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Central-Verein-Zeitung · 1937-02-18 · 7 (18.2.1937) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
7 (18.2.1937)
Date
1937-02-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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kommt? Er mochte, dass auch der Gott der Juden Gelegenheit hätte, mit den stärkeren Bataillonen zu sein. Aber wenn er auch Bataillone in Kauf nimmt, die gar nicht an diesen Gott glauben — wo bleibt da der jüdische Sinn seines Unternehmens? Jabotinsky meint, dass die Anderen seinem Machtwillen gegenüber verständigungsbereit würden. So etwas kommt vor, wenn Macht überlegen ist. Ist aber der Realpolitiker Jabotinsky nicht in gefährlichen Illusionen befangen, wenn er meint, dass in dem Augenblick, wo er gerüstet ist, die Aera eines ewigen Friedens und ungestörter freier Weltwirtschaft anheben würde? Am Schnittpunkt weltpolitischer Völkerwege soll durch Macht ein Land aufgebaut werden, das dann durch Liebe unversehrt bleibt? Was man im Völkerleben allge- F?5fiz SuepSie Staat!, geprüft. Heilgehilfe. Massenr. Krankenpfleger, zugel. zu all. Krankenkass. Spez. Veraltete Ischiasu. Rheumaerkr. Sportverletzg..FigurausgL, Entfett.- Mass Charlottenburg 4, Wilmersdorfer Str. 125. C 1, 1948. mein Einsicht nennt, hängt meist von der Konstellation der Rüstungen ab. Sollte es mit der arabischen Einsicht anders werden, wenn die bewaffneten Bundesgenossen Jabotinskys einmal abgezogen sind, nachdem sie jenen die gewünschte Einsicht beigebracht haben? Wir glauben, uns zu erinnern, dass schon einmal ein jüdischer Staat durch Bündnispolitik zugrunde gerichtet wurde. Und schliesslich das Wichtigste: Jabotinsky hatnichtdasjüdischeVolk. In vielen Ländern ist eine Identifizierung mit seinen Radikalismen schon aus äusseren Gründen kaum denkbar. In Polen gelten die Massengesetze seiner politischen Propaganda nicht für die desillusionierten und skeptischen jüdischen Millionen. Der leidenschaftliche Protest aus dem dichtesten und elendesten jüdischen Zentrum, Polen, gegen Jabotinsky zeigt, dass seine Legitimation als Sprecher der Juden sehr begrenzt ist. Die polnischen Juden wollen nicht zu einem Glück Jabotinskyscher Prägung gezwungen werden, das auf Rüstungsabkommen und bewaffneten Bündnissen beruhen müsste und dessen ideelle Verbundenheit mit jenen polnischen Kreisen, die eine jüdische Evakuation wollen, ihnen keineswegs als Empfehlung erscheint. Sie lehnen ihn in ihrer grossen Mehrheit ab, weil er durch seinen unfruchtbaren Radikalismus eine mögliche Basis planmässiger Umsiedlung und Auswanderung jüdischer Menschen und Gruppen verhindert und bestehende Möglichkeiten zu zerstören droht. Und weil sie nur an eine jüdische Führung glauben, die durch den jüdischen Grundgehalt ihrer Anschauung legitimiert ist und die auf dieser Grundlage jüdische Taten aus eigener Kraft vollbringt, nicht aber gestützt auf Bündnisse mit Mächten, deren letzte Absichten dabei nicht ganz klar — oder vielmehr allzu klar sind. Südafrikas neues Einwanderungsgesetz in der Praxis Von unserem W.L.S.-Berichterstatter Erklärung italienischer Juden gegen den Bolschewismus Eine Gruppe von zwölf angesehenen italienischen Juden hat anlässlich der bevorstehenden Wahl des künftigen Vorstandes der Vereinigung der jüdischen Gemeinden in Italien und den Kolonien einen Aufruf an alle Mitglieder der jüdischen Gemeinden Italiens mit der Bitte um Unterschrift versandt. In dem Aufruf heisst es unter anderem: „Die Unterzeichner erklären, dass es die fundamentale Pflicht des Vorstandes der Vereinigung der jüdischen Gemeinden Italiens ist, der die grosse Masse der italienischen Staatsbürger jüdischer Religion vertritt, die Ehre ihrer Repräsentanten zu schützen gegen den vielfach zu Unrecht bestehenden Glauben an eine angebliche internationale politische Solidarität des Judentums, und sie versichern auf das allerentschiedenste, zugleich mit dem absolutesten Respekt für die Religion ihrer Vorfahren, ihre vollständige Anhänglichkeit an das Vaterland unter der Souveränität des königlichen und kaiserlichen Hauses von Savoyen, ebenso ihren tiefen Glauben an die faschistische Sache und ihre aufrichtige und unzweideutige Ablehnung all derer, wer sie auch sein mögen, die irgendein System des Kommunismus oder Bolschewismus verfechten oder publizieren. Ein System, das geradezu als Negation der Prinzipien der Religion, als schädlich für die menschliche Gemeinschaft und als im höchsten Grade verderblich für die Integrität des Staates betrachten." # In Anwesenheit des Oberrabbiners von Genua, Dr. Pacifici, fand die Gründungsfeier der Jüdischen Gemeinde von San R e m o statt. Die Gemeinde, der auch die Kurorte Bordighera und Ospedaletti angeschlossen sind, zählt etwa 100 Seelen. Für die religiöse Erziehungsarbeit an der Jugend der neuen Gemeinde wird; die Jüdische Gemeinde Genua Sorge tragen. Dank der Initiative des Oberrabbiners Dr. Pacifici fand auch in der Hafenstadt S p e z i a die Gründungsversammlung einer neuen jüdischen Gemeinde statt. Port Elizabeth, den 3. Februar. Noch am Tage seines Inkrafttretens, am 1. Februar, wurde die „Aliens Bill" gegen Einwanderer angewandt, die schon auf hohem Meere waren, als im Parlament noch um das Gesetz gekämpft wurde. 29 Passagiere der englischen „Warwick Castle", unter ihnen drei Juden, erhielten nur vorläufige, auf zwei Monate befristete Landungserlaubnis. Diese Tatsache illustriert, wie rasch die für das Gesetz eigens ernannte Verwaltungsbehörde arbeitet. Wer erwartet hatte, dass die von dieser Behörde, dem „Emmigrants Selections Board", jetzt veröffentlichten Ausführungsbestimmungen über die weitere Möglichkeit jüdischer Zuwanderung grössere Klarheit schaffen würden, der hatte sich getäuscht. Das Gesetz stellt bekanntlich an " den Einwanderer die Bedingung der „Assimilationsfähigkeit", ohne sie zu erläutern. Dass mit ihr die jüdische Einwanderung aus Deutschland getroffen werden soll, ist von General Hertzog gesagt, von dreien seiner Ministerkollegen geleugnet worden. Die Ausführimgsbestimmungen des Immigrants Board sagen darüber nichts, zeigen aber mit einer Fülle strenger Einzelvorschriften, auf Grund welcher Tatsachen der Board über die Einwanderungserlaubnis zu entscheiden gedenkt. Danach haben Einwanderungslustige einen Antrag an das südafrikanische oder britische Konsulat ihrer Heimat zu richten, der zur Entscheidung nach Pretoria weitergeleitet wird, mit der Befürwortung oder Ablehnung des Konsulatsbeamten. Nicht weniger als acht Photographien des Bewerbers sind beizulegen. Ausserdem sind erforderlich: beglaubigte Abschriften des Geburtsscheines, der Heiratsurkunde, polizeiliches Führungszeugnis, ärztliches Gesundheitsattest, beglaubigte Abschriften von Schul-, Fachschul- und Universitätszeugnissen, Berufszeugnisse der letzten fünf Jahre in dem Berufe, den der Einwanderer in Südafrika ausüben will, eine Charakterbeschreibung durch seinen gegenwärtigen Arbeitgeber, Uni erlagen über Religionszugehörigkeit und Vermögen. Diese Bestimmungen gelten nicht für Touristen. Diese haben jedoch im Landiingshafen dem Immigration Officer ausführliche Angaben über den Zweck ihrer Reise zu machen. Der Immigration Officer kann von jedem Touristen, falls er es für nötig hält, eine Sicherheit bis zur Höhe von 100 Pfund Sterling verlangen, die der Tourist bei seiner Ausreise zurückerhält. Die südafrikanische Presse unterstreicht vielfach die Notwendigkeit der neuen Einwanderungsgesetzgebung, hält aber, wie sich aus der Stellungnahme führender Blätter ergibt, die Kautschukbestimmung der „Assimilationsfähigkeit" für gefährlich oder gar für schädlich! Die jüdischen Zeitungen des Landes opponierten dieser Bestimmung ausserordentlich scharf. Der Johannesburger „Zionist Record" sagt, die Frage sei jetzt nur noch, ob das Gesetz die jüdische Einwanderung nur vermindern oder sie vollständ i g drosseln w7olle. Eine Antwort darauf könne nur die Praxis geben. Das englische Königspaar besucht das East End Am letzten Sonnabend besuchte das englische Königspaar zum erstenmal seit der Thronbesteigung Eduards VIII. das Londoner East End. Die Begeisterung der jüdischen Bevölkerung dieses Stadtviertels war ausserordentlich gross, um so mehr, als man die Tatsache, dass der Besuch auf einen Sabbat fiel, als Ausdruck ganz besonderer Sympathie des Königspaares aufiasste. Der Besuch war einige Stunden vorher angekündigt. Die Eingänge der jüdischen Häuser und Fenster waren daraufhin mit Flaggen und Girlanden mit den Aufschriften „Es lebe unser König und unse/e Königin. Gott segne sie" reich geschmückt worden. Als das königliche Auto sichtbar wurde, steigerte sich die Begeisterung bis zu ihrem Höhepunkt. Tausende von Juden, darunter patriachalische Gestalten Strenggläubiger in traditioneller Sabbattracht, viele hundert Jugendliche und Schulkinder brachten Hochrufe auf das Königspaar aus. Vor dem Heim der Jüdischen Legion in Whitechapel hatten die jüdischen Kriegsteilnehmer im Schmuck ihrer Orden und Ehrenzeichen Aufstellung genommen, und unter dem Jubelruf der Menge senkten sich die ehrwürdigen Fahnen der Legion zum Gruss. Nach einem Besuch im Volkshaus kehrte das Königspaar, das sich insgesamt eine Stunde lang in Whitechapel aufgehalten hatte, auf demselben Weg durch die jüdischen Strassen nach dem Buckhingham-Palast zurück. # Zur Erinnerung an das Krönungsjahr hat der jüdische Philanthrop Sir Albert Levy 10 000 Pfund für Wohlfahrtseinrichtungen gestiftet. Der Betrag wird unter 20 Wohlfahrtsinstitutionen aufgeteilt. Sir Albert hat 1929 einen Wohlfahrtsfonds gegründet, dem er Wertpapiere in der Höhe von 250 000 Pfund zugeführt hat. klasse 1330 jüdische Kinder eingeschrieben wurden, sank diese Zahl 1934 auf 1225, 1935 auf 1210 und 1936 auf 1100. Die Abnahme der Bevölkerung Oesterreichs Aus einer von der Amtsdirektion der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde veröffentlichten Statistik ergibt sich folgendes Bild der jüdischen Bevölkerungsbewegung Oesterreichs in den letzten Jahren: Nach dem Volkszählungsergebnis des Jahres 1923 wohnten in Oesterreich 220 208 Juden, davon 201513 in Wien. 1934 war die Zahl der Juden um 28 727 oder 13 Prozent auf 191491 zurückgegangen. Die jüdische Bevölkerung Wiens hatte sich um 25 479 Seelen auf 176 034, die der Bundesländer um 3248 auf 15 447 vermindert. Der Bevölkerungsrückgang beträgt somit in elf Jahren bei den Juden in Wien 12,6 Prozent, in den Bundesländern 17,3 Prozent. Die im Vergleich zur christlichen Bevölkerung unverhältnismässig starke Verminderung der jüdischen Bevölkerung ist hauptsächlich auf Geburtenrückgang zurückzuführen. Während die Zahl der jüdischen Geburten 1923 noch 2733 betrug, sank sie im Jahre 1928 auf 1362, 1933 auf 900 und 1936 auf 757. Die niedrigste Geburtenzahl (735) weist das Jahr 1935 auf. Unter Berücksichtigung von Geburten und Todesfällen, Eintritten ins Judentum und Austritten betrug die Verminderung der Zahl der Gemeindemitglieder 1923: 734, 1928: 1968, 1933: 2211, 1936: 2229. Dem starken Geburtenrückgang entspricht auch die Verminderung der Zahl schulpflichtiger Kinder. Während 1933 in die erste Volksschul- Um das polnische Problem Die Gesellschaft für Auswandererfürsorge „JEAS", über deren in Warschau abgehaltene Landeskonferenz wir in der vorigen Woche berichtet haben, veröffentlicht die EntSchliessungen, die das sachliche Ergebnis der Tagung darstellen. In den EntSchliessungen wird zunächst die Bedeutung der Auswanderung für das Leben der jüdischen Volksmassen anerkannt, die Teilen des verarmten jüdischen Volkes in Polen die Möglichkeit gäbe, sich in anderen Ländern einzugliedern; doch sei es schädlich, der jüdischen Bevölkerung den Auswanderungsgedanken aufzuzwingen. Andererseits sei eine von jüdischen Kreisen ausgehende Antiauswanderungskampagne einseitig und ungesund. Es sei erforderlich, die Auswanderungsmöglichkeiten auszunutzen und zu vergrössern. Dabei müsse jedoch vor ungenügend kontrollierten Projekten für Massenauswanderung gewarnt werden. Die Vorbereitung der Auswanderer auf dem Gebiete der sprachlichen und beruflichen Schulung sei zu reorganisieren. Fast gleichzeitig mit den Veröffentlichungen über diese Ergebnisse der Warschauer JEAS- Konferenz trifft die Nachricht von einem Interview ein, das ein Vertreter der Wiener ITA mit dem Revisionistenführer Dr. Wolfgang von W e i s 1 hatte. Dr. von Weisl hat im Auftrage der Neuzionistischen Organisation Besprechungen über die Verwirklichung der revisionistischen Evakuierungspläne durchgeführt. Nach seinen Berichten hat sich neben Polen nun auch Rumänien entschlossen, sich auf diplomatischem Wege für die Verstärkung der Palästinawanderung einzusetzen, wenn auch beide Mächte erst den Bericht der Königlichen Kommission abwarten müssten. Anlässlich der Beratung der Investitions¬ und Arbeitsbeschaffungspläne der Regierung haben die jüdischen Abgeordneten im Sejm jüdische Probleme zur Sprache gebracht. Dr. G o 111 i e b verwies darauf, dass die judenfeindliche Bewegung das polnische Wirtschaftsleben unterhöhle. Dr. Sommerstein forderte gleiches Recht auf Arbeit für alle Bürger des Staates; die Juden verlangten keine Investitionen speziell zu ihren Gunsten. Die beiden jüdischen Abgeordneten wurden während ihrer Ausführungen häufig durch Zurufe nationaldemokratischer Abgeordneter unterbrochen. Der Abgeordnete Marchlewski wandte sich gegen die Rede Dr. Gottliebs und erklärte, das polnische Volk sei erwacht und werde auf wirtschaftlichem Gebiet nicht mehr Harakiri machen. Die jüdischen Studenten in Wilna haben zum Zeichen des Protestes gegen die passive Haltung der Universitätsbehörden, die sie gegen die Ueberfälle durch nationaldemokratische Studenten nicht in Schutz genommen und sie aufgefordert haben, sich mit der Reservierung der Ghettobänke für sie einverstanden zu erklären, einen 24stündigen Hungerstreik durchgeführt. An dem Streik nahmen 550 jüdische Studenten teil. Die jüdische Bevölkerung. Wilnas und ganz Polens fiat ihnen Sympathtelrnndgebungea geschickt. Vertreter eines Teiles der. polnischen Studentenschaft haben eich mit der Protestaktion solidarisch erklärt. Der Rektor der Universität Wilna hat die Vorlesungen der juristischen Fakultät einstellen lassen. Der Gouverneur von Wilna hat erklärt, wenn sich die Unruhen wiederholen sollten, werde die Polizei die Universität besetzen. * Das Landwirtschaftsministerium hat die Quote des für rituelle Schlachtung freigegebenen Viehs um die Hälfte gekürzt. Man will durch diese Massnahme die jüdischen Fleischer dazu veranlassen, vom Verkauf der hinteren Teile des geschächteten Viehs an Nichtjuden abzusehen und durch Entfernung der Adern aus diesen Fleischteilen das Fleisch für den Genuss nach den rituellen Vorschriften zulässig zu machen; der Schritt ist auf die Befürchtungen der nicht jüdischen Schlächter, der Verkauf von Fleisch aus jüdischen Läden an Nichtjuden werde sie zugrunde richten, zurückzuführen. _ K. J. R. Erklärung der Dienstpflichtigen über ihre Abstammung Der Reichsinnenminister und der Reichskriegsminister haben eine Verordnung über das Erfassungswesen vom 15. Februar 1937 (RGBl. I, S. 205) auf Grund des Wehrgesetzes erlassen. § 10 der Verordnung bestimmt, dass jeder Dienstpflichtige von der polizeilichen Meldebehörde über den Begriff des Juden zu unterrichten ist. Er hat folgende Erklärung abzugeben: „Mir sind nach sorgfältiger Prüfung FH^h Ki-anfll Malermeister. BERUM ff 50 CI ihH fM£3ält£2 MarburgerStr.2lTe!.:B4Bav.0830 keine Umstände bekannt, die die Annahme rechtfertigen könnten, dass ich Jude bin. Ueber den Begriff des Juden bin ich unterrichtet worden. Mir ist bekannt, dass ich die sofortige Entlassung aus dem Reichsarbeitsdienst und dem aktiven Wehrdienst zu gewärtigen habe, falls diese Erklärung sich als unrichtig erweisen sollte." Wird die Erklärung abgegeben, so kann angenommen werden, dass der Dienstpflichtige nicht Jude ist. Wird eine solche Erklärung nicht abgegeben, so hat der Dienstpflichtige den Abstammungsnachweis durch Vorlage der Heirats- oder Geburtsurkunden der Eltern, in Zweifelsfällen auch derjenigen der Grosseltern zu führen. Das gleiche gilt, wenn Tatsachen bekannt sind, die für eine andere als von dem Dienstpflichtigen behauptete Abstammung sprechen. Der Dienstpflichtige kann, bis der.. Abstammungsnachweis erbracht ist, zum aktiven W^hrtdienst und Reichsarbeitsdienst herangezogen werden. Die Kreispolizeibehörde kann von Amts wegen Ermittlungen über seine Abstammung anstellen und, falls sie erfolglos bleiben, ein Gutachten der Reichsstelle für Sippenforschung einholen. iSfeue jüdische Geschichtsforschung Die „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" eröffnet ihren siebenten Jahrgang mit einem Heft, das durch seinen reichen und wertvollen Inhalt dazu angetan ist, die Aufmerksamkeit der an unserer geschichtlichen Vergangenheit interessierten Kreise zu erwecken. In einem Aufsatz „Rabbi Joseph von Schlettstadt. Zur Geschichte der Familie Treves" setzt Rabbiner Heymann C h o n e seine auf neu entdecktem Material fussenden Forschungen über die jüdische Lage zur Zeit des Konstanzer Konzils fort. — Selma Stern-Täubler, die bekannte jüdische Historikerin, veröffentlicht eine grosse Abhandlung über „Die Behördenorganisation Friedrich Wilhelms I. und die Juden". Diese ausgezeichnete Untersuchung ist als eine Fortsetzung ihres grossen zweibändigen Werkes über den „Preussischen Staat und die Juden" anzusehen. Sie stellt die Neuordnung der jüdischen Verfassung dar, die unter Preussens „grösstem inneren König" vorgenommen wurde. Die Juden Berlins standen unter dem Geheimen Rate, der Zentralbehörde des Gesamtstaats, und einer von dieser Behörde abhängigen, aus dem Justizminister und einigen Räten des Kammergerichts bestehenden Judenkommission, in den Städten der Mark Brandenburg und der Neumark unter dem Magistrat jedes Ortes, in den Provinzen unter den Regierungen. Durch das Generalprivilegium für alle Juden der Monarchie von 1730 wurde die Judenordnung abgeschlossen. — Auf ein höchst merkwürdiges und umstrittenes literarisches Produkt der Emanzipationszeit geht anschliessend Hans Bach in einem Aufsatz „Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser" ein. Die Untersuchung ist aus einer Biographie des grossen klassischen Philologen Jacob Bernays hervorgegangen, die er demnächst erscheinen lassen wird. Die eigenartige Schrift „Der Bibel'sche Orient" ist eine frühkonservative Erscheinung im Judentum gewesen, die eine Verbindung zwischen legitimem Judentum und abendländischer Kultur herstellen wollte. Es ist zu vermuten, dass der berühmte Hamburger Rabbiner Isaak Bernays der Verfasser der Schrift gewesen ist. — Ein Hinweis auf das Forschungsunternehmen der „Germania Judiaca", ein kleinerer Beitrag zur Geschichte der rheinischen Juden aus der Feder Adolf Kobers sowie zahlreiche Buchbesprechungen - beschliessen das Heft (Philo Verlag). F. F. Hauptschriftleitni: Dr Alfted Hitschberg; Stellvertreter und verantwortlich für die Aufnahme von Bildern: Dr Margarete Edelbeim Verantwcrt- .'ich für Spoit: Dr. Emst G. Lfiwenf hal, sämtlich in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist FTeiumscblag beizufügen. Leiter der Anzeigen Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Natbsn. Berlin. DA IV Vj 40 000. PI. 5. Verlag: Jüdische: Ceutral Verein e V.. Berlin W 15, Emser Strasse 42 Druck der Buch und Tiefdruck Gesellt schaß mbH. Berlin SW 19.

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