Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 5 (4.2.1937)
- Date
- 1937-02-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Sport blander C.I6 Tischtennis: — Sport oder Spiel? Der Kampf um den kleinen weissen Zelluloidball, dessen Weltmeisterschaften zurzeit in Oesterreich unter regster Beteiligung der Besten aller Nationen ausgefochten werden, hat nicht nur auch im jüdischen Sport Deutschlands Eingang gefunden, sondern steht oft zwangsläufig im Mittelpunkt de9 sportlichen Programms zahlreicher kleinerer jüdischer Vereine der Provinz. So hört man Sonntag für Sonntag von Vereinswettkämpfen, von Mannschafts- und Einzelmeisterschaften der Bezirke und Verbände, liest da und dort von spannenden Begegnungen zweier, bis zur Erschöpfung um den Sieg streitender Gegner und — stösst immer wieder auf die Ansicht: Tischtennis sei kein Sport, vielmehr lediglich ein unterhaltendes Gesellschaftsspiel. Durch die Bildung eines Internationalen Tischtennis Verbandes und die stetige Ausschreibung von offiziellen Länderkämpfen und Weltmeisterschaften dürfte jene Ansicht bereits widerlegt sein. Tischtennis ist absolut sportlich, weil man alle die Elemente, die den Begriff Sport ausmachen, in ihm enthalten findet. Man beobachte einmal einen oft ein bis zwei Stunden dauernden Fünf-Satz-Kampf ehrlich und ernsthaft miteinander kämpfender Gegner, und die Feststellung körperlicher Tätigkeit wie einer Beanspruchung der Muskulatur fällt nicht schwer. Beim Tischtennis arbeitet nicht nur die den Schlag ausführende Armmuskulatur; denn zum Erreichen der Bälle, die der Gegner scharf und genau in die Ecken oder knapp hintver das Netz placiert, die hoch über dem Tisch oder weit hinter der Spielplatte angenommen werden müssen, wird in erheblichem Masse die Beinmuskulatur, die Sprung- und Schnellkraft der Spieler ,beansprucht. Ein erfolgreicher Tischtennisspieler muss geistesgegenwärtig sein; er wird wie jeder andere Sportler nur dann bestehen können, wenn er beste Kondition, letzten Einsatz seiner Korper- und Nervenkraft in die Wagschale zu werfen hat. Der Tischtennissport erfordert dazu ein hohes Mass konzentrierter geistiger Disziplin; das liegt in der Natur dieser Sportart. Die oft unheimlich schnelle, stets abwechslungsreiche Ballfolge bedingt notwendigerweise entsprechend schnelle Willensentschlüsse, die nur von dem gefasst werden können, der sich zu konzentrieren versteht und alle Kräfte des Willens anspannt. Training und immer wieder Training nicht nur des technischen Rüstzeugs, sondern in gleichem Masse (durch Ausgleichsport) der Kondition sind weitere Beweise für den sportlichen Wert. Natürlich wird man, um sein Urteil fällen zu können, nicht jene Tischtennisspielenden, die mit unzulänglichen Mitteln und in ungeeigneten Räumen, vielleicht zu Hause auf dem Esszimmertisch „Ping-Pong" spielen, als typische Vertreter dieser Sportart ansehen dürfen. Das stimmt: in diesen Fällen, wo schon das Aufheben der Bälle Aerger bereitet und ungern geschieht, hat man mehr den Eindruck eines Gesellschaftsspiels mit höchstem sportlichen Einschlag als den Eindruck einer sportlichen körperlichen Tätigkeit. Aber bestimmt man den Wert anderer Sportarten auch nach dem Bild, das man gewinnt, wenn man Menschen sieht, die sich vielleicht ganz zufällig mit unvorschriftsmässigen Geräten in einer Sportart versuchen? Gewiss.nicht! Also sind diese Tischtennisspieler auch kein Massstab für die Bestimmung des sportlichen Werts des Tischtennis, sondern allein die, die Tischtennis bewusstermassen als Sport nach sportlichen Regeln und mit sportlichem Einsatz betreiben. —nn Reichsturnmeisterschaften des „Schild" inHamburg Jurke (Breslau) siegte vor Rothenberg (Hannover) Die ersten Reichsturnmeisterschaften des Schild-Sportbundes, mit deren Durchführung die Sportgruppe Schild Hamburg betraut war, nahmen am 31. Januar vor einer grossen Zuschäuermenge einen glänzenden Verlauf. Nicht nur in organisatorischer Hinsicht, sondern auch in sportlicher Beziehung wurden die Erwartungen, die man an die erste Veranstaltung dieser Art geknüpft hatte, übertroffen. Die hatte man am Schluss der Veranstaltung den Eindruck, dass tatsächlich in allen Teilen des Sportbundes im Turnsport gute Arbeit geleistet wird. In den am Vormittag ausgeführten Pflichtübungen erwiesen sich der Breslauer Jurke mit 104 Punkten, der Hannoveraner Rothenberg mit 101 Punkten und der Bonner Dr. Moses mit 101 Punkten als die Besten. . .Zwischen ihnen entspann sich auch am Nachmittag , bei den drei ausgeschriebenen Kürübungen (Pferd quer, Barren und Reck) ein ungemein spannender Herbert Jurke (Breslau) bei den Turnmeisterschaften des „Schild" Fot. Martin Dzubas 18 Teilnehmer zeigten eine überraschend sichere und abgerundete Leistung, was um so erfreuf licher ist, als die Turner aus den verschiedensten* Teilen Deutschlands, aus Tilsit, Bonn, Breslau, Hannover, Berlin und Dortmund nach Hamburg gekommen waren. So \l I5 >5 i Vot Siod jund Sify Sonnabend, 6. Februar Breslau Boxen: Kampfabend des Bar Kochba Breslau— JBC Maccabi-Berlin, 20K Uhr, Max Nordau-Halle, Neudorfstrasse 100. Frankfurt a. M. Boxen: Grosskampfabend des Philanthropin, 20K Uhr, Turnhalle des Philanthropin. Sonntag, 7. Februar Berlin Zwischenrunde um den Bezirkspokal des Deutschen Makkabikreises im Handball und Fussball: Berliner Auswahlmannschaft — Westdeutsche Auswahlmannschaft, Sportplatz Grunewald, 13% Uhr und 15 ühr. Handball: Verbandsspiele u. a. Triton I—ISK II, 14 Uhr; IBC Berlin I—Bar Kochba 2. Jugend, 12** Uhr; Helve-tia I—Bar Kochba V, 11% Uhr; ISG 33 III —Bar Kochba 1. Jugend, 10K Uhr; Kanuclub I— ISG 33 V, löYi Uhr; Bar Kochba 1. Frauen—Damen R. C. I, 12% ühr. Sämtliche Spiele: Sportplatz Grunewald. Fussball: Verbandsspiele tu a. ISG 33 1. Schüler— Hagibor 1. Schüler, 14 Uhr 40 Min.; ISK 1. Schüler— Hakoah 2. Schüler, 15 Uhr 10 Min. Beide Spiele: Sportplatz am Schäfersee. Schlesien Tischtennis: Niederschlesische Tischtennismeisterschaften des Sportbundes, offen für alle Sportgruppen des Reichs, vor- und nachmittags, Breslau, Vereinshaus, Kürassierstrasse 15. Ski: Lang- und Torlauf, offen für alle jüdischen Skiläufer und -läuferinen, in Damen-, Jungmannen-, Senioren- und Altersklassen (Durchführung: Sportgruppe Breslau). Vor- und nachmittags. Start und Ziel: Margarethenbaude, Bad: Reinerz. Für Sportbundmitglieder: Wertung um die Meisterschaft von Niederschlesien im komb. Lauf. Rheinland-Westfalen Boxen: Ausscheidungskämpfe der Westdeutschen Sehildboxer für die Verbandsmannschaft gegen den Makkabi; ferner „Tag des unbekannten Boxers", Herne, Jueendheim, Bahnhofstrasse. Beginn um 16.30 Uhr. Tischtennis: Mannschaftsmeisterschaft Schild Bocholt—ISV Wuppertal, Bocholt, Schildheim; Schild Goch—Schild Bochum, Goch, Schildheim. Handball: Puuktespiele. TUSPA Krefeld Frauen gegen Schild Bonn Frauen, Bonn, Sportplatz des Schild; Schild Düren Frauen—Schild M.-Gladbach Frauen, M. - G1 a d b a c h , Platz am Alten Wasserturm. Fussball: Punktespiele. Schild Bochum I—Schild Oberhausen I,. ISG Dortmund Ia—Schild Gelsenkirchen I; 1SV Wuppertal Schüler—Schild Oberhausen Schüler; ISG Dortmund Schüler—Schild Gelsenkirchen Schüler, Gelsenkirchen, Sportplatz Bergmannstrasse. Schild M.-Gladbach I gegen Schild Düren I; Schild M.-Gladbach II—Schild Düuen II, M. - G1 a d b a c h , Platz am Alten Wasserturm. Schild Bonn I—TUSPA Krefeld I: Schild Bonn II gegen TUSPA Krefeld II; Schild Bonn Schüler gegen TüSPA Krefeld Schüler, Bonn, Sportplatz des Schild. ITV 02 Köln I—Schild Düsseldorf I: ITV 02 Köln 2. Schüler—Schild Düsseldorf Schüler. Köln- Mülheim, Sportplatz des Schild, Fort 11. Südwestdeutschland Fussball: ISV Offenbach I —Schild Mainz I, Offenbach, 15 ühr, vorher 2. Mannschaften. Schild Frankfurt a. M. I—ITB Frankfurt a.. M. I, Frankfurt, a. M., 11 Uhr. Schild Frankfurt am Main II—Schild Frankfurt a. M. A. H., Frankfurt a. M., 13 Uhr. ISV Offenbach Schüler gegen Philantropin Schüler A, O f f e n b a c h, 12% Uhr; TC 03 Karlsruhe—Schild Stuttgart, Karlsruhe, 15 Uhr. Schild Mannheim—ISV Heidelberg, Mannheim, 15 ühr. Handball: Schild Wiesbaden I—Schild Frankfurt a. M. II, Wiesbaden, 15 Uhr; vorher Frauen gegen Schild Frauen B und Jugend—ehemalige Philanthropin-Jugend. Schild Frankfurt a. M. I—Sportgruppe Darmstadt I, Frankfurt a. M., 15 Uhr: ISV Offenbach Frauen — Schild Frankfurt a. M. Frauen A, O f f e n b a c h, 15 ühr. Leipzig Tischtennismeistersehaft des Deutschen Makkabikreises am 6. und 7. Februar, Turnhalle der Höheren Israelitischen Schule. Kampf, der erst beim letzten GerM, am Reck, entschieden wurde. Mit je 136 Punkten gingen Jurke und .Rothenberg in diese Uebung. Nach einer wunderbar durchgeführten Leistung hielt Rothenberg die Zuschauer in Bann. Schon glaubte man in ihm den neuen Reichsmeister zu sehen, da passierte ihm beim Abgang das Pech, dass er mit einem Bein hinterhakte und zu Fall kam. . Wertvolle Punkte gingen hierdurch verloren, und als Gerhard Jurke (Breslau) bald darauf seine Kürübung mit unglaublicher, beinahe artistischer Gewandtheit und Körperbeherrschung durchführte, war die Entscheidung gefallen: Jurke wurde Reichsmeister des Sportbundes. Mit 155 Punkten siegte er mit vier Punkten Vorsprung vor seinem tapferen Gegner Rothenberg (151 Punkte) und Dr. Moses, der auf 145 Punkte kam. Der Sportdezernent des „Schild", Walter Beck, übergab den Siegern die Ehrenurkunden, dem Reichsmeister zudem einen von Dr. Curt Elsbach gestifteten Wanderpreis sowie einen weiteren Ehrenpreis der Israelitischen Gemeinde Hamburg. Erwähnenswert ist, dass die Sportgruppe Hamburg, der als Veranstalterin dieser reibungslos und harmonisch durchgeführten Meisterschaften ein besonderes Lob gebührt, dem ältesten Teilnehmer, Leopold Krebs, für seine schöne Leistung einen besonderen Ehrenpreis überreichen liess.- Die Ergebnisse Reichsmeister 1937 des Schild-Sportbundes im Geräteturnen . Gerhard Jurke (Breslau) 155 Punkte, 2. Walther Rothenberg' (Hannover) 151 Punkte, 3. Dr. Otto Moses (Bonn) 145 Punkte, 4. Manfred Rosenberg (Breslau) 139 Punkte, 5. .Ludwig Fleischmann (Hannover) 134 Punkte, 6: Boris Kogen (Berlin) 132 Punkte, 7. Kurt Stiefel (Hannover) 130 Punkte, 8. Alfons. Abraham (Breslau) 127 Punkte, 9.. Willy Leiser (Berlin) 122 Punkte, 10. .Schartenberg (Hannover) 121 Punkte, 11. Hermann Chaym (Berlin) 119 Punkte, 12. Hermann Lewhv (Tilsit) 118 Punkte. Karze Sportnotizen Europa-Tournee der Wasserballer des Makkabi Haifa Eine längere Wettspielreise nach Europa wird die ausgezeichnete Wasserballmannschaft des Makkabi "Haifa, der einige hervorragende frühere Mitglieder der Hakoah Wien angehören, im August und September unternehmen. Vorerst sind mehrere Spiele in Oesterreich, der Tschechoslowakei, in Polen und Litauen abgeschlossen. Ungarns Fechter im Florett geschlagen Ein ungarisches Fechtteam, das sich zurzeit auf einer Nordlandreise befindet, startete kürzlich in Kopenhagen gegen eine dänische Florett-Auswahlmannschaft und musste sich mit vier gegenüber fünf Siegen der ausgezeichneten Dänen geschlagen geben- Der Olympiasieger im Säbelfechten, Endre K a b o s, war auf Seiten der Ungarn, wie überhaupt, der beste Mann. Er allein konnte jedoch die Niederlage nicht abwenden. Bei den Dänen war der jüdische Fechter Simonsson beteiligt. Im Rahmen der Veranstaltung führten die Ölympiasiegerin Ilona Elek-Schacherer und die dänische Meisterin Lachmann ein Schaugefecht vor. „Kid" Bergs cqme back Der frühere britische jüdische Weltmeister im Le i ch t g e w i ch t, „Kid" Berg, hat sein Versprechen, sich vom aktiven Sport zurückzuziehen, nicht balten können. Nach langer Pause stand er kürzlich wieder im Ring. In London schlug er den Waliser Weltergewichtsmeister Ivor Pickens nach Punkten, ohne allerdings in seiner Form schon vollends befriedigen zu können. Jüdische Eiskunstläuferin siegte in Zürich Im Rahmen der Internationalen Kunstlaufmeisterschaften von Zürich startete im Wettbewerb der Junioren die ungarisch-jüdische Läuferin Kläri E r d ö s. Mit klarer Ueberlegenheit und glänzenden, in der Fachpresse lobend erwähnten Leistungen gewann sie die gut besetzte Konkurrenz vor der Pragerin Hilde Popper« Ungarn—USA im Tischtennis Vor ihrem Start auf den Weltmeisterschaften versuchte sich die amerikanische Tischtennis- Vertretung in Budapest gegen eine Auswahlmannschaft der Ungarn. Trotz der im Ergebnis klaren 4 :12 - Niederlage gegen die Ungarn, die in Bella k, Bar na und Szab a d o s ihre Stützen hatten, machten die Amerikaner einen vorzüglichen Eindruck, zumal sie den Kampf direkt nach einer langen ermüdenden Reise aufgenommen hatten. Namentlich die Weltmeisterin Ruth A a r o n s, die ihre sämtlichen Partien gewann, zeigte sich in blendender Form. Glickmann startete in der Halle Der jüdische Weltrekordsprinter Martin Glickmann (Amerika) von der Syracuse-Universität startete bei dem traditionellen Hallensportfest in Brooklyn mit bestem Erfolg. Er bestritt einen Sprinterdreikampf, gewann den ersten Lauf in 8,7 Sekunden, den zweiten über 60 Meter in 6,9 Sekunden und musste sich nur über 100 Meter, für die er 10,7 Sekunden benötigte, geschlagen geben. Sandler beteiligte sich auch in diesem Jahre an dem 500-Meier-Rennen, das er in den letzten beiden Jahren gewinnen konnte. Nach kurzer Führung wurde er jedoch nur Letzter. Trade Freund wieder aktiv Die frühere tschechische Schwimm« meistenn Trade Freund, die lange Zeit infolge eines Beinbruchs an jeder sportlichen Betätigung ' verhindert war, scheint so weit genesen zu sein, dass man in nächster Zeit wieder von ihr hören wird. Sie hat bereits ihr Training aufgenommen, Seelig kommt m Form Erich Seelig, der nach seiner überraschenden Niederlage gegen Harry Belsamo lange Zeit nicht im Ring war, boxte kürzlich wieder mit bestem Erfolg in New-York. Gegen Eddy Mc Quire, einen der besten Leute seiner Gewichtsklasse, erreichte er über zehn Runden ein ehrenvolles Unentschieden und bewies damit, dass mit ihm in Zukunft wieder zu rechnen sein wird. Der Deutsche Makkabikreis veranstaltet am K e i 1b e r g am 28. Februar seine diesjährigen S k i - meisterschaften. Zur Durchführung, die dem Verein jüdischer Bergsteiger und Skiläufer übertragen worden ist, kommen Abfahrts- und Langlauf für Damen und Herren und für Alte Herren. Im Rahmen der. Meisterschaften sah. man die Mädchenabteilung des . Hamburger Schild mit einigen flott durchgeturnten Uebungen am Doppelbock, die. von den Zuschauern beifällig aufgenommen wurden. Der Beifall steigerte sich noch, als die Mädels den . bereits vor .einigen Wochen anlässlich einer Winterhilfsveranstaltung vorgeführten „Matrosentanz". wiederholten,, der .-.durch die Exaktheit, mit der er ausgeführt wurde, seine Wirkung nicht verfehlte. . Peter Hartig Sportbetrieb überall Berlin Neue Turnhalle im Südosten Im Süden Berlins, in der Oranienstrasse, hat die Berliner Jüdische Gemeinde dankenswerterweise eine neue Trainingsstätte eingerichtet, die bereits den Vereinen zur Ver-