeutungslos sind, liegt: in der einzigartigen Stellung dieses Landes als Durchgangsstation für einen grossen Teil des menschlichen Verkehrs wie des Transithandels und des Güterumschlags. Zwischen Ost und West und umgekehrt, zwischen Nord und Süd ist dieser Kanal einer der wichtigsten Kreuzungspunkte der Welt. Die Menschen, die von Nordamerika, von Afrika oder Europa nach der Westküste Amerikas wollen, nehmen zum überwiegenden Teil diese Route. Sollte sich nach den Ländern an der pazifischen Küste eine stärkere Einwanderung entwickeln, so wird der Posten am Panamakanal noch grössere Bedeu- (ung gewinnen. Die Schiffe gehen ja nicht alle nach Westamerika durch. Oft müssen die Auswanderer am Kanal umsteigen, auf ihr Schiff warten; mühselige Fragen des Gepäcks, der Visen, der Weiterbeförderung müssen erledigt werden. Viele der Reisenden kommen ohne jede Mittel an, der Aufenthalt am Kanal ist teuer, er muss finanziert werden. Ich meine datier, dass es unbedingt notwendig ist, einen berufsmässig tätigen Menschen für die jüdische Wanderbewegung an den Kanal zu berufen. Sein Aufgabenkreis wird gross sein. Nicht nur die oben erwähnten Dinge fallen in seinen Bereich. Die Lage in den einzelnen südamerikanischen Staaten wechselt oft. Nicht alle Auswanderer haben ein festes Ziel, auch wenn sie eine Passage nach einer bestimmten Station haben. Hier könnte am Kanal eine umfangreiche Beratungstätigkeit entfaltet werden. Die Hicem hat in der letzten Zeit Stellen in Ecuador und Columbien ins Leben gerufen. Sie hat jetzt ein weit ausgebreitetes Netz, das wohl alle Staaten Südamerikas umspannt. Sie ist vielleicht am ersten dazu berufen, im Zusammenhang mit ihrer südamerikanischen Organisation auch eine, selche Stelle am Panaaiaiianal zu schaffen. Die jüdischen Kräfte unten selbst sind dazu, wie ich mich habe überzeugen können, zu schwach. In der Stadt Panama gibt es überhaupt keine Organisation. In Colon stehen die sefardischen Juden, dort Turcos genannt, abseits. Es gibt ausserdem eine Gruppe, „Holländer" genannt, die meist von den holländischen Inseln' stammen und bisher an nichts teilgenommen haben. Die aschkenasischen Juden haben sich zu einer kulturellen Gemeinschaft zusammengeschlossen, die alles tut, was in ihren Kräften steht, und in jüngster Zeit auch einige Auswanderer aus Deutschland untergebracht hat. Es fehlen ihr aber die materiellen Mittel ebenso wie die Erfahrungen und der Zusammenhang mit den übrigen jüdischen Organisationen in Südamerika. Sie kann daher die Aufgabe allein nicht lösen, die durch die besondere Situation am Panamakanal entstanden ist. Henry Goldman Am 4. April starb in 'New-York Henry Goldman, an dem die Juden in Deutschland einen ihrer treuesteil Freunde verlieren. Henry Goldman war der Sohn eines aus Deutschland eingewanderten Mannes, der 1869 das Bankhaus Goldman, Sachs und Co. mitbegründete. Henry Goldman war ein Mann von selten hoher geistiger Kultur. Seine Bildersammlung enthielt, von ihm selbst mit Kennerschaft und sicherem Kunstgefühl ausgewählt, eine Reihe ausgesuchter Meisterwerke der klassischen italienischen, deutschen und niederländischen Malerei. Auch als das Alter ihm das schwere Schicksal der Erblindung auferlegte, hing er an seinen Bildern, deren Einzelheiten ihm aus dem Gedächtnis oft gegenwärtiger waren als dem betrachtenden Besucher. Was der Gestalt Henry Goldmans ihr besonderes Gepräge gab, war seine grosszügige und zugleich schlichte philantropische Arbeit Mit Deutschland, das er früher regelmässig aufsuchte, verband fc.nighjjaur eißg gross§ Ljeb§ zu Kultur und Landschaft. Vor dem Kriege und vor allem in den schweren Jahren nach dem Kriege gab er an vielen Stellen, namentlich für die Wiederinangriffnahme und Förderung wissenschaftlicher Arbeiten. Die Juden in Deutschland hatten in den letzten Jahren einen wirklichen Freund an ihm. Der Zentral-Ausschuss für Hilfe und Aufbau bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland ist von Henry Goldman immer wieder in vorbildlicher Weise unterstützt worden. Er nahm an allen Einzelheiten der Hilfsarbeit regsten Anteil, ein Mensch, dem Helfen keine Sache der gesellschaftlichen Geltung oder der persönlichen Eitelkeit, sondern innerster Ausdruck seines Wesens war. Wer in diesen Jahren das Glück hatte, Henry Goldman zu sprechen, bewahrt die Erinnerung an einen Manu, der Weltklugheit, humanistische Geistigkeit, realistischen Optimismus und Reinheit des Charakters in seltener Weise verband. Wir haben einen grossen Freund verloren. Friedrich Brodnitz. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat der Witwe Henry Goldmans folgendes Beileidstelegramm gesandt: „In inniger Teilnahme trauern wir mit Ihnen um den Heimgang des edlen, gütigen Menschen, ies grossen vorbildlichen Wohltäters, des treuen, immer bewährten Freundes." Bei der Beisetzung Nathan Birnbaums folgten Hunderte von Freunden und Verehrern dem Sarge auf dem jüdischen Friedhof der Gartensiediung Wassenaar bei den Haag. Im Trauergefolge sah man zahlreiche holländische Oberrabbiner und Rabbiner und Abordnungen der agudistischen, zionistischen und misrachistischen Verbände Hollands sowie der ostjüdischen Gemeinde von Scheveningen. Wann und wo finden Sie Rat? Mitteldeutschland Magdeburg 21. April, 16—19 Uhr, Mendels* _ * sohaloge, Gr. ScBulstr. 2b

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