Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 12 (25.3.1937)
- Date
- 1937-03-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Magister Kirsch der sssSe Likör, Magister München VII In Berlin zu. beziehen durch die Weingroßhandlnne Bernhard Brauer, Burgstr. 3 Tel. E l üerolina 4340. Italien Mussolini besuchte am-17. März das Juden- Viertel von Tripolis* wo ihm die Bevölfcening einen begeisterten, Empfang bereitete. Oberrabbiner Dr. Aldo Lattes hiess -Mussolini im Kamen der jüdischen Bevölkerung willkommen und sprach die Hoffnung aus,-däss das faschistische Italien seiner Tradition, die jüdischen religiösen Rechte zu schützen, stets treu bleiben werde. Im Namen der jüdischen Bevölkerung überreichte er dem Duce einen silbernen siebenarmigen Leuchter und versicherte dabei, dass die Juden von Tripolis dem Duce ebenso ergeben seien wie die Mohammedaner. Der Duce sprach dem Oberrabbiner seine Genugtuung über den herzlichen Empfang der Juden von Tripolis aus. ■ * In Rom starb der Präsident des Verbandes -der Jüdischen Gemeinden Italiens, Adv. Feiice Ravenna, im Alter von 67 Jahren. Die Staatsbehörden haben dem Verband ihr Beileid ausgesprochen. Oesterreich Am 14. März fand in Wien die Delegierten- Versammlung des Gesamtverbandes jüdischer Hochsehüler Oesterreichs statt. Als Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde erschienen der Vizepräsident Oberbaurat Stricker und Kultusvorstand Dr. Klaber. Zu Beginn der Tagung verlas Joseph F r e n k e 1 einen feierlichen Protest, in welchem die gesamte, jüdische Hochschülerschaft Oesterreichs die Verfolgungen der jüdischen Studenten in Polen, Rumänien und anderen Ländern als Rückfall in die Barbarei aufs schärfste verurteilt und die Solidarität mit den Opfern bekundet. Gleichzeitig wurde zum Zeichen der nationalen Trauer und des Mitgefühls der Konferenz-Sonntag als Fasttag aller jüdischen Hochschüler erklärt. # Der SOjährige Oberrabbiner der Wiener strengkonservativen Synagogengemeinde Adass Jisroel, J e s a j a F ü r s t, wurde vom Bundespräsidenten mit dem Goldenen Verdienstzeichen ausgezeichnet. Tschechoslowakei Der Kreis der Freunde tschechoslowakischer Legionäre jüdischer "Abstammung, der sich dem Gedanken der Wehrhaftigkeit widmen will, hat seine ordentliche Generalversammlung abgehalten. Zum Vorsitzenden wurde Red. V. Pragr gewählt. An den Altpräsidenten T. G. Masaryk,. an den Präsidenten Dr. Eduard Benesch und an den Ministerpräsidenten Dr. Milan Hodza wurden Begrüssungstelegramme gerichtet. Ungarn Die ungarländische Orthodoxie hielt in Budapest unter dem Vorsitz des Präsidenten der orthodoxen Landeskanzlei. Samuel Kahan- Frankl, eine dreitägige Landeskonferenz ab, an der über 200 Delegierte, unter ihnen über 100 Oberrabbiner, teilnahmen. Der Präsident gedachte in'seiner Eröffnungsansprache seines Vorgängers, äes verstorbenen OberHausmifgliedes Adolf Frankl, schilderte die Lage der Judenheit in der Welt und gab dem Mitgefühl der ungarländischen Orthodoxie mit den vor schwierige Aufgaben gestellten Judenheiten der verschieden Länder Ausdruck. Syndikus Dr. Emmerich Reiner behandelte in seinem Bericht irisbesondere das neue: Ergänzungsstatut und gab der Erwartung. Ausdruck, dass auch das, ■aktuelle Problem einer Oberhaus Vertretung des orthodoxen Judentums im Geiste der Einmütigkeit gelöst werden wird und erinnerte daran,, dass Adolf Frankl'vor vier Jahren die Leiter aller Kirchen sowie die zu positivem Glauben sich bekennenden Gelehrten und Politiker ohne Unterschied der Konfession zu einer Stellungnähme gegen den glaubenzerstörenden Bolschewismus aufgefordert hat. - Zum Schluss betonte er, dass das ungarische Judentum durch die jüngste Erklärung des Regierungschefs in seiner Zuversicht bestärkt worden ist, dass die Regierung wirksamen Schutz gegen Aufreizung gewähren werde. Veränderungen im „Paulus-Bund" Wie die Tagespresse meldet, hat Reichskultürwalter Hinkel. in seiner Eigenschaft als Sonderbeauftragter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda zur Ueberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden und Nichtarier im deutschen Reichsgebiet mit Zustimmung des Reichsministeriums des Innern und des Geheimen Staatspolizeiamtes mit Wirkung vom 15. März alle christlich getauften Voll- und sogenannten Dreivierteljuden, die bislang dem ..Paulus - Bund" (Vereinigung nichtarisch er Christen) angehört haben, aus dieser Organisation ausgegliedert und ihnen anheimgestellt, die .Mitgliedschaft des „Jüdischen Kulturbundes" zu erwerben. Bekanntlich haben bisher dem jüdischen Kulturbund nur Volljuden, die auch zugleich Mitglieder der jüdischen Religionsgemeinschaft waren, angehört, während im Paulus-Bund die christlich getauften Juden und Mischlinge, erfasst wurden. Diesem „Paulus-Bund" dürfen nunmehr nur noch christlich getaufte Mischlinge angehören. Die freiwillige Zugehörigkeit zu den beiden Organisationen ist also jetzt mehr als bisher'nach rassischen Gesichtspunkten geregelt. Reichseinheitliche Regelung für Bäderbesuch der Juden angekündigt Wie der „Fremdenverkehr" mitteilt, beabsichtigt der Reichsinnenminister nach einer Anregung des Reichsausschusses für Fremdenverkehr in kürzester Frist eine reichseinheitliche Regelung der mit der Judenfrage in deutschen Bädern und Kurorten zusammenhängenden Angelegenheiten der Fremden- und Gewerbepolizei zu treffen. Bis zum Erlass dieser Anordnung hat der Präsident des Reichsausschusses für Fremdenverkehr ersucht im Interesse der einheitlichen Förderung des Fremdenverkehrs Sonderregelungen für einzelne Gebiete und Orte nicht zu treffen. Wo derartige Anordnungen ohne das Einverständnis der zuständigen Reichsministerien und Die Geschäftsstelle des Landesverbandes Rheinland-Westfalen des Jüdischen Centrai-Vereins befindet sich ab J. April 1937: Essen, Jiindenburgstrasse 75. 3es Präsidenten "des Relchsausschusses erfolg? sind," soll Vonihrer Durchführung abgesehen werden. Rassenpolitik und Judenfrage In einem umfangreichen Aufsatz „Der ■ deutsche Rassengedanke -und die Welt" („Hochschule und Ausland", 15i Jahrgang, Nr. 2) erklärt Walter Gross die Grundsätze der nationalsozialistischen Judenpolitik: „Für den Juden 'ist folgerichtig das Jüdische das ihm Artgemässe /und Richtige. Für uns ist es fremd, und daraus folgt der "Grundsatz aller Rassenpolitik: man muss dafür sorgen, dass man innerhalb seines eigenen Volkes einheitliche rassische Elemente hat. Versäumt man das. und hat man innerhalb seiner Bevölkerung sehr heterogene, voneinander abweichende rassische Elemente, so führt das zu Spannungen, die dem völkischen Leben keineswegs nützlich sein können. Geht man aber noch einen Schritt weiter und. lässt man diese so verschiedenen Rassenelemente jetzt durcheinander heiraten und sich vermischen, dann erzielt man den Mischling, den Bastard, das Ergebnis der Kreuzung von zwei wesensfremden, wesensverschiedenen Rassen. Und dieser Mischling. — das zeigt die Erfahrung und lehrt die Theorie der Vererbungsvorganges —, ist in jedem Falle eine Mittelstufe zwischen den beiden Ausgangspartnern, d. h. also, er kann einmal das Gute von dem einen haben oder das Schlechte von dem anderen, oder umgekehrt, aber im allgemeinen wird er nicht so vollkommen und" nicht so vollendet sein wie jeder der beiden Ausgangspartner, und zwar deshalb nicht, weil er nichts Harmonisches, Ganzes, Stil-" volles ist. Die Erfahrung lehrt, dass gerade im Geistigen die Auswirkung dieser rassischen Stilformen unendlich wichtig ist. Der Mischling — dafür hat gerade Deutschland in der Durchführung seiner Judengesetzgebung sehr reiches Material sammeln können — gehört zu keiner der beiden Gruppen; der deutsch - jüdische Mischling ist nicht Deutscher, er hat eine jüdische"Mutter; er ist nicht Jude, denn sein Vater war nicht Jude. So steht er zwischen den Völkern und Rassen und ist bei keinem zu Hause. Man will nicht, dass in Zukunft noch solche Mischlinge entstehen, und zwar nicht, weil eine bestimmte Rasse für minderwertig gehalten wird, sondern weil jede Rasse auf der Welt an der Stelle, wo sie zu Hause ist, ihre eigene Existenz und ihr Recht haben soll. Deutschland beansprucht nicht, bei anderenfremden Völkern den Ton anzugeben, es kann aber auch nicht dulden, dass Fremde bei ihm regieren." I1. F. # Der Direktor 'des Kaiser-Wilhelm-Instituts, Professor Eugen Fischer, hielt in dem Institut für erbbiologische Forschung an der Franko furter Universität einen Vortrag über die Bedeutung der Rassenbiologie für Deutschland. In ihm sagte er nach den Berichten in der Tagespresse unter anderem: Die Rasse sei etwas Gegebenes, Unteilbares, das wohl verfälscht oder zerstört werden könne, aber sich in der Reihe der Inkarnationen aus dem Vergangenen in unabsehbare Zukunft fortsetze. Rassenbildende Möglichkeiten träten heute in den Bereich wissenschaftlicher Versuche und planmässiger Entwicklung. Im Rahmen einer negativen und positiven Rassenhygiene müsse das Judentum als ein Gegner des deutschen Volkes erscheinen. Nicht Minderwertigkeit allerdings' liege beim Judentum vor, sondern eine Andersartigkeit, die im Begriffe gewesen sei, den Volksaufbau zu stören. Zum erstenmal in der Geschichte eines modernen Volkes stehe, die fdeutsche Gesetzmuhm^mi Schachaufgabe Nr. 94. von Dr. N. Mannheimer (Frankfurter Zeitung .1925) Matt in zwei Zügen. Weiss: KaS. Del. Tcß. Lb3. Sa6, Bao, e4, «7, f6 (0) Schwarz: Kd7, Tc4, Le8, Bd6, il (5) * Schachaufgabe Nr. 95 von B. Niemzowitsch (Deutsches Wochenschach 1925) Matt in drei Zügen. Weiss: Kg3, DaS, Lf2, Lg4, Baö, U, co, e3, h5 (9) Schwarz: Kfl, Sb8, Ba6, b5, c6, e4, h6 ' (7) * Lösung der Aufgabe Nr. 92: 1. Lg8—h7, f7—f6; 2. Lh7—c2, f6—f5; ■ . 3. Lc2—a4. fö—f4: 4. Sd4—b3 matt. 1..... f7—fö; 2. Kc3—b3. f5—f4; 3. e3Xf4, Kc5Xd4; 4. Lc7—U matt. # Lösung der Aufgabe Nr. 93: 1. Sa5Xb7, Lc8Xb7. 2. Lc4—e2f, Lb7—f3. 3. Da6—a5, Lf3Xe2 matt. * Richtige Lösungen der Aufgaben 92 und 93 gingen ein von: Gerhard Lewisohn (Quedlinburg). Von Nr. 92: Siegmund Austerlitz (Giessen), Rechtsanwalt Dr. Ernst Boehn (Brieg). Von Nr. /93:. Bernhard Loeb (Bingen), Tierarzt Max Koschminski,(Landsberg a. d. Warthe). Von Nr. 91': Rechtsanwalt Ludwig Mayer (Berlin).- gebung auf erbbiologischer Grundlage. Damit sei klar die Frage der biologischen Zukunft gestellt worden. Der Reichsärzteführer Dr. Wagner hat die mit der Bearbeitung und Entscheidung der ärztlichen Niederlassungssperre in Berlin und München zusammenhängenden Fragen für Berlin dem Leiter der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands, Dr. Grote, und für ,München Herrn Dr. Lorenzer übertragen. . Otto Driesen Ein jüdischer Schulmann Wie in der C.-V.-Zeitung Nr. 11 vom 18. März berichtet wurde, tritt Oberstudiendirektor Dr. Otto Driesen (Frankfurt a.M.) am 1. April .in den Ruhestand. Mit seinem Ausscheiden aus Zeichnung von Arthur Galliner dem jüdischen Schuldienst schliesst ein Abschnitt der vor 133 Jahren gegründeten jüdischen Schule „Das Philantropin" in Frankfurt am Main. Die starke Prägung, welche die kraftvolle Persönlichkeit von^Otto Driesen dem jüdischen Schulwerk in Deutschland während seiner 16jährigen Amtstätigkeit am Philantropin gegeben hat,.veranlasste den Vorstand, den Schulrat und die Israelitische Gemeinde zu Frankfurt a. M., Otto Driesen eine Weihestunde zu widmen, zu welcher neben zahlreichen Frankfurter jüdischen Organisationen auch die Reichsvertretung der Juden in Deutschland und der Jüdische Centrai- Verein einen Vertreter entsandt hatte. Das bei dieser Gelegenheit in vielen Ansprachen gezeichnete Bild dieses jüdischen Schulleiters soll an dieser Stelle ebenfalls eine Darstellung erfahren. Bevor Otto Driesen nach Frankfurt a. M. kam, hatte er — der Lehrerssohn aus Unterfranken — eine vielseitige Ausbildung und Erfahrung bereits gesammelt. Hochschulstudium an deutschen und ausländischen Universitäten gaben ihm eine w'issensmässige Ausbildung und einen weltoffenen Blick. Insbesondere während seiner Studienzeit in Paris formte sich seine jüdische Grundhaltung in Auseinandersetzungen mit Max Nordau und dem jüdischen Nationalismus. Nach kulturgeschichtlichen Studien, die ihren Niederschlag in vielen Werken (u. a. an Brockhaus' Konversationslexikon) gefunden hat, wurde er Oberlehrer an der späteren Hindenburg-Schule in Berlin-Charlottenburg. Driesens neuartigen pädagogischen Methoden, die Einführung von Lichtbild und Grammophon in den Unterricht, wurden durch seine öffentlichen Vorträge in der „Urania" und durch Publikationen in Berlin einem grösseren Kreise bekannt. Im Jahre 1910 vertrat er die Stadt Charlottenburg auf der Weltausstellung in Brüssel, in späteren Jahren erhielt er ehrenvolle Berufungen als Mitarbeiter verschiedener Behörden im Reichsdienst, z. B. beim Pressechef beim Reichskanzler Anfang 1918 und Referent im Reichsministerium des Auswärtigen im Jahre 1919. Wenn Otto Driesen im Jahre 1922 nach schwerem Kampf dem Philantropin eine Volksschule angliedern konnte, so beweist dieser Erfolg seine weitreichende Auffassung jüdischer Bildungsarbeit. Die reichen. Erfahrungen dieser jüdischen Volksschule, in welcher, wie an der höheren Lehranstalt, die jungen Menschen als bewusste Juden, aber mit starker, weltoffener Bildung erzogen wurden, konnten nach dem Umbruch dem n'euerstehenden jüdischen Schulwerk in ganz Deutschland nutzbar gemacht werden und vielen jüdischen Kindern auch aus den hessischen Gemeinden eine bildungsmässige Heimat verschaffen. Driesens Initative ermöglichte den Ausbau des Philantropin zur Voilanstalt (Reform-Realgymnasium) mit der Berechtigung zur staatlichen Reife pTüfung im Jahre 1925 und die' Berechtigung für alle Abschlussprüfungen der englischen höheren Schule' mit Genehmigung des Reichsünterrichtsniinisters vom 12. Februar 1937 im Einverständnis mit der Universität Cambridge. Zu den pädagogischen Leistungen Otto Driesens zählen die Schaffung einer;Frauenschule, welche zehn Jahre lang schulentlassenen Mädchen nach Art der heutigen jüdischen Vorlehre den Weg ins Leben vorbereitete, der Gemeinschaftsunterricht als eine Art Schulgemeinde und die Arbeitsgemeinschaft „Probleme des Judentum s", in welcher in freier Aussprache versucht wird, die Schüler von Schlagwort und vorgefasster Meinung zu befreien und in ihnen den Willen zur eigenen Willensbildung zu stärken. Die „Pädagogische Woche" im Jahre 1934, über die die C.-V.-Zeitung durch einen Sonderberichterstatter ihre Leser informierte, hat allen jüdischen Schulkreisen Deutschlands das erzieherische Schaffen von Otto Driesen beispielgebend vor Augen geführt. Zur Stärkung des jüdischen Gemeinschaftsbewusstseins unter den Schülern schuf Driesen im Jahre 1931 einen eigenen Schulsportverein, der heute beachtliche sportliche Spitzen- und Breitenarbeit leistet. Ferner regte er die Gründung einer Theaterspielschar an, die jetzt unter Leitung von Dr. Hans Zucker steht und anlässlich der Abschiedsfeier das dramatische Gedicht „Simson" von Dr-. Hans Zucker zur Aufführung gebracht hat. Es gehört zu den beachtlichen Leistungen Otto Driesens, dass es ihm gelang, den bei seinem Antritt getrennten liberalen und konservativen Religionsunterricht zu einem einheitlichen Religionsunterricht zusammenzufassen. Gerade in einer Einheitsgemeinde wie Frankfurt a. M., mit ihren starken religiösen Schattierungen, war dieser Erfolg der gemeinsamen religiösen Erziehung jüdischer Schüler der verschiedenen Richtungen von starker pädagogischer Bedeutung. Für "religiöse Fragen hat er' gerade in letzter Zeit ein besonderes lebhaftes Interesse bewiesen und in Auseinandersetzungen über die Grundlage und Voraussetzung des jüdisch-religiösen Liberalismus wichtige Beiträge geliefert. In zahlreichen Stiftungen, welche mit dem Philantropin verbunden sind, wirkte Driesen als pädagogischer Berater. Er fand so die Möglichkeit, sich um die Schüler, welche durch einzelne Stiftungen in einer Art Internat des Philantropin gebracht wurden, auch. hinsichtlich ihrer Entwicklung ausserhalb der Schule zu kümmern. Das Lebenswerk dieses hervorragenden lebendigen jüdischen Pädagogen ist nicht abgeschlossen. Er wird sich im Ruhestand weiter jüdischen Erziehungsaufgaben widmen. Dieser humanistisch geblidete Lehrer legte in der Abschiedsstunde ein Bekenntnis zu seinem Erziehuhgsideal ab, zu der Forderung des „gebildeten Juden". Er schilderte die Verbindungen, die historisch von Goethe zum „Philantropin" bestehen, und die geistige Ausrichtung, die neben einem starken jüdischen Fundament die jüdische Schule ihrer Jugend zu vermitteln hat. Wenn Otto Driesen, der Senior der jüdischen Schulleiter Deutschlands, seine Tätigkeit vor 16 Jahren in Frankfurt a. M. mit dem Bekenntnis zum „Europäischen Gymnasium" begann, so hat dies durch die dankbaren. Grüsse von Philantropinern aus aller Welt, welche bei der Abschiedsfeier verlesen wurden, eine Bestätigung gefunden. Der Jüdische Central-Verein ist stolz darauf, Otto Driesen zu seinen engeren Freunden und Mitarbeitern zählen zu dürfen. In einer Zeit, in der die jüdische Gemeinschaft in Deutschland immer ärmer wird an Menschen mit Sachkunde und Erfahrung, wird die Freistellung Otto Driesens von der laufenden pflichtgemässen Berufsarbeit Gelegenheit geben, diesen organisatorisch vielseitig begabten Schulmann und lebendigen Geist einzusetzen für die vielfältige. Gemeinschaftsarbeit jüdischer Bildung in Deutschland. Dr. Wolf gang S. Matzdorff, Frankfurt a. M,