Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 5 (4.2.1937)
- Date
- 1937-02-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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das Heidentum überwinden und 'den Weg zu seiner .Wahrheit finden, den Juden aus dem Sein allein zu erklären, das eben wäre gerade das säkularisierteste Judentum. Man i s t wohl Jude durch Geburt, aber man muss es trotzdem immer aufs neue erst werden. Man ist noch nicht am Ziel, wenn man das Joch des Himmelreiches im Gesetz auf sich nimmt, denn dann beginnt erst das Ringen um das Gesetz und den Weg zu ihm. Und wäre es richtig, dass man damit am Ziel wäre, dann wäre auch der Christ am Ziel und nicht mehr auf dem Weg, sobald er in der Sicherheit der Erlösungstat lebt. Und ist es nicht geradezu ausschlaggebend, dass die Summe jüdischen Frommseins durch den Begriff des Halacha umschrieben wird, der auf den Weg des Tuns und den Weg zum Tun deutet? Ein Wort wäre noch anzufechten. Maybaum bezeichnet es als den grossen Unterschied des Westjudentums vom Ostjudentum, dass im Westen das Judentum aus seiner Stummheit erlöst worden ist und es sagbar gemacht hat, das Ostjudentum aber in aller seiner Tiefe und Ursprünglichkeit doch stumm blieb. Hier wäre zu fragen, so richtig die Beobachtung ist, wenn es sich um die Auseinandersetzung mit der Umwelt handelt, um die Rechtfertigung des Judeseins vor dem Juden selbst, ßt das schliesslich das Wichtigste, das Judentum in diesem Sinne sagbar zu machen? Und ist nicht im Ostjudentum diese Stummheit nur scheinbar? Ringt es nicht in seinem rabbinigchen wie in seinem chassiddsehen Zweig ständig um die Frage, wie man sich als Jude in der Welt und vor der Welt rechtfertigt? Es ist nur eine andere Form des Sagbarmachens. Dass es nicht in der westlichen Form geschah, lag doch nur daran, dass die Beziehung zur Umwelt nicht da war. Man müsste einmal in kommenden Jahren untersuchen, ob dann auch nur das Wort noch zuträfe. Das alles aber sind nur Dinge an der Peripherie, sie sind genannt, weil Schweigen Zustimmung bedeutet, und es käme vielleicht in einem anderen Zusammenhang grad darauf an. Deshalb bleibt das Buch in seiner Geltung; und es zu lesen, aufmerksam zu lesen, ist Pflicht und Gewinn. Vielleicht das Stärkste in ihm ist der Satz, dass es die spezifische jüdische Erwählung ist, „der Zedeka, der guten Tat, unpolitisch zu dienen, also nicht als politischer Streiter, sondern als der unpolitisch Aktivität Entfaltende", Bücher Michael Friedländer, Die jüdische Religion. Aus dem Englischen übersetzt von Josua Friedländer. 3. Auflage. J. Kauffanaiin Verlag, Frankfurt a. M. Unter den Büchern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, eine gemeinverständliche Darstellung des Judentums zu bieten, nimmt das jetzt in dritter Auflage erschienene Buch von Professor Dr. Michael Friedländer einen hervorragenden Platz ein. Dieses Werk will keine Streng fachwiesenschaftliche Behandlung der grossen Stoffgebiete geben, es verzichtet "darum bewusst auf Originalität, sondern bietet eine gehlichte, klare und allgemeinverständliche Darstellung der jüdischen Religion. Der Autor geht vom Begriff der Religion aus. Er erklärt Religion als „die Empfindung einer gewissen Beziehung seiner selbst zu einem höheren Wesen, von dessen Willen seine Existenz abhängt/' Das Entscheidende hierbei ist aber der Einfluss, den ein solches Bewusetentsprechende Prophetenzitate beigegeben waren. In dieser feinsinnigen deduktiven Redeweise waren die Rabbiner, kritisch durch die Geistesschärfe des Talmuds geschult, besondere Meister und konnten ihren Getreuen das Rüstzeug für ihr Leben liefern. Aber da diese deduktive Redeweise in der Intelligenz der Hörer ihre Grenze findet, und da die in der Synagoge versammelte jüdische Gemeinde kein einheitliches Niveau mehr hat, noch dazu auch die Bildungshöhe des Mittelstandes empfindlich gelitten hat, kann sie nicht mehr das Mittel sein, durch das der Rabbiner zu seiner Gemeinde spricht. Bei Erkenntnis dieser Sachlage wird die bildhafte Anschaulichkeit die gemässe Ausdrucksform sein. Nicht mehr grosse Ideen, sittliche Normen, die ein Bekenntnis oder einen gewissen Bildungsgrad, der Gemeinde voraussetzen, werden der Ausgangspunkt der Predigt sein, sondern Ereignisse, Bilder, Begegnungen, durch deren plastische Darstellung die Zuhörer gepackt, sich bereiten, den daraus zu folgernden Lehren ihr Herz zu öffnen. Diese induktive Methode der Darstellung wird das religiöse und geistige Niveau der Predigt keineswegs herabdrücken, wohl aber an den Prediger noch stärkere künstlerische Anforderungen stellen, eben die Fähigkeit, plastisch zu denken und zu reden. Soll die Predigt überzeugen oder erschüttern? Während der Prediger heute nicht mehr die Wahl hat, zwischen diesen beiden Wegen sich zu entscheiden, steht er doch an einer Wegkreuzung, wenn er sich nach dem gewünschten Eindruck seiner Worte auf die Gemeinde fragt. Will er überzeugen, oder will er erschüttern? Temperament und Erlebnis werden der Natur des Predigers die Voraussetzungen schaffen, welchem Typus er mehr zuneigt, aber eines darf nicht übersehen werden, dass bei der Trägheit des jüdischen Herzens vor seinem Gott ein religiöses Ereignis, eine sein auf die Haltung und die Handlungen d«s Menschen ausübt. Wenn hieraus für den Menschen eine religiöse und sittliche Verantwortlichkeit gegenüber dieser höheren Macht erwächst, sind die beiden entscheidenden Elemente der Religion gewonnen, die Abhängigkeit des Menschen von einem höheren Wesen und seine Verantwortung ihm gegenüber: Glaube und Pflicht. Daraus ergibt sich dann der Aufbau des ganzen Werkes, das sich in die zwei Teile gliedert: 1. „Unser Glaube", 2. „Unsere Pflichten." Glaube ist für ihn „das unbedingte und absolute Vertrauen der Wahrheit auf die Mitteilung, die uns ward, auf die Glaubwürdigkeit dessen, von dem sie uns ward." Er offenbart uns vieles, was Verstand, Vernunft für immer verborgen ist. Seine Grundlagen sind Offenbarung und Tradition. Es folgt dann eine Darstellung des Lehrgehalts der jüdischen Religion an Hand der dreizehn Glaubenssätze des Maimonides. Die religionsgeschichtlichen Begriffe der Einheit Gottes, der göttlichen Attribute, der Offenbarung, der Prophetie, des Messias und der Unsterblichkeit werden im Anschluss an diese abgehandelt. Im zweiten Teil erfolgt eine genaue Darstellung aller sittlichen und religiösen Mizwot. Grundlegend ist für ihn die Göttlichkeit aller Gebote *und infolgedessen ihre gleichwertige Verbindlichkeit für jeden Juden. Dabei wird das Verhältnis des Einzelnen zu Gott einer eingehenden Darstellung unterzogen, um diesen Teil mit einer genauen Beschreibung des religiösen Rituals abzuschlieseen. Wie hieraus hervorgeht, geht der Autor bei seiner Darstellung von einem religiös konservativen Standpunkt aus. Er verzichtet danach auf eine kritische Begründung seiner Anschauungen. Sie ist daher in erster Linie wohl für den religiös konservativen Leser gedacht. Denn für den jüdischen Menschen unserer Tage, der sich tastend und suchend dem Judentum wieder nähert, ist eine Darstellung der Probleme notwendig, die auf eine kritische Begründung nicht verzichtet und die religiösen Fragen reiigionspsychologisch so motiviert, dass Herz und Seele hierfür geöffnet werden. Trotz dieser Besonderheit des Buches, die durch die Zeit seiner Entstehung bedingt ist — das Werk ist 1890 in erster und 1900 in zweiter Auflage erschienen und unverändert für die dritte Auflage übernommen worden — bietet es jedem Laien, welcher religösen Richtung auch immer, eine grosse Fülle an Belehrung. Für den aufmerksamen Leser, der den Wunsch hat sich noch mehr in die einzelnen Fragen zu vertiefen, sind besonders die Noten und die umfangreichen Anmerkungen, die den einzelnen Abschnitten beigegeben sind, aufschlussreich. Alles in allem, ein Buch, das einen besonderen Platz in der populär-wissenschaftlichen jüdischen Literatur unserer Tage behaupten kann, das dem Unwissenden einen Sehatz von Belehrung und auch dem, der schon zu wissen vermeint, mancherlei wertvolle Anregung zu bieten vermag. Der mühevollen Arbeit der deutschen. Uebersetzung aus dem englischen Original unterzog sich auch dieses Mal in anerkennenswerter SKeise Professor Josua Friedländer. Manfred Swarsensky. Hanns John Jacobsohn: Sabbathklang und Festessang. Philo-Verlag, Berlin. Als eine Fortsetzung und wesentliche Erweiterung der in Neuausgaben in- und ausländischer Gebetbücher, sowie auch in verschiedenen Haggadot enthaltenen Notenfixierungen ist die Melodiensammlung des von Hanns John Jacob söhn zusammengestellten kleinen Werkes anzusehen. Er bringt keine eigenen Kompositionen, sondern ist sorgsam bemüht, das in die musikalische Form zusammenzufassen, was zum grossen Teil seit vielen Erschütterung eintreten muss, um es überhaupt erst auf den Weg einer religiösen Haltung zu bringen. Und immer wieder wird eine solche Erschütterung den Menschen fördern, wie überhaupt eine Gottesbegegnung keine Kontemplation, sondern Angelegenheit der Stunde des tiefsten Unglücks oder höchsten Glückes ist. Aber darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass besonders bei der in der Lehre verankerten jüdischen Religion das Moment des Lernens und des Ueberzeugens ein Wesentliches zur Erziehung eines jüdischen Menschen darstellt. Daher drücken erst die beiden Formen — Erschüttern und Ueberzeugen —, auf die Tage des Jahres je nach dem Rhythmus des jüdischen Kalenders verteilt, die grosse Bedeutung der Predigt und ihren Einfluss auf den Menschen aus. Die Empörung Korachs gegen Mose in arabischer Nachdichtung Das 16. Kapitel des 4. Buches 'Mosis erzählt von einer feindlichen Erhebung, die zweihundertfünfzig Männer Israels unter Führung Korachs gegen Mose unternahmen. Mose hiess sie mit ihrem Opfergerät vor den Herrn treten; er bittet Gott, dass er ihr Opfer verwerfe (Vers 15—19), und Gott vernichtet sie, indem er die Erde unter ihren Füssen zerreiset .(Vers 31—33). In einem 1784 in Paris erschienenen Büchlein „Apologues et Contes Orientaux", die Francois Blanch et gesammelt hat, wird eine eigentümliche arabische Umdichtung jener biblischen Erzählung mitgeteilt; mag sein, dass sie dem gelehrten Orientalisten nichts oder nichts Neues bietet; mir erscheint sie bemerkenswert, weil in ihr dichterische Motive wiederkehren, wie sie im Buche Hiob und Jona erscheinen: Gott Jahrzehnten. }a noch 'darüber hinaus, traditionsgebundener Brauch bei häuslichen Andachten klingend und singend geworden ist. Er gibt den häuslichen Gebeten die musikalische Illustration, die bisher vielfach nur in mündlicher Ueberlieferung bestand. Liest man diese vertrauten Melodien, so denkt man an das Wort Hermann Cohens, der sie „Lieblinge Israels" nannte. Mehr denn je tritt bei diesen Aufzeichnungen jenes rezitativische Parlando in die Erscheinung, das wir im technischen Ausdruck „Sagen" nennen. Ein gewisses Mass, vielleicht das einfachste von Musikkenntnis, d.h. Notenlesen, und das Treffen von Tonabstufungen (Intervallen) wird allerdings notwendig sein, um diese Melodiensammlung mit Erfolg zu verwenden. Ist das der Fall, dann wird nicht nur der für den häuslichen Ritus interessierte Hausherr, sondern die ganze Familie den musikalischen Wegweiser finden, der sich bisher nur in der mündlichen Ueberlieferung zeigte. Vom Kiddusch des Sabbaths an sind'so ziemlich alle häuslichen Riten musikalisch festgehalten, ja selbst die Melodien, die den Hausherrn befähigen, in der Tradition die Segenssprüche über die Tora zu verrichten, fehlen nicht. Eine Fülle gottesdienstiieher Anklänge finden wir innerhalb der einzelnen Rezitative, so z. B. in der Einleitung für den Sabbath, wo neben den Tora-Neginot auch die Feiertag-Abendmelodie mitschwingt (Maarowot). Welch rührende Naivität in der volksliedmässigen musikalischen Illustration des Tischgebetes nach süddeutscher Tradition! Kindheitsmelodien werden in die heiligen Worte eingesponnen und all das fröhlich, beschwingt heitere Behaglichkeit des Sabbats. Tritt "die östliche Melodie in Erscheinung, dann kommt schon jene Elegie, die uns aus dem Gottesdienst vertraut ist. — Einen breiten Raum nimmt in der Sammlung selbstverständlich der Seder-Abend ein. Hier wird es nicht so sehr darauf ankommen, mit musikalischer Genauigkeit jede einzelne Haggada- Betrachtung zu singen, sondern vielmehr den Charakter der Weisen zu treffen. Das ist ja auch wohl die ideale Forderung des Verfassers. Zwei Momente, die wir in dieser Sammlung vermissen und deren Ergänzung in eventueller Neuauflage möglich ist: Da textliche Hinweise den einzelnen häuslichen Andachten beigegeben sind, wären kurze historische Angaben über diese Gebete und deren Melodien wichtig gewesen. Dieses Forschungsgebiet ist uns ja heute nicht mehr so verschlossen wie ehedem. Dann aber dürften auch, wenigstens ein Teil jener frommen häuslichen Gesänge, jener Semirot nicht fehlen, die für dieses Buch eine Selbstverständlichkeit bedeuten. Es bleibt zu wünschen, dass die Sammlung Eingang in viele jüdische Häuser findet und dort zur Weihe der Sabbat- und Festtage mit beiträgt. Magnus Bavidsolm. Hans Joachim Schoeps: „Jüdisch-Christliches Religionsgespräch in 19 Jahrhunderten." Vortrupp-Verlag, Berlin 1937. Dem Buch liegen, apologetisch© Absichten fern. Der Verfasser bemüht sich vielmehr, durch Darbietung charakteristischer Ausschnitte aus der Begegnung jüdischen und christlichen Glaubenslebens ein objektives Bild des Mit- und Gegeneinander der beiden religiösen Welten zu geben. An Hand ausgewählter Stellen aus der halachischen und aggadischen Literatur wird zunächst gezeigt, wie das talmudische Judentum seinen Eigenbesitz gegenüber den Glaubenspositionen des „neuen Bundes'4 zu wahren wusste. Von den mittelalterlichen Religionsphilosophen, die die Diskussion zu sachgemässer Herausarbeitung des Wahrheitsanspruchs der eigenen "Religion fortsetzen müssten, kommen vor allem Saadia, Jehuda Halevy und Isaak Troki zu Wort. Der Uebergang zur jüdischen Neuzeit wird durch das übernimmt die Bestrafung Korachs nicht selbst, sondern überlässt sie Mose, und dieser verhängt über den Schuldigen fast die gleichen Leiden, die dem unschuldigen Hiob auferlegt werden (Hiob, 1, 12—19); am Schlüsse aber wirft Gott dem Mose die harte Grausamkeit vor, mit der er gegen den Sünder verfuhr: man glaubt Anklänge an Jona, 3, 10; 4, 2 zu vernehmen. Die arabische Parabel (in der Korach Caroun genannt wird) lautet bei Blanchet so: Eines Tages sprach Mohamed zu seinen Jüngern: Tut an den Menschen Gutes, meine Brüder, wie Gott euch getan, aber euere Hoffnungen setzet lieber auf ihn als auf die Menschen. Fürchtet euch, dem unglückseligen Caroun ähnlich zu werden. Er war ein leiblicher Vetter Mosis, aber er lebte in einem Elend, das ihm am Herzen nagte, und Mose, ergriffen und voll Mitleid, lehrte ihn die Kunst, Metalle in Gold zu verwandeln. Da wurde Caroun bald ein reicher Mann, aber er wurde zugleich undankbar, habsüchtig und gottlos. Er wiegelte das Volk auf gegen Mose, weigerte sich, Gott zu geben, was Gott gehört, und der Priesterschaft den Zehnten, und — was Gott noch mehr erzürnte — er lies-s sein Herz niemals von den Tränen der Armen erweichen. Sie flössen an seiner Hartherzigkeit hernieder wie Regenwasser über eine Kugel von Erz. Mose hatte alle Quellen seiner Sanftmut und Geduld ausgeschöpft, da wandte er sich an Gott und bat, diesen anstössigen und unverbesserlichen Sünder mit einer empfindlichen Strafe heimzusuchen. „Straf du ihn selbst, ich lasse ihn dir, ihn und alles, was ihm gehört", erwiderte der Herr. Da gebot Mose der Erde, sich auf zutun, nnd die willfährige Erde verschlang zuerst die Herden Carouns, alsdann seine Zelte und sein Hausgerät, dann sein Weib, das so habsüchtig, und seine Kinder, die so böse waren wie er selbst, endlich seine unermesslichen Schätze, die ihrem Meister teurer waren als Weib und Kinder. Doch entrissen all diese Züchtigungen, härter und härter werdend, dem Schuldigen kein Zeichen von Reue. Da fühlte er, wie unter Der die Engel sandte — Der des Abraham Arm im letzten Sinken noch hielt — das grosse Opfer lag bereit — um sich, an Menschendemut sattzutrinken, der dem Jaäkob in sein schweres Träumen die Engel sandte, um sein dunkles Leid mit Sinn und Kündung golden zu umsäumen — Herr, unser Opfer nimmst Du ohne Zagen? Du hältst den Arm, der zitternd sinkt, nicht an? Lässt endlos wachsen unsre dunklen Fragen und nicht ums Ziel den Sinn wie Feuer brennen? Sprich, Herrgott: oder ist es nur daran,^ dass wir nicht opfern mehr, nicht träumen können? Hilde Marx. «HHBHHSBMHMHBHMMBBHHBfiBaM erregende Gespräch zwischen Moses Mendelssohn und Johann Caspar Lavater und die spekulativen Meditationen FornTstechers und Steinheims hergestellt. Abgeschlossen wird die Reihe der Konfrontationen durch die recht ausführliche Darbietung der Diskussionen, die Buber und Rosenzweig mit hervorragenden Vertretern des zeitgenössischen Christentums geführt haben. Schoeps bietet aber mehr als einen Querschnitt durch die Geschichte des jüdisch-christlichen Religionsgesprächs. Er versucht gleichzeitig eine Sinndeutung des von ihm mit viel Fleiss und Geschick zusammengestellten Stoffes zu geben. Dabei erweist es sich, dass sowohl im Altertum wie auch im Mittelalter von einem echten Gespräch keine Rede sein kann, weil die beiden Partner auf Grund ihres Anspruchs, im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein, die Glaubenssituation der andern weder zu verstehen noch anzuerkennen vermögen. Die Weite und Freiheit, die Mendelssohn in der Behandlung dieses Themas an den Tag legt, sind nur vorgetäuscht. Er kann dem Christentum gegenüber von einer bemerkenswerten Toleranz sein, weil es die von der Aufklärungszeit geprägte Religion der Vernunft ist, an der er die Ansprüche der überlieferten Glaubensvorstellungen misst. Ein dialogisches Reden ist erst in unserer Zeit durch die Haltung Rosenzweigs und Bubers möglich geworden, die im eigenen wurzelnd „dem anderen seinen Glauben glaubt". Dies Ernstnehmen der Gegenseite als eines für nicht jüdische Menschen von Gott her zugelassenen Weges zum messianischen Reich macht eine Auseinandersetzung unter den Offenbarungsreligionen erst fruchtbar. Buber und Rosenzweig sind bei aller Wahrung des jüdischen Standpunktes diesen Weg der Anerkenntnis gegangen. Die Antwort vom christlichen Lager ist noch nicht geschrieben. Schoeps ist sich der Schwere des von ihm aufgegriffenen Problems durchaus bewusst. Es fragt sich eben, ob der Absolutheitsanspruch, der mit der Tatsache der Offenbarung gegeben ist, durch die Anerkenntnis des Wahrheitsgehaltes anderer Religionen nicht allzusehr erweicht und innerlich widerlegt wird. Die Lösung liegt vielleicht in der von Schoeps angedeuteten Möglichkeit: „Die Wahrheit ist nur eine Wahrheit, die Wahrheitsteilhaben freilich sind verschiedene." Unter Zugrundelegung dieses „neuen Denkens" hat das jüdisch-christliche Gspräch wTohl seinen Anfang genommen. So ungeeignet das verweltlichte Denken unserer Tage zur Aufrollung letzter Fragestellungen in der Welt des Religiösen erscheinen mag, so dankbar darf es begrüsst werden, dass Schoeps fernab von allen Alltagsgesprächen dem tiefsten Anliegen der Öffenbarungsreligionen in ihrem Selbstverständnis gerecht werden will. Hugo Hahn, Essen. seinen Füssen der Erdboden zu sinken begann und ein Abgrund sich auftat, in den er schon bis zu den Knien versank. Nun erst überwog die Angst seinen Hochmut Caroun demütigte sich vor Mose und bat ihn um Vergebung, einmal, nochmals und zum dritten- und viertenmal. Aber es war zu spät, und Mose Hess ihn umkommen. Meine Brüder, schloss Mohamed, der ruchlose Caroun hatte seine Strafe und sein Unglück wohl verdient. Und doch sprach einige Tage darauf Gott zu seinem Propheten: „0 Mose, vier Male hat Caroun dich um Vergebung gebeten, du aber bliebst unerbittlich. Hätte er sich an mich gewandt und hätte er nur einmal um Verzeihung gebeten — ich hätte ihm verziehen." Mitgeteilt von Waller Korn ick Die von dem jüdischen Lehrervcrband in Preussen, Ortsgruppe Berlin, herausgegebenen Lesebogen sind als Ergänzungsstoffe zu den eingeführten Lehrbüchern genehmigt durch den Herrn Staatskommissar der Hauptstadt Berlin mit der Ermächtigung des Herrn Reichs- und preussischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung laut Verfügung II B Nr. 1029/36. Psalmenvorträge in der Neuen Synagoge. Sonnabend, den 6. Februar, abends S Uhr, werden Rabbiner Dr. Swarsensky und Oberkantor Davidsohn den Zyklus der Psalinenvorträge in der Synagoge Oranienburger Strasse fortsetzen. Im musikalischen Teil findet die Uraufführung einer Komposition des 121. Psalms von Dr. Oscar Guttmann statt, weiter kommen Hallel-Gesänge von Löwenstamm und der grosse 23. Psalm von Liszt zum Vortrag. Eintritt frei. Keine Kurse mehr für Hebräisch an höheren Lehranstalten Bayerns Die bayerische Unterrichtsverwaltung hat, laut „Frankfurter Zeitung" vom 17. Januar 1937, angeordnet, dass vom Schuljahr 1937/38 an die bisherigen zwei- und dreistündigen Kurse für hebräische Sprache an höheren Lehranstalten und humanistischen Gymnasien einzustellen sind. Auch als Wahlfach soll Hebräisch fortfallen.