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Central-Verein-Zeitung · 1937-03-18 · 11 (18.3.1937) · page 21

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
11 (18.3.1937)
Date
1937-03-18
Page
– (sequence 21)
Language
German
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& Palästina-Umschau der C.-V.-Zeltim Palästina-Wirtschaft im Spiegel der Handelsbilanz Ausbau der Selbstversorgung — Hemmungen der Einfuhr — Steigender Industrie-Export Die Bedeutung des Durchgangs-Handels / Von unserem *-Palästina-Berichterstatter Tel-Aviv, 10. März 1937. Der palästinensischen Aussenhandelsbilanz für 1936, die diesmal "besonders früh veröffentlicht wird, kommt eine grössere Bedeutung zu als in 'den vorangegangenen Jahren. Einmal gibt sie einen besonders zuverlässigen und umfassenden Aufschluss über das Volumen der Wirtschaftstätigkeit, über das in diesem Jahre der Unruhen oft mehr auf Grund von Vermutungen oder subjektiven Eindrücken als auf Grund exakter Feststellungen gesprochen wurde. Sodann aber lässt sie gewisse Wandlungen der palästinensischen Wirtschaftsstruktur deutlich erkennen. Das Gesamtvolumen des Aussenhandels hat sich gegenüber dem Vorjahr um genau 20 Prozent vermindert. Der Einfluss einer solchen Umsatz-Schrumpfung soll gewiss nicht bagatellisiert werden. Aber man wird zugeben müssen, dass sich das Ausmass des Rückganges in durchaus normalen Grenzen hält, wenn man die vielen widrigen Einflüsse, denen die junge Wirtschaft dieses Landes im letzten Jahr ausgesetzt war, in Rechnung stellt. Dabei ist überdies nur ein Teil des gesamten Rückganges den konjunkturellen Faktoren, in erster Linie den Unruhen sowie den devisenpolitischen Erschwerungen des Kapitalimports, zuzuschreiben, ein wesentlicher Teil dagegen dem geringen Erlös der vorjährigen Orangenernte, der nicht auf das Konto der Wirtschaft, sondern auf das Konto des Wetters zu buchen ist. Per Saldo war der Gesamtumfang des Aussenhandels kaum geringer als in dem sehr guten Jahr 1934, und noch jetzt beträgt das Volumen mehr als das Doppelte der Jahre 1931 oder 1932, also der Zeit, in der Palästina sich zwar einer guten Konjunktur, aber keiner „Prosperity" erfreute. Aber der Vergleich mit früheren Jahren zeigt schon den entscheidenden Strukturwandel. Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass der Gesamtumfang des Aussenhandels sich ungefähr auf dem Stande von 1934 hält. Seine Zusammensetzung aber hat sich wesentlich geändert. Damals war die Einfuhr grösser, die Ausfuhr aber kleiner als in diesem Jahr. Das ist natürlich kein Zufall. Vielmehr gelangt man von diesem Punkt aus zu zahlreichen wichtigen Erkenntnissen über die innere Entwicklung der palästinensischen Wirtschaft, die im folgenden an einigen Beispielen aus der jüngsten Vergangenheit beleuchtet werden sollen. Einfuhr in Mill. LP 1932 In c 1S33 sn Jan 1934 ren 1935 1936 Insgesamt............. 7,77 11,13 15,16 17.85 13,88 davon Lebensmittel____ 1.78 2,43 2.90 3.65 3,94 „ Bolistoffe....... 0,n6 0.84 1,08 1.32 0.97 „ Fertigwaren____ 3,91 5.74 9.17 10.79 6,55 „ Verschiedenes.. 1,52 2,12 2.01 2,09 2,52 Gesamt aus fuhr...... 2,37 2.59 3.21 4,21 3.63 davon Lebensmittel____ 2.02 2.25 2,86 3,74 3105 „ Rohstoffe....... 0.04 0,03 0,06 0.10 0,16 „ Fertigwaren.... 0,31 0,31 0,29 0,37 0,42 Der Rückgang der Einfuhr ist leicht zu erklären. Vorweg sei bemerkt, dass der Einfuhrrückgang, wenigstens in einigen Warengruppen, mengenmässig noch stärker sein dürfte als wertmassig, denn die Preise verschiedener wichtiger Einfuhrwaren sind am Weltmarkt stark gestiegen. Diese Preissteigerung aber im Verein mit den nüchterneren Kalkulationsgewohnheiten, die inzwischen Platz gegriffen haben, und den wesentlich verschärften Zahlungsbedingungen der ausländischen Lieferanten, die keineswegs mehr, wie in den Zeiten des Absatzmangels, zur Gewährung von Lieferkrediten geneigt sind, haben auch die palästinensischen Importeure zu vorsichtigerer Einkaufsdisposition veranlasst. Es wird nicht mehr spekulativ oder auf unbegrenztes Wachstum hin gekauft, sondern nur der wirkliche Bedarf gedeckt. Der wirkliche Bedarf aber ist natürlich geringer geworden, nicht nur weil zeitweilig die Nachfrage nach Produktionsmitteln infolge der verminderten Investitionstätigkeit sank, sondern weil immer mehr Industrieprodukte, die bisher importiert wurden, von heimischen Produzenten geliefert werden. Rasierklingen und Füllfederhalter, Karosserien und Wagehachsen — um nur einige der neueren Gründungen zu erwähnen — werden seit einiger Zeit im Lande hergestellt, und die heimischen Produkte haben sich in Preis und Qualität als konkurrenzfähig erwiesen. Zwei weitere Neugründungen, die sich freilich im alten Aussenhandelsjahr noch kaum ausgewirkt haben dürften, haben jetzt ihren Betrieb aufgenommen und werden zweifellos die Handelsbilanz weiter in dem' geschilderten Sinne beeinflussen. Eine Konservenfabrik, die von deutschen Einwanderern in der aufblühenden Seestadt Natania errichtet worden ist, bringt nicht nur Obst- und Gemüsekonserven heraus, sondern neuerdings auch Fischkonserven aus den Erzeugnissen der neuen jüdischen Fischereiunternehmungen in den Küsten- und Binnengewässern des Landes. Derartige Konserven waren bisher ein bedeutender Einfuhrposten. In Haifa ist weiterhin dieser ifege die erste Fabrik des Landes für elek* trische Drähte eröffnet worden. Ihr Grossaktionär ist zugleich ihr Hauptabnehmer — die Ruthenberg - Elektrizitätsgesellschaft; die Kapazität des Werkes ist so bemessen, dass nach Ablauf der Versuchsperiode der ganze Einfuhrbedarf von rund 50 000 LP gedeckt werden kann. Schliesslich sei noch daran erinnert, dass auch die bestehenden Produktionsstätten nicht nur von einigen neuen Zöllen, sondern namentlich von der neuen „Tozeret-Haarez-Aktion" Vorteil haben werden. Schon jetzt gehen auch die eingewanderten Aerzte in steigendem Ausmass dazu über, die Erzeugnisse der hiesigen pharmazeutischen Industrie, die strengen Prüfungen standgehalten haben, zu verschreiben, und das grösste Eisen- und Röhrenwerk des Landes, die Kremener -Werke in Haifa, die infolge finanzieller Bedrängnis ihren Betrieb mehrere Monate lang stark einschränken mussten, sind jetzt mit Hilfe der jüdisch-amerikanischen Palestine Corporation reorganisiert und in die Lage versetzt worden, ihre Produktion auf verbreiterter Basis wieder aufzunehmen. Erwähnt man schliesslich noch die gerade während der Unruhen stark ausgebaute Leistungsfähigkeit der jüdischen Landwirtschaft auf dem Gebiete der verschiedenen Milchprodukte, der Geflügel- und Eiererzeugung sowie des Gemüsebaus, so wird es begreiflich, dass die Abhängigkeit von der Einfuhr auf manchen Gebieten sinkt. So ist zum erstenmal seit Jahren auch die Lebensmitieleinfuhr weniger stark gestiegen, als es dem Wachstum der Bevölkerung entsprochen hätte. In den Zeiten der Rekordeinwanderung war der Verbrauch weit über die Erzeugungsfähigkeit der Landwirtschaft und der Industrie hinausgewachsen. Jetzt beginnen die Produzenten, diesen Vorsprung einzuholen. Dass all diese Gründungen und Erweiterungen eine gewisse Einfuhr von-Produktionsmitteln bedingen und auch in Zukunft bedingen werden, liegt auf der Hand. Noch viel interessanter aber ist eigentlich der Strukturwandel auf der Ausfuhrseite. Der grosse Schönheitsfehler der Bilanz für 1936 ist die schlechte Zitrussaison 1935/36. Für das laufende Jahr ist schon nach den bisherigen Verschiffungen eine um rund 50 Prozent höhere Zitrusausfuhr anzunehmen, und auch die Erlöse, die zeitweilig einem scharfen Druck ausgesetzt waren, haben sich dieser Tage, nach den letzten Londoner Marktberichten, kräftig erholt. Um aber zu der Bilanz des letzten Jahres zurückzukehren, so haben sich auch darin wichtige Ausfuhrposten, die sich allmählich — wenn auch in weitem Abstand hinter der Orange — ebenfalls zu palästinensischen Exportepezialitäten entwickeln, wesentlich erhöht. Das gilt in erster Linie von der industriellen Produktion im weitesten Umfang. Industrielle Exporterzeugnisse finden sich nicht nur in der Rubrik „Fertigwaren". Ein sehr wichtiger und aussichtsreicher Teil der palästinensischen Exportindustrie, der sich in schneller Entwicklung befindet, ist die zitrusverarbeitende Industrie und überhaupt die Konservenindustrie. Die Ausfuhr von Marmelade, Orangen- und Grapefruchtsaft, für dessen Herstellung Palästina ja besonders günstige Voraussetzungen bietet, ist gestiegen, ebenso die Ausfuhr von Oelen aller Art. Der Weinexport hielt sich mit 20 000 LP jedenfalls auf Vorjahrshöhe. Bekannt ist, dass jetzt auch die ersten Versuche mit der Ausfuhr von Frühgemüse unternommen worden sind. Von reinen industriellen Exportgütern ist namentlich die Brom- und Kali ausfuhr aus den Tote-Meer-Werken zu erwähnen, die sich um annähernd 70 Prozent auf rund 170 000 LP erhöht hat. Gute Erfolge erzielten auch drei andere wichtige Exportindustrien, die Bekleidungs- und Textilindustrie sowie die Hersteller von Aluminiumwaren und Beleuchtungskörpern. Sehr bemerkenswert ist, dass die Ausfuhr von künstlichen Zähnen mit 32 000 LP nahezu unverändert geblieben ist, obwohl die Leitung dieser Spezialfabrik seit dem vorigen Jahre den bedeutenden englischen Markt nicht mehr von Palästina aus beliefert, sondern von einem in Cypern neu errichteten Zweigunternehmen, um auf diese Weise die Vorteile der Empirezölle zu gemessen. Erhöht hat sich auch die Ausfuhr von Oelen und Fetten, während im Seifenexport ein Rückschlag eingetreten ist, der freilich weniger die jüdischen Produzenten betroffen haben dürfte, als das arabische Seifenzentrum Nablus, das ja als Zentrale des Aufruhrs den Streik mit besonderer Konsequenz durchgeführt hat. Es scheint sich also wirklich zu bewahrheiten, dass Palästina sich infolge der Eigenart seiner Kolonisation zu einer Art von. Industriezentrum für den nahen Osten entwickeln kann. Denn hier kommen zugleich mit den neuen Siedlern — die nicht als „koloniale Ausbeuter", sondern als Arbeiter und Söhne des Landes einwandern — zugleich Kapital, Initiative und europäische Schulung. Es ist interessant, dass das einzige Land, das in der palästinensischen Handelsbilanz höher© Einfuhr juid Ausf ungern aufweist. das Nachbarland Syrien ist. Es bestritt diesmal volle zehn Prozent (i. V. sieben) der palästinensischen Gesamteinfuhr und nahm beinahe einen ebenso hohen Teil der palästinensischen Gesamtausfuhr auf. In den Handelsbeziehungen mit England wirkte sich dagegen die Umsatzschrumpfung voll aus, die Einfuhr aus Grossbritannien sank von 3.2 auf 2,8 Millionen, die Ausfuhr dorthin von 2,5 auf knapp 2 Millionen. Die Einfuhr aus Deutschland betrug trotz eines achtprozentigen Rückganges noch immer eine Kleinigkeit mehr als zwei Millionen, während die Ausfuhr nach Deutschland auf weniger als eine Viertel Million zurückging. Gar nicht so klein ist die Zahl der Länder, die diesmal ihre Bezüge aus Palästina vergrössert haben: Oesterreich, Bulgarien, Dänemark, Japan, Lettland, Persien, Polen, Russland, die Schweiz und die Türkei. Diese Erfolge beweisen, dass Palästinas Appell an seine Lieferanten nicht ganz vergeblich war. In Ermangelung einer amtlichen Handelspolitik hätte es die private Wirtschaft selber in die Hand nehmen müssen, die Länder, aus denen Palästina viel importiert, darauf hinzuweisen, dass sie auch den palästinensischen Ausfuhrwaren, insbesondere den Zitrusfrüchten, eine gewisse Rücksicht schuldig seien. Schliesslich hat sich auch in Palästina wieder die alte psychologische Regel bewährt, dass in Zeiten schwächerer Inlandskonjunktur der Export mehr gepflegt wird, nachdem er während der Prosperity zweifellos etwas vernachlässigt worden war. All diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass sich der Einfuhrüberschuss, der im Vorjahr einen Höchststand von mehr als 13,6 Millionen LP erreicht hatte, auf rund 10,3 Millionen ermässigt hat Es ist bekannt, dass in Palästina, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, der Einfuhrüberschuss nicht zu einer Auslandsverschuldung führt, sondern im Wesentlichen durch die Kapitaleinfuhr gedeckt wird; es hat sich gezeigt, dass er in den vorangegangenen Jahren mit der Zunahme der Kapitaleinfuhr gestiegen war, aber im letzten Jahr auch mit der Abnahme der Kapitaleinfuhr wieder In den letzten Tagen wurden von der syrisch-palästinensischen Grenze alarmierende Meidungen erstattet, nach denen dort eine Geheimkonferenz arabischer Terroristen abgehalten wurde. So unbestimmt diese Nachricht gehalten ist, so wenig man im besonderen weiss, welche Beschlüsse die angebliche Konferenz gefasst hat, so steht doch fest, dass unmittelbar darauf ein verstärkter Terror im ganzen Lande eingesetzt hat, der fünf weitere jüdische Todesopfer gefordert hat. Nachdem bereits in der Mitte der vorigen W^oche im Jaffaer jüdischen Viertel Florentin ein Jude namens Mosche Gaon durch Messerstiche schwer verletzt worden war, und am 11. März auf einem'Felde bei Kfar Tabor zwei junge Juden, Schlomo Rothstein und Jacob Kirsler beim Pflügen von einer, bewaffneten Araberbande beschossen und verletzt wurden, nachdem der jüdische Teil der Stadt Safed sowie die Brücke Bnot Jaakob zwischen Rama und Akko beschossen und auf dem jüdischen Friedhof in Hebron sämtliche Olivenbäume verbrannt worden waren, sind am 13. März zwei als Hirten beschäftigte Chaluzim ermordet worden: der aus Polen eingewanderte 2Sjährige Schlomo Gaini und der aus Deutschland stammende 21 jährige Henoch Metz. Ihre Leichen wurden im Gebiet des König-Georg-Jubiläums-Waldes zwischen Nazaret und Nahalal aufgefunden. Ihre aus 400 Schafen bestehende Herde wurde geraubt Die starke Erregung über' diese beiden Mordtaten wurde dadurch noch gesteigert, dass auch in den frühen Morgenstunden des 14 März wieder drei Juden dem Araberterror zum Opfer fielen. In Obergaliläa, unweit der Kolonie Jawniel, wurde der aus Ostgalizien stammende 36jährige Siedler Gedalja Geller, der 33jährige aus Polen eingewanderte Ben Sasson und der im Galil geborene 28jährige Jehuda Eljowitsch von Terroristen ermordet. Aus der Ferne konnten die Kolonisten beobachten, wie Jehuda Eljowitsch den Angreifern heldenmütig Widerstand leistete. Bevor man ihm jedoch zu Hilfe kommen konnte, war der Mord geschehen und die Angreifer geflüchtet. Für die Ergreifung der Mörder hat die Polizei einen Betrag von 1000 Pfund ausgesetzt. _ Auch sonst ist die Spannung im ganzen Lande wieder auf das äusserste gestiegen. Die jüdischen Siedlungen Sedjera und Jawniel in Untergaliläa, die Kolonie Benjamina im Gebiet von Waadi Hawarit, das zwischen Petaeh Tikwa und Tulkerem gelegene Kfar Saba sowie die Vorstadtsiedlung Bajit Wegan sind durch bewaffnete Araberbanden beschossen worden. In allen Fällen wurden die Angreifer durch das Feuer der Wachmannschaften vertrieben. Es gafe l&ing Verletzten. gesunken ist. Daneben dürfen jedoch die anderen Posten und Einnahmequellen, die schliesslich in der Zahlungs bilanz das Defizit der Handelsbilanz ausgleichen, nicht vergessen werden. Der Touristenverkehr hatte unter den Unruhen empfindlich gelitten; in der gegenwärtigen Frühjahrssaison 1937 hat er eich, nicht zuletzt infolge grosser Gesellschaftsreisen aus Amerika, wieder besser angelassen. Schliesslich aber spielt in Palästina der Durchgangshandel — in mancherlei Formen — eine nicht unbeträchtliche Rolle. Sein Gesamtvolumen hat sich in diesem Jahr — ausserhalb der eigentlichen Handelsbilanz — von2,3auf 2,6 Millionen LP erhöht Beinahe zwei Drittel dieser Summe entfallen auf das Iraköl, das durch die Röhrenleitung von Mossul nach Haifa fliesst, ausserdem hat ßich die Wiederausfuhr von Waren, die nur zur kurzen Verarbeitung und zum Weiterversand importiert wurden, auf 600 000 LP verdoppelt. Es ist klar, dass die Manipulierung so beträchtlicher Warenmengen, die ja ausschliesslich von den ausländischen Lieferanten oder Abnehmern bezahlt wird, immerhin auch erhebliche Summen für Verarbeitung»- oder Transportlöhne, die Unterhaltung von Anlagen und Büros sowie Gehälter ins Land bringt, von der Belebung des Hafenverkehrs in Haifa ganz zu schweigen. Für den Ausbau des Transithandels ist jetzt ein, von Wirtschaftskreisen freilich vielfach kritisiertes Abkommen mit Irak getroffen worden, wonach für irakische Waren ein Freihafen in Haifa geschaffen wird, und eine Reihe von Erleichterungen für den Verkehr auf der Autostrasse Bagdad—Haifa eingeführt werden. Schliesslich ist noch die zunehmende Versicherungsautarkie zu erwähnen, die auf lange Sicht den Abfluss von Prämienzahlungen in das Ausland herabdrücken wird. Selbstverständlich stehen die meisten palästinensischen Versicherungsgesellschaften mit grossen internationalen Konzernen in Verbindung; aber nachdem jetzt z. B. die ausländischen Firmen grundsätzlich die Uebernahme von Aufruhr- und Kriegsrisiken abgelehnt haben, ist aus dem palästinensischen Versicherungsgewerbe heraus eine Gegenseitigkeitsversicherung für solche Schäden eingerichtet worden. Trotz der Ungunst der äusseren Bedingungen, die im letzten Jahre geherrscht haben, zeigt also sowohl die Handelsbilanz wie die Zahlungsbilanz Palästinas, die beide nahezu völlig von der Aktivität des jüdischen Yvirtschaftssektors bestimmt werden, Anzeichen einer fortschreitenden Konsolidierung. Ueber einen vor etwa vierzehn Tagen im Heereswarfen-Depot von Haifa verübten Waffendiebstahl ist jetzt ein amtliches Coximunique ausgegeben worden, in dem festgestellt wird, dass insgesamt 1000 sogenannte Mills-Handgranaten, die eine besonders starke Sprengladung besitzen, aus dem Depot verschwunden sind. Im Zusammenhang mit der von den Militärbehörden gemeinsam mit der Polizei durchgeführten Untersuchung wurde bisher ein Araber verhaftet. Man vermutet, dass die arabische Terroristenzentrale sich der Bomben bemächtigt hat. Die Kolonie Kirjat Schmuel ist von arabischen Terroristen beschossen worden. Es wurden auch Schüsse auf den jüdischen Teil von Tiberias abgegeben. Auch aus Mischmar Hajarden sind Meldungen über Schiessereien arabischer Terroristen eingetroffen. Auch in der Kolonie Mizpach sowie in der Gegend von Roschpina kam es zu Schiessereien. In Kfar Saba kam ein Araber in eine Plantage, angeblich, um Apfelsinen zu kaufen, und stach dann den jüdischen Arbeiter Aron Moladi nieder. Der Angreifer ist entkommen. •. Die Verletzungen des jüdischen Arbeiters sind nicht lebensgefährlich. Angesichts dieser unerwartet rasch und intensiv wieder anschwellenden Terrorwelle traten am 10. März Vertreter fast sämtlicher Siedlungsptmkte des Landes in Jerusalem zu einer vom Waad Leumi einberufenen Konferenz zusammen, um über die Sicherheit des Jischuw zu beraten. Das einleitende Referat hielt der Vorsitzende der Exekutive der Jewish-Agency, Ben Gurion, der eine Reihe politischer Forderungen für die Sicherheit im Lande aufstellte. Vertreter der Siedlungen schilderten die Verhältnisse in den einzelnen von ihnen vertretenen Gebieten. Einer der Redner berichtete über die Antwort, die ein hoher Regierungsbeamter in Galiläa einer jüdischen Delegation erteilt hatte, die bei ihm wegen Schutzmassnahmen vorsprach. Dieser Beamte erklärte, er sei unter den jetzigen Umständen nicht in der Lage, gewissen jüdischen Kolonien im Norden den notwendigen Schutz gegen die Angriffe arabischer Terroristen zu gewähren. Der Waad Leumi beschloss, die jüdische Bevölkerung in den kleineren Siedlungen in Galiläa und in den Kolonien im äussersten Norden zu verstärken. Dass trotz dieser leider auch im Laufe der letzten Terroraktion zu beobachtenden mangelnden Aktivität der für die Sicherheit verantwortlichen Regierungsstellen wenigstens die furchtbaren Mordtaten, von denen oben berichtet wurde, einigen Eindruck gemacht haben, geht daraus hervor, dass das Kommando der Britischen Luftwaffe in Transjordanien und die Polizei im Libanon aufgefordert wurden, bei der Ausfindigmachung der Mörder mitzuwirken. Die Grenzen von Palästina nach Syrien wurden gesperrt, tun eine. Flucht der Mörder nach dem Terrorwelle im Ansteigen

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