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Central-Verein-Zeitung · 1937-03-18 · 11 (18.3.1937) · page 17

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
11 (18.3.1937)
Date
1937-03-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Mr. TT * 5. Beiblaff % CMIbitnüg 18. Mafz 1973 EKUADOR / Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung Von Dr. BRUNO WEIL Guayaquil, im Februar 1987. Ekuador, oder, wie sie offiziell heisst, die -„Republik des Aequators", ist eins der kleinsten südamerikanischen Länder mit eigener Souveränität. Immerhin umfasst es nach der letzten offiziellen Schätzung 715 800 Quadratkilometer. Aber der weitaus grösste Teil des Laudes ist unbesiedelt, zum Teil sogar unerforscht, und kommt in einem für genwärtige Erörterungen überhaupt eine Rolle spielenden Zeitpunkt für Siedlungszwecke auch nicht in Betracht. Im Osten dehnt sich ein mehr als dreiviertel des Landes beanspruchender Urwald aus, der „Orient" genannt. Aber selbst, wenn man von 'der Gesamtfläche diese riesigen Urwaldgebiete abzieht so ist doch die von der Regierung für 1935 angegebene Bevölkerungsziffer von 2 700 000 Einwohnern ausserordentlich gering. Zwischen dem Küstengebiet mit der grössten Stadt des Landes, dem Hafen Guayaquil, und dem Urwald, Hegen die gewaltigen Kordilleren, die sich in Ekuador in zwei Stränge teilen. In den Hochtälern, die von ihnen gebildet werden, lebt dreiviertel der Bevölkerung des Landes. Der gewaltige Chimborasso erhebt weithin sichtbar sein ewig weisses Haupt. Die Hauptstadt Quito mit fast einhunderttausend Einwohnern liegt in einem der Hochtäler auf einer Höhe von fast 3000 Metern, also in einer Lage, die ein sehr gesundes Herz für längeres yerweilen zur Voraussetzung hat. Guayaquil mit etwa 150 000 Einwohnern ist eine Stadt, die in völligem Umbau begriffen ist und die grosse Anstrengungen macht, modern zu werden. Viele Gebäude aus der spanischen Zeit sind noch vorhanden, und die Laubengänge vor allen Häusern wirken malerisch, sind aber bei den Regengüssen, die wenigstens während eines grossen Teils des Jahres mit grosser Regelmässigkeit jeden Tag, mitunter sogar mehrfach am Tage niedergehen, eine Notwendigkeit. Wenn das Klima von Quito eher zu kühl ist. so kann man in Guayaquil ungeahnte Mengen an Hitze haben, für die meisten Menschen zuviel. Grössere Städte sind zwischen beiden, die etwa 450 Kilometer auseinanderliegen, nicht vorhanden. Für landwirtschaftliche Siedler gibt es natürlich Land in jeder klimatischen Lage. Aber wer seinen Beruf in einer grösseren Stadt ausüben will, hat von an Verkehrsmitteln gelegenen Städten im wesentlichen nur die Wahl zwischen den beiden angegebenen Orten. Diese beiden Hauptorte Ekuadors sind durch eine Bahn miteinander verbunden. Sie und die Eisenbahn von Quito nach Esmeralda, der Provinz, in der der Prozentsatz der schwarzen Bevölkerung am grössten ist, sind die beiden einzigen grösseren Bahnen, die das Land überhaupt besitzt. Daneben werden noch etwa 500 Kilometer Stich- und Nebenbahnen ausgewiesen. Selbst wenn man diese einrechnet, so verfügt 'das Land nicht einmal über 1200 Kilometer Eisenbahnen. Die meisten Orte und Gegen- 'den sind daher überaus schwierig und erst in langen Zeiträumen zu erreichen. Auch das Wegenetz ist in einem sehr primitiven Zustand. Eine Autostrasse, wie sie alle angrenzenden Länder irgendwie besitzen, gibt es in Ekuador nicht. Um von Guayaquil nach Quito zu gelangen, braucht die Eisenbahn zwei Tage. Die Fahrt ist zwar überaus interessant, sie führt aus der Ebene in einen tropischen Urwald, den man voller Entzückung vom Aussichtswagen gemessen kann. Durch unendliche Bananenfelder, meterhohe Farren und Palmen, an Reis- und Kakaopflanzungen, an blühenden Kaffeesträuchern vorbei führt der Weg, um endlich durch ein schmales pflanzenloses Tal der Kordillere am ersten Abend nach elfstündiger Fahrt und der Ueberwindung von im ganzen 280 Kilometern in Riobamba auf 3000 Meter Höhe haltzumachen. In diesem kleinen Ort muss man übernachten, um am zweiten Tage mit dem Zug bis Quito zu kommen, oder man kann einen der Autobusse nehmen, die am Chimborasso vorbei in sechs bis sieben Stunden wirklich anstrengender Reise nach der Hauptstadt fahren. Die Bevölkerung Ekuadors ist zum überwiegenden Teile rein indianisch. Wohl hat auch hier wie in den anderen Ländern eine Blutmischung zwischen den Spaniern und einem Teil der Urbevölkerung stattgefunden: daneben aber hat sich vor allem in den abgelegenen Hochtälern die indianische Bevölkerung rein erhalten, spricht vielfach auch noch das indianische Quechua; sie lebt auf einer kaum vorstellbaren Stufe der Primitivität. Der schwarze Einschlag tritt wie überall im Küstengebiet hervor; er verschwindet um so mehr, je höher man kommt, in Quito ist er überhaupt nicht mehr vorhanden. Die indianische Bevölkerung ist nicht nur anspruchslos, sie kommt auch als Käuferschicht nicht in Betracht, und so reduziert sich, was für die Schaffung neuer Industrien inid Betriebe besonders wichtig ist, die Anzahl der als Abnehmer für irgendwelche Fabrikate zu zählenden Menschen auf einige hunderttausend, also auf die Bevölkerung einer einzigen- Mittelstadt. Die Währung von Ekuador ist der Sucre. Auch er ist, wie die meisten amerikanischen Währungen, in den letzten Jahren abgewertet worden. Jetzt ist eine Devisenbewirtschaftung eingeführt, die aber nur locker gehandhabt wird. Der Dollar ist amtlich auf 10.50 Sucres festgesetzt, so dass nach diesem Umrechnungskurs sich etwa 24 Pfennig für eine Sucre ergeben. Für 1935 betrug die Ausfuhr in Mark zum amtlichen Kurs umgerechnet, rund 27i4 Millionen Mark, die Einfuhr etwa 23K Millionen Mark, so dass sich ein Ausfuhrüberschuss von 4 Millionen Mark ergab. Bei der Ausfuhr steht der Kakao mit einem Fünftel der gesamten Ausfuhr in erster Reihe. Das zweite wichtige Produkt ist der Kaffee. Hierbei begegnet Ekuador allerdings einer weit schärferen Konkurrenz auf dem Weltmarkt, als dies bei dem Kakao der Fall ist. Der Kaffee in Ekuador ist ausgezeichnet, eine herrliche milde Sorte; er wird so gereicht, dass die Essenz aus den Bohnen immer bereitgehalten und alsdann heisses Wasser aufgeschüttet wird. Mit 14 Millionen Sucres trägt der Kaffee zwei Drittel des Betrages zum Export bei, die der Kakao 1935 aufgebracht hat. Unter den übrigen Produkten, die Ekuador ausführt, ist an dritter Stelle das Petroleum zu nennen, das eine immer wachsende Bedeutung für die Wirtschaft gewinnt. Die berühmten Panamahüte werden nicht in Panama, sondern in Ekuador hergestellt, sie bilden mit etwa 6 Millionen ebenfalls einen bedeutenden Posten der Handelsbilanz,, wie dies auch für Bananen (6 Millionen) und Reis (6% Millionen) gilt. Die Minenindustrie hat, im ganzen ge- Die Pessach-Haussammlung der Jüdischen Winterhilfe findet am Sonntag, 21. März statt. Sie bittet die Spender, sich bei dieser Sammlung neben dem laufenden Opfer mit einer Sonderspende zu beteilige]], damit allen Betreuten der Jüdischen Winterhilfe schöne Pessachtage bereitet werden können. An der Angestelltenspende der Jüdischen Winterhilfe beteiligen sich zurzeit 1328 Firmen mit 7477 jüdischen Angestellten. Nach der neuesten Statistik werden im grössten Winterhilfsbezirk Norden 3062 Parteien mit 6188 Personen, im kleinsten Bezirk Westen 1021 Parteien mit 1888 Personen betreut. sehen, die Ergebnisse des 'Ackerbaues und seine? besonderen Arten (Kakao -und Kaffee) überflügelt. Denn neben das Petroleum treten Gold und Silber mit 9 Millionen und sonstige mineralische Ergebnisse mit 22 Millionen. Man kann: also sagen, dass die Wirtschaft dieses Landes sich in stärkerem Masse der Ausbeute seiner Mineralschätze zuwendet, und sicher sind, wie mannigfache Forschungen der letzten Hagre dargetan haben, auf diesem Gebiete noch viele ab* bauwürdige Produkte vorhanden. Voraussichtlich wird bei weiterer Entwicklung des Landes in diesen Branchen selbst und in allen mit ihnen zusammenhängenden Verarbeitungsindustrien Platz für eine Anzahl Menschen sein. Eine höhere Entwicklung der reichen Bodenschätze würde von. selbst auch eine Vermehrung der jetzt nur ilt sehr bescheidenem Umfange benötigten .vermittelnden Berufe zur Folge haben. (Fortsetzung folgt); Seelische Winterhilfe 34. und 35. Veranstaltung am 5., 36. und 37. Veranstaltung am 6., 38. und 39. Veranstaltung am 7. und 40. und 41. Veranstaltung am 8. April im Logenhaus, Kleiststrasse 10; 42. Veranstaltung am 12., 43. Veranstaltung am 13., 44. Veranstaltung am 14. und 45. Veranstaltung am 15. April im „Alt-Wien" (früher Residenzfestsäle), Landsberger Strasse 31. Bunte Abende der Seelischen Winterhilfe für ehrenamtliche Helfer Die Jüdische Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Abteilung Seelische Winterhilfe, veranstaltet für ihre ehrenamtlichen Helfer am 5.. 6., 7. und 8. April im Berliner Logenhaus, Kleiststr. 10, am 12., 13., 14. und 15. April im „Alt Wien" (früher Residenzfestsäle), Landsberger Strasse 31, Beginn 20 Uhr, Bunte Abende. Ansprachen: Direktor Heinrich Stahl, Direktor Georg Kareski, Max Gundersheim, Leiter der Jüdischen Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Rolf Kainz, E. Lowinsky, Ernst Seligmann, Artur Zander sagen an: Curt Abramowitz, Jani Ballan, Mascha Benjakonsky. Loni Brotzen, Werner Bukofzer, Stella Ehrlich, Nicolai Eljaschoff, Rahel Ermolnikoff. Maja Fünkenstein, Martha Frost, Walter Goldstein, Gerhard Gottschalk, Danny Grün, Hedi Haase, Alice Hannes, Monica Herrnfeld, Gharlotte Hirschfeld, Else Hörwitz, Max Koninski, Heinz Korn, Erna Leoni-:, hard. Henny Loewenstein, Alexander Modli, Henri Rock, Hanni Rosenthal, Jonny Schwersenz, Fritz Tachauer, Doris Wilamowska, Orchester der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Am Klavier: Willi Aron, Hanna Engel, Erna Fenchel, Dr. Richard Hirsch, Erna Klein, Rudi Lehmann. Siegbert Lewin, Gustav Säbel, Manfred Segall. Karten nur für ehrenamtliche Helfer unentgeltlich bei den Blockwarten, Gruppenleitern bzw. Gruppenleiterinnen, sowie den Bezirksleitern der Jüdischen Winterhilfe. Sie Winterhilfe Herr Traub setzt sich ins Unrecht Im Rahmen der Bialik-Lehrstätte findet augenblicklich ein Vortragszyklus von Michael Traub über Jüdische Emigration als Weltproblem statt. Das Thema ist nicht allein aktuell, es ist lebenswichtig. Es gibt vielleicht kein zweites für die Juden Deutschlands, das so radikal in ihre Existenz eingreift, .und gewiss kein zweites, das für politische Polemik und soziale Spekulation weniger geeignet sein könnte. Beide Methoden würden auch wenig nützen. Es ist mit Genugtuung festzustellen, dass das jüdische Auditorium in den letzten drei Jahren hellhöriger geworden ist und auf Pathos am unrechten Ort bisweilen sehr empfindlich reagiert. Das weiss auch Michael Traub. Sein Referat ist solide fundamentiert. Er lässt Zahlen sprechen. Gestützt auf die Statistiken der Reichsvertretung, des Palästina-Amts und des Hilfsvereins und gleichzeitig unter Heranziehung älterer Materialien gibt er etwas langatmig einen Ueberblick über die Entwicklung der Berufs- und Altersgliederung der Juden in Deutschland, namentlich in den letzten zwölf Jahren, über die Bevölkerungsdichte in Stadt und Land usw. Auf Grund dieser Angaben gelangt Traub einmal mehr zu der parteizionistischen Doktrin, dass die Auswanderung der Juden aus Deutschland nicht die Folge des Jahres 1933, sondern der Ausweg aus einer Entwicklung sei, die längst vorher eingesetzt habe und auch ohne jede äussere Nachhilfe zum numerischen und wirtschaftlichen Untergang geführt haben würde. Der Zahlenbeweis ist undicht und sehr leicht zu widerlegen. Mit Zahlen lässt sich leider sehr viel beweisen. Entscheidend ist stets die Art und Weise, wie man sie kombiniert. Weiss man z. B. die Zahl der insgesamt seit 1. Februar 1933 bis Ende 1936 aus Deutschland ausgewanderten Juden, so macht die Anteilsziffer Palästinas wenig mehr als ein Drittel Her Gesamtsumme aus. Teilt man aber — ytie Traub es tut — die übrige Welt in Uebersee, Süd- und Westeuropa und alte Heimatsstaaten ein, so erweist sich augenblicklich, dass Palästina die grösste Aufnahmekapazität besitzt. — Auf diese Methode schien die Vortragsreihe abgestimmt. Palästina wurde als die quantitativ und qualitativ in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft grösste und befriedigendste Wanderungs- Chance aus allen Kseuz- und Quersummen abgelesen. Namentlich aber für die Zukunft. Traub stellte einen Fünfjahresplan auf, nach dem 100 000 Juden auswandern. Von diesen 100 000 wurden 10 000 jährlich nach Palästina (bisher ist die Höchstzahl 1935 mit 8630 erreicht worden) und 10 000 nach Uebersee befohlen. Es gäbe wohl nur wenige von uns, die gegen derartige Prophezeiungen im Effekt Einspruch zu erheben hätten. Wenn es wirklich gelingen sollte, einer solchen Anzahl von Menschen nicht nur zur Auswanderung, sondern — und dies im Sinne Traubs — auch zur Einwanderung zu verhelfen, was ja nach seinen Ausführungen wirklich nicht dasselbe ist, so wäre die Zustimmung aller gewiss. Aber zur Bewahrheitung dieser Theorie müsste die allgemeine Wanderungssituation nicht nur auf Gleichstand gehalten werden, sie müsste sich namentlich in Palästina um ein Vielfaches verbessern. Woher Traub, angesichts der Entwicklung im letzten Jahr, der drohenden Einwanderungssperre, der Zertifikatsrestriktion, nur vorläufig ausgeglichen durch die Notstandsaktion in Gestalt der Samuel-Zertifikate, dem wachsenden Prozentsatz der Zertifikatsinhaber gegenüber den Kapitalisteneinwanderern bei progressiver Einschränkung der Begleitpersonen auf Zertifikate, den Mut zu der Hoffnung nimmt, blieb ungeklärt. Hier versagen nämlich selbst die Zahlen. Es berührte eigentümlich, dass Traub auf diese Schwierigkeiten zunächst mit keinem Worte einging, und erst eine direkte Anfrage aus dem Publikum ihn zu einigen recht wenig exakten allgemeinpolitischen und wenig befriedigenden Erklärungen veranlassen konnte. — Indirekt liess sich seine Besorgnis freilich dem Zugeständnis entnehmen, dass die Ueberseewanderung künftighin wirtschaftlich als wichtiges Korrelat zur Palästinawanderung betrachtet werden müsse. Hier erkannte Traub den Vereinigten Staaten den Löwenanteil zu. Südafrika müsse einstweilen weitgehend ausser Betracht bleiben. Skeptisch äusserte sich Traub in bezug auf Südamerika. Paraguay und Chile seien bereits völlig gesperrt für jüdische Einwanderung (Avas in dieser allgemeinen Form nicht richtig ist). Bei den übrigen Staaten, insbesondere Argentinien und Brasilien, würde die jetzt schon akute restriktive Einwanderungspolitik keinesfalls zu einer günstigeren Gestaltung der jüdischen Immigration führen. In dunklen Andeutungen deutete Traub sogar noch Schlimmeres an. — In diesem Zusammenhang und im Zusammenhang mit einer Frage aus dem Publikum kam Traub auch auf die Paranaexpedition zu sprechen. Vor solchen „geographischen Entdeckungsfahrten"' glaubte er, aus grundsätzlichen und praktischen Erwägungen nur warnen zu müssen. Er erinnert an Cypern, Peru. Ekuador u. a. m. Er selbst habe zwar die zurückgekehrte Kommission noch nicht gehört, sondern halte nur einen kurzen Bericht über Parana in Händen. Aber der sei — eine lässige Handbewegung — „sehr wenig günstig!". Hierzu sei eine Bemerkung gestattet. Zunächst zur tatsächlichen Richtigstellung. Gewisse Zypern- und Ekuador-Projekte waren Offerten aus privater Hand, Das Parana - Projekt ist ein Plan, der von ernsthaften Experten vorgetragen, von der Reichsvertretung geprüft, von ihr zusammen mit den bedeutendsten jüdischen Hilfsorganisationen des In- und Auslandes, und nicht nur mit diesen, in Angriff genommen worden ist und durchgeführt wird. Eine Kommission von drei Fachleuten hat fast ein halbes Jahr lang die Optionsgebiete bereist und auf alle klimatischen, ökonomischen, kulturellen und besonders landwirtschaftlichen Bedingungen untersucht. Die Kommission ist teilweise zurück und hat Bericht erstattet. Ueber die Ergebnisse ist absichtlich der Oeffentlichkeit noch nichts bekanntgegeben worden. Aus gutem Grunde, keineswegs jedoch, auf dass Herr Traub sie flugs als „sehr wenig günstig'' beurteilen kann, Er behaupte^ den Bericht gelesen zu haben. Vielleicht aber jedenfalls nicht gründlich. Denn sonst wüsste er, dass die Vorschläge über den ursprünglichen Rahmen, namentlich über das Paranagebiet, längst hinausgehen. Grundsätzlich ist aber zu bemerken, dass diese getarnte Polemik zum Zweck der Stimmungsvorbereitung vom Standpunkt einer gesamtjüdischen Verantwortung gewiss nicht, aber nicht einmal im Interesse Palästinas gefordert ist. Wer würde nicht wünschen, dass die Auswanderung, wie auch Traub es will, ihren regulierten und reibungslosen Gang nimmt; wer bedauert nicht die Schwierigkeiten, die sich allerorts entgegenstellen? Aber es genügt nicht, diese Schwierigkeiten zu beklagen, man muss zu ihnen Stellung nehmen! Es genügt nicht, sie einerseits zu vertuschen und sie andererseits für unüberwindlich" zu erklären! Es hat aber vor allem noch nie genügt, die eigenen Schwierigkeiten dadurch zu verkleinern, dass man die fremden — wenn es denn schon fremde sein sollen — vergrössert. Gerade im Interesse Palästinas, gerade im Interesse derjenigen Menschen, die ihr Glück und Ziel in Palästina suchen, ist es notwendig, dass! ihre Alija nicht mit Menschen belastet wird, deren ideelle Hoffnung und materielle Sicherung an anderer Stelle liegt. Wenn es heute wirklich' einen Kreis von jungen Menschen gibt — und es gibt ihn! —, die sich in Südamerika ihre Heimat und ihr Brot erwerben wollen, so sollte man vor ihnen mit dem gleichen Respekt und mit der gleichen Hilfsbereitschaft stehen, die die ersten palästinensischen Chaluzim moralisch beanspruchen durften. Aber Herr Traub winkt ab: „Sehr wenig günstig." Schliesslich aber, wenn Traub selbst ernsthaft an die Durchführung seines Fünfjahresplanes denkt, so ist seine Zensur alles weniger als zweckmässig. Denn nur bei verstärkter Inangriffnahme der Ueberseeprojekte. für die quittiertes Wohlwollen weder erforderlich noch ausreichend ist, kann a'n eine Erfüllung solch vorschneller Versprechen gedacht werden. Gewiss scheinen die eingefahrenen Gleise Palästinas yorläufig günstige?

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