Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 5 (4.2.1937)
- Date
- 1937-02-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Konzerte und Vorträge Einen ganz ungewöhnlichen Eindruck erhielten die Mitglieder des Berliner Kulturbundes wieder von dem jüngsten Rezitationsabend Otto Bernsteins. Er sprach diesmal lediglich Episches: Ludwig Börnes berühmte Denkrede auf Jean Paul (gleichzeitig zur Erinnerung an den 100. Todestag Börnes), sodann einige zusammengefasste Kapitel aus Franz Werfeis musikalisch-biographischem Verdi-Roman und zum Schluss eine kurze, in ihrer besinnlichen Heiterkeit ungemein charakteristische Erzählung „Das Zwiegespräch" von J. L. Perez. Es ist in diesen Blättern wiederholt von der überragenden Vortragskunst Otto Bernsteins die Rede gewesen, von dieser Kunst, die völlig selbstloser Dienst am Werk des Dichters ist, ein keusches, beredtes, hingebungsvolles Nachschaffen mit äusserster Anspannung der physischen und geistigen Kräfte, denen keinerlei Manuskript oder Buch, aber auch keine gesteigerte rhethorische Geste zum Durchbruch verhilft. So wurde die klare, von innen heraus leuchtende dichterische Prosa aus Börnes wundervoller Totenklage wahrhaft transparent; so erhielt das Erlebnis des fast siebzigjährigen Verdi — die Selbstvernichtung der Partitur zum „König Lear"' nach dem Zusammenstoss mit Richard Wagner in Venedig — tragisch-schicksalhafte Bedeutung; und so kam auch der ostjüdische Humor in leisen, feinen, unaufdringlichen Schattierungen bei Perez zu seinem Recht. Die Hörer, ganz im Bann dieses modernen Rhapsoden, dankten Bernstein durch langanhaltenden Beifall. H. L. Der Januarvortrag von Dr. Anneliese L a n> dau — im Berliner Kulturbund — galt dem Kreis jüdischer Musiker, der sich um A. v. Zemlinsky und Arnold Schönberg gruppiert. Die Entwicklung von der Spätromantik des jungen Schönberg über den Expressionismus bis zu den heutigen Stiltendenzen wurde aufgewiesen, die allmähliche Lösung von der Tonalität in Melodik und Harmonik allgemeinverständlich, und in ansprechender Form dargelegt. Vielleicht lässt sich der Versuch wagen, die jeweiligen Beispiele nicht nur als Ganzes zu betrachten, sondern in gelegentlicher Analyse bestimmte Hauptmerkmale noch stärker ins Bewusstsein zu heben; in diesem Falle könnte man dann sogar einen späteren Schönberg bieten. Thea Stuckenschmidt wurde den Liedern, namentlich von der textlichen Seite her, ausserordentlich gerecht, und Lily Dymont erwies an diesem Abend ihre besondere Eignung für die Moderne; den beliebten „Jongleur" von Toch musste sie wiederholen. H. Fr. Das Synagogenkonzert in der Lützowstrasse zum Besten der Winterhilfe trug diesmal ein einheitlich jüdisches Gepräge. Erwin Jospe bot mit seinen Sängerknaben Bilder aus der Entwicklung des mehrstimmigen Synagogengesanges. Besonders gern hörte man wieder einmal einen Satz des ersten und wohl auch grössten Meisters auf diesem Gebiet, Salomone Rossi, der um 1600 etwa im Palestrinastil schrieb. Jospe gab auch eine Probe Rossischer Instrumentalkomposition, in erlesener Registrierung auf die Orgel übertragen. Von gereifter Technik und dem Willen zum Vorstoss in neue Klangbereiche zeugte Jospes Orgelimprovisation über eine jemenitische Melodie. Oestlicher „Meschorerim"-Stil — auf räumlichen Kontakt von Chasan und Chor zugeschnitten — war im „W'schomru" von Dunajewski vertreten, westliche Verflachung, traditions- und würdelos, im Naumbourgschen „Ss'u Sclrorim", das sich als Soldatenchor einer französischen oder italienischen Oper um 1850 recht gut ausnehmen würde, als liturgische Psalmvertonung aber einen kaum zu überbietenden Tiefpunkt darstellt. Sätze aus den Werken von J. Weinberg, Schalit (dessen Grösse immer wieder überzeugt) u. a., darunter eine gute Arbeit von H. John Jacobsohn, verdeutlichten das ernste Ringen der Gegenwart um eine Neugewinnung kultischer Wurde und traditionellen Verhaftetseins. Als verantwortungsbewusster Chorleiter weiss Jospe die Stimmen seiner Jungen pfleglich zu behandeln und klangliche Fülle nicht durch Schreien — Gefahr so vieler Kinderchöre! —, sondern durch richtige Atemtechnik und durch das „Ausspinnen" der Töne zu erzielen. H. John Jacobsohns kantorale Kunst trägt den Charakter strenger Sachgebun- Die Jospeschen Sängerknaben Fot. Sonnenfeld 'denbeit und Vornehmheit; Paula Salomon (Lindberg) war so prächtig bei Stimme wie nur je. Eine Ssimchat-torah-Weise, von Jospe wirkungsvoll bearbeitet, beschloss den anregenden Abend. H. Fr. Der Jüdische Musikverein Breslau veranstaltete als Ersatz für sein 5. Abonnementskonzert eine Aufführung von Strawinskys „Geschichte vom Soldate n':, und zwar mit den annähernd gleichen Kräften, die das Werk vor kurzem den Berlinern boten. Die von Wolfgang Fraenkel einstudierte und mit bewundernswerter technischer Ueberlegenheit geleitete Aufführung durch die Herren G r a f f (Violine), Düsterwald (Kontrabass), Balnemonis (Klarinette), Bramson (Fagott), Schlesinger (Trompete), Simenauer (Posaune) und ihre begabte Kollegin am Schlagzeug, Hildegart L e w i n, verdient vollste Anerkennung. Dieselbe Hingabe an das Werk spürte man im szenisch-literarischen Teil, den E1 j a s c h o f f (Regie) und C o n d e 11 (Bühnenbilder und Kostüme) betreuten. Kahnemann als Soldat, L i p s c h i t z (Kardan) als Teufel, Ilse Vordem berge als Prinzessin und Meyerowitz als Vorleser lösten ihre künstlerisch heiklen Aufgaben erstaunlich sicher. Das Publikum verhielt sich nicht ablehnend, aber sein Beifall galt im wesentlichen den Künstlern. Hff. Der Gerst-mannscfie FrauencHor Breslau bewies in seinem jüngsten Konzert, dass er weiter in aufsteigender .Entwicklung begriffen ist. Obwohl das Stimmenmaterial durch Krankheit stark dezimiert war, spurte man doch, zumal im 23. Psalm von Schubert und in einem heiteren Liede Philipp Gretschers, welch gründliche Vorarbeit die Dirigentin Erna Gerstmann geleistet hatte, um den Chorklang zu veredeln und. eine grössere dynamische Beweglichkeit zu erzielen. Lotte Glaser und Edith Rosenberg betätigten sich mit Erfolg solistisch. Freundlichste Aufnahme fand auch der unlängst zusammengestellte Jugendchor. Als Bereicherung des Programms wurden die Vorträge des Cellisten Hans Simon empfunden, der in Werken von Beethoven und Mendelssohn eine schon recht annehmbare Technik entwickelte. Egmond P o 11 a k führte gewandt und sicher die Klavierbegleitung aus. Hff. In einem Konzert zugunsten der Jüdischen Winterhilfe Frankfurt a. M. brachte Richard Karp mit dem Kul tur bun do rch est e r Beethovens 7. Sinfonie in einer klanglich gut ausgearbeiteten und lebendig gesteigerten Wiedergabe heraus. Eine stärkere Besetzung der Streicher wäre, namentlich in den Ecksätzen, willkommen gewesen. Einen Glanzpunkt des Abends bildete Mendelssohns Violinkonzert, das Anni Steiger-Betzak mit edelster Tongebung, überlegenem, geigerischem Können und tiefer Empfindung gestaltete. Die fein abgetönte Begleitung des Orchesters unter Karp verdient besondere Erwähnung. Zwei interessante Lieder von Max Kowalski (instrumentiert von Richard Karp), die Hans Assenheim wir-' kungsvoll sang, errangen dem Komponisten reichen Beifall. Für Freunde leichterer Musik standen im Programm noch der Strauss-Walzer „Rosen aus dem Süden", vorgetragen vom Jüdischen Kammerchor unter Leitung von Dr. Nathan Ehrenreich, sowie die „Zigeunerbaron-Ouvertüre", die Richard Karp schwungvoll vermittelte. Ein Kammermusikabend des Frankfurter Kulturbundes stellte zwischen zwei bedeutende „klassische" Werke der romantischen Musik,, die Trios op. 99 B-dur von Schubert und op. 87 C-dur von Brahms, ein Trio von Ernest Bloch. Die drei „Nocturnes" benannten Sätze sind ganz knapp gefasst; zunächst hört man eine ziemlich kühne, moderne Harmonik, aber die Fortführung in den weiteren Teilen nähert diese Tonschöpfung mehr der Gattung einer nicht schlecht klingenden Salonmusik. Die Thematik des zweiten Satzes mutet fast mendelssohnisch an. Die Pianistin Lilly Schwarz-Mayerhof er und die Konzertmeister des Kulturbundes, Theo Ratner (Violine) und Rudolf D ö b 1 i n (Violoncello), zeigten durchweg kultiviertes, tonschönes Zusammenspiel und wahrten den Charakter der Kammermusik durch gegenseitige künstlerische Einfügung. Sie fanden herzliche Anerkennung. — tt. Das Orchester der jüdischen Kulturbünde musizierte unter der ausgezeichneten Stabführung von Kapellmeister Richard Karp in den Kulturbünden Braunschweig, Hannover und Hildesheim. In allen Fällen standen auf dem Programm im wesentlichen anspruchsvolle klassische Werke. Als Solist trat in Hannover John Mandelbrod (Hannover) auf, der mit Beethovens schwierigem 3. Klavierkonzert grossen Erfolg hatte, in Hildesheim Hans Assenheim (Frankfurt a. M.), der mit gut geschultem Bariton Arien und Gesänge recht wirkungsvoll vortrug. Im Baden - Badener Kulturbund hinterliess Otto Bernstein (Dresden) mit der meisterhaften Wiedergabe von Erzählungen von Buber, Cohn imd Perez stärksten Eindruck. — Das Leipziger Mendelssohn-Trio gab einen Kammermusikabend (Mendelssohn, Mozart, Tschaikowsky) und fand dankbare Zuhörer. und Leo Fall (mit Richard T a u b e r als ausgezeichnetem Hauptdarsteller) spezifisch „österreichisches Wesen, .Wiener Heiterkeit und Gemütlichkeit den Engländern nahegebracht" worden. „Auf der Sprechbühne" — so heisst es weiter — „haben gerade Stücke typisch österreichischen Charakters lebhaftes Interesse erweckt, darunter Schnitzlers „Liebelei", „Anatol" und „Professor Bernhardi"; desgleichen Stefan Z w e i g s ' „Volpone" und Hofmannsthals „Grosses Welttheater". Sein „Jedermann" hat zur Wiederaufführung alter englischer Morality Plays den Anstoss gegeben. Das ergreifende Kriegsstück „Das Wunder von Verdun" des so früh dahingegangenen Dichters Hans Chlumberg hat hier (in London) tiefen Eindruck gemacht." Von Schauspielern, die auf der Sprechbühne Englands und auch im englischen Film hervorragende Erfolge erzielt haben, nennt der Verfasser insbesondere Elisabeth Bergner und Oskar Homolka; des ferneren verweist er auf die Aufführungen des „Mirakel", der „Schönen Helena" und des „Sommernachtstraum" durch Max Reinhardt sowie auf die „Ausstattungs- und Inszenierungsaufgaben", die von den beiden Bühnenbildnern Oskar S t r n a d und Ernst Stern erfolgreich gelöst worden seien. L. Englische Bücher Nachfolgend schliessen wir die Besprechung englischer Bücher aus Nr, 2 und 3 der C.-V.- Zeitung ab. VI. Wer in der Londoner City von „London Wall" zur „Jewry Street" geht, jener Strasse, die an die älteste Niederlassung der Juden in London erinnert, kommt an Bevis Marks vorbei, einer uralten Häuserdurchfahrt, hinter der, durch ein eisernes Gitter abgeschlossen, ein grosser Gartenhof liegt. In ihm steht, mitten im Lärm und Trubel des Geschäfts- und Büroviertels, „Kaal Kados Sahar Asamaim", die sephardische Synagoge, das älteste jüdische Gotteshaus auf britischem Boden. Die „Himmels pforte" (the Gate of Heaven) haben vor einem Viertel Jahrtausend die Gründer der Gemeinde die Stätte ihrer Andacht genannt, im Gedenken an die Worte Jaacobs: „Hier ist nichts anderes denn Gottes Haus, und dies ist die Pforte des Himmels." (1. Mos. 28. 17.) Als die „Vereinigung der sephardischen Juden — La confederation des Juifs Sephardim — in London ihre grosse Tagung abhielt, gab der Vorstand der Gemeinde eine aus der Feder Paul Goodmans stammende Festschrift heraus (,.Bevis Marks in History", London 1935), die einen Ueberblick über die erinnerungs- und traditionsreiche Geschichte der Gemeinde Sahar Asamahim gibt, und deren Inhalt uns die Kenntnis von einem eigenartigen, aber doch symptomatischen Ausschnitt aus dem Leben des Judentums und seines kraftvollen Willens zur Selbstbehauptung vermittelt. Am Eingang zur Geschichte der Gemeinde stehen, gleichsam als Hüter der zur Tradition gewordenen Leitgedanken des englischen Judentums: „Freiheit und Bindung", zwei Männer von grösster Bedeutung für seine Entwicklung: Oliver Cromwell, der Lord Protector, und Manasseh ben Israel, der Amsterdamer Rabbi. Die Männer, die die neue Gemeinschaft errichteten, waren zum grössten Teil vielgereiste Kaufleute mit Weitblick und Unternehmungslust, unter ihnen einer der bedeutendsten Kamfleute jener Zeit, Simon de Caceres, der über enge wirtschaftliche Verbindungen nach Uebersee, besonders nach Südamerika und Westindien, verfügte. Neben der religiösen Verehrung für die Bibel und ihre Lehre, neben dem erwachten Bewusstsein für Toleranz und Freiheit war es die Erkenntnis, die Cromwell von der wirtschaftlichen Bedeutung dieser unternehmenden Handelsherren hatte, die ihn zu der Erklärung veranlasste, „dass die einstige Vertreibung der Juden aus England kein gesetz mässiger Akt gewesen und damit gegenwärtig ohne rechtliche Bedeutung geworden sei". Dass diese sephardischen Juden mit ihrer kaufmännischen Kühnheit, ihrer Tatkraft und ihren wirtschaftlichen Erfahrungen für die koloniale Entwicklung Englands späterhin nicht von geringer Bedeutung werden durften, das war der Dank, den sie und ilrre Nachfahren an ihre neue Heimat, die ihnen Vaterland wurde, abstatteten. Besonders nach Amerika griff ihr wirtschaftlicher Einfluss am Ende de« 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts hinüber. In New-York gründeten sephardische Siedler, die aus London stammten, die Gemeinde „Shearit Israel", und das erste Grab auf dem ältesten Judenfriedhof in New-York ist die letzte Ruhestätte eines der Mitglieder von Bevis Marks. Viele jüdische Gelehrte sind aus Sahar Asamahim hervorgegangen und haben in dieser Gemeinde oder anderwärts im Geiste ihrer alten Ueberlieferung gelehrt und gewirkt. Als der Sturm der Sabbathaischen Bewegung über die jüdische Welt brauste und auch die Londoner Gemeinde, ebenso wie die sephardischen Gründungen in Hamburg und Amsterdam, von ihr nicht unberührt blieben, entstand ihr in dem „Haham" Jaacob Sasportas ein erbitterter Gegner, dessen tiefe Gelehrsamkeit ihm allerwärts grösstes Ansehen verschaffte. David Nieto, der Rabbiner der Gemeinde bei der Errichtung der noch heute bestehenden Synagoge im Jahre 1702, Talmudist und Arzt zugleich, der bedeutendste jüdische Gelehrte Westeuropas zu seiner Zeit, der aus Venedig stammte, stellte die geistige Verbindung mit den Gemeinden Italiens und besonders mit Leghorn her, das damals ein Mittelpunkt jüdischer Wissenschaft und jüdischer Wohltätigkeit war, und dessen Name für das Judentum der gesamten Welt später deswegen einen besonderen Klang erhielt, weil es Geburtsort eines der grössten jüdischen Männer der Neuzeit wurde: Moses Montefiores. Heute, da wir mit innerer Anteilnahme auf Palästina blicken, lesen wir mit mehr als nur geschichtlichem ' Interesse die vielfachen Bindungen, die sich durch Menschen und Ein richtungen zwischen der Londoner Gemeinde und dem „heiligen Lande" bis auf unsere Tag erhalten haben. Schon seit einem Jahrhundei hat Bevis Marks die vier Städte Jerusalem Hebron, Safed und Tiberias durch eine gross; jährliche Spende unterstützt; noch heute besteht Im JüdiscEen Kulturb'un'd Königstierg gab die Jüdische Tourneebühne Berlin ein Gastspiel mit der Komödie „Ingeborg" von Curt Götz. Die fünf Mitglieder des Ensembles schickten sich mit Anstand und Laune in die Notstandsbühne (Podium einer Schulaula). Auf die Hörer, theaterhungrig, aber doch nicht sämtlich anspruchslos genug, rieselte in Form von Zwiegesprächen eine bunte Fülle mehr oder weniger geistvoller Wortspiele und Sentenzen herab, die durch eine etwas gewollte Handlung dürftig zusammengehalten wurden. Ueberwiegend belustigt, zu einem Teil allerdings verwundert, ging das Publikum in seiner Mehrheit beifallsfreudig mit. Dr. M. A. Auch im Elbinger Kulturbund hatte „Ingeborg" von Curt Götz einen vollen Erfolg. Die Mitglieder der Jüdischen Tourneebühne Berlin gaben unter Regie von Ernst Rosenbaum ihr Bestes. N—d. Zum erstenmal seit Bestehen des Kulturbundes Kassel hatte man Gelegenheit, eine Oper zu hören. Wenn der „Barbier von Bagdad" von Cornelius aus technischen Gründen auch nur in Konzertfassung geboten werden konnte, so fand die gute Berliner Besetzung doch reichen Beifall. Es wirkten mit: Richard Dresdner, Hildegard L i p p s t a d t, Marianne Schosland-Losch, Edgar L i s s - n e r, Kurt Rahmer, Heinrich Korn, Franz M i r a u e r und am Flügel Waldemar Liachowsky. F. Die Aufführung des „P o j a z" im Düsseldorfer Kulturbund durch die Theatertruppe des Kulturbundes Rhein-Ruhr riss zu tiefem Erleben mit. Die Leistungen des Ensembles lagen auf sehr anerkennenswerter Höhe, und die Darsteller ernteten mit Recht den innigen Dank des Hauses. J. C. Einen besonderen Genuss bot der Jüdische Kulturverein Landsberg a. d. W. seinen Mitgliedern mit der Darbietung: „Gesungenes und Gespieltes von Heise bis Holländer." Das reichhaltige, gewählte Programm wurde von Lilly Kann, begleitet von Erna K1 e i n, in bekannter Virtuosität bestritten. B. Durch das Hamburger Schauspiel-Ensemple wurde Sidney Kingsleys „Menschen in Weiss" im Kulturbund Leipzig unter der straffen Regie von Dr. Hans Buxbaum zur Aufführung gebracht. „Israel in Aegypten." Am 7. Februar, 20Vi TJhr, wird als Sonderveranstaltung zugunsten der Jüdischen Winterhilfe Händeis grosses biblisches Oratorium vom Kurt Singer« sehen Chor zusammen mit dem Chor des Jüdischen Kulturbundes (über 200 Sänger) im Bachsaal, Lützowstrasse 76,, aufgeführt. Leitung: Dr. Kurt Singer. Solisten: Ma* rianne Caula, Paula Salomon (Lindberg), Julius Peissachowitsch, Kurt Rahmer. .Cembalo: Ger» trud Marcus. Orgel: Erwin Jospe. Alexander Kipnis eingt am 14. Feb'ruar im Brüderverein Lieder und Arien von Schubert* Brahms,. Tschaikowsky, Mozart, Gounpd, Mousi sorgsky sowie jüdische Völkslieder. Die Beglei* tung am Flügel hat Rudolf Schwarz. Jüdische Jugendbühne, Berlin. Im Spielplan tritf insofern eine Verschiebung ein, als aas technischen Gründen die für Februar vorgesehenen Aufführungen von „Reutern" erst im März stattfinden; statt dessen werden die beiden Singspiele ,J3ie Verlobung bei der Laterne" von Offenbach und „Das Fest der Hand* werker14 von Angely bereits im Februar zur Aufführung gelangen. Die Aufführungstage sind der 16. und 17. Februar, nachmittags und abends, und de? 18. Februar, nachmittags. Das Notstandskabarett der Berliner KtinstlerhUfö ist auf den 11. Februar, 20 Uhr, verlegt worden. (Berolina-Festsäle, Schönhauser Allee 28). Bereits gelöste Karten behalten ihre Gültigkeit. Eintritt ohne Reichsverbandskarte. in der Gemeinde das Ehrenamt eines „Parnas of Terra Santa". Einer der ältesten Freunde Theodor Herzls war Sir Francis A. Montefiore, der „Vorsteher der Aeltesten" von Bevis Marks, den Herzl — nach Goodmans Darstellung — auch ursprünglich zu seinem Nachfolger bestimmt hatte. Aber es sei auch das Gedenken an zwei Männer wachgerufen, deren Namen im Geburtsregister der Gemeinde verzeichnet stehen, und die sich später von ihrer Gemeinschaft glaubten trennen zu müssen, ohne sich jedoch jemals innerlich ganz von ihr lösen zu können: Der Benjamin Disraelis, des grossen englischen Staatsmannes, und der David Ricardos, des Begründers der wissenschaftlichen Lehre von der Volkswirtschaft. In der Gegenwart bekleiden zwei hohe englische Staatsbeamte Ehrenämter in der Gemeinde: Sir Philipp Sassoon, der Unterstaatssekretär für Luftfahrt, und der Verkehrsminister Leslie Hore-Belisha. Dr. E. Fr... 1. VII. Es ist eben ein Verdienst von Cecil Roth, dass er eine Reihe der wichtigsten Aufsätze Lucien Wolfs gesammelt hat (Lueien Wolf, EssaysinJewishHistory, London 1934). Wolfs Stärke lag in der Aufspürung leicht übersehener Einzelheiten, aus denen er dann ein lebensvolles Bild zu gestalten wusste. Seine Studien über Menasseh ben Israels, dem er ein besonderes Buch (Menasseh ben Israels Mission to Olliver Cromwell, London 1901) gewidmet hat, führten ihn dazu, festzustellen, dass schon vorher aus Portugal geflüchtete Scheinchristen in England gelebt und dort im verborgenen Gemeinden gebildet hatten. Das ist in dem Aufsatz über die Juden im England der T u d o r s dargelegt Sehr beschäftigt hat Wolf das Problem der Marannen. In einer besonderen Schrift Jews in The Canary Islands (London 1926) hat Wolf das tragische Schicksal der auf den Kanarischen Inseln befindlichen Zwangs-getauften und ihrer Nachkommen an der Hand der von ihm übersetzten Quellen geschildert. Er ist dann dem Schicksal der Ma-