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Central-Verein-Zeitung · 1937-04-15 · 15 (15.4.1937) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
15 (15.4.1937)
Date
1937-04-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 15—Seife 2 C-V^Zefamg Donnerstag, 15. April 1937 gedrückt. Trotzdem müssen die Juden infolge steuerlicher Sondergesetze auch heute noch 20 Prozent der Steuern aufbringen, also mehr als den doppelten Betrag, der nach dem Verhältnis des Anteils an der Gesamtbevölkerung ihnen zukäme. Der Boykott gegen die jüdischen Geschäfte, der sich besonders in Westpolen und Pommerellen ausbreitete und in 350 Gemein-, den zum Verbot der Teilnahme jüdischer Geschäfte an den Markitagen führte, hat in den letzten Jahren 36 000 jüdische Geschäfte zur Schliessung gezwungen. Im Handwerk wird die fachliche Ausbildung des jugendlichen Nachwuchses fast unmöglich gemacht, da nur sogenannte „registrierte" Meister Lehrlinge ausbilden dürfen, nur 7 Prozent der jüdischen Handwerker aber registriert werden, gegenüber 46 Prozent der nichtjüdischen Berufsgenossen. Die Folge davon ist, dass die jüdischen Handwerker einem ständig sich vertiefenden Verelendungsprozess ausgesetzt sind, da die nicht zur Ausbildung gelangenden Jugendlichen in die Heimarbeit abgedrängt werden. Aehnlicli liegt es bei den anderen Berufen, die grosse Mehrheit der 650 000 junger Juden haben unter der jetzigen Gesetzgebung keine Aussicht, irgendeine Beschäftigung zu finden, und etwa eine Million polnischer Juden leben im Zustand unbeschreiblicher Armut, weit unter der Grenze eines einigermassen zureichenden Existenzminimums. Rabbiner Perlzweig, Mitglied der Executive des World Jewish Congress, ergänzte diese Darlegungen: durch Berichte über Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung Polens. Von einer Anzahl nichtjüdischer Persönlichkeiten aus allen Kreisen des politischen und religiösen Lebens waren Sympathiekundgebungen eingelaufen. So vom Lordbischof von Dur ha m , der es geradezu als beschämend bezeichnete, dass — wie die Situation in Polen bewiese — im 20. Jahrhundert, das sich seiner Zivilisation rühmt, fanatische Verfolgungen gegen die Juden' von solcher Heftigkeit stattfänden, als ob war noch im halbzivilisierten Zustand des 14. Jährhunderts lebten. Der Erzbischof von York sprach den Wunsch aus, dass alles getan werden möge, um freundschaftliches Zusammenleben zwischen den christlichen und jüdischen Teilen der Bevölkerung Englands zu fördern. Lloyd George erinnerte daran, dass Polen seine Selbständigkeit den Friedensverträgen verdanke, in denen es die Verpflichtung auf sich genommen habe, ihren rassischen und religiösen Minderheiten volle Gleichberechtigung zu gewähren. Mit der grossen Mehrheit seiner Landsleute lehne er den Antisemitismus ab und hoffe, dass die polnischen Behörden alle Massnahmen ergreifen würden, um die Verpflichtungen, die sie in dem Vertrage übernommen hätten, auch zu erfüllen. * Auf der gleichen Konferenz ergriff auch Professor Dr. S. B rodet sky das Wort zu einer grossangelegten Rede über die Lage der Juden In Polen. "Es ergehe ein Aufruf an das polnische Volk und seine Regierung, der neun Jahrhunderte währenden Bindungen zwischen dem jüdischen und dem polnischen Volk eingedenk zu sein. Die Bande, die durch das für das gemeinsame Vaterland vergossene Blut geknüpft seien, dürften durch eine Politik sozialer, wirtschaftlicher und politischer Zurücksetzung nicht zerrissen werden. Die Armut der Juden in Polen sei unvorstellbar. Sie lebten unter Verhältnissen, mit denen verglichen die Armut in den Ländern des Westens als Reichtum erscheine. Doch selbst ihre erbärmliche Existenz werde systematisch untergraben. Ein Erwerbszweig nach dem anderen werde unzugänglich gemacht. Diese Politik die die niedrige Lebenshaltung bis zum Unmöglichen' herabdrücke, müsse aufhören. Bei aller Bereitschaft, den Erklärungen der Regierung zu glauben, dass sie zum Schutze aller Bürger ohne Rücksicht auf Rasse oder Religion entschlossen sei, bleibe festzustellen, dass die physischen Angriffe auf die Juden fortdauerten. Der Redner wandte sich dann gegen Versuche, die zionistische Bewegung mit einer „Evakuierungspolitik" in Verbindung zu bringen. Es seF nicht der Zweck des Zionismus, den Staaten zu helfen, ihre Juden loszuwerden. Der Zionismus betrachte es als einen seiner Grundsätze, dass die Juden" sich allen übrigen menschlichen Wesen als gleichgestellt erachteten. Er fordere nationale-Rechte für das jüdische Volk, mit gleichem Nachdruck aber individuelle Rechte für die Juden in. der ganzen Welt. Es müsse an Polen der Appell gerichtet werden, die Verhältnisse wieder herzustellen.. die bei der Schaffung Polens durch den Friedensvertrag bestanden haben. Die Juden müssten die gleichen Rechte haben wie ' alle übrigen Bürger Polens, sie müssten die Möglichkeit haben, wie sie an Armut oder Reichtum teilzuhaben. Eine starke Aktion müsse eingeleitet werden, um eine Katastrophe grössten Ausmasses von den polnischen Juden abzuwenden. * Der Leiter der Drives für den United Pale stine Appeal in New-York, Harold Jacobi, hat, bevor er sich auf eine Studienreise nach Europa begab, einem Vertreter der ITA Erklärungen über die Stellung der amerikanischen Judenheit zu der jüdischen Situation in Ost- und Mitteleuropa abgegeben. Die amerikanischen Juden, so sagte Jacobi. würden ihre Anteilnahme an dieser Situation durch verstärkte Förderung der Hilft- und Wiederaufbauarbeit bekunden. Es sei zu erwarten, dass der United Palestine Appeal wie auch die Sammlungen des Joint Distribution Committee zu einem über das gesteckte Ziel hinausgehenden Erfolg führen werden. Jacobi sprach die Hoffnung aus, dass eine jüdische Einheitsfront zur Meisterung der Situation geschaffen werde. Die darauf gerichteten Bestrebungen hätten in den Vereinigten Staaten bereits erhebliche Fortschritte erzielt. # Im polnischen Rundfunk hielt Professor Körnet Ujejski, der Vizeminister für Kultus und Unterricht, eine Rede, in der er sich scharf gegen die jüngsten Ausschreitungen an den Hochschulen wandte und auseinandersatzte, weshalb die Regierung die studentischen Organisationen in Warschau und Wilna auflösen musste. Es sei eine gewöhnliche Erscheinung an den polnischen Hochschulen geworden, wenn ganze Gruppen einzelne aus dem Hinterhalt überfielen. Die Hochschulbehörden würden terrorisiert, die Pedelle misshandelt, die Lüge, die Verwendung von Stöcken, Stinkbomben, Tränengas und Schlagringen seien ein allgemeines Kampfmittel geworden. Solche Methoden seien ,iicht gerechtfertigt, es müssten ritterliche Ehrbegriffe massgebend sein. Der Vizeminister wies darauf hin. dass die normale Arbeit an den Hochschulen durch diese Dinge unmöglich werde. Er sei überzeugt, dass die Mehrheit der polnischen Jugend diese Entwicklung ablehne. Die Zahl der Nationaldemokraten an der Warschauer und der Wilnaer Universität sei überaus' gering. Die Pflicht d^r akademischen Behörden sei es, für die Sicherheit der Hochschulen Sorge zu tragen. * Die ITA erfährt aus Warschau, dass die polnische Regierung eine Kommission nach Madagaskar entsenden will, um die Möglichkeiten jüdischer Ansiedlung im Lande zu prüfen. Die jüdischen Organisationen, die zur Beteiligung an der Expedition aufgefordert wurden, haben dies abgelehnt. * Zwei Nationaldemokraten, die sich im September des vergangenen Jahres an einem Pogrom im Kreise Lomza beteiligten, und einen jüdischen Händler töteten, wurden vom Warschauer Kreisgericht zu zwei Jahren bzw. 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hat gegen das milde Urteil Berufung eingelegt. " K J. R. einanderzuhetzen, erst fähig sein, wenn es einen von Grossbritannien garantierten Staat besitzt!____ Judenfahnen, Gesandtschaften,. Konsulate, Wirtschaftsattaches und Bürger des zionistischen Staates als Ausländer in Italien, wobei es für die Juden in Italien unvermeidbar scheint, mit ihren Rassegenossen gemeinsame Sache zu machen ... Der Zionismus in Italien ist absurd. Die Verbindung der Juden in Italien mit denen anderer marxistischer und* liberalistischer Länder verbrecherisch. Man kann nicht zu gleicher Zeit ein guter Italiener und Zionist sein wegen des Widerspruchs in sich selbst." Professor Orano warnt die Juden Italiens voj zionistischen Ideen, da der Staat sonst „die unvermeidlichen Konsequenzen als Kolonialmacht wie als europäische Macht ziehen müsste." Demgegenüber berichtet der < Londoner ,.Daily Telegraph" aus Rom, in dortigen amtlichen 'Kreisen werde' erklärt, dass die italienische Regierung nicht die Absicht habe, eine antijüdische Politik einzuführen. Von zionistischer Seite wird gegenüber den Darlegungen Oranos geltend gemacht, dass die Verbindung Englands mit den zionistischen Ideen weit vor jener Zeit liege, in der Italiens Expansion im Mittelmeergebiet begonnen habe. Vom Standpunkt Palästinas gäbe es nur ein Interesse: Wahrung des Friedens und friedliche Beilegung der englisch-italienischen Spannung. Wenn Orano von einem ..jüdischen Gibraltar" spreche, so liege eine Verkennung der zionistischen Gedankengänge vor. In keiner Situation würden die Juden Italiens oder irgendeines anderen Landes schlechtere Bürger ihrer Wohnländer sein als etwa die Angehörigen des italienischen Volkes, die in grosser Zahl in Uebersee als loyale Bürger ihrer neuen Heimat lebten. Die leeren Räume In der Diskussion, die in England über die Notwendigkeit, andere Auswanderungsländer neben Palästina zu erschliessen, geführt wird, nimmt in einer Zuschrift an die „Times" der konservative Abgeordnete Vyvyan Adams das Wort. Er schreibt u. a., dass Palästina nicht alle Juden aufnehmen kann, die gezwungen sind, auszuwandern; und es sei zugegeben, dass viele nicht nach Palästina gehen wollen. Lord Lamington (vergl. C.-V.-Ztg. Nr. 12 vom März, Die Schriftltg.) schlägt vor, dass sie die „gegenwärtig gefährlich unterbevölkerten Gebiete des Empire" kolonisieren sollen. Wenn er mit seiner grossen Kenntnis ein geeignetes Gebiet angeben, und wenn er mit seinem Prestige und seinem Einfluss einen solchen Plan aktiv unterstützen würde, dann glaube ich, würde er sich die dauernde Dankbarkeit der Weltjudenheit erwerben. Aber ein solches Gebiet wäre etwas Zusätzliches zu Palästina, nicht aber ein Ersatz dafür. Faschismus und Zionismus Di© italienischen Zeitungen „Regime Fascista", „Tevere" und „Quadrivio" haben sich seit längerer Zeit zum Sprachrohr gewisser judenfeindlicher Tendenzen innerhalb des Faschismus gemacht und haben u. a. gesetzliche Massnahmen gegen die Vermischung von Italienern mit Angehörigen anderer Rassen gefordert, darunter auch Massnahmen gegen Juden und Personen jüdischer Abstammung. Sie haben ein Verzeichnis jüdischer Familien veröffentlicht, das etwa 1600 Namen umfasst, und dessen Erscheinen in Italien innerhalb und ausserhalb jüdischer Kreise peinlich vermerkt wurde. Die oben angedeuteten Bestrebungen wissenschaftlich zu fundieren, hat der Universitätsprofessor und Abgeordnete der faschistischen Kammer, Paolo Orano, in seinem Buch „Die Juden in Italien" unternommen. Der „Westdeutsche Beobachter" in Köln bringt in seiner Nummer vom 7. April im Zusammenhang mit einer kritischen Wertung auch einige Auszüge, von denen wir die folgenden im Wortlaut wiedergeben: ..Zu welchen Exzessen wird das Judentum, dem es in kurzer Zeit gelungen ist, Europa auf- Der neue Präsident des Internationalen Instituts für Rechtsphilosophie Auf dem Internationalen Kongress für Rechtsphilosophie wurde der jüdische Gelehrte Professor Giorgio d e 1 V e c c h i o, ein ehemaliger Rektor der Universität Rom, zum Präsidenten des Internationalen Institutes für Rechtsphilosophie gewählt. Professor del Vecchio hat sich auf seinem Fachgebiet insbesondere durch seine Theorien über den modernen Staat und die Rechtsgrundlagen des korporativen Staates ausgezeichnet. HemrichElkeles50Jahrealt Dr. Heinrich Elkeles, einer der Besten aus unserer Mitte, wird am 15. April 50 Jahre alt. — Ich sage mit Absicht nicht, dass er seinen 50. Geburtstag feiert; denn er ist kein Mann des Feierns, sondern ein Mann der Tat, der allezeit mit seinem klugen Verstände und seiner mannhaften Energie für uns und das Judentum gewirkt hat und besonders da am Platze ist, wo es gilt, durch Gewandtheit und liebenswürdige Verbindlichkeit zu versöhnen. Heinrich Elkeles ist für uns ein Trost und eine Hoffnung gerade jetzt, wo der Tod so schmerzliche Musterung in unseren Reihen gehalten hat. Wir können mit Stolz auf diesen aufrechten Freund sehen, dessen Ja ein Ja und Nein ein Nein ist, der in ungebrochener Lebenskraft mit dem Mute der Ueberzeugung und dem wärmsten Herzen jederzeit für das eintritt, was er als gut, recht und vornehm erkannt hat. Seine ganze untadelige, achtunggebietende und so liebenswerte Persönlichkeit hat er seit vielen Jahren in den Dienst des Jüdischen Centrai- Vereins, des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und der Jüdischen Gemeinde gestellt und an jedem Platze aller Augen auf sich gelenkt. Alle, die ihn kennen und hochschätzen, werden sich gern mit mir in dem herzlichen Wunsche vereinigen., dass Heinrich Elkeles noch viele Jahre leben und wirken möge in Gesundheit und mit innerer Befriedigung zum Segen seiner Familie und unserer Gemeinschaft. Max Chodziesner. des Joint Foreign Committee sowie über seine organisatorische Zusammensetzung. Der Bericht enthält weiter die Jahresabrechnung des Board und in Faksimile die Huldigungsadresse der englischen Judenheit an König Eduard VIII. und dessen Antwortschreiben. Der Board of Deputies tagt Reorganisationspläne im englischen Judentum Wie bereits gemeldet, werden in führenden Kreisen des englischen Judentums Pläne zur Reorganisation des Joint Foreign Committee erwogen. Das Joint; Foreign Committee ist ein Ausschuss für die Bearbeitung ausländisch-jüdischer Angelegenheiten, der paritätisch aus Delegierten des Board of Deputies und der Anglo- Jewish Association zusammengesetzt ist. Im Verlauf der letzten Monate hatten sich kritische Stimmen vernehmen lassen, die mit Arbeitsweise und Leistung des Committee nicht einverstanden waren. Schliesslich kam es zur Einsetzung einer Kommission, die Pläne für eine Reorganisierung des Joint Foreign Committee ausarbeiten sollte. In der letzten Sitzung des Board of Deputies wurden diese Pläne unter lebhafter Beteiligung der leitenden Persönlichkeiten der grossen englisch-jüdischen Organisationen durchgesprochen. Der Vorsitzende der Untersuchungskommission, P. H o r o w i t z, begründete die von ihr einstimmig beschlossenen Anträge, die vorsehen, dem Board grösseren Einfluss auf die Zusammensetzung des Committees zu gewähren und die Mitglieder neben dem Vorsitzenden stärker als bisher an der Arbeit zu beteiligen. Der Präsident der Anglo-Jewish Association, Leonard G. Monte f i o r e, erklärte demgegenüber, seine Organisation habe zu diesen Vorschlägen zwar noch nicht Stellung genommen, doch schienen sie ihm unannehmbar. Der Präsident des Board of Deputies, Neville Laski, bezeichnete es als eine Notwendigkeit, angesichts der Lage der Juden in der Welt, Meinungsverschiedenheiten zurückzustellen und für den Antrag der Untersuchungskommission einzutreten. Schliesslich kam es zur Annahme eines Vertagungsantrages, der die Exekutive des Board und verschiedene führende Persönlichkeiten beauftragt, mit der Anglo-Jewish Association in Verhandlungen einzutreten. Neville Laski gab in der gleichen Sitzung einen Arbeitsbericht über die Tätigkeit des Board. Er wies auf die Hilfsarbeit für die ausländischen Juden hin, wobei er hervorhob, dass der Board sich veranlasst gesehen habe, die Leitung d-er Sammlungen für. die Hilfsarbeit in Polen selbst zu übernehmen. Viel Zeit und Mühe habe man auch auf die Abwehr von Angriffen gegen die jüdische Gemeinschaft in England verwandt. Man habe mit alten und' erfahrenen Organisationen zusammengearbeitet, und der Board sei bereit, die notwendig« Vereinheitlichung der Abwehrarbeit herbeizuführen, unter Wahrung seines Grundsatzes, dass er eine völlig unpolitische Körperschaft sei. Die Saat des Judenhasses sei in England nicht auf fruchtbaren Boden gefallen. Dennoch müsse die Abwehrarbeit energisch in jeder gesetzmässigen Form fortgeführt werden. Die einzelnen dürften nicht vergessen, dass die jüdische Gemeinschaft für das Verhalten jedes ihrer Angehörigen verantwortlich gemacht wird. * Der Jahresbericht des Board of Deputies für 1936 ist in Form einer Broschüre erschienen. Er gibt einen Ueberblick über die Tätigkeit des Board und seiner Unterkomitees einschliesslich Ein Mitarbeiter Sir Neill Malcolms in Lissabon In Lissabon traf Lord Duneannon, ein Mitarbeiter des Völkerbundsoberkommissars für Auswandererfürsorge Sir Neill Malcolm, ein, um mit der portugiesischen Regierung über die Ratifizierung des Provisorischen Abkommens über den Rechtsstatus aus Deutschland ausgewanderter Personen, das auf der letzten zwischenstaatlichen Regierungskonferenz in Genf angenommen worden war, zu verhandeln. Wie bekannt, haben die Bemühungen des Völkerbundskommissars umdie Ratifizierung des Abkommens bisher bereits in einigen Staaten Erfolg gehabt, r Vor Wahlkämpf en in Rumänien Innerhalb Rumäniens stehen Kommunalwafilen bevor, denen allgemeinpolitische Bedeutung in hohem Masse deshalb beigemessen wird, weil sie ein Stimmungsbarometer für die im Herbst stattfindenden Parlaments wählen abgegeben dürften. Die Vorbereitungen zu den Wahlen, die am 16. April stattfinden, sind in allen Teilen des Landes in vollem Gange. Dabei hat sich herausgestellt, dass entgegen der bisherigen Gepflogenheit keine rumänische Partei in Bukarest einen jüdischen Kandidaten in ihre Wahllisten aufgenommen hat. Deshalb beschloss die Jüdische Partei zunächst, selbständig in den Wahlkampf zu gehen und in dem am stärksten von Juden bevölkerten Stadtteil von Bukarest eine eigene Kandidatenliste aufzustellen. Man sah sich aber bereits nach wenigen Tagen genötigt, die Liste zurückzuziehen, nachdem sich herausstellte, dass eine grosse Zahl jüdischer Wähler wegen „technischer Irrtümer*' aus den Wählerlisten gestrichen ist. Die National-Christliche Partei entfaltet anlässlich der Wahlen eine besonders heftige Propaganda. Alle Städte und Dörfer sind mit Plakaten überschwemmt, die den Juden die Schuld an allen öffentlichen Misständen zuschreiben. Der Ton der judenfeindlichen Presse hat sich verschärft. Dagegen wird aus der Ortschaft D e v a in Transsylvanien gemeldet, dass zwischen Juden, der National-Christlichen Partei und der „Rumänischen Front" eine gemeinsame Wahlliste aufgestellt worden ist. Der Präsident der Jüdischen Gemeinde von Deva steht auf der gleichen Liste wie die judenfeindlichen Kandidaten. Das Wahlabkommen ist geschlossen worden, um das Vordringen der radikalsozialistischen „Plugari" zu verhindern. Dr. Wilhelm Fildermann, der Präsident des Zentralrats der Juden Rumäniens und der Union rumänischer Juden, ist zur Erörterung aktueller Fragen von Kultusminister Iamandi und Unterstaatssekretär im Justizministerium, Bentoiu, empfangen worden. Neuer Generalsekretär der PICA Zum Nachfolger des vor kurzem verstürbe« nen Generalsekretärs der Palestina Jewish Co Ionisation Association (PICA), Henri Franck, wurde Robert Gottlieb ernannt. Hauptschriftleiter Dr. Alfred Hirschberg.' Stellvertreter und verantwortlich für die Aufnahme von Bildern: Dr. Margarete Bdelheim, Verantwortlich für Sport: Dr. Ernst G. L ö w e n t b. a 1, sämtlich in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Einsendung ist Freiumschlag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigt-' Friedrich Nathan. Berlin. DA I. Vj. 40 000. PI. 5. Verlag: Jüdischer Central-Verein e V.. Berlin Wl* Einser Strasse 42. Druck der Buch- und Tiefdruck Gesellschaft mbH., Berlin S\V 19.

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