Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 13 (1.4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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„Bitte einsteigen!" Die neue Revue in der Berliner Kleinkunstbühne Die gute Laune beginnt bereits an der ersten Sperre, wo man bei Vorzeigung der Fahr-(Eintrittskarte und des Reisepasses (Kulturbundausweises) erfährt, auf welchem Bahnsteig man Platz zu nehmen hat. Der Logensaal, in den die Bühne so hineingebaut ist, dass man sich gar nicht mehr erinnern kann, dass es einmal anders gewesen, ist in eine Riesenbahnhofshalle mit „eisernen" Trägern, Anschlägen und Plakaten umgewandelt. Auf dem Vorhang warten die Züge zur Abfahrt, das Orchester sitzt hinter einer Schranke, deren rotes Lieht vor der Abfahrt verschwindet und sich in ein grünes verwandelt. Und nun geht die Reise durch 23 Stationen. Sie spielt im Coupe, im Hotel, im Wagon-Lit, in allen möglichen Erdteilen und Orten, und man fährt ohne jede Pass-, Zoll- und Devisenschwierigkeiten. Man läuft in St. Moritz Schlittschuh und hört in Venedig Willy Rosens neuesten Tangoschlager, in Amerika erlebt man ein sinniges Familienglück an Gangsters 70. Geburtstag, und mit der neu entdeckten Lili Sandberg, dem Mädchen ohne Knochen, kugelt man durch die gesamte Welt bis in den Urwald. Man nimmt einen nur drei bis vier „gespielte Witze" langen Aufenthalt in Kalau; aber der Geist von Kalau wandert mit uns durch manche andere Station, und wenn auch mancher Witz und manche Pointe einen so langen Bart hat, wie Max Ehrlich ihn über zwei Finger aufzurollen und mit einer Nadel am Kinn zu befestigen pflegt, so geht das Publikum doch trotz mancher Acli's und Alfs ungemein lachfreudig mit. Die Musik ist schmissig von Willy Rosen erfunden und wird von den drei „Eisenbahnern" Werner Baer, Joe Neumann und Alfred Neustadt ebenso flott gespielt. Die Regie führt Max Ehrlich, der sich mit Heinz C o n d e 11 (Ausstattung) und Hans Sondheim er (technische Leitung) in den Erfolg des Abends an erster Stelle zu teilen hat. Die Reisegesellschaft, bestehend aus Edith Eisen heim er. Fritz Tachauer, Ruth Lehnberg, Bert Baer, Hans Lüpschütz, Monica H e r r n f e 1 d und Emil Not h mann, singt, spielt und tanzt ' vier Stunden lang mit sehr viel Hingabe. Sie hat es sicherlich nicht leicht, an allen Stationen dieser Fahrt ihren Humor zu behalten. Wir würden es ihr gönnen, dass sie einige überspringen könnte. Die Tänze studierte Irmingard Willner ein. Alles in allem: eine gelungene Fahrt in die Frühjahrssaison. Dr. M. E. Konzerte und Vorträge Im Rahmen seiner Vortragsreihe „Der Widerhall der Bibel in der europäischen Dichtung" sprach Julius B a b vor den Mitglieder des Berliner Kulturbundes über das Thema ..Hiob und Faust". In Goethes Gesamtschaffen hat, wie im einzelnen öfters dargestellt worden ist, das Alte Testament mit seinen Gestalten, Motiven und sprachlichen Wendungen die bedeutsamsten Spuren hinterlassen, und für sein Lebenswerk, den „Faust", hat der Dichter selbst erklärt, dass speziell der „Prolog im Himmel" mit der Exposition des biblischen Buches Hiob einige Aehnlichkeit habe. Bab knüpfte in seinen weitschichtigen Darlegungen an diesen Prolog an, der in seiner Szenerie, seinem Aufbau, ja z. T. auch im Wortlaut deutlich die alttestamentarische Vorlage erkennen lasse. Bab verzichtete darauf, die innere Verwandtschaft beider Werke erschöpfend zu behandeln. Worauf es ihm in erster Linie ankam, war, zu zeigen, wie der leidende Hiob und der handelnde Faust sich in dem unfrommen Wagemut zusammenfinden, mit dem beide die göttliche Macht herausfordern, ohne dass sie deshalb der „Liebe von oben" verlustig gehen, und wie sie. geläutert in der Erkenntnis Gottes, seine Schönheit und Allgerechtigkeit schliesslich als höchste Seligkeit empfinden. H. L. m Die junge Sopranistin Tilly Forscher sang bei Weil in Gemeinschaft mit der Mezzoaltistin Erna J a c o b y Duette. Es gab bei der Musikalität der beiden Künstlerinnen einen guten Zusammenklang. Der hohe, klare Sopran Tilly Forschers gelangte erst in Arien ganz zur Entfaltung; hier liegt das eigentlich« Gebiet der Sängerin, für das die besten Anlagen vorhanden sind. Besonderes Interesse erweckten sechs Lieder Walther Hirschbergs nach Texten von Chr. Morgenstern. Bei Erna Jacoby kamen warmer Stimmklang und Gestaltungsvermögen gut zur Geltung, jedoch sollte sie allzu dramatische Lieder vermeiden. Der Pianist des Abends, Rudi Lehmann, steuerte zwei Stücke von Debussy bei, denen seine eine vorzügliche Schule verratende Technik ebenso zugute kam wie den Begleitungen der Gesänge. P. E. In einem kleinen Saal des Berliner Wedding hörte man Kompositionen von Margarete Cohn, Gesänge unseres Gottesdienstes, in Anlehnung an die beherrschenden Romantiker der Synagogenmusik geschaffen. Ohne dass also Neues beschert wurde, liess die musikalische Anpassung an den hebräischen Text und dessen innige Auslegung die Hörer andächtig bei den Vorträgen Flora Oberländers (Alt) und Betty "A b r a h a m s o n s (Harmonium) verweilen. Kai. Man sollte es einer Künstlerin nicht zumuten, ein anspruchsvolles Programm vor leeren Bänken abzuwickeln; ein derartiger, immerhin vermeidbarer Eindruck lähmt natürlich jede Kraft, und die Beurteilung gestaltet sich hier einigermassen schwierig. Lili Schlesinger-Ellreich iasste an ihrem Schumann-Klavierabend dazu einige der schwersten Werke zusammen und musste diese Nichtachtung technischer Oekonomie freilich entgelten. Auch im Dynamischen bedarf es bei ihr grösserer Reichhaltigkeit. Und doch gab es da Partien, deren zartes, dabei gesättigtes piano aufhorchen liess. Bei massvollerer Wahl der Aufgaben darf man von dieser Pianistin beachtliche Leistungen erwarten. H. Fr. In einem Hauskonzert bei Dr. Meyer war Erhard Wechselma'nn in eigenen Liedern zu hören> es handelt sich um schlichte, übersichtlich gegliederte Stücke mit eingänglicher, dabei nobler Melodik. In den „Pierrot"- Liedern Kowalskis wurde das Groteske der Rhythmik von Wechselmann scharf getroffen. In Duetten von Brahms und Robert Kahn wusste der Sänger seinen "volltönenden Bariton mit kammermusikalischem Feinsinn einzuordnen. Seine Partnerin, Cilly Zukmann-Bizony, ist eine Sopranistin von ungewöhnlicher Kultur; in ihrem Gesang wird eine seelische Vertiefung offenbar, 'die "den Hörer in Bann zwingt. Technisch ist namentlich die klare, mühelose Höhe, die gelungene Verwendung des Kopfregisters zu erwähnen. Dr. Werner Liebental begleitete mit sicherer Anpassung. Dem liebenswürdigen Rezitationstalent Dr." Fritz Eisenbergs liegt der warme Humor Wilhelm Büschs eher als etwa die Trockenheit, auf der die Wirkung Morgensterns beruht. H. Fr. Ein Abend bei Weil war dem Gedächtnis Adolf Gärtners gewidmet, dessen plötzlicher Tod die vorhergehende Veranstaltung, bei der er mitwirken wollte, hatte ausfallen lassen. Arthur Lewin sprach Gedenkworte für seinen verstorbenen Kollegen, den Regisseur des ersten stummen Films in Deutschland, und las Rilkes „Requiem". Den musikalischen Teil bestritten Alice Hannes-Cas sirer, die ihrem Sopran sehr schönen Ausdruck zu verleihen vermag, und die Pianistin Lore Stein, geb. Jeremias, mit bemerkenswert klangschönem und gehaltvollem Eindringen in Schumannsche Romantik. Kai. Im Jüdischen Musikverei n Breslau konzertierte zum erstenmal die Pianistin Käte Fi schier. Die gewinnende Natürlichkeit ihres Vortrags lässt auf sorgfältige Berücksichtigung der individuellen Anlagen schliessen. Dennoch hatte man das Empfinden, dass stilistisch nicht alles restlos erschöpft wurde, dass ihr z. B. das Grandios-Wuchtige (Beethoven: 32 Variationen) und das Leidenschaftliche (Balladen von Brahms und Chopin) weit mehr liegt als die intime Melodik der Mozartschen B-dur- Sonale K. V. 333. Von den Stücken Mendelssohns fesselten das Presto agitato und das Scherzo e-moll durch die Sprilzigkeit der Darstellung. Trotz kleinen, wohl auf Nervosität beruhenden Flüchtigkeiten sind die Merkmale erstklassiger Schulung unverkennbar; der Anschlag ist reich an feinen Nüancierungen. Hff. Der Religiös-Liberale Verein Breslau veranstaltete einen Teeabend, dessen künstlerische Ausgestaltung einen breiten Raum einnahm. Die Begrüssungsansprache hielt der Vorsitzende, Philipp Lachs. Mit einer hübschen und nett vorgetragenen Purimgescbichte Scholem Alejchems leitete darauf Lotte Schwarz (Rosenbaumj zum musikalischen Teil des Abends über, in dessen Mittelpunkt die Aufführung des Mozartschen Klarinetten-Quintetts stand. Den in jeder Hinsicht bevorzugten Part des Blasinstruments spielte Dr. Fritz Scher bei gewandt, aber technisch noch nicht restlos ausgefeilt; der Konnex mit dem gut ausgeglichenen Streichquartett von Edith Lasker, Charlotte Taubenschlag, Elfriede Breslauer und Hans Simon war sehr bald hergestellt. Ein höchst reizvolles Musizieren ergab sich beim Vortrag der Robert Kahnschen ,.Jungbrunnen"-Lieder (mit Triobegleitung) durch Ruth H e n n i g, deren Temperament und stimmliche Qualitäten auch in zwei Duetten mit Lotte K o h n (Schlesskow) Beifall erweckten. Die Letztgenannte errang einen besonders starken, und berechtigten Erfolg mit der charmant gesungenen Arie der Frau Fluth aus „Die lustigen Weiber vbn Windsor". Lotte Schoeps (Rogosinski) trug als Klavierbegleiterin und Triopartnerin wesentlich zum Gelingen des Abends bei. Hff. Dass der jüngst verstorbene Kurt Havelland das Laienorchester des Jüdischen Musikvereins Breslau zu einem hochwertigen Klangkörper geformt hat, konnte das zum Konzert in Beuthen O/S leider nur spärlich erschienene musikverständige Publikum konstatieren. Mit auffallend sparsamer Zeichengebung brachte Dr. Fritz Berend das Orchester zum Erklingen und vermittelte z. B. bei der Wiedergabe der Es-dur-Sinfonie von Mozart eine eigene Auffassung. Prächtig gelang die Ouvertüre zu „Die Italienerin in Algier" von Rossini. Eine beachtliche Talentprobe gab der junge heimische Diri- Wie die Musik zum „Hohen Liede Salomonis" entstand Erzählt von Magnus Davidsohn, Berlin Es war zu Beginn des Jahres 1845. Wie in anderen grösseren Gemeinden Europas war auch die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin eifrig bemüht, den Gottesdienst zu veredeln und zu verschönen. Seit längerer Zeit wirkte in der damaligen Hauptsynagoge Heidereutergasse — heute die Alte Synagoge genannt — "bereits der erste akademisch gebildete Rabbiner Dr. MichaeiSachs, der nicht nur predigend und lehrend, sondern auch schriftstellerisch Bedeutsames schuf. Doch auch der liturgisch-gesangliche Teil musste eine musikalische Basis erhalten. Man hielt Ausschau nach einem musikalisch gebildeten Vorbeter, der dem damals schon recht betagten, streng konservativen Vorsänger Ascher L i o n zur Seite gestellt werden sollte. Hiervon vernahm der in Stettin wirkende hochbegabte Vorsänger Abraham Lichtenstein, von dem mir mein unvergesslicher Lehrer und Meister Professor Felix Schmidt berichtete, dass er nie wieder eine Stimme von ähnlichem Umfange und Wohllaut gehört habe. Dass Lichtenstein gern an die damals schon hochangesehene grosse Gemeinde berufen worden wäre, war klar. Wer aber konnte in Stettin seine gesanglichen und musikalischen Fähigkeiten besser beurteilen als der dort ansässige und bereits zu schöpferischem Ruhm gelangte Carl Johann Gottfried Löwe, der unsterbliche Balladenkomponist, der in Stettin als Organist und Lehrer für Musik am Gymnasium wirkte. So wandte sich denn Lichtenstein devotest an Löwe, der ihn bisher nur als Geiger kannte, und bat den Meister, ihm in seiner Wohnung etwas vorsingen zu dürfen, um eine Empfehlung für die Berliner Gemeinde zu erbitteu- An einem Nachmittag, da Löwe mit seiner Familie und Freunden des Hauses traulich vereint und heiter plaudernd um den Kaffeetisch sassen, wird ihm durch den Diener „der Besuch des Herrn Lichtenstein, Vorsängers der jüdischen Gemeinde" gemeldet. Helene, die Tochter Lowes, fragt, ob dies derselbe Lichtenstein sei, der in den grösseren Konzerten im Orchester mitspielt, sie könne „Nathan den Weisen" nicht lesen, ohne eine Vorstellung von ihm mit diesem Lichtenstein in Verbindung zu bringen. Fräulein Velthuysen, die Freundin des Hauses, eine Nachkommin des Freundes von Spinoza, bestätigt dies und meint, dass der Kopf Lichtensteins und seine würdige Haltung einem Maler zum Modell dienen könnte. Inzwischen hatte der Meister den jungen Vorsänger begrüsst, kehrte zu seiner Familie zurück und bat, sämtliche Flügeltüren der Wohnung öffnen zu dürfen, da^Herr Lichtenstein etwas vorzusingen beabsichtige und eines weiten Raumes bedürfe. Da er keine Klavierbegleitung brauchte, blieb Löwe im Kreise seiner Familie und bat Lichtenstein, zu beginnen. Die älteste Tochter Lowes, Julie, die diese Episode schildert, sagt wörtlich: „Ich gestehe, etwas Merkwürdigeres als den Gesang dieses Mannes habe ich nie wieder im Leben gehört. So mag wohl einst David vor Saul gesungen haben, wenn er den kranken Geist des Königs beschwichtigte. Von dem hebräischen Text verstanden wir Damen freilich nichts, dafür sprach der Ausdruck im Antlitz des Sängers zu uns, der sich bald in tiefster innigster Frömmigkeit, bald in höchster Begeisterung eines Lobpreisenden vor Gottes Thron emporschwang. Was der Mensch sich von einer Verherrlichung des Höchsten auf den Flügeln der Gesangskunst nur zu träumen vermag, das gab uns dieser Sänger mit seinen nahezu unerschöpflichen Mitteln. Vor meinem geistigen Auge aber gestaltete sich allmählich der Tempel Salomonis, hervorstrahlend aus dem Nebel der Vergangenheit, wie die untergehende Sonne, wenn sie vor ihrem Scheiden noch einmal die Wolken umsäumt. Dann wieder war es bei dem wundersamen Gesang, den ich vernahm, als entströme den Lippen Salomos das Lied von der Blume von Saron, der Rose aus dem Tal Engedi, der 'schönen Sulamit, wie sie an der Hand des göttlichen Hirten allen Herrlichkeiten des prächtigen Königs entsagt und dem Bräutigam folgt, denn Liebe ist stark wie der Tod, ihre Gluth feurig wie eine Gottesflamme, nicht mögen die Liebe Wasserfluten auszulöschen und gäbe einer all sein Gut, er kaufte nicht Liebe dafür." Anfangs hatte Löwe erstaunt aufgehorcht, bis er, gleich den andern Zuhörern, sich in tiefe Gedanken verlor. Als der Gesang verklungen war, erhob sich der Meister und ging schweigend an dem Sänger vorüber zu seinem Schreibpult. Bald gab er ihm einen versiegelten Brief und sagte wörtlich: „Nehmen Sie dies, lieber Lichtenstein. Geben Sie es in Berlin ab, und ich will von Herzen wünschen, dass Sie die Stelle der dortigen Synagoge erhalten, denn ich wüsste nicht, wie ein Mitbewerber Sie übertreffen könnte. Ihr Gesang hat mich ausserordentlich überrascht und einen Entschluss in mir zur Reife gebracht, den ich wohl längere Zeit gehegt, aber mir bis heute noch immer nicht ganz klar gemacht hatte. Während Ihres Gesanges trat die ganze Herrlichkeit des ,Hohen Liedes' vor meine Seele, dieses Gedichtes von Gott selbst gemacht, wie Goethe sagt. Der Text liegt bereit da, trotzdem schob ich seine* Komposition hinaus. Nun aber hat sich alles in ml gestaltet. Wenn wir beide es erleben, so sollen Sie bald von dem Oratorium hören. Reisen Sie glücklich." --- Das Oratorium „Das Hohe Lied Salomons" wurde bald fertig. Inzwischen gent Erwin Herper, Her mit dem durch' Musiker des oberschlesischen Orchesterringes verstärkten Orchester die Ouvertüre zu Glucks „Iphigenie in Aulis" aufführte. Das Andante con moto für Streichorchester op. 6 von Josef Suk erschien als eine gutgeformte, wohltemperierte Arbeit etwa in der Richtung einer musiklichen Neuromantik. M—r Während die regelmässigen Mittwochs-Veranstaltungen der jüdischen Tonkünstler Frankfurts stets eine gewisse Stileinheit des Programms wahren, wurde bei einem Benefiz-Konzert der gute Zweck durch ein buntes Allerlei der Darbietungen gefördert. Da der Saal ausverkauft war, hat also wieder einmal der Zweck die Mittel bestätigt — trotzdem hätte vielleicht auch eine, von der Norm solcher bunten Abende abweichende, künstlerisch ausgeprägtere Gestaltung der Vortragsfolge den gleichen erfreulichen Besuch gefunden/Damit ist nichts gegen die Leistungen im einzelnen gesagt: Ännie Steige r - B e t z a k spielte Violinstücke in jeder Weise ausgezeichnet, Hans Assenheim, einer der Leiter dieser Konzerte, bewährte seinen weichen ausdrucksfähigen Bariton, Herta Oppenheim und Leonore Schwarz-Neumai e r sangen, ihren Höhrern zu Dank, Arien und ein gemeinsames Duett, Alice Rosenba um bestritt den rein pianistiscben Teil, und Dr. Willy Salomon und Lilly Schwarz- Maverhofer waren den Solisten feinsinnige Begleiter. — tt. Starkem Anklang begegnete ein zugunsten der Jüdischen Winterhilfe in Frankfurt a. M. veranstalteter „W iener A b e n d'\ bei dem Max Neumann eine Reihe bekannter Walzer, Ouvertüren und Märsche wirkungsvoll dirigierte. Im solistischen Teil erfreute Wilhelm Guttmann mit Stücken von Brüll und Korngold durch seine prachtvolle Vortragskunst. Theo Ratner spielte in klarer Technik Kreisler und Brahms. Gesangskultur und Stilbeherrschung zeigte der dramatische Sopran Käte Ettlingers, reizvolles Timbre und gefälligen Ausdruck die schlankere Stimme Edith Eisenheimers. Dr. Willy Salomon war den Solisten ein trefflicher Begleiter. — tt. Die vor kurzem ins Leben gerufene Ortsgruppe Aschaffenburg des Jüdischen Kulturbundes in Bayern begann ihre Tätigkeit mit einer wohlgelungenen Veranstaltung. Intendant Dr. Kurt Singer gab der neuen Kulturgemeinschaft Richtlinien für ihren Weg. Paula Salomon- L i n d b e r g sang, prächtig disponiert. Arien, jüdische Lieder und Volkslieder. Die Zuhörerschaft dankte spontan. Am Flügelvsass die junge Hilde Freund, eine Aschaffenburgerin, die mit viel Anpassungsfähigkeit und Verständnis begleitete und ausserdem einige Soli spielte. Die Debütantin zeigt starkes musikantisches Naturell, gute Schule und Technik. Das Publikum war überrascht und applaudierte freudig. Am 13. und 14. März brachte das Puppentheater Münchener Jüdischer Künstler die von Jacques Offenbach komponierte Operette „Die Insel Tulipatan" zur Aufführung. Die Leitung lag in den bewährten Händen von Berthold W o 1 f f, der zugleich mit Rudolf Ernst, Lotte Ernst und Marielouise Kohn die Puppenführung besorgte. Das Spiel war lustig und, wie alle Offenbachiaden, durchaus für die Marionettenbühne geschaffen, so dass das Publikum angeregt und vergnügt nach Hause ging. Bühnenbild und Puppen waren, wie immer, schön und geschmackvoll. Die musikalische Leitung lag in den Händen von Dr. Josef Waldner. Sonstige Mitwirkende: Sonja Ziegler (Sopran), Renate Loeb (Alt), Rudolf Offenbacher (Tenor), Walter Cape 11 (Bass) und Walter Riess (Bass). Wenn man einen WTunsch für künftige Ausführungen aussprechen darf, so ist es der, dass die Sprechtechnik an manchen Stellen eine Verweilte Lichtenstein in Berlin. Man kann, soweit dies aus den Schriften ersichtlich ist, nicht einmal sagen, dass die Wogen der Begeisterung zunächst sehr hoch gingen. Das erklärt sich wohl daraus, dass die moderne Art des Vortrages einem grossen Teil der Gemeinde etwas völlig Ungewohntes war — ebenso ungewohnt wie die unvergleichliche Schönheit der Stimme und Schenkt ein Abonnement auf die C-V.-Zeitung sie schlägt Brücken zwischen euch und euren Freunden und Verwandten im Inland und im Ausland. Wir liefern Geschenk-Exemplare für IM 98 im Inland, 4M 60 im Ausland für 6 Monate einschliesslich Porto Ueberweisen Sie den Betrag auf unser Postscheckkontos Berlin 70344 und vermerken Sie auf dem Postscheckabschnittgenau Ihre Adresse und die des Empfängers oder senden Sie uns den folgenden Abschnitt ein. 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