Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 10 (11.3.1937)
- Date
- 1937-03-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2277516-2277526--11691-2281245- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Serge zu ihnen empor, und üocfä macHen sie einen ländlichen Eindruck. Es ist etwas Geruhsames, Verhaltenes in diesen Menschen. Nicht die Liebenswürdigkeit des Rheinländers oder die. angebliche Gemütlichkeit des Bayern zeigen sie, sondern es sind Menschen, die nicht weit von zwei Grenzen leben, und die doch in sich verschlossen blieben. IV. Vom Neckar durchs Thal der Fils, durch 'die Rauhe Alb zu Donau und Blau geht die Fahrt in knapp zwei Stunden nach Ulm. Welch anderes Bild. War es in Stuttgart die Vielfalt der Erscheinungen, die immer von Neuem Anregungen bot, so ist es hier die Einheitlichkeit des Stadtbildes. Ulm, das ist das Münster. Wie eine schlanke Pyramide, vierfach gestuft, steigt sein Turm bis zür Höhe von 161 Meter in über 700 Stuten empor. Steht man dort oben, so streift der Blick weit ins Land. Um den Dom drängt sich die Stadt mit ihren Gassen und Winkeln. Gewiss, wenn man dann durch das Städtchen geht, so sieht man das Rathaus, die romantische Partie an der Stadtmauer längs der Donau, Klein- Venedig, das Zundel-Tor, die Garnisonkirche mit ihren eigenartigen Granatentürmen am alten idyllischen Friedhof, aber das alles wird beherrscht von dem Münster und seinen Türmen. Stuttgart, der Residenz, gaben Schlösser und Ministerien das Gesicht. Ulm, der Freien Reichsstadt, Kirche und Bürgerschaft. Hier ist nichts Hastendes; wenige Menschen sind auf der Strasse. Selbst die Industrie und das Militär, die zum Teil im jenseitigen bayrischen Neu-Ulm beheimatet sind, haben ihren Charakter nicht zu verändern vermocht. Sehr ruhig ist das Leben für,.eine Stadt von immerhin 60 000 Einwohnern. Als dieses Münster in den 10 Jahren von 1392 bis 1402 erbaut wurde (vollendet war es erst im 16. Jahrhundert), da lebten die Juden nach der Sage bereits über 1000 Jahre, nach den geschichtlichen Denkmälern Y\ Jahrtausend in der Stadt. Die ältesten Grabsteine, die man noch heute auf dem Friedhof zeigt, tragen die Daten: 1243, 1255 und 1274. Mit Worms und Regensburg zählt Ulm zu jenen ältesten jüdischen Gemeinden in Deutschland, deren Anfänge vielleicht auf römische Zeit zurückgehen und die zurzeit des schwarzen Todes Dokumente vorwiesen, die ihre Anwesenheit auf deutschem Boden schon vor der Zeit Christi beurkunden sollten. Dass es sich hier um ein frommes Märchen handelt, das zu durchsichtigen Zwecken erfunden war und auch in manchen Fällen seine schützende Wirkung von der Wut des Volkes nicht verfehlte, ist heute bekannt. Trotzdem ist es amüsant zu lesen, was der Mönch Bruder Felix Fabri in seiner Abhandlung von der Stadt Ulm im Jahre 1486 hierüber zu berichten weiss. Aus dem Jahre 1242 aber liegt bereits eine Steuerliste vor, in der 25 Städte mit jüdischen Bewohnern genannt, werden. Unter ihnen auch Ulm. Dieser Zeitpunkt stimmt durchaus mit den Daten der erhaltenen Grabsteine überein, wobei vermerkt sei, dass auch in Ulm beim Bau des Münsters in die Gruft jüdische Grabsteine mit vermauert wurden. Durch die selbständige Stellung, die Ulm als Stadt im 14. und 15. Jahrhundert einnahm — es stand auf Seiten der Bayern gegen die Oesterreicher — gestaltete sich auch die Geschichte der jüdischen Gemeinde dort anders als in den umliegenden Orten. Als es im Jahre 1348 zu den schweren Judenmetzeleien kam, denen die blühenden Gemeinden in Esslingen, Heilbronn, Horb, Reutlingen, Rottweil, Stuttgart usw zum Opfer fielen, die mit der restlosen Austreibung endeten, fanden die Juden Ulms Schutz bei Rat und Bürgerschaft vor dem Wüten des Pöbels. Und 1376 tritt uus <i^e Gestalt des Juden J ä c k 1 i n entgegen ais Bürger der Stadt, deren jüdische Gemeinde damals die grösste in Schwaben war und die Synagoge, Friedhof, Schulhof, ja selbst ein eigenes Tanzhaus besass. Jäcklin war der Geldmann des Rates. Er beschaffte die Mittel, mit denen die Stadt ihre Freiheit gegen den Kaiser verteidigte. Vom Reich in Acht und Bann getan, lieh ihm Ulm weiter das Vertrauen. Dass bei all diesen Händeln Jäcklin und die Ulmer Juden immer von neuem geschröpft wurden, lag in der damaligen Zeit bedingt. 1434 ging Jäcklin nach Stuttgart und wenige Jahre danach — im Verfolg des" Ravensburger Knabenmordes — mussten auch die Juden Ulms 1438 die Stadt verlassen. Aber so fest war ihre Bindung, dass bereits acht Jahre danach von einer Neuansiedlung berichtet wird, die etwas über 60 Jahre währte. Unter der Herrschaft des Grafen Eberhard wurden die Juden des ganzen Landes verwiesen. 1469 Austreibung aus Heilbronn, 1471 aus Tübingen, 1490 aus Esslingen und wiederum als letzte 1499 an der Schwelle des neuen Jahrhunderts, das über Deutschland die Schrecken des Dreissigjährigen Krieges brachte, Ulm. Zum zweitenmal verliessen sie die Stadt, nächdenfsie mit kurzer Unterbrechung 250 Jahre dort gelebt und gelitten haben. Erst etwa 300 Jahre später gründete sich die Gemeinde neu. Die Umwandlung des Herzogtums in ein Königreich, die Ausdehnung des Landes und das Eindringen des Geistes der Emanzipation verhalfen auch der Ulmer Gemeinde rasch zu neuer Blüte. Um 1806 siedelte sich der erste Jude seit 1499 wieder an, 1850 zählte man 57 jüdische Seelen, 1925: 565 und 1931 nahezu 600. In fünf Jahren ist diese Zahl wieder auf unter 400 gesunken. Synagoge und Gern nd eh aus wirken wie Symbole dieser historischen Entwicklung. Sie liegen mitten in der Altstadt am Weinhof und wenn man vom Platz mit seinen Bäumen, der auf der einen Seite zum Fluss abfällt, auf die lang gestreckte Front der Syna"goge sieht, dann ragt hinter und über ihr der Münsterturm in den Himmel. Sie wurde im Jahre 1873 mit vier maurischen Kuppeln erbaut, wie sie die Titelzeichnung zu diesem Artikel wiedergibt. Als im Jahre 1928 ein Umbau notwendig wurde, beseitigte die Gemeinde im Einvernehmen und mit Unterstützung der Stadt diese störenden Aufbauten. So erhielt das Gotteshaus seine jetzige, aus der Abbildung ersichtliche Gestalt, die dem Weinhof sein formschönes, altertümliches Gesicht zurückgab. Durch einen schmalen Durchgang unter einem Bogen gelangt man in das Gemeindehaus direkt hinter der Synagoge. Ein spitzgiebliger alter Fachwerkbau mit breit geschwungener Treppe im Innern. Erst vor wenigen Monaten ist das Haus vom Dach bis zum Keller neu hergerichtet worden. Es ist erstaunlich, was unter der umsichtigen Leitung des Kultur- STUTTGARTER UNTERNEHMUNGEN DAMENHÜTE?Ä Modehaus am Markt . Ecke Schulstrasse. . S.B RUCHSALE R Ji. A. Wiesw&achec Tuchgrosshandiung Stuttgart Kronensjrasse 19 Y,.,mtmtlinnmmHiiiimMtiMlinnmniMHiiliillHMHlilT,,lMMllllMlillmliniliMnniinilMMlM Heumann & Brandt STUTTGART I Schürzen . Kittel. Waschkleider J Leistungsfähigs ie Firma liMiijkiiiiuw^ S. Krautkopf Stuttgart W. Spezialfabrik für hochwertige Strickkleidung Suereää Corsets, Corselettes, Büstenhalter Bezugsquellennachweis durch die Fabrikanten: H. Gutmann Sühne, Stuttgart-S. Das Spezialgeschäft für Herrenü. Knaben - Bekleidung GLASS&WELS STUTTGART-MITTNACHT BAU Gaststätte Bloch Ä Erstklassiges Kaffeeu.Speise-Restaurant L o gi s - N a c h -w e i s. Hofße Hcmuum Eigene Konditorei Stuttgart — Seldenstr. 6 Pension Westheimer-Schwab frtther Hotel Westbelmer Jetzt Maricmtr,2 Salon Spielmann Damenu. Herren-Friseur Marienjtr.2, ILStockb.Wühelmsbau L. Kiinzelsauer feine Herrensehnefderei Schlo&str. 33 Tel. 28160 Das führende Spezialgeschäft für HERREN- KLEIDUNG SPORT-KLEIDUNG JÜNGLINGS-KLEIDUNG KNABEN - KLEIDUNG MASS-KLEIDUNG Schriftliche Bestellungen fuhren wir prompt und gewissenhaft aus! Die zuverlässigen Kleiderfachleute BAMBERGER& HERTZ Köln * Leipzig * München * Stuttgart Herbert Oettinser Hermaonstr. II pt Tel. 61SS3 Das Haus Ihrer Einkäufe für Lebensmittel, Wasch« und Putzmittel und Kenserven. Schriftl. und telef. Bestell, -werden pünktlich frei Haus ausgeführt. GESCHWISTER GUTMANN EBERHARD BAU DAMENHÜTE Dulius Paul Eppstein Bücherrevisor und Wirtschaftsberater STUTTGART Sattlerstraße 2 Tel. 90336 JUWELEN - GOLD - SILBER UHREN - MODESCHMUCK NUR VO N JUWELIER ball, in Julius Schmidt & Cie. IL G. Trikotwarenfabrik STUTTGART 13 ROTHSCHILD & WILD STUTTGART LEDER^MANUFAKTUR Löwenberg & BiSffigheimer Kurzand Galanterlewaren - Großhandlung STUTTGART, Ulrichstrasse 3 Ernst Hochberger Herdwes 116 — Tel. 23350. Immobilien — Versicherungen. Vermittl. u. Tausch v. Grundstück. Geschäft, us-w. Albert Leiter Textilfabrikate Spezialität Weisswaren Alleenstrasse 28 Tel. 24374 ^FreiraarklGrSnwald^ Webwaren-Grosshande! Fotterstoffe eigener lufthiH Stnttgart-W, Augustenstr. 3 Das Haus der schönen Schuhe EdQX Schuh-Co. Stuttgart Wilhelm Weissburg er am Bollwerk Gartenstrasse 48 Telefon Nr. 23 184 Das Spezialgeschäft für Herde, Oefen, Waschmaschinen Spezial-Abteilung für Auswanderer in Kühlschränken u. Elektrogeräten Brillanten-Goid-Siiberwaren seit 1882 bekannt f5r. Gelegenheitskäufe Richnowsky, Eberhardstr. 23 Gebr. Levi Import Stuttgart W. Böchsenstr. 102 Ueberseeische Häufe und Felle Bonnevie & Cie. Stuttgart wollen. DamenkleiderstoHe ADOLF HIRSCHHEIMER SPERRHOLZ Stuttgart-N Wolframstr. 50 Telefon 28429 SCHIFFSKARTEN für alle Linien durch \ Siegfried Schwarzsclüld> S tui t!> ar i. K»ni°straße 43 a Telefon 28992 " ' '