Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1937-03-25 · 12 (25.3.1937) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
12 (25.3.1937)
Date
1937-03-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2277379-2277516-2277528--11750-2281306
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Der erste Atemzug Frühling Von ANNA JOACHIMSTHAL-SCHWABE . Menschen—Menschen! Fühlt ihr, wie dieStrassen Heute sich ganz anders um euch dreh'n! Fühlt ihr, wie sich alle Menschenkinder Heute anders in die Augen seh'n! Fühlt ihr es, wie unsere Herzen schneller Unsere Schritte übers Pflaster jagen.—'—'• Ist es nicht, als ob geheime Stimmen Gute, helle Worte zu uns sagen! •Eine unerklärliche Erregung Hat im Kosmos Mensch und Ding befallen, 'Neue Rhythmen — Ahnungen von Freude Zittern schon -— verheissungsvoll — in Allen. Menschen — Menschen!. Steht — und atmet ein! 'Jeder Atemzug ist wie Erlösung!! Aus des Schicksals und des Jahres Bindung Gehen wir in neues Leben ein- \ (Aus dem im Philo Verlag erschienenen Gedichtband.) EfflBSSSEHSESKSffiHESZSEEEGSBBIBHBIHHHIB 'isches Gespräch ein. Vor allem die übliche Frage: „Wie heissen Sie?", worauf der Gast wieder mit lauter A-Worten antwortet,'in einem Atemzug, wie man die Kinder Hamans in der Megilla aufzählt: Ak Bacha Galasch Damat Hanach Wasass Saan Chavav Tazaz. Dem Vater bleibt der Bissen im Halse stecken und mit offenem Munde starrt er erstaunt diesen Mann an, wohl weil der Name so lang ist. Ich verschlucke mich und verstecke wieder einmal mein Gesicht unter dem Tisch, worauf meine Mutter sagt, die Fische is'st man langsam, mein Kind. Sie betrachtet den Gast mit grossem Respekt und ist von dem Namen sehr entzückt und der Vater meint zur Mutter, dass offenbar in der Heimat des Gastes jeder den Namen nach dem Alef Bet geordnet trägt. „Alef Bet, Alef Bet", fällt der Fremde ins Wort, und seine schwarzen Augen blickten auf uns und sogar auf die Magd Rikei mit grosser Freundlichkeit. Da er den Namen erfahren hat, möchte der Vater nun auch gerne wissen, von wo der Fremdling stammt und wie er zu uns gekommen ist Ueber jedes Land, das der Fremde nennt, ist die Mutter erstaunt und ist die Magd Rikel erstaunt, man muss auch wirklich erstaunt sein über alles, was uns der Vater von des Gastes Erzählung übersetzt und erklärt. Es ist ja keine Kleinigkeit, wenn ein Mensch 10 000 Meilen von einem fernen Land gefahren kommt. Und wenn man zu diesem Lande gelangen will, muss man sieben Meere durchqueren und eine Wüste vierzig Tage und vierzig Nächte durchwandern und dann gelangt man zu einem hohen Berge, dessen Gipfel fast die Sonne durchbohrt und der ewig mit Eis bedeckt und von lebensgefährlichen Stürmen umtost ist. Und hat man unbeschädigt diesen Berg überstiegen, dann befindet man sich in einem Lande, das wirklich das „Paradies der Erde" genannt werden kann: man ist berauscht von aromatischen Düften, von Nelholt und betrachtet kritisch die bereits gedruckten Traktätchen. Wagenseils nachlässige Behandlung lehnt er ab, weil das Lied doch in der Oster-Liturgie steht, was für ihn überhaupt den Anlass zur Untersuchung bildet. „Wenn dies Gewäsch (sie!) nicht in der alten Jüdischen Oster- Liturgie stünde und von den Juden eifrig und ernstlich gesungen würde, mögte es das Ansehen haben, als wenn es ein lustiges Schertz-Liedlein wäre." Zu allererst stellt er die Frage nach dem Verfasser an einen Frankfurter Rabbiner, der ihm die unmögliche Antwort erteilt, die „Männer der grossen Synagoge", die die ganze Haggada aufgesetzt hätten, wären Verfasser des Zickeleins. Auf die Frage nach Senden Sie mir bis aut Widerruf die G-V.-Zeitung 99 Pfennig für April, Mai, Juni zahle ich bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger. Name :--—- Ort:--- Strasse:--- Ausschneiden und mit 3 Pfg frankiert (oder euch unfrankiert) senden an: C - V. - Zeirung, Vertrieb. Berlin W 15, Emser Strasse 42. J2 Oliva 8141. ken und vielen anderen Gewürzen, -und; das Auge erblickt tausend verschiedene, Arten von Früchten. Die Häuser sindaus Tannenholz erbaut und die Dächer ■''mit- -.- reinem Silber gedeckt. Alle Gefässeraus reinem Gold! Und während der Gastjdies erzählt, wirft er einen Blick auf unser Tafelgeschirr, das doch nur aus Silber ist. Und Diamanten, Perlen, Brillanten kugeln in diesem glücklichen Lande auf der Strasse herum. Niemand macht sich die Mühe, sie aufzuheben, denn sie haben dort keinen Wert. Und dabei guckt der Gast auf die Brillantohrringe der Mutter und auf die gleichmässigen Perlchen, die ihren Hals umschlingen. „Hörst du zu?" sagt der Vater zur Mutter mit glücklicher Miene. „Ich höre4', antwortet sie und bittet den Vater: „Frag du den Gast, warum er keine Juwelen hergebracht hat. Hier könnte er doch sehr viel Geld dafür bekommen?!" Der Vater stellt die Frage und gibt der Mutter die Antwort in unserer Sprache wieder: dort darf man allen Schmuck tragen und sich auch alle Taschen voll Brillanten und Perlen füllen, aber wenn man das Land verlässt, muss man alles da lassen, und wird an der Landesgrenze bei jemand auch nur eine einzige Perle gefunden, so wird die Todesstrafe über ihn ausgesprochen und man hängt ihn an den nächsten Baum. Die Geschichten des Fremden werden immer spannender. Alles Land, aller Reichtum dort gehört den Juden, die man Sefardim nennt. Und es gibt auch einen König, Josef ben Josef, der ein sehr frommer Jude und Oberpriester ist. Zum Ausfahren benutzt er einen goldenen Wagen mit sechs feurigen Pferden. Und wenn er in die Synagoge kommt, empfangen ihn Leviten mit Gesang. Und weiter erzählt der Gast von dem heiligen Tempel mit Priestern und Hohepriestern, goldenen Opfergefässen und Geräten, alles wie einst in Jerusalem. Und als der Vater uns das wiedergibt, stösst er einen tiefen Seufzer aus, der einen ebensolchen bei der Mutter auslöst. Ich verstehe nicht, was es da zu seufzen gibt. Im Gegenteil, man muss eigentlich stolz und fröhlich sein, dass es noch heute ein Land gibt, in dem ein jüdischer König herrscht, wo es einen Hohepriester, des Altars und der Opfer. Alles ist Leviten, mit Altar und Opfer gibt. Ich fange an zu träumen, und meine phantastischen Gedanken tragen mich w-eit, weit fort von hier, fort in jenes ferne, glückliche, jüdische Land, dessen Häuser mit Silber bedeckt sind, wo die Gefässe in Gold erglänzen und Brillanten, Perlen-und Diamanten auf der Strasse liegen. Wenn ich dort wäre, ich brächte es schon fertig, irgend etwas zu verstecken, bei mir würde man es nicht finden, und ich würde meiner Mutter ein schönes Geschenk mitbringen: Ohrringe, Brillanten und ein paar Perlenschnürchen. Ich bekomme ordentlich Sehnsucht nach diesem Land, und mache mich mit dem Gedanken vertraut, nach Pessach mit unserem Gast dorthin zu fahren. Selbstverständlich muss es geheim bleiben, niemand darf davon erfahren, nur dem Gast werde ich das Geheimnis anvertrauen, mein Herz ausschütten und ihn glaubwürdigen Zeugnissen für diese Aussage kam keine Antwort mehr und Teuber neigt zu der Vermutung, dass er sie werde schuldig bleiben. Gegen Rosenroths Kabbalistik wehrt er sich ebenfalls, weil die Kabbala zum Verständnis des Liedes nichts beitrage, obwohl auch ein Jude imstande wäre, überall mit Hilfe der „Gematria" etwas Nachdenkliches herauszuklauben. Vor allem nimmt er die historische Lösung von der Hardts unter die Lupe, die nicht jüdisch sein kann; „denn die Juden sind keine Historici, und da sie kaum ihre eigene Geschichte wissen, versteigen sie sich nicht so hoch in die Universal- Historie". Er nimmt Anstoss an der Gleichsetzung der Türken mit dem Todesengel, weil die Türken den Juden lange nicht so unheilsvoll erschienen wie den Christen. Die Juden sind aber auch nicht so dumm, die Türken als das letzte Reich vor Erscheinen des Messias zu bezeichnen, da sie sich ja nur selbst damit schaden würden; übrigens rechnen sie die Zeit nicht aus, wann der Messias erscheint, was Teuber mit guter Kenntnis des jüdischen Schrifttums ausführt. Weil kein Jude die Erklärung von der Hardts annehmen würde, ist sie für Teuber nicht stichhaltig; denn man muss zur Erklärung doch Anhaltspunkte vor sich haben, um seine Vermutungen sicher zu gründen. Das Lied interessiert ihn aber doch, da er es, wenn auch schon nicht für ein Rätsel, doch auch nicht für ein albern Spiel hält, „weil die Juden viel zu gewissenhaft sind, dass sie den Namen Gottes zu ihrer Kurzweil unnützlich führen sollten". Also sucht er selbst! Ein Professor der morgenländischen Sprachen glaubt wohl, dass es von den Geschicken der Juden spricht, dass es aber so scherz haft abgefasst sei, um die durch Speise. Trank und Singen schläfrig gewordenen Ostergäste wieder aufzumuntern. Beim Suchen nach Erklärungen muss teuber die Erfahrung machen, dass die Juden selbst bitten, dass er mich für kurze Zeit mitnimmt Ich bin sicher, er wird mir den Gefallen tun, denn er ist ein guter Mensch. Er sebaut -auf jeden, selbst auf die-Magd Rikel so freundlich, so freundlich. Und es scheint mir sogar, als ob der Fremde meine Gedanken erraten hat, er sieht mich mit seinen schönen schwarzen Augen an, als wolle er mir zuwinken und .sagen: Warte, kleiner Schlingel, lass^ nur Pessach vorüber sein, dann wird alles gut werden. Die ganze Nacht umgaukelten mich Traumbüder: eine Wüste, ein Tempel, ein Hoherpriester und ein hoher Berg. Ich klettere den Berg hinauf. Oben wachsen Brillanten, Perlen, Diamanten. Meine Kameraden steigen auf die Bäume und schütteln sie und von den Ae'sten fallen unzählige Perlen, Diamanten, Smaragde und Rubine auf die Erde. Ich stopfe mir von dem Juwrelenregen die Taschen voll und merkwürdig, je mehr ich hineinstopfe, desto mehr Platz ist für immer neue Steine. Plötzlich aber ziehe ich aus meiner Tasche statt Brillanten allerlei Früchte heraus: Aepfel, Birnen, Apfelsinen, Oliven, Datteln, Nüsse und Feigen. Ein Angstgefühl überfällt mich. Ich wälze mich von einer Seite auf die andere und ich sehe im Traum den Tempel, höre, wie die Priester den Segen sprechen und die Leviten singen und die Orgel spielt; ich möchte gerne in den Tempel eintreten und ich kann nicht. Die Rikel, die Magd, hält mich fest und lässt mich nicht los. Ich bitte, schreie, weine und... erwache.--Vor mir stehen halbangekleidet Vater und Mutter, beide leichenblass, der Vater hat den Kopf gesenkt, die Mutter ringt die Hände und in ihren guten Augen glänzen Tränen. Ich ahne, dass etwas sehr Böses geschehen sein muss. Aber alles, was mein kindliches Gemüt sich blitzschnell vorstellen kann, verblasst vor der Wirklichkeit: Unser Gast, dieser vornehme Mann aus dem fernen glücklichen Land, dessen Häuser mit reinem Silber gedeckt sind, ist spurlos verschwunden und mit ihm viele von unseren Sachen, alle silbernen Becher, Gabeln und Messer, der ganze Schmuck meiner Mutter, und auch bares Geld. Auch die Magd ist verschwunden. Mein Herz krampft sich zusammen, nicht der verschwundenen Schätze, und auch nicht wiegen der Magd Rikel — hol sie der Teufel! — Nur wegen des glücklichen Landes, wo Brillanten und Perlen auf der Strasse herumliegen, wegen des Tempels mit den Priestern, Leviten und dem Hohepriester des Altars und der Opfer. Alles ist mir geraubt und genommen. Ich wende mein Gesicht der Wand zu und weine, weine ganz still. GEDICHTE ßnna Joacbieisthal-Scbwaie 3"seJTage\\5PKHo-Büeherei Nr. 7/8 Inhalt: Ewiger Wandel Begegnungen / An Gott Preis etwa BML 1.60 Zu beziehen dnreh den jüd. Buchhandel tt. durch Philo Verlag uJuelihandtong G.m.b.H. Berlin W 15, Pariser Strasse 44. Tel. 9213 76. nicht einer Meinung über das Lied sind, wie schon aus den Kommentaren zu sehen ist, welche die Rabbiner zur Haggada geschrieben haben. Den Sinn am ehesten trifft die Antwort eines polnischen Rabbiners: „Das Zickelein sagt nur soviel, dass in der Welt eines über den andern und keine Creatur sey, die nicht ihren- Meister habe." Teuber hätte gerne noch gehört, wie denn diese vernünftige Erklärung mit dem Osterfeste zu verbinden sei. Ein Halberstädter Jude (Teuber war Geistlicher in Halberstadt) entwickelt eine Erklärung, die aus lauter konfusen Drehereien besteht, und bleibt schliesslich die drei letzten Verse schuldig, wahrscheinlich aus Furcht, den Geistlichen zu verletzen. Teuber wertet seine Aussage folgendermassen: „Inzwischen glaube ich doch, der Jude wäre bewogen worden, aus dem Lager zu rücken, wenn ich sehr in .ihn gedrungen oder ihm etwas versprochen hätte. Allein die Begierde nach seiner Weisheit war mir bey der Auflösung der ersten sieben Verse dergestallt vergangen, dass ich mich freuete, als seine Piauderey ein Ende nahm. Der Halberstädter alte ,Mocher Seforim' (Buchhändler) meinte, es wären die zehn Plagen Aegyptens dargestellt, was schon ganz grundlos ist." Als Teuber sah, dass es unter den Juden soviel Köpfe, soviel Sinne gäbe, stellte er das Nachfragen ein, um eine eigene Lösung zu suchen. Er hält das Liedlein keineswegs für ein wunderbares Rätsel, worin die Juden Geheimnisse vor den Christen verbergen, sondern für ein spielerisches, dabei aber doch erbauliches Lob Gottes, das seine Hoheit und oberste Gewalt über alle Wesen ausdrücken soll. Es handelt nicht von den merkwürdigsten Begebenheiten der Juden and. ihrer endlichen Erlösung, weil die Juden ja keine guten Geschichtskenner sind. Würde aber in dem Liede ein den Christen vorenthaltenes Geheimnis stecken, so hätten es die getauften Juden Vor Pessach Im Zeichen der kommenden Pessachtage sprach Oberkantor Hanns John Jacobsohn im Kulturbund über die Haggada. Mit warmer Erfülltheit, die sich den Hörern mitteilte, erläuterte er Inhalt und Geschichte des kleinen und doch so reichen Buches. Nach einer kurzen Würdigung der Handschriften und Drucke, wobei auch die kunsthistorische Einordnung gestreift wurde, wandte er sich den Melodien zu und umriss ihren zeitlich und ethnisch weit gespannten Rahmen. Die Beispiele, in denen der Vortragende sein grosses Organ strömen liess, entrollten ein überaus reichhaltiges Bild, in dem besonders deutsche Liedelemente und chassidische Tanzmelodik hervortraten. Die Klaviersätze hätten teilweise eine stärkere Anlehnung an den stilistischen Charakter der Melodien zeigen dürfen; sie erfuhren durch Dr. Oskar Güttin a n n eine sorgsame Wiedergabe. H. Fr. . Eine grosse Gemeinde haite sich in der Berliner Synagoge Fasanenstrasse eingefunden, um -einer sehr wirkungsvollen Veranstaltung beizuwohnen, die im Zeichen des Pessach stand. Orgelspiel und herzliehe Begrüssungsworte des neuen Gemeindedezernenten, Rechtsanwalt Heinrich Stern, leiteten den Abend ein. Rabbiner Dr. Manfred Swarsensky und Oberkantor Magnus Davidsohn, die im vergangenen Winter wiederholt gemeinsam in Vorträgen - wirkten, waren auch hier Ausdeuter des Themas.-' .,Pessachbrauch — Pessachlie d". Geschichtliche Darstellungen der Pessaehbräuche wechselten mit gesungenen Pessachliedern und gottesdienstlichen Weisen ab, deren historischer Ursprung und Entwicklungsgang sehr lebendig geschildert wurde. Zu einem gewissen Höhepunkt der Veranstaltung kam es, als das grosse Auditorium bei alten "Sedergesängen aktiviert wurde und freudig die schönen Weisen mitsang. Else Horwitz-Jansen und Organist Richard A 11 m a n n ergänzten die ausdrucksvollen Darbietungen der Vortragenden durch künstlerische. Beiträge, die gleichfalls der Pessachmusik entnommen waren. längst enthüllt, „wie sie ja alles, was sie von ihrem vorigen Glauben wussten, den Christen verrathen haben". Schliesslich machen sich die Juden auch nicht allzuviel aus dem Lied, was Teuber mit folgenden sprechenden Angaben belegt: „Ja! ein sicherer vernünftiger Jude, einer von den Gelehrten in Halberstadt, da er von mir vernahm, dass ich von dem Zickelem etwas schreiben wollte, sagte ausdrücklich, ich mögte lieber sonst einen feinen Perusch (Erklärung, Kommentar) worüber aufsetzen, und mich an das Zickelein nicht machen; sie hielten soviel nicht davon. Wenn auch dieser Tractat nicht schon wäre fertig gewesen, oder ein Verleger Schwierigkeiten gemacht hätte, würde ich mir des Mannes Rath haben gefallen lassen." Teuber kommt dem Wortsinn ziemlich nahe, der auch heute von uns als nächstliegende Erklärung aufgefasst wird: „Gott sei über alles: der erste und der letzte, der Anfang und das Ende. Womit die Osterfeier sich erbaulich endigte." Zum Schluss aber bleibt er seiner Absicht treu, die Bestrebungen der Judenmission zu unterstützen und schliesst seinen Traktat mit dem Wunsch: „Uebrigens nehme Gott wreg die Decke Mosis von den Augen des blinden jüdischen Volks! Erleuchte und heilige es in seiner Wahrheit! Denn sein Wort ist die Wahrheit." Diese skizzierte Diskussion über das „Zickelein" — dessen Inhalt uns heute am Sederabend wohl weniger aufregt als die genannten Schreiber — hat noch weitere Kreise gezogen. In mehreren Schriften, z. B. in der Schweizer Judenchronik des Züricher Pfarrers Ulrich, wurde darauf zurückgegriffen, streitend und ergänzend, obwohl die gründliche Abhandlung Teubers einen Äbschluss bedeutet. Die dargestellte Debatte kann aber auch für uns eine Aufforderung sein, das Bekenntnis von Gottes Höhe und Erhabenheit auch in nichtphilosophischer Fassung nicht achtlos zu übergehen. Lothar Rothschild.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.