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Central-Verein-Zeitung · 1937-02-25 · 8 (25.2.1937) · page 6

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vor, dessen Beginn als wichtiger Beitrag zur jüdischen Familiengeschichte gelten muss. Gomperz stammt beiderseits aus sehr lebenskräftigen, langlebigen Familien; sein sprachenkundiger Grossvater aus der weitverzweigten, angesehenen Familie Gomperz oder Gumpertz, wanderte von Holland nach Oesterreich ein, heiratete mit 60 Jahren, zeugte mit 76 Jahren sein jüngstes Kind und wurde 104 Jahre alt. Innerhalb dieser kinderreichen Familie war Theodor der einzige, den es schon ganz früh zur Wissenschaft zog. So zähe aber Wille und Fleiss des 1832 in Brünn Geborenen war, so frühreif und altklug sich Briefe und Gedichte aus seiner Jugend lesen, so frei und unabhängig seine geistige Haltung von jeher war, — er blieb immer unentschlossen, zaghaft, langsam. Früh erwählte er sich zum Vorbild den englischen Philosophen des Empirismus John Stuart Mill, mit dem er jahrzehntelang in brieflicher und persönlicher Verbindung stand. Schon als Student übersetzte Gomperz Mills „Logik"; aber er begann erst 15 Jahre später, 1869, gerade als er Professor in Wien geworden war, die Herausgabe von Mills Werken in deutscher Sprache. Und ähnlich war das Schicksal fast all seiner Arbeiten: zwischen den Vorstudien seiner Werke und der Vollendung lagen stets Jahre, oft Jahrzehnte. Sein Lehrer Bonitz musste den Zweiunddreissigjährigen, der noch nicht sein Doktorexamen gemacht hatte, förmlich zwingen, seine ersten Arbeiten in Buchform zu veröffentlichen: die Publikationen der „Kerkulanischen Rollen". Gomperz fühlte stets den Trieb zur zusammenfassenden Betrachtung der Philosophie in sich, namentlich wollte er die Philosophen des Altertums auf der Basis der empirischen Philosophie des 19. Jahrhunderts darstellen; aber länger als ein Menschenalter versank er in Kritik und Wiederherstellung antiker Texte. So war er schon drei Jahrzehnte lang als Philologe bekannt, als er zwischen seinem 61. und 73. Lebensjahr sein Hauptwerk, die Erfüllung seiner Jugendidee, „Griechische Denker", erscheinen Hess. Dieser erste Band seiner Lebensgeschichte umiasst die Jahre 1832—68: sein tastendes Beginnen als Gelehrter, seine fast zehn Jahre währende Untätigkeit, seinen seelischen Zusammenbruch, als ihm die Hand der Stieftochter von Mill versagt wird, und endlich seinen raschen Aufstieg auf Grund seiner ersten Publikationen, vom Studierzimmer unmittelbar zum Lehrstuhl des Professors. Gomperz ist ein bewusster Sohn seines positivistischen, empirischen Jahrhunderts; immer auf der Seite der Freiheit, in der Wissenschaft wie in der Politik, trotzdem aber niemals abtrünnig dem Judentum; innig verbunden seiner Familie, insbesondere seiner Mutter und seiner Schwester Josephine von Wertheimstein (Vertraute der Künstler Wiens von Grillparzer bis zu Hofmannsthal), sowie bedeutenden Männern des wissenschaftlichen Europa: neben Mill war er befreundet mit dem Literarhistoriker und Herausgeber der „Grenzboten", Julian Schmidt, mit dem Pariser positivistischen Philosophen Emil Littre, mit dem englischen Diplomaten, Dichter und Vizekönig von Indien Robert Lytton, mit dem grossen Philologen Otto Hirschfeld, mit Ludwig Friedländer, dem Verfasser der „Sittengeschichte Roms", und vielen anderen, von denen das Buch Dokumente und Porträts enthält. So ist hier die juweüer WwIgSfeliiniefz \ <^ Nürnberger Str. 56 {neben Woolworth) V klassische kulturhistorische Darstellung eines grossen jüdischen Gelehrten aus einer abgeschlossenen Epoche im Werden, wie sie sich Gomperz selbst gewünscht hatte: „Spiegelung der allgemeinen Interessen in einem Einzeldasein." Dr. Kurt Pinthus. Eine Ranke-Auswahl Leopold von Ranke: Geschichte und Politik. Herausgegeben von Hans Hofmann. Alfred Kröner Verlag, Leipzig. In „Kröners Taschenausgabe", dieser ebenso geschmackvollen wie wertvollen Sammlung zumeist edelsten Geistesguts, hat nunmehr auch der grösste deutsche Geschichtsschreiber Aufnahme gefunden. Der Herausgeber hat nicht etwa einzelne Kapitel aus den grossen Geschichtswerken des Meisters, sondern selbständige und in sich geschlossene Stücke aus den Kleineren Schriften und Reden ausgewählt. Es handelt sich keineswegs um „Nebenwerke", sondern um reife und vollgültige Meisterschriften, in denen teils der politische Publizist und Essayist, teils der akademische Dozent und geniale Geschichtsdeuter zu Worte kommt. Von den Beiträgen, die Ranke in der von ihm 1832 bis 1836 herausgegebenen „Historisch-politischen Zeitschrift" veröffentlichte, ist neben anderen die geniale Abhandlung „Die grossen Mächte", die in einzigartiger Weise die treibenden Kräfte der neueren Geschichte blosslegt, sowie das „Politische Gespräch", jener geistreiche Dialog über die Forderungen des Staates an den einzelnen, vollständig wiedergegeben. Die programmatische akademische Antrittsvorlesung „Ueber die Verwandtschaft und den Unterschied der Historie und der Politik" fehlt ebenso wenig wie die berühmten Vorträge „Ueber die Epochen der neueren Geschichte", die Ranke vor König Maximilian IL von Bayern hielt, und die in gedrängter Form eine Üebersicht über die Weltgeschichte vom Ende des Altertums bis in die neuere Zeit enthalten. Sehr dankenswert ist der Wiederabdruck der glänzenden Lebensbeschreibung Friedrichs des Grossen, die Ranke für die Allgemeine Deutsche Biographie verfasste. Das Zeitgeschehen berühren unmittelbar die Reden zum Kriege 1870/71. Der Band, vom Herausgeber mit einer biographischen Einleitung und wissenschaftlichen Nachweisen versehen, ist vorzüglich geeignet, in die Gedankenwelt Rankes einzuführen und das Studium seiner grösseren Werke vorzubereiten. Fritz Friedlaender. Baudelaire in neuer Uebertragung „Leser, hirtenfromm, beschaulich, / Sorgenfreier Biedermann: / Rühr dies Heidenbuch nicht an! / Lüste! Schwermut! Unerbaulich!" Es ist nicht die einzige Warnung, die Charles Baudelaire an seine Leser gerichtet hat. Seit er die „Blumen des Bösen" niederschrieb und der Oeffentlichkeit übergab, seit sie wegen Gefährdung des Anstands und der guten Sitten beschlagnahmt und später wieder freigegeben wurden, hat die polemische Auseinandersetzung um sein Werk und seine Person nicht geruht. Kaum ein Dichter des vergangenen Jahrhunderts ist so sehr Gegenstand der Betrachtung und Analyse gewesen wie der Verfasser des „Albatros". Bei kaum einem anderen dieser Epoche ist wohl auch so häufig der Versuch gemacht worden, in deutscher Nachdichtung ein Höchstmass von dem zu geben, was seinen Gedichten ihren einzigartigen Platz in der Literatur sichert. Stefan George, Paul Zech, Stefan Zweig schufen neben vielen anderen deutsche Uebertragungen. Nun gibt der Benno Schwabe Verlag in Basel eine Auswahl der Baudelaireschen ^Gedichte in französischer Sprache mit gegenüberstehenden deutschen Uebertragungen neu heraus. (Charles Baudelaire: Vers Choisis des fleurs du mal. Epaves. Supplement aux Fleurs du mal. Ausgewählt und übertragen von Walter Mooss.) Die Verdeutschungen von Mooss stehen zwischen den sprachstreng-zuchtvoll sich an die Diktion Baudelaires haltenden von George und den im formalen ganz gelockerten von Zech. Der Eifer, mit dem Baudelaire, nach einem Wort Georges, der Dichtung neue Gebiete eroberte und die glühende Geistigkeit, mit der er auch die sprödesten Stoffe durchdrang, dies beides wird der der westeuropäischen Dichtung noch nicht entfremdete Leser doppelt stark empfinden, wenn er in dem neuen Baudelaire-Buch von Walter Mooss die „Blumen des Bösen" französisch und deutsch neben- und nacheinander liest. H.B—n. Philipp Gibbs: Zwischen Ja und Nein. Universitas, Deutsche Verlags-Aktiengesellschaft Berlin. Dieser beliebte englische Erzähler versteht es, seine Familien- und Familienblattromane zeitgeschichtlich zu vertiefen, so dass ihr Wert weniger in den Menschen als in ihrer Menschlichkeit und in dem politisch-wirtschaftlichsozialen Zeitbild zu sehen ist, das den weitgespannten Hintergrund bildet. Die Zeit, die hier aufgerissen wird, ist die unruhige, wirre Nachkriegsepoche um das Jahr 1921, deren Krisen, Tendenzen und Wandlungen in allen europäischen Ländern verelendend auf die Menschheit wirkten. In der Mitte der Geschichte steht ein verabschiedeter, arbeitsloser englischer Offizier, -der zugleich in der „Mitte des Weges" steht, was den englischen Titel des Werks „The middle of the road" besser treffen würde als „Zwischen Ja und Nein". Er steht nämlich zwischen der altererbten aristokratischen englischen Tradition und den sozialistischen Ideen, er steht auch zwischen England und Irland, und er steht zwischen der Liebe zu seiner jungen, oberflächlichen, dünkelhaften Frau und der Liebe zum Volk. Die niederdrückende Buntheit des Zeitbildes, das Gibbs gibt, ist erregend und lehrreich. Wir sind dem Autor, der freilich Juden in recht ungünstigem Licht darstellt, für diese aufschlussreiche Erinnerung dankbar und verzeihen ihm, wenn die plötzlich einsichtig gewordene junge Frau ein bisschen allzu gewaltsam happy endlich zu ihrem Mann zurückfindet. _ K. P. „Die Ernte" ist ein „Sammelheft jüdischer Dichtung" benannt, das Adolf C h a - j e s unter Mitarbeit von Schalom Ben-Chor in im Manfred Rothschild Verlag, Jerusalem, herausgegeben hat. Das Heft enthält Proben aus neuen, noch unveröfentliehten Werken von M. Y. Ben-Gavriel, Georg Hirschf e 1 d, Ernst Lissauer und Ludwig Str auss, Essays von Oskar Baum und Alfred Wolfenstein sowie eine Reihe von Gedichten teils namhafter, teils weniger bekannter zeitgenössischer jüdischer Autoren. Auffällig ist, dass in fast keinem der Beiträge, sieht man von einer gewissen Resignations-, fast Ressentimentstiimmung in manchen der Gedichte ab, Ansätze dafür zu finden sind, dem Gegenwartserlebnis Form und Deutung zu geben. Die Dichtung dieses Büchleins ist Dichtung am Rande. So sprachschön und empfindungstief manche Verse sind; so reizvoll etwa für den Kafka-Verehrer die Betrachtung Wolfensteins: — man begreift, dass mit einem Sammelheft wie diesem der so häufig beklagten Indifferenz der jüdischen Leserschaft jüdischer Dichtung gegenüber kaum wirkungskräftig begegnet werden kann. —g— Kunstnachrichten Der österreichische Maler Oskar Ko* k o s c h k a wurde für drei Jahre als Austauschprofessor an das Miles College in Oakland (Kalifornien) berufen. Ein von ihm geschaffenes Porträt Masaryks erwarb die Carnegie-Stiftung. * Das Verzeichnis der amtlichen Führungen und Vorträge im Metropolitan-Museum New-York sieht für das Frühjahr u. a. Vorträge von Professor Erwin Panoffsky (früher Universität Hamburg) vor. * Im FrankfurterMuseum jüdischer Altertümer wurden neue Vitrinen ausgestellt, in denen eine reichhaltige Medaillensammlung von den Tagen der Makkabäer bis zur Gegenwart Beachtung verdient. Barockkunst ist mit Textilien aller Art vertreten, und jüdische Keramik mit italienischen Fayencen des 17. Jahrhunderts. * Das Brüsseler Museum erwarb eine Sammlung vorderasiatischer Kunst, Steinskulpturen, Inschriftentafeln und Goldschmiedearbeiten, die ein einheitliches Bild der sumerischen Kunst geben. * Die Jüdische Kunstgemeinschaft Köln hat eine Verkaufsstelle eingerichtet, die sich unter ehrenamtlicher Leitung von Irma Schür mann und unter tatkräftiger Betreuung von Helene Chan zu einem wertvollen Faktor im künstlerischen Leben des jüdischen Köln herausgebildet hat. Die Verkaufsausstellung ist rein sozial: die Kunstgemeinschaft tritt nur kaufvermittelnd und helfend auf. Sie schafft den Künstlern die Möglichkeit, ihre kleineren und grösseren Arbeiten in Kunstgewerbe und angewandter Kunst zu verkaufen, und im Laden Am Domhof 2 sind schöne Textilien, Keramik, Schmuck, Lederarbeiten, Buchbinderarbeiten, Metallarbeiten usw. zu sehen. * Dem „Neuen Wiener Journal" wird aus London gemeldet: Zwei österreichische Maler gleichen Namens veranstalten eben unabhängig voneinander Ausstellungen in London. Professor Philipp Kaufmann, der bekannte Wiener Künstler und Sohn des berühmten Malers Isidor Kaufmann, der als einziger österreichischer Maler in der Londoner Tategalerie mit einem Werk vertreten ist, ist wohl zum erstenmal in London, hat aber bereits einen wohlklingenden Namen in englischen Kunstkreisen. Die hervorragendsten Persönlichkeiten der Londoner Gesellschaft besuchten seine Ausstellung, unter, ihnen Mrs. Stanley Baldwin, Sir Herbert Samuel; Lord Melchett, Lady Swaithling und viele andere^ die auch Gemälde jies Künstlers für ihre Privat« galerien erworben haben. Zwei Bilder des Rothschild-Schlosses Enzesfeld, die ersten, die man hier von dem gegenwärtigen Aufenthaltsort des Herzogs von Windsor gesehen hat, haben viel Aufsehen erregt. Besonderen Beifall fanden; aber die interessanten Studien aus dem jüdischen- Milieu, deren starke Wirkung trotz der diskreten? Farbtönung und der einfachen Komposition gerühmt wurden. — In der Storrangalerie stellt der junge Salzburger Maler Wilhelm Kauf«» mann seine Aquarelle aus, die in Kunstkreisen; und unter den vielen englischen Festspielbesuchern grossen Anklang fanden. Wilhelm Kaufmann, der auch einige Porträts in England gemalt hat, ist mit der heimatlichen Landschaft innig verbunden und malt sie lebendig und anregend. Als Schüler Anton Faistauers gelingt es ihm in manchen Werken, den Stil seines verstorbenen Meisters fortzusetzen und ihn durch' seine eigene Persönlichkeit zu ergänzen. Zeitschriftenbibliographi e". Wie Dietrich, der Herausgeber, im Vorwort des 1. Bandes bemerkt, ist dieses Werk nach dem Muster des englischen „Index to Periodicals" und des amerikanischen „Literary Index" entstanden. Mit Hilfe dieser Sammlung, die erfreulicherweise auch Festschriften und andere solche Gelegenheitsarbeiten einbegreift, deren Inhalt nicht aus dem Titel hervorgeht, wurde eine Lücke innerhalb der allgemeinen Schrifttumskunde geschlossen. Wer heute wissen will, welche Arbeiten z. B. Alfons Paquet in Zeit- und Gelegenheitsschriften' in einem bestimmten Jahr veröffentlichte, braucht nur in dem betreffenden Jahrgang nachzusehen. Die Einteilung dieser Bibliographie ist stark katalogmässig, d. h. nach Stichworten statt nach Themen, nach Ueberschriften statt nach Inhalten geordnet. Man findet z. B. unter dem Stichwort „Theater" jedesmal eine Menge Arbeiten, die wenig oder nichts miteinander zu tun haben, während man etwa einen Aufsatz unter der Ueberschrift „Die deutsche Bühne" nicht dort, sondern bei „Bühne" fände. Das ist ein beachtlicher Nachteil, entschuldbar und hervorgerufen durch die ungeheure Fülle an Material. Bei Benutzung dieser Bibliographie muss man — wenn man nicht nach Verfassernamen vorgehen kann oder will — recht viel suchen, bis man alles Material zusammen hat. Die judaistische Literatur besitzt eine ähnliche Bibliographie. Diese Literatur ist an Katalogen nicht arm. Von Wolfs Bibliotheca Hebraea (1715—33) über Zeitlins Bibliotheca Hebraica Post-Mendelssohniana (Leipzig 1891 bis 1895) bis zu Friedbergs Beth Eked Sefarim (Antwerpen 1928—1931), sowie der Zeitschrift für hebräische Bibliographie (1896—1920) und der in Jerusalem ab 1924 erscheinenden Vierteljahresschrift „Kirjath Sefer" haben wir solch sichere wissenschaftliche Führer, dass der Forscher nur schwerlich ein Werk übersehen kann. Daneben gibt es hervorragende Kataloge der Bibliotheken, teils nach Namen geordnet wie Steinschneiders epochaler Catalogus librorum Hebraeorum in Bibliotheca Bodleiana (1852 bis 1860)1), teils nach Fachgebieten wie Freimanns Katalog der Judaica und Hebraica der Frankfurter Stadtbibliothek (1932)2). Die judaistische Zeitschriftenbibliographie Hess der damalige Bibliothekar der Bibliotheque nationale in Paris, Moi'se Schwab, 1900/03 erscheinen. Dieser von einer wahren Arbeitswut erfüllte Gelehrte, der neben der französischen Uebersetzung des jerusalemischen Talmuds etwa 420 Arbeiten veröffentlichte, brachte einen Katalog der judaistischen Journalartikel von 1783 bis 1900 zusammen. Dieses unschätzbare Werk, das zunächst nur hektographiert erschien, wurde 1914—23 zum zweitenmal aufgelegt und bis auf das Jahr 1665 ergänzt; es liefert uns also alle einschlägigen Artikel (in allen Sprachen) von 1660—1900'). Moise Schwab war durch seine Stellung als Leiter einer judaistischen Bibliothek hervorragend zu dieser Arbeit bestimmt. Vom Bibliothekar erwartet man derartige Nebenbeschäftigungen, die dann oft seine Hauptbeschäftigungen werden. Solch ein Posten ist vergleichbar dem eines Hochschullehrers, bei dem die amtlichen, erkenn- und zählbaren Funktionen neben dem Forschen eine nur untergeordnete Rolle spielen. Bekannt sind die vielen wissenschaftlichen Arbeiten von Bibliothekaren wie Münk (Paris), Fromer (Berlin), Freimann (Frankfurt a. M.), Heinrich Löwe. Die wenigen derartigen Posten, die die Juden Deutschlands heute noch vergeben und finanzieren können, müssen von solchen Männern besetzt sein, von denen man eine Arbeit von Dauer erwartet. J) Enthält auch die nicht in der Bodleiana in Oxford vorhandenen Werke, soweit sie vor 1730 gedruckt sind. Von diesem gleichzeitig biographischen Werk sind nur 150 Exemplare hergestellt worden.!) Der 2. Band, Hebraica, ist bis heute Manuskript geblieben. Es wäre eine wertvolle und notwendige Förderung der jüdischen Forschungen, den Druck des Katalogs der grössten Hebraica-Bibliothek Deutschlands zu finanzieren. 3) „Repertoire des articles relatifs ä l'histoire et ä litterature juive parus dang les periodiques de 1665-1900", Paris 1914/23. Der Bibliothekar der jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M., Dr. Ernst Blau, hat diese Aufgabe seines Amtes erkannt und sich an eine Arbeit gemacht, die eine wirkliche Lücke der judaistischen Bibliographie schliessen soll: er setzt die Schwabsche Arbeit fort. Mit anderen Worten: in den Räumen der Frankfurter jüdischen Gemeindebibliothek entsteht seit mehreren Jahren ein Katalog der judaistischen Zeitschriftenartikel ab 1900. Welchen Umfang diese Arbeit hat, ermisst man, wenn man einen Augenblick die in Frage kommenden Zeitschriften und Zeitungen Revue passieren lässt. Nach Blaus Darstellung sind etwa hundert Zeitungen mit im Durchschnitt dreissig Jahrgängen zu katalogisieren. Das Neue und Wesentliche an Blaus Arbeit ist, dass er die Artikel nach Inhalten ordnet, nicht nach Ueberschriften oder Namen. Schwab hatte nach Namen der Verfasser geordnet allerdings der ersten Auflage eine „Table des Matieres" hinzugefügt. Blau muss jeden Artikel selbst kennen, ehe er wissen kann, wohin er ihn zu ordnen hat. Für den Benutzer seiner Arbeit ist diese Anordnung eine ganz wesentliche Erleichterung, da man in Zukunft für jedes Gebiet die einschlägigen Artikel finden wird. Der Blauschen Systematik der Sub- und Koordinierung liegt der von ihm verfasste Katalog der Frankfurter Gemeindebibliothek (Frankfurt a. M. 1932) zugrunde, der seinerseits stark beeinflusst ist von der Anordnung des Judaica-Katalogs der Frankfurter Stadtbibliothek von Professor Freimann (Frankfurt a.M. 1932). Will z. B. jemand die Abhandlungen über hebräische Grammatik kennenlernen, so wird er etwa unter der Rubrik: Sprachwissenschaft und Literatur, semitische Sprachen, hebräische Sprache, Grammatik das Erwünschte finden. Oder soll etwa eine Arbeit über Jehuda Halevi geschrieben werden, so wird der Forscher die Zeitschriftenarbeiten teils unter Biographien, teils unter Poesie, teils unter Philosophie und endlich unter Geschichte, . Unterabteilung Juden in Spanien, finden. Eine solche Arbeit bringt die Gefahr mit sich, dem Verfasser über den Kopf zu wachsen. Da Blau nach Inhalten ordnet (ein Namenver-« zeichnis wird an den Schluss des Werkes kommen), kommt er naturgemäss langsam vor* wärts. Selbst wenn er sich nur auf deutsch* sprachige Zeitungen und Zeitschriften beschränkt, ist der Umfang riesengross, da es neben den etwa hundert ins Auge gefassten Zeitschriften auch einige nichtjüdische gibt, die unbedingt bearbeitet werden müssen. So z. B. die Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft und die Zeitschrift für Alttestamentliche Wissenschaft. Daneben wäre es angebracht, wenn die Fest- und Gelegenheitsschriften mitbearbeitet würden, da in ihnen, z. B. in der Festschrift für D. Simonsen (Kopenhagen) (1923) oder für M. Buber (1928) oft sehr wertvolle wissenschaftliche Arbeiten enthalten sind. Und wenn dann noch die hebräische, jiddische, englische und französische Journalistik miteinbezogen werden sollte, würde die Arbeit ins Ungemessene wachsen. In der Beschränkung zeigt sich auch hier der Meister. Es ist gut, dass Blau sich vorläufig auf die reichsdeutsche Presse und Gelegenheitsschriften beschränkt. ' Damit der Leser schnell die gewünschten Aufsätze findet, ist es erforderlich, Jahrgang, Nummer und Kalenderjahr der Zeitung anzugeben. Besonders ist das Kalenderjahr wesentlich, um unnötige Bestellungen und damit unnötige Ausgaben zu vermeiden. Man hat z. B. über die Septuaginta ein Buch aus dem Jahr 1925 gelesen und will die wesentlichen Zeitungsartikel haben, die danach noch erschienen sind. Den Jahrgang der Zeitschriften müsste man erst ins Kalenderjahr umrechnen, was immer lästig, oft sogar unmöglich ist. Die Blausche Arbeit wird sich noch einige Jahre hinziehen. Trotzdem kann sie den Forschern bereits heute unschätzbare Dienste leisten. Da eine ganze Menge jüdischer Zeitschriften bereits bearbeitet und die Artikel in mehreren tausend Karten nach etwa 750 Stichworten katalogisiert sind, kann man von mancher wichtigen Zeitungsabhandlung bereits

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