Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 8 (25.2.1937)
- Date
- 1937-02-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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AI. Palästina-Umschau der C.-V.-Zeitung *s Unterhausdebatte über die Dill-Expedition Die Unterhaussitzung vom 17. Februar brachte wieder einmal Vorstösse des kommunistischen Abgeordneten Gallacher gegen das jüdische Aufbauwerk in Palästina. Gallacber fragte zunächst, wie stark die jetzt in Palästina stehende britische Streitkraft sei, wie lange diese Truppen in Palästina bleiben würden, und wie stark die "Garnison vor dem Ausbruch der Unruhen gewesen sei. Kolonienminister Ormsby- G o r e antwortete, es gebe jetzt in Palästina acht Infanterie-Bataillone, von denen eins im kommenden Monat nach England zurückkehren werde, eine Kompanie technischer Truppen, ein Geschwader der Luftflotte und drei Abteilungen einer Panzerwagenkompanie. Wie lange diese Truppen in Palästina bleiben würden, könne er nicht sagen. Für gewöhnlich bestehe die palästinensische Garnison aus zwei Infanteriebataillonen, einem Luftgeschwader und drei Abteilungen einer Panzerwagenkompanie. Auf eine weitere Frage Gallachers, ob es nicht möglich sei, die Truppen zurückzuziehen, und den Arabern das Recht auf ihr Land einzuräumen, antwortete der Minister, es sei klar, dass er über die Zukunft Palästinas nichts sagen könne, bevor der Bericht der Königlichen Kommission vorliege. Nach weiteren Angriffen Gailachers gegen das jüdische Palästinawerk, die jedoch zu keinen weiteren Feststellungen seitens des Ministers führten, wurde in der gleichen Unterhaussitzung eine Anfrage über die Einkünfte der Palästina-Regierung, den erzielten Verwaltungsüberschuss und die beabsichtigte Art seiner Verwendung gestellt. Der Kolonienminister teilte mit, dass die veranschlagten Einkünfte für die ersten neun Monate des letzten Finanzjahres vom 1. April bis zum 31. Dezember 1936 4 347 915 Pfund betragen haben. Die tatsächlichen Einkünfte seien 3 212 176 Pfund gewesen und somit um 1335 739 Pfund hinter dem Voranschlag zurückgeblieben. Für die später© Zeit lägen noch keine Zahlen vor. Der Ueberschuss habe am 31. Dezember 6 372 658 Pfund betragen. Ueber die Art seiner Verwendung werde anlässlich der Aufstellung des Haushaltsvoranschlages für 1937/38 beraten werden, sobald ein gründlicher Ueberblick über die allgemeine Finanzlage Palästinas möglich sein werde. Feste Entscheidungen über die Verwendung des Ueberschusses würden jedoch angesichts der starken Erhöhung der Ausgaben für die Verteidigung und Sicherheit schwierig sein. . Auch in der Unterhaussitzung vom 18. Februar kam das Palästina-Problem wiederholt zur Sprache. In schriftlicher Beantwortung einer Frage des Abgeordneten der Unabhängigen Arbeiterpartei MacGovern gab der Kolonienminister bekannt, dass der High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, auf seinen, des Ministers ausdrücklichen Wunsch, nach England gekommen sei. Die Annahme, dass der High Commissioner erst nach den Krönungsfeierlichkeiten nach Palästina zurückkehren werde, sei unbegründet. Zwei weitere von MacGovern angemeldete Anfragen über ausländische Geldquellen der palästinensischen Aufrührer und die Zustände in den palästinensischen Gefängnissen wurden von dem Kolonienminister gleichfalls schriftlich kurz beantwortet, und zwar mit dem Hinweis, dass er seiner am 3. November dem Abgeordneten Wedgwood erteilten Antwort nichts hinzuzufügen habe bzw. dass er Mitteilungen über die Zustände im Gefängnis von Akko von dem amtierenden Stellvertreter des High Commissioner einfordern werde. ' Am 22. Februar kam es anlässlich einer vom Kolonienminister Ormsby:Gore beantragten Abstimmung über die Kosten der militärischen Aktion in Palästina wiederum zu einer eingehenden Debatte über die gegenwärtige Lage im Lande. An der Palästina-Regierung wurde scharfe Kritik geübt, weil es ihr nicht gelungen ist, die Unruhen zu verhüten. Es wurde betont, dass mit einem Wiederaufleben der Unruhen gerechnet werden müsse, falls nicht sofort energische Massnahmen getroffen werden. Minister Ormsby-Gore erklärte, der Hauptposten des vorgelegten Ergänzungsetats betreife die Kosten für die grossen zusätzlichen Truppensendungen nach Palästina anlässlich der Unruhen bis zum Oktober des vorigen Jahres. Diese Kosten würden zum grössten Teil von Palästina zurückerstattet werden. Die britische Regierung habe von den Gesamtkosten von 1105 000 ^Pfund von Palästina 1 084 410 Pfund zurückerhalten. Ich lehne es nicht ab, führte der Minister u. a. aus, im Einvernehmen mit dem Schatzamt und der Palästina-Regierung, die Möglichkeit einer nochmaligen Festsetzung des genauen Anteils an den Verteidigungskosten der im nächsten Jahre und in den folgenden Jahren von Palästina einzuziehen sein wird, im Lichte der Finanzlage im kommenden Jahre zu prüfen. Die künftige finanzielle Situation hängt von verschiedenen gegenwärtig nicht festgestellten und nicht feststellbaren Faktoren ab. In erster Reihe von der Entscheidung, die auf Grund der Empfehlungen der Königlichen Kommission getroffen wird. Ich kenne diese nicht. Sie können sich sowohl auf die Finanzen des Landes, als auf die politische Lage auswirken. Mehr kann ich nicht, sagen, da die Entscheidung über diese Fragen schwebt. Ich kann in diesem Augenblick nicht prophezeien, wieviel Geld im nächsten Jahr notwendig sein wird, um die Verteidigung Palästinas zu finanzieren und ob die Kosten, wie jetzt, dem palästinensischen Steuerzahler zur Last fallen werden oder ob ich dem Hause einen Ergänzungsetat werde vorlegen müssen. Der Abgeordnete Tom Williams erklärte, es sei mit Rücksicht auf die Beratungen der Kgl. Kommission um so besser, je weniger in dieser Debatte gesagt werde. Jedermann wünsche eine möglichst günstige Lösung, aber diese ungeheure Ausgabe von über einer Million bedeute eine schwere Last. Ueberschüsse, die zu Zwecken der Erziehung, der Sozialfürsorge, der Verbesserung des Verkehrs und der allgemeinen Landesentwicklung ausgegeben werden sollten, sollen jetzt zur Deckung dieser Ausgaben verwendet werden. Das bedeute eine schwere Strafe für die loyale Bevölkerung des Landes, die niemals die Hand gegen die Regierung erhoben habe und mehr oder weniger das Opfer anderer Bevölkerungsteile sei. Sir P e r c y Harris betonte die Notwendigkeit, den Feststellungen der Kgl. Kommission nicht vorzugreifen und jedes Wort bei der Erörterung palästinensischer Angelegenheiten genau zu wägen. Aeusserungen, die in diesem Hause fallen, würden in der palästinensischen Presse oft entstellt wiedergegeben, irgendeiner unschuldigen Bemerkung könnte übertriebene Bedeutung beigelegt werden. Als die Unruhen im vergangenen April ausbrachen, waren die Behörden ausgiebig gewarnt worden; man möchte wünschen, dass sich die . Regierung nicht abermals überrumpeln lasse. Im vergangenen Jahre wurde nichts getan, um die Polrzei zahlenmässig zu verstärken. Ich möchte die Minister und die für die Verwendung von Truppen Verantwortlichen darauf aufmerksam machen, dass es weit besser, wirtschaftlicher und für die dauernde Befriedung des Landes zweckmässiger ist, dafür zu sorgen, dass die Polizei genügend ausgestattet, organisiert und geschult ist für solche Situationen, als Militär in Anspruch nehmen zu müssen. Der Abgeordnete wies sodann darauf hin, dass noch immer Morde und Terrorakte in Palästina begangen werden, die sich nicht so sehr gegen die Juden als gegen die gemässigten Teile der arabischen Bevölkerung richten. Sensation oder Versuchsballon? Eine sensationelle Veröffentlichung brachte am 17. Februar die in Jerusalem erscheinende jüdische Tageszeitung „Haboker". Sie enthält den Inhalt eines geheimen Memorandums, das Emir Abdulla von fransjordanien am 3. Februar an den High Commissioner Sir Arthur Wauchope gerichtet haben soll, und in dem die Lage in Palästina und Transjordanien geschildert wird. In dem Memorandum werde behauptet, dass der Mufti von Jerusalem und die Leitung der palästinensischen Unabhängigkeitspartei (Istikal) alles mögliche versuchen, um die Beduinen Transjordaniens zur Beteiligung an künftigen Unruhen in Palästina zu gewinnen, falls die Forderungen der •palästinensischen Araber nicht erfüllt werden sollten. Ferner seien der Mufti und seine Anhänger "bestrebt, die gegenwärtige Regierung Transjordaniens zu stürzen. Der Emir weise in diesem Zusammenhang darauf hin, dass England ihm zu Dank verpflichtet sei, weil er seinerzeit auf den Rat Churchills und des Obersten Lawrence auf den Thron des Irak verzichtet habe, wogegen ihm der syrische Thron in Aussicht gestellt worden sei. Jetzt sei der geeignete Moment gekommen, um dieses Versprechen zu erfüllen. Zum Schluss fordere der Emir Mittel, um gegen mögliche Ueberraschungen gesichert zu sein. Die arabische Zeitung „Feiestin", hat zwar die vorstehende Meldung dementiert, die {hebräische Zeitung „Haarez" jedoch will aus arabischer Quelle erfahren haben, dass transjordanische Politiker beschlossen hätten, unter Be^ teiligung arabischer Führer aus Palästina in Damaskus eine Versammlung abzuhalten, um zu dem Plan Emir Abdullas Stellung zu nehmen- Unter den weiteren Pressestimmen ist eine von 27 hervorragenden Persönlichkeiten, darunter dem früheren französischen Ministerpräsidenten Flandin unterzeichnete Zuschrift des Komitees zur Verteidigung der Rechte der Juden Mittel- und Osteuropas zu erwähnen, die der Londoner „Daily Telegraph" veröffentlicht. In der Zuschrift wird erklärt, dass die Araber Palästinas aus der jüdischen Einwanderung Vorteil gezogen hätten und dass sowohl die Araber wie die Juden Palästinas unzufrieden seien und vom Arbeitsmarkt verdrängt werden würden, wenn dieser allen Elementen aus den Nachbarländern zugänglich gemacht werden würde. Die Bestrebungen der Araber nach Selbständigkeit seien durch die Errichtung der arabischen Staaten bereits verwirklicht worden. Jetzt sei es an der Zeit, die seinerzeit zwischen Emir Feisal und Dr. Weizmann getroffenen Vereinbarungen zu erfüllen. Im Anschluss daran wird die Oeffnung Transjordaniens und anderer arabischer Länder für jüdische Einwanderung gefordert. Handelsvertrag zwischen Palästina und Irak Zwischen Palästina und dem Irak ist ein Handelsvertrag für vorläufig drei Jahre abgeschlossen worden. Auf Grund des Vertrages ist im Hafen von Haifa die Einrichtung einer Freizone für den irakischen Transithandel vorgesehen. Der Irak erhält die Berechtigung, in dieser Zone irakische Zollbeamte zu halten. Palästina wird die Zölle für die Einfuhr einzelner Lebensmittel aus dem Irak senken. Weitere Artikel des Vertrages befassen sich mit der Förderung des Landverkehrs zwischen Bagdad und Haifa. Der Vertrag zeigt die wachsende Bedeutung Haifas für den Handel im Nahen Osten. 700 Studenten an der hebräischen Universität Jerusalem Auf einer Versammlung der Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität, die unter dem Vorsitz des Mitgliedes der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes, Professor Rappard, stattfand, sprach Professor Norman Bentwich über die Entwicklung der Hebräischen Universität Jerusalem und teilte dabei mit, das« jetzt 700 Studenten dort immatrikuliert seien. Der Lehrkörper ist durch die Aufnahme bekannter Wissenschaftler ergänzt worden. Rückgang des Fremdenverkehrs in Palästina Der Fremdenverkehr in Palästina ist im Jahre 1936 durch die Unruhen erheblich beeinträchtigt worden. Man rechnet für das vergangene Jahr mit einer Zahl von etwa 8000 Fremden, der Hälfte der Reisenden, die in den Jahren 1926, 1927 und 1928 nach Palästina kamen. Der Verband zur Förderung des Fremdenverkehrs will für Verkehrs Werbung 1600 Pfund aufwenden, von denen die Mandatsregierung 500 zu tragen versprochen hat. Palästina-Literatur Essad Bey — Dr. Wolf gang von Weisl: Allah ist gross. Niedergang und Aufstieg der islam'ischen Welt von Abdul Hamid bis Ibn Saud. Verlag Dr. Rolf Passer, Leipzig—Wien. Der bekannte türkische Schriftsteller hat gemeinsam mit dem zionistisch-revisionistischen Politiker eine romanhaft spannende Reportage des Umschwungs geschaffen, der in der „orientalischen Frage" im Lauf der letzten Jahrzehnte eingetreten ist. Als ein Jahrhunderte andauernder Niedergang 1918 mit der Vernichtung sämtlicher bis dahin noch selbständigen mohammedanischen Reiche geendet hatte, war zugleich der Augenblick da, in dem „der Islam zu Pferde sass", die neue Türkei, das neue Persien schuf und überall in den arabischen Ländern folgenreiche Nationalbewegungen hervorrief. Wir Juden sind Handelnde und Leidende zugleich in dem grossen Prozess dieser Bewegung. Angesichts der Behauptungen der Araber vor der Royal Commission in Jeru-; salem ist es recht lehrreich, sich wieder einl mal den Gang der Erhebung des Scherifen \ Hussein von Mekka und seiner Söhne Ali, Feissal und Abdullah gegen die Türken vor Augen; zu führen. Es besteht Gefahr, dass die Law-; rence-Romantik der öffentlichen Meinung Euro- : pas einen „Freiheitskrieg" der Araber vorgaukelt, wo in Wirklichkeit nur in einer echt orien-; talischen Weise ein geschichtlicher Augenblick [ genutzt worden ist. Auch ist in den vielen \ Verträgen, die gegen Kriegsende um die Verl teilung der Beute geschlossen wurden, nirgends; von arabischen Ansprüchen auf das Land westi lieh des Jordan und des Libanon die Rede. \ Aber mit plastischer Deutlichkeit kann man } die Wichtigkeit Palästinas im Rahmen der l neuen orientalischen Frage erkennen: ohne das I Verbindungsstück, das dieses Land darstellt, t bleiben die östlichen arabischen Länder Irak, | Saudya, Jemen und das syrische Mandat von > dem fortgeschrittensten arabischen Staat, Aegyp- I ten, getrennt, der Plan eines zusammenhän- '% senden grossarabischen Reichs an der Verwirk- I jichung gehindert. Das ist der Grund, weshalb | England seine Hand auf Palästina hält. | Die beiden Verfasser glauben mit Bestimmt- 1 heit daran, dass die Türkei erneut zur Vormacht des Islam werden wird und die Kurdenrevolution in Bagdad wie die Aufrollung der Frage des Sandschak Alexandrette" weisen in diese Richtung. Sicher ist, dass der gesamte Osten in eine aggressive Bewegung geraten ist, der sich niemand entziehen kann. Werner Cahnmann. Walter Preuss: Die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina. 1936, Fiba-Verlag, Wien. — Isaak Breuer: Der Poel Hacharedi. Sonderdruck aus „Nachalath Zwi", 6. Jahrgang. Die neue, mit einem Vorwort von Ben Gurion versehene Auflage des Handbuchs von Preuss orientiert vorzüglich über die an Rückschlägen und Aufschwüngen reiche geschichtliche Entwicklung der jüdischen Arbeiterbewegung Palästinas von den Anfängen bis in die letzten Jahre hinein, über ihre wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen Institutionen, ihre gewerkschaftliche Organisation und ihre politische Problematik, wobei stets der offizielle Standpunkt der Histadruth-ha-owdim, der grossen Arbeitergewerkschaft des Landes, gewahrt bleibt. Eine kritische Betrachtungsweise liegt demgemäss dem fleissigen und" überlegten Rechenschaftsbericht fern. Um so leidenschaftlicher vertritt Isaak Breuer die Gegenposition der Aguda. Hier spürt man nichts von ruhiger Sicherheit im Hinblick auf das Erreichte. Weder der Hapoel Hamisrachi noch die Poalej Agudat Jissrael sind bis heute ein ökonomischer Faktor im Rahmen des Jischuw. Es ist daher ein naheliegender Gedanke, beide Teilkolonnen der gesetzestreuen Arbeiterschaft zu vereinigen und ihr so zu der Beachtung zu verhelfen, auf die sie als Bewahrerin der Kontinuität in unserer Geschichte Anspruch erheben darf. Ca. Haifa und Mount Carmel. Im Verlag Georg Herz & Co. Ltd., Haifa, ist soeben eine vierfarbige Landkarte von Haifa und dem Carmel, von Zvi F r i e d 1 a e n d e r bearbeitet, erschienen. Die Karte zeigt die erhebliche Ausdehnung die Haifa in letzter Zeit angenommen hat; sämtliche Parzellierungen, Strassen und Strassenprojekte sind eingetragen. Die Beschriftung ist hebräisch und englisch, ein Verzeichnis der Strassen sowie von 170 angeführten Gebäuden und Aemtern und allen Autobuslinien machen die Karte zu einem empfehlenswerten Begleiter für Einwanderer und Touristen. Kampf um Erdöl in Arabien Die „Zeitschrift für Geopolitik" '(14. Jahrg., Nr. 1) veröffentlicht einen interessanten Beitrag ..Was hat Ibn Saud mit seinen Oelquellen getan?", dem wir folgendes entnehmen: „Im Wettkampf um das arabische Oel hat England über Italien und Nordamerika gesiegt. Wieviel allerdings dieser Sieg die Anglo-lranian Oil Company, an der die britische Kriegsmarine interessiert ist, gekostet hat, ist aus dem Bericht nicht zu ersehen. Weiter ist auffallend, dass die Erwerbung dieser Konzessionen mit der Beschwichtigungsaktion der arabischen Fürsten in Palästina "korrespondiert. Wir bringen nun den Artikel der „Kölnischen Zeitung" vom 11. Oktober im Wortlaut: In den letzten Monaten ist im Hoheitsgebiet der arabischen Königreiche und •Fürstentümer auf dem Gebiet der Schürfung nach neuen Erdölvorkommen ein beachtenswerte Vorstoss der Anglo-Lranian Oil Company und ihrer Konsorten erfolgt. Abgesehen von der noch nachzuweisenden Abbauwürdigkeit gewieser festgestellter oder vermuteter Erdölrager auf der arabischen Halbinsel, haben bei dem plötzlich zugenommenen Interesse für das dortige Erdöl wohl verschiedene Erwägungen mitgespielt. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die Standard Oil Company of California auf den Bahrein-Inseln im Persischen Golf durch die California Arabia Standard Oil Company seit mehreren Jahren fündig ist und im laufenden Jahr 4 Mill. Fass nach 1,26 Mill. Fass im Jahr 1935 durch die Texas Corporation auf den asiatischen Verbrauchsmärkten abzusetzen hofft, während dieselbe Gruppe am angrenzenden Festland bei Hasa nordwestlich von Bahrein auf weitere Vorkommen gestossen ist. Zwar ist die Gefahr eines italienischen Einbruchs in die vorderasiatische Erdölindustrie auf der einen Seite durch Ausscheiden der A.G.J.P. aus B.O.D.- Mosul Oil Fields und Rückgliederung dieser überzahlten Konzession an die Iraq Petroleum Company (Vierländer-Gruppe) verhindert worden, doch mussten die führenden Petroleumkonzerne, die unmittelbar (Anglo-lranian) oder mittelbar über die Iraq Petroleum Co. (auch Royal Dutch-Shell, Standard Oil of New Jersey und Compagnie Francaise du Petrole) sich in die vorderasiatische Vormachtstellung teilen, darauf gefasst sein, dass Italien sich neue und zu seinem Kolonialreich am Roten Meer günstiger gelegene Schürf rechte suchen würde. In der Tat hat der italienische Geschäftsträger in Dscheddah lange und eindringlich mit dem König Ibn Saud von Sandisch-Arabien wegen der Vergebung grosser Schürfkonzessionen an der westarabischen Küste verhandelt. Schliesslich ist aber doch diese Konzession, die sich über das ganze Küstengebiet am Roten Meer im Hoheitsgebiet Saudisch-Arabiens bis 100 km in das Landesinnere hinein erstreckt, der Iraq Petroleum Co. anheimgefallen. Bis auf die Bahrein-Brunnen der Standard Oil of California ist das ganze, von der Küste aus zu erforschende Gebiet dem Einfluss der Iraq Petroleum Co. bzw. der Anglo-lranian Oil Company anheimgefallen. Die Folgerungen für eine Macht wie Italien, zu deren wichtigsten Aufgaben es zählen muss, sich strategisch den Weg ins Rote Meer offenzuhalten, lassen sich ohne weiteres ausmalen. Insofern kann der Vorstoss der Anglo-lranian Oil Company in Arabien als Geigenstück zu dem neuen britisch-ägyptischen Bündnisvertrag angesehen werden." F. F. Anlässlich des Konzertes Bronislaw Hubermansin Wien versammelten sich vor dem Konzerthaus Hunderte jüdischer Jugendlicher, die Huberman, als er vorfuhr, jubelnde Ovationen bereiteten. Wrährend der Konzertpause wurde Huberman von einer Abordnung der jüdischen Jugend Wiens ein Lorbeerkranz mit blauweisser Schleife überreicht. Huberman, der mit Generalmusikdirektor Wilhelm Steinberg nur einen Tag in Wien weilte, erklärte Vertretern der Presse, für das Palästina-Orchester werden bereits zwei grosse Gastspielreisen vorbereitet, und zwar ein Gastspiel auf der Pariser Weltausstellung und eine Tournee durch Amerika. Rudolf Bergmann aus Frankfurt a. M. ist erster Konzertmeister des Huberman-Orchesters in Tel-Aviv. Er wird später mit Andreas Weisgerber alternieren.