Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 8 (25.2.1937)
- Date
- 1937-02-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277516-2277524--11648-2281200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
an Schönheiten reichen Werk gewann. Von den vier Solisten muss an erster Stelle der prächtig tragende Sopran von Trude Wolf (Ludwighafen), genannt werden. Geschlossen und voll Wärme der Alt von Selma Weil-Elk als Judith, dem man nur manchmal eine stärkere Resonanz der Tiefe gewünscht hätte. Ausdrucksreich der Tenor Max Lipmanns, markant der dunkelgefärbte Bass von Ludwig Guggenheim (Frankfurt a. M.). Man hatte zum besseren Verständnis der Handlung und der Gesänge Die letzten Aufführungen von „Tsrael in Aegypten" im Berliner Kulturbund standen unter der Leitung von Kapellmeister Berthold Sander, die mehr auf geraffte Tempi, auf Durchsichtigkeit und Ausgeglichenheit des Stimmgewebes'gerichtet waren als auf den Stil des grossen Pathos. Nur die Arie ..Dank sei Dir" wirkte infolge der Belastung mit Rubati und Crescendi allzu romantisiert. Von den Solisten der letzten Aufführung gaben Walter Oiitzki und Gerhard Pechner namentlich dem schönen Bassduett eine stimmlich glänzende, kraftdurchilutete Ausdeutung; Anna Lipin gleicht einen gewissen Manget an weicher Fülle in ihrem Alt durch lebendiges und stilvolles Singen aus An Erika Samson (-Storni) ist besonders die Tragfähigkeit ihres Soprans und die sehr klare Aussprache zu rühmen. Chor und Orchester betätigten noch einmal, dass der Kulturbund hier eine grosse Aufgabe mit wirklich schönem Erfolg bewältigt hat/ H. Fr. Dr. Hermann Schild berger hat recht daran getan, im Vierten Lichten Nachmittag der Reformgemeinde (im Rahmen der Jüdischen Winterhilfe) den musikalischen Akzent einmal auf die Romantiker Mendelssohn und Bizet zu werfen; er besitzt das Fingerspitzengefühl für die Subtilität dieser Kunst, und der Streichkörper des Künstlerhilfe- Orchesters verhalf seinen Tntentionen zu schöner Erfüllung. Die Mitwirkuug von Blechbläsern wird natürlich bei so kleiner Besetzung immer eine Gefahr für' das klangliche Gleichgewicht bilden. Bernhard Chrelitzer, von Werner Baer an der Orgel unterstützt, setzte seinen angenehmen und tragfähigen Tenor für Blochs 114. Psalm ein. der hier kürzlich bereits seine Würdigung fand. Geschmeidigkeit und helles Timbre ihres Soprans machen Elsa Koch-Stabinski zu einer rechten Mozart- Sängerin: nur in der Höhe Ii esse sich vielleicht eine noch mühelosere Ansprache erzielen. Ilse G oldner-Ziegellaubs Bibelrezitationcn wirkten durch die Fähigkeit, in geschmackvollen Grenzen dramatische Charakterisierung zu geben, und im Herausmodellieren refrainartiger Bildungen die sprachlichen Strukturen offenbar zu machen. Rabbiner Dr. Karl Rosenthal behandelte in seinem Vortrag 'Märchenstoife aus der Bibel". H. Fr. Das ist schon des öfteren gesagt worden: verständlich ist es durchaus, dass der Dilettant seine musikalischen Arbeiten einmal'vor grösserem Auditorium zu erproben wünscht, und anerkennenswert, wenn es zugunsten der Jüdischen Winterhilfe geschieht. Diese beiden Gründe rechtfertigen aber keineswegs einen ganzen öffentlichen Abend (im Logenhaus in Berlin), der ausschliesslich den Produktionen eines Musterbeispiels des Dilettantismus gewidmet ist, während eine ganze Reihe begabter Autoren nur höchst selten einmal im kleinen Kreis zu hören ist. Und auch die gute Absicht wird schliesslich ins Gegenteil wirksame, von Hugo Adler (Mannheim) gestaltete, verbindende Texte nach Worten der Bibel eingefügt, die Adler selbst mit warmer Hingabe sprach. Besonders bemerkenswert, schon angesichts der schwierigen sprachlichen Aufgabe, die auch klanglich ausgezeichnete Leistung des Chores des „Liederkranze s". Das Orchester der Instrumentalgemeinschaft setzte sein Bestes ein. Die Wirkung des Ganzen war so nachhaltig, dass stürmischer Beifall allen Beteiligten dankte. So. verkehrt; denn dem Sänger wird häufige Beschäftigung mit minderwertiger Gelegenheitsarbeit endlich nur zum Schaden gereichen. Der •fragliche Abend war allerdings ein Gipfelpunkt seiner Art, der Komponist, dem wir früher höchst schmackhafte Genüsse rein materieller Art verdanken konnten, ist unbestreitbar mit gutem Willen an die Ausmalung berühmter Texte oder solcher von unter uns weilenden jüdischen Dichtern gegangen, es ist aber nichts dabei herausgekommen als unbewusste Klischierung gewöhnlichster Operettenarien-Fabrikation. Ein Teil der Hörer folgte dem prompt sieghaft geschmetterten- oder gefühlvoll falsettierten Schlusston eines jeden "der 27 (!) Lieder mit Heiterkeit oder Betrübnis, der andere .vermutete wohl eine Persiflage; denn er applaudierte stürmisch. Festzustellen wäre, wer für eine derartige Veranstaltung verantwortlich zeichnet — bei der stark . verminderten Zahl unserer Konzerte können wir uns einen verlorenen Abend nicht leisten. Bruno Kaiser. Im Kulturbund Dresden spielte unter Professor P r ü w e r s Leitung das in Frankfurt am Main stationierte Orchester der jüdischen Kulturbünde Beethovens unbeschwerte starke 2. Sinfonie und Mendelssohns „Meeresstille und Glückliche Fahrt". — Die J ii d i s c h e I n s t r u: m ental -Vereinigung Dresdener Gemeindemitglieder erwies sich mit anspruchsvollem Programm als künstlerisch leistungsfähige Körperschaft. In Robert Volkmanns melodienreicher Serenade trat die rassige Cellisfin Ily Strasser (Leipzig) mit ihrem einschmeichelnden Solopart hervor, und das strenge anspruchsvolle Konzert D-moll von Tartini wurde von dem 13j/.jährigen einheimischen Geigentalent Heinz Meyer mit edlem Ton und stilvoller Phrasierung gespielf. Der Abend, der unter der Leitung des sich als tüchtiger Orchesterpädagoge bewährenden Kapellmeisters Waller Gold mann grossen Erfolg hatte, wurde'zum Besten der Winterhilfe wiederholt. — In einem heiteren Konzert bot Bella E rdoes-Herzfeld ein Dutzend Volkslieder in ebensoviel Originalsprachen und mit lebhafter Charakterisierung der Volkstemperamente'und moderne Schlager. Man konnte sich wieder an ihrem gepflegten Sopran und ihrem scharmanten Vortrag erfreuen. Das Programm; ergänzten an zwei Flügeln Walter G o 1 d m a n n und Siegfried Sonnenschein, die Strau&ssche Walzer und Liszts 2. Rhapsodie spielten. — Das Hamburger Kul'turb u"n d - e n s e m b 1 e erzielte auch in Dresden .mit Kingsleys ..Menschen in Weiss'' starken, nachhaltigen Eindruck. E. B. Die Aufführung von Molnärs ..Grosser Liebe" im Jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr leitete Dr. Hans B u x b a u m , der in Hamburg und in anderen Städten des Reichs mit diesem Stück bereits grossen Erfolg hatte. Erstmalig spielte am Kölner Kulturbundtheater Jenny Bernstein-Schaffer; die Begegnung mit ihr ist eine Freude. Ihre „Exzellenz4* ist eine Figur voll gütigster Menschlichkeit, wo sie gross und überlegen ist und wo sie sich eine Schwäche zu verraten gestattet. Friedl Münzer. nach längerer Tätigkeit an anderen Bühnen nunmehr wieder in Köln, hat einen Grad von Entspannung und Frische mitgebracht, die der Rolle der Margit sehr zugute kommt. Ruth Festersen in der kleineren und eindeutigeren Rolle der Irene verstand es durchaus, dieser Figur Gehalt und Gestalt zu geben und ging dabei sehr geschickt auf die Linie ihres Partners Friedeberg ein, der mit seinem Iwan eine sehr feine Studie des modernen, arbeitenden, lebensbejahenden Menschen lieferte. Als der mehr im Lebensstil der Vergangenheit verwurzelte ..Ludwig gab Walter H e r z (Hertner) eine lebendige Figur. .Erna C o h n ' (Lorenz), erstmalig in Köln, traf den komödienhaften Charakter ihrer"Rolleh ausgezeichnet.; Willibald Fränkel-Froon als Horvath ergänzte das Ensemble mit einer durchaus eigenen Note. Das Publikum unterhielt sich ausgezeichnet und war entsprechend beifallsfreudig. L. S. Die grosse Anziehungskraft des berühmten Sängers Alexander K i p n i's bewies bei seinem Liederabend in Hamburg, der vollbesetzte grosse Conventgartensaal. Man bewunderte von neuem die Vollkommenheit seiner Gesangstechnik, die ihn die schwierigsten Anforderungen anscheinend mühelos bewältigen lässt. Neben Liedern von Bach, Brahms und Grieg sang er jüdische und russische Volkslieder. Der" Beifall trug Ovationscharakter. Am Flügel begleitete Rudolf Schwarz ganz vorzüglich. A. Alexander K i p n i s, der lange erwartet wieder im Königsberger Kulturbund sang, wurde von seiner grossen Gemeinde begeistert gefeiert. Im lyrischen Kunstgesang und im jüdisch-russischen Volkslied riss er mit seinem grossen Können die Hörer zu beispiellosen Beifallskundgebungen hin. die zahlreiche Zugaben erzwangen. Leo T a u b in a n n begleitete sicher und verständnisvoll. " Dr. M. A. Susanne Löwenstein und Wilhelm G u 11m a n n veranstalteten in Leipzig einen Gesangsabend, der grossen Anklang fand. Man hörte Duette von Eduard Levy und Robert Kahn, Lieder von Schubert und Brahms, und Arien von Offenbach, Brüll, Meyerbeer, Saint-Saens und Bizet. ■ * S. Im Jüdischen Kulturbund Heidelberg spielte die Geigerin Annie Steiger-Betzak, Frankfurt am Main, u. a. die Brakmssche D-moll- Sonate op. 108 tonschön im Adagio und mit mitreissender Verve ein Schlusspresto. Oberkantor Julius Kraemer mit seinem kultivierten, ausdrucksvollen Tenor interessierte besonders durch zwei Romanzen aus dem Nachlass Felix Mendelssohns sowie durch eine eigene Komposition ..Das Lied von der Schechina". die in Melos und Charakter besonders geeignet erscheint, den Hörer weihevoll zu stimmen. Beide Solisten hatten in Dr. Willy Salomon, Frankfurt am Main, einen ebenbürtigen Partner am Flügel. . So. Vollen Erfolg hatte der Kasseler Kulturbund mit einem Tanzabend von Ruth Gondel 1 und Nelly Hirsch vom Berliner Kulturbund. Die geistige und schöpferische Durchdringung des Programms, die hohe künstlerische Begabung, vereint mit gediegener Technik, Stäben dieser Veranstaltung eine besondere Note. Die Vielfalt der schönen Kostüme erhöhte die?timmung vollen Impressionen. Der Pianist Werner Seelig-Bass, Berlin, verstand es, im Rhythmus und Ausdruck das Wesentliche zu unterstreichen. Auch in seinen Solovorträgen konnte er ausserordentlich grosses, reifes Können zeigen. Der Erfolg dieses Abends war gross. F. „Slavische Musik und Dichtung" vermittelte ein Abend der jüdischen Tonkünstler Frankfurts. Von Marie Lenheim sorgsam begleitet, sang Gerda Qp p e n h e i m rni| grossem ausdrucksfähigen' Sopran biblische Gesänge (Dvorak), Lieder und eine Opernszene». Dr. Bernhard Hirschberg-Schrader las eigene, offenbar recht gelungene Uebertragungen von Autoren, die uns noch wenig bekannt sind, unter anderem einen spannenden Briefwechsel von Ilija Britan und die „Aufzeichnungen eines Hundes" aus Ossip Felynes. — Ein heiterer Abend der Jüdisch en Tonkünstler Frankfurts,' der zumeist leichte Kunst aus den Bezirken von Operette und Kabarett brachte, bedeutend stärker besucht als mancher seiner Vorgänger. Helene L o r sch-M orgenstern mit ihrer zierlichen Sopranstimme, die u. a. Lieder von Mahler und Leo Blech ansprechend sang, und Else Liebreich als temperamentvolle, geschickt nuancierende Vortragskünstlerin vermittelten einem sehr dankbaren, beifallsfreüdicren Publikum ein paar heitere Stunden. Max Firnberg, der Begleiter am Flügel, gab m feingeschliffenem Spiel eine künstlerisch vollwertige Leistung. Im Kulturbund Breslau hatte die Revue ,.Vorhang auf!" (mit Max Ehrlich, Fritz Tachauer, Cläre Arnstein und Edith E i s e n h ei m e r) einen ungewöhnlichen Erfolg. Das bunte Programm war reich an wirklich wälzigen Pointen, und mit besonderer Fraude nahm man die hochwertigen musikalischen Darbietungen hin. Werner Baer spielte zündend die Schlager Willy Rosens. Hfl Max Ehrlich und seine Truppe spielten auch im Rahmen des Jüdischen Kulturbundes Oberschlesien in Beuthen, .Gleiwitz. Ratibor und Oppeln die Bilderfolge ..Vorhang auf!", die neben mancher antiquiert anmutender Nummer Witziges und Belangvolles enthielt. M—r Dr. Fritz Salomonski, noch in bester Erinnerung durch seine Ausstellung im Berliner Kulturbund als Maler und Graphiker, zeigte bei einem Gesangsabend, den er dem Jüdischen Kulturbund Göttingen gab, dass er auch als Sänger ein vielseitiger Künstler ist. Er trug Löwesche Balladen ausdrucksstark vor und fand nach fein empfundenen lyrischen Stücken seinen Höhepunkt in den grossen Arien aus ,.Afrikanerin" und .,Rigoletto". John Mandelb r o d , Hannover, begleitete am Klavier mit gewohnter Routine. H. Nachdem im Januar Wolf gang Rose' mit grösstem Erfolge im Jüdischen Kulturbund Nordhausen gespielt,' hörten wir kürzlich die Geigerin Charlotte Salomonsky (Rosen), begleitet von Erna Klein, mit einem reichhaltigen Programm. Stärkstes Interesse fanden Mendelssohns Violinkonzert und der „Nigun" von Bloch. F. Jüdischer Kulturbund Berlin •Für die im März zur Aufführung gelangende komische Oper „Die lustigen Weiber von Windsor" ist Walter Ries, bis 1933 Mitglied der Münchener Staatsoper, als Falstaff verpflichtet. Den Fluth singt Wilhelm Gutt» mann, Frau Fluth Rita Atlasz. Für die Rolle der Frau Reich sind Susanne Loewenstein und Anna Lipin angesetzt, für dte Rolle des Fenton Ernst K r a s so und Richard Dresdner. Als Gäste alternieren in der Partie der Anna Edith Eisenheime r und Ruth Lehnberg. Mit Guttmann alterniert Walter Oiitzki, mit Walter Ries Kurt R a h* mer, mit Rita Atlasz Emmy Lussheimer. Die Bufforollen singen Gerhard P e c h n e r und Julius Kuthan, den Reich Siegfried ü r i a s. In Sprechrollen wirken Alfred Berliner und Alfred Lichtenstein mit Konzerte und Vorträge Paul Graetz . Paul Graetz ist. nur vierundvierzig Jahre alt, in Hollywood gestorben. Er stand, nachdem er hier längst ein bekannter und geschätzter Schauspieler gewesen war und später auch in London Erfolge gehabt hatte, offenbar im Anfang einer neuen Karriere als Filmdarsteller, denn er sollte eine Rolle in dem neuen Greta-Garbo-Film spielen. Graetz hatte hier den Ruf einer „Type'S des „kessen Berliners", der besonders in Berliner Volksstücken, z. B. eines Reissers von Rehfisch, und in Stücken der Art von ..Potasch und Perlmutter" an Humor und — Menschlichkeit mehr zu bieten vermochte, als seine Rollen verlangt hätten. Graetz war ein Komiker von Format, und während er dem oberflächlichen und zum Lachen nur allzu bereifen Zuschauer nur eine komische Figur zu machen, einen besseren „dummen August" mit vehementer Frechheit und oft knalliger Lustigkeit vorzustellen schien, konnte jeder Aufmerksame mehr heraushören, nämlich über das unverwüstliche Theatertemperament hinaus Geist und Herz. Max Reinhardt hat Graetz mehr als einmal als Charakterspieler herausgestellt, und eben diese Richtung hätte Graetz vielleicht nun — allerdings in fremder Sprache und unter veränderten Bedingungen — zu besonderer Eigenart entwickeln können, wenn nicht eine Herzkrankheit und in deren Folge der frühe Tod dazwischengekommen wären. Wer ihn auch noch als Menschen gekannt hat. wird es doppelt bedauern. L. H. Abschied von Kurt Havelland Am 21. Februar starb nach schwerer Krankheit, noch nicht 33 Jahre alt, Kurt Havelland, der Orchesterdirigent des Breslauer Jüdischen Musikvereins. Er war einer der feinnervigsten Künstler dieser Zeit. Alles an ihm und in ihm war Musik, und als ein besonderer Genuss galt es, seinem Klavierspiel zuzuhören. Die Kammermusik- und Liederabende, an denen der Pianist Kurt Havelland mitwirkte, zählen' schon um seinetwillen zu den wertvollsten Konzerten der letzten zweieinhalb Jahre. Den . ersten musikalischen Unterricht genoss er in seiner Heimatstadt. Kassel, studierte bei Leonid Kreutzer und Artur Schnabel Klavier, war sechs Jahre lang als Kapellmeister am Staatstheater Wiesbaden und kurze Zeit am Berliner Kulturbund tätig, bis. er 1934 . nach Breslau berufen wurde, um das Dilettanfenorchester des Jüdischen Musikvereins zu übernehmen. Die Aufbauarbeit, die er hier geleistet hat, war vorbildlich. Mit allen Fasern seines Fat. Berbert Sonnehfeld Herzens hat ersieh dieser wahrlich nicht leichten Aufgabe gewidmet und mit einem Optimismus, der das Vorrecht der Jugend ist, alle Hindernisse technischer und materieller Art zu überwinden gewusst und seine ganze Kraft immer wieder freudig in den Dienst des grossen Werke« gestellt. Das jetzige hohe Niveau des Orchesters ist allein ihm zu danken. Kurt Havelland war einer von den wenigen Aufrechten, ein Mann von nobler Haltung und lauterstem Charakter, dabei nicht ohne Sinn für das Praktische, treu, gewissenhaft und jederzeit erfüllt von seinen Idealen. Seine Bildung war reich und echt, sie stand in keinem Verhältnis zu seiner Bescheidenheit. Was er denen gegeben hat, die beruflich oder auch rein menschlich mit ihm verbunden waren, das ist in spärlichen Worten nicht auszudrücken; aber sein Andenken wird es allezeit lebendig erhalten. Martin Hausdorff. Breslau. Theater, Musik, Film Kammersänger Julius Lieban, der berühmte Vertreter des Mime und des David in den Wagnerschen Musikdramen, wurde am 19. Februar 80 Jahre alt. Lieban trat zum ersten Male im Wiener Stadttheater auf, wo er im Soloquartett des Chores sang. 1877 kam er nach Leipzig. Lieban sang zunächst kleine Bariton- und Bassrolien. Da wurde der, Vertreter des Mime krank: Lieban erbot sich, einzuspringen und sang am Abend sowohl den Donner wie den Mime mit so starkem Erfolg, dass er aufgefordert wurde, den Mime im „Siegfried" zu studieren. Lieban hat den Mime hunderte Male verkörpert, auch an der Wiener Hofoper, später unter Gustav M a h 1 e r. Lieban war nicht nur ein guter Sänger, sondern auch ein ausgezeichneter Darsteller mit Witz und Humor und einer Begabung zum Grotesken und Parodistischen. Er hatte eine Stimme von ungewöhnlichem Umfang. Bei seinem 25jährigen" Jubiläum an der Berliner Hofoper 1908 erannte ihn Kaiser Wilhelm II. zum Kgl. preussischen Kammersänger. Drei Jahre später schied er von der Hofbühne, sang aber bis zum Beginn des Weltkrieges an anderen deutschen Bühnen und jedes Jahr in Covent Garden in London. * In der Scala in Wien gelangt als nächste Novität unter der Regie von Professor Dr. Rudolf Beer das neue Stück von Hans J. Rehfisch „Erste Liebe" zur Aufführung. * Am Theater der Josefstadt in Wien ging soeben Grillparzers „Jüdin von Toledo" neuemstudiert unter der Regie und in dramaturgischer Bearbeitung von Ernst Lothar in Szene. Den König Alfons spielte Ernst Deutsch. * Der holländische Sender Hilversum überträgt am 25. Februar, 20 Uhr 50 Min. aus Amsterdam ein Sinfoniekonzert, dessen Dirigent Bruno Walter ist und bei dem Emanuel Feuermann als Solist mitwirkt. * Am 1. März, 2114 Uhr, ist Händeis „Judas Makkabäus" vom Sender Lyon zu hören. * Max Reinhardt ist eingeladen worden, nach Beendigung der Vorbereitungen zu den diesjährigen Salzburger Festspielen in London die „Fledermaus" zu inszenieren. # „Die schweigsame Frau", die jüngste Oper von Richard Strauss, Buch von Stefan Zweig, wird in der nächsten Spielzeit unter Leitung von Hans Knappertsbusch an der Wiener Staatsoper zur Erstaufführung gelangen. * Alexander K i p n i s singt in der Wiener Staatsoper erstmalig den Ochs im „Rosenkavalier". * Die Pianistin Heida Hermanns-Kolde spielte in Philadelphia in der UnitedJewish Campaign mit ausserordentlichem Erfolg Werke von Händel und Mendelssohn. Weiterhin wurde die Künstlerin von der Sendestation W.Q. Y. R., New-York, für regelmässige Konzerte an den Sonntagabenden verpflichtet. * Max Reinhardt wird demnächst einen neuen Film „Casino" inszenieren, dessen Buch von Ulrich S t e i n d o r f f und William Jacobs verfasst wurde.