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Central-Verein-Zeitung · 1937-03-25 · 12 (25.3.1937) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
12 (25.3.1937)
Date
1937-03-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12 * 1. Beiblaif LYZeihinq 25. März 1937 EKUADOR (II) f Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung von Dr. Bruno Weil Guayaquil, im Februar 1937. Bei der Beurteilung der Dinge in Ekuador darf man auch nicht vergessen, dass dieses Land während Jahrhunderten das von der Welt am meisten abgeschnittene in ganzSüdamerika gewesen ist. Die Eröffnung des Panamakanals hat dann die Nachteile der geographischen Lage mit einem Schlage erheblich gemindert. Ekuador hatte, ehe die Wanderbewegung der letzten Jahre einsetzte, so gut wie überhaupt keine jüdische Bevölkerung. Der Ingenieur Rosenstock, der sich in Quito grosse Verdienste um die Ansiedlung ankommender Glaubensgenossen erworben hat, war, als er vor 28 Jahren für die Firma Orenstein & Koppel dorthin kam, lange Zeit nahezu der einzige Jude im ganzen Lande. Jetzt (also Ende Januar 1937) gibt es nach den mir gemachten Angaben insgesamt 720 Juden in Ekuador. Davon leben in Guayaquil etwa 230, in Quito 330, in den beiden Städten also 560, der Rest verteilt sich auf ganz kleine Siedlungen zum Teil städtischer, zum Teil landwirtschaftlicher Art. So leben in der Stadt Cuenca, die schwer zu erreichen ist, aber gutes Klima hat und 2400 Meter hoch liegt, 22 Personen. Unter den oben erwähnten 700 Juden in Ekuador befinden sich in Guayaquil etwa 90 aus Deutschland stammende, in Quito etwa 60. Diee Zahl der aus Deutschland gekommenen Juden wird also nicht einmal 200 erreichen. Unter diesen sind wohl die Hälfte Personen, die durch die H i c e m aus anderen europäischen Ländern, nach denen sie von Deutschland aus zunächst gewandert waren, nach Ekuador gebracht worden sind. U m - zugsgut der Einwanderer bleibt dabei in jedem Umfange zollfrei, wenn es angemeldet worden ist. Die Lebenshaltung ist in Ekuador entsprechend der Währung und infolge des Umstandes, dass die zur einfachsten Lebensführung unbedingt erforderlichen Dinge vom Lande selbst hervorgebracht werden, sehr billig, ich glaube mit - Bolivien die billigste von Südamerika. Die in den beiden Hauptorten tätigen Komitees, deren unter sehr schwierigen Umständen geleistete Arbeit eine besondere Anerkennung verdient, teilten mir mit, dass sie Einwanderer, die über keinerlei Mittel verfügen, in Pensionen für 100 Sucres im Monat, also für etwa 22 RM unterbringen können, und dass es für den doppelten Betrag die beste überhaupt vorhandene deutsche Pension gäbe. Im besten -Hotel kostet das sehr reichliche Menu 3 Sucres, etwas mehr als 60 Pfennig. Es ist unnötig, weitere Details zu geben. Dass bei einer so kapitalarmen Wirtschaft auch kapitalistische Existenzen mit Beträgen gegründet werden können, die anderwärts bei weitem nicht dazu ausreichen, ergibt sich aus dem Gesagten ohne weiteres. Unter den in den Organismus dieses Landes eingegliederten 'Juden aus Deutschland gibt es sieben Hochschullehrer, die, soweit ich sie gesprochen habe, mit ihrer Tätigkeit sehr zufrieden sind, ferner zwei Aerzte, die eine schöne Praxis haben. Für weitere Aerzte werden aber wohl die gleichen Schwierigkeiten bestehen, die trotz der theoretischen Möglichkeiten in ganz Südamerika vorhanden sind, vielleicht mit der Einschränkung, dass es in diesem Lande noch weiter abseits liegende Gegenden mit kleineren Städtchen gibt, in denen ein in Europa vorgebildeter Arzt sein Auskommen finden könnte. Auch zwei Zahnärzte sind in Ekuador untergebracht worden. Von den aus Deutschland Eingewanderten sind im übrigen 80 Prozent als Angestellte tätig. Die ostjüdische Bevölkerung, mit der auch in diesem Lande nur sehr lose Beziehungen bestehen, ist fast ausschliesslich im Hausierberuf tätig. Da gerade während unserer Anwesenheit ein Hausierverbot für Peru erging, wurde ein weiteres Anwachsen dieses Bevölkerungszweiges in Ekuador erwartet. Auf industriellem Gebiet bleibt in Ekuador noch so gut wie alles zu tun. Ist Südamerika eine unserem Empfindungsleben in vielem neue und fremde Welt, gilt dies im ganzen viel mehr noch von der Westküste als von der östlichen, die ihr Gesicht Europa stärker zugewandt hat, so gilt es vielleicht am meisten neben dem für die Einwanderung überhaupt nicht in Betracht kommenden Bolivien für Ekuador. Alles: Sitten, Gebräuche, Menschen, denen selbst bei Kenntnis des Spanischen es bei vier Fünfteln der Bewohner keine Verständigungsmöglichkeit gibt; der Mangel an geistiger Anregung; das Klima mit seiner tropischen Pilanzenpracht, aber auch mit der ungewohnten Hitze, die die Energien so leicht abtütet; die hochgelegene Hauptstadt, die den Reiz der spanischen Stadt noch bewahrt und Kirchen besitzt, deren Pracht von keiner europäischen überboten wird, die aber keineswegs einen „ewigen Früh- "lingt", wie man gesagt hat, bietet. Es sei denn, man verstehe unter dem Frühling das leichte Frösteln, das man in vielen Gegenden Europas empfindet, sobald der Kalender angezeigt hat, der Frühling sei angebrochen. Ich empfinde die Verantwortung gerade in der Beurteilung der Dinge Ekuadors besonders schwer, weil in Europa eine Propaganda für dieses Land gemacht worden ist, die aus ideellen Motiven allein nicht verstanden werden kann. Auf der anderen Seite ist hier eine Regierung, die ihr Wohlwollen für jüdische Einwanderung fortgesetzt in deutlicher Weise zum Ausdruck bringt. Die verantwortlichen Stellen haben das ja erst in diesen Tagen mit grosser Wärme getan. Ich meine daher: die Frage der landwirtschaftlichen Siedlung in Ekuador sollte durch die vorgeschlagene Kommission im Einvernehmen mit der Regierung des Landes geprüft werden. Ergibt sich eine gute Möglichkeit, so sind Abmachungen unschwer zu erreichen. Für die rein händlerischen und handwerksmäßigen Berufe sind die Aussichten schlecht. Die Unterbringung von Angestellten ist bisher in überraschendem Masse gelungen, und sie wird auch weiter als in kleinem Umfange möglich bezeichnet, wenn vor allem gute spanische Sprachkenntnisse mitgebracht werden. Diese Frage kann man gar nicht genug unterstreichen. In den südamerikanischen Ländern ist die Meinung verbreitet, es werde durch die Organisationen in Europa nicht genügend nach dieser Richtung veranlasst. So falsch der Vorwurf ist, und wir haben ihn immer wieder zurückgewiesen, er mag doch zum Ansporn dienen, in der Sprachfrage noch mehr zu tun und gerade die Widerstände zu überwinden, die von Seiten der künftigen Auswanderer gemacht werden. Schlechte. Aussichten bestehen wie überall auch in Ekuador für die Angehörigen der freien Berufe. Ueber die Aerzte habe ich schon gesprochen. Die Angehörigen meines eigenen Berufs können in ihm selbst kaum irgendwo etwas erreichen. In Ekuador sicher nicht. Ihnen bleibt in aller Regel nur eine völlige Berufsumstellung übrig. Zum Schluss noch ein Wort über die jüdischen Organisationen in diesem Lande. .Ihre Bedeutung ist uns in jedem der Staaten, in die wir gekommen sind, immer klarer geworden. Von dem Empfang, den ein Hilfskomitee den nach der langen Seereise, nach dem Abschied von so vielen teuren Menschen und Dingen seelisch Erschöpften, körperlich Ermüdeten, bereiten, hängt so vieles für den Start im neuen Lande ab. Kein Wort des Lobes, des Dankes, der Lobpreisung brüderlicher Gesinnung ist hoch genug, um die Gefühle zum Ausdruck zu bringen, die uns bewegen, wenn wir an alles das denken, was wir gesehen haben. Ueberall tapfere Menschen, aufrechte Juden, hilfsbereite Brüder. Dass auch ihr Tun so häufig Stückwerk bleibt, liegt in seiner Eigenschaft als Menschenwerk. Am meisten haben in der Regel die zu tadeln, die in der alten wie in ihrer neuen Heimat am wenigsten an Werken der Gemeinsamkeit geleistet haben. In den Ländern, in denen ein länger ansässiges, auch wirtschaftlich kräftiges Judentum fehlt, und das ist besonders bei Ekuador der Fall, sind die Schwierigkeiten besonders gross. Die H i c e m hat in den beiden grösseren Städten ein Hilfskomitee, das in Guayaquil unter der Leitung von Dr. Morgens steht und fast alle ankommenden Einwanderer untergebracht hat. In Quito ist der Korrespondent der Hicem Ingenieur Rodenstock, der auch die Leitung des Hilfsvereins der deutschsprechenden Juden in die Hand nehmen wird. Der Entschluss, nach Südamerika zu gehen, sollte von unseren Freunden im allgemeinen nicht allzu leicht genommen werden. Nach dort sollte nur gehen, wer einen schönen Vorrat an Gesundheit, Tropenfestigkeit, an Mut und Bereitwilligkeit zu einer weitgehenden Umgestaltung des bisherigen Lebens besitzt jW^/fafe||@j Alligator!«^ » d g u t e Udfirw ojr^e ji UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE. Berlin, Tauentrienstrafee 16 Hamburg, Jungfernsüeg 43 Köln &. Rh., HohestraÄe IIS Eisen, Limbeckstralse 10 Essen, Am HanptbahnhoflO Bochum, Kortumstrafie 67 Frankfurt a.M„ RoJsmarkt 15 Zentrale, Offenbach a. M Wuppertal-Elberfeld, Herzogstrafie 36 Paraguay verschliesst sich jüdischer Einwanderung Die Leitung der Hias Ica Immigration Association (Hicem) ist von ihrem Komitee in Montevideo telegraphisch verständigt worden, dass die Regierung von Paraguay es dem Lloyd Brasilien, dessen Dampfer die Verbindung zwischen Montevideo und Asuncion auf dem Flusswege herstellen, verboten hat, jüdische Passagiere an Bord zu nehmen. Hierzu erklärt die Leitung der Hicem, dass diese Massnahme einem vollständigen Verbot jüdischer Einwanderung nach Paraguay gleichkomme. Es sei notwendig, alle für die Auswanderung nach Paraguay in Betracht kommenden Personen in Europa hiervon in Kenntnis zu setzen, damit sie die Reise nicht antreten, selbst Evenn sie hierzu sofort in der Lage sind. Auslands -Nachrichten Amerika Das American Institute of Public Opinion hat eine Umfrage bei 5000 amerikanischen Juristen über die von ihnen gewünschte Besetzung einer etwa frei werdenden Stelle im Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten veranstaltet. Die höchste Stimmenzahl erhielt Professor Dr. Felix Frankfurter von der Harvard-Universität. Professor Frankfurter war Mitglied der amerikaniscn-jüdischen Delegation bei der Pariser Friedenskonferenz. England Bei einem feierlichen Appell der Jewish Lads' Brigade (Jüdischer Pfadfinderverband) hielt der stellvertretende Chef der britischen Armee, General Sir Harry K n o x, eine Ansprache, in der er die besondere Vaterlandsliebe der englischen Juden hervorhob; er sagte unter anderem: „Ich weiss, dass über 50 000 euerer Glaubensgenossen im Kriege Heeresdienst ge- - leistet haben, und dass die Jugend, zu der ich jetzt spreche, innerlich verwandt ist mit den jüdischen Soldaten der britischen bewaffneten Macht." Der General erinnerte daran, dass fünf Juden mit dem Viktoria-Kreuz und viele andere mit verschiedenen Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet worden seien. Die Juden seien Bürger des Reiches und sie hätten ihre Opferbereitschaft gezeigt. Mit Stolz sehe er, dass die jüdischen Söhne in die Fusstapfen ihrer Väter treten. Holland Im Oberhaus des niederländischen Parlaments gab der Minister für Bauten und Strassen, Jonkheer Ing. van Lidth de Jeude, bekannt, dass der am 1. November 1936 abgelaufene Pachtvertrag des Jüdischen Werkdorfes im Wieringermeerpolder für weitere zwei Jahre verlängert worden ist. Gegenüber den Ein- . wänden, die von judenfeindlicher Seite gegen die Unterstützung dieses jüdischen Ausbildungswerkes durch die niederländische Regierung erhoben wurden, erklärte der Minister, die Regierung habe keine Ursache, diese Unterstützung zu verweigern, da sämtliche Zöglinge nach vollendeter Ausbildung nach Palästina oder Südamerika auswandern. * Der Präsident der französischen Republik, Lebrun, hat den bekannten holländischjüdischen Gelehrten Dr. W. J. de Haas, Professor der Staatsuniversität in Leyden, zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Neu- Erscheinungen MARTIN BUBER DER GROSSE MAGGID ' MARTIN BUBER DIE FRAGE AN DEN EINZELNEN EHpn b^n *i£D DR. S. MANDELKERN Bibelkonkordanz n:m ms Mit den Kommentaren: Dwadja von Bcrtinoro und Kizzur Toßfot Jom Tow FRANZ ROSENZWEIG DER STERN DER ERLÖSUNG HANS ZUCKER STUDIEN ZUR JÜDISCHEN SELBST- VERWALTUNG IM ALTERTUM Neu- Erscheinungen im im Frühjahr 128 Seiten Zweite vermehrte und verbesserte Auflage Zwei Bände 200 Seiten Frühjahr 1937 328 Seiten / Leinen M 2.85 Kart. M 2.50 / Leinen M 3.50 1568 S. / Halbleder M 30.— 1216 Seiten / Leinen M 8.— 3 Bände / Leinen M 12.— Kart. M 6.— /■ Leinen M 7.20 1937 aus dem Schocken Verlag in MARTIN BUBER KÖNIGTUM GOTTES Zweite vermehrte Auflage bin®'* nTnr nno Vollständiges Gebetbuch für das ganze Jahr mit einem erklärenden Kommentar von DR. S. BAER mbm niKipia mm vtf»in rwzn Die fünf Bücher der "Weisung (Tora) mit den klassischen Kommentaren herausgegeben von S. NETTER :nibrii msrpi» mm TOin mran Die fünf Bücher der Weisung (Tora) mit den klassischen Kommentaren herausgegeben von S. NETTER ARTHUR RUPPIN DREISSIG JAHRE AUFBAU IN PALÄSTINA Reden und Schriften ADOLF REIFENBERG DENKMÄLER DER JÜDISCHEN ANTIKE aus dem Schocken Verlag in Berlin 35 S Seiten Grosse Ausgabe Verkleinerte Ausgabe Dünndruck Ein Bilderband der Bücherei mit 63 Tafeln Berlin Kart. M 7.50 / Leinen M 9.50 912 Seiten / Leinen M 9.80 2 Bde M 20.—, 5 Bde M 25.— 1680 Seiten / Leinen M 9.80 412 Seiten / Lernen M 7.50 192 Seiten / Leinen M 2.50

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