Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1937-03-25 · 12 (25.3.1937) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)

OCR text

13 entity mentions

Nr. 12 * Beiblatt buch unD 25. März 1937 Aus der Werkstatt des Lexikonredakteurs Zur 4. Auflage (27. bis 31. Tausend) des Philo-Lexikons "Von den vier Herausgebern des Philo-Lexikons sitzt der eine in Tel-Aviv, der zweite in London, der dritte in Washington und der vierte in Berlin. Flugzeug und Eilpost können die Zeit verkürzen, den Raum überwinden, aber den persönlichen Kontakt können sie nicht ersetzen. Und doch hat er auch diesmal nicht gefehlt. Das, was noch vor einem Jahr beim Erscheinen der 3. Auflage möglich war, die Diskussion im Kollegenkreis, fiel zwar weg, und keiner konnte dein anderen widersprechen und keiner konnte dem anderen sein Steckenpferd vorreiten. Aber die Zusammenarbeit zweier Jahre hat sich auch in der Trennung bewährt. Was in der Theorie recht schwer erschien, hat die Praxis leicht gelöst. Und die technischen Schwierigkeiten wurden aufgewogen durch die neuen Aspekte, die sich den Mitarbeitern in anderen Ländern erschlossen. — Viele Worte um einer kleinen Arbeit willen, wird der aussenstehende Leser denken, selbst dann, wenn er die neue Auflage zur Hand nimmt. Denn er wrird Veränderungen gegenüber der vorausgegangenen kaum bemerken. Er wird staunen, wenn er hört, dass in diese Auflage bei gleichbleibendem äusseren Umfang 50 Stichworte, 100 Namen, 50 Daten, 200 statistische Zahlen, 40 Todestage, 3 Abbildungen und 2 Tabellen neu aufgenommen oder gegenüber früher völlig umgestaltet wurden. Diese Veränderungen eines Jahres spiegeln jüdische Geschichte 'der ganzen Welt wider. Da ist zunächst die lange Reihe der Toten. Wie jung ist so mancher von ihnen gestorben. Da stehen sie vor uns, die Männer der Kunst und der Wissenschaft, der Literatur und der Wirtschaft: Oskar Strnad, der Bühnenmaler; Jakob Plessner, Jakob Nussbaum, die Maler mit der betont jüdischen Note; Paul Graetz, der Schauspieler: Hermann Fellner, Irving Thalberg, Fritz Dahlsberg, Alexander Granowrsky vom Film; Karl Kraus, Kurt Tucholsky, Richard Wein er, Doris Wittner, die Publizisten; Robert Barany, der grosse Arzt und Nobelpreisträger; Bertha Pappenheim, die tätige Frau; Julius Brodnitz und Ludwig Holländer aus dem Kreis des C.-V.; Georg Bondi, der Verleger; Mei'r Dizengoff und Nahum Sokolow, 'deren Namen mit Palästina auf immer verknüpft sind; und schliesslich die Männer,-die das Lexikon mit einem versieht, die Nichtjuden Lord Allenby, Sir Thomas Haycraft u. a., deren tätiges Leben mit jüdischen Fragen eng verbunden war. Aber das Lexikon hat auch die Pflicht, die Neuen, die Menschen, die kamen, zu registrieren und nachzutragen, die unverdienterweise bisher fehlten. Dem ersten Bürgermeister Tel-Avivs, Mei'r Dizengoff, und dem meuchlings ermordeten Dozenten Billig wurde im Rahmen des Lexikons ein kleines Denkmal gesetzt. Die jüdischen Schauspielerinnen Rachel (nicht zu verwechseln mit Elisa Rachel, dem Stern des vorigen Jahrhunderts) und Rowina erhielten ein eigenes Stichwort ebenso wie der französische jüdische Philosoph Julien Benda und der Komponist Hans Gal, die Naturwissenschaftler Eig, ha-Reubeni und Wallisch, der Forscher Elias Ney, wie Shertock und Schimanowitz, um nur einige Namen zu nennen. Aber auch Gibraltar und Buenos Aires, Nathania und Ozeanien, Haag und Reval, die Royal Commission und die Punier sind nunmehr in diesem Handbuch vertreten. Das Stichwort „Statistik" wurde völlig neu bearbeitet und in tabellarische Form gebracht. Dadurch aber war es notwendig, sämtliche Bevölkerungszahlen aller Stichworte, die statistischen Karten und zahlreiche andere Tabellen zu überprüfen und neu zu fassen. Das statistische Material über Palästina wurde bis Mitte 1936, ja Anfang 1937, ergänzt und enthält Zahlen, die noch an keiner anderen Stelle bisher veröffentlicht wurden. Das sind Dinge, die dem eifrigen Benutzer zum Teil selbst auffallen werden. Wer aber merkt, dass z. B. im Stichwort „Araberfrage" ein Satz verändert wurde? Dort hiess es bisher: „blutige, für die Araber ergebnislose Unruhen 1921 und 1929". Jetzt heissi es: „Unruhen 1921, 1929, 1936 (etwa 320 jüdische Opfer seit Balfour-Deklaration)." Wieviel Schweres enthält diese neue Fassung auf dem gleichen Raum, ja mit der gleichen Buchstabenzahl! Oder aber, wer beachtet beim Stichwort „Polen" die Einschiebung des einen kleinen Satzes: „Seit 1936 Regierungsaktion zur Erschliessung von Ueberseeterritorien für jüdische Auswanderer." Und wo es im Stichwort „Abessinien" bisher hiess: „Christliches Kaiserreich in Afrika, dessen Herrscherhaus sich von Salomo ableitet", da steht jetzt: „War christliches Kaiserreich 330 bis 1936." Oder betrachten wir Tel-Aviv, dort stand zu lesen: „Bürgermeister ist Meir Dizengoff. Die Stadt hat viele Industrien; jüdisch gesellschaftliches Zentrum und Zentrum der jüdischen Arbeiterbewegung Palästinas" und jetzt lesen wir: „Erster Bürgermeister war M. Dizengoff, Tel-Aviv ist Gross- und Hafenstadt (Eröffnung des Leichterhafens 1936), hat viel Industrien und ist Zentrum des hebräischen kulturellen und des sozialen Lebens in Palästina." Und als letztes Beispiel: An Stelle des Satzes: „Vornamen unterliegen bei Juden wie auch sonst der Mode, so dass man aus ihnen vielfach die Zeit erschliessen kann"., lassen die Herausgeber jetzt in folgendem Satz die Tatsachen sprechen: „Im modernen Palästina sind zahlreiche Neubildungen, Awiwit (Frühlingshafte), Orali (Leuchtende), Tikwa (Hoffnung) und andere." Im Stichwort „Graf Arco" erhielt seine jüdische Mutter Mossner ein Verweisungszeichen, und der Benutzer kann so feststellen, dass sie aus jener Familie stammt, aus der der bekannte General und Gouverneur von Strassburg Walter von Mossner hervorgegangen ist. So kann ein kleines Zeichen oft neue interessante Perspektiven erschliessen. Das alles, denkt der Laie mit Recht, erfordert neuen Raum. Woher er genommen wurde? Vergleichen Sie die beiden Stichworte: Benjamin, Juda Philipp, Benjamin, Juda Philipp, 1S11 Santa Cruz (Kleine 1SI1 Santa Cruz (Kleine Antillen) - Paris 1S82, in Antillen) - Paris 18S2. In Amerika durch juristische Amerika Jurist und Poli- Entscheidun^en als Anwalt tilcer. 1SÖ2 Senator, später und Politiker (Whijr-Partei) Generalstnatsanwalt und^Mibekamitjre'worden. lS52Senanister. floh 1865 nach Engtor der Vereinigten Staaten, land, dort Kronanwalt, später Generalstaatsanwalt., Minister, floh 1865 nach England, dort angesehener Kronanwalt. Oft genügte es, nur ein Wort zu streichen, um eine ganze Zeile zu gewinnen. Um etwa bei dem eben gewählten Beispiel zu bleiben, so ist das Epitheton ornans „angesehener" Kronanwalt völlig überflüssig, denn, wenn Juda Philipp Benjamin kein bedeutender Mann gewesen wäre, so hätte er keine Aufnahme in das -Lexikon gefunden. Diese mühselige Arbeit des Raumschaffens kann der Laie kaum ermessen. Denn er weiss nicht, wie im Kollegenkreis oft um ein Wort mehr gekämpft wurde. 832 Spalten zählt das Lexikon. Jede fasst 51 Zeilen. Ihr Text ist diesmal noch konzentrierter geschrieben und der Inhalt des Bandes dafür umso reicher. So glauben Verlag und Herausgeber, dass ihre Arbeit wiederum zur Vervollständigung des Handbuches beigetragen hat Alle seine Benutzer, und das sind heute schon weit über 25 000, erwarten mit Recht, dass das Buch nicht in seiner ursprünglichen Form verharrt, sondern dass es sich stets in und mit der Zeit erneuert. Am Publikum wird es liegen, ob dieses vom Verlag bisher verfolgte Prinzip in absehbarer Zeit wieder seine Bestätigung finden wird, wenn er daran gehen kann, die fünfte Auflage seines Lexikons m Druck zu geben. Hans Oppenheimer. * Eine Rezension der neuen Auflage wird erfolgen, sobald die Auslieferung erfolgt ist. Das Märzheft des „Morgen" Was dieses neue Heft des „Morgen" wiederum auszeichnet, ist das Bemühen, neue Fragestellungen zu umreissen und neue Wege für die Formung unseres geistigen Weltbildes zu weisen. Die Lässigkeit, mit der mitunter in der jüdischen Auseinandersetzung längst ausgetretene Pfade zum tausendsten -Male beschritten werden, lässt eine solche Entdeckerfreude besonders hoch bewerten. Unter diesem Gesichtswinkel verdienen vor allem die Ausführungen Werner C a h n m a n n s „Ost und West" besondere Erwähnung. Cahnmann zeigt die landsmannsehaftlichen Schichten jüdischen Gruppenlebens auf, die im Laufe eines 2000jährigen jüdischen Geschehens innerhalb des deutschen Sprach- und Kulturkreises wirksam geworden sind. Das Reizvolle und Neuartige seiner Untersuchung liegt darin, dass er die Wechselwirkung jüdischen Lebens in ihrer soziologisch - geographischen Bedingtheit aufhellt. wusm Planvoll lesen! mamm Zur Belehrung Duden, Fran?ais, Dictionnaire illustre... RM 6.— Friedeil, Kulturgeschichte des AI. >rtoms .. ,, IC-— Friedlaender, Sittengeschichte R onis..... „ 4.80 Tizian, Gemälde und Zeichnungtr-........ „ 4.80 Breasted, Aegypten...................... 4-8$ Landsberger, Einführung i.d.iüdischeKunst „ 3.40 Heinz Warschauer, Jüd. Jugend baut auf. Vom Kibbuz in Palästina........ „ 1.50 Croner, Südafrika, Land, Leute, Leben und Möglichkeit....................... „ '-65 Edelheim, Südafrikanische Impressionen.. „ -.45 Mommssn, Judaea und die Juden....... „ 1.25 Reifenberg, Denkmäler d. jüdischen Antike „ 2.50 Apt> Konstruktive Auswanderungspolitik... „ -.70 Zur Unterhaltung Reger, Heimweh nach der Hölle, kart.. .. „ 4,50 Boree, Kurze Reise auf einen anderen btem.................................., 4-50 Körmendi, Die Sündigen................. „ 7«|0 Körmendi, Abschied von gestern......... „ 9.50 Morgan, Die Flamme..................... „ 8.50 Hoyer, Heimwärts........................ ., 6.—• Carossa, Geheimnisse des reifen Lebens.. „ 5.50 Sinsheimer, Maria Nunnez............... „ 3.25 Fritz Rothgiesser, Das Knabenschiff Eine Erzählung. Philo Bücherei No. 5/6 „ 1.60 Telefonisch (92 13 75) oder schriftlich zu bestellen bei Philo Verlag u. Buchhandlung EB£8I Berlin W15, Pariser Sfraße 44 fSBBH Allerdings können seine Ausführungen nur einen Aufriss für eine gründlichere Untersuchung des Problems bilden. Ludwig Landau stellt aufschlussreiche Vergleiche zwischen der Prophetie und and^"^\\ geistesgeschichtlichen Bewegungen an. Die; >opheten^so schliesst er, wollten eine vollständige Renaissance, keine Wiedergeburt aus der „virtu*' florentinischer Renaissancemänner, oder aus der „ratio" englischer oder französischer Aufklärer, sondern eben aus dem ,.Ruach", aus dem Geist, den Jesaia, Micha und Secharia meinen. Eine Probe jüdisch-geistiger Grundhaltung geben die von Martin B u b e r eingeleiteten und auswahlweise wiedergegebenen Gleichsprüche Salomos "(io. Band der Buber- Rosenzweigschen Schriftübertragung). Es ist immer wieder das gleich erschütternde und emportragende Erlebnis, dass man die Schrift in ihrer Gewalt auf sich wirken lässtund dann plötzlich im Banne dieser oder jener Sentenz steht, durch die man sich selbst so unmittelbar angesprochen fühlt, als wäre sie um des eigenen Erlebens willen geschrieben. Die anmutig schwermütige Geschichte von Perez H i r s c h b e i n .,B e b e 1 e" (übersetzt von Leo Hirsch) wird in diesem Heft zum Abschluss gebracht. Wer über die sozialen und geistigen Fragen der jüdischen Jugend imLondoner E a s t End ein Bild gewinnen möchte, findet aufschlussreiche Beobachtungen in dem Aufsatz von Friedel Motulsky niedergelegt. Zu den gegenwärtigen Fragen und Sorgen unseres Seins nehmen die klugen, einleitenden Zeitnotizen Stellung. Helene Poritzky-Orzolkowski schreibt über „Hand und Kult". Die im Stil besonders schön getroffenen „Biblischen L i. e - d e r" von Nelly Sachs, sowie eine Reihe von Glossen und Buchhinweisen bilden eine wirkungsvolle Vervollständigung des Heftes. Damit wäre alles, was über dieses „Morgen"- Heft zu bemerken ist, erwähnt, wenn ... ja wenn nicht, an bescheidener Stelle und mit bescheidener Ueberschrift („Gehen und Kommen") Vi< rt^UE [TpjJACQUES OPFENBACH VON ALFRED AUERBACH^? IL Offenbach ist auf der sogenannter! ..Höhe" seiner Erfolge, er ist Theaterherrsch er, sein Büro ist belagert, im Hause verkehren tagsüber die grossen Namen und antichambrieren. Er hat es schwer, seine Zeit einzuteilen, er liebt diesen Trubel über alles, er spannt seine Kräfte weit über das Mass, das seine ohnehin geringen körperlichen Qualitäten erlauben, er lässt sich in .seiner Exaltation von niemand hemmen, er geniesst die Trunkenheit des Sichselbstverströmens. Im Theater erscheinen auch zu den Proben „hohe" Herrschaften; sie geben., sich ein Rendezvous bei diesen „interessanten" Vorgängen. Die Hoheiten'und die Durchlauchtigkeiten, die Titel und Würden, die Medisance und die Tagesgespräche, die Hintertreppengeschichten kursieren in diesem Hause, flüstern in den Logen, während der Maestro an der Arbeit ist, beäugen sein Personal, besonders die Damen, ^rie die Hortense Schneider, die die schöne Helena ist und darstellt, die Silly, die mit Katzenaugen nach ihr schielt. Und die Innigen der „grossen" Welt haben hier ihren Hohlspiegel, und' die Akteure der Zeitkämpfe nehmen die Kulissenvorgänge nichtig, zum mindesten sind diese amüsanter als die Komödien der Sitzungen und Verhandlungen. Von überall her kommen die Abgesandten der Theater, um sich Belustigung zu beschaffen . 8 e Offenbach regiert. Er dirigiert die Probe zur „Schönen Helena" ... Er hat seine Last, die Hortense Schneider äugt in die Loge, sie weiss, dort sitzen die Leute, die über ihre Abenteuer plaudern . . . „Hortense, pass doch auf . . . mehr Verve, du bist distraite — du bekommst deine hohe Gage nicht, um den Herren in der Probe Augen zu machen, das kannst du später tun . . Der Maestro ist mit dem Verlauf der Probe unzufrieden. Er schreit nach dem Textdichter Halevi. Aenderungen sind nötig. „Herr Halevi ist noch verreist." Offenbach tobt, er unterbricht die Probe. Sofort stürzen die Leute in dem Wartezimmer des Büros der „Gaite" auf ihn los, wie ein Heer von Entfesselten . . . Der Sturm freut ihn, dieser nervöse Strudel ist nach seinem Geschmack, er stellt seine Laune wieder her. Er bittet mit Liebenswürdigkeit' um eine kleine Pause. Die Hortense rast daher und die Silly hinterdrein, die beiden Hauptdarstellerinnen haben wieder einmal die Neigung, sich die Augen auszukratzen ... die Theaterfurien, die Probenexplosionen, die alltäglichen Geschehnisse wogen an den Bühnenjupiter heran . . . er schleudert aber nicht den Blitz, er streichelt die Tigerinnen und sie kuschen. „Hortense, beruhige dich, du sollst einen "Abend ganz für dich allein bekommen, wir sind schon daran, den Text zu schaffen, ,Die Diva' — ich komponiere bereits die Arien und die Tänze — du wirst die Frau spielen, die die Welt bezwingt — der die Könige zu Füssen liegen . . 1 die immens reich wird — nun geh und ruhe dich aus, mein Kind ..." Er beruhigt die Silly, sie wird ein prächtigeres Kostüm bekommen und die Schönste des Abends sein . . . Offenbach lässt alle Petenten, ob Fürst oder Theaterherr — ob Presse oder Textdichter warten. Er beruft die Mitarbeiter. „So geht es nicht — die „Schöne Helena" muss alles überstrahlen, was zuvor über die Bühne ging, es darf nicht gespart werden. Mehr Chor! Mehr Figuranten! — Es muss ein Rausch des Theaters werden . . . Schönheit! Himmel und Erde müssen in Bewegung kommen ... Es ist die Apothese der Frau . . . alles dreht sich um Helena . . . das Schicksal gibt sein Szepter ab an Helena, die Seher, die blind waren . . . gewinnen ihr Augenlicht wieder für Helena . . . Teiresias schaut Helena — ein Bacchanal um die Schönheit ..." Offenbach redet sich in einen Taumel hinein, in der Nähe steht sein wirtschaftlicher Helfer, Herr Riaut. Der schüttelt den Kopf . . . zupft an seinem Bärtchen. Diese Mimik macht Offenbach unruhig. „Monsieur Riaut, Sie machen wieder Ihr Zweiflergesicht . . . was ist denn? Sie falten die Stirne — Sie schauen bedenklich drein ... Sie wissen, ich ertrage das nicht, Sie rauben mir die gute Laune, die Inspiration . . . Alle Welt wartet auf unsern Erfolg, heraus mit dem Mammon, Apollo wartet —" Monsieur Riaut antwortet nicht . . . Es kommen Leute: „Monsieur le directeur, die Probe!!! Wir haben heute Abend Vorstellung . . ." „Sofort, Kinder . . ." „Monsieur le directeur, die Herrschaften in dem Wartezimmer sind ungeduldig . . „Sagen Sie, ich komme schon . . . Ah, Monsieur Gilbert — Sie lassen sich nicht abweisen . . . nun, die ,Lazzaroni' werden bald fertig sein, ich bin an der Arbeit!" — „Baron Werder, Sie sollen die beiden Akte noch zeitig genug für Bad Ems haben . . . Monsieur Cremieux Sie lassen mich mit dem Text zum ,Pasteur* im Stich, ich bitte Sie, eilen Sie sich . . ." Der Strom lässt sch nicht aufhalten. „Mein lieber Meilhac, wo bleiben.Sie denn? Wir müssen viele Stellen in der ,Schönen Helena' abändern. ... sie sind noch zu flach — zu harmlos ... so geht es nicht . . . Witz — Humor —!! Halevi wird alt — wir müssen die Sache allein machen, kommen Sie nach der Probe zu mir . . . Arbeiten Sie am ,Blaubart'?" Wieder neue Rufe nach Offenbach: „Monsieur le directeur ... die Probe ... das Orchester trampelt mit den Füssen . . „Ah, da ist ja auch der Herr Kollege von dem Theater de la porte St. Martin . Nun, mein Bester, Sie sind in der' Loge — wie gefällt Ihnen die ,Schöne Helena'? Wien hat sie bereits angenommen, London bittet mich um das Werk, Baron v. Hohenfels ist im Hause — er wartet auf mich, er will mit mir unterhandeln . . . er ist enthusiasmiert ... er gratuliert mir schon zum Welterfolg. Oh, mein Lieber, Herr Kritikus Janin mag seine Thersitesfeder spitzen, wie er will, er wird machtlos sein, er schrieb bereits: ,Verbrechen der grossen Parodisten . . . Götter werden entthront — perfider Meilhac, Verräter Halevi, miserabler Offenbäch . . . Zauberer, der den Gürtel der Venus zu Charpie zerzupft!' — Oh, dieser Ignorant weiss nicht einmal, dass der Gürte] der Venus aus Gold war . . . er^ mag erleben, wie der Jubel seinen neidischen Hohn erstickt . . ." Offenbach erwartet keine Antwort, die Rufe nach ihm werden lauter, Herr Riaut geht nicht von der Stelle . . . „Ich muss Sie einen Moment sprechen, Direktor ..." „Eine Sekunde . . . nun?" „Sie wissen, wie ich Sie verehre, Direktor . . . aber Sie sind nur Exaltation^ ich muss leider Rechner sein ... so geht es nicht, dies ewige Vabanque-Spiel. Die ,Genoveva' hat uns ein Defizit gebracht, ein riesiges Loch im Budget —" „Dies langweilige Frauenzimmer — hat uns geschadet .— aber 5Helena' wird das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.