Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 10 (11.3.1937)
- Date
- 1937-03-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 * L Beiblatt CYIeitunq II. März 1937 Der jüdische Künstler in USA Wege und Ziele / Von unserem A. H—e - Musikberichterstatter New-York, Ende Februar. Es gilt, irrige Ansichten über die Möglichkeiten 'der Einwanderung jüdischer Künstler richtigzustellen. Viele nehmen auf Grund ihrer anerkannten Leistungen in Deutschland an, dass es möglich sei, ihnen eine feste Anstellung zu vermitteln. Es ist notwendig, zu sagen, dass eine solche Hoffnung keine Aussichi auf Erfüllung hat. Abgesehen von Einzelfällen, in denen Künstler von Weltgeltung, meistens Opernsänger, einen Antrag erhielten, haben sich, alle anderen, selbst die mit gefestigtem Ruf, erst den Boden für eine berufliche Existenz schaffen müssen. Man denkt nicht daran, eine künstlerische Kraft, die man nicht persönlich kennengelernt hat, zu verpflichten. Es fehlt, abgesehen von befristeten Gastspielabkommen, neuerdings auch an der gesetzlichen Möglichkeit, solche Verträge zu tätigen. Die Bestimmungen sehen ausdrücklich vor, dass die Annahme einer Anstellung für Ausländer verboten ist. Hat jemand jedoch die legale Immigration vollzogen, dann steht ihm wie jedem Bürger des Landes der Arbeltsmarkt offen. Gerade Künstler sind nicht selten als visitors in die Vereinigten Staaten gekommen, um zunächst einmal die vielleicht für sie vorhandenen Chancen zu ermitteln. Dieser Weg erweist sich als kostspielig und zeitraubend. Bei einer Besuchsreise von einigen Wochen ist es nahezu unmöglich, ein auch nur einigermassen klares Bild zu gewinnen. In einer Stadt von der gigantischen Grösse New-Yorks vergehen Wochen, bis der Neuankömmling die nötigste Orientierung gewinnt und erkennen kann, wo für ihn die Ansatzpunkte liefen. Diese sind gerade in den künstlerischen Berufen häufig an ganz anderen Stellen, als der Suchende angenommen hat. Er sieht auch bald, äass er die Wichtigkeit mancher Persönlichkeit und mancher Dinge entweder über- oder unterschätzt hatte. Unterschätzt wird vor allem die Bedeutung der Sprachkenntnisse. Was zu Hause als „gewandtes Sprechen" bewertet wurde, reicht zur Ausübung eines künstlerischen oder pädagogischen Berufes nicht aus. Es fehlt bei diesem „Konversations-Englisch" jene Ueberlegenheit, die es dem Sprechenden möglich macht, sich umfassend zu äussern und das Gespräch zu führen. Ueberschätzt wird dagegen die Kenntnis anderer Sprachen. Aus der Beherrschung des Französischen oder Spanischen wird sich selten mehr als ein gelegentlicher, rein gesellschaftlicher Vorteil ergeben. In New-York spricht man^auch in den eingesessenen Kreisen, viel und gern deutsch. Je mehr man sich jedoch von der Ostküste entfernt, um so mehr ist die Beherrschung des Englischen unerlässlicb. Unterschätzt werden ferner die Massstäbe für das Können von Orchestermusikern. Die führenden Orchester des Landes, deren Konzerte ständig durch den Rundfunk allen Schichten zugänglich gemacht werden, befinden sich auf einer technisch unüberbietbaren Stufe. Die Auslese ist Di% Fritz Lissauer Fol. Archiv Ein reiches Leben hat einen jähen Abschluss gefunden. Mitten aus voller Schaffenskraft wurde uns der Komponist und Rechtsanwalt Dr. Fritz Lissauer durch einen Schlaganfall entrissen. Er war am 20. Oktober 1874 in Berlin geboren, studierte in Leipzig Rechtswissenschaft und Avurde in der Komposition von Durra und Taubmann unterwiesen. 1901 kehrte er nach Berlin zurück, das er nur mehr während des Krieges verlassen sollte. Sein Gesamtwerk umfasst gegen 150 Opera. Von der kleinsten Liedform bis zur mehraktigen Oper hat er sich in allen musikalischen Formen bewiesen. Er kam von der Brahmsschen Formenwelt her, die er auch nie verleugnet hat. Eine harmonische Persönlichkeit spricht sich in allen seinen Werken aus; seine gewählte Tonsprache kommt in Faktur, Harmonik und Diktion in gleicher Weise zur Geltung. Besonders zahlreich sind in seinem Werkverzeichnis die bei dem riesigen Angebot deshalb so streng wie kaum irgendwo. Das grosse Kontingent der engagementslosen Orchestermusiker wird neuerdings von dem „Federal Music Project" aufgefangen. Dieses Unternehmen, das vor anderthalb Jahren mit zwei Orchestern in New-York begann, besitzt jetzt mehr als 140 Ensembles in den gesamten Staaten. Die Beschäftigung trägt vorläufig den Charakter der sozialen Fürsorge und des Ueberganges. Man darf aber annehmen, dass sich eine Konsolidierung vollziehen wird, die das Unternehmen zu einer Dauereinrichtung macht. Die Leistungen dieser Orchester bewegen sich etwa auf der Linie guter Konzerte einer mittleren deutschen Stadt. Die Beschaffenheit des musikalischen Kultsin den Synagogen ist sehr verschieden. Selbst die grossen Tempel besitzen meistens nur kleine Chorensembles, häufig vier, sechs oder acht Stimmen, die allerdings überwiegend sehr gut sind. Sie werden in den meisten Fällen vom Organisten allein zusammengehalten. Die Kantoren auch der liberalen und der reformierten Gemeinden stammen durchweg aus Osteuropa. Für den amerikanischen Sänger besteht anscheinend, wohl aus Mangel an Tradition und liturgischen Kenntnissen, kein Arbeitsfeld. Die Leistungen der Chasonim sind häufig ausgezeichnet. Man erkennt deutlich, welcher Wert auf schöne, gepflegte Stimmen gelegt wird. Längere Bindungen in Form mehrjähriger Verträge sind im amerikanischen Kunstleben aller Kategorien unbekannt. Dieser Umstand vermindert naturgemäß die Existenzsicherheit, er gibt aber auch die Chance des schnellen Aufstiegs. Die Jahre der Depression haben deutlich gezeigt, dass auch der künstlerische Arbeitsmarkt rigoros verengt wird, ohne dass dem Künstler gesetzliche oder organisatorische Machtmittel zu Gebote stehen. Es darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Widerstände, Ausländer zur Ausübung künstlerischer Berufe zuzulassen, während der letzten Jahre erheblich gewachsen sind. Diese Stellungnahme findet neuerdings in Massnahmen ihren Ausdruck, die besonders von den inländischen Bühnenangehörigen ausgehen. Gerade in den letzten Tagen wurde der vor geraumer Zeit zurückgestellte Dickstein-Gesetzentwurf wieder leidenschaftlich diskutiert und zur Annahme empfohlen. Selbst wenn er die Billigung des Senats nicht finden sollte, kennzeichnet er die Stimmung in den inländischen Kreisen der Künstlerschaft. Es muss hierbei betont werden, dass sich die Tendenz keineswegs gegen Juden richtet, sondern man will der Gefahr einer Ueberfremdung durch europäische Künstler überhaupt mit stärkeren Mitteln vorbeugen. Wie die Dinge liegen, muss ein einwandernder Schauspieler oder Opernsänger in neuerer Zeit mit grösseren Schwierigkeiten bei der Eingliederung in den amerikanischen Kunstmarkt rechnen als früher. Ganz unübersichtlich ist die Situation für Kammermusikwerke und Frauenchöre vertreten: ein Sinnbild für die stille, doch eindringliche Wesenheit seiner Musik. Nur den Eingeweihten wurde bekannt, dass Lissauer im letzten Jahre an einer heiteren Oper arbeitete, die einem grossen Operntheater gegenwärtig zur Annahme vorliegt. Nichts würde das Andenken dieses Komponisten mehr ehren, als wenn dieses hervorragende Werk jetzt erklingen würde. Aber auch für kleinere Arbeiten, Kammermusik und die wunderschönen Lieder nach den Dichtungen seines Bruders Ernst Lissauer, sollen diese Zeilen werben, damit ein arbeitsreiches Leben seine verdiente Auswirkung erfährt. Die berufenen Stellen in Deutschland und im Ausland mögen sich der Verantwortung bewusst sein, die zu uns aus dem Lebenswerk Fritz Lissauers eine deutliche Sprache spricht. K. W. Historische Bühnenschau In einigen stillen, lichtvollen Räumen des Berliner Schlosses enthüllt sich zurzeit ein ausgewähltes Stück Berliner Theatergeschichte, das in bunter Vielfältigkeit den Glanz einer hohen Bühnenkultur innerhalb eines Zeitraumes von •150 Jahren widerspiegelt. Alte, liebe Schatten steigen auf; Bühnengrössen von einst, im Andenken einer schon fernen Nachwelt dankbar aufbewahrt oder noch vom Kranz frischer Erinnerung umlaubt, gewinnen wieder Leben, präsentieren sich auf stolzem Kothurn oder in der Sphäre ihres privaten Daseins. Da grüsst uns von den Wänden Friederike Unzelmann, eine der vielseitigsten Schauspielerinnen, die mit ihrer tragischen oder heiteren Kunst aus dem Ende des 18. Jahrhunderts ins 19. hinüberführt; neben ihr die jüngere, vielgefeierte Rivalin Auguste Crelinger in der festlichheiteren Haltung.einer ihrer Lieblingsrollen, der „Donna Diana" von Moreto. Voll anmutiger Schönheit das Bild van Jenny Lind, der bildende Künstler. Vertreter des Kunsthandels betonen, dass der Geschmack und das Verständnis des amerikanischen Bürgertums dauernd im Steigen begriffen ist, eine Tatsache, die man mit Recht den zahlreichen Kulturorganisationen zuschreibt, die sich mit bildender Kunst und Kunstgewerbe beschäftigen. Der früher ungeheuer verbreitete Kitsch schlimmster Art beginnt mehr und mehr guten Reproduktionen und annehmbaren Originalen zu weichen. Ob ein Maler oder Bildhauer Fuss fassen kann, hängt oft von der Einführung, dem „In-Mode-Kommen" und anderen ausserhalb der eigentlichen Künstlerschaft liegenden Umständen ab. Für diese Kategorie künstlerischer Berufe eine Prognose zu stellen, erscheint, da hier die Imponderabilien besonders gross sind, unmöglich. Sicher ist nur, dass der bildende Künstler mit einer viel längeren Anlaufszeit rechnen muss. Immer wieder wird von auswanderungsgewillten Künstlern die Frage nach dem Existenzminimum gestellt. Bei der Beantwortung Am 28. September 1791 erklären die Freunde der Grossen Revolution in der tagenden Nationalversammlung, dass das Licht der Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit allen Bürgern des französischen Staates gebracht werden müsse, ohne Ausnahme allen, auch den Juden: es fallen die Ghettomauern von Paris'. An der Spitze der Judenemanzipation steht ein Mann, dessen tiefes talmudisches Wissen den Judenjn Paris Jahre hindurch Vorbild gewesen: Elie Levy. Er gründet eine Monatsschrift „Der französische Jude", die das Motto trägt: „Tiens au pays et conserve ta foi." Elie Levy ist Dichter. Er besingt mit einer grossen hebräischen Hymne den Frieden von Am'iens, die zur Friedensfeier in der Grossen Synagoge in Paris aufgeführt wird und solches Aufsehen erregt, dass der angesehene protestantische Pastor Marron in der öffentlichen Presse eine lange lateinische Dankesadresse an Levy richtet. Zu dieser Zeit ist Elie Levys ältester Sohn, Jacques Fromental, gerade drei Jahre alt und erlebt die ersten Jahre seines Daseins in einem jener Häuser der rue Neuve des Mathurins, die später abgerissen wurden, um dem Gebäude der Grand Opera Platz zu machen. Als 1807 ein Gesetz die Juden in Frankreich auffordert, ihre Familiennamen zu ändern, um die Konfusionen zu vermeiden, die die vielen gleichen jüdischen Familiennamen in den städtischen Akten veruraschen, wählt sich Elie Levy den Namen, den viele angesehene Talmudisten vor ihm geführt haben: er stellt seinem bisherigen Namen den hebräischen Artikel „ha" voraus und nennt sich ab 1807 Elie Halevy.- Voller Stolz stellt er fest, dass es schon einmal im 13. Jahrhundert einen jüdischen Dichter mit „schwedischen Nachtigall", die vor etwa hundert Jahren ganz Berlin entzückte; von anderen Stars der Opernbühne die beiden feindlichen Primadonnen Pauline Lucca und Mathilde Mallinger, weiterhin Lola Beeth mit dem aufwärtsgerichteten Schwärmerblick, Lilli Lehmann, die unvergessene Leonore und Donna Anna, und ihr berühmter männlicher Partner Albert Niemann (dessen bärtiges Antlitz in einer Büste aus dem Nachlass des Fabrikbesitzers George Wolle festgehalten ist). Der Weg, den die Schauspielkunst im Wechsel der Generationen durchmessen hat, wird von Gestalten wie Konrad Ekhof, Lessings Zeitgenossen, von Pius Alexander Wolff, dem ersten Tasso und Lieblingsschüler Goethes, von Ludwig Devrient, Theodor Döring (als Shylock), Fritz Beckmann und vielen anderen bedeutungsvoll umsäumt. Manche von ihnen, die hier im Bilde noch einmal lebendig werden, sind den älteren Theaterbesuchern noch gegenwartsnahe: Adalbert Matkowsky in der imponierenden Heldengestalt des „Coriolan", Rosa Poppe als Iphigenie, Paula Conrad als Hannele, Max Pohl mit dem leuchtend-trunkenen Blick seines Falstaff, und die schwarzhaarige Marie B a r - kany, deren sensitive Züge ein Pastellbild (nach Lenbacb) wiedergibt. Auch die ehemals leitenden Männer von Bühne und Orchester sprechen durch Gemälde oder Photographien zu uns: aus weit zurückliegender Vergangenheit Döbbelin, Iffland, Spontini, aus dem Kriegsjahr 1916 eine ganze Gruppe bewährter Direktoren, unter ihnen Emil C1 a a r, der namhafte Intendant der Frankfurter Bühnen, Max Bachur, der viele Jahre in Hamburg das Bühnenzepter schwang, Richard Tauber, der Vater des Operntenors, lange Zeit Leiter des Stadttheaters in Chemnitz, Max Behrend aus Mainz u. a. Zu dieser Fülle künstlerischer Profile gesellt sich der stumme Apparat der Bühne mit dem verschiedenartigsten Zubehör: mit Rüstungen und Kostümen, mit Figurinen und Schmuckgegenständen, mit Partituren und Regiebüchern, spielt der Landesteil, die Grösse der Stadt und schliesslich auch die persönliche Geschicklichkeit in der praktischen Lebensführung eine Rolle. Es lässt sich immerhin sagen, dass eine Person bei bescheidenen Ansprüchen mit 70 bis 80 Dollars auskommen kann. Ein Ehepaar wird bei eigener Wirtschaftsführung in Anbetracht der billigen Lebensmittel keineswegs das Doppelte brauchen. Die Notwendigkeit, den Etat sehr rationell zu gestalten, besteht mit seltenen Ausnahmen bei jedem eingewanderten, auch festangestellten Künstler. Die während der Depression stark reduzierten, inzwischen meist nicht wieder erhöhten Gehälter bewegen sich oft wenig über dem Niveau der zu einer einfachen Lebenshaltung unentbehrlichen Summe. Dabei ist zu bemerken, dass die Intensität der Arbeitsleistung, wie auf allen anderen Gebieten des Erwerbslebens, so auch in den künstlerischen Berufen ausserordentlich gross ist. Nur mit Einsatz der letzten Kraft wird es einem Künstler in den Vereinigten Staaten gelingen, sich durchzusetzen. dem Namen Halevy gegeben hat: Jededias Halevy. Jacques Fromental ist der erste in Frankreich geborene jüdische Musiker, der eine allgemeine künstlerische Erziehung bekommen kann: die ersten Schuljahre geht er noch in die kleine jüdische Schule im Gebäude des Tempels, aber schon mit zehn Jahren darf er als gleichberechtigtes französisches Bürgerkind Schüler des Pariser „Conservatoire" werden, gerade in jener grossen Zeit, in der Cherubini, Mehul, Gossec Lehrer für Komposition sind, Catel und Berton Lehrer für Theorie, Rhode," Kreutzer, Baillot Geige und Boieldieau Klavier unterrichten.. Mit zwölf Jahren wird er Kompositionsschüler von Cherubini und bleibt der Cherubini- Schüler für sein ganzes Leben. Die italienische Süsse, die melodische Grazie Cherubinis ist Halevys guter Stern. Die Gefahr droht von der Gegenseite, von Meyerbeer. Der Prunk der „Grand Opera" ist zu verführerisch, der Sensationsrausch Wochen vor und Wochen nach einer Meyerbeer-Premiere ist zu betörend: Halevy stellt zwischen die Premiere von „Robert der Teufel"" und die der „Hugenotten" seine „Jüdin". Der gleiche Eugen Scribe, der Meyerbeers Libretti zu jenen Monsterbauten der „Grand Opera" aufführte, schreibt auch für ihn das Textbuch. Aber Meyerbeer ist der tragische Schatten über Halevys Schaffen. Denn Eugen Scribe kann nur dort Bühnenwirksames schaffen, wo Meyerbeers Hand ständig korrigierend mitarbeitet. Dem schmächtigen, blassen, immer leicht überarbeiteten Fritz Suepiie Staat!, geprüft. Heilgehilfe. Masseur, Krankenpfleger, zugel. zu all. Krankenkass. Spez. Veraltete Ischiasu. Rfieumaerkr. Sportverletzg..Figurausgl., Entfetf.- Mass. Charlottenburg 4, Wilmersdorfer Str. 125, C 1, 1948. mit Beleuchtungskörpern (die in spielzeugartigen Modellen die Entwicklung der Bühnenbeleuchtung vom Kienspan über die Pechfackel bis zum modernen Scheinwerfer zeigen), und einer Reihe von Bühnenbildern (u. a. der Dekorationsentwurf Kautskys zu Meyerbeers „Afrikanerin"). In einem Separatraum kann man an alten Theaterzetteln Repertoir- und Besetzungsstudien machen: eine theatergeschichtliche Reminiscenz von besonderer Bedeutung die Ankündigung der ersten Berliner Aufführung von Lessings „Emilia Galotti" aus dem Jahre 1772. Genau 30 Jahre später liest man auf einem Zettel des Königl. National-Theaters: Mittwoch, den 10. März 1802 Zur Feier des iUlerhöchsten Geburisfestes Ihrer Majestät der regierenden Königin von Preussen wii>d von Herrn Beschort eine Rede gesprochen. Hierauf zum ersten Male: Nathan der Weise. Ein dramatisches Gedicht in 5 Akten von G. E. Lessing. Für die Darstellung abgekürzt von Herrn Schiller. Die Titelrolle spielte damals August Wilhelm Iffland. Am 14. Oktober 1843 wird im Neuen Palais „Ein Sommernachtstraum" — „nach Shakespeare von Schlegel" — zum ersten Male aufgeführt; hier findet sich auf dem Zettel der besondere Vermerk: Musik vom Königlichen General - Musikdirektor Dr. Felix Mendelssohn- Bar t h o 1 d y. Und schliesslich verdient in diesem Zusammenhang erwähnt zu werden, dass für Freitag, den 9. März 1S49, im Opernhaus die Erstaufführung der „Lustigen Weiber von Windsor" angekündigt wird — „nach Shakespeare, gedichtet von H. S. Mosenthal". Dr. Hugo Lachmanski. Jacques Fromental - Halevy Zu seinem 75. Todestage am 17. März./ Von Dr. Anneliese Landau