Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 3 (21.1.1937)
- Date
- 1937-01-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Beiblatt WIRTSCHAFT DER 21» Jcmoür 1937 Die Wirtschaftslage in Uebersee Wir haben kürzlich in grossen Zügen einen Ueberblick über die Weltwirtschaitslage am Jahresanfang zu geben versucht Er erfährt eine wertvolle Ergänzung durch eine Untersuchung „Die Weltwirtschaft Ende 1936", die Heft 24 der Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" beigegeben ist. Ihre Bedeutung liegt vor allem darin, dass sie in tabellarischer Uebersicht über den Stand der Wirtschaftstätigkeit in den wesentlichsten Ländern der Erde unterrichtet. Während wir in unserem Ueberblick also mehr die Erdteile betrachtet haben, enthält diese Arbeit konkrete Angaben für jedes einzelne Land, die besonders auch bei der Vorbereitung und Durchführung einer Auswanderung von Interesse sein werden. Diese Länderübersicht umfasst insgesamt 54 Staaten und ist untergeteilt nach Agrar- und Industrieländern. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Beurteilung der Gesamtlage eines jeden einzelnen Landes, neben der noch auf die Entwicklung wichtiger Spezialgebiete der Wirtschaft eingegangen wird (Industrie, Landwirtschaft, Aussenhandel, Preise, Kredit, Währung, Staatsfinanzen, Wirtschaftspolitik). Dieser Arbeit entnehmen wir nachstehend einige Angaben über die Gesamtlage in wichtigen Einwanderungslandern, wobei Spezialinteressenten aber nicht warm genug empfohlen wercen kann, sich die gesamte Darstellung anzusehen. Fr*8x Suepiie Staatl. geprüft. Heilgehilfe, Masseur. Krankenpfleger, zugel. zu all. Kränkenkass. Spez. Veraltete Ischiasü. Bheumaerkr. Sportverletzg. Figurausgl. Eutfett.- Hass Charlottenburg 4, Wilmersdorfer Str. 125. C i, 1948. Aus der allgemeinen Einleitung seien zunächst zwei Sätze hervorgehoben: „Während des Jahres 1936 ist die weltwirtschaftliche Entwicklung noch günstiger verlaufen, als man zu Beginn des Jahres vermuten konnte . . . Ende 1936 gibt es fast kein Land, in dem sich die Wirtschaft nicht wenigstens deutlich belebt hätte." Argentinien: Günstige Weiterentwicklung der Gesamtwirtschaft; nachdrückliche wirtschaftspolitische Unterstützung. Innere Festigung nimmt zu. Devisenlage bessert sich weiter bei höheren Ausfuhrpreisen und anhaltender Kapitaleinfuhr. Industrialisierung schreitet fort, infolge verschärfter Auslandskonkurrenz aber in verlangsamtem Tempo. Australischer Bund: Belebung tritt wieder deutlicher hervor. Bolivien: Ungenügende Produktion der Zinnbergwerke hatte erneuten Ausfuhrrückgang, Devisenknappheit und Einfuhrerschwerungen zur Folge und verursachte daher einen Rückschlag in der Gesamtwirtschaft. Gegenmissnahmen eingeleitet. Brasilien: Trotz unbehobener Schwierigkeiten auf Teilgebieten im ganzen günstige Weiterentwicklung. Unvermindert lebhafte Binnenkonjunktur. Seit Jahresmitte auch stärkere Ausfuhrbelebung durch Absatzsteigerung der nachgeordneten Ausfuhrerzeugnisse, deren Bedeutung weiter zunimmt. Günstige Auswirkung der neuen Handelspolitik zu erwarten. Weitere Anregung durch grosse öffentliche Investitionen steht bevor. Chile: Aufschwung setzt sich im ganzen noch fort, einzelne Anzeichen beginnender Aufschwungsermattung. Warenanhäufung im Gross- und Einzelhandel; teilweise Absatzschwierigkeiten. Zunehmende Anspannung der Staatsfinanzen. Auch soziale und politische Spannungen (Teuerung, bevorstehende Wahlen) bilden Gefahrenmomente für ungestörte Weiterentwicklung der Wirtschaft. Ekuador: Wirtschaftslage seit August durch erneute Devisenschwierigkeiten und Einfuhrhemmungen beeinträchtigt; auch ungünstigere Ernteaussichten trugen zur Verminderung der Umsätze bei. Weiterhin mit Störungen zu rechnen. Japan: Aufschwung auf schmalerer Basis fortgesetzt. Ausfuhr durch Abwehrmassnahmen der verschiedenen Länder stark behindert. Kanada: Aufschwung schreitet fort. Weizenernte durch Dürre schwer geschädigt. Arbeitslosigkeit geht weiter zurück; etwa Stand von 1930 wieder erreicht. Fremdenverkehr, besonders Ausländer, sehr rege. Waren- und Dienstleistungsbilanz bringen weitere Ueberschüsse. Kolumbien: Nach Besserung des Kaffeepreises Umsätze neu belebt. Wirtschafteaufetieg setzt eich fort, wobei die binnenwirtschaftlichen Faktoren ihr erhöhtes Gewicht behaupten und weiter verstärken. Kuba: Wirtschaftslage im ganzen weiter gebessert. Mexiko: Trotz mehrerer Störungsfaktoren setzt setzt sich günstige Wirtschaftsentwicklung bei wachsendem Aussenhandel und umfangreichen, vor allem staatlichen Investitionen, fort. Mittelamcrika (Kostarika, Guatemala, Honduras, Nikaragua, El Salvador): Bis Ende Oktober noch . keine Neubelebung; Kaffeesaison 1936/37 dürfte bei allgemein günstigen Ernteaussichten und ge* besserten Preisen aber Auftrieb bringen. Neuseeland: Belebung hält an. Palästina: Abbruch des Aufschwungs durch den Generalstreik der arabischen Bevölkerung, Erleichterung der Lage durch Beendigung des Streiks vor Beginn der Ausfuhrperiöde für Früchte. Gegensätze zwischen Juden Und Arabern jedoch noch nicht bereinigt. Rückgang der jüdischen Einwanderung auf fast die Hälfte des Vorjahres. Rückgang des Fremdenverkehrs um fast 40 Prozent. Paraguay: Gesamtentwicklung noch stark durch KriegsnächWirkungen und fortbeStehendeAussenhandelshemmüngen beeinträchtigt. Auswirkungen tiefgreifender siedlungs- und prödliktiööspolitischer Reformmässnähmen noch nicht zu übersehen. Peru: Günstige Wirtschaftsentwicklung hält an. Nach vorübergehender Stockung infolge der Präsidentenwahlen nehmen die Umsätze bei steigender Ausfuhr und Einfuhr weiter zu» Union von Südafrika: Aufschwung hält in gleichem Masse wie bisher an. Industrialisierung nimmt weiter zu. Uruguay: Belebung und Festigung der Wirtschaft macht bei anhaltend günstiger Ausfuhrentwicklung weitere Fortschritte. Venezuela: Infolge Steigender Preise für landwirtschaftliche Ausfuhrerzeugnisse und staatlicher Stützungsmassnahmen Zunehmende Neubelebung der Gesamtwirtschaft. Vereinigte Staaten von Amerika: Investitionskonjunktur weiter lebhaft. Zahl der Arbeitslosen sinkt langsam weiter. Einzelhandelsumsätze um etwa 15 Prozent über Vorjahr. Missernte minderte Farmereinkommen nicht, verteuerte aber Lebenshaltung. Diese Zusammenstellung zeigt, dass die wichtigsten überseeischen Länder, von wenigen Aus* nahmen abgesehen, üire Wirtschaft auf verhältnismässig hohem Stand halten, und dass vorerst nur wenig Merkmale einer Abschwächung festzustellen sind. In den europäischen Agrar- und Industrieländern zeigt sich im wesentlichen das gleiche Bild. Nur einige wenige Staaten, zu denen z. B. Frankreich, die Niederlande, die Schweiz und die Türkei gehören, haben über weniger grosse Wirtschaf tserMge ZU berichten. Auch in den einzelnen anderen oben nicht aufgeführten überseeischen Ländern, wie z. B» Britisch-Indien, Britisch-Malaya, Ceylon, China, Iran, Niederländisch-Indien, Siam und Aegypten, zeigt die Wirtschaftssituation fast ausschliesslich günstigere Momente. Tatsächlich befindet sich also fast die ganze Erde im Wirtschaftsaufschwung, eine Entwicklung, die auch die Juden, trotz aller Einwanderungsschwierigkeiten, mit einer gewissen Zuversicht erfüllen darf. Im Zusammenhang mit dieser Uebersicht über die Wirtschaftslage in Uebersee sind einige Angaben von Interesse, die das Institut für Konjunkturforschung in einem seiner letzten Wochenberichte über die Entwicklung der industriellen Weltproduktion macht. Sie lassen deutlich eine "Reihe von wichtigen Verschiebungen erkennen, vor allem — was für unsere Betrachtung von Bedeutung ist — auch ländermässig. Denn 6s zeigt sich hier an Ausschnitten, dass viele der alten Industrieländer, unter denen sich bemerkenswerterweise auch die Vereinigten Staaten von Nordamerika und vor allem die Länder des ehemaligen Goldblocks befinden, ihren früheren Anteil an der industriellen Weltproduktion noch nicht wiedererringen konnten,- während eine Reihe ..junger" Länder in beachtlichem Vormarsch begriffen sind, auch wenn ihre Industrialisierung noch nicht an den Standard der alten Industriezentren heranreichen kann. Die Zunahme der gesamten gewerblichen Gütererzeugung der Welt schätzt das Konjunkturinstitut nach den in der Tagespresse erschienenen Auszügen im Jahre 1936 auf rund 9 Prozent. Der Nettoproduktionswert der Weltindustrie wird für 1936 auf etwas über 300 Milliarden RM veranschlagt. Das seien zwar noch immer 20 Prozent weniger als im günstigsten Nachkriegsjahr 1929, doch wird dieser Rückstand ausschliesslich den niedrigeren Preisen zugeschrieben; denn mengenmässig sei die Erzeugung bereits wieder 15 Prozent höher als 1928 und sicher 6 Prozent höher als 1929. Von besonderem Interesse für uns ist eine Uebersicht über die Veränderungen in der Industrieproduktion von 1929 bis 1936 nach Ländern (1936 gegenüber 1929 in Prozent). Es handelt sich dabei um eine Mengenschätzung: Zunahme Abnahme Japan . . . + 65% Kanada . . -11% Südafr. Union + 52 % USA . . . -12% Schweden + 35 % Oesterreich -15 % Ungarn . . + 32% Tschecho¬ Rumänien + 28% slowakei . -20% Dänemark . + 25 % Belgien . . -23% Indien . . . + 17 % Polen . . . -28% England . . + 16 % Frankreich . -29% Chile . . . + 7% Niederlande . -33% Deutschland. + 6% punkte hinaus? Unter den Ländern mit zunehmender Industrieproduktion befinden sich vier überseeische und sechs europäische Länder, wo-- bei besonders bemerkenswert der Anstieg bei der Südafrikanischen Union und bei Chile ist. Leider fehlen die Ziffern für die anderen grossen südamerikanischen Länder; man kann aber aus der Allgemeintendena änaehmeh, dass sich bei ihnen die Entwicklung der Industrieproduktion in ähnlicher Richtung bewegt. Unter den Ländern mit rückgängiger Industrieproduktion befinden eich neben sechs europäischen Ländern (von denen mindestens drei dem früheren Goldblock angehört haben) nur zwei überseeische Länder» USA und Kanada, Beide weisen die geringsten Rückschläge auf, und von ihnen ist mindestens USA in industrieller Hinsicht kein »junges" Land und kann den alten europäischen In* dustrieitndern ohne Bedenkeft gleichgestellt werden. Das Gesamtergebnis, soweit es sich an dieser Tabelle ablesen lässt» ist also für die überseeischen Länder nicht schlecht. Es bestätigt im Grund die schon oft an dieser Stelle dargelegte Entwicklung einer wachsenden h\± dustriälisierühg der bisher noch Wenig industrialisierten Länder in Uebersee. mit allen den Möglichkeiten^ die sich daraus für eine Einwanderung ergeben können, die befreite aus hochindustrialisierten Ländern, mit den dort gewonnenen Erkenntnissen und Erfahr rungen, kömmt. Vorausgesetzt, dass die Gesetz* gebung dieser Staaten eine Einwanderung über* haupt zulassen wird. Allzu grosser Optimismus ist nach dem an anderer Stelle wiedergegebenen neuen Elnwanderungsfecht in Chile sicherlich nicht am Platte. H. W-l. Devisenamnestie und Steuer nachzahlung Wer bis Zürn Ablauf des 31. Januar 193* die der Devisenbewirtschaftung entzogenen Werte anbietet, erlangt nach dem Straffreiheitsgeseis vom 15. Dezember 1936 und dessen 1. Durchf, V. Ö. vom 16. Dezember 1936 Straffreiheit auch be- 2üglich solcher Steuerzuwiderhandlungen, die sich auf die angebotenen Werte, deren Ertrags sowie auch das Einkommen aus denselben und den Umsatz derselben beziehen (vgl. meinen Aufsatz in der C.-V;-Zeitung vom 24. Dezember 1936). Kann demnach der Anbietende wegen solcher Steuerzuwiderhandlungen infolge der diese Imi^ greifenden Amnestie nicht bestraft Werden, so hat er doch die zu Wenig gezahlten. Steuern nachzuzahlen, die die bezeichneten Werte betreffen. (Vermögen, Ertrag, Einkommen, Unisatz.) Um nun aber dem reuigen Devisensünder die Hemmung m. nehmen, die wegen der Nachzahlung evtl. beträchtlicher Steuerbeträge der Anbielung der der Devisenwirtschaft entzogenen Werte entgegenwirken könnten, hat die 3. Durchf. V. O. Vom 14. Januar 1937 (RGBl. L S. 10) für diese Steuernachzahlung erhebliche Milderungen und Ermässigungen festgesetzt, die dem Anbietenden in dreifacher Auswahl zur Verfügung stehen. 1. Nacherhebung erst ab 1« Januar 1934 Der Steuerpflichtige kann verlangen, dass zu wenig gezahlte Steuern der oben bezeichneten Art nur insoweit nacherhoben werden, als sie in der Zeit vom 1. Januar i 9 3 4 bis 31. Dezember 19 36 fällig geworden sind oder fällig werden oder auf diese Zeit entfallen. (Bei Erhebung nach dem Rechnungsjahr 1ür die Zeit vom 1. April 1934 bis zum 31. März 1937.) 2. Festsetzung eines Pauschbetrages Statt der Möglichkeit Zu 1. kann der Steuerpflichtige verlangen, dass das Finanzamt einen Pauschbetrag festsetzt, durch dessen Entrichtung er seiner Nachzahlungspflicht für die bezeichneten Steuern bis zürn 1. Januar 1937 genügt (bei Erhebung nach dem Rechnungsjahr: bis zum 1. April 1937). Der Pauschbetrag darf nicht höher sein als 40 Prozent des Gesamtwertes, den die angebotenen Werte, hinsichtlich deren Steuern verkürzt worden sind, zu Beginn des 1. Januar 1937 gehabt haben. Diesen Gesamtwert und den Pauschbetrag setzt das Finanzamt ohne Mitwirkung de9 Beirats durch unanfechtbaren Bescheid fest. Das Finanzamt hat bei der Festsetzung des Pauschbetrags nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu entscheiden. Die Zahlung darf nicht daau führen» dass der Steuerpflichtige wirtschaftlich zum Erliegen kommt oder gezwungen ist» seinen Betrieb in Sachlich nicht gerechtfertigter Weise einzuschränken. Das Finanzamt kann auch ebenso wie im Fälle Sü 1. Stundung und Teilzahlungen bewilligen. 3» Steuer Freiheit bei teil weißem Verzicht Ein Steuerpflichtiger, der die fraglichen Werte ordnungsgemäss anbietet und äUf Verlangen der Reichsbank abliefert, erlangt Steuerfreiheit bezüglich der bezeichneten Steuern* wenn er vor dem 1. Februar i937 auf Teile des Gegenwerts zugunsten des Reichs verzichtet» Sr'wh Urniml Maiermesstsr, BERLIK $58 fcfi UltSS Sil aUGl Marburf)erStr.2.Te!>: B4Bav.0639 Wenn der Steuerpflichtige vor dein 1. Februar 1937 auf 50 Prozent des Gegenwerts verzichtet, so erlangt er bezüglich der bezeichneten Steuern Steuerfreiheit für die Zeit bis zum 31. Dezember 1937. (bei Erhebung flach dem Rechnungsjahr bis «um 31. März 1918). Wenn der Steuerpflichtige VOr dem 1. Februar auf 60 Prozent des Gegenwertes verziehtet, so erlangt ef Steuerfreiheit bezüglich der bezeichneten Steuern für die Zeit bis zum 31. Deiember 1938 (bei Erhebung nach dem Rechnungsjahr für die Zeit bis zum 31. März 1939); Ferner enthält die 3. Durch.V.O. noch die Bestimmung, dass Ansprüche auf Erstattung von Steuern sowie bereits unanfechtbar gewordene Steuerfestsetzungen unberührt bleiben. Des weiteren wird bestimmt, dass Zahlungen, die auf Pausenbeträge geleistet werden, und Gegenwerte, auf die nach Massgabe der obigen Ausführungen verzichtet wird, ausschliesslich dem Reich zufliessen und andere Körperschaften des öffentlichen Rechts hinsichtlich solcher Zählungen und hinsichtlich der vernichteten Gegenwerte Ansprüche gegen dä§ Reich nicht erheben können; Durch die Vergünstigung zü 3) w\'?d eine anonyme Abgeltung der Steuer ermöglicht, nachdem bisher Schon die Anbietung der Devisenwerte ohne Namensnennung öder durch einen Bevollmächtigten erfolgen konnte^ Diese anonyme Anbietung wird aber in manchen Fällen auf praktische Schwierigkeiten stos-sen. Di\ Heinz Cohn. Blick in die Wirtschaft Was zeigt uns diese Tabelle über die bereits einleitend aufgezeigten allgemeinen Gesichts- Berlin, 19. Januar 1937. Trotz der Entspannung der aussenpolitischen Lage blieb der ~Ak t i e n m ä r k l in der Berichtswoche uneinheitlich. In BÖrsfenkreisen vertrat man die Auffassung, dass hier immer noch Nachwirkungen des Gesetzes über die Wegsteuerung von Abwertungsgewinnen festzustellen seien. Die „Deutsche Bergwerkszeitung*' meinte, das letzte Wort über die Auswirkungen des Gesetzes über Abwertungsgewinne sei noch nicht gesprochen. Das bezieht sich wohl auf die vom „Deutschen Volkswirt" angekündigten weiteren Durchführungsverordnungen, die noch bestehende Zweifelsfragen klären sollem Der Interessentenkreis an der Frage der Abwertungsgewinne und ihrer Wegsteuerung scheint, soweit der Bereich der Börse in Frage kommt, erheblich zu sein, und das ist deshalb natürlich, weil viele grosse Unternehmungen seinerzeit Anleihen im Auslände aufnahmen, also von der Wegsteuerimg der Abwertungsgewinne betroffen werden. Hier ist also der Punkt der Auswirkungen, und es ist natürlich zu begrüssen, wenn verschiedene Zweifelsfragen demnächst geklärt werden sollten. Es sei erwähnt, dass der Interessent sich über den Komplex sehr gut durch die Lektüre eines ausführlichen Artikels auf Seite 14 vort Nr. 30/31 der „Frankfurter Zeitung" vom 17. Januar orientieren kann. Es wird weiter in Börsenkreisen angenommen, dass das in letzter Zeit stärker gewordene Interesse des Börsenpublikums an den Werten des Kassamarktes damit zusammenhängt. Die grosse Flüssigkeit des Geldmarktes drängt geradezu nach Anlagen. Diese Tatsache fand ihren Niederschlag in den erfolgreichen Konversionen einer Reihe von Industrieanleihen, was wiederum die „Deutsche Allgemeine Zeitung" zu der Erklärung veranlasst hat, die Industrieobligatiön werde das Wertpapier des Rohstoffprogramms. Zu dem Interesse an den neuen Industrieanleihen, wie der neuen Gemeinschaftsgründung von Essener Steinkohle und Harpen sowie des Mühlheimer Bergwerkvereins, bemerkt die „Frankfurter Zeitung \ dasS erhebliche Gelder ZUr Anlage in derartigen Werten bereit liegen, während die Anlage in Aktien Unter den obwaltenden Kurs- und sonstigen Verhältnissen offenbar weniger reizvoll erscheint. Grösstes inter§sse findet natürlich nunmehr die Frage def bevorstehenden A bschlüsse der Aktiengesellschaften und im Zusammenhang damit die Frage der Steigerung der Dividenden» Wobei es weitgehend begrüsst wurde, dass die Verwaltung des Stahlvereins schon jetzt eine Erhöhung ihrer Dividende auf 4^ Prozent, also Um ein Prozent ankündigte. Das hat natürlich auf die Börsenstimmung belebend gewirkt. Die „Deutsche Bergwerkszeitung<£ glossiert die vorzeitige Ankündigung der Dividendenerhöhung folgendefmassen: Der Vorstand habe nicht nur Aktionären und Börse, die in grösster Ungewissheit Schwebten, einen Dienst erwiesen, er habe darüber hinaus allgemein gehegten Wünschen nach Steigerung der Publizität der Unternehmungen Rechnung getragen, indem er nicht erst bis zur Biläiiz- Sitzung des Aufsichtsrates wartete. Das verdiene Anerkennung und sollte zur Nächeifenlhg anregen, zumal nicht überall die Verhältnisse so gelagert seien wie beim Stahlverein, bei dem die Dividendensteigerung um 1 Prozent trotz der Erfassung der Abwertungsgewinne jsum Teil dadurch ermöglicht werde, dass die Dividende auf ein inzwischen kleiner gewordenes Aktienkapital auszuzahlen sei. Bezüglich zählreicher anderer Gegellgehaften beziehe die Ungewissheit in vollem Umfange weiter. Im übrigen muss das Interesse an Re n t e n - werten vermerkt werden. Man tut wohl gut daran, überhaupt den Rentenwerten in nächster Zeit erhöhtes Interesse zuzuwenden. P ... n