Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 8 (25.2.1937)
- Date
- 1937-02-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8*3. Beib'atf CMlbitiiig 25. Februar 1937 Die Juden im Mittelmeergebiet Eine Ansprache des Oberrabbiners von Rom I)er seit dem . Tode von Professor Angelo Bacerdoti verwaiste Sitz eines Oberrabbiners in Rom wurde am 17. Februar mit Professor David P r a t o neu besetzt. Entsprechend der Bedeutung, die Rom im Rahmen des faschistischen Reiches zukommt gestaltete sich die Einführung des neuen Oberrabbiners zu einem repräsentativen Akt. In der überfüllten Synagoge hatten auf den Ehrenplätzen die Vertreter der grösseren italienschen jüdischen Gemeinden, hervorragende jüdische Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissensehaft, Vertreter der Behörden, der Armee und der Partei Platz' genommen. In seiner Antrittspredigt überbrachte Professor Prato seiner neuen Gemeinde die brüderlichen Grüsse der Jüdischen Gemeinde von Alexandrien, deren geistliches Oberhaupt er zehn Jahre lang gewesen ist. Er wies, laut ITA, darauf hin, dass sowohl in Rom wie in Alexandrien . die Juden vielleicht die ältesten Bewohner sind, deren Vorfahren seit zahllosen Generationen dort gelebt haben. Deshalb könnten sich die Juden im eigentlichen Sinne des Wortes, als die Bürger dieser Städte, bezeichnen. In Aegypten und in anderen Mittelmeerländern sei bei den aus Italien stammenden Juden, die sich bereits vor einigen Generationen dort niedergelassen haben, noch immer di,e alte Verbundenheit mit ihrem früheren "Vaterland lebendig; sie bewahren dem Lande, in dem sie freundschaftlich und menschlich behandelt wurden, und für das sie in ■ gleicher Weise wie die übrigen Bürger wirken durften, Treue und anerkennendes Gedenken. Im Anschluss daran ermahnte er die Juden Italiens, durch ihre Leistungen für den Palästinaufbau am Gelingen des Werkes mitzuwirken. Oberrabbiner Prato schloss seine Ansprache mit einem Hinweis auf die Verdienste seiner Vorgänger und mit der Versicherung, dass er alle seine 'Kräfte einsetzen werde, um die alte Jüdische Gemeinde Roms durch Zuführung moralischer und materieller Kräfte zur Blüte zu bringen. Nach der Predigt wurde dem Toraschrein feierlich eine seit vielen Geschlechtern im Besitz der Jüdischen Gemeinde Rom befindliche alte Torarolle entnommen, die als Geschenk der Juden Roms an die neugegründete Jüdische ^Gemeinde in Addis Abeba gesandt werden soll. Bei dem Verband der jüdischen Gemeinden Italiens ist ein Bericht ihres nach Abessinien entsandten Delegierten, Dr. Carlo V i t e r b o , über die Verhältnisse bei den dortigen Juden eingetroffen. Dr. Viterbo ■weiltbereits seit vier Monaten in Abessinien. Der Jüdischen Gemeinde in Addis Abeba gehören jetzt 178 Seelen, 163 Männer und 15 Frauen, an. Von diesen sind 25 italienische Untertanen, 54 Falaschas, 61 Jemeniten und 38 Angehörige verschiedener Staaten; auch aus Deutschland ausgewanderte Juden gibt es unter ihnen. Dr. Viterbo hat die Ortschaft Gondar besucht, in deren Umkreis 5000 Falaschas leben. Es wurde ihm ein sehr herzlicher Empfang bereitet. Die Falaschas erklärten, sie seien entschlossen, treue Juden zu bleiben und gleichzeitig loyale Untertanen Italiens zu sein. ■¥ Nach etwa vierzigjähriger Tätigkeit für die Jüdische Gemeinde Fiume ist am 20. Februar Oberrabbiner Dr. Joseph Frank gestorben. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung der ganzen jüdischen Gemeinde von Fiume und Umgebung. Die Trauerrede hielt der Oberrabbiner von Triest, Professor Z o 11 e r. Er würdigte den Verstorbenen als hervorragenden Vertreter der talmudischen Wissenschaft und hingebungsvollen Führer seiner Gemeinde. Litauens Kriegsminister lobt die jüdischen Soldaten Der litauische Kriegsminister, General Dirmantas, äusserte sich vor Vertretern der Presse über die Rolle der Juden im litauischen Befreiungskrieg und stellte hierbei fest, dass die jüdischen Soldaten gemeinsam mit ihren litauischen Waffenbrüdern heldenmütig für die Unabhängigkeit Litauens eingetreten sind. Eine Reihe jüdischer Kämpfer habe sich durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet. ■ Auch jetzt kämen die litauischen Juden ihrer Heeresdienstpflicht in vollem Umfange nach. Bemerkenswert sei, dass die Juden, die zur Zeit ihrer völligen Rechtlosigkeit im zaristischen Russland bestrebt waren, sich dem Kriegsdienst nach Möglichkeit zu entziehen, jetzt in Litauen, wo sie völlige Gleichberechtigung gemessen, keinerlei Abneigung gegen den Militärdienst zeigen. Der Minister äusserte sich auch lobend über die körperliche Verfassung der jüdischen Soldaten sowie über ihre Leistungen als Militärärzte, Ingenieure und Techniker. Natio-' nale und religiöse Reibungen gebe es in der litauischen Armee nicht, ja der Militärdienst habe wesentlich dazu beigetragen, eine Annäherung zwischen Juden und Nichtjuden herbeizuführen. Die Erklärung des Kriegsminsters, die die erste Aeusserung des Chefs der Landesverteidigung zu dieser Frage seit der Gründung des Staates darstellt, hat in jüdischen und litauischen Kreisen einen starken Eindruck gemacht. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass, anlässlich der Unabhängigkeitsfeier in Litauen, auch drei jüdische Persönlichkeiten, der Ingenieur im Heeresflugwesen, Adolf Blume n t h a 1, der Vorkämpfer der litauischen Sprachkultur, Wolf David, sowie Jacob Medzanski durch die Verleihung des Gedemin-Ordens ausgezeichnet wurden. * Anlässlich des neuerlassenen Gesetzes über Litauen muss auch eine Neuregelung des jüdischen Kultuswesens durchgeführt werden. Hierbei ergeben sich dadurch Schwierigkeiten, dass die augenblicklichen Träger. des Kultuswesens, die Gesellschaft Adass-Jisroel, als Wohlfahrtsorganisation nicht berechtigt ist, der Befriedigung von Kultusbedürfnissen zu dienen. Es muss daher versucht werden, bis zu dem durch das Gesetz geschaffenen "Stichtag, dem 1. Mai, eine legale jüdische Gemeinde zu schaffen, die die Kultuseinrichtungen übernehmen könnte. Eine in Kaunas abgehaltene Versammlung von Schächtern hat die Gründung eines Schächterverbandes zur Wahrung der gemeinsamen Interessen beschlossen. Die Union österreichischer Juden zur Minderheitenfrage Unter dem Vorsitz des Regierungsrais Dr. Hermann Oppenheim hielt die Union österreichischer Juden ihre 52. Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende nahm in seiner einleitenden Rede besonders zu der Frage der von den Jüdisch-Nationalen verfochtenen Minderheitenrechte Stellung. „Die Union", sagte Regierungsrat Oppenheim, „beansprucht für die österreichische Judenschaft keine anderen Rechte, als sie die übrige Bevölkerung Oesterreichs geniesst, sie will die gleichen Pflichten zum Wohle des österreichischen Staates freudig auf sich nehmen wie die andersgläubige Bevölkerung Oesterreichs. Für uns gibt es kein Mehrheitsvolk, wir bilden mit den anderen Bürgern dieses Staates ein österreichisches Einheitsvolk, nur unterschieden durch die Religion. Den Tätigkeitsbericht erstattete der Sekretär der Union österreichischer Juden, Redakteur Oskar Hirschfeld. Die „Union", sagte er, fordere den' korporativen Anschluss ihrer Mitglieder an die Vaterländische Front und begrüsse die Einführung der aligemeinen Dienstpflicht in Oesterreich als kraftvolle Aeusserung des staatlichen Daseinswillens. Auf der Konferenz wurde auch von den Rednern hervorgehoben, dass die „Union" den heroischen Kampf jüdischer Menschen in Palästina mit warmer Anteilnahme verfolgt und sich für eine Subvention der Kultusgemeinde fürden Miphal Bizzaron eingesetzt hat. Die negative Stellungnahme der Union dem Jüdischen Weltkongress gegenüber wurde neuerlich bekräftigt. In den neuen Vorstand wurden u. a. Prokurist Richard Beitelheim, Regierungsrat Lenk, Regierungsrat Dr. Hermann Oppenheim und Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Joseph T i c h o gewählt. * Der Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs hat an die massgebenden staatlichen Stellen eine scharfe Protesterklärung gerichtet, die gegen die in letzter Zeit in der Presse sich häufenden Verunglimpfungen der jüdischen Religion und ihrer Ehre wendet. Dr. Maximilian Reiner gestorben Der Präsident der Israelitischen Kulturgemeinde von Prag (Innere Stadt), Advokat Dr. fCHLEüDE März 1937 Adar 5697 6. Sonnabend 23. Wochenabschnitt;Wajakhel- Pekude 2. B. M. 35—40 Parschat Para: 4. B. M. 19 Hai tara: Ez. 36,16-38 Neumondsweihe Nissan 5697 13. Sonnabend 1 Rosch Chodesch Wochenabschnitt: Wajikra ■; 3.B.M.'1-5;4.B.'M.28,9-15 Parschat Hachodesch: 2. B. M. 12,1-20 Haftara: Ez. 45,1S-46,15 20. Sonnabend 8. Schabbat Hagadol Wochenabschnitt: Zaw 3. B. M. 6-8 Haitara :Jer. 7,21-8,3; 9,22-23 28. Freitag 14. Erew Pessach (1. Ssederabend) 27. Sonnabend 15. 1. Tag Pessach (2. Ssederabend) 28. Sonntag 16. 2. Tag Pessach 29.-1. ßpril 17.—20. Chol Hamoed Maximilian R e i n e r, ist im 73. Lebensjahr gestorben. Mit ihm ist einer der Organisatoren und Führer der tschechisch-jüdischen Bewegung dahingegangen. Schon in jungen Jahren schloss er sich, lange vor dem Kriege, der von Dr. Kramarsch geführten jung-tschechischen Bewegung an, der er bis zu seinem Ende treu geblieben ist. Erschwerte Einwanderung auch nach Britisch - Rhodesien Von unserem W. L. S.-Berichterstatter Port Elizabeth, 11. Februar. Ungefähr gleichzeitig mit der Vei> scliärfung der südafrikanischen Einwände^ rungsgesetze sind auch erschwerte Ein-' wanderungsbestimmungen für Britisch- Rhodesien festgesetzt worden. Da Rhodesien jedoch britische Kronkolonie ist, so hat das südafrikanische „Aliens Bill" keinerlei Gültigkeit in seinem Bereich, obwohl beide Länder in innigem wirtschafte liehen und sozialen Konnex stehen. Die Verschärfung der rhodesischeri Einwanderungsbestimmungen ist lediglich durch Verwaltungsanweisungen geschehen und nur vorübergehend gedacht. Jeder, der ohne ausreichende Mittel und auf Suche nach Arbeit ins Land will, wird sofort in das Herkunftsland zurückbefördert. Einwanderer müssen einen minde- PERU Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung von Dr. Bruno Weil Klima rnisl HewoImeF Lima, 11. Februar. Von allen südamerikanischen Ländern hat im Laufe der letzten vier Jahrhunderte keins stärker auf die Phantasie der Menschen eingewirkt als Peru. Die Geschichte seiner Eroberung durch Pizarro ist oft geschrieben, niemals aber ist restlos die Frage gelöst worden, wie es diesem Manne mit seinen 163 Spaniern gelingen konnte, das anscheinend so fest gefügte Reich der Inka, das das heutige Peru, Bolivien, Ecuador und einen Teil von Chile umfasste, im Sturmschritt zu nehmen. Pizarro brachte der Krone Spanien nicht nur ein neues grosses Reich, e r fand das Land, in dem es Gold in unvorstellbaren Mengen gab. Und Gold und Silber, nicht Getreide und Vieh war, was die Spanier suchten. Das Gedenken an dieses grosse Reich der Inka liegt noch wie ein matt leuchtender Schatten auf dem heutigen Peru. Nirgends aber ist die Erinnerung an die spanische Zeit lebendiger als in der Hauptstadt des Landes, Lima, die Pizarro gegründet, die er fürstlich ausgestattet hat, in der er ermordet wurde, und in deren grosser.Kathedrale er begraben liegt. Aber unmittelbar an die alte Sladt sich an-, schliessend ist ein neues Lima entstanden; mit breiten Avenuen, mit modern gebauten Vorstädten, mit Villenbauten, mit. allen Errungenschaften neuer Städte. Die tropische Baum- und Pflanzenwelt, in die das alles gestellt ist, die Nähe des Meeres mit seiner so abwechslungsreich gestalteten Küste geben dem allen noch einen erhöhten Reiz. Lima liegt unter dem zwölften Grade südlicher Breite, also dem Aequator viel näher als Rio de Janeiro. Aber die klimatischen Verhältnisse sind auf dieser Seite des südamerikanischen Kontinents ganz anders wie auf der atlantischen. Der kalte Strom, den Alexander v. Humboldt festgestellt hat und der seinen Namen trägt, verhindert die Entwicklung so hoher Temperaturen, wie man sie unter den gleichen Breitegraden auf der anderen Seite findet. Der Sommer ist in Lima ausserordentlich heiss, und die drei Wochen, die wrir dort mitgemacht haben, waren für uns Europäer ungewohnt heiss, aber doch erträglich. Allerdings leidet die Arbeitsfähigkeit in diesen Zonen ausserordentlich; auch der europäische oder nordamerikanische Mensch kann auf die Dauer die Energien nicht entfalten, mit denen er von der Heimat her gewohnt ist, an alle Dinge und besonders "die des Berufes zu gehen. Dabei machten uns alle Freunde noch darauf aufmerksam, dass wir in einen kühlen Sommer hineingeraten seien, und dass die grösste Hitze erst in einigen "Wochen zu erwarten sei. Lima kennt auch den Unterschied von Sommer und Winter. Die letztere Jahreszeit bringt natürlich keine Kälte in unserem Sinne, aber die an sich schon neben der Hitze in Lima vorhandene starke Feuchtigkeit der Luft steigert sich in dem sogenannten Winter fast bis zur Unerträglichkeit. Jedenfalls ist die K1 i m a f r a g e bei Peru für alle Personen, die sich dort ansiedeln möchten, ein besonders wichtiger Faktor. Das Klima von Callao, dem Hafen von Lima, der nur wenige Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegt, ist kaum von dem Limas unterschieden. Auf diese beiden Städte hat sich aber von jeher die Ansiedlung der jüdischen Bevölkerung fast ganz beschränkt, und auch die neue Einwanderung seit dem Jahre 1933 hat sich kaum auf andere Teile dieses grossen Landes, das natürlich klimatische "Zonen der verschiedensten Art in sich sehliesst, erstreckt. Von allen Ländern, in denen wir bisher gewesen sind, von Bolivien natürlich abgesehen, hat Peru die geringste Zahl von Juden. Auch die neuerliche Einwanderung ist in so bescheidenen Grenzen geblieben, dass es nicht leicht ist, die Gründe dafür festzustellen. Juden gab es in Peru schon seit der ersten Einwanderung, die nach der Eroberung eingesetzt hat. Besonders — dies scheint für die ganze pazifische Küste zu gelten — sind schon seit dem 16. Jahrhundert Juden und Marannen mit den Portugiesen gekommen, die zu einem grossen Teile an der wirtschaftlichen Erschliessung dieser Länder beteiligt gewesen sind. Diese erste Einwanderung hat ihre Spuren nur in den Namen von Familien zurückgelassen, die zu den ersten des Landes gehören, aber jeden Zusammenhang mit dem Judentum seit Jahrhunderten verloren haben. Die Inquisition und die Autodafes haben mit dem Teile dieser Einwanderung aufgeräumt, der fortfahren wollte, sich zum jüdischen Glauben zu bekennen. Eine zweite zahlenmässig offenbar nicht sehr grosse Einwanderung von Juden hat seit etwa 1840, der gleichen Zeit, zu der auch in Chile deutsche Kolonien mit jüdischer Beteiligung gegründet worden sind, stattgefunden. Diese Einwanderung hat ein sichtbares, wahrhaft rührendes Zeichen zurückgelassen. Freunde fahren uns auf der neuen Strasse, die der Diktator I b a - ii e z zwischen Lima und Callao geschaffen hat, nach der Punta, von der man die Insel San Lorenzo sieht, auf die Ibafiez seine politischen Gegner verbannt hat. An der Strasse liegt der jüdische-Friedhof. Wir treten ein. Durch eine Zypressenallee geht es in den Vorraum. Der Blick fällt sofort auf eine Tafel in Marmor. In deutscher Sprache, in gotischen Lettern steht auf ihr geschrieben: „Der Grundstein wurde am 29. März 1875 von dem Präsidenten des Vereins gelegt. Der Grund dieses Friedhofs wurde von Herrn H. Meiers dem israelitischen Hilfsverein zum Geschenk gemacht. Zur selben Zeit bestand der Vorstand aus ..." und nun folgen lauter Namen, die auch heute noch in Deutschland zu finden sind. Etwa 50 Familien sind aufgeführt, die die Mittel zum Bau des Friedhofs aufgebracht haben. Aus der Halle treten wir auf den lichtüberfluteten guten Ort. Gehen von Grab zu Grab. Das ist eine schwere und tief erregende Stunde, so viele tausend Kilometer von den Menschen entfernt, die wir lieben, und zu denen wir gehören. Und doch stehen wir auch hier am Grabe von Menschen, die uns durch die gleiche Heimat, durch das gleiche Bekenntnis, und ach! so häufig durch ein dem unsrigen ähnliches Schicksal verbunden sind. Die deutschen Aufschriften und die deutschen Namen überwiegen bei weitem. Aber -auch französische, englische und natürlich spanische finden sich. Selbst bei solchen Familien, deren Kinder schon in Lima geboren sind, die also in den meisten Fällen Deutschland gar nicht gekannt haben, überwiegen die deutschen Inschriften. Als ich den Grabstein eines im Elsass geborenen Verwandten finde, von dem ich bisher nur gewusst hatte, dass er in jungen Jahren nach Südamerika gegangen war, verschwinden auf einmal Zeit und Raum. Die Ewigkeit der jüdischen Geschlechterfolge wird sinnbildlich. Mein Begleiter kennt Lima ganz genau. Er zeigt mir die Namen der Familien, die sich noch in Peru befinden, aber beinahe bei jedem heisst es: „sind katholisch geworden, haben mit dem Judentum nichts mehr zu tun", oder bestenfalls „der Vater gibt noch etwas für jüdische Dinge, die Söhne wissen von nichts mehr". Hier wird bewiesen, was ich mehrfach als Befürchtung ausgesprochen habe: die Anziehungs- und Assimilationskraft des südamerikanischen Bodens ist so stark, dass der Bestand des Judentums auf längere Dauer nur dort als