Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 9 (4.3.1937)
- Date
- 1937-03-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2277379-2277516-2277525--11667-2281220- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zu seinem erste» Hermann Falkenberg / jaw^J Wann und wo finden Sie Rat? Hessen-Kassau und Hessen DULmburg 9. März, Werner-Scn<:cr-Str. 13 bei Albert Metzger, 15—17 Uhr. Ems 9. März. Braubacher Strasse 17 bei Rabbiner Dr. Laupheimer, 10—12 Uhr. Friedbergf 11. März, Gemeindehaus, Kaiserstrasse, 10—12 ühr. BCersfeld 18. März, Gemeindehaus, 10 bis ,12 Uhr. Worms 25. März. Gemeindehaus, Hintere Judengasse 2. 15—17 ühr. Verbot droht den gesetzestreuen Juden die Gefahr, zum kommenden Pessacbfest ohne Mazzot zu bleiben. Die Behörden planen, in staatlichen Bäckereien Mazzot zu backen, diese würden aber nach dem jüdischen Religionsgesetz zum Genuss in den Pessachtagen ungeeignet sein. Die gesetzestreuen Juden hoffen auf Intervention jüdischer Kreise im Ausland zu ihren Gunsten. Aaslands-Nachrichten Amerika Der Verband der jüdischen Kriegsteilnehmer 'Amerikas hat einen Gesetzesvorschlag ausgearbeitet, der Geldstrafen von 100 bis 5000 Dollar und Gefängnisstrafen von sechs Monaten bis zu einem Jahr für die Verbreitung von Verleumdungen gegen Rassen und Bekenntnisse durch Versendung von Schriftstücken und Druckwerken vorsieht. Der Gesetzesvorschlag soll noch in der ersten Hälfte März in den beiden Häusern des Parlaments von nich{jüdischen Senatoren und Abgeordneten eingebracht werden. Bulgarien Etwa 300 alteingesessene Juden in Bulgarien, die Inhaber türkischer Pässe sind, aber von der jetzigen Türkei nicht als Bürger anerkannt werden, stehen vor der Gefahr der Ausweisung. Die betroffenen Familien haben an den Völkerbund eine Petition gerichtet, in der sie bitten, ihnen einen legalen Status zu verleihen. Ihre Lage ist verzweifelt. Das Zentralkonsistorium der Juden Bulgariens hat auf einer ausserordentlichen Tagung die Einsetzung eines Komitees beschlossen, dem die Leitung der Abwehraktion gegen die judenfeindliche Bewegung in Bulgarien übertragen wird. Ferner wurde beschlossen, ein hebräisches Lehrerseminar zu gründen und einen Kulturfonds zur Finanzierung des jüdischen Schulwesens zu schaffen. England Der englische , Gesundheitsminister, Sir Kingsley Wood, legte in Manchester den Grundstein zu einem Erweiterungsbau für das Schwesternheim des Jüdischen Krankenhauses. Der Minister betonte, wie sehr er sich freue, dass das Krankenhaus bei der Aufnahme von Kranken keine Unterschiede in rassischer Hinsicht mache, und dass es von Menschen einer Gemeinschaft unterhalten werde, die immer in England sehr geschätzt wurde und auch immer für wertvoll erachtet werden würde. Italien Wie die amtliche Agentur Stefanie mitteilt, haben die italienischen Behörden von Addis Abeba beschlossen, den Falaschas ein eigenes Gebiet zur Verfügung zu stellen, auf dem land- ' PERU (II) Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung von Dr. Bruno Weil Lima, 11. Februar. Der günstige Staad der peruanischen Wirtschaft müsste an sich einen starken Anreiz für Einwanderung "bieten. Peru ist neben Argentinien dasjenige Land, in dem die grosse Wirtschaftskrise am meisten überwunden zu sein scheint, und in dem alle Zeichen einer Belebung vorhanden sind. Das Geld des Landes steht sehr hoch und ist, auch hier die Aehnlichkeit mit Argentinien, so im Steigen begriffen, dass die Kreise, die vom Export leben, — und Export ist in allen südamerikanischen Ländern das wichtigste — schon bedenklich werden. Der Dollar stand bei unserer Ankunft ungefähr 3,95 Soles (die peruanische Währung), er fiel in den drei Wochen auf etwa 3,75 Soles. Ein Sol ist etwa 65 Pfennig. Damit zusammen hängt, dass die- Lebenshaltung in Peru wohl die teuerste aller südamerikanischen Staaten ist, sicher derjenigen, in denen wir bisher gewesen sind. Dies fiel uns natürlich besonders auf, weil wir aus dem Lande mit der niedrigsten und billigsten Lebenshaltung, aus Bolivien, kamen. Die Wirtschaft der südamerikanischen Staaten ist durchgängig darauf aufgebaut, dass die Erträgnisse von Landwirtschaft und Viehzucht für die Selbstversorgungmit Lebensmitteln ausreichen, so dass möglichst wenig hiervon eingeführt zu werden braucht. Auf der anderen Seite reicht die autarke Versorgung mit Industrieprodukten nirgend aus. Aus diesem Grund wird die Schaffung eigener Industrien so sehr angestrebt. Aus diesem. Grunde wird auch so darauf Bedacht genommen, dass die Ausfuhr der Rohprodukte möglichst gesteigert wird, damit aus ihren Erlösen die unbedingt nötigen Verbrauchsgüter, und soweit der Ueberschuss reicht, gewisse Dinge für einen erhöhten Lebensstandard eingeführt werden können. Zum Glück für SüdwirfscfiaftKcfi© Siedlungen, gewerbliche;WerS«v Stätten und Schulen errichtet werden sollen. Der ehemalige Leiter der jüdischen Schule in Rom, Dr. Aldo Lattes, der nach dem Tode von Professor Angelo Sacerdoti eine Zeitlang die Geschäfte des Oberrabbinats von Rom geleitet hat, ist von dem Verband der jüdischen" Gemeinden Italiens zum Oberrabbiner von Tripolis bestellt worden. - Oesterreich In Wien fand die Trauung des Sohnes des früheren agudistischen Abgeordneten im lettländischen 'Sejm, Rabbiners D u b i n aus Riga, statt. Der lettländische Staatspräsident sandte ein Glückwunschtelegramm, nach dessen Verlesung bei der Hochzeitsfeier die lettländischev~ Nationalhymne gespielt wurde. Ausserdem hatten der frühere Staatspräsident Sengall, der frühere Ministerpräsident Jurowskin, der Flottenkommandant Admiral Spade und alle gegenwärtigen lettländischen Minister Glückwunschtelegramme gesandt. Kriminalstatistik 1936 Die vom Statistischen Reichsamt herausgegebene Zeitschrift „W irtschaft und Statistik" bringt in ihrem ersten Februar-Heft 1937 eine Uebersicht über die Kriminalität im Deutschen Reich im zweiten Vierteljahr 1936. Auch diesmal ist, ebenso wie in der C.-V.-Zeitung Nr. 53 vom 31. Dezember 1936 wiedergegebenen Statistik für das erste Quartal 1936. der Anteil der „Israeliten" (Glaubensjuden) in einer besonderen Rubrik angegeben. Es sind insgesamt im zweiten Vierteljahr 1936 77 405 Verurteilungen erfolgt. Von den Verurteilten waren 856 Glaube-nsjuden, das heisst, 1,1 Prozent. Wie „Wirtschaft und Statistik" wiederum betont, handelt es sich hierbei lediglich um Glaubensjuden, „da die ausserhalb der jüdischen Glaubensgemeinschaft stehenden Rassejuden in der Kriminalstatistik aus technischen Gründen zurzeit noch nicht als solche erfasst werden können". Niederlassungssperre für Aerzte in Berlin und München Nach § 46, Abs. I, Nr. 6 der Reichsärzteordnung hat die Reichsärztekammer u. a. die Aufgabe, auf eine den Belangen der Bevölkerung oder der Aerzteschaft entsprechende Verteilung der Aerzte auf das gesamte Reichsgebiet hinzu,: wirken. Sie kar.n anordnen, dass die Nieder-? lassung von Aerzten in einzelnen Orten oder Ge- . . bietsteilen nur mit ihrer Zustimmung zulässig %fc. - Die. Anordnung bedarf der Zustimmung des;': Reichsministers des Innern. Mit dieser Zustund •. mung hat nunmehr der Reichsärzteführer Tfe -" Wagner angeordnet, dass die Niederlassung ,vöb; - Aerzten in Berlin und München vom 1. März l^r'J! ab nur mit Zustimmung der- Reichsärztekamro^" zulässig ist •"/•:7 •' Nach einer Vereinbarung, die zwischen dem Amt für Berufserziehung und Betriebsführüng der Deutschen Arbeitsfront und der Reichsführung der Deutschen Stenographenschaft geschlossen worden ist, soll an allen Orten des* Reiches ein gemeinsames Unterrichtswerk für zusätzliche Berufserziehung in Kurzschrift und Maschinenschreiben eingerichtet werden. Teilnahmeberechtigt soll jeder Deutsche arischer Abstammung sein. amerika besitzen die Länder nicht alle die gleichen für die Ausfuhr in Frage kommenden Waren. Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt würde sonst zu Komplikationen der schwersten Art führen müssen. Das Wohlergehen aller dieser Länder hängt zu einem sehr grossen Teile von deri Höhe des Ausfuhrüberschusses ab, den sie erzielen können. In dieser Hinsicht ist Peru günstiger als die meisten anderen Länder gestellt. Das Handelsvolumen ist von 254 Millionen Soles in 1932 auf 364 im folgenden Jahre, auf 476 in 1934 und schliesslich auf 490 Millionen in 1935 gestiegen. Die steigende Tendenz scheint noch anzuhalten, da in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres die Ziffer von 400 Millionen bereits erreicht war. Das gleiche, was für das Gesamtvolumen Ües Aussenhandels gilt, ist auch für den Ausfuhrüberschuss der Fall. Er betrug im Jahre 1930 95 Millionen, stieg 1933 auf die besonders hohe Zahl von 150 und hält sich seit dieser Zeit auf rund 130 Millionen. An den Ziffern der Industriestaaten gemessen, ist die Summe von etw<a 40 Millionen nordamerikanischer Dollar als Ausfuhrüberschuss natürlich ausserordentlich gering, aber in Vergleich gesetzt zu den Zahlen z. B. des benachbarten Ecuadors, das unser nächstes Reiseziel ist, und dessen gesamte Ausfuhr nur 10 Millionen Dollar ausmacht (bei etwa 6 Millionen Dollar Gesamteinfuhr), sind die peruanischen schon recht erheblich. Den Ziffern des Aussenhandels entspricht auch die Besserung des wirtschaftlichen Lebens im übrigen. Man darf dabei nie vergessen, dass man europäische und " nordamerikanische Zahlenvorstellungen hier nur mit grosser Behutsamkeit zur Anwendung bringen darf. Sogar dieGrössenverhältnisse an der atlantischen Küste sind ganz andere. Brasilien hat zwei Städte mit über einer Million Einwohner, Argentinien erreicht mit Buenos Aires bald zwei und eine halbe Million, und selbst der Kleinstaat Uruguay hat in Montevideo eine Stadt mit über 600 000 Menschen. Lima, das den In dieser Woche jährt «ch zum erstenmal* der Tag, an dern wir von Hermann Falkenberg für immer Abschied nehmen mussten. Erst 66 Jahre alt, hat er sein© Augen zum ewigen Schlummer geschlossen. Das Leben geht zwar immer weiter, auch wenn ein einzelner Mensch nicht mehr ist; und mitten in den bedrängenden Pflichten des Tages vergisst man auch oft allzu schnell. Doch alle, die Hermann Falkenberg kannten und ihm nahestanden, haben ihn nicht vergessen, um so weniger, als gerade in dem einen Jahr nach seinem Hinscheiden erst ganz sichtbar geworden ist, wie gross die Lücke ist, die durch seinen Tod entstanden ist, wie sehr er dort fehlt, wo ihm Schicksal und eigene Wahl 6einen Platz gegeben hatten. Er war, wie er selbst einmal sagte, nur „ein kleiner Lehrer". Aber wer ihn jemals als Lehrer wirken gesehen hat, begriff, warum dem Judentum Lernen und Lehren als eine Art Gottes-- dienst gilt. Wenn er an der Mittelschule der Berliner Jüdischen Gemeinde, an der er viele jahrzehntelang segensreich gearbeitet hat, Religionsunterricht gab, es war ergreifend, welch ein Fluidum vom Lehrer auf die Schüler ausging, es war erstaunlich, wie nahe er aus eigenem tiefen religiösen Erleben gerade, in den Oberklassea seinen Schülern die Probleme der Religion und Weltanschauung zu bringen verstand. In seinem ganzen Wirken hat er die Gewissheit bestätigt, wie sehr in dem pädagogisch so schwierigen Religionsunterricht die religiöse Persönlichkeit des Lehrers entscheidend für den rechten erzieherischen Erfolg ist. Und Hermann Falkenberg*" war ein Mensch von wahrer Herzensfrömmigkeit, von lauterem, aufrechtem Charakter. Lehre und Leben stimmten bei ihm überein. Unter den Juden im Berliner Norden war er einer der populärsten Menschen. Dort, wo der „kleine Mann" wohnt, war der eigentlichste Bezirk seiner Arbeit i,Rund um den Bülowplatz*' hiess einmal das Thema eines Vortrags, in dem er von dein Schicksal dieser Menschen und ihrer Beziehung zu jüdischen Dingen erzählte. Ihnen das Judentum nahezubringen, in ihnen die verschütteten Quellen der Religiosität freizulegen, ihrem oft so schweren Leben Halt und Richtung zu geben, ihnen dadurch zu helfen, war ihm höchstes Streben. Allen grossen Worten abhold, gab es für ihn nur Arbeiten, unermüdliche Kleinarbeit, in der allein das wirklich Grosse liegt, das ein Mensch zu leisten vermag. v . Darum verabscheute er den „Massenbetrieb" im Sozialen wie im Religiösen, wie er vielfach trotz allen entgegenstehenden guten Willens eine unausbleibliche; Folge einer Grossstadtgemeinde ist.' Da er selbst aus den Tagen seiner Jugend .inreinstigen Westpreussen noch das Erlebnis derKleinstadt-Kehilla Von ehemals in sich trug, und interessanterweise das jüdische wie das allgemeine Leben in der Grossstadt zu einem ganz wesentlichen Teile von Menschen „aus der Provinz" getragen und gefördert worden ist, so schwebte Hermann Falkenberg immer der Gedanke vor, innerhalb der Millionenstadt, in der der einzelne sich menschlich und jüdisch sehr leicht verlieren kann, kleine Zentren jüdischen Lebens zu schaffen. Fünf solcher Kleingemeinpolitischen, gesellschaftlichen und kommerziellen Mittelpunkt für Peru in einem noch höheren Masse bildet als Paris für Frankreich, hat noch nicht 350 000 Einwohner, und die anderen Städte folgen erst in ganz weitem Abstände. Folgerungen Bei ihrer geringen Zahl konnten die Neueingewanderten fast restlos und unter nicht allzu schlechten Einkommensverhältnissen im Wirtsehaftsprozess untergebracht werden. Darüber, wie gross die Aufnahmefähigkeit des Landes für weitere Einwanderung ist, gehen die Meinungen natürlich auseinander. Die Angehörigen der Berufe, die auch in anderen Ländern so schwer einzugliedern sind, also vor allem Kaufleute ohne besondere spezialistische Vorbildung, Juristen und zu einem erheblichen Teile Mediziner, finden in ihren alten Berufen auch in Peru nur sehr schwer eine Wirkungsmöglichkeit. Wenn sie auch theoretisch für die Aerzte bestehen mag, so sind doch die Bedingungen der Examina für Ausländer so schwer, dass es nur einem einzigen Mediziner in Lima gelungen ist, als Arzt zugelassen zu werden. Ueber die Möglichkeit landwirtschaftlicher Siedlung habe ich schon gesprochen. Einen praktischen Versuch nach dieser Richtung hat die peruanische Regierung im Einvernehmen mit der österreichischen gemacht, indem eine Kolonie von etwa 250 Österreichischen Familien geschaffen worden ist. Die peruanische Regierung ist in der Unterstützung dieser Siedlung sehr weit gegangen. Es liegt kein Grund vor, anzunehmen, dass sie nicht die gleiche Hilfe einer Siedlung von Juden aus Deutschland leihen, würde. Zum mindesten ist die Frage eines eingehenden Studiums wert. Die Uebersiedlung von Personen mit kleinem oder mittlerem Kapital nach Peru ist in erster Linie eine Frage der Möglichkeit der .Mitnahme von Maschinen, Betriebsgegenständen, Waren usw. Lücken in der peruanischen Wirtschaft gibt es viele, die ohne grosses Kapital ausgefüllt werden könnten. Aber auf der anderen Seite macht den bat er trotz der Ungunst der Verhältnlss-J von 1923 an gegründet, die heute in dankbarer Erinnerung an ihren Schöpfer in der „Hennann- Falkenberg - Synagoge Berlin" zusammengef asst sind. .Gedanken, die dort zuerst verwirklicht worden sind, haben nach und nach anderweitig Eingang gefunden. Er war: ein bewusster, ehrlicher, religiösliberaler Jude. Und er hatte ein Recht dazu. Denn sein Liberalismus war ihm nicht Deck- Foto: Archiv mantel für ein minderes, schwächeres, leichteres oder gar gleichgültiges Judesein, sondern Ausdruck seines aus Wissen und erarbeiteter Ueberzeugung geborenen verinnerlichten Judentums. An den Ideen Geigers, Cohens und Rosenzweigs hatte er seine eigenen Gedanken entwickelt und gerichtet. Aus diesem Geist entstand seine „Haggada", und noch kurz vor seinem Tode der Band „Abendgebete" für die von ihm gegründeten Synagogen. Die Müsse, die ihm die Befreiung von seiner Lehramtstätigkeit gab, sollte ihm Zeit gewähren, noch manches längst Geplante zu verwirklichen. Da setzte der Tod seinem Leben allzu früh ein Ende. Alle, die ein Stück Weges mit ihm gegangen waren, konnten es nicht fassen, dass sein Herz, das immer so jung gewesen und immer so jung geblieben war, mit einemmal nicht mehr schlug. Aber als wir ihn beim milden Schein der ersten Frühlingssonne in der Nähe von Ludwig Holländers letzter Ruhestätte zu seiner ewigen Ruhe betteten, hatten wir alle das tröstliche Gefühl, das an seinem ersten Jahrzeitstage aufs neue in uns lebendig wird, dass der Segen, der von diesem gütigen Menschen, in dem das Feuer heiligen Idealismus' brannte, ausgegangen ist, fortwirken wird, dass sein Leben Sinn und Inhält hatte, dass, wer ihn kannte, ihn nie vergessen wird. Dr. Manfred Swarsensky die hohe Währung, die teure Lebenshaltung, die weite Entfernung und die damit verbundene Verteuerung der Ueberführung von Menschen und Dingen in dieses Land bedenklich. Trotzdem komme ich zu dem Schluss, dass Peru, ohne dass übertriebene Hoffnungen auf dieses Land gesetzt werden dürfen, doch eine weit grössere Rolle bei der Auswanderung von Juden aus Deutschland spielen kann und vermutlich auch zu spielen berufen sein wird als bisher. Die in Lima ansässigen Juden deutscher Sprache haben sich unter Führung des Vorsitzenden des örtlichen Komitees derHICEM der Ankommenden bisher schon herzlich angenommen. Eine besondere Organisation der deutschsprechenden Juden besteht und ist in guter Entwicklung. Ein von der unparteiischen „Union" erworbenes Haus gibt Gelegenheit zum Gottesdienst und zu gemeinsamen jüdischen Veranstaltungen. Das Zusammenarbeiten zwischen den Juden aus den verschiedenen Ländern ist befriedigend. Der Neueinwanderer trifft hier einen schönen Kreis von jüdischen Menschen seiner Denkart und Empfindungswelt. Dass Südamerika nicht nur geographisch so weit von Europa entfernt ist, und dass das besonders für die Länder der pazifischen Küste der Fall ist, in die uns der zweite und bei weitem ermüdendere und anstrengendere Teil unserer Reise geführt hat, habe ich schon mehrfach zum Ausdruck gebracht. Die Wiederholung an dieser Stelle soll nicht den Eindruck erwecken, es sei in dieser Beziehung in Peru schlechter bestellt als anderswo; ich fühle nur die Verpflichtung; immer wieder zu sagen, was vielleicht vor Enttäuschungen schützen und was bei der Entscheidung über Auswanderung unbedingt berücksichtigt werden muss. Wir haben^zu viele Menschen unterwegs gefunden, die über schlechten Rat und ungenügende Information geklagt, und die, was nicht immer zutreffend zu sein braucht, behauptet haben, dass sie bei Kenntnis aller Umstände und besonders auch der Dinge nicht materieller Art andere Entschlüsse gefasst haben würden.