Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 11 (18.3.1937)
- Date
- 1937-03-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. IT * 7. Beiblatt 18. Marz 1937 Minderheiteiiprobleme in Ost- und Siid-Osteiiropa Das rumänische Arbeits- Schutzgesetz Im Mittelpunkt der innerpolitischen. Geschehnisse Rumäniens steht gegenwärtig "die Diskussion um den von der Regierung Tartarescu veröffentlichten Entwurf eines Gesetzes „7>ur Ermutigung der nationalen Arbeit'', in dem vorgesehen ist dass 75 Prozent aller in Handels- und Industrie- Unternehmungen tätigen Angestellten „ethnisch-rumänischer" Abstammung sein sollen, während nur 25 Prozent den nationalen Minderheiten zu entnehmen sind. Ein solches Gesetz würde vor allem gegen die Juden wirksam sein, die überwiegend in den städtischen Berufen tätig sind und denen die Beamten- und Militärlaufbahn praktisch völlig verschlossen ist. . Wie die ITA meldet, sind in allen politischen Kreisen Rumäniens, und zwar sowohl im Regierungslager wie bei der illlilll!lllilllill!lilll!llllllHlll!ll!!l!lllillllllllllllillllll!i^ •^£UE ^JACQUES OffENBACfl VON ALFRED AUERBAQHjjf beginnt im 4. Beiblatt dieser Nummer T t :? s! s1:11 i ■ s!;: i: s i i m; i; j; i i; w t s f ] 11 ■;! 11 m i m r:;; n i; 1111: i: i i i 11! u i 3 i i:: i i; i: i i s u s; i i: i: n;;; i: i;;; i; i l; i; t i r Opposition, starke Bedenken gegen den Gesetzentwurf laut geworden. Man ist allgemein der Ansicht, dass die Einführung eines Proportionalsystems in der Angestelltenschaft, durch das rumänische Bürger wegen ihrer Abstammung benachteiligt werden würden, international als Verletzung des im Friedensvertrag verankerten Minderheitenschutzes betrachtet werden würde. Es heisst, dass die rumänische Regierung bestrebt ist, eine Rechtsform für das Gesetz zu finden, die nicht als Bruch der Verträge angesehen werden kann, und man wird deshalb bei der Beratung des Entwurfs Völkerrechtsfachleute hinzuziehen. Der Minister für Handel und Industrie, Valer Pop, aus dessen Feder der Entwurf stammt, hat vor der Presse erklärt, idass die in den Zeitungen veröffentlichte .Wiedergabe des Gesetzentwurfes ungenau sei. Eine Konferenz unter dem Vorsitz des Handelsministers, die sehr stürmisch verlief, hat schliesslich den Beschluss gefasst, in dem Gesetzentwurf die Wortbildung „ethnisch-rumänisch" durch „autochthonrumänisch" zu ersetzen. Damit soll zum Ausdruck kommen, dass die den Minderheiten angehörigen Staatsbürger, die schon vor dem Friedensschluss rumänische Staatsangehörige waren, als „autochthone Elemente" nicht unter die Prozentnorm fallen sollen, wohl aber die "Minderheiten, in den nach-'dem Krieg rumänisch gewordenen Provinzen. Da die Juden vor dem Kriege nur in den seltensten Fällen Staatsangehörige waren, hat dieser Beschluss für sie kaum praktische Bedeutung. Bemerkenswert ist die Stellungnahme einer Czernowitzer Zeitung zu dem Entwurf, die der Regierung vorwirft, dass gerade sie als Exponentin liberaler Staatsauffassungen eine solche Massnahme in Vorschlag bringe. Die Regierung habe ihre freiheitlichen Grundsätze damit fallen gelassen. Nach dem neuen Gesetz werde es drei Arten von Bürgern geben, nämlich Rumänen von Geburt, autochthone und nichtautochthone Deutsche, Juden und Ungarn (im Altreich), und endlich Minoritäten, nämlich in Siebenbürgen, der Bukowina und Bessarabien. Hierin liege eine Verletzung der rumänischen Verfassung, da alle Rumänen, ohne Unterschied der Abstammung oder Religion, vor dem Gesetze gleich seien. Auf jüdischer Seite bestehen schwere Besorgnisse über die Folgen der von der Regierung geplanten Massnahmen. Der Zentralrat der Juden Rumäniens ist unter dem Vorsitz von Dr. Wilhelm Filderm a n n zu einer ausserordentlichen Sitzung zusammengetreten und hat beschlossen, an König C a r o 1 IL, den Ministerpräsidenten und den Handelsminister eine Kundgebung zu richten. In der Kundgebung sprechen die Juden Rumäniens ihre tiefe Ergebenheit gegenüber dem Staat, dem König und dem Vaterlande aus. Sie verweist auf die relativ günstige Arbeitslage des Landes und bemerkt, dass durch die geplanten Massnahmen die rumänischen Juden im eigenen Vaterland weniger Rechte besitzen würden als Ausländer. Endlich wird in der Kundgebung die Erwartung ausgesprochen, dass der König und die Minister sich einer Verschlechterung der Lage der Juden widersetzen würden, zumal die Vorgänger des Königs verschiedentlich gegen Versuche, ein ethnisches Proporzsystem zu schaffen, Veto eingelegt hätten. — Dr. Fildermann hat ausserdem bei dem Kultusminister I a m a n d i vorgesprochen und die Forderung vorgetragen, dass das Gesetz nicht in Kraft trete. Im Zusammenhang mit den Erfolgsaussichten des Gesetzes im Parlament ist es interessant, dass ein Antrag des Führers der National-Christlichen Partei, Professor Cuza, in das neue Gesetz zur Schaffung eines i^rbeiterfonds eine Bestimmung einzuschieben, wonach nur Arbeiter" rein rumänischen Blutes Darlehen erhalten sollten, vom rumänischen Senat im Stimmenverhältnis 67 : Sl abgelehnt worden ist. Memorandum und trug ihm die wirtschaftlichen und kulturellen Forderungen der jüdischen Minderheiten in der Tschechoslowakei vor. Dr. Hodza stellte fest, dass die Regierungserklärung vom 18. Februar 1937 vor denTParlament über die Regelung der nationalen Politik sich selbstverständlich auch auf die jüdische Minderheit bezogen habe. Die jüdischen Forderungen bewegten sich auf der Linie der Regierungspolitik und seien als berechtigt anzuerkennen. Die Regierung werde die Verstaatlichung des hebräischen Schulwesens in Karparthorussland durchführen; bei der Vorbereitung des Gesetzes über die Einführung der Sonntagsruhe werde die Regierung auf'die religiösen Gefühle der orthodoxen Juden Rücksicht nehmen. Die produktive Sozialfürsorge für die jüdische Jugend, besonders im Osten der Republik, werde durch Subventionierung der in Betracht kommenden jüdischen Institutionen gefördert werden. An den Verhandlungen, die, gleichfalls unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Dr. Hodza, über die künftige Autonomie Karpathorusslands von den Koalitionsabgeordneten aus diesem Landesteil geführt wurden, nahm auch der Abgeordnete der Jüdischen Partei, Dr. Chaim Kugel, teil. Er trug die Stellungnahme der jüdischen Minderheit zur Frage der Autonomie und die besonderen Wünsche der jüdischen Bevölkerung vor. Der Ministerpräsident stellte die Erfüllung der Forderungen in Aussicht. Bei den Beratungen über "die Ernennung der Mitglieder des neu zu schaffenden Gubernialrates für Karpathorussland wurde einstimmig beschlossen, der Jüdischen Partei einen Vertreter zuzubilligen. Wie verlautet, werden die Juden in Karpathorussland Dr. Leopold Palkovic in den Rat entsenden. Mteneaa Die litauische Regierung hat den Entwurf für eine neue Verfassung ausgearbeitet. Der Gesetzentwurf wird dem Parlament nach den Osterferien unterbreitet werden. Die geplante neue Verfassung sieht Bestimmungen vor, durch die die kulturellen und nationalen Rechte der Minderheiten gewährleistet werden. „Mausen-Hilfe" für Staatenlose Der Sohn des schwedischen Nordpolforschers Fritjof Nansen, Odd Nansen, hat in Oslo eine Organisation ..Nansen-Hilfe" gegründet, deren Ziel es ist, den Staatenlosen zu helfen. Die Zahl der Staatenlosen in der ganzen Welt wird auf etwa zwei Millionen geschätzt. Die ..Nansen-Hilfe", die in allen Staaten Europas Ortsgruppen bilden will, soll durch ihre Tätigkeit die Lücke ausfüllen, die durch die vom Völkerbund beschlossene Auflösung des Genfer Nansen-Büros im nächsten Jahre entstehen wird. Tscla.eellO!§!c&W&!&ei Auszefchmmg für griechische Juden Die Vertreter der jüdischen Minderheiten in der Tschechoslowakei wurden von Ministerpräsident Dr. Hodza zu einer Unterredung empfangen. Die Delegation überreichte dem Ministerpräsidenten ein Athen. 14. März. (J. T. A.) König Georg von Griechenland hat die Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden in Preveza und .Tannina mit hohen Orden ausgezeichnet. Der König hatte vor kurzem diese Orte besuch t und dort eine sehr herzliche Aufnahme gefunden. jW20 *i\lazkß'0^k ALUCATOR^F das sind gute L erd e t w o r e.jn. UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE. Berlin, Tauentzlenstrafie 16 Hamburg. Jungfernstieg 43 Köln a. Rh., Hohestrafie 115 Essen, Limbeckstrafie 10 Essen, Am HauptbahnhoflO Bochum, Kortumstratfie 67 Frankfurt a.M., Roßmarkt 15 Zentrale, Offenbach a. M Wuppertal-Elberfeld. Herzojjstrafie 36 „Ausblick in jüdische Zukunft" Im Verlauf eines Referats „Ausblick in jüdische Zukunft", das Dr. Alfred Hirschber g am 16. d. M. in der Ortsgruppe Westend des Jüdischen Centrai-Vereins Berlin hielt, nahm er Veranlassung, auf gewisse innerjüdische Auseinandersetzungen einzugehen, die sich mit der Programmgestaltung des C.-V. befassten. Er wies Darstellungen zurück, als ob es geschichtswidrigeEpochen gäbe, und erinnerte an das Wort von Ranke, jede Epoche sei unmittelbar zu Gott. Wohl aber gäbe es Menschen, die sich innerhalb einer gewissen Epoche geschichtswidrig benähmen; die Art, in der sich die Menschen des C.-V. in Geschichtsepochen einfügten, zeige jedoch, dass sie deren Sinn verstanden hätten. Zur jüdischen Haltung, wie sie von mancher Seite anempfohlen würde, erinnerte der Redner daran, dass sich stets in der jüdischen Geschichte in bestimmten historischen Augenblicken jüdische Menschen verschiedenartig ihrem Schicksal gestellt hätten. Aber man sei rückblickend in der Lage, den Wert ihres Verhaltens zu beurteilen. So ■ könne man z. B. von einem Antagonismus zwischen Rabbi Jochanan ben Sakkai und Bar Kochba. zwischen Jabne und Bethar sprechen. Die Bar-Kochba-Haltung habe dazu geführt, dass trotz tapfersten Widerstandes eine jüdische Schar bis zum letzten Mann niedergemetzelt worden sei, bedeute also jüdisches Ende. Die Jabne-Gesinnung habe die Erhaltung des Judentums durch die Zeiten gewährleistet. In Augenblicken historischer Krisen beruhe jüdische Zukunft nicht auf der Schaffung jüdischer. Legionen, sondern auf der Errichtung jüdischer Lehrhäuser. Ans der C. -V* - Bewegung Brandenburg In Frankfurt a. d. Oder sprach aro 21. Februar im Rahmen eines vom Jüdischen Centrai-Verein unter Vorsitz von Rechtsanwalt Nehab veranstalteten Gemeindeabends Dr. Eve Reichmann -Jung mann. Ihre Ausführungen galten nicht der Kleinarbeit des Tages* sondern den grossen Linien, die den Jüdischen C.-V. in seiner Arbeit bestimmen. Seine positive Haltung zum Aufbauwerk in Palästina verringert' nicht die Verantwortung, die das jüdische Leber in der Diaspora den für jüdische Zukunft wirkenden Kräften auferlegt. Diese Aufgabe an Hana , ^eramstmltumgem HIHIli Illliiill Clf Jüdischer Centrai-Verein v. wB Landesverband Gross - Berlin. ■ W m...........................■■...........M.............................■........ Vortragsabend Otto Bernstein Montag, 22. März 1937, 203° Uhr Logenhaus, W 62, Kleiststraße 10 Programm: Scenen aus „Der Graf von Charolais"........ Richard Beer-Hofmann Die blaue Ferne............. Hermann Hesse Untergang von Paris.........Jean Giono Ein Sommernachtstraum ..... Herman Bang Ein Zwiegespräch ...........Jizchok Lejb Perez Einleitende Worte: Landgerichtsdirektor i. R. Dr. Erich Schwenk Eintrittskarten sind kostenlos mir für Mitglieder des C.-V. und deren Angehörige zu bestellen im Büro: Berlin VT 15, Emsex Strasse 42. Fernspr.: J2 S141-S145 IliilllilllillllllillilSISi!! Jüdischer Cenfral-Verein Ortsgruppe Mausen (Harz) Sonnabend, 20. März, 203° spricht in der Synagoge Dr. Alfred Hirschberg über dos Thema „Ausblick in jüdische Zukunft" yemustaUuk#e& kündigen Sie in der „C.-V., - Zeitung an, die von allen jüdischen Zeitungen, die in Deutschland erscheinen, die grösste A u f I a g ,e hat. 20. März Soranabd. 20 ihr HlinstEerlilife uad Winieritilfe der Jüdischen Gemeinde Brüdervereinshaus, Kurliirsfenslr. 115/116. aisie Kalter von der Covent Garden Opera-London und der Grand Opera Paris singt Opern-Arien von Meyerbeer, Verdi, Lieder vou Mendelssohn. Dvorak u. a. Am Flügel: Leo Taubmann Karten KM 2.— bis S.— Vorverkauf: Kedem, Dahlmannstr. S / Philo-Verlag, Pariserstralte 44 Woiff. Prager Platz 4 / Verwaltungsgebäude, Oranienburger StTaße 29 und Kosenstraße 2/4. sowie an der Abendkasse. om OLLAND Kurfürstendamm 61 3« n g -lctbni'zstraOe Die C.-V.-Zeitung ist das Blatt der jüdischen Familie Ttf2 Sederabend im Restaurant Rubinstein wie in jedem Jahr unter persönlicher Leitung: am Karfreitag:. 26. März, und Sonnabend. 27. März Gedeck Mk. 4.-, mit Fisch '>.-. (Ei in Salzwasser. Hühnerbrühe mit .Mazzcknödel. Jasen,.ig. gef. Pute od. Kapaun, kaliforn.Früchte. Cbremsel-Mazxe gratis) Während d. Fessachwoche: Ständig frische Mazzeknödel, Chremsel. Uberzog. Mazzoth u. viele Pessaehspezialit, Feiertagsged. Mk. 1,50 u. 2.-, Spezial'pl. Mk. 1.- Anmeldung zu den Sederabenden rechtzeitig erbeten: J 1. 1232 und J 2, 5089 BERLIN W, JOACHIMSTHALER STRASSE 41 Jüd. Kulturbund Berlin E. V. Die Kleinkunstbühne, künstl. Leitung: Jlax Ehrlich ist umgezogen und spielt jetzt März Mörz 20. 21. Sonnab. Sonntag 20-30 Uhr auf der neugebaufen BÜhne im Logenhaus, Kleiststr. 10 Die unwiderruflich letzten 2 Vorstellungen MaX EtirÜCh beehrt sich darzubieten ESSlö M& QbI Musikai. Lustspiel in 7 Bildern von Geyer u. Frank! Musik: Robert Katscher mit Camilla Eisner (Spära) und Max Ehrlich u. a. Orch.: Die Kleinkunst-Sechs / Regie: Max Ehrlich / Musikai. Leitung: Werner Baer / Aussr.: Heinz Condell / Techn. Leitung: H. Sondheimer Aus Pressestimmen: „Die Zuschauer ... konnten sich kaum genug tun in Ausbrüchen der Freude und des Beifalls". (Gemeindeblatt) ..Der Beifall bewegte sich zwischen Windstärke Ö und 9. es war ein Bombenerfolg". (Familienblatt) V.orverk. der Karten ab EM 1.- bei Philo-Verlag. Zeitungsstand im Cafe Leon (J 7 4229). Konditorei Schneider, Kleiststr. 13 (B 5 364S), Kulturbund- Theater (A.7 7735). "V-itt auch für Nichtmitglieder des Kulturbundes mit Reichsverban rte (auch an der Abendkasse erhältlich).