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Central-Verein-Zeitung · 1937-03-25 · 12 (25.3.1937) · page 24

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
12 (25.3.1937)
Date
1937-03-25
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Schulen jubilieren Berlin, Kaiserstrasse [" Än drei Abenden, die der Musik, der jüdischen Arbeit und der körperlichen Ertüchtigung galten, beging die Knabenvolksschule der Jüdischen Gemeinde in der Aula ihres Schulgebäudes in der Kaiserstrasse die Feiei ihres zehnjährigen Bestehens. Der Auftakt, ein Musikabend, führte die Eltern und die Ehrengäste aus dem Vorstand der Gemeinde und anderen Organisationen in die kulturelle Arbeit der Schule ein. Der Festgesang aus Glucks „Iphigenie in Aulis" gab der weihevollen Stimmung aller Anwesenden einen schönen Ausdruck. Nach einem Prolog folgte eine» Aufführung, die von Erwin Rosenthal zusammengestellt und geleitet wurde: Das jüdische JahrimLiede. Altvertraute Melodien, unterbrochen von Versen aus der Heiligen Schrift, zogen an den Zuhörern vorüber, die mehr als einmal — wenn auch ein wenig schüchtern — mitzusingen begannen. Als zwei der jüngsten Schüler, die sicher das Lesen und Schreiben noch nicht ganz erlernt haben, Sinn und Bedeutung des Chanukka- und des Purimwunders erklärten, kam zum ersten, aber nicht zum letzten Male die Begeisterung der Eltern zum Durchbruch. In den folgenden Ansprachen brachten als Vertreter der Jüdischen Gemeinde, Dr. Alexander, und der jüdischen Schulen, Dr. H. Stern, und der Abgeordnete der Elternschaft Grüsse und Dank der Schule und ihrem Leiter, Rektor R e s c h k e. Reschke selbst zeichnete den Eltern ein Bild der Schulgeschichte. Er schilderte die Schwierigkeiten, die bis zur Gründung der Schule zu überwinden waren, ihre ersten Anfänge in der Grossen Hamburger Strasse und in der Auguststrasse und schliesslich ihre Arbeit im eigenen Schulgebäude; er legte ein starkes Bekenntnis zu tendenzloser Erziehung in Zucht, Sitte und ^Ordnung zu Gehorsam, Fleiss und Leistung ab. Grosses solle diese Jugend einmal leisten, aber Grosses leiste man nur durch Treue im Kleinen. Die Schule werde ihre Menschen durch Treue zum Glauben und Festigkeit der Arbeit zu glücklichen Menschen erziehen. Den Abend beschloss Musik aus der Bauernkantate (Bach), unter Leitung von Lehrer Alt mit Schwung und Begeisterung vorgetragen. Der zweite Abend brachte die Aufführung mehrerer Einakter, eingeleitet durch den Vorträg des Chor der Israeliten aus „Jeremias". Es folgte eine Darstellung „Jotam", in der in schöner Weise die Fabel von den Bäumen, die einen König suchten, gespielt wurde. Ein Abenteuer im Schwarzen Walfisch zu Askalon zeigte, ■wie Simson, der Held, mit den Philistern, die ihn töten wollten, verfuhr. Einhebräischer Vortrag' mit Lichtbildern brachte Bilderaus Palästina mit der entsprechenden Erläuterung . Den .-.Höhepunkt des Abends aber bildete die hebräische Aufführung eines Lustspiels von Scholen! Alechem „Nur ein Doktor". ' Nur'einen Doktor nämlich soll der Schadehen der Tochter des reichen Kaufmanns verschaffen, und zu welch heftigen Familienauseinandersetzungen mit dem studierenden Sohn, der ehrgeizigen Mutter und dem . gar nicht so ehrgeizigen Vater dieses Problem führt, wurde -trefflrch gezeigt Die Schüler konnten es als einen besonderen- Erfolg sich anrechnen, als die Zuschauer in den rGesang des Abschlussliedes einfielen. . . . .,;' : \ - Die körperliche Ertücht^ui^.-%^r4i&^i^,;-e^er'-.: Schau der Breiteiiarbeit...den ElteTn^orgeführt, nachdem Turnlehrer Apt auf die Notwendigkeit dieser Ertüchtigung besonders hingewiesen hätte. Wie an den vorherigen Abenden -dankten 'die Eltern für die übersichtliche Schau der Schularbeit» die ihnen geboten war,* lange und herzlich. " v'- "; ■ Eine Ausstellung rundete das Bild, das man bei den Vorführungen gewannen halte, ab.. Da war zunächst die Statistik, die. in beredter Weise die Sprache unserer Zeit spricht. Von den 1S00 Schülern, die die Schule bisher besuchten, sind 900 abgegangen, aber nur die Hälfte von ihnen mit regulärem AbscHluss"' der Schule. 37 Prozent dieser 900 Schüler wanderten aus, davon 1934 70 Prozent, 1936 nur noch 20 Prozent nach Palästina. Von den 900 Schülern, die heute die Schule besuchen, werden 270 von der Schulspeisung betreut, 250 wurden im letzten Jahr von der Gemeinde verschickt. Dankbarkelt und Hoffnung kamen in der Statistik zum Ausdruck: Dankbarkeit, wenn gewürdigt wird, welche Ausgaben die Gemeinde für jeden Schüler leistet, Hoffnung, wenn ein Bild den Wunsch der Schule zeigt, dass. 1937 die Gemeinde 900 Kinder verschicken möchte. Zahlreiche Arbeiten, von einfachen Schulheften über Zeichnungen der jüngeren Schüler und Plakaten bis zu schwierigen Holzarbeiten und zur Schaufensterdekoration gaben ein eindrucksvolles Bild von der vielseitigen Arbeit der Schule. Es ist möglich, nur einen geringen: Teil der Eindrücke wiederzugeben, den der Zuschauer in diesen drei Tagen gewann. Aber sie alle machten deutlich, was Reschke gemeint hatte, wenn er bei der Eröffnung der Feier seine eigene Hoffnung mit den Worten des Psalmisten zum Ausdruck gebracht hatte: „Der Stein, den die Bauleute verwarfen, zum Eckstein des neuen Hauses wird er werden." Günter Friedländer. Hamburg Am 14. März beging die TalmudrTora- Oberrealschule das 25jährige Jubi-. iä u m ihres SeSulhauses Grm'delhof 30 in einer Feier- und Gedenkstunde. -Direktor A. Spier gab in seiner Festrede einen Ueberblick über Entwicklung und Ausbau der Schule und. gedachte der. Männer, die sich um die Schule verdient gemacht hatten. Er erinnerte besonders an den grossen Chacham Bernays, an Moritz War bürg, Direktor Dr. Goldschmidt, Oberrabbiner Dr. Car 1 ebach, Dr. H. Samson und Max W a r b u r g. Dann entliess er die 80 abgehenden Schüler .und ermahnte sie, den Idealen der Schule treu zu bleiben. Namens .des Schul Vorstandes und des Vereins zur Förderung der. Schule sprach Max Warburg dem Leiter .und dem .Lehrkörper der Schule den Dank aus. .Oberrabbiner Dr. Carlebaeh verlieh im Namen .des Oberrabbinates Direktor Spier für seine grossen Verdienste um die Schule den Chower- •Titel. Die erhebende Feier war von ■ künstlefischen Darbietungen umrahmt. Am 12. März fanden an der Talmud-Tora- Oberrealschule unter dem Vorsitz des Staatlichen- Prüiungskommissars die Abschlussprüfungen statt. Sämtliche zehn Schüler der Prima bestanden die Abiturientenprüfung und erhielten das Zeugnis der Hochschulreife; alle; 26 Schüler der Untersekunda erlangten das - Reifezeugnis für die Obersekunda. Leipzig Die Höhere Israelitische Schule in Leipzig besteht .25 Jahre. Die Schule, von dem vor kurzem verstorbenen Gemeinderabbiner Dr. Carlebach gegründet, begann ihr erstes Schuljahr mit 276 Schülern und Schülerinnen in neun Knaben- und fünf Mädchenklassen. Die ständig wachsende Schülerzahl, besonders nach 1933, hat dazu geführt, dass das jüdische Schulwerk in Leipzig jetzt eine achtklassige Volksschule, eine sechsklassige Realschule mit Knaben- und Mädchenklassen hat. 1936 ist damit begonnen worden, eine Oberstufe ab Obersekunda aufzubauen. Nochmals 99die Sterblichkeit der Berliner Juden" Wir haben bereits (in Nr. 5 der C.-V.-Zeitung vom 4. Februar) im Anschluss an einen von der jüdischen Gesundheitsverwaltung veranstalteten Vortragsabend über das Problem berichtet, das. darauf hinausläuft, an der Hand eines . strengwissenschaftlich geprüften Materials — zunächst bei den Berliner Juden — festzustellen, welche Krankheiten zur Verkürzung des Lebens bei ihnen geführt haben, und darüber hinaus die Frage zu streifen, ob hinter diesen Todesursachen eine sozusagen spezifische Veranlagung, im Gegensatz zu der arischen Bevölkerung, steckt. Die Ergebnisse liegen nunmehr in Buchform vor; das Buch ist als Nr. XI unter den Schriften der Zentralwohlfahrtsstelle und 'der Abteilung Wirtschaftshilfe der Reichsvertretung der Juden in Deutschland erschienen. Das Problem ist so interessant, dass die? Reichsvertretung sich veranlasst gesehen hat, auf diese von Dr. * Franz G o 1 d m a n n und Dr. Georg Wolff angestellten Untersuchungen hinzuweisen. Der bekannte Leiter der Berliner jüdischen Gesundheitsverwaltung, Prof. Dr. Erich Seligmann, hat dem Buche ein Vorwort geschrieben, dass die ausserordentliche Bedeutung dieser Untersuchungen als Quellenmaterial für zukünftige Forschungen betont. . Aus dem umfangreichen Zahlenmaterial, auf das wir seinerzeit in unserem Bericht nicht näher eingehen konnten, möchten wir hier zwei Untersuchungsreihen herausgreifen, die sich auf die Tuberkulose und Zuckerkrankheit bei den Berliner Juden beziehen. Beide Krankheitsprozesse verhalten sich — so verbreitet sie an sich sind — in bezug auf ihr Vorkommen bei der nichtärischen Bevölkerung durchaus gegensätzlich. Kurz gesagt: Tuberkulose ist verhältnismässig selten, Zuckerkrankheit häufig. .Goldmann und Wolff haben die von verv scriiedenen Forschern „gut bezeugte Tatsache'*- von der jüdischen Mindersterblichkeit an Tuberkulose an dem Berliner Material — zwei Perioden von 1924 bis 1926 und 1932 bis 1934 — bestätigen können; und zwar kommt die Mindefsterblichkeit von 1924 bis 1926 in allen Altersklassen zum Ausdruck. In den Jahren 1932 bis 1934 hat zwar eine beträchtliche An* gleichung stattgefunden: aber auch jetzt noch ist die Gesamtsterblichkeit der Nichtjudea einundeinhalb mal so gross wie diejenige der Juden. Alles in allem: Die Unterschiede itt der Höhe der Tuberkulosesterblichkeit zwischen beiden Gruppen gehen immer mehr zurück. Unsere Verfasser führen diese Angleichung m erster Linie auf soziologische und Wirtschaft*, liehe, also Einflüsse der Umwelt zurück. Gerade die Tuberkulose steht mehr als die meisten Krankheiten in enger Wechselbeziehung zur. sozialen Lage. Die Sterblichkeit an Zuckerkrankheit tet — das ist unbestreitbar und mit aller Reserve, d. h. unter Berücksichtigung des verschiedenartigen Altersaufbaues betrachtet — bei Juden grösser als bei Nichtjuden. Sie ist beim mann» liehen Geschlecht 1,4 mal und beim weiblichen 1,7 mal so gross wie bei der Gesamtbevölkerung. Um die Gründe für diese bemerkenswerte Erscheinung zu erkennen, seien sie nun im Beruf und seinen Einwirkungen oder in erblichen Momenten zu suchen, müssten genauere Untersuchungen an einem gut zu übersehenden Platze mit bodenständiger Bevölkerung vorgenommen und unter Berücksichtigung des Altersaufbaues auf Angehörige der gleichen. sozialen Schicht und möglichst des gleichen Berufes bei den verschiedenen Bekenntnissen ausgedehnt werden. Erst dann lassen sich nach Goldmann und Wolff endgültige Schlüsse über die Ursachen dieser Tatsachen ziehen. Br. ANGEBOTE 1 m. gut. Beziehg. ermögl. best.Yer- I dienste durch. Vertrieb bewährt. preis«?. 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