Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 8 (25.2.1937)
- Date
- 1937-02-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Betrachtungen über die Persönlichkeit Felix Mendelssohn-Bartholdys Von Hans Freyhan Das Oratorium „Elias" von Felix Mendelssohn-Bartholdy wird durch die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin in Gemeinschaft mit der Jüdischen Chor- und Orchestervereinigung am 9. März, 20 Uhr, in der Neuen Synagoge, Oranienburger Strasse 30, einmalig zur Aufführung gebracht. Die ,,Sommernachtstraum''-Aufführung des Kulturbunds hat uns die Gestalt Mendelssohns wieder einmal recht hell in den Blickpunkt gerückt. Es sei daher der Versuch unternommen, diesen grossen Musiker jüdischer Abstammung auch von jüdischen Aspekten her zu betrachten und darüber hinaus ihn als repräsentativ für die Geistesgeschichte der Juden in Deutschland zu begreifen. Dabei ist allerdings vorauszuschicken, dass Felix Mendelssohn, den die selbst jüdisch gebliebenen Eltern gleich nach der Geburt taufen Hessen, ein gläubiger Protestant gewesen ist; eine Untersuchung seiner Frömmigkeit auf etwaige jüdische Züge hin soll uns hier aber nicht beschäftigen, ebensowenig eine Analyse seines Stils auf konkret jüdische Merkmale hin, für die ausreichende Definitionen noch nicht bereitstehen; wir glauben aber, im Charakter seines Schaffens manchem zu begegnen, was uns mit symbolhafter Deutlichkeit vom seelischen Sein der Judenheit in Deutschland kündet, und davon sei wenigstens andeutungsweise einmal gesprochen. Einer Familie entstammend, die namentlich dank dem Grossvater Moses Mendelssohn den Schritt in Emanzipation und europäische Kultur mit radikaler Schnelligkeit und Intensität vollzog, wächst der kleine Felix als vergöttertes Wunderkind in einer Atmosphäre erlesener Geistigkeit auf. Die wohlhabenden Eltern arbeiten nichtsdestoweniger mit unbeirrbarer Strenge an der sittlichen Erziehung ihrer Kinder, und die wunderbare Harmonie dieses Familienlebens gründet sich nicht so sehr auf den äusseren Glanz, der gewiss nicht fehlte, als auf die Fähigkeit, vornehmen Lebensgenuss mit innerer Zucht aufs glücklichste zu vereinen. Die Geschichte der Familie Mendelssohn, vom Nachkommen S. Hensel mit liebevoller Pietät, wenn auch daher vielleicht allzu glättend, geschrieben, bietet auch, unabhängig von der künstlerischen Bedeutung Felix', eine Fülle wertvollen Materials für den jüdischen Historiker. Nicht zu übersehen ist dabei die negative Stellung zum Judentum selbst, die z. T. auf aufklärerischer religiöser Indifferenz beruht; gewisse Briefe der Eltern sind hier überaus aufschlussreich, belasten aber eben nur die Eltern; Felix steht bereits ausserhalb dieser Entscheidungen. Welche geistige Luft in diesem Hause wehte, das lässt uns etwa mit besonderer Eindringlichkeit jene kleine Bemerkung spüren, mit der nach der Geburt von Felix' Schwester Fanny konstatiert wurde, das Kind habe „Bachsche Fugenfinger", wobei man sich vor Augen halten muss, dass Bach-Verehrung damals keineswegs zu den Selbstverständlichkeiten gehörte. Und so wird in diesem Hause Schiller, noch zu seinen Lebzeiten, gegen Angriffe leidenschaftjetzt erfahren. Für den Schreiber dieser Zeilen z. B. ist es schon eine feste Gewohnheit geworden, vor der endgültigen Materialzusammenstellung für irgendein Thema bei Ernst Blau anzufragen. Es mehren sich bei Blau auch schon die schriftlichen Auskunftsgesuche. Diese Anfragen beantwortet er um so lieber, als sie ihn zu seiner weiteren mühevollen Arbeit ermutigen. Carl Cohen (Frankfurt a. M.) Ein besprechendes Bücherverzeichnis Im Berthold Levy Verlag, Berlin, ist ein „besprechendes Bücherverzeichnis" erschienen, das die rund achthundert Bücher jüdischer Autoren und jüdischen Inhalts, die den wesentlichen Bestand der Wanderbücherei des Preussisehen Landesverbandes jüdischer Gemeinden bilden, in einem übersichtlichen Katalog nach stofflichen Gesichtspunkten zusammengestellt und durch knappe, charakterisierende Besprechungen erläutert. Mit diesem Bücherverzeichnis, das in einjähriger Arbeit unter Mitwirkung von Fritz Aronstein, Fritz Bamberger, Ludwig Davidsohn, Emmy Friedlaender, "Helmut Galliner, George Goetz, Helene Goldberg, Kurt Walter Goldschmidt, Erich Guttmann, Else Halle, Leo Hirsch, Etty Hirschfeld, Erika Löwenstamm, Eva Loewy, Hans Margolius, Hilde Marx, Kurt Pinthus, Hermann Schildberger, Arthur Silbergleit und Lutz Weltmann entstanden ist, soll, wie Dr. Hermann Schildberger in seiner Einleitung ausführt, dem Bildungspfleger wie dem Leser, besonders in der Kleinstadt und auf dem Lande, die Möglichkeit gegeben werden, sich vor der Lektüre eines Buches soweit zu informieren, dass er bei der Auswahl bis zu einem gewissen Grade sicher geht. In acht Abteilungen ist das Büchlein, dessen redaktionelle Gestaltung in den Händen der Bibliothekare Dr. Erich Guttmann und Dr. Ludwig Davidsohn lag, gegliedert: Schöne Literatur, Biographien, Jüdische Geschichte, Länder und Reisen (Palästinakunde), Kunst, Literatur, Musik, Religion und Weisheit, Jüdisch-politische Strömungen und „verschiedene Wissensgebiete". Es darf gehofft werden, dass diese neue und ansprechende Form der lieh verteidigt, so herrscht vor allem ein unbegrenzter Goethe-Kult, der dann eine beglückende Erfüllung finden darf im Besuche des zwölfjährigen Felix in Weimar, wo der „Polarstern der Poeten" — so nennen ihn die begeisterten Briefe des Knaben — den kleinen Schüler Zelters mit aussergewöhnlicher Herzlichkeit aufnimmt und täglich mehrmals abküsst. Welcher andere jüdische Künstler durfte in solcher Atmosphäre, unter solchen Eindrücken aufwachsen? Von den Zeitgenossen jedenfalls keiner. Einen kulturellen Sprung hatte Felix jedenfalls nicht mehr zu tun; in bester allgemeingeistiger und musikalischer Tradition reift er heran. Bis ins Mannesalter hinein menschlich und künstlerisch geleitet von der beratenden Fürsorge des verehrten Vaters, der ihm, ungeachtet seines Laientums stets massgeblich blieb, findet er in ruhiger Entwicklung zu seinem eigenen Stil, gewiss nicht ohne ernstes Ringen, aber doch ohne aufwühlendes Kämpfen. Die schweren Schicksalsschläge, die andere grosse Musiker trafen, sind ihm erspart geblieben. Er hat auch nicht die grosse Einsamkeit kennengelernt: stets durfte er hinter sich die innige Liebe einer idealen Familiengemeinschaft spüren. Dieses Umhegtsein, dieses Geschütztsein vor den grossen Rauheiten des Lebens ist in seine Musik eingegangen, es hat ihr die Milde gegeben, freilich aber nicht die grosse Leidenschaft, die Wagner mit Recht an ihr vermisst. Seine Natur und sein Schicksal machten aus ihm einen Meister der schwärmerischen und doch mass- und formvollen Schönheit. Alles Gemeine ist ihm fremd, ebenso zumeist alles Laute, Grelle, aber dafür auch das ganz Starke, Elementare eines Beethoven. Nichts Fragmentarisches und Chaotisches haftet seinen Werken an, dafür aber war ihm verwehrt, alles unendliche Sehnen und alles Geheimnisvolle der Romantik in Musik zu bannen wie Schumann. Dennoch bleibt der Vorwurf einer akademischen Schreibweise, den man gern erhoben hat, besser auf Mendelssohns Epigonen beschränkt. Fassen wir zusammen: geniale künstlerische Ausprägung einer im Tiefsten bürgerlichen Existenz, fruchtbarste Sensibilität, aber nicht Abgründigkeit. Das gilt auch im ganzen für die grossen religiösen Werke: für den „Paulus" und den „Elias". Eine innige Frömmigkeit, deren sanften Ausdruck man zu Recht mit der Malerei der Nazarener verglichen hat, das Gefühl kindlicher Geborgenheit, etwa in dem berühmten Engelterzett „Hebe deine Augen auf, aber nicht ein Wissen um die Furchtbarkeit der letzten Dinge tritt uns hier entgegen. (Einiges, wie die Berufung des Paulus, würde ich allerdings nicht in diesem Rahmen sehen.) Es ist kein Wunder, dass der jüdisch-religiöse Liberalismus und sein musikalischer Vertreter, Lewandowski, gerade an diesen Stil Anschlues gesucht und gefunden haben. Denn diese etwas beruhigte, geborgene Religiosität fand im jüdischen Bürgertum Resonanz, so wie sich in der Persönlichkeit Mendelssohns etwas von der „Buchberatung" dazu dienen wird, die allgemein angestrebte jüdische Erwachsenenbildung weitgehend zu fördern. —g— Hamlet Von RichardFlatterin Wien, der sich auch als Uebersetzer Shakespeares versucht, erscheint im Verlag Herbert Reichner eine kleine Schrift mit dem Titel „Hamlets Flucht in d e n T o d". Eine neue Darstellung und Deutung des Hamlet-Problems nach so vielen anderen. Doch wird es auch für den Kenner dieser grossen Literatur weder lästig noch überflüssig sein, dieses Büchlein zu lesen, denn Flatter schreibt nicht aus gelehrter Spintisiererei, sondern aus lebendigem Gefühl. Er erklärt, dass der Schluss der grossen Shakespearschen Tragödie: Hamlets Tod im Zweikampf mit Laertes durch das tückisch vergiftete Rapir weder ein wüster Zufall noch eine unglaubliche Dummheit des Helden sein kann, es ist vielmehr ein bewusstes Sichfallenlassen Hamlets in den Tod, es ist ein Selbstmord. Und als Tragödie des Selbstmordes will Flatter uns das ganze Werk erkennen lassen. — Vielleicht übertreibt Flatter um einen Grad die Bewusstseinsschärfe, mit der Hamlet seinen letzten Weg geht; aber im wesentlichen hat er recht. Allerdings will Hamlet aus der Welt und gibt sich dem keineswegs undurchschaubaren tückischen Anschlag deshalb preis. Aber nun erhebt sich ja erst die entscheidende Frage: warum will er aus der Welt, was macht ihn zum Selbstmörder, weshalb ist ihm das Leben unerträglich? Flatter hat eine klare und einfache (wohl etwas zu einfache) Antwort: Er soll den Vater rächen und die Mutter, die doch in der Geschichte seines Mordes eng verstrickt ist, schonen. Diese Aufgabe ist unlösbar, und weil Hamlet die Mutter liebt, geht er lieber aus der Welt als sie tödlich zu belasten. Flatter nennt das: eine Entwicklung von der Gerechtigkeit zur Güte. Schön gesagt, und auch nicht einmal unrichtig; aber der Betonungsgrad der an sich richtigen Aussage besten Eigenart dieses jüdischen Bürgertums, genauer vielleicht seiner norddeutschen Oberschicht, verkörperte. Bis in die kleinsten Züge, nicht zuletzt auch aus den Briefen, lässt es sich nachweisen. Wenn wir heute, aus der Distanz unseres Erlebens, geschichtliche Rückschau versuchen und vor der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen nach einer Verdichtung in Typen und Kategorien trachten, so bietet sich solchem Suchen in Felix Mendelssohn, wie ich glaube, eine Gestalt von wahrhaft repräsentativem, ja symbolhaftem Wesen. Wir haben nicht die Frage beantworten können, in welchem Masse jüdische und nichtjüdische Einflüsse dieses Wesen formen halfen, aber der Repräsentationswert der Gestalt bleibt davon unberührt. Ihre Konkretheit entspricht der Konkretheit jüdischen Bürgertums in Deutschland, und wrir wollen bei aller berechtigten Kritik und Distanz gegenüber jenen Formen jüdischen Seins nicht ganz ihre Werte vergessen. Zwei musikalische Einakter in der Jüdischen Jugendbühne Die Jüdische Jugendbühne in B e r 1 i n ist umgezogen: aus dem Schumann-Saal ins Kulturbundtheater in der Kommandantenstrasse. Den Kindern ■wird das sehr gefallen haben. Erstens, weil Kindern jede Veränderung, alles Neue gefällt, zweitens, weil sie die Theaterstücke, die für sie gespielt werden, nunmehr in einem richtigen Theater sehen, mit allem Drum und Dran: Logen, Rängen, verbotenem Bühneneingang, Foyer. Auch diesmal wurden, wie im vergangenen Monat, zwei Einakter gespielt: Offenbachs Kurzoperette „Die Verlobung bei der Laterne" und Louis Angelys Singspiel „Das Fest der Handwerker". In beiden Stücken handelt es sich um an plumper Harmlosigkeit nichts zu wünschen übrig lassende Ränke, um zwei Liebesleute, die sich zum Schluss natürlich „kriegen", und, auch ohne mit pedantischer Strenge immer von neuem die Forderung erheben zu wollen, durch die Jugendbühne das künstlerische Instrument zu schaffen, das erzieherisch oder zumindest bildend wirken soll, bleibt zum Schluss die Frage, was nun eigentlich die Kinder, denen im besten Falle ein einziges Mal im Monat- Gelegenheit gegeben wird, Vorgänge auf einer Bühne zu sehen, für Begriffe vom Wesen und Sinn, des Theaters bekommen müssen, wenn man ihnen derlei flache, z. T. bis an die Grenze des Unerträglichen sich schleppende Belanglosigkeiten bietet. Das erste Stück hätte vielleicht durch die Dffenbachsche Musik wirken können. Die aber konnte nicht zur Geltung kommen, weil einmal die richtige Instrumentierung fehlte — man beschränkte sich auf „Begleitung" an zwei Flügeln —, zum zweiten, weil teils stimmlich, teils darstellerisch die Kräfte der Mitwirkenden nicht ausreichten, um den biedermeierhaft-launigen Ton des Ganzen zu fassen. So wurden die Kinder Zeugen einer grotesk-pathetischen Himbeerwasserorgie und rührselig fader, an billige Opernparodien gemahnender Gesangsdiologe, mit denen sie sehr wenig anzufangen wussten. Es spielten Heinz Rock, Steffi Rosenbaum, Alice Jacobsohn und Thea Stuckenschmidt. Die Regie hatte Ernst Rosen bäum. Beim „Fest der Handwerker" versöhnte der humoristisch frische Ton des Ganzen, der Schwung im Spiel, die Komik der Darstellung und schliessscheint mir hier doch weit bedenklicher übertrieben als bei der Herausarbeitung der Selbstmordtragödie. Dass Hamlet die Mutter schonen möchte, während er den Vater rächen soll, vermehrt gewiss die grossen inneren Schwierigkeiten, in denen er lebt, und dass jene Resignation, die im Tode endet, mit der Kraft der Güte verwandt ist, das ist freilich wahr. Aber ganz unmöglich scheint es doch in dieser Schwierigkeit bei der Ausführung des Raehewerks den letzten oder gar einzigen G.rund für Hamlets todeswillige Verzweiflung zu finden. Wenn dieses Werk seit mehr als 300 Jahren immer wieder die Geister aller Nationen in leidenschaftliche Bewegung setzt, so gewiss nicht deshalb, weil es einen bis zur UnlÖsbarkeit komplizierten Kriminalfall darstellt, sondern weil es zum erstenmal die innere Geschichte eines edlen, starkblütigen und starkgeistigen jungen Menschen darstellt, der ob der Gemeinheit der Welt verzweifelt, einen Menschen, dem grässliches Erleben das Mindestmass von Illusion zerstört hat, das wir alle zum Leben brauchen. Deshalb sind „die Taten von seinen Händen abgeseegt" und deshalb steht er am Ende, auf dem Friedhof und hält die Leichenschädel in den Händen. Er sieht, um mit Hebbel zu reden, die Blumen nicht mehr, weil er die Toten in der Erde sieht. ' Die Treulosigkeit der Mutter an dem (weit höher geliebten!) Vater war ein Hauptmotiv für Hamlets tiefe innerliche Verwüstung. Die Schwierigkeit, die Mutter bei Ausführung des Racheaktes zu schonen, ist höchstens ein Nebenmotiv — denn Hamlet ist im tiefsten gar nicht mehr gewillt und fähig, dieses oder irgendein anderes Werk auszuführen. Er spielt mit dem Wahnsinn, weil der Wahnsinn mit ihm spielt. Gerade deshalb ist Hamlet wie der Russe Turgenjew sehr richtig bemerkt, einer der grossen Zeitgenossen Don Quichote! Denn auch dieser wahrhaft edle wird ein Nachbar des Wahnsinns: er flüchtet sich vor der Wirklichkeit in die absolute Illusion, während Hamlet wegen des Verlustes jeder Illusion aus der Wirklichkeit flüchtet. Deshalb stehen diese beilich einige fiüEsche Regie-Einfälle Werner Hin» zelmanns. Das Stück ist eine Alt-Berliner Posse, merkwürdige Mischung von derbem Realismus und primitiv sozialer Verlogenheit — ein rechtes „Singspiel" ohne Anspruch auf künstlerische oder literarische Qualität. Ein paar Typen wie der tänzelnde Springinsfeld Hähnchen (von Bert Baer dargestellt) oder der drastische Maurerpolier Kluck (Hans Lüp schütz); machten den Kindern grossen Spass. Auch die übrigen Darsteller trugen dazu bei, die Stimmung im Parkett nach dem ermüdenden ersten Teil der Vorstellung zu heben: Simon Sainsky, Arthur Peis er, Arthur Le win, Kurt Süssmann, Rosa Cohn, Thea Stuckenschmidt, Alice Jacobsohn, Frieda Fiat au und Steffi Rosenbaum. Wie bei der Offenbachschen Operette hatte auch hier Gerhard Goldschlag die musikalische Leitung, mit Geschick den spielerischen Schwung der harmlosen kleinen Posse hervorkehrend. Die Jüdische Jugendbühne möge dem Referenten verzeihen, wenn er diesmal, summa summarum, eine entschieden ablehnende Haltung einnimmt. Sie hat durch ihre früheren Aufführungen — wir erinnern an „Was Ihr wollt" und „Jusik" — bewiesen, dass sie geeignet ist, der jüdischen Jugend das Theater zu geben, das sie braucht. Hoffentlich werden künftige Vorstellungen — für den nächsten Monat ist „Reuben i" vorgesehen — diesen Eindruck von früher, der im Augenblick zweifellos etwas getrübt ist, wieder stärken und festigen. Und im übrigen halten wir uns an das Wort des Maurerpoliers Kluck, das er jedem entgegenschleudert, mit dem er zusammenstösst: „Darum keene Feindschaft nich!" Heinz Berggrün Mozarts „Judith" in hebräischer Fassung Erstaufführung in Deutschland Dem Mannheimer Kulturbund („Liederkranz") ist es zu verdanken, dass Mozarts Oratorium „Judith" (Betulia liberata) für Soli, Gemischten Chor und Orchester zum erstenmal in Deutschland in hebräischer Sprache aufgeführt wurde. David Franco-Mendes hat einst, noch zu Lebzeiten Mozarts, 1791 den ursprünglich in italienischer Sprache geschaffenen Text des Oratoriums, der die Befreiung der durch Holofernes belagerten Stadt Betul durch Judith schildert, ins Hebräische übertragen. In dieser Uebertragung und in der musikalischen Bearbeitung von Karl Salomon (Jerusalem) wurde 1935 in Palästina die Schöpfung des fünfzehnjährigen Mozart aufgeführt. Für die Aufführung in Mannheim hatte der am dortigen Lehrhaus wirkende Kohn-Asulay den für die Aussprache schwierigen altertümlichen hebräischen Text sprachlich brauchbarer gestellt, und Kapellmeister Max Sinz- Ii e i m e r, auf dessen Initiative vor allem die Mannheimer Aufführung zurückzuführen ist, die Partitur durch umfangreiche Striche auf eine Stunde Aufführungsdaüer zusammengedrängt. Ihm wie dem „Liederkranz" darf man für den Querschnitt dankbar sein, den man so aus dem FPBfiS Sueg>lie Staatl. geprüft. Heilgehilfe. Masseur, Krankenpfleger, zngeL zu. all. Krankenkass. Spez. Veraltete Ischiasu. Rheumaerkr. Sportver]etzg.;Fig:urausg]., Entfett.- alass. Charlottenburg 4, Wilmersdorfer Str. 125, C 1, 194a den mächtigen Gestalten von 1600 am Eingang der neuen grossen kritischen Menschheitsepoche, die eine neue Ueberprüfung des Verhältnisses von Wirklichkeit und Illusion fordert. Julius Bab Literarische Notizen Im Rahmen der Dichterstunde des P r a g e r Rundfunks liest am 27. Februar, 17 Uhr 55 Min., Max B r o d aus seinem Roman „Annerl". * In New-York wurde ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals für den im vergangenen Jahre verstorbenen bekannten jüdischen Schriftsteller und Journalisten und ehemaligen Gesandten Amerikas in Albanien, Hermann Bernstein, gegründet. * In einem jüdischen Kunstabend im Amsterdamer Musieklyceum las Georg Hermann einige Kapitel aus „Jettcheu Gebert". * Anlässlich des Erscheinens der vom „Dubnow-Fonds" herausgegebenen Allgemeinen Jiddischen Enzyklopädie fand in Paris eine Feier statt, an der neben jüdischen Schriftstellern und* Sozialarbeitern auch die Mitglieder der amerikanischen Arbeiterdelegation teilnahmen. Ansprachen hielten der Chefredakteur der Enzyklopädie, Raphael Abramowicz, und der Schriftsteller Daniel Tschamy. Die jiddische Enzyklopädie soll insgesamt 20 Bände umfassen. Der soeben erschienene dritte Band enthält 510 Spalten Text und etwa 150 Abbildungen sowie zwei in Farbendruck hergestellte Landkarten von Nord- und Südamerika. In dem Band sind 1500 Stichworte behandelt. # In der Jüdischen Buch-Vereinigung erscheint eine Sammlung von Erzählungen ausländischer jüdischer Autoren unter dem Titel „Jüdische Welt", die von Olga S i ga l1 herausgegeben und übersetzt ist. # Der Verkg Erwin Löwe kündigt das Erscheinen eines Buches von Joachim Prinz „Das Leben im Ghetto, Jüdisches Schicksal in fünf Städten" an.