Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 10 (11.3.1937)
- Date
- 1937-03-11
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Halevy fehlt Meyerbee'rs grosser Theaterblick. Seine Spähre ist die Liebenswürdigkeit.-der „Comique",,das.Phantom Grosse Oper ist nicht sein Reich. Manch schöne Musik verschwendet er an Scribes Grausamkeiten: an die „Jüdin", die nichts mit Judentum, eher mit Antisemitismus, zu tun hat; an den „Juif errant", jenes Schauerstück vom unerlösten Ahasver, der -zwischen byzantinischen Intrigen eine merk- : würdige „deus ex machina"-Figur bildet, abseits ' von allem Jüdischen. Die lange Reihe der zehn < Grossen Opern Halevys werden schnell beiseite- ' geschoben, nur ihre meisterhafte Instrumen-; tation blieb. haften. Aber die Kleinmalerei und das Lächeln .seiner 21 „Comique" — besonders „L'eciair" (in der deutschen Uebertragung „Der Blitz") — prägte der Nachwelt seinen; Namen ein. Die Zeitgenossen überschütteten ihn mit allen nur denkbaren Ehrungen: sie ernannten; ihn zum Direktor der Akademie der schönen; Künste — seine „eloges", die verstorbenen Akademiemitgliedern galten, wurden als „Souvenirs et portraits" gesammelt und wurden uns Heutigen zu fast unentbehrlichen Bildern der Musiker im französischen 19. Jahrhundert. Man führt im Kultusministerium zu Ehren der Anwesenheit des Vizekönigs von Aegypten seine Chorkantate „Les plages du Nil" auf. Man vertraut ihm den Theorie- und Kompositionsunter-; rieht am „Conservatoire" an. man führt seine „Lecons de lecture musicale" im Gesangsunter-; rieht der Pariser Schulen ein. Man verliert sehr viel, als am 17. März 1882 aus Nizza die Nachricht eintrifft, dass Halevy auf einer Erholungsreise an den Folgen vorangegangener Ueberarbeitung gestorben ist. Uns heutigen Juden drängt sich manch Vergessenes wieder ins Gedächtnis: Halevy komponierte auch einzelne Messeteile für katholische Gottesdienste — nicht ganz ohne innere Bedenken, ob das nicht gegen den Glauben der .Väter sei. „Findest du nicht", sagte er zu seinem Bruder Leon, „dass das .Agnus Dei' und das ,Gloria in exelsis" allen Kulten angehört? Uebrigens hast du mich nie ein ,Credo' komponieren gesehen!'c Das „Credo" ist eine Glaubenssache, fügt Leon diesem Gespräch in seiner Erinnerungsschrift über den Bruder bei, „und hätte er es komponiert, so hätte er, der doch mit Herz und Seele komponierte, es .als .eine Giaubenabschwörung empfunden". Die Brüder waren eben die erste emanzipierte Generation in Frankreich, das muss uns •heute vieles verständlich und manches verzeihlich machen. „Bunbury" im Hamburger Kulturbund Diese unverwüstliche Komödie von Oscar Wilde brachte unter der Regie von Hans B u x - bäum fröhliche Stimmung ins Publikum — eigentlich erst nach dem ersten Akt. Man musste den ersten Akt als Exposition des Ganzen nehmen und wurde entzückt durch die Leichtigkeit und den Witz - des Spiels der beiden nächsten Akte. Es wrar, als hätte die Landluft um den Gartensitz John Worthings die Darsteller erfrischt, so gewandelt war ihr Spiel. Der Garten wTar aber auch überraschend hübsch, sogar mit einem reizenden Blick in die Ferne, von Alfred Müller geschaffen worden. Die beiden lebenslustigen jungen Leute wurden von Fritz Ben scher (Worthing) humoristisch und von Klaus Brill (Montford) elegant verkörpert. Neu 'in 'dem Ensemble war Ä'nneliese Gellh o rn,. wrelche die Cecily charmant Jind kindlich, wie dieser Backfisch sein soll,: spielte. Carola S-egall gab die Lady Bracknell nicht geradeso, wie man sich eine ältere Lady vorzustellen pflegt; immerhin blieb hier keine Pointe ohne Wirkung auf die Zuhörer. Gwendoline, ihre Tochter, war das künstliche Geschöpf des Salons in der Darstellung von Marie Luise Bruch. Ein Paar von herzerfrischender Komik waren der Pfarrer Julius Koblers und die lehrhafte Miss Prisme Edith H.erssliks. Die' beiden - Diener, die -taktvollsten Leute in dem Stück, spielten entsprechend Kurt Appel und Kurt - Schindler. Die Heiterkeit des Publikums steigerte sich und brachte Regisseur, Darstellern und Bühnenbildner den verdienten reichen Beifall." - -' " H. G. Konzerte und Vorträge Das Schlusskonzert der Berliner Winterhilfe in der Synagoge der Oranienburger Strasse brachte für denjenigen, der das Orchester der Künstlerhilf e länger nicht zu hören bekam, eine angenehme Ueberraschung: so sehr ist durch Schulungsarbeit und Liebe zur Sache gebessert und verfeinert worden. Natürlich ist grösste Akkuratesse noch nicht zu erreichen, aber Zusammenklang und Eingehen auf die Intentionen des Dirigenten sind beachtlich reiner und sauberer geworden. Mendelssohns Hebriden-Ouvertüre unter Leitung von Fritz Berend konnte mit schönem Schwung und gutem Herausarbeiten der mannigfachen Feinheiten musiziert werden. Solistin in Chopins Klavierkonzert E-moll war Lily Dymont, deren gesangvoller Ton und Differenzierungskunst schon häufig gewürdigt wurden. An der Orgel wirkte Paul Lich-tenstern. Kai. ""Auch die Reformgemeinde beendete ihre Veranstaltungen für die jüdische Winter h i 1 f e,, die Lichten Nachmittage. Das letzte Konzert brachte eine Orgelsonate von Mendelssohn, von Werner B a e r trefflich gemeistert, eine der bekannten Serenaden für Streichorchester von Robert Volkmann, die wiederum ' das Orchester der Künstlerhilfe, hier unter Dr. Hermann Schildberger mit Maria V a n d e w a r t als Cellosolistin recht anmutig vortrug. Der blühende Bariton Heinrich Korns war wie stets im bel-canto eine Freude. Kai. Manja Barkan gibt ihr Bestes da, wo sie ihren kultivierten Geschmack und ihr Temperament für Folkrolistisches einsetzen darf; so fand ihr Abend mit spanischen Liedern von •Manuel de Falla, die alle Buntheit, alle äussere und innere Bewegtheit südlichen Lebens heraufbeschwören, den künstlerischen Höhepunkt. Bei den übrigen Stücken hätte die Sängerin mitunter mehr, als es geschah, vom Wort ausgehen sollen. Der Begleiter Leo T a u b m a n n lieferte mit der hämmernden Motorik des letzten de- Falla-Liedes ein pianistisches Kabinettstück: mit Godfried Zeelander vereinigte er sich in einer Beethovensehen Cellosonate zu einem Zusammenwirken von echt kammermusikalischer Abtönung. H. Fr. Im Hause Weil gab es einen Abend, der dem Schaffen eines österreichischen Dichterterzetts gewidmet war, und der von Jacob Julius Da vi drüber Arthur Schnitzler zu Richard Beer-Hofmann führte. Dr. Lutz Weltmann umriss in knappen Zügen die Physiognomie, der drei im Leben und ,.Dichten ganz ungleichen Persönlichkeiten, die ■ nur durch das" jüdische Blut miteinander verbunden sind. Weltmanns anregende Ausführungen wurden von Erna Leonhard (-Feld) mit sicherer Kunst der Einfühlung an einer Reihe dichterischer Beispiele illustriert, wobei der im epischen Bereich verwurzelte David leider nur als Lyriker, Schnitzler nur mit einer —trotz individueller Prägung — schon vom Staub der Zeit sanft überlagerten Novelle zu Worte kam. Der rezitatorische Teil des Programms wurde durch eine Gruppe volkstümlicher, ganz in Klang aufgelöster M a h 1 e r scher Lieder umrahmt, die Alice Zutrauen-Geisenberg, obzwar durch eine merkliche Indisposition an der vollen Entfaltung ihrer schönen Stimmittel behindert, zu sympathischer Wiedergabe brachte. H. L. Susanne Landsberger (-Hollaender) und Hertha Flügel gaben ihrem Abend eine besondere Note, indem sie das Duett in den Mittelpunkt stellten. Beide Sängerinnen bevorzugen eine starke Profilierung des Ausdrucksmässigen, die den Opernsätzen den dramatischen Akzent sicherte, in den liedartigen Stücken von Mendelssohn und Schumann manchmal eine leichte Milderung, auch im Dynamischen, hätte erfahren dürfen. Die Altistin muss in der Tiefe noch einiges glätten; bei Susanne Landsberg überzeugt stets die gewandte Beherrschung der Lagen und die Leichtigkeit des Ansatzes. Werner Fabian begleitete mit kultiviertem Anschlag. H. Fr. Im Rahmen des Jüdischen Frauenvereins in Weissensee veranstaltete der bekannte Schallplattensammler Dr. Alfred. Reppner aus Anlass des zehnjährigen Todestages des frühverstorbenen grossen Sängers Joseph Schwarz — 11. November 1938"— eine nachträgliche Gedächtnisfeier. Mit warmen Worten zeichnete er die Gestalt des liebenswerten Künstlers und Hess dessen herrliche Stimme durch Schallplatten aus den verschiedenen Perioden seiner künstlerischen Entwicklung eindringlich von neuem erklingen. (Vgl. seinen Aufsatz „Stimmen aus verlclungenen Zeiten" in Nr. 39 der C.-V.- Zeitung vom 26. September 1935). Das fast allzu umfangreiche Programm trug dem Veranstalter reichen Beifall ein. F. E. Das diesjährige Konzert des Tempelch o r s in Hamburg fand zugunsten der Jüdischen Winterhilfe statt. Georg de Haas, der Dirigent des Chors, hatte eine Vortragsfolge zusammengestellt, die grösstes Interesse beanspruchen dürfte; sie gab einen Einblick in das zeitgenössische kompositorische Schaffen auf liturgischem Gebiete. Man hörte zwei wertvolle Kompositionen — ein „Ma tauwu" und „Weschomru" — von Leon Kornitzer, eine gut gelungene Vertonung des 121. Psalms von de Haas, die phantasieartig anmutende Musik Arno Nadeis zum 1. Psalm, zwei Chorgesänge aus Samuel Almans vortrefflichem Werk „Sefiräs Hoaumer" und eine sehr feine Komposition von J. Meisel. den 93. Psalm. Von Leo Kopf bot das Programm das „Haschkiwenu" und den Psalm 51 — nicht leicht ansprechende Musik — und von S. Lampel' „Tefillas Geschem". de Haas hat am Chor vorzügliche Erziehungsarbeit geleistet; davon zeugte auch die sehr gute Wiedergabe der Rossischen Psalmen (a capella). Der Chor verfügt über schöne Stimmen und singt sehr diszipliniert. Solistisch taten sich hervor: Walli Henschel, Selma Hurwitz, Karla' M ü 1 - ler und die Herren D o b r-i n e r und Fischl. Als Solisten des Abends hatte man den Berliner Kantor John Julius Pe i s s a c h owitsch verpflichtet, dessen Darbietungen den hochgespannten Erwartungen vollauf entsprachen. Mit seiner gepflegten, schönen, warmen Stimme und in der jeder Effekthascherei abholden Art seines Vortrags sang er sich schnell in die Herzen seiner Hörer. Besonders Musik und Film Radio Brüssel überträgt am 16. März, 21,45 Uhr, aus dem Kgl. Theater die P rein i e r e eines Werkes von Paul Claudel, zu dem Darius M i 1 h a u d die Musik geschrieben hat. * Die italienischen Sender übertrugen letzthin eine Aufführung von Roccas Oper ,.D y b u k'; aus Genua. — Isay Dobrowen dirigiert am 12. März, 21 Uhr, vor dem Mikrophon der norditalienischen Sendergruppe ein Sinfoniekonzert, das u. a. auch Teile aus der .Oper „D y b u k" bringt. x Im Programm des englischen Nationalsenders findet am 12. März, 22.40 Uhr, die Erstaufführung des 4. Streichquartetts, op. 37, von Arnold Schönberg statt, gespielt vom Kolisch- Streichquartett. * Der schweizerische Sender Beromünster überträgt am 16. März, 20.15 Uhr, aus Zürich ein Extra-Konzert der Tonhalle-Gesellschaft, das Bruno Walter dirigiert. # Frau James Roosevelt, die Mutter des Präsidenten der Vereinigten Staaten, und seine Gattin Ellinor haben neben anderen hervorragenden Persönlichkeiten das Protektorat über eine Festvorstellung übernommen, die am 20. März im Maddison Square Garden zugunsten des Jüdischen Waisenhauses in New- York stattfindet. Dem Pätronage-Komitee gehören ferner mehrere Mitglieder des amerikanischen Kabinetts, zahlreiche Senatoren, Abgeordnete, Künstler und Gelehrte an. * In Wien feierte der bekannte Operetten- Librettist Julius. Brammer seinen 60, Geburtstag. Er hat — gemeinsam mit Alfred Grünwald — für zahlreiche moderne Operettenkompositionen wie L e h ä r, Oscar S t r a u s, Leo Fall, Leo Ascher, Emmerich Kaiman erfolgreiche Librettis geschrieben. # - In Wien gestaltete sich das erste Auftreten 'des siebenjährigen Pianisten Mario Stein er - Ziffer zu einem sensationellen Erfolge. Er spielte Kompositionen von Bach, Mozart und Chopin, wie die Presse berichtet, mit höchmusikalischem Empfinden und einer für seine Jugend verblüffenden Technik. # Bei dem zurzeit in Kairo stattfindenden Gastspiel der Wiener Opern- und Operettentruppe wirken Richard Tauber und seine junge Gattin Diana N a p i e r mit. Das Manhattan-Quartett der Herren Weinstock, Danziger, Shaier und Edel gab im Amsterdamer Conzertgebouw ein ausserordentlich erfolgreiches Konzert. Fritz R e i s s e r (Philadelphia) befindet sich auf einer Europatournee. Er dirigiert u. a. in Rom, Florenz, Wien, Budapest, Stockholm und London. * Bei den Festspielen in Glyndebourne unter Fritz Busch wird Irene E i s i n g e r mitwirken. # Professor Paul Stefan, Wien, hielt in Amsterdam anlässlicb der vor der „Wagnervereeniging" arrangierten Festaui'führung der „Verkauften Braut" einen Vortrag über „Smetana und die Tschechische Musik". # In Hollywood starb der berühmte amerikanische Filmregisseur Richard B o 1 e s 1 a w s k i. Eine seiner letzten Filminszenierungen war „Menschen in Weiss" von Sidney K i n g s 1 e y (nach dem gleichnamigen, erfolgreichen Schauspiel). # Zu dem Warner-Bross-Film „Anthony Ad- ' verse", nach dem Roman von Hervey Allen, schrieb Erich Wolfgang K o r n g o 1 d die Musik. Ihr eigenartiger, der Filmmusik neue Wege weisender Charakter, wird von der Presse wiederum besonders gerühmf. Bekanntlich schrieb Korngold auch die Musik zur Reinhardt - Verfilmung des „Sommernachtstraums". # In dem neuen „Bajazzo"-Film, der zum Teil als Farbfilm hergestellt ist, spielt Richard Tauber den Canio. * ■ .?■ „Der singende Traum", die von Richard Tauber vertonte, in Wien erfolgreich aufgeführte Operette, wird zurzeit in London als Tonfilm hergestellt. * ' ■ ' In Antwerpen erlebte der Film „Helene", der nach dem Roman „stud. ehem. Helene Willfür'' von Vicki Baum gedreht wurde, seine glanzvolle Erstaufführung. Die Regie führt J. B e n o i t - L e v y, der sich durch seinen Film „La Maternelle" Weltrubm errang. Sabine Kalter, die hervorragende dramatische Altistin, früher jahrelang eines der führenden Mitglieder der Hamburger Oper, zuletzt ständiger Gast der „Covent Garden Opera" in London und anderer ausländischer Bühnen, singt vor ihrem im April in Kairo und Palästina stattfindenden Konzerten ein einziges Mal am 20. März, 20^ Uhr, im Jüdischen Brüderverein, Kurfürstenstrasse 116, im Rahmen einer Veranstaltung der Künstlerhilfe ..und der Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde. Aus der wissenschaftlichen Welt Nach Vollendung seines 70. Lebensjahres ist der Leiter des Histologischen Instituts der Prager deutschen Universität, Professor Dr. Alfred K o h n , am 22. Februar in den Ruhestand getreten. Fast die gesamte tschechisch und deutsch geschriebene Presse feiert ihn als einen Mann, der auf Grund seiner umwälzenden wissenschaftlichen Arbeiten Weltruf geniesst. Seine Entdeckungen auf dem Gebiet der Zellenkunde seien grundlegend für die Histologie geworden. Professor Dr. Alfred Kohn wurde in Libin bei Lubenz geboren, studierte an der Prager Deutschen Universität und wurde Assistent des Histologen Sigmund Meyer. Schon als Student machte er eine Entdeckung, die ihm sofort einen bedeutenden Platz unter seinen Fachgenossen in der Welt sicherte: er entdeckte in der Nähe der Schilddrüse vier kleine Drüsen, die er Epithelkörperchen nannte und die physiologisch von ausschlaggebender Bedeutung sind. 1899 veröffentlichte er als erster genaue Studien über den Aufbau des Nebennierenmarks, 1907 erschien eine grosse Arbeit über die Entwicklung des Sympathikus. gefiel die Wiedergabe der Arten ans Mendelssohns „Elias"' und Ferd. Hillers Oratorium „Die .ZerstörungJerusalems". Hermann Cerini begleitete an der Orgel Chor und Solisten vortrefflich und steuerte auch zwei Soli bei: eine Orgelfuge von Kornitzer über die Tempel- Melodie „Hakol joducho" und die d-moll-Toccata von Reger, der er zu imposanter-Wirkung verhalf. — .Der Hamburger Geiger Jonel Nei- -ge r und - die Pianistin Senta Lis sauer hatten sich zu einem Kammermusikspiel vereint, das sehr erfreuliche Eindrücke vermittelte. Neiger, dessen Namen ' in Kammermusikkreisen einen vortrefflichen Klang hat, verfügt über ein bedeutendes technisches Können. Sein Vortrag fesselt durch den schönen Ton und die grosszügige Gestaltung und kennzeichnet ihn als einen feinsinnigen Künstler. Volles Lob gebührt auch Senta Lissauer, die sich als durchaus ebenbürtige Partnerin erwies. Neben Sonaten von Bach (E-dur), Brahms (d-moll) und Mozart (G-dur) hörte man Carl Goldmarks Suite op. 43, ein Werk, dem man indes ein sonderliches Interesse nicht abgewinnen konnte. Beide Künstler wurden lebhaft gefeiert. A. Richard Karp, den Mitgliedern des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr als Bratschist des ehemaligen Rhein-Main-Quartetts nicht unbekannt, war anlässlich eines Konzertes in Köln (und dessen Spielbezirk) mit der Leitung des Orchesters der jüdischen Kulturbünde betraut worden. Es ist keine leichte Aufgabe für den Künstler, sich nach einem Steinberg neben einem Prüwer zu behaupten. Immerhin darf die Wiedergabe des 3. Brandenburgischen Konzertes g-dur von J. S. Bach als wohlgelungen bezeichnet werden,' während die Aufführung der „Unvollendeten" von Schubert, was blühenden Klang, Intonation des Horns, Phrasierung. geistige Verbindung der musikalischen Gedanken und Tempobehandlung (das zu langatmig genommene Andante „con moto") angeht, noch zu wünschen übrig Hess. Als Neuigkeit hörte man die 1. Suite für Streichorchester und Klarinette von Joel Engel, eine leichte Angelegenheit östlicher Stimmung, die keinen starken Eindruck zu hinterlassen vermochte. Technisch gekonnt, aber der inneren Leichtigkeit entbehrend, wurde die „Figaro"-Ouvertüre von Mozart dargestellt. Die Solistin des Abends. Ruth K i s c h - Ä r n d t (Alt) beweist immer wieder ihr ungewöhnlich tiefes Erleben und ihre vornehme Gesangskultur: sie war Arien von J. Chr. Bach und von Gluck eine ideale Interpretin. Lebhaftes Interesse erweckten die wundervoll vorgetragenen, von Kurt Heinemann für kleines Orchester ausserordentlich wirksam instrumentierten fünf Lieder von Hugo Wolf. Der starke Beifall, den Stabführer und Orchester ernteten, dürfte für alle Ausführenden ein erfreulicher Antrieb zur künstlerischen Weiterentwicklung sein. —yo— Zu einem vom Jüdischen Kulturbund! Düsseldorf veranstalteten Doppelchorkonzert hatten sich die gemischten .Chöre der Jüdischen Kulturbünde Düsseldorf und Essen verbunden. Unter der Leitung von Erwin Palm und -der solistischen Mitwirkung von Ruth Kisch-Arndt, Köln (Alt), Grete Rosenbaum, Düsseldorf (Sopran) und Dr. Josef Carlebach, Köln (Tenor), brachten sie Werke von Brahms und Schubert zu Gehör, in welchen sie sich durch sichere Tongebung, Ausgeglichenheit der einzelnen Stimmen und diszipliniertes Eingehen auf die Absichten des Chorleiters auszeichneten. Schöner und abgerundeter konnte man sich das „Ständchen" von Schubert kaum denken. Dazu kam die alles ausschöpfende Gesangskultur einer Sängerin wie Ruth Kisch-Arndt, die man vorher schon in einigen deutschen und jüdischen Liedern ergriffen bewundern konnte, so musste sich eine Aufführung von höchster Qualität ergeben. Grete Rosenbaum liess in zwei Liedern von Mahler und der Partie der Mirjam in „Mirjams Siegesgesang" aufs neue die Grösse und Schönheit ihrer in allen Lagen klingenden Sopranstimme erkennen. Der Tenor Dr. Carlebachs erfüllte in dem Liedzyklus von Beethoven „An die ferne Geliebte" nicht restlos alle Erwartungen, weil hier ein Mangel an Grösse und Modulationsfähigkeit des an sich schönen Organs zutage trat. Dies wurde durch die mit vielem Geschmack zum Vortrag gebrachte Solopartie in Schuberts „Nachthelle" wieder ausgeglichen. Sehr sicher und einfühlsam unterstützte Hertha Berthold-Plaat die Chöre am Flügel, während Erwin Palm den Solisten wie immer ein delikater Begleiter war. Der gut besuchte, beifällig aufgenommene Abend durfte als grosser Erfolg des Düsseldorfer Jüdischen Kulturbundes gebucht werden. J. C. Das Konzert von Paula Salomon-Lindb e r g (Alt) und Gustav Säbel (Klavier) im jüdischen Kulturbund Hannover war ausschliesslich jüdischen Komponisten gewidmet. Mit Mendelssohn (Variations serieuses, zwei Arien aus „Elias") begannen die Künstler. Dann folgten Lieder von Kowalski, Grossmann, Fromm, Weinberg und Schönberg und ostjüdische Gesänge in Bearbeitungen von Guttmann und Gross. Gustav Säbel konnte seine Virtuosität und Musikalität in dem romantischen Werk wie in einer modernen Sonate von Milhaud zeigen und bewährte sich auch als Begleiter. Paula Salomon-Lindbers sang sich mit ihrer schönen, dunklen Stimme in die Herzen ihrer Zuhörer. Stürmischer Beifall dankte beiden Künstlern. O. Bstn. Das Streichquartett Rhein-Main stellte sich in seiner neuen Zusammensetzung mit den Herren Drucker, Karp. Ratner, Dr. Edelstein im Kasseler Kulturbund vor. Das Ensemble zeichnete sich durch ausgeglichenes Spiel und vornehme Zurückhaltung der einzelnen Instrumente aus. Ein ansprechendes Programm führte von Schubert über Mendelssohn zu dem volkstümlichen F-dur-Quartett von Dvorac, dessen temperamentvoll gespielter Schlusssatz den Zuhörern am besten gefiel. F. Der Mannheimer Kulturbund („Liederkranz") gab einen heiteren Abend „Zwei Stunden Lachen mit Alfons F i n k", der auch als Ansager fungierte. Trude Kanter erfreute durch ihren hübschen Koloratursopran und Max' Firnberg, Frankfurt a. M., erwies sich als qualitätvoller Begleiter. Der für Kurt Rosenbusch eingesprungene Tenor Fritz Blum konnte trotz kulturvoller Vortragsweise ein stimmliches Manko nicht ausgleichen. So.