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Central-Verein-Zeitung · 1937-04-01 · 13 (1.4.1937) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
13 (1.4.1937)
Date
1937-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 * 1. Beiblatt CVZeitung 1. April 1937 Kolumbien / Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung Von Dr. BRUNO WEIL 'An Bord der Santa Clara, 19. Februar. Von Kolumbien ist bei der Aufzählung 'der südamerikanischen Länder, in die eine Abwanderung von Juden aus Deutschland erfolgen tonnte, bisher wenig die Rede gewesen. Die Zahl der dorthin eingewanderten Juden ist auch gering. Kolumbien wird auf einen Flächeninhalt von fast 1,2 Millionen Quadratkilometer geschätzt. Da fast überall gewisse Grenzstreitigkeiten bestehen, sind alle diese Grössenangaben nicht ganz zuverlässig. Der Grösse nach steht das Land in Südamerika an vierter Stelle. Brasilien, Argentinien und Bolivien sind grösser. Das Gebiet von Kolumbien ist etwa so gross wie Deutschland, Frankreich, die Schweiz und die Niederlande zusammengenommen. In Europa gibt es nur ein Land, das eine grössere Oberfläche hat, Russland. An seiner längsten Stelle misst Kolumbien 1900. an seiner breitesten 1300 Kilometer. Die Bevölkerungsziffer wird von den amtlichen Stellen mit etwä neun Millionen angegeben. Damit steht das Land an dritter Stelle seines Kontinents. Nur Brasilien mit fast 50 Millionen und Argentinien mit etwa 12% haben eine grössere Einwohnerzahl. Zu dieser ausgedehnten Fläche mit einer für Südamerika respektabel grossen Bevölkerung kommt ein Umstand, der Kolumbien eine einzigartige Stellung gibt. Es ist das einzige Land, das gleichzeitig an den atlantischen und an den pazifischen Ozean stösst. Es hat Häfen sowohl an der Ostwie an der Westküste Südamerikas. Kolumbien hat das dichteste Verkehrsnetz in der Luft, das in der Welt besteht; es hat auch die am besten rentierende Fluglinie. Aber dieses Verkehrsmittel kommt für die Auswanderer überhaupt nicht, und auch in anderen Fällen, schon wegen der Gepäckfrage, nur sehr selten in Betracht. Es ergibt sich hieraus noch ein anderes Problem, auf das die Aufmerksamkeit der Organisationen, die sich mit der .Wanderbewegung beschäftigen, gelenkt werden muss. In Brasilien ist Rio, in Uruguay Montevideo, in Argentinien Buenos Aires, in Peru Lima- Callao gleichzeitig Hauptstadt und Haupthafen. In Chile liegt Valparaiso von der Hauptstadt Santiago drei Eisenbahnstunden entfernt. Der ganze Auswanderungsverkehr kann also, selbst wenn er später nach anderen Städten oder Gegenden gelenkt werden soll, zunächst nach diesen grossen Städten gehen. In Ecuador besteht die zweitätige Eisenbahnverbindung nach Quito. Auch dort keine unüberwindliche Schwierigkeit. Aber in Kolumbien liegen die Dinge anders. Dieses Land ist am meisten von allen südamerikanischen Ländern dezentralisiert. Es hat weder eine Millionensiedlung als Hauptstadt noch ist die Hauptstadt die einzige grosse Siedlung. Bogota wird auf 300 000 Einwohner geschätzt. Daneben gibt es Cartagena mit über 90 000, Baranquilla mit der bereits angegebenen Ziffer, Cali mit 120 000, Medellin mit 125 000 Einwohnern. Ausser diesen noch eine Reihe von nüttelgrossen Städten. Sie alle „Unrecht"? In der C.-V.-Zeitung Nr. 11 vom 18. März hatten wir zu einer Vortragsreihe von Dr. Michael Traub über jüdische Auswanderung aus Deutschland polemisch Stellung genommen. Dr. Traub hat dagegen eine Reihe von Einwendungen zu' erheben, denen wir hier Raum geben. Eine Stellungnahme unseres Berichterstatters schliesst sich an. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung wird allgemein begrüsst werden: Verständigung darüber, dass die jüdische Wanderungspolitik versachlicht und die den verschiedenen Standpunkten gemässen Wertakzente in der Beurteilung von Fragen respektiert werden müssen, bei denen man hinter allen Ziffern und Prozentsätzen Menschen und Schicksale sehen muss. Dr. Traub schreibt: Die Judenheit Deutschlands wurde durch das schicksalhafte Geschehen der letzten Jahre in die gemeinsame Front jüdischen Lebens hineingestellt. Dieses Leben stand (ausserhalb Deutschlands) seit Jahrzehnten im Zeichen eines gewaltigen Wanderungsprozesses, dessen Gesetzmässigkeit viele Juden in Deutschland nur langsam und zögernd erkannten. Mitfühlend nahmen sie Anteil an den Problemen, die grosse Teile der Weltjudenheit bewegten, verspürten sie aber nicht im eigenen Lebensraum. Erst als sie selber zum Wanderstabe griffen, offenbarte, sieb, ihnen jüdische Schicksalsgemeinschaft, mithin auch jenes Gesetz, unter dem ihr eigenes Leben nunmehr stand. Meinem Vortrage über die jüdische Auswanderung aus Deutschland, schickte ich daher eine Schilderung eines halben Jahrhunderts jüdischer Wanderbewegungen voraus, jener gewaltigen jüdischen Auswanderung aus Osteuropa, deren Kenntnis notwendig ist, um Distanz zum eigenen Leben zu gewinnen. Zur jüdischen Auswanderung aus Deutschland übergehend, betonte ich, dass es-auch hier, ebenso wie in Osteuropa, notwendig sei. die Entwicklung in ihren •geschichtlichen Zusammenliängeü bilden Mittelpunkte für irgendeine, sei es industrielle, sei es mehr noch landwirtschaftliche oder einer Spezialproduktion dienende Gegend. In beinahe allen bestehen bereits jüdische Siedlungen oder sie kommen für solche in Frage. Man stelle sich aber vor, was an unnütz vergeudeter Energie, an unnötig entstandenen Kosten verursacht wird, wenn, wie dies bisher die Regel gewesen ist, eine Auswandererfamilie nach Bogota dirigiert wird, wo sie nach zweiwöchentlicher Reise vom Hafen aus ankommt, um dann zu erfahren, dass es eine Unterbringungsmöglichkeit für sie in einer Stadt gibt, die viel näher an Baranquilla gelegen ist. Die zweite wichtige Verbindung, die für den Ankommenden besteht, läuft über den Hafen am pazifischen Ozean, über die Buenaventura. Um von Europa dorthin zu kommen, muss man die Reise von Baranquilla durch den Panamakanal fortsetzen, was, zumal im Falle des Schiffswechsels, mit nicht unbeträchtlichen Aufwendungen verbunden ist. Immerhin sind ein paar Tage Schiffsreise der anderen Verbindung mit Bogota vorzuziehen. Von Buenaventura kann man nämlich in zwei Tagen, in der Regel allerdings in drei Tagen nach Bogota kommen. Direkte Flugzeugverbindung vom Hafen zur Hauptstadt besteht nicht. Der Weg führt vielmehr in allen Fällen zunächst in sechsstündiger Eisenbahnfahrt, die erforderlich ist, um 200 Kilometer zurückzulegen, von Buenaventura nach Cali. In Buenaventura herrscht das schwarze Element völlig vor. Es ist aber nicht ein verwaschenes Schwarz oder kakaofarben oder eine Nuance, bei denen das Weiss irgendwelcher Vorfahren mehr oder minder deutlich durchschimmert. Es ist ein tiefdunkles, einheitliches Schwarz, das leuchtet wie Ebenholz. Vom ersten Augenblick an, da man in Buenaventura an Land geht, hat man den Eindruck, der uns während unseres ganzen Aufenthalts nicht mehr verlassen hat, dass in diesem Lande in grossem Umfange öffentliche Arbeiten durchgeführt werden, dass überhaupt eine starke Vitalität, und der Wunsch vorwärtszukommen, vorhanden sind. Ich habe es hier zum ersten Male gesehen, dass auf jeder Station ein sauberes Schild mit Namen, Höhenlage und der Entfernung nach beiden Richtungen vorhanden ist. In etwa 600 Meter Höhe fängt das Bild an, sich ziemlich plötzlich zu ändern. Die üppigste Vegetation mit dem herrlichsten kolumbanischen Urwald ist vorbei. Die Felswände werden steil. Der Kaktus beginnt das Feld zu beanspruchen. Die Kordiliere, die vor uns liegt, hat den Charakter angenommen, den wir aus Chile, Peru, Bolivien und Ekuador kennen. Mit der Landschaft hat sich auch die Bevölkerung geändert. Die N eger, in Südamerika ausgesprochene Küstenbewohner, sind verschwunden. Man sieht sie noch einzeln an der Arbeit, aber das Familienleben ist in der Ebene geblieben. Die Hitze, die in Buenaventura zu erkennen. Bereits vor 1933 unterschied sich die jüdische Bevölkerung sowohl ihrer sozialen Gliederung, wie ihrem Altersaufbau nach sehr wesentlich von der der Gesamtbevölkerung Deutschlands. Unter Zugrundelegung der Volkszählungen von 1925 und von-1933 stellte ich fest: dass über 60 Prozent der jüdischen Erwerbstätigen im Handel und Verkehr und nur 23 Prozent in Industrie und Handwerk konzentriert waren: dass schon 1933 der Prozentsatz der im Handel tätigen Juden in Deutschland 2 bis 3mal grösser, der in. der Industrie und im Handwerk tätigen 2 bis 2J^mal kleiner als bei den in den Städten lebenden Nicht-Juden war; dass der Ueberalterungsprozess der jüdischen Bevölkerung Deutschlands sich schon vor 1933 von Jahr zu Jahr verstärkte (während die Altersgruppe unter 20 Jahren von 1925 bis 1933 von 26 Prozent auf 21 Prozent zurückging, stieg die über 45 Jahren von 33 Prozent auf 40 Prozent), und zu einem jährlichen Sterbeüberschuss von etwa 4000 Seelen führte; dass das Geschehen der letzten Jahre den Rückgang der Judenheit Deutschlands in zunehinendem Masse beschleunigte, nicht aber erst hervorgerufen hai; dass die jüdische Bevölkerung Deutschlands sich bereits vor 1933 im Zuge eines Prozesses befunden hatte, der in seinem weiteren Verlaufe ihren numerischen Niedergang zur Folge haben musste; dass die in der Anomalie unserer sozialen Struktur liegende Problematik unseres Wirtschaftslebens von vielen Juden in Deutschland vor 1933 verkannt wurde. Die Feststellung, dass diese Beweisführung eine ,,parteizionistische Doktrin'' bestätigt, mag polemisch wirksam sein, genügt aber nicht, um ,sie zu widerlegen. Im weiteren Verlaufe meines Vortrages wies ich darauf hin, dass von den 110 000 Juden, die vom 1. Februar 1933 bis zum 31. Dezember 1936 Deutschland verlassen haben, 3SOO0 nach Palästina, 29000 nach Uebersee und . 23 000 nach verschiedenen europäischen Ländern eingewandert sind, während 20 000 Juden, die aus Osteuropa stammten, nach ihren früheren Herkunftsländern zurückgewandert ' sind. Die' Schlussfbigerung unheimlich drückend ist, ist vorbei. In kühnen Spiralen arbeitet sich unser Bähnchen keuchend, aber sicher empor. An den Stationen findet ein grosses Angebot von essbaren Dingen, vor allein Früchten der verschiedensten Arten, statt. Eine ganz herrliche Ananas 10 Centavos, etwa 15 Pfennige. Auch auf 1300 Meter ist alles noch kräftig und grün, und ein starker Baumbestand lässt sich mit den Lehren, die wir über die Auswirkungen der Höhe in der Schule empfangen haben, nicht ganz in Einklang bringen. Aber es ist kein Zweifel erlaubt; die Bäume sind da, auf 1500 Meter stehen riesige Bambusbäume,, die Bananen klettern unentwegt mit uns in die Höhe und auch die Kaffeestauden halten wacker mit. Nur der Kakao, der ein besonders empfindlicher Herr ist, hat das Rennen aufgegeben und kommt in solchen Höhen nicht mehr mit. An den Kaffeebäumen hängen rote und weisse Blüten. Orangenbäume voller leuchtender Früchte. Blumen blühen in allen Farben, sie werden in helle Sträusse gebunden, an den Haltestellen für ein paar Centavos angeboten. Ueber Cali, eine sehr industrialisierte Stadt in 1040 Meter Höhe, über das gewerbliche Medellin, bei dessen Gründung im sechzehnten Jahrhundert Juden hervorragende Dienste geleistet haben, geht es in 4000 Meter Höhe über die Kordilleren. Am zweiten Tag kommen wir bis Apolo. Am dritten Tage der Reise kommen wir um 12 Uhr mittags in Bogota an. Bogota, die Hauptstadt, in der wir nun angekommen sind, hat wie überall den grössten Teil der an sich nicht-grossen Einwanderung aufgenommen. Die Stadt liegt 2640 Meter hoch, also auch noch in einer Höhe, die nicht für jedermann leicht erträglich ist. Und in der Tat nach einer gewissen Zeit steigt jedermann, der irgendwie in der Lage ist, das zu tun, von Bogota in etwas wärmere Gegenden hinab, nach Apulio oder in andere Orte, die zum Teil in dreistündiger Autobusfahrt zu erreichen sind, und die also schöne Gelegenheit zu Wochenendausflügen geben, deren Hauptzweck es ist, die nötige Sauerstoffzufuhr für den Körper zu ho'en. Bogota liegt auf einer der fruchtbaren Hochebenen, die zwischen den drei Strängen, in denen die Kordilleren in Kolumbien sich teilen, zu finden sind, in durchschnittlicher Höhe zwischen 2500 und 3000 Metern. Die Stadt ist überaus lebhaft, bewegt; in ihren engen Strassen, die wie in allen anderen von den Spaniern gegründeten Städten angelegt sind, herrscht ein grosses Gewühl und Gedränge. (Fortsetzung jolgt) Völkerbundskonferenz über Auswandererfragen? Der Generalsekretär des Völkerbundes, A v e n o 1, hat den Mitgliedsstaaten des Völkerbundes einen Vorschlag zugeleitet, nach dem eine Konferenz über Fragen der Rechtsstellung und des Arbeitsrechtes aus Deutschland Ausgewanderter stattfinden soll. Der Generalsekretär hat die einzelnen Regierungen aufgefordert, bis zum 1. Juli zu dem Entwurf ihre Bemerkungen zu machen. Ein Vorbereitungskomitee soll dann die Tagesordnung der Konfe- Ihres Berichterstatters, dass — obwohl Palästina nur den dritten Teil der jüdischen Gesamtauswanderung aus Deutschland aufgenommen hat — ich in einer etwas willkürlichen Zahlenkombination die ausserpalästinensische Welt in Uebersee, Süd- und Westeuropa und alte Heimatstaaten eingeteilt habe, um die grössere Aufnahmekapazität Palästinas zu beweisen, trifft nicht zu. Diese üblich gewordene Klassifizierung ist keine böswillige parteipolitische Erfindung, sondern die praktische Folge einer jahrelangen Erfahrungstatsache, dass die Einordnungsmöglichkeiten der Auswanderer in verschiedenen Einwanderungsländern verschieden sind, jadass die Einwanderung sich in Wirklichkeit erst dann vollzieht, wenn die normale Eingliederung in das Immigrationsland gelingt. Ausschlaggebend für die Einteilung der Einwanderungsländer in Palästina. Uebersee und Europa war nicht der numerische Umfang der Einwanderung, sondern vielmehr die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Aussichten des jüdischen Immigranten im betreffenden Lande. In folgerichtiger Erkenntnis dieses Grundproblems jüdischer Wanderungspolitik stellte ich daher bereits in meinem ersten Vortrage fest, dass das wirtschaftspolitische und national-kulturelle Primat der Palästinawanderung auch dann bestehen bleiben dürfte, wenn die Einwanderung nach diesem Lande die nach anderen Ländern nicht übertroffen hätte. Sehr skeptisch beurteilt Ihr Berichterstatter den von mir bereits in meiner Broschüre „Die jüdische Auswanderung aus Deutschland" skizzierten Fünf jahresplan, besonders aber die Annahme, dass im Durchschnitt der nächsten fünf Jahre 10 000 Juden jährlich nach Palästina einwandern werden. Zur Bewahrheitimg dieses Planes müsse sich die Wanderungssituation in bezug auf Palästina um ein Vielfaches verbessern, und es erscheine rätselhaft, woher ich „den Mut zu dieser Hoffnung" nehme. Obwohl gerade das Unruhejahr 1936 mit seinen über 9000 jüdischen Einwanderern aus Deutschland ein absolut und relativ gutes Immigrationsjahr war, gibt es sicherlich keine Gewähr dafür, dass nicht manches kommende' Immigra- .|u-> ttaxkß(fici ALLIGATOR^ - d « t sind gut« Leder w a r* n UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE. Berlin, TÄientziensträfee 16 Essen, Am HauptbahnhoflO Hamburg, Jtragfernsüeg 43 Bochum. Kortumstrafse 67 Köln a.Rfa., Hohestrafce 115 Frankfurt a.M., Roimarkt 15 Essen, Limbedsstra&e 10 Zentrale, Off enbach a. M Wuppertal-Elberfeld, Herzogstrafie 36 renz ausarbeiten. Der Zeitpunkt der Konferenzeröffnung wird sich nach dem Inhalt der Antworten bestimmen, die die Mitgliedsstaaten dem Völkerbundssekretariat zugehen lassen. Budget des Council f or German Jewry In London fand in der vergangenen Woche eine Reihe von Besprechungen statt, in denen der Council seine Beratungen über die von ihm zu leistende Hilfe für die Juden in Deutschland fortsetzte. Den Vorsitz führte Sir Hubert Samuel. Neben den Vertretern der dem Council angeschlossenen englisch-jüdischen Organisationen nahmen an den Besprechungen auch amerikanisch-jüdische Delegierte teil und zwar Felix M. Warburg, der Vorsitzende der amerikanischen Sektion des Council, Dr. Bernhard Kahn, David J. Schweitzer und Nathan Katz vom American Jewish Joint Distribution Comittee, ferner Dr. Maurice J. Karpf, Exekutivdirektor des Verbandes zur Förderung der jüdischen philantrophischen Vereinigungen von New-York, Dr. S. Löwenstein und George Backer. Der Council hat im Laufe seiner Besprechungen für das nächste Jahr ein Budgetvon 500 000 Pfund angenommen. Zur Deckung werden Mittel verwandt, die der Council im Britischen Reich aufgebracht hat, ferner Zuwendungen des Joint in Höhe von 220 000 Pfund und des United Palestine Appeal in Höhe von 40 000 Pfund, endlich Mittel, die auf dem europäischen Kontinent für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina gesammelt wurden. Auf der Ausgabenseite ist ein Betrag von 171 000 Pfund für die Arbeit der mit der Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina befassten Kommission vorgesehen; hierin sind die Kosten für die Auswanderung nach Palästina einbegriffen. 150 000 Pfund sind für die Hilfeleistung an aus Deutschland stammende Juden in Gross-Britannien, den Vereinigten Staaten und verschiedenen europäischen Ländern bestimmt. 137 000 Pfund sind für die Arbeit der in Deutschland tätigen Organisationen für Berufsumschichtung und Ausbildung von Auswanderungsanwärtern vorgesehen. Für die Arbeit der Hicem auf dem Gebiete der Auswanderung nach Uebersee wurden 40 000 Pfund bewilligt. tionsjahr hinter dieser Zahl zurückbleiben wird. Wird es dann in. relativ günstigen Jahren gelingen, den Ausfall der mageren Jahre auszugleichen? Vieles wird von der kommenden politischen Gestaltung abhängen, vieles aber auch von unserer eigenen Leistung, die im politischen Kräftespiel Palästinas nicht unterschätzt werden darf. Letzten Endes liegt jeder Planung der Wille zugrunde, das Leben zu normalisieren, es in geordnete und bessere Bahnen zu lenken. Den „Mut zur Hoffnung", dass diese Planung gelingen kann, nehme ich aus der Erfahrungstatsache, dass die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit Palästinas (im Gegensatze zu der anderer Länder) mit zunehmender jüdischer Einwanderung während der letzten Jahre gestiegen ist, dass die 38 000 jüdischen Einwanderer aus Deutschland, die sich in Palästina bereits niedergelassen haben, die Einordnung weiterer Einwanderer aus Deutschland erleichtern werden, dass das nach Palästina transferierte jüdische Kapital dort für jüdische Arbeiterimmigration nutzbar gemacht werden kann, letzten Endes auch in der politischen Einsicht, dass es richtig und zweckmässig ist, jüdische Einwanderer dorthin zu lenken, wo die Möglichkeit der Normalisierung ihrer sozialen Struktur und der Entwicklung ihres kulturellen Eigenlebens ihre dauernde Eingliederung gewährleistet. Die Hoffnung, diesen Auswanderungsplan zu realisieren, enthebt uns aber nicht der Sorge, auch andere Imigrationsländer für jüdische Auswanderer aus Deutschland zu erschliessen. Mit allem Nachdruck betonte ich daher die Aufgabe konstruktiver jüdischer Auswanderungspolitik, nach sorgfältiger Prüfung der entsprechenden Niederlassungsmöglichkeiten Mitgliedsbeiträge für den Jüdischen Central- Verein Landesverband Gross-Berlin auf Postscheckkonto Berlin: 115501

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