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Central-Verein-Zeitung · 1937-04-01 · 13 (1.4.1937) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
13 (1.4.1937)
Date
1937-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Der Oberste tegislativrat in Rumänien für verfassungsmässige Gleichberechtigung Der Conciliul legislativ, die höchste juristische Behörde Rumäniens, deren Aufgabe es ist, Gesetzesentwürfe vor der Beschlussfassung durch das Parlament auf ihre Verfassungsmässigkeit hin zu prüfen, hat eine Entscheidung gefällt, die im Hinblick auf das von. 4er Regierung projektierte „Gesetz zur Ermutigung der rumänischen Arbeit" von besonderer Bedeutung ist. : Die Entscheidung des Legislativrats dürfte, wenn man ihre wesentliche Grundgedanken auf diesen Gesetzesentwurf zur Anwendung bringt, die Vorlage desselben an das Parlament verhindern, da es feststellt, dass Gesetze, die ein* unterschiedliche" Behandlung von Staatsbürgern auf Grund ihrer Abstammung vorsehen, verfassungswidrig sind. Wie erinnerlich, ist in. dem Gesetzesentwurf, zu dem Arbeitsschutzgesetz vorgesehen, dass die Angestelltenschaft aller rumänischen Wirtschaftsbetriebe in Zukunft nach einer rassisch gegliederten Prozentnorm zusammengesetzt sein soll. Der Gesetzesvorschlag, zu dem sich der Legislativrat bei der vorliegenden Entscheidung zu äussern hatte, betraf die Enteignung des Landbesitzes von Personen nichtrumänischetnischer Abstammung in einem einhundert Kilometer breiten Streifen an der rumänischungarischen Grenze zugunsten des Staates. Der Gesetzentwurf war vor einiger Zeit von einigen antisemitischen Abgeordneten eingebracht worden, die solche Grundbesitzer im Grenzgebiet, die den nationalen Minderheiten angehören, durch reinblütige Rumänen ersetzt wissen wollten. Der Legislativrat hat nunmehr erklärt, dass dieser Gesetzesvorschlag mit der Verfassung und den internationalen Verpflichtungen Rumäniens nicht vereinbar sei. da diese bestimmten, dass zwischen rumänischen Staatsbürgern hinsichtlich ihrer Rechtsstellung keine Unterschiede mit Rücksicht auf ihre rassische, bekenntnismässige oder sprachliche Zugehörigkeit gemacht werden dürfen. Polnische Gremien beraten über die Judenfrage Vor verschiedenen Verwaltungsgremien ist im Verlauf der letzten Woche die polnische 'Judenfrage zur Sprache gekommen. Die Ergebnisse der Diskussionen und Abstimmungen haben einander zum Teil widersprochen. So hat die Warschauer Ortsgruppe des Allgemeinen Polnischen Lehrerverbandes, einer für das geistige Leben des Staates besonders bedeutsamen Organisation, in einer stark besuchten ausserordentlichen Generalversammlung mit überwältigender Mehrheit einen Antrag auf Einführung des Arierparagraphen abgelehnt. Nur vier Stimmen wurden für den Antrag abgegeben. Der Vorsitzende des Verbandes, der übrigens den Beitritt zu dem Regierungslager des Obersten Adam Koc mit Rücksicht auf den unpolitischen Charakter des und Arbeitsbedingungen, einen Teil des jüdischen Wanderungsstromes nach ausserpalästinensischen Ländern zu lenken. Die Erklärung, dass die Ueberseeländer hierbei als wichtiges Korrelat zur Palästina-Einwanderung betrachtet werden müssen, war kein „Zugeständnis" an die durch die gegenwärtige politische Lage in Palästina geschaffene Situation, sondern die logische Schlussfolgerung der Tatsache, dass Palästina, auf das die Hoffnungen auch der entwurzelten jüdischen Massen in Osteuropa gerichtet sind, selbst bei voller Entwicklung seiner Aufnahmekapazität nicht in der Lage ist, sämtliche jüdische Auswanderungskandidaten aus Deutschland aufzunehmen, nicht zumindest auch der Erkenntnis, dass viele jüdische Auswanderer sich infolge ihrer geistigen Haltung nicht für Palästina eignen und schon aus diesem Grunde nach anderen Ländern dirigiert werden müssen. Alierdings hielt ich es für richtig, darauf hinzuweisen, wie notwendig es sei, manche Fehler der vorhergegangenen Wanderungsperiode nicht zu wiederholen, den Zuzug nach Ländern zu vermeiden, die im Endeffekt nicht Einwanderungs-, sondern Durchwanderungsländer sind, eine Auswanderungspolitik zu betreiben, die nicht nur die positive Erledigung der Einreiseformalitäten, sondern vor allem die wirtschaftliche und soziale Eingliederung im Einwanderungsiande zur Aufgabe hat. Aus diesem Grunde glaubte ich vor manchen geographischen Entdeckungsfahrten warnen zu müssen, schienen mir nicht nur die „eingefahrenen Gleise Palästinas", sondern auch die Vereinigten Staaten von Nordamerika aufnahmefähiger zu sein als manche südamerikanischen Länder, die den Zuzug weiterer jüdischer Einwanderer in zunehmendem Masse sperren. In diesem Zusammenhang noch eine Bemerkung zum „P a r a n a - P r o j e k t", das ich nach der Meinung Ihres Berichterstatters in seiner Bedeutung unterschätzt habe. Man soll meines Erachtens weder das Ergebnis des Berichts der Studienkommission, die jetzt aus Brasilien zurückgekehrt ist, noch meine Aeusserung daryeTHändeg abgelehnt fiaf, erklärte, die" XmiaEme eines auf Ausschluss der Juden gerichteten Antrages würde den guten Ruf der polnischen Lehrerschaft schädigen. Eine gleichfalls für die Juden günstige Entscheidung ist im Stadtrat von Lodz gefallen. Dort wurde ein Antrag der nationaldemokratischen Fraktion abgelehnt, wonach die jüdischen städtischen Beamten entlassen und jüdische Lieferanten bei der Vergebung städtischer Aufträge nicht mehr berücksichtigt werden sollten. Die Stadtverwaltung erklärte, hierfür liege kein sachlicher Grund vor und derartige Massnahmen verstiessen gegen die polnische Verfassung. Die jüdischen Beamten kämen ihrer Pflicht ordnungsgemäss nach, und die städtischen Lieferungen würden ohne Rücksicht auf Glauben oder Volkszugehörigkeit auf Grund des Ergebnisses öffentlicher Ausschreibungen vorgenommen. Hingegen hat der Lemberger Stadtrat einen im jüdischen Sinne ungünstigen Beschluss gefasst. Er hat nämlich bei Beratung des neuen Haushaltsvoranschlages alle Beihilfen gestrichen, die bisher jüdischen Einrichtungen gewährt worden sind. * In Wilna ist in dem Hause, in dem. die Nationaldemokratische Partei ihren Sitz hat, während einer dort abgehaltenen Versammlung eine Bombe vorzeitig explodiert, die vermutlich für einen der in Wilna häufigen Terroristenanschläge bestimmt war. Mehrere Personen wurden verletzt. Trotz der Verschleierungsversuche der Nationaldemokraten ist der Vorfall zur Kenntnis der Polizeibehörden gekommen. K. J. R. Pessach Baron Robert de Rothschild, der Chef des französischen Hauses Rothschild, hat am 26. März, vor Beginn des Sederabends, über den Sender Paris eine Ansprache an die Juden Amerikas gerichtet, die in den Vereinigten Staaten im Rahmen der Sederabendsendung des Joint Distribution Committee verbreitet wurde. In dieser Ansprache gab er als Vorsitzender des jüdischen Hilfskomitees der tiefen Dankbarkeit Ausdruck, die die Juden auf dieser Seite des Atlantik insgesamt für die unschätzbare Hilfe empfinden, die ihnen vom American Joint Distribution Committee m den schweren und traurigen Verhältnissen der letzten Jahre gewährt wurde. Er sei nicht nur als Jude stolz darauf, allen amerikanischen Freunden, die dazu beigetragen haben, zu helfen, danken zu können, sondern auch als Bürger Frankreichs, das» in der Weltgeschichte das erste Land war, das allen Bürgern und damit auch den Juden. gleiche Rechte gewährte, und das auch seit 1933 25 000 jüdischen Auswanderern die Tore weit-geöffnet, habe. Aber der Kampf gegen die Not Europas sei keineswegs zu Ende und es sei nötig, die Arbeit für die Bedürftigen fortzusetzen. „So entbiete. ich denn in dieser festlichen Pessachzeit". so schloss Baron de Rothschild, „allen meinen Hörern jenseits .'des Ozeans, welchen Glaubens immer . sie sein mögen, allen denjenigen, die die "Arbeit des Joint Distribution Committee fördern und leiten, im eigenen Namen und im Namen der Juden von Paris eine allerherzlichste Botschaft des Grosses und des Dankes. Lasset mich mit den Worten schliessen, mit denen mein Väter uns am Morgen von Festtagen zu grüssen pflegte: Simcha über übertreiben. Ich wies darauf hin, dass das Ergebnis des Berichts als „nicht sehr günstig" bezeichnet werden könne. Wenn man die Erwartungen in Betracht zieht, die mit der Reise dieser Kommission verbunden worden sind, so wird das zurückhaltende Urteil durch den Kommissionsbericht vollauf bestätigt. Man sprach von Massensiedlung, von der Ansiedlung einiger tausend Familien im Urwaldgebiet des Staates Parana, von einem neuen „Territorium", das durch jüdische Siedlung erschlossen werden sollte. Statt solcher Möglichkeiten ergibt sich aus dem Kommissionsbericht, dass das Paranagebiet für eine Ansiedlung von Juden aus Deutschland überhaupt nicht in erster Linie in Betracht gezogen werden kann, ja, dass aus gesundheitlichen und psychologischen Gründen erhebliche Zweifel an der Eignung des Urwaldes von Parana zur Kolonisation von Juden aus Deutschland ohne einheimische Fremdarbeit bestehen. Infolgedessen kommt die Kommission zu 'dem Vorschlag, eine Siedlung auf dem ICA-Gelände in Quatro Irmaos (Rio Grande do Sul) zu versuchen. Wenn Ihr Berichterstatter zwar die Bedeutung der Palästinawanderung anerkennt, aber auf die akuten Schwierigkeiten der Einwanderung in Palästina hinweist, so sollte man auch unter diesem Gesichtspunkt das Augenmass für die Grössenordnungen nicht verlieren. Denn das brasilianische Siedlungsprojekt ist nach dem Kommissionsbericht eine Möglichkeit für vielleicht 100 bis 200 Familien, — wobei im Interesse dieser Familien die Ueberwindung der noch entgegenstehenden Schwierigkeiten zu erhoffen ist, — aber keinesfalls eine Möglichkeit, die mit Palästina-Kolonisation auch nur in weitem Abstand legitim verglichen werden könnte. Unser...nn-Mitarbeiter antwortet: Was den Nichtzionisten an dieser Erklärung Traubs erneut befriedigt, ist die auch von prominenter zionistischer Seite erworbene und ausgesprochene Einsicht von der Ausweitung " we-eöncEa föw^möge "dieser Tag ein glücklicher ßein , v V! * Die Jüdische Gemeinde in Tripolis hat von der Regierung einen Betrag von 10 000 Lire für ihre Armen erhalten. Dieser Betrag ist zum Einkauf von Mehl und Reis als Pessachhiif e verwendet worden. Es wurden ungefähr 1500 Familien bedacht. # Die griechische Regierung hat der Jüdischen Gemeinde in Saloniki einen Betrag von 100 000 Drachmen als Pessachhiife für jüdische Arme überwiesen. Dieser Betrag wurde zusammen mit den 75 000 Drachmen, die für den gleichen Zweck in der vergangenen Woche von dem Salonikier Stadtrat bewilligt worden sind, am Vorabend des Passachfestes zur .Verteilung gebracht. * Das Kriegsministerium in Bulgarien hat verfügt, dass den jüdischen Angehörigen der Armee für alle jüdischen Feiertage Urlaub gewährt werde. Ebenso hat das Unterrichtsministerium die jüdischen Schüler für die Feiertage vom Unterricht befreit. Auf Anordnung des Justizministeriums sind alle jetzt fälligen Prozesse, an denen Juden beteiligt sind, auf die Zeit nach den Pessachfeiertagen verschoben worden. * Das Innere der reich ausgestatteten West End Synagoge in New-York der Synagogengemeinde Schaare Tefilla ist nach dem Morgengottesdienst des zweiten Pessachtages durch Feuer vollständig vernichtet worden. Die Toralade und zwölf Torarollen sind verbrannt. Der Schaden wird auf 200 000 Dollars geschätzt. 25 Detektive sind mit der Untersuchung der Brandursache beschäftigt. Religiöser Jugendtag am 4. April 37 Im Rahmen des von der Weltvereinigung für .das religiös-liberale Judentum alljährlich veranstalteten religiösen Jugendtages findet in Berlin eine religiöse Jugendfeier statt, die von der Jüdischen Gemeinde zusammen mit der Vereinigung für das religiös-liberale Judentum in der Synagoge Prinzregentenstrasse, vormittags 11 Uhr 30 Min., unter dem Motto: „Judemtum als Glaubenshaltung" veranstaltet wird. Rabbiner Dr. van der Zyl wird über dieses Thema sprechen; der Vortrag wird von Gesängen des Synagogenchors und Orgelspiel umrahmt sein. Ein gemeinschaftlicher Gesang „adaun aulom" soll dem Bekenntnis der religiösliberalen Jugend Ausdruck verleihen. Die Veranstaltung soll Zeugnis ablegen von dem Einheitswillen der religiös-liberalen jüdischen Ju- Wonn und wo finden Sie Rat? Eiimksrheixt Köln Agrippinahaus, Breite Str. 92 bis 96, III. Zimmer 76—78, Montag—Freitag, 10—13 Uhr. Aachen Gemeindehaus, lf!U—13 Uhr, am 13. und 27. April." Bonn Gemeindehaus. Tempelstrasse. 17J^—19% Uhr,, am 5. und 19. April. Koblenz Hotel Continental. 16—18 Uhr. am 6. und 20. April. Kreuznach Gemeindehaus, Adolf-Hitler- Platz 11. 10—ühr, am 14. und 28. April. Trier Im Büro von Rechtsanwalt Dr. Voremberg. Adolf-Hiüer-Str. 9. ü 1^—13 Uhr, am 7 und 21. April. d.er Aus Wanderungspolitik über die bisher mehr vom ideologischen als vom realpolitischen Standpunkt geforderten (Palästina-) Grenzen hinaus. Hierin liegt unbedingt das Positive und Begrüssenswerte, ja sogar das objektiv Politisch-Bedeutungsvolle der Traubschen Ausführungen. Nichts soll hieran verkleinert werden! Wogegen wir uns wenden zu müssen glaubten, war nur die Verklausulierung dieser Erkenntnis durch den Referenten, die leicht als Bagatellisierung empfunden werden konnte. Gerade die Frage des richtigen Augenm a s s e s , die Traub zum Gegenstand seiner Beanstandungen wählt, schien eine kritische Behandlung sowohl der Analyse wie des Programms zu erfordern, die Traub entwickelten. Die Zahl ist zwar eine exakte Grösse. Aber die ihr immanente Logik verbürgt deshalb noch nicht die Unfehlbarkeit ihrer Verwendung. Es kommt wieder einmal nicht nur darauf an, was für Zahlen man heranzieht, sondern wie man sie kombiniert. Das Entscheidende an den Traubschen Gedankengängen — und wir meinen bei unserer Auseinandersetzung heute selbstverständlich nicht ihn persönlich, ebensowenig wie in unserm ersten Berichte, sondern den für eine bestimmte Anschauung repräsentativen jüdischen Politiker — läuft darauf hinaus, dass das Resultat aller End- und Quersummen immer wieder „Berufsnormalisierung" ergeben muss. M u s s — und eben das wurde als „doktrinär" angemerkt. Die Frage der jeweiligen sozialen, kulturellen und Alters-Stfuktur ist bei Traub der Angelpunkt des Wanderungsproblems. Weil die Juden in Deutschland vor 1933 eine anormale soziale und altersmässige Struktur aufwiesen (was von uns nicht bestrittea wurde), deshalb mussten sie auswandern. Diese Folgerung ist unzulässig. Warum „mussten"? Sie ist aber auch unrichtig. Die Juden wanderten in diesen Jahren der Anomalie gar nicht in einem numerisch bedeutungsvollen Masse aus. Beweis: Von 1925 bis Juni 1933 verminderten sie sich um 64 697 Seelen. Davon entfallen nach Traubs eigenen Angaben auf den Sterbeüberschuss allein über 40 000. Von den Testlichen KALENDER April 1937 Nissan 5697 2. Freitag 21. 7. Tag Pessach 3. Sonnabend 22. 8. Tag Pessach. Schir haschirim (Das hohe Lied) 7. Mittwoch 26. Tekufath Nissan 10. Sonnabend 29. Wochenabschnitt: Schemini ' 3. B. M. 9-n Haftara: 1. Sam. 30,18-42 Neumondsweihe Pirke Awoth I 11. Sonntag 30. 1. Tag Rosch Chodesch Ijar 5697 12. Montag 1. 2. Tag Rosch Chodesch 17. Sonnabend 6. Wochenahschnitt:Tasria, Mezora 3. B. M., 12-15 Haftara: 2. Kön. 7, 3-20 Pirke Awoth II 24. Sonnabend 13. Wochenabschnitt: Achare, Kedoschim 3. B. M., 16-20 Haftara: Arnos 9, 7-15 Pirke Awoth III 29. Donnerstag 18. Lag be'omer gend, Judentum als Glaubenshaltung zu leben und im Leben immer wieder aufs neue zu verwirklichen, und dies gilt vor allem auch für diejenigen, die in kürzerer oder späterer Zeit mit der Auswanderung einen neuen Lebenskreis suchen werden. Aus den Familien -Max Meyerheim (Köthen-Anhalt) wird am 7. April 75 Jahre. — Dagobert Segall (Berlin W-50) feiert am 7. April seinen 70. Geburtstag. Leo Grünebaum, Köln (früher in Mainz), ist 30 Jahre als Lehrer im Amt. 20 Jahre verbrachte der Jubilar im Dienste der hess. staatl. Simultanschule in Gonsenheim bei Mainz und in Mainz selbst. Seit 10 Jahren ist er im preuss. öffentl. Schuldienst, in den letzten Jahren an der Städt. israel. Schule in Köln tätig. Wer kennt Saul Tannenbaum? Saul Tannenbaum aus Düsseldorf wird von Verwandten aus Amerika gesucht. Nach Feststellungen des Hilfsvercins der Juden in Deutschland hat ein Saul Tannenbaum, geb. 30. 11. 18S9, zuletzt in Düsseldorf. Bleichstr. 10, gewohnt und ist mit dem Vermerk „unbekannt verzogen" abgemeldet. Ausserdem lebt« ein Josef Tannenbaum, geb. 1. 11. 1899 in Düsseldorf, zuletzt Karlstr. 125, der gleichfalls „unbekannt verzogen" ist. Wer über Saul Tannenbaum nähere Auskunft geben kann, wird gebeten, sich direkt an den Hilfsverein der Juden in Deutschland, Berlin W 35, Ludendorffstr. 20, zu wenden. Berliner jüdischeJJinterhilfe Wie die Jüdische Winterhilfe schon jetzt mit Genugtuung mitteilen kann, ist die Betreuung der fast 30 000 Hilfebedürftigen vollkommen durchgeführt worden. Neue Zahlen über die Gesamtbetreuung werden noch veröffentlicht. Dieses Ziel konnte nur in der Erwartung erreicht werden, dass alle ihre Pflicht erfüllen. Soweit dies bis jetzt noch nicht geschehen ist, bittet die Jüdische Winterhilfe dringend, die noch ausstehenden Beträge auf das Postscheckkonto: Berlin 93 446 schnellstens zu überweisen. Sie hofft, dass jeder hilft, das schwierige Werk zu vollenden. 24 697 sind nach halb offiziell er Schätzung allein 15 000 nach dem 1. Februar 1933 ausgewandert. 2273 Personen von den übrigen 9697 sind von 1925. bis 1933 nach Palästina gegangen. Die Palästinawanderung von 1925 bis 1933 kann aber vom sozialpolitischen Gesichtspunkt gewiss nicht neben die spätere Auswanderung gestellt werden. Es bleibt also eine Zahl von 7424 Auswanderern in acht Jahren. Ein mageres Ergebnis, wenn man bedenkt, dass von der normal strukturierten allgemeinen Bevölkerung Deutschlands in der gleichen Zeit allein nach Uebersee 306 872 Personen ausgewandert sind. Gegen die Klassifizierung der Wanderungsziele Palästina, Uebersee, Süd- und Westeuropa, Osteuropa soll nichts eingewandt werden. Wenn aber auf Grund sozialpolitischer Analyse ein Gesamtauswanderungsb edürfni s nachgewiesen wird, so hätten nicht nur die E i n Wanderungsziffern gegeben werden müssen, sondern auch wie stark die Länder prozentual diesem Auswanderungsbedürfnis entsprochen haben. (Im übrigen dürfte die Ueberseeziffer zu niedrig gegriffen sein, da ja gerade aus den Durchgangsländern Europas ein grosser Prozentsatz Juden nach Uebersee weitergewandert sind.) Schliesslich Parana. Auf welche Stimmen Traub sich beruft, wenn er von einer geplanten Massensiedlung spricht, ist uns nicht bekannt. Auf die der Reichsvertretung gewiss nicht, und gewiss nicht auf den Auftrag, den die Kommission nach Brasilien mitgenommen hatte. In den für das Projekt verantwortlichen Kreisen ist derartiges weder gesagt noch gehört worden. Es ist auch nie ein Vergleich mit Palästina gezogen, geschweige denn eine „Konkurrenz" geplant worden. Die Dinge sind überhaupt noch nicht spruchreif. Gerade weil wir mit Traub einig gehen, dass alle Wanderungsfragen mit Takt und Augenmass in Angriff zu nehmen sind, erschienen uns die Anmerkungen unseres Berichtes notwendig, und wir freuen uns, gerade in den obigen Erklärungen das Gefühl der Gesamtverantwortung respektieren und vollinhaltlich teilen zu können,

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