Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 4 (28.1.1937)
- Date
- 1937-01-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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?Jr.4 *' 2. Beiblatt 28. Januar 1937 „Der Ring schliesst sich" Knut Hamsuns neuester Roman, angezeigt von Julius Bab Von Kaut Hamsun ist ein neuer Roman erschienen. (Verlag Albert Langen—Georg Müller, München.) Da Hamsun der letzte der grossen skandinavischen Garde ist und sicherlich einer der ersten Meister, wenn nicht der erste, unter den Sprachkünstlern der Gegenwart, so ist das ein Ereignis, das Beachtung von jedermann verlangt, der mit dem inneren Leben der Zeit Zusammenhang bewahren will. — Das Buch heisst „Der Ring schliesst sich", und das klingt nach Ende, nach Abschluss. Aber wir brauchen deswegen keineswegs anzunehmen, dass dies nun das letzte Buch des bald Achtzigjährigen sein wird, denn die Melancholie des Alters und die Geste des Aufhörens spielt schon seit Jahrzehnten eine Rolle in Hamsuns Werk. Vor einem Vierteljahrhundert hiess schon ein Buch „Die letzte Freude" und dann kam „Das letzte Kapitel" und zuvorletzt hiess es „Nach Jahr und Tag" und jetzt heisst es „Der Ring schliesst sich". Keine Verpflichtung hier nun das letzte Buch des grossen Dichters zu sehen! Was für ein Buch ist dieser neue Roman? Ein gutes Buch — das wäre zu wenig gesagt. Natürlich ein Meisterwerk, was sollte ein solcher Meister sonst schreiben? Aber ein grosses, ein schönes Buch? Das nun nicht. Dazu ist es zu bitter, zu grau, zu lichtlos. — Wunderbar geschrieben natürlich, so wie man es von Hamsun kennt: Wieder die kleine norwegische Stadt mit ihrem Alltagsgebrodel; die Menschen mit ein bisschen Liebe und viel Eigennutz; die Paare, die zueinander, aneinander vorbei, voneinander treiben; Geschäft und Vergnügen, Aufstieg und Untergang. Und alles gemalt mit der wunderbaren ironischen Leichtigkeit des leisen Strichs; die grössten Ereignisse tauchen in den lässigsten Nebensätzen auf: Abel hat ein Motorboot gekauft; es ist zu vielem nütze, „er fischte, er machte Besorgungen in der Stadt, und als seine Mutter im Herbst starb, brachte er die Leiche im Motorboot zum Friedhof." So erfahren wir den Tod der Mutter. — Oder Abel sucht seinen Revolver, er ist weg, und er sucht ihn mit merkwürdiger Leidenschaft. Nach Jahr und Tag schiesst ein wütender Ehemann auf ihn, aber Abel interessiert sich dabei nur dafür, dass er aus seinem Revolver schiesst, seinem eigenen, ihm gestohlenen Revolver! Und bei der Gelegenheit bemerkt er: „Uebrigens ist das der Revolver, mit dem Angele erschossen wurde." Wir erfahren auf diese Weise nicht nur, warum der Revolver Abel so am Herzen lag, wir erfahren so überhaupt zum ersten Male, dass Angele, seine frühere Frau, erschossen werden ist! — Und mit dieser diabolischen Leichtigkeit des Tons verbindet der Meister immer noch, wenn er will, den ganz grossen Anschlag: da ist das Mädchen, das „wie ein Walzer durch die Stadt geht" — da ist das Gewirr im Glockenstuhl des Kirchturms, das „wie ein Löwennest aussieht". Da ist die Sommernacht, wo zwei Hummeln in einer roten Georgine liegen, „welch ein Bett haben sie da gefunden! welch ein Wunder von einer Nacht!" — Und da ist das Gewühl all dieser Gestalten, die oft mit wenigen Strichen unvergessliches Leben gewinnen: der starre, wortkarge Steuermann, der immer auf das Kalenderblatt starrt, das zehn Jahre alt ist, und der am Halskrebs stirbt. „Der blinde Drehorgelspieler — der heimlich eine Brille aufsetzt und geheime Botengänge besorgt. Da ist Clemens, der zarte, schüchterne Mann mit dem allezeit tadellosen Benehmen, und der steinreiche gelähmte Frederiksen, der bösartig geizig ist, aber noch lange nicht so schlimm wie seine Frau, die in Edelsinn posieii. Und da sind alle diese Mädchen, die Frauen werden: Lilli mit dem „Binnenlandsklima" — voller Wärme, aber zugleich sehr praktisch und sehr skrupellos, Lola, die allezeit „tüchtige", die immer zum Ziel kommt, nicht eben auf geraden Wegen, und es bleibt auch nicht immer dasselbe Ziel, aber sie kommt hoch, sie hat „Auftrieb". Und dann Olga, die wie ein Walzer durch die Stadt geht, aber sich an alle möglichen Männer und Sensationen verlor, sich und die Zeit verlor. Welch ein Tumult von Menschen! welch ein Gewirr — aber ein mit sicherster Ruhe gezogenes Gewirr — von grotesk traurigen Lebensläufen. Also natürlich ein Meisterwerk. Aber kein grosses und schönes Buch wie andere Bücher von Hamsun. Und das aus einem sehr einfachen Grunde: dieses Gewirr der ganz kleinen Leute (seelisch klein, ob sie nun steinreich oder Bettelmänner sind) wird natürlich auch hier bewegt, beleuchtet, organisiert durch die Person eines Menschen, der nicht dazu gehört, der draussen steht. So war es ja immer bei Hamsun; und wenn es nicht der wunderbare erdgesegnete Bauer Isaak war, so war es der grosse Abenteurer, der Weltfremde: zuerst im Buche „Hunger" ein Dichter, dann der Leutnant Glahn, der vom grossen Pan besessen ist, und noch zuletzt August, der Welturnsegler. Nun, aus dieser letzten Familie ist auch Abel, der Held dieser letzten Stadtgeschdchte, aber eben -ganz und gar kein „Held"! Er hat mit all seinen Vorgängern eigentlich nur das Negative gemein: er ist anders als die kleinen Leute und er macht ihren Betrieb nicht mit. Aber er macht auch nichts anderes! Er dichtet nichts, erfindet nichts, bewegt nichts. Er hat die Tendenz, gar nichts zu tun. Freilich sagt der ehrliche junge Clemens einmal von ihm: „Wir anderen bringen es zu dem bisschen, das wir sind, weil wir so durchschnittlich sind; er ist aus einem Grenzland, das uns unbekannt ist." Und Hamsun selbst unterstreicht einmal „er war in all seiner Geringheit nicht ohne Charakter. Er war eine Souveränität". Aber dieser Charakter, diese Souveränität, sie haben bei Abel ihren Wert nur im Negativen. Er hat keinen Auftrieb, und er weiss und sagt freilich, dass der sogenannte „Auftrieb" bei diesen kleinen Leuten wenig genug wert ist: „Ihr mit eurem Auftrieb kommt ja auch nicht gerade so sehr hoch hinauf. Ihr werdet nur etwas reich, etwas hochmütig und etwas beneidet — das ist alles." Und ein andermal noch böser über seinen eigenen Vater, der offenbar noch Auftrieb hatte: „Er hatte das Zeug in sich, jedem anderen im Wege zu stehen, der seinen Posten genau so gut lätte versehen können wie er, wenn nicht besser." Eine wirklich mephistophelische Ausdrucksweise für soziale Selbstbehauptung. Diesen bösen Bück hat Abel und dazu noch die fast geniale Fähigkeit zu entbehren, und im Zusammenhang damit eine grenzenlose Bereitschaft wegzuschenken. (Und das ist fast ohne Verdienst, denn er entbehrt ja nichts.) Aber was er nicht hat, ist der geheimnisvolle Auftrieb anderer Art, der sonst in Hamsuns Aussenseitern lag, mag es nun Auftrieb dichterischer Phantasie oder einfallsreichen Unternehmertums sein. Von diesem Positiven fiel sonst Licht in die Hamsunsche Welt und auf uns, dies Licht fehlt hier und alles bleibt kalt und grau. Natürlich sorgt Hamsuns Meisterschaft dafür, dass wir auch so mit fast atemloser Teilnahme dem Abel durch all diese Jahre folgen. Wie er Geld erbt und wegschenkt und von, gar nichts lebt; wie er durch die tüchtige Lola eine prächtige Stellung als Kapitän auf dem Milchboot „Sperling" erhält und nach weniger als einem Jahr wieder alles hinwirft und davongeht; und wie er noch einmal wiederkommt und wieder von nichts lebt, Geld erhält, wegschenkt und wieder hungert, hungert, mit mühsamen kleinen Diebstählen, fast wie der Held in Hamsuns allererstem Buch. Und dann erhält er noch einmal Geld und geht wieder davon. Wohin? Ja, wohin —? Früher hatte er einmal drüben in Kentucky gelebt mit Angele — übrigens bereits genau so wie später daheim — in schwelgerischem und hungerndem Nichtstun. Und allmählich dämmert es auf, dass er es war, der den tödlichen Schuss auf die Frau abgegeben hat. Er hat sie mit seinem Freunde Lawrence überrascht. Dieser merkwürdige Lawrence, der hintergründig durch das ganze Buch spukt, hat dann wohl die Schuld auf sich genommen und ist auch geköpft worden. Aber er hat einen Brief hinterlassen, in dem wohl die Wahrheit steht. Und jetzt fährt Abel nach Kentucky zurück. Wird er Lawrence rehabilitieren und seine Schuld bekennen? Vielleicht —! Aber vielleicht wird auch dieser Auftrieb ganz schnell verflattern, und er wird irgendwie weiterleben. So wie alle Leute in diesem nebelgrauen Buche leben: „Die Zeit vergeht — alles geht — es geht nicht gut — aber es geht." Geschichten von den Landjuden Jakob Picard: Der Gezeichnete Wir haben in der jüdischen Literatur wenig gehört von jenen Juden in Südwestdeutschland, die seit der Verweisung der Juden aus den grossen Städten am Ausgang des Mittelalters dort in Dörfern und Städten sassen, als Bauern und Händler, ebenso fest und treu dem jüdischen Gesetz verbunden wie der Erde, die sie bebauten und durchwanderten. Jakob Picard entstammt einer solchen Landjudenfamilie, die seit Jahrhunderten in Wangen am Bodensee ansässig war. Sein Buch „Der Gezeichnete" (Jüdische Buch-Vereinigung und Erwin Löwe-Verlag, Berlin) bedeutet eine Entdeckung: die Entdeckung dieser unbekannten Judensehaft und zugleich die Entdeckung eines Dichters, der diese Judensehaft uns nicht nur bekannt macht, sondern sie in den manigfachsten Gestalten gestaltet und endgültig darstellt, so dass sie nun dastehen und leben. Sie leben in ihrer selbstgefügten religiössozialen Ordnung, in ihrer etwas kleinbürgerlichen Gutmütigkeit, in ihrer Tradition, die aber ihre Weltoffenheit und Lebenstüchtigkeit nicht einengt, und sie sprechen im alemannischen Dialekt mit jüdischen Eingesprengsein. Heitere und ernste Geschichten, kurze und lange erzählt Picard, Geschichten von der Zeit Napoleons I. an bis zum Jahrhundertausgang, Geschichten vom Bodensee, aus dem Schwarzwald, dem Oberelsass bis zur Rhön hin, Geschichten in einem festen, dichten, etwas herben und sehr anschaulichen Stil, eine geglückte merkwürdige Mischung aus moderner Prosa und dem Herkommen altjüdischer Erzählung. Zwei Geschichten des Buches halten sich ein wenig abseits. Picard stand im Weltkrieg mit drei Brüderja' an der Front; die Schlussgeschichte des Buches erzählt von furchtbaren Stunden während einer Schlacht im Westen, — furchtbar, weil er fürchtete, dass sein jüngster Bruder bei einer benachbarten Kompanie gefallen war. Hier dringt er in die letzten Tiefen, ringt er biß zum Gelingen um einfachen, eindringlichen, anschaulichen Ausdruck für das äussere und das innere Geschehen, ebenso wie in der, nach Gottfried Kellers Art, breit ausmalend erzählten, ergreifendsten Geschichte des Bandes „Raphael und Recha": melancholisches Versinken eines gütigen, frommen jüdischen Landbesitzers bis in den Selbstmord über eine unfromme Handlung seiner geizigen, lärmenden Frau, die sich schliesslich völlig wandelt. Aber auch diese beiden nach Inhalt und Form sich von den anderen scheidenden erregendsten Erzählungen haben mit allen anderen gemeinsam die Liebe zu den kulturhistorischen Einzelheiten und vor allem das Eingesponnensein der jüdischen Menschen dieser Landschaft in die umgebende Natur, nicht nur durch ihren Beruf und den der Natur angepass- '■ ten Ablauf des jüdischen Jahres, sondern durch ein inniges Gefühl für Wald, Feld, Blumen, Gebüsch und Getier. Picards Stärke ist sicherlich nicht die Erfindung von Geschehnissen, nicht Theodor Mommsen zu Hause Das liebenswürdig anspruchslose Büchlein, das Adelheid Mommsen ihrem Vater widmet (Theodor Mommsen im Kreise der Seinen. Erinnerungen seiner Tochter Adelheid Mommsen. Berlin 1936, Emil Ebering) zeigt den grossen Gelehrten in seinem Privatleben, zu Hause mit Frau, Kindern und Enkeln, auf der Strasse, in der Gesellschaft, mit vielen charakteristischen Zügen, die das Bild des seltenen Mannes auch für den bereichern, der sich mit ihm yertraut gemacht hat. Mommsen gehörte zu jenen Forschern, die so zerstreut sind, weil sie so gesammelt sind. Die Tochter erzählt allerlei ergötzliche Züge, so, wie er bei dem ersten Besuch Adalbert Delbrücks, der mit seiner Frau Luise geborenen Jonas, zu seinen nächsten Freunden gehörte, in der Eile den Schlafrock mit dem Frack tauscht, dabei aber die gelben Pantoffel anbehält. Als Brahm zum erstenmal im Deutschen Theater jene wunderbare Inszenierung des zweiten Teils vom „Faust" brachte, sass Mommsen im Parkett, die Verse seines geliebten Dichters Wort für Wort rezitierend, noch ehe sie auf der Bühne erklangen, ohne der lebhaften Beschwerden seiner Umgebung zu achten, die schliesslich verstummten, als man den Störenfried erkannte. Mommsen galt nicht als musikalisch. Josef Joachim hat der Verfasserin einmal von einer Unterredung mit Theodor Mommsen erzählt. Er habe ihn gefragt, ob er Freude am Gesang der Vögel, am Rauschen der Bäume, am Plätschern der Bäche habe und habe ihm auf sein sehr entschiedenes Ja erwidert, dann sei er nicht unmusikalisch, sondern sein Empfinden für Musik sei nur nicht ausgebildet. Geselligkeit liebte er ungemein, und er vertrat die Ansicht: Familie allein tauge nicht viel, man müsse sie immer mit Freunden durchsetzen, das sei der Sauerteig, der das Brot erst schmackhaft mache. Jeden zweiten Mittwoch fand das ^Kränzchen" statt2 der einen Freundeskreis jon fünf Ehepaaren vereinigte, besonders die Professoren, Tobler, Hirschfeld (auf Wunsch Mommsens sein Nachfolger auf dessen Lehrstuhl) und Harnack mit ihren Frauen gehörten dazu. Noch der Einundachtzigjährige unternahm zum Studium der Handschriften des Codex Theodosianus eine Reise nach Paris, auf der ihn die Tochter begleitete. Auch hier blieb genügend Zeit zur Teilnahm© am Gesellschafisleben. Besonders gern verkehrte Mommsen mit den Brüdern R e i n a c h , deren ältester, der Politiker Joseph Reinach, als Mitarbeiter Gamr bettas und als Darsteller der Dreyfus-Affäre bekannt geworden ist, während der Archäolog Salomon Reinach Mommsen beruflich nahe stand und Theodore Reinach sich als Rechtsanwalt und Historiker ausgezeichnet hat. An dem Streit um D r e y f u s , der damals Frankreich in zwei Lager teilte, nahm auch Mommsen lebhaften Anteil. „Ihm war", wie seine Tochter bezeugt, „jede Ungerechtigkeit ein Greuel, zumal wenn sie, wie hier anscheinend der Fall war, auf religiöser Intoleranz beruhte". Frau Rose Reinach, die Gattin Theodores, führte die deutschen Gäste auch nach der Insel im Bois de Boulogne, wo man behaglich im Freien zu Abend ass — fern von dem Lärm der neuartigen Autos, die, den Berlinern noch so gut wie unbekannt, in Paris Mommsens höchste Unzufriedenheit erregten. Mommsen, dieser schneidende Kritiker, war im Grunde eine weiche Natur. Aber er wollte sein weiches Herz nicht zeigen. Zärtlichkeiten auch den Kindern gegenüber waren verpönt und ein Kuss auf die Stirn erschien als ein besonderes Ereignis. Der weiche Grundzug seines Wesens, gewöhnlich verborgen, zeigte sich auch beim Abschied von seinem Freunde Ludwig Bamberger. Im Totenhaus in der Margaretenstrasse sprach der greise Gelehrte ein paar Worte, die allen Anwesenden das Wasser in die Augen trieben, und brach dann am Sarge schluchzend zusammen. Theodor Barth, der den Hergang erzählt, 6etzt hinzu: „Welche Huldigung für Bamberger, diese Tränen.- Ich darf hier vielleicht auf Grund von Dokumenten, die in meinem Besitz sind, eine bisher unbekannte Tatsache mitteilen. Mehrfach erwähnt die Verfasserin, wie schwere Sorgen sich Mommsen um die Zukunft seiner Kinder, besonders der Töchter, machte. Zu seinem achtzigsten Geburtstag übermittelte ihm ein Berliner Notar eine Gabe von achtzigtausend Mark im Namen „einiger Freude", eine Stiftung, deren Zinsen nach seinem Tode seinen alsdann unverheirateten Töchtern und nach deren Hinscheiden wissenschaftlichen Zwecken zufallen sollte. Weder Mommsen noch seine Kinder hab^n geahnt, dass sich hinter dem anonymen Kollektiv der „Freunde" Ludwig Bamberger verbarg, von dem die feine Idee und die graziöse Form ausging und der auch den grössten Teil der Summe gestiftet hatte. Er pflegte die Worte des Dichters zu befolgen, denen Mommsen so gern seine Zitate entlehnte: „Leget Anmut in das Geben." E. F. der „Reiter am Strand" und die „Badenden Knaben", zwei der bekanntesten Strandbilder Liebermanns, ebenfalls aus Deutschland das Bildnis von Professor Sauerbruch, aus dem Besitz der Familie Liebermann viele Handzeichnungen der späten Sehaffensperiode. Aus allen Zeiten ist des Meisters unsterbliches Lebenswerk vereint, von der holländischen Frühzeit bis zum Impressionismus. Ein Höhepunkt das Gemälde vom Jahre 1906 „Papst Leo X. segnet die Pilger in der Sixtina", ein wenig gezeigtes Werk, dann die Familienbilder, unter ihnen die vielen Selbstporträts. Die Ausstellung vermag in ihrem weitgespannten Rahmen die Quellen Liebermannscher Kunst, die Grundeigenschaften seines Wesens deutlich zu machen. Max-Liebermann -Ausstellung in Wien eröffnet In der Neuen Galerie in Wien wurde eine grosse Liebermann-Ausstellung eröffnet. Otto Kallir - Nirenstein hatte bereits im Dezember und November viele ausländische Museen und Privatsammlungen um Ueberlassung von Leihgaben für die Dauer dieser Schau gebeten, und so ist ein umfangreiches Material in Wien vereinigt, Bilder, Handzeichnungen, Radierungen, Oelskizzen. Man musste sich auf zwei Ausstellungslokale einigen, so gross war die Fülle der Einsendungen: Die Bilder sind in der Lothringer Strasse, die Graphiken in der Grünangergasse zu besichtigen. An der Organisation der soeben vor einem zahlreichen geladenen Publikum eröffneten Ausstellung ist neben der Leitung der Neuen Galerie, die jetzt in die Räume des ehemaligen Auktionshauses Wawra umzog, der Biograph Liebermanns, Erich Hancke, aktiv beteiligt. Aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, aus der Tschechoslowakei und aus Holland werden Arbeiten des Malers gezeigt, die in Wien noch im zu sehen; waiien, Jlus lerlifles Besitz Kunstnachrichten Ein sehr umfangreiches Referat von Dr. Irmgard Schüler im Jüdischen Museumsverein, Berlin, bewies von neuem die Fülle kultischer Formen der alten und neuen Zeit, die Berechtigung, mit dem Thema „Licht und Leuchter im Judentum" einen ganzen Abend zu füllen. Ueber die Einzelheiten hinaus, das Vorkommen und die stilistische Abwandlung von Sabbatleuchter, Leuchter für das Vorbeterpult, Ewige Lampe, Sabbatlampe, Hawdalakerze und Chanukkaleuchter, gab es interessante Fragestellungen, die in der Diskussion von Kunsthistorikern, Rabbinern und Philologen einer Beantwortung nähergebracht wurden. Jedenfalls waren die Ausführungen von Irmgard Schüler sehr anregend. Ein reiches, zum Teil unbekanntes Lichtbildmaterial fand grossen Beifall. 0. B. * Friedrich v. Oppeln-Bronikowski schrieb kurz vor seinem Tode für die Kunstzeitschrift „Pantheon" einen Bericht über die Ausgrabungen in Persepolis, den das Novemberheft des Blattes veröffentlicht Diese Grabungen sind das grösste archäologische Unternehmen der Gegenwart, sie werden in Aegypten und dem Vordem Orient vom Orient- Institut in Chicago ermöglicht. Persepolis ist bekanntlich die von Darius begründete Residenz der Perserkönige, die seit dem 17. Jahrhundert Reisende und Archäologen anlockte. Erst seit dsffl Jahre 1931 kam §s zu einer systematischen