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Central-Verein-Zeitung · 1937-03-18 · 11 (18.3.1937) · page 16

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
11 (18.3.1937)
Date
1937-03-18
Page
– (sequence 16)
Language
German
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er nach Paris übersiedelte, wo er die aus der Berliner Finanz stammende Vera Guttmann heiratete. Zunächst drehte er in Frankreich den Film „König Pausole" mit Emil Jannings, sodann einen Don Quichotte-Film mit dem grossen russischen Sänger Sclialjapin in der Hauptrolle. Diese Filme konnten sich trotz der aufgewandten Mittel Ueber moderne, jüdische Musik zu sprechen, noch dazu auf dem repräsentativen Forum der Berliner fCulturbund bühne, wenn die Schöpfer dieser Musik oder doch ihre Verwandten und Bekannten zugegen sind und gespannt auf Erwähnung und Würdigung lauschen — man muss es Dr. Anneliese Landau zubilligen, dass siB sich dieser heiklen Aufgabe mit viel Takt und Gewandtheit unterzogen hat. Ihr Ziel ist einzig, im Sinne eines Wortes von Ernst Toch den Lebenden „ein Haus zu bauen", nämlich in den Herzen der Hörer, und so erbittet sie von vornherein Amnestie für etwaige Nichtnennungen: es geht ihr ja nicht um eine Aufzählung, auch vermeidet sie es, die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen in Kategorien einzuschachteln, sie lässt schliesslich Wertungen nur mit grcsster Zurückhaltung durchklingen — sie su;ht lediglich das künstlerische Sein und Wollen der einzelnen Komponisten einfühleud zu deuten. Und der Erfolg gibt ihr recht! Erstaunt stellt man fest, mit welcher Vorurteilslosigkeit und Empfänglichkeit die Hörer selbst ausgesprochen ..neutönerische"' Werke entgegennehmen. Freilich steht ihr auch in Wilhelm Guttmann ein Interpret zur Seite, der die Ausdruckswerte eines jeden Liedes mit besonderer Prägnanz herauszutreiben versteht. Erna Klein folgt ihm dabei als verständnisvolle Helferin durch die verschiedensten Stil weiten und rückt ihr pianistisches Können auch als Solistin in helles Licht. Die einzelnen Werke haben hier grossenteils schon eine Würdigung erfahren; mit besonderer Ergriffenheit hörte man diesmal ein Lied von Fritz Lissauer; der Deutung musste sich hier das Gedenken an den wenige Tage zuvor Heimgegangenen zugesellen! H. Fr. Unter den Werken Mendelssohns hat sich der „Elias" eine besondere.Lebenskraft bewahrt: die Grösse des Vorwurfs hat hier dem Meister den letzten Einsatz, dessen er fähig war. abgenötigt. Die religiöse Eisenheit Mendelssohns wurde hier kürzlich"(Vgl. C.-V.-Zeilung Nr. S vom 25. Februar 1937) gestreift; der unmittelbare Eindruck des Werkes ergibt, dass das künstlerische Ethos hier besonders mittels einer in milden Farben gesättigten Kantilene spricht. Nur weniges erscheint bereits verblasst: im ganzen entspringt aus dem bedeutenden Kontrastreichtum, der hier nun doch waltet, eine unmittelbare Spannung, die den Hörer in ihren Bann zwingt. Leo Kopf wurzelt im Chorischen, weiss um Sinn und Verwirklichung oratorienhafter Architektonik und gibt der Aufführung damit das eigentliche Rückgrat. Grossartig, wie er die choralartige Ausrufung des zweiten Gebotes in steinerner Kraft aufrichtet! Dagegen erschien mir die Schlussfuge im Tempo etwas zu straff. Die Jüdische Chor Vereinigung bewältigt die schon umlangsmässig schwierige Aufgabe — man hatte mit Kürzungen immerhin noch sehr gekargt — mit anerkennenswerter Frische: den Chorsolisten gebührt noch ein besonderes Lob. Weniger erfreulich lagen die Dinge auf orchestraler Seite: der rhythmische und dynamische Kontakt mit den Vokalstimmen liess häufig Wünsche offen; auch ist es vielleicht eine höhere Werktreue — im Sinne klanglicher Geschlifenheit —, nicht durchsetzen, während seine letzte Arbeit „Taras Bulba" nach Gogol mehr Anerkennung fand. Gerade weil in den letzten Jahren von Granowsky wenig zu hören war, soll sein früher Tod Anlass sein, auf seine wirkungsvolle und nachwirkende Glanzzeit hinzuweisen. K. P. wenn man die exponierten Blechbläserensembles doch lieber der Orgel zuweist, wie es im ersten Rezitativ ja auch geschah. — Den Elias sang Julius Peissachowitsch mit aller Gepflegtheit seines prächtigen Basses, namentlich mit einem makellosen piano. Max M a n s f e 1 d konnte sein leuchtendes Organ in den breitgeschwungenen Melodiebögen Mendelssohns so recht ausleben. (Der Neigung, nach Art vieler Sänger, zwischen einzelnen Silben ein dumpfes „e" einzuschalten, sollte er aber energisch zu Leibe gehen!) Susanne Löwenstein reiht Leistung an Leistung: hier war sie eine ebenso ideale Oratoriensängerin, wie sie sonst der Bühne gibt, was ihr gebührt. Das reiche Material wird in allen Stimmlagen völlig beherrscht. —Emmy Lussheimer verschwendet vorläufig noch alles Können auf die melodischen Haupttöne; ein Ausgleich wird das erfüllen helfen, was man von ihr erhoffen darf. Alice Hannes teilte sich mit ihr in die Sopran- «oli. An der Orgel sass Werner B a e r. Eine grosse Hörerschar" erfüllte den mächtigen Raum der Neuen Synagoge und nahm das Werk nicht ohne Ergriffenheit auf. H. Fr. Im Berliner Kulturbund rezitierte Enn Leonhard (Feld) „Liebesgeschichten aus der Bibel". Der Gefahr des "Eintönigen, die jede fortlaufende Bibelvorlesung mit" sich bringt, suchte die Vortragende dadurch zu begegnen, dass sie den überreichen Stoff in geschickter Zusammenfassung gruppierte und die einzelnen Geschichten abwechselnd auf ihren epischen, lyrischen und dramatischen Grundkern.zurückführte. Das Programm stellte, schon seinem äußeren Umfang nach, an die Aufnahmebereitschaft des Publikums nicht geringe Anforderungen; trotzdem verstand es Erna Leonhard, mit ihrer sorgsam, geschliffenen Wortkunst und dem auch ■ in Ausbrüchen der Leidenschaft stets gedämpften Pathos des sprachlichen Ausdrucks die Hörer länger als zwei Stunden zu fesseln. H. L. Die Tänzerin Elsa C a r o zeigte im Brüdervereinssaal, wie weit man es mit angespanntem Fleiss und intelligentem Studium in der Kunst des Tanzes bringen kann. In fünfzehn Tänzen entfaltete sie ein ausserordentlich vielseitiges Programm. Es ist, als wolle sie bei diesem ihrem ersten Hervortreten sich in schon äusserst möglichst verschiedenartigen Rollen und Stilen vorführen: das Programm springt etwa von einer liebenswürdigen Suite ..Mädchentänze", die übrigens auf wenigen, einfach-volkstümlichen Motiven glücklich aufgebaut ist, zu einer lebhaft bewegten „Regenbeschwörung" nach afrikanischem Ritus oder von einem „Choral" (zu Bachscher Musik) über ein temperamentvolles ..Steppenlied" zu einer apart erfundenen „Reve Exotique". Wenn sie in dem Choral sich in der Kunst der langsamen Gesten übt, so zeigt sie auch in einigen anderen Tänzen, dass sie um die Lösung ernsterer Aufgaben bemüht ist: so im „Geheimnis" um ausdrucksvolle Armführung oder im „Verlorenen Sohn" um das spannungsvolle Durchhalten gebundener Gesten. Es spricht für ihren Ehrgeiz^ dass sie sich eine so schwierige Aufgabe stellt wie den „Ekstatischen Tanz" (zur Musik von Ravel), in dem sie versucht, suggestiv-einfache Motive langsam zum Taumel der Ekstase zu steigern. In manchen Tänzen warten reizvolle Einzelheiten darauf, durch zwingendere kompositionelle Auswertung P künstlerisch wirksam gemacht zu werden; hier liegen Möglichkeiten des Fortschritts. — Musikalische Hilfe (am Flügel und am Schlagzeug) leisteten Leo Taub mann und Hildegard L e w i n. Der Abend fand regen Beifall. A. M. Dem 7. Abonnementskonzert des Jüdischen Musikvereins Breslau ging eine kurze, ercreifende Gedenkfeier iürKurtHavelland voraus. Das Orchester spielte Beethovens „Coriolan" - Ouvertüre. Gemeinderabbiner Dr. Hermann Vogelstein sprach als 1. Vorsitzender des Musikvereins wenige, aber herzlich empfundene Worte, mit denen er noch einmal die bleibenden Verdienste des so jung verstorbenen Dirigenten um das Orchester und damit um das-Breslauer jüdische Musikleben würdigte. Das Hauptwerk des Konzerts war die Zweite von Beethoven. Ihre Darstellung bewies, ebenso wie die der Ouvertüre, dass sich die Zusammenarbeit Dr. Fritz Berends mit den ihm vor kurzem noch fremden Spielern günstig auszuwirken beginnt; es wurde, bis auf ein paar Zufälligkeiten, sauber und fein geschliffen im Detail, im ganzen aber mit jenem inneren Tempo musiziert, das oft wichtiger ist als die sklavische Befolgung des vorgeschriebenen Zeitmässes. Eine gut ausgeglichene Leistung kam auch mit dem Vortrag der 3. Streichorchester-Serenade von Volkmann zustande. Für das dankbare Violoncellosolo hatte man Paul Blumenfeld, Berlin, gewonnen; er spielte es, ebenso wie die von Dr. Berend sorgsam begleiteten Stücke von Bloch und Stutschewsky, blutvoil und mit sehr gepflegtem Ton. Hfl Einen ausserordentlichen künstlerischen Genuss bereitete die letzte Veranstaltung der Oöenbacher Winterhilfe mit einem Kammermusikabend der Trio-Vereinigung Josef Schwarz (Klavier), Annie Steige r.-B'etzak (Violine) und Godfried Zeelander (Violoncello). Die Künstler vereinigten in seltener Weise hohe künstlerische Musikalität, Virtuosität, Klangempfinden und Temperament, so dass das Publikum vom ersten bis zum letzten Ton gebannt diesem Vollblutmusizieren lauschte. G. Die Jüdische Winterhilfe Mainz veranstaltete eine Weihestunde in der Hauptsynagoge. Der Mainzer Synagogenchor unter Leitung von Alfred Mendel hatte sich auch diesmal wieder in anerkennenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Auch der seit kurzer Zeit bestehende Kinderchor der Gemeinde Bingen (Leitung: Friede! Weis; Orgel: Walter Rosenthal) trug zur Freude der aus Stadt und Land zahlreich Erschienenen zur Ausgestaltung der Weihestun de bei. Solistisch bewährten sich Rosi Cahn (Mainz), Friedel Weis (Bingen) und Kantor Hans Weis (Bingen). Rabbiner Dr. S. Levi sprach über Sinn und Ziel der Jüdischen Winterhilfe. M. V. Der Meistersprecher Otto Bernstein hat kaum je einen so überwältigenden Eindruck mit seinen Vorträgen gemacht wie am letzten Abend im Jüdischen Kulturbund Dresden. Er hatte zum Andenken an den vor 100 Jahren verstorbenen Ludwig Börne dessen „Denkrede für Jean Paul" ausgewählt und sprach dieses Meisterwerk edlen Stils und überreichen Inhalts mit einer improvisiert wirkenden Ueberlegenheit. die lebendigste Wirkung ausstrahlte. Aus Werfeis Roman „Verdi" sprach Bernstein jene furchtbare Erinnerungsnacht des alternden Komponisten während des venetianischen Karnevals mit der Verzweiflungstat der Verbrennung seiner „König Leart,:-Oper. Erschütterndes wirkliches Leben zauberten die Bilder, wie sie Otto Bernstein mit glühendem Blute erfüllte, vor uns hin. Auch in Szenen aus Beer-Hofmanns „Graf von Charolais" zeigte sich der Rezitator als ein Menschengestalter ganz grossen Stils. E. B. Im Jüdischen Kulturbund Halle sang Marion K o e g e 1. begleitet von Werner S e e - lig-Bass, Lieder aus allen Ländern, ferner Chansons und jiddische Weisen und fand begeisterten Beifall. Musiknotizen Alexander K i p n i s wurde bei einem Liederabend in London von einer enthusiasmierten Menge in einer Art und Weise gefeiert, die für englische Verhältnisse ungewöhnlich war. In New-York starb vor einiger Zeit Isabella Offenbach-Grünewald, die Nichte des Komponisten Jacques Offenbach. Isabella Grünewald ist in Köln im Jahre 1860 geboren. * Rudolf Serkin, New-York, gastiert am 18. März, 20 Uhr 10 Min., vor dem Mikrophon des dänischen Rundfunks. film Wiener Rundfunk ist am 24. März, 16 Uhr 5 Min., eine Schallplattensendung „Berühmte Geiger" zu hören; es spielen u. a. Bronislaw Huber man, Fritz Kreisler, Jascha H e i f etz, Jehudi Menuhin, Efrem Zimbalist, Mischa Elm an. # Gustav Mahlers Kindertotenlieder sind am 26. März, 15 Uhr, über den Brüsseler Sender zu hören. # Zum Andenken an Ossip Gahrilowitsch fand in der Carnegie Hall in New-York ein grosses Konzert statt, an welchem als Solisten Albert Spolding, Harald Bauer und Emanuel List mitwirkten. U. a. wurden Cesar Francks Sonate für Geige und Klavier und Achrons Hebrew Melody gespielt^ In der Wiener Staatsoper gastierte Richard Tauber als Octavio in Mozarts „Don Giovanni"; Kipnis sang den Leporello. x.' » Alfred Auerbachs Radiobearbeitung der Oper „Rosamunde" von Schubert kommt am 20. April durch den Sender Pressburg zur Aufführung. * Das rühmlichst bekannte New Yorker Manhattan-Quartett, bestehend aus den Herren Winstone (Weinstock), Daninger, Edel und S c h a i e r, gab in Budapest einen Kammermusikabend. * Einer Nachricht aus Glasgow zufolge ist Professor Georg Szell als Nachfolger von John Barbirolli ständiger Dirigent des Schottischen Orchesters geworden. * Im Theater an der Wien wird Paul Abrahams neues Vaudeville „Roxy und ihr Wunderteam" als nächste Novität unter der Regie Arthur Hellmers vorbereitet. Jüdischer Kulturbund Berlin Wegen des ausserordentlichen Erfolges der ..Lustigen Weiber von Windsor" (Inszenierung: Kurt Singer; musikalische Leitung: Rudolf ■Schwarz) "findet am 31. März, 2QlU Uhr, im Kulturbundtheater, SW 19, Kommandantenßtrasse 57, eine Sonderveranstaltung der Oper statt. Der Eintritt ist nur Mitgliedern, Abwechslern und Abonnenten des Kulturbundes (gegen Vorzeigung der Mitgliedskarten) möglich. Die Reichsverbandskarte hat in dieser Sonderveranstaltung keine Gültigkeit, Nichtmitglieder des Kulturbundes können die Veranstaltung nicht besuchen. Am 21. März, 20K Uhr, spricht in der Aula der Joseph-Lehmann-Schule, W 15, Joachimsthaler Strasse 13, in einer Sonderveranstaltung Oberkantor Hanns John Jacobsohn über „Unsere Pessach-Hagg a d a h, ihr Inhalt, ihre Geschichte und ihre Gesänge". Die zahlreichen musikalischen Beispiele werden am Flügel von Dr. Oskar Guttmann begleitet. Eintritt ausnahmsweise auch für Nichtmitgiieder des Kulturbundes mit R-Karte. Ohne gültige Kulturbund- oder R-Karte kein Einlass. bach vous avez oublie, quatre sous — quatre sous ..." Offenbach scherzte: „Sie will ihren Kuss haben ... in der Fruitiere stand die alte Dicke aus der boutique d'epiciers und sah nach mir, sie reckte den Hals und leckte die Lippen . . . oh, ich fürchte die alten Weiber mehr als Satan, sie sind sein zukünftiges Personal . .. . 'also ich blieb Süzette den KuSs schuldig . . . Hilaire, nimm die Kartoffeln und schäle sie, Paul hole Holz — ich muss diese kleine Halbgöttin zur Göttin wandeln, sie soll ihren Lohn haben: „Höre Suzette, Göttin meines Herzens, vor der ich knie, Puppe, die ich zum Leben erweckte . . „Je ne comprends pas, mais, je comprends que vous etes fou . . ." Offenbach setzte sich an das Klavier und spielte einen Tanz, einen Walzer: „Dansez, ma deesse, dansez, je joue ma valse — dansez „Je ne peux plus . . „Dansez, ma deesse . . ." Suzette lachte, Hilaire nahm sie in die Arme — er schleuderte die Erschöpfte Jacques in die Arme, der küsste sie und geleitete sie dann mit einer graziösen Bewegung zur Treppe . . . Suzette hatte die Bezahlungsfrage vergessen! (Fortsetzung folgt.), Neue jüdische Schallplatten Zu den Pessachtagen bringt die Berliner jüdische Schallplattenfirma „Semeh" H. Lewin eine schöne Bearbeitung des ,.Chad dagja". gesungen von Oberkantor Karl Neumann, heraus. Durch die Kunst des Bearbeiters Arno Nadel bleibt der Volksliedcharakter gewahrt. Die gleiche Stiltreue zeichnet die beiden von J. Schwarzmer-Lengyel gesungenen Volkslieder „Alef Ingemach'ts" und vom Wohlbekannten „Rebbe Elimelech, der geworden frelech, frelech" aus. Kantor Is. B a k o n bringt mit seiner schönen, modulationsfähigen Stimme „Rebonu schel Olom" und „Chassen und Gabe'* zum Vortrag. R—ck. Brief in die Hände nahm, waren geteilt, er fühlte leider nicht das erwartete Knittern eines Geldscheins. Aber rasch war sein Witz wieder obenauf: „Erlauben Sie, meine Herren, dass ich den Familienbrief vor dem Diner lese. Herr Briefträger hat mich Hoffenbach genannt, mein Name bat etwas Unheimliches, jeder legt ihm eine andere Prophezeiung bei — nur in diesem Falle traf die Verheissung nicht ein. — Vater schreibt, dass er unzufrieden mit mir ist. Da hat Herr Halevi mich angeschwärzt--ich sei unstet und faul . . . ich werde mein Ziel nicht erreichen, ich sei auf falschem Wege, ich werde den Hals brechen! . . . Nun gut, und wenn ich ihn breche, es ist ja mein Hals . . .! Ich sei kein Kompositionstalent, ich soll Cello üben . . . attention, Herr Professor---! Sie werden sich noch wundern! Mutter schreibt, ob ich genug zu essen habe. Oh, Mutter, dein Köbeschen lebt nur von Leckerbissen, die er von den Tischen seiner Gönner wegschnappt ... Ob ich ordentliche Kleidung habe? Gute Sohlen an den Schuhen?-- Ach, wenn du die Strümpfe sehen könntest, aus jeder Masche spioniert ein A.uge . . .! — Nun, es wird schon werden, dann lasse ich dich kommen und du besteigst einen Galawagen und fährst in die Villa deines Sohnes —, um Feste zu feiern, nichts als Feste . ." Jacques summte eine Weise, die einst 'die Mutter als Wiegenlied sang, es war ein zarter langsamer Walzer. Hilaire bemerkte: „Was ist das, Jacques?" „Das ist der Walzer, mit dem mich Mütterchen in den Schlaf sang." „Du bist ein sonderbarer Kauz, Jacques, sentimental und erhaben, frivol und leichtsinnig, alles nebeneinander, durcheinander." „Kann ich etwas dafür? Schicksal!! Alles egal, die Hauptsache ist der Erfolg! Und der wird kommen! „Vivre sans toi, c'est impossible.*' Wieder klopfte es an die Türe. Paul rief: „Ha, da ist er schon, der Erfolg, er klopft an." Aber es war der Hauswirt, ein kleiner mikriger Geselle mit einer phantastischen Kopfbedeckung, halb Mütze, halb gestrickter Helm, er meckerte: „Eh, Monsieur Offenback, so geht es nichte weiter — Sie aben der Miete nich bezahlt, seit vier Monat--ich werfe Sie erraus, Monsieur, ich werfe der Monsieur erTaus!" „Halt, Monsieur Poltron . . . das lässt sich gut komponieren: ich werfe Sie erraus, Monsieur, ich werfe Sie erraus, Monsieur, bleiben Sie, Sie regen mich an, Ihr Ton ist Musik, Rhythmus, der Text ist grandios . . . „Ich werfe der Monsieur erraus!" Der Hauswirt krähte: „Oh le farceur. „Mein Herr, Sie wissen nicht, zu wem Sie sprechen, Monsieur Poltron, ich bin heute bei der Gräfin Bertin de Vaux zu Gast geladen, ich spiele dort meine neueste Schöpfung vor: Bolero et priere. Weil Sie mir gefallen, sollen Sie der erste sein, der die Ehre hat, sie zu hören . . ." Offenbach setzte sich an das dünn klingende Klavierchen und raste den Bolero — immer rascher, immer lauter, so dass der arme Hauswirt sich die Ohren zuhielt und davoneilte. Offenbach und die Freunde johlten hinter ihm her. „Da seht ihr die Macht der Musik! Ich bin ein Hexenmeister! Er verschwand mit Tränen in den Augen . . . Aber, Kinder, mit der Romantik allein geht es doch nicht, auch mein Magen brüllt. Da ihr unerbittlich seid, werde ich selbst das Diner einholen. Ich werde mich zur Fruitiere begeben. Aber nicht mit einem Korb, so banal ist kein Jacques Offenbach, Günstling der Musen und Apollos . . Ich werde den Geigenkasten nehmen und ihn mit der. edlen Frucht füllen lassen . . . man muss immer auf die Reputation, auf die Berufung Rücksicht nehmen . . Und Jacques Offenbach nahm den Geigenkasten des Hilaire und ging treppab. Die Freunde unterhielten sich über die tollen Launen des Kobolds. „Er ist ein kleiner Teufel." „Oh, er ist ein ganz unwahrscheinlicher Mensch . . . ich bewundere ihn, ich lästre ihn, ich liebe ihn und ich weiss doch nie, meint er Spass oder Ernst! Oft ist er geschmacklos, oft verletzen seine Bemerkungen . . aber seine Erfindungsgabe -ist grandios .. Er tanzt mit dem Fidelbogen in das nüchterne Leben hinein und macht es wie der Rattenfänger, nur toller — er spiesst die Torheiten der Welt auf Noten und elektrisiert dann mit ihnen die Stumpfen und die Matten, sie werden ihm folgen . . ." Es dauerte nicht lange, da war Lärm auf der Treppe, Jacques stieg herauf und eine Frauenstimme schrie ihm nach: „Monsieur Offenback, un moment, Monsieur Offenback . . ." Jacques stürmte in den Raum und schüttete den Inhalt des Geigenkastens vor die Freunde. „Oh, beinahe hätte ich ein Malheur gehabt. Ich ging mit dem Geigenkasten dahin, wer sah mich, der Vicomte de Charnaze! „Oh, Monsieur — Sie spielen auch Yiolon, das habe ich nicht gewusst, Sie müssen mit mir gehen, im Quartett fehlt uns der Violinist —" Meine Kartoffeln polterten im Kasten, wie mein Herz in der Brust. „Monsieur", sagte ich, „ich bin erst im Beginn des Beginnens Geige zu lernen, sobald ich die volle Perfection erreicht haben werde, wird es mein Stolz sein, mich gehorsamst bei Ihrer Durchlaucht zu melden . . nur, jetzt — sind meine Kräfte noch zu gering dazu." Jetzt ging die Türe auf und die kleine Suzette stürzte herein; „Monsieur, Offene Konzerte und Vorträge

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