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Central-Verein-Zeitung · 1937-03-04 · 9 (4.3.1937) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
9 (4.3.1937)
Date
1937-03-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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4. Marz 1937 W Zur Aufführung im Jüdischen Kulturbund Berlin Wieder huschen Shakespearesche Elfen durch den nächtlichen Wald, aber diesmal sind es — Titania, die Königin, nicht ausgenommen — nur die maskierten Bürger des schönen Städtchens Windsor, die sich in solcher Geistergestalt nur um so besser der Bestrafung des armen Sünders Falstaff widmen zu können glauben. Und der dreimal arg Geprüfte rafft schliesslich alle seine Lebensweisheit zusammen, die ja letztlich doch mehr dem Bacchus als der Venus dient, macht gute Miene zum bösen Spiel — zumal ihm noch ein bisschen Schadenfreude gegönnt ist —, und so nimmt denn dieses Spiel einen allseitig harmonischen Ausgang. Nicolais drei Akte — vom jüdischen Librettisten Mosenthal aus der grösseren Breite Shakespeares konzentriert — umspannen drei verschiedene Sphären: in Ouvertüre und Finale flimmert der Wald- und Elfenzauber Webers und Mendelssohns, das mondbeleuchtete Liebesbekennen Fentons und Annas strahlt in südlicher Kantilene, im übrigen aber triumphiert die Buffowelt aller Schattierungen; ihre Klangsymbolik erstreckt sich von Mozart bis zu „Fledermaus'-Vorahnungen. Dies alles aber, berühmt als eine der besten Lustspielpartituren der deutschen Operngeschichte, ist mit einer unglaublich leichten Hand hingesetzt, atmet vom ersten bis zum letzten Takt eine beglückende Beschwingtheit. Der Regisseur Kurf Singer entwickelt aus dieser vibrierenden Bewegtheit der Musik eine solche des szenischen Geschehens; er lässt seine Menschen munter umherwirbeln, unterstreicht aber dabei das Schematische der Buffotypen und -Situationen durch kräftige Betonung des Unwirklichen, Spielhaften, ohne jedoch dem Esprit der Darstellung Einhalt zu tun. Heinz C o n d e 11, in gleicher Richtung wirkend, stellt die Bilder wieder mit jener Freudigkeit und Abgestimmtheit der Farben, die man stets an ihm schätzen durfte. Rudolf Schwarz wahrt, das kann gesagt werden, das Niveau seiner Vorgänger am Opernpult des Kulturbundes. Er dirigiert grossenteils auswendig, und er schafft, nicht zuletzt dank seiner sicheren Führung auch der Bühne, einen einheitlichen und nie erlahmenden dramatischen Pulsschlag. Die instrumentalen Farben werden leuchtend ausgetragen, nur manchmal, so in der Arie der Anna, erscheint eine leichte Dämpfung geboten. In der Rolle des feisten Schlemmers ein neues Gesicht: Walter Ries, früher an. der Münchener Staatsoper und , am_ Frankfurter Kulturbund tätig, fällt eigentlich weniger, durch Ausgeprägtheit der tiefen Falstaff-Töne auf als durch eine sehr schöne baritonale höhere Lage; er meidet auch mimisch das übermässig Groteske, ist dafür in der Trinkszene von einer unwiderstehlichen Ueberlegenheit; die gepflegte Sprache mit dem rollenden „R" gibt ihm meist eine gewisse Würde. Wilhelm Guttmann, funkensprühend an Temperament, erfüllt als Fluth mit seiner Eifersucht förmlich die Szene, reisst sie an sich; wie er aus Musik und Spiel eine Gestalt zusammenschweisst, das ist absolut vorbildlich! Urwüchsig und machtvoll. Siegfried Urias als Reich; ob man ihn nicht einmal mi Walter Ries die Rollen tauschen liesse? Rita Atlasz und Susanne Löwenstein sind zwei lustige Weiber von solcher Jugendlichkeit, Anmut und Schalkhaftigkeit, dass man Sir John die doppelte Leidenschaft gern glaubt. Die Atlasz lässt Krokodilstränen und Koloraturen rollen, dass es eine Art hat, und Susanne Löwenstein bezaubert nicht nur durch die samtweiche Höhe, sondern auch durch hin- und herblitzende Blicke; eben noch künstlich aufgeregt, kann sie fast in derselben Sekunde ihrer Freundin schon wieder zulachen; am schönsten aber ist es, wenn sie mit ihrer Tochter Anna ..nun ein ernstes Wörtchen sprechen" muss. Diese Tochter, Edith Eisenheimer, teilt mit ihrem Partner, Ernst K r a s s o, das wenig dankbare Los des „ernsten* Liebespaares; beide werden ihr schönes Material noch etwas zu lockern haben, der Tenor auch nach grösserer Unabhängigkeit des Spiels trachten müssen; sein helles Timbre setzt sich mühelos durch. Gerhard Pe ebner ist ein grimmiger Dr. Cajus, und Julius K u t h a n braucht nur in der unvermeidlichen Wenzel-Maske die Bühne zu betreten, um sofort alle Sympathien restlos für sich zu haben, auch wenn er dafür mitunter sein Teil abkriegt. In den Sprechrollen Alfred Berliner als eigenwilliger Wirt und Alfred Lichtensteins guter Schneider, ein frühes Opfer des Alkohols. Als Elfenquartett schwebten Ruth C o n d e 11, Nelly Hirsch, Marianne S i 1 - bermann und Daisy W e i n s t e in schwerelos durch den Wald. Für die sorgsam eingefügten Chöre zeichnete wieder Berthold Sander. Der Beifall setzte schon nach der Ouvertüre ein, wiederholte sich nach sehr vielen Nummern und rief am Schluss auch Singer, Condell und Schwarz auf die Bühne. Der Kulturbund darf einen ehrlichen Erfolg buchen. Hans Freyhan. Von links nach rechts: Julius Kuthan, Gerhard Pechner, Edith Eisenheimer, Ernst Krasso, Siegfried Urias, Susanne Loewenstein Fol. Abraham „Jakob und Esau" von Rosy Geiger-Kulimann Uraufführung im Frankfurter Kulturbund Starken äusseren Erfolg erzielte in einem Konzert des von Dr. Nathan Ehrenreich trefflich geleitete Jüdische Kammerchors (das als erste März-Veranstaltung Forschungsabteilung Judenfrage Zwei neue Schriften des historischen Reichsinstituts Am 19. November 1936 ist bekanntlich die Forschungsabteilung Judenfrage des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands in der grossen Aula der Universität München eröffnet worden. Die grundsätzliche Rede über ..Deutsche Wissenschaft und Judenfrag e'\ die der Präsident des Reichsinstituts, Professor Walter Frank, bei jener Gelegenheit gehalten hat, ist nunmehr in den „Schriften des 'Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands" (Hanseatische Verlagsanstalt. Hamburg) veröffentlicht worden. Gleichzeitig haben die Ansprachen, die der Vorsitzende der neu gegründeten Forschungsabteilung Judenirap-e. Professor Karl Alexander v. Müller, und. als Vertreter des Reicbserziehuogsministers. Ministerialdirektor Professor Vahlen, bei der Eröffnungfeier gehalten haben, in der Broschüre Aufnahme gefunden. Der genaue Wortlaut der Reden wird uns dadurch zugänglich. Professor K. A. v, Müller, der Nachfolger Friedrich Meireckes in der Leitung der „Historischen Zeitschrift", weist zunächst auf die allseitige Anteilnahme der Behörden und Organisationen des Staates und der Partei hin. Alle fühlten, dass die Gründung der Forschungsabteilung Judenfracre mehr sei als ein gewöhnlicher organisatorischer Akt der Wissenschaftspflege, dass sie vielmehr auf dem Felde der Wissenschaft und der Hochschule „selbst ein Akt der Revolution, der Crossen nationalsozialistischen Revolution Adolf Hitlers" sei Professor v. Müller deutet dann an, dass es notwendig sei, die Judenfrage in den Zusammenbang des neuen geschichtlichen Weltbildes hineinzustellen, unter Berücksichtigung des Unistandes, dass die ganze Welt der weissen Völker seit dem Weltkrieg in eine neue Epoche ihres Daseins eingetreten sei. Die Judenfrage?ei eine der wichtigsten und schicksalsvollsten Gegenstände der Geschichte. An ihrer Erforschung haben sämtliche Zweige der Geschichtswissenschaft teil, geeinigt freilich durch die allgemeine politische Geschichte. Das, was -das neu geschaffene Institut leisten solle und leisten müsse, sei wissenschaftliche Arbeit. Die Ergebnisse seiner Forschungen würden manche Ueberraschungen bringen, manche alte Urteile umstürzen. Das deutsche Geschichtsbild vor allem der letzten anderthalb Jahrhunderte, das Bild auch mancher ihrer hervorragenden Gestalten werde durch sie in vielen Zügen umgestaltet werden. Professor Walter Frank gibt in seiner darauffolgenden Rede einen geschichtlichen und psychologischen Aufriss der Beweggründe und Stimmungen, die zu der allgemein bekannten Einstellung des Nationalsozialismus in der Judenfrage geführt haben. Aus eigenem Erleben gibt er darüber Rechenschaft, wie das jüdische Problem in der Nachkriegszeit einer jungen nationalsozialistischen Historikergeneration bewusst geworden sei. Einen scharfen Trennungsstrich zieht er gegen die sogenannte „objektive Wissenschaft", hinter deren „innerer Brüchigkeit und Unwahrhaftigkeit" sich die politische Ideologie des liberalen Zeitalters verberge. Der neuen „Forschungsabteilung Judenfrage" stellt er die Aufgabe, die Geschichte der Judenfrage, die bisher nur von jüdischer Seite und vom projüdischen Standpunkt aus. dargestellt worden sei, „mit den Mitteln der unerbittlichen wissenschaftlichen Methode und Kritik" aus deutscher Einstellung heraus zu bearbeiten. Eine Anzahl grossangelegter Arbeitspläne, namentlich die von Wilhelm Grau in Angriff genommene „Geschichte, der. Judenfrage von der französischen bis zur. nationalsozialistischen. Revplution", werde. jenem Ziele dienen. Nachdrücklich erklärt Professor Frank, er wisse sehr wohl, dass die internationale Judenfrage, die sich heute stelle, selbstverständlich in eister Linie im politischen Machtkampf entschieden werde. Aber dieser'Kampf um eine Lösung der internationalen Judenfrage könne die Hilfe der Wissenschaft nicht' entbehren. Daher sei die neue .,Forschungsabteilung Judenfrage" dazu berufen, ihre geistigen Wirkungen über die ganze Welt auszubreiten. Die neue Forschungsabteilung hat, wie die Tagespresse berichtete, im Herbst des vergangenen Jahres ihre erste wissenschaftliche Arbeitstagung in München abgehalten. Die Ergebnisse dei" Tagung sollen demnächst im ersten" Bande der „Sitzungsberichte der Forschungsabteilung Judenfrage des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands^ .(Hanseatische V.erkgsanstalt, Hamburg 1937) der Oeffentliehkeit vorgelegt werden. Vor dem Erscheinen der Gesamtpublikation ist aber der letzte Vortrag, der auf der Tagung gehalten wurde, als Sonderdruck in den „Schriften des Reichsinstituts" (Hanseatische Verlagsanstalt) soeben veröffentlicht worden: Wilhelm Stapel: „Die literarische Vorherrschaft der Juden in Deutschland 1918 — 1933." Professor Frank weist selber in einem Vorwort auf die Eigenart der jüngsten Stapeischen Schrift hin. Stapel, der Herausgeber der Zeitschrift „Deutsches Volkstum", habe seiner Analyse des jüdischen Problems die vielfältige Erfahrung eines vierzehnjährigen Kampfes gegen den kulturellen Einfluss des Judentums zugrunde gelegt. Die Thesen, die Stapel in seiner letzten Schrift vertritt, entsprechen durchaus seinen bisherigen Wertungen auf diesem Gebiete. Seit 191S habe das Assimilationsjudentum in Deutschland das literarische Leben seines Wirtsvolks beherrscht. Obw:ohl es insofern sein Ziel verfehlte, als es die Juden nicht zu Deutschen machen konnte, sei es dennoch erfolgreich bemüht gewesen, das literarische Empfinden des Deutschen dem Urteil der streit- und geltungssüchtigen jüdischen Kritik zu unterwerfen. Durch eine systematische Beherrschung des Verlagswesens und der Presse habe das Judentum es möglich gemacht, dass ein international eingestelltes Literatentum die völkischen Werte deutscher Dichter verdeckt halten konnte. Es bedurfte des Einsatzes der politischen Macht des Nationalsozialismus, um die jüdische Vormachtstellung im deutschen Kulturleben aufzuheben. Stapels Schrift, in ihren hier entwickelten Grundzügen durch zahlreiche Einzelargumente erweitert, ist für die kulturpolitische Einstellung des Nationalsozialismus dem Judentum gegenüber in jeder Weise aufschlussreich. F.F. Ephraim — Ebers — Eberty Der Name Ephraims, des Münzentrepreneurs Friedrichs des Grossen, ist jetzt wieder im Muhde der Berliner, da das bekannte, schon längst der Stadt Berlin gehörige „Palais Ephraim" von der Ecke der Poststrasse und des Mühlendamms der Erweiterung der Schleuse wegen abgerissen wurde und an anderer Stelle wieder aufgebaut wird, Veitel Heine Ephraim, der Sohn des aus Altona nach Berlin eingewanderten wohlhabenden Kaufmanns Chaim Meier Ephraim, war ein Finanzmann grossen Stils. Er hatte mit seinem Schwager Herz Gumperts alle preussischen und sächsischen Münzstätten gepachtet und gehörte ebenso wie Daniel Itzig durch seine Münzkontrakte und Lieferungsgeschäfte, die er im Siebenjährigen Krieg getätigt hatte, zu den grössten Kapitalisten der nach dem Kriege neu aufblühenden Hauptstadt. Das Handelshaus Ephraim u. Söhne, von 1773 an Veitel Heine Ephraim, benutzte sein Vermögen zu der von Friedrich dem Grossen geförderten Industrialisierung: in Berlin wurden am Schiffbauerdamm in der Nähe der Marstallbrücke, grosse Etablissements zur Gold- und Silbertreseenfabrikation gegründet, ferner eine Seidenfabrik und eine Kantenklöppelei in Potsdam. In dem prachtvollen Wohn- und Geschäftshaus am Mühlendamm liefen alle Fäden des weitverzweigten Unternehmens zusammen, das gegen 1000 bis 1500 Menschen beschäftigte. Im Jahre 1812, als durch königliches Edikt für die Juden die Einführung von Familiennamen angeordnet wurde, nähmen die Nachkommen Ephraims die Namen Ebers, Eberty und Edeling, einige Mitglieder der weitverzweigten Familie die Namen Friebe und Neumann an. Es würde zu weit führen, die Nachkommen Veite! Ephraims, wie es Oberbibliothekar Dr. Moritz Stern in der Zeitschrift „Jüdische Familienforschung" getan hat, aufzuzählen, oder genealogisch zu verfolgen, es sei nur darauf hingewiesen, dass der berühmte Aegyptologe und Romanschriftsteller Georg Ebers und Felix Eberty, der Verfasser des weitverbreiteten reizvollen Buches „Jugenderinnerungen eines alten Berliners". Nachkommen Veitel Ephraims sind. Georg Ebers' Vater, der ursprünglich Meier Moses Ephraim hiess, und dann den Namen Moritz Ebers angenommen hatte, war zwar nicht selbst zum Christentum übergetreten, hatte aber die aus semer Ehe mit der Holländerin Fanny

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