Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 13 (1.4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277516-2277529--11769-2281328- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
feinerung erfahren möchte. Denn 'die kleine Bühne verdient es, dass sie oft Gelegenheit erhält, zu agiere». Ca. Alfred Auerbach und seine Tochter Trude Rosenbusch-Auerbach gaben einen Nachmittag und Abend im Heidelberger Kulturbund. Auf dem Programm stand „100 Minuten Heiteres". Der Autor und Sprecher gab u.a. Proben aus seinem neuesten Schaffen. Die Tochter bewies tanzakrobatische Elastizität und junge Tanzfreude. Dem Andenken Max Liebermanns widmete der Kulturbund Baden-Baden einen Abend. Professor Dr. Franz Landsberger (Berlin) brachte an Hand ausgezeichneter Lichtbilder einer stattlichen Hörerschaft die Kunst des grossen Meisters nahe. In einem Liederabend von Ruth K i s c h - Arndt in Mainz wurde den Zuhörern höchste Sangeskunst offenbart. Die Wolf- und Schubert- Lieder sowie die hebräischen Weisen moderner Liedschöpfer erfuhren eine höchst kultivierte Wiedergabe, die Begeisterung auslöste. Dr. Willy Salomon machte sich wieder am Flügel um den grossen Erfolg verdient. — Unter der temperamentvollen Stabführung von Richard Karp spielte das Orchester der Jüdischen Kulturbünde Schuberts „Unvollendete", Engels 1. Orchester-Suite und Beethovens 7. Sinfonie. Das Konzert machte tiefen Eindruck auf die leider geringe Zuhörerschaft. — Dr. Willy Salomon erläuterte an einem Sonntagvormittag in instruktiver Weise die vom Orchester gespielten Werke in einem einstündigen, genussreichen Vortrag. m—1. In Saarbrücken gab auf Einladung der Gemeinde Sofie Seligmann (Frankfurt a. M.), zurzeit beim Kulturbund Rhein-Ruhr, einen Rezitationsabend, der einen tiefen Eindruck hinterlies?. Man erfreute sich vor allem an der innigen und ausdrucksreichen Wiedergabe. die manchen Stücken erst das notwendige Leben einhauchte. Vor allem lagen der Vortragenden, deren Natürlichkeit im Auftreten hervorgehoben zu werden •verdient, die märchenhaften,"beinahe idyllischen Stücke, dann aber auch das Bälladische und ganz besonders das Schauspielerische. sc. Das zweite Jugendkonzert des Mannheimer Kulturbundes bestritten Schülerinnen und Schüler von Math. Lazarus, Isa Linder-Awstrich, Martha Oppenheim, Gertrud Schweizer, Lene Sinzheimer und Kapellmeister Sinzheimer. Die Leistungen zeugten von der erfolgreichen Arbeit der Lehrkräfte. Auch das Jugendorchester der Jüdischen Schule unter Kapellmeister Max Sinzheimer führte sich günstig ein. ' So. Zu einem musikalischen Erlebnis gestaltete sich der vom Regensburger Kulturbund veranstaltete Konzertabend mit der Sopranistin Irma Stern (München) und der einheimischen Pianistin Suse Lehmann. Das reichhaltige Programm gab der Sängerin Gelegenheit, ihre wohldurchgebildete Stimme in voller Reinheit .erklingen zu lassen. Suse Lehmann zeigte sich nicht nur als verständnisvolle Begleiterin, sondern stellte auch in Solostücken ihr hohes künsterisches Können unter Beweis. Die zahlreich erschienenen Zuhörer dankten mit begeistertem Beifall. M. Ltz. Unter der Leitung von Richard Karp konzer- tierte das Orchester der Jüdischen Kulturbünde in Hamburg. Karp brachte nach •der vortrefflich gespielten Rosamunden-Ouverture von Schubert die (kürzlich schon anderwärts aufgeführte, hier schon gewürdigte) 1..Suite für Streichorchester und Klarinette von Joel Engel wirkungsvoll zum Vortrag. Mögen auch die Voraussetzungen für eine einwandfreie Wiedergabe der 7. Sinfonie von Beethoven beim gegenwärtigen Stand des Orchesters noch nicht restlos gegeben sein, so ist doch von einer sehr achtbaren Aufführung zu berichten. Annie Steiger- B e t z a k spielte Mendelssohns Violinkonzert mit grossem, edlem Ton und mit technischer und musikalischer Ueberlegenheit. Dirigent, Solistin und Orchester sahen sich lebhaft gefeiert. A. Wir wussten seit langem, dass Joseph Schwarz ein Pianist von Geist und Können ist, daher fiel es uns besonders schwer, im letzten, von der Kölner Jüdischen Kunstgemeinschaft veranstalteten Konzert von ihm — der seinem Sohne Boris nach Amerika folgt — Abschied nehmen zu müssen. Wie kaum ein anderer macht Schwarz die Poesie des Klavierspiels zur Grundlage seiner Darstellung, er verbindet Kultur und Beseelung mit innerer Reife, die den Vortrag zum reinen Erlebnis, hinter dem man Erfahrung und Wissen eines künstlerisch erfüllten Lebens spürt, werden lässt. Der Pianist, der solistisch u. a. Werke von Mendelssohn, Scriabin, Rachmaninow, Chopin zum Vorträg brachte, spielte gemeinsam mit dem Cellisten Godfried Zeelander, einem Virtuosen hohen Ranges, Kompositionen von Händel, Castelnuovo-Tedesco, Frescobaldi, Zeelander und Ravel techrlisch beherrscht und überschauend im musikalischen Gesamtcharakter. Ehrliche Begeisterung dankte den Künstlern — ein Abend, den man nicht leicht vergessen wird. —TO— Der Aachener Synagogenchorverein veranstaltete ein Konzert, in dem u. a. der 114. Psalm von Mendelssohn und Schuberts ,.Mirjams Siegesgesang" zu Gehörgebracht wurden. Die hohen Ansprüche, die die Aufführung dieser Werke stellt, wurden vom Dirigenten Richard Heidelberg und seinen Sängern restlos erfüllt. Hans Dusch begleitete an der Orgel ausgezeichnet. Johanna Wesly (Alt) zeigte eine schöne, ausgeglichene Stimme, und Eiße Cohn-Heidenfeld (Sopran), Köln, stellte gleichfalls gutes musikalisches Können unter Beweis. Oberkantor Alt. Aachen, gab wiederum Proben seiner grossen Kunst. Das Konzert war stark besucht. Dr. E. K. Im Jüdischen Kulturbund Düsseldorf führte das Bühnenensemble Rhein-Ruhr aus Köln Molnärs Komödie „Grosse Liebe" auf. Die gute und flotte Aufführung in der Kölner Besetzung (vgl. C.-V.-Zeitung 1936, Nr. 4) verhalfen dem Stück zu einer ansprechenden Wirkung. J. C. Dela Lipinskaja gastierte im Düsseldorfer Kulturbund mit teilweise neuem .Programm und fesselte durch ihre scharmante Vortragskunst wieder stark die zahlreich erschienenen Zuhörer. Walter L a j t a i begleitete und unterstützte das Programm durch einige moderne Klavierstücke. J. C. Vor leider nur halbgefülltem Hause fand ein Konzert des Kulturbundes Gladbach- Rheydt statt. Die Altistin Lisbet Dührenheimer, Mannheim, sang, begleitet von der auch als Solistin mitwirkenden Hilde K1 e - Stadt, Düsseldorf, mit gutem Erfolg. Beiden Künstlern wurde lebhafter Beifall zuteil. Eine ausserordentlich wertvolle Aufführung bot in Leipzig das Hamburger Schauspielensemble unter Leitung von Dr. Hans Buxbaum mit Ossip Dymows Traumspiel ..Der Sänger seiner Trauer". — Das Max- Ehrlich-Ensemble gastierte in Leipzig mit der Revue ..Vorhang auf" von Ehrlich und Willy Rosen. Mit einem der leichten Kunst gewidmeten Abend beschloss der Ausschuss für Kunstpflege in Plauen die Veranstaltungen des "Winters. Else Hörwitz -Jansen sang mit schöner Stimme Operettenschlager. Dr. Richard Hirsch, der mit dem „Improvisierten Potpourrie" sich einen Sonderbeifall holte, bot frohe Musik, und Walter Steiner-Goldstein erfreute mit seinem drastischen Humor. Unsere Mitglieder aber werden aus den frohen Stunden die Ueberzeugung gew-onnen haben, dass der Ausschuss für jeden etwas bringen will. W. G. Tanja Ury-Zunser und Myriam Zuns e r erfüllten auch in Dresden — nach erfolgreicher holländischer Konzertreise hochgespannte Erwartungen sowohl als hervorragende KammermusikspieleriDnen wie als virtuose Solisten, die über feingeschliffene Technik und stilvollen Ausdruck voll Ernst, Phantasie und Temperament verfügen. — Dela Lipinskaja riss auch diesmal ihre sehr zahlreiche Dresdner Anhängerschaft mit ihrer scharmanten Kunst zu stärkstem Beifall hin. E. B. Im letzten Kasseler Kulturbund konzert sang die Jüdische Chorvereinigung Kassel. Man war über die aussergew^öhnlichen Fortschritte überrascht. Dank der straffen Leitung der Dirigentin Amelie Heine mann hat der Chor ein hohes Niveau erreicht Amelie Heinemann gefiel als Solistin in Mendelssohn- und Schumann-Liedern. An Flügel bewährte sich John Mandelbrod, Hannover. F. Ilse Vordemberge und ihre Tanzgruppe boten den Mitgliedern des Halberstädter Kulturkreises einen schönen Abend. Die Gruppen- und Einzeltänze wurden mit grossem Beifall aufgenommen. Der jüdische Kulturbund Halle bot einen Cello- und Klavierabend mit Erich Landerer (Klavier). Godfried Zeelander (Violoncello) und Leo Schönbach (Begleitung). Das Publikum dankte den Künstlern begeistert. Der Kulturbund Mecklenburg veranstaltete in Schwerin, Rostock und Stralsund mit grossem Erfolg einen heiteren Abend mit Alfons Fink. Höhepunkt der Winterveranstaltungen des Kulturvereins Landsberg a. d.W. war ein Opernabend mit Wilhelm Guttmann und Erna Klein. Die Darbietungen der Künstler lösten stürmischen Beifall aus. B. Die Jüdische Private Musik-Schule Hollaender, Berlin-Charlottenburg, 4, Sybelstrasse 91, beginnt am 5. April ihr zweites Schuljahr. Wie aus der uns vorliegenden Arbeitsübersicht über das erste Schuljahr hervorgeht, wurde in sechzehn Klassen Unterricht in den verschiedensten Zweigen der Musik erteilt. Dazu kommt noch das dem Institut angeschlossene Beth Hachasanim (Vorbeterschule), das bereits im ersten Semester zwölf Schüler hatte. Bekannte jüdische Musiker und Musikpädagogen und namhafte Fachleute des Kantorats unterrichten an dieser Musikschule. Für das zweite Schuljahr sind in Aussicht genommen ein Opern- und Operetten- Studio, Unterricht in Klavierensemble, Kammermusik und Cembalo. Professor Fritz Heimann (Breslau) , gestorben Auf einer Erholungsreise ist am 26. März in Budapest an Herzschlag plötzlich der leitende Arzt des Breslauer Israelitischen Krankenhauses und Primärarzt der gynäkologisch - geburtshilflichen Abteilung, Professor Dr. Fritz Heimann, im Alter von 54 Jahren verschieden. Der Heimgegangene, der aus Brieg (Bezirk •Breslau) stammte, war Schüler und Assistent Otto Küstners, unter dem er neun Jahre als Oberarzt an der Breslauer Universitätsfrauenklinik wirkte. 1931 wurde er als Nachfolger des emeritierten Geheimrats Rosenstein Primärarzt am Israelitischen Krankenhaus Breslau. Heimann hatte sich 1912 an der Universität .Breslau.habilitiert. 1917 wurde er zum a. o. Professor ernannt. Er hatte auch phatologischanatomisch (unter Geheimrat Ben da) und biologisch - bakteriologisch (unter Geheimrat M o r g e n r o t h) gearbeitet. In einer Reihe wissenschaftlicher Veröffentlichungen findet sich der Niederschlag dieser Tätigkeit. Zahlreiche Arbeiten beschäftigen sich mit den operativen Methoden in der Gynäkologie und mit der Strahlenbehandlung, dies vor allem in dem von ihm herausgegebenen Buche „Die Strahlenbehandlung der gutartigen und bösartigen Geschwülste". Professor Heimann war seit Gründung der Breslauer Röntgen - Gesellschaft bis 1933 deren 1. Vorsitzender. Schw. Lebendige 100 Jahre „Tante Malchen", das ist Frau Amalie Geisel, feiert am 5. April ihren 100. Geburtstag. Ich hatte, ehe ich sie besuchte, noch nie einen 100jährigen Menschen gesehen. Die ersten Augenblicke, als ich an ihrem Bett stand, war ich befangen wie nie. Ich brachte kaum ein Wort heraus, so kreiste in meinem Kopf immer nur der eine Gedanke: „Dies hier ist ein Mensch, der im Jahr 1837 geboren ist." Ganz allmählich kommen wir ins Gespräch. Eine Verwandte hat mich bei dem Besuch begleitet. Bei ihr erkundigt sich Tante Malchen nach unzähligen Mitgliedern der Familie, und viele Ländernamen, bunt durcheinander, klingen selbst in dieses Stübch^n im Altersheim in der Lietzmannstrasse. Sie freut sich, dass die Enkelin im Ausland eine neue Stellung hat. sie beschwert sich über eine Verwandte, die ihr ruhig etwas öfter schreiben könnte, sie erzählt von den zahlreichen Besuchen der letzten Tage. Und wie sie sich auf ihren Geburtstag freut' Wie es ihr geht? „Manchmal" — sagt sie — „glaube ich, dass ich ganz verwirrt bin; aber der Arzt meint, es wäre nur ein bisschen Altersschwäche. Wenn ihr wüsstet, was ich alles sehe! Es ist mir oft, als gingen Treppen da hinein ins Zimmer, und auf denen kommen nach und nach all die Menschen, die ich gekannt habe. Die meisten, ach, alle eigentlich, sind tot." Die Verwandte geht, und ich bin mit der alten Frau und ihrer Pflegerin allein. Ich muss nicht viel bitten und Tante Malchen beginnt zu erzählen. 100 Jahre bekommen ihr eigenes Leben durch ein paar Worte Die Revolution 1848 hat diese Frau als elfjähriges Mädel mitgemacht. Und die Kriege 1864, 1866, 1870/71 und den Weltkrieg. „Hat nicht um diese Zeit jetzt Bismarck Geburtstag?" Und: „Den König Ludwig von Bayern haben Sie wohl nicht mehr gekannt, kleines Fräulein? Ach nein — das war ein schreckliches Unglück damals am Starnberger See." Langsam gehen ihre Gedanken aus der grossen Umwelt in ihre eigene, kleine, schöne Welt. „Ich bin aus einem berühmten Dorf im Rheinland", und sie schildert das Dorf» die Tanzstunden. „Und die Frau Bürgermeister war an jedem Freitagabend zum Essen bei uns/4 Sie hat für die damalige Zeit weite Reisen gemacht: Amsterdam, London — heute noch erzählt sie ihren Gefährten im Heim davon. Mit 42 Jahren heiratete sie. „Einen herrlichen Mann habe ich gehabt — und liebe Stiefkinder — und einen guten, braven Sohn habe ich auch, der hat wieder ein Kind; ich freu mich ja so, wenn es zu meinem Geburtstag kommt!" — „Ja, ich hab schon viel gearbeitet, aber doch nicht so. dass ich Blasen an den Händen bekommen hätte, ich habe es sehr gut gehabt." Und dann: „Ich überlege mir oft, warum mich der liebe Gott eigentlich vergessen hat abzuholen." „Damit Sie uns Freude machen können, Frau Geisel!" „Ach so — na, die Juden haben es heute nicht leicht, ich weiss das alles." Ich will ablenken und zeige auf die Kognakflasche auf dem Tisch. Sie lächelt. Voriges Jahr hat der Arzt sie vor Alkohol ein bisschen gewarnt, und da sagte sie ihm: „Lieber Herr Doktor, w-enn Sie mal erst an die 100 sind, dürfen Sie mir sagen, ob es was schadet." Prost, Tante Malchen! Zum Abschied hat sie eine Menge Wünsche für mich. Ich halte eine winzige, kühle Hand in meinen Händen. Die hellblauen Augen der Frau sehen mich fest an. Das Nachtmützchen auf dem kleinen Kopf nickt ganz leicht. 100 Jahre — Ich ziehe leise die Tür hinter mir zu. Hilde Marx. die damit ganz selbstverständliche Verwendung in der Gestaltung der heiligen Gebettexte. Schwer genug hat Lichtensfein jahrelang um diese Gestaltung kämpfen müssen; das ergibt sich aus verschiedenen Zuschriften an seine Behörde. Doch welchem Geiste wurde es leicht gemacht, wenn er Neuartiges in ausgefahrenem Gleise zu geben sich mühte. Am Montag, den 14. April 1845, wurde Lichtenstein von einem grösseren Gremium der Berliner Gemeindeverwaltung 'zunächst zum zweiten Vorsänger gewählt, und im Mai trat er sein Amt "an. Verfolgt man seine ruhmreiche Laufbahn bis ins hohe Greisenalter, wie er geliebt und geehrt in der Mitte seiner Gemeinde wirkte, trotz des Wandels aller Zeiten nur in jenem altehrwürdigen Gotteshause, in das er einst berufen wrurde, hört man heute noch die Schöpfungen Lichtensteins, die Lewandowski zum Teil bearbeitet seinen Werken einverleibte, so staunt man über die Grösse dieser schöpferischen Kraft, die aus diesen, mit tiefer religiöser Inbrunst geschriebenen Werken klingt. Ich mag aber'' nicht von all den Bitterkeiten sprechen, die dieses Genie „von Amtswegen" auskosten musste. Viel, leider sehr viel, müsste darüber gesagt werden, wollte man auch von den Schattenseiten seines Lebens sprechen. Das neue Opus Carl Lowes, das Oratorium „Hohe Lied Saloinonis", wurde in Stettin mit beispiellosem Erfolg aufgeführt. Die musikalische Welt Berlins erwartet die Erstaufführung des Werkes mit besonderer Spannung. Zu bemerken ist, dass zu damaliger Zeit Löwe als Schöpfer von Oratorien und anderer Ensemblewerke viel grössere Bedeutung hatte, als als Balladen komponist. Die zwTeite Aufführung des Oratoriums „Das Hohe Lied" fand in der Berliner ■Singakademie unter der Leitung von Ed. Grell statt.*) Unter den begeisterten Hörern des dichtgefüllten Saales befand sich auch Lichtenstein. Die „Radziwill'sche Loge" war dem Meister und seiner Familie eingeräumt worden. In tiefster Erschütterung, so berichtete Lichtenstein später, hörte er das Werk des grossen Meisters, hörte er melodische Wendungen aus seinen hebräischen Melodien, die er Löwe damals in Stettin vorgesungen. Kaum gewahrte Löwe den Charakterkopf Lichtensteins unter den Zuhörern, da grüsste und winkte er ihm mit besonderer Herzlichkeit zu. In Dankbarkeit und Ehrfurcht verneigte er sich vor dem Meister, der ihn an die Nachmittagsstunde erinnerte, in der er die stärkste Anregung für \die Komposition seines Werkes durch den .Vortrag der heiligen Gesänge erhielt. Theater und Musik Der kleine Badeort Andernos-les- Bains bei Arcachon am Golf von Biskaya wird im Laufe dieses Jahres der französischen Schauspielerin Sarah Bernhardt ein Denkmal setzen. In Andernos verlebte die Künstlerin mehrere Sommerferien. * Fritz K r e i s 1 e r konzertiert am 11. April mit dem Londoner Philharmonischen Orchester in der Royal Albert Hall. * Mahlers „Kindertotenlieder" wurden von Anthony Tudor unter dem Titel ,,Dark Elegies" als Ballett gestaltet und in London aufgeführt. In Manchester spielte der Pianist M o i - s e i w i t s c h die „Paganini"-Suite von Rachmaninow, Emanuel Feueriiiann war als Solist in Dvoraks Cellokonzert, Huberman mit dem Beethoyenschen Violinkonzert zu hören. * Arnold Schönbergs neues Streichquartett erfuhr in einer Veranstaltung für zeitgenössische *) In den Gotteshäusern wird am Pessach-Fest das Hohe Lied Schir Hascbirim zum Vortrag gebracht. Musik durch das . K o 1 i s e h - Quartett seine europäische Erstaufführung. In einem Konzert des Bostoner Sinfonieorchesters in der Carnegie Hall, New-York, zugunsten seines Pensionsfonds spielte Jascha H e i f e t z das Violinkonzert von Mendelssohn. Am gleichen Abend wurde die Italienische Sinfonie von Mendelssohn zur Aufführung gebracht. Bei einer besonderen Feier anlässlich des Geburtstages von Lincoln spielte das gleiche Orchester u. a. M a h 1 e r s „Lied von der Erde". * Der in diesen Tagen verstorbene ungarische Violinvirtuose Eugen Hubay gehörte zu den Schülern Joseph Joachims. Er selbst bildete u. a. Szigeti aus und vereinigte sich mit D. Popper "u. a. zu einem berühmt gewordenen Streichquartett. * Nach Erledigung seiner ausländischen Gastspielverpflichtungen kehrt Bruno Walter Mitte April nach Wien zurück, um dort an der Staatsoper Pfitzners ..Palestrina" einzustudieren; er wird ferner Aufführungen von Verdis „Don Carlos", Glucks „Orpheus" und Webers „Oberen" leiten. Für die S a 1 z b u r g e r Festspiele hat er die Neueinstudierung von "Webers „Euryanthe" übernommen, die dann im Herbst in den Spielplan der Wiener Staatsoper übergehen soll. * An der Scala in Mailand gelangte Glucks ,.Iphigenie auf Tauris" in einer besonders eindrucksvollen Neuinszenierung Lothar Wallensteins unter musikalischer Leitung Viktor de Sabatas zur erfolgreichen Aufführung. Direktor Raoul Gunzbourg vom Opernhaus in Monte Carlo brachte soeben Rossinis Oper „M o-s e s" mit dem russischen Bassisten Doubrovsky in der Titelrolle unter ungewöhnlichen Beifallsäusserungen von Publikum und Presse neu heraus. # In den Wiener Jüdischen Künstlerspielen gelangte die Operette „Die verkischefte Kaie" von Leu mit der Musik von Willy Löwenstein zur Erstaufführung; Jenny L o - v i c hatte die Titelpartie übernommen. * Paul Abraham arbeitet zurzeit an einer neuen Operette, die sich „Zigeunermusik" betitelt Im Theater an der Wien gelangt demnächst das Vaudeville „Roxy und ihr Wunderteam" von Alfred Grünwald und H. Weigl, Musik von Paul Abraha m. zur deutschsprachigen Uraufführung. Es wirkt u. a. Rosy B a r s o n y mit. * Das Operetten-Ensemble Fritz Hirsch hat die nach Georg Hermanns Roman „Jettchen Gebert" neu bearbeitete Operette „Wenn der wreisse Flieder wieder blüht" in sein Repertoire aufgenommen und macht mit dem Werk eine Tournee durch ganz Holland. # Teresa Gerson-Danziger, zurzeit auf einer Gastspielreise in den Vereinigten Staaten, sang vor kurzem an der Oper in Cincinnati mit grossem Erfolg die Partie der Herodias in „Salome". Für Anfang April ist sie an die Oper in Philadelphia verpflichtet. * Anatol W r o n s k i, der lyrische Tenor der Warschauer Oper, sang im Budapester Rundfunk Arien und Lieder polnischer Komponisten. * Der bekannte Pianist Joseph Lhevinne gab in Budapest einen eigenen Abend mit Werken von Beethoven, Brahms, Schubert und Chopin. * In Rom" wurde die von Kapellmeister Richard Falk für das moderne Theater neu bearbeitete Oper „Olympiade" von Pergolesi anlässlich seines 200. Todestages aufgeführt. Der König von Italien hat Richard Falk den Titel „Offizier der Krone Italiens" verliehen. * In einem Konzert der Associazione delle donne ebree d'Italia in Mailand sang die Sopranistin Anna Valle-Levy u. a. zwei jüdische Lieder von Hans B a e r mit grossem Erfolg. Neue Schallplatten Alexander Kipnis singt in einer Serie der Brahms Song Society eine Anzahl der schönsten Brahms-Lieder, darunter die „Vier ernsten Gesänge"*