Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 3 (21.1.1937)
- Date
- 1937-01-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Mufti vor der Royal Commission Von unserem * - P al ä st ina - B er i c h t er s t a tt er Tel-Aviv, 13. Januar. Während eine Serie von Unwettern mit Hagel, Sturm und Wolkenbrüchen über Palästina niedergeht, beginnt in den Verhandlungen der Königlichen Kommission das dramatische Finale. Mit einer beinahe genauen Wiederholung der Komödie, deren Inzenierung man vor drei Monaten für den Abbruch des Streiks notwendig hielt, wurde der Boykott der Kommission abgeblasen. Nach langem Zögern haben sich die Herrscher der arabischen Nachbarländer nun doch entschlossen, zum zweiten Male die ihnen zugedachte Rolle in diesem politischen Zwischenspiel zu übernehmen. Sie haben ihre Meinung, die den Arabern Palästinas längst bekannt war, nochmals in offizieller Form ausgesprochen und den Obersten Arabischen Rat auf dessen Bitte gebeten, das zu tun, was er ohnehin tun wollte, aber nicht zu tun wagte: Vor der Königlichen Kommission zu erscheinen. Die Kommission selber hat diesen Schritt mit sichtlicher Befriedigung aufgenommen. Obwohl sie auf Grund eines eigens für sie geschaffenen Gesetzes eine Aussage von jedermann hätte fordern können und obwohl erst kürzlich im englischen Parlament jede Einmischung fremder Mächte in britische Mandatsangelegenheiten abgelehnt worden ist, hat die Königliche Kommission den arabischen Fürsten ihren Dank für die erfolgreiche Vermittlung ausgesprochen. In der; Tat haben sich die arabischen Könige insofern ein. unstreitiges Verdienst erworben, als sie durch ihren Rat immerhin einen Konfliktstoff aus der Welt geschafft und es dem Obersten Rat zum mindesten sehr schwer gemacht haben, während der Dauer der Vernehmungen neue politische Unruhen auch nur zu dulden. Alles weitere wird zum guten Teil davon abhängen, welchen Gebrauch die Araber von der ihnen gebotenen Gelegenheit machen werden. Als erster Zeuge sprach der radikalste, aktivste und wohl immer noch mächtigste Führer der arabischen Nationalbewegung Palästinas, der Mufti Chaj Emin al Hussein!. Er legte ausdrücklichen Wert auf die Feststellung, dass er ausschliesslich als Vorsitzender des Obersten Arabischen Rates spreche, also als Parteiführer und kämpferischer Politiker, aber nicht in seinen beiden anderen Eigenschaften, als Geistlicher oder Beamter, die er als Chef des in der Landesverfassung verankerten Supreme Moslem Council und als Grossmufti von Jerusalem bekleidet. Damit brachte er zum Ausdruck, dass er — im Gegensatz zu den jüdischen Vertretern — die legalen Grundlagen der gegenwärtigen Verhältnisse und damit auch gewissermassen der Kommission selber nicht anerkennt. Auf diesen Ton war auch seine ganze Aussage abgestellt. Es war interessant, dass der Mufti mit der ersten repräsentativen Aussage betraut wurde und die anderen arabischen Parteiführer, die vollzählig im Sitzungssaal versammelt waren, ihn demonstrativ mit Material und sonstigen Verhandlungshilfen unterstützten, obwohl ja eigentlich schon die Tatsache des Erscheinens vor der Kommission eine Niederlage der intransigenten Politik des Mufti und heftiger Kämpfe zwischen den Parteien bedeutet. Das Ergebnis der Sitzung war ziemlich enttäuschend. Der mangelnde Sinn für die Tatsachen, der sich auch sonst so oft in der politischen Arbeit der Araber zeigte, kam auch in dieser Vernehmung deutlich zum Ausdruck. Dieser Mangel zeigte sich nicht nur in der Leichtigkeit, mit der die willkürlichsten Behauptungen ohne Rücksicht auf ihren Wahrheitsgehalt aufgestellt oder wiedergegeben wurden, sondern er hat offenbar auch dazu geführt, dass man im arabischen Lager nicht allzuviel exaktes Material zusammengetragen hat. Da aber auf der anderen Seite die Mitglieder der Kommission selber gewöhnt sind, mit äusserster Skepsis den Behauptungen und Meinungsäusserungen der Zeugen auf den Grund zu gehen, so gab es ein recht lebhaftes Frage- und Antwortspiel, in dessen Verlauf der Vorsitzende. Lord Peel, dem Mufti sogar einmal sagen musste: „Ich glaube, Sie haben Ihre Daten etwas durcheinandergebracht." Abgesehen von den historisch-juristisch-politischen Erörterungen über die allgemeinen Mandatsbestimmungen des Völkerbundsstatuts und die besonderen Grundlagen des Palästina-Mandats gab es zwei Punkte, deren öffentliche Erörterung einige Sensation erregte. Mit grossem Nachdruck, wenn auch ohne Vorlage von Beweisen wiederholte der Mufti die alte Verleumdung, dass die Juden die heiligen Stätten des Islam in Palästina zerstören wollten. Der Vorsitzende fasste dies mit Recht als einen Zweifel an der Vertragstreue der Mandatarmacht auf, die ja gerade im Hinblick auf die Heiligtümer der drei Religionen besonders feierliche Verpflichtungen übernommen und gerade diese Bindungen auch in ihrer Verwaltungspraxis immer besonders ernst genommen hat. Darüber hinaus aber wird in der jüdischen Oeffentlichkeit die Frage gestellt, ob es der Vorsitzende nicht hätte verhindern können, dass in dieser mit Zündstoff geladenen Atmosphäre gerade das Forum der Königlichen Kommission dazu benutzt wurde, um öffentlich den religiösen Fanatismus der Mohammedaner erneut aufzureizen. Denn auf besonderen Wunsch des Mufti sollen die arabischen Vertreter durchweg in öffentlichen Sitzungen vernommen werden. Ein weniger gefährliches, aber politisch um so interessanteres Zwischenspiel ergab sich aus verschiedenen Anspielungen des Mufti auf die „gute alte Zeit" des ottomanischen Regimes. Lord Peel stellte darauf die verfängliche Frage, ob man denn ein türkisches Mandat dem britischen vorziehen würde. Der Mufti wich geschickt einer solchen Festlegung aus, indem er erklärte, dass die Araber sich ja auch gegen die Türken empört hätten, wreil sie überhaupt keine Fremdherrschaft dulden wollten. Aber die Frage war einmal gefallen, und dies gerade in dem Augenblick, in dem die erneuerte Türkei zum erstenmal wieder aktiv, im Gegensatz zu einer westeuropäischen Mandatarmacht, in die Politik dieses Länderstrichs eingreift. Wie bekannt schwebt vor dem Völkerbund eine Auseinandersetzung zwischen der Türkei und Frankreich, der Mandatarmacht in Syrien, über die staatsrechtliche Stellung des zum grossen Teil von Türken bewohnten Bezirks von Alexandrette, für den die Türkei mindestens weitgehende Autonomie fordert, der aber auf Grund der neuen Abmachungen zwischen Frankreich und der künftig freien arabischen Republik Syrien nur eine syrische Provinz bilden soll. Aber sowohl in diesem Falle wie in den;— vorläufig nur rein theoretischen — Erörterungen über die Oelfelder von Mossul, die früher auch einmal zum ottomanischen Reich gehört haben, stehen die Interessen der neuen Türkei in striktem Gegensatz zu den Bestrebungen des Panarabismus. Immerhin ist es bemerkenswert, dass auch an anderer Stelle gerade jetzt ottomanische Vorkriegsreminiszenzen aufgefrischt werden. Eine ausgesprochen gemässigte arabische Zeitung schreibt im Hinblick auf die Zunahme der Raub- und Mordüberfälle auf den Landstrassen, die britischen Behörden sollten sich vielleicht einmal einen alten türkischen Polizeioffizier und "ein paar türkische Gendarme kommen lassen, um von ihnen zu lernen, wie man in Palästina die öffentliche Sicherheit aufrechterhält. An sich ist die wirklich starke Zunahme der öffentlichen Unsicherheit, die sich vorwiegend auf arabische Bezirke erstreckt und auch vorwiegend — wenn auch nicht ausschliesslich — unter Arabern ihre Opfer findet, wohl wirklich ein vorwiegend kriminelles Problem. Das hindert nicht, dass diese Erscheinung auch politisch ausgeschlachtet wird. Zwar appellieren die arabischen Wirtschaftskreise energisch an die Regierung, diesen Zuständen ein Ende zu machen, und sie weisen darauf hin, dass in manchen Bezirken der Handel durch den blossen Druck der Terrormöglichkeiten gelähmt sei und z. ß. manche arabische Kaufleute nicht mehr wagten, sich Läger anzuschaffen. Auf der anderen Seite aber werden politische Rezepte gegeben. Die einen behaupten, dass die Wegelagerer zum Teil identisch seien mit den Angehörigen der Freischaren, die aus Furcht vor Strafe nicht in ihre Dörfer zurückkehren könnten und sich nun nach alter Wüstensitte durch Raub ihren Lebensunterhalt verdienen müssten. Das einzige Mittel zur Befriedung sei also eine ausgedehnte Amnestie. Die anderen machen die Verelendung der arabischen Massen für die stetig steigende Kriminalität verantwortlich, nur dass sie als Ursache dieser beklagenswerten Erscheinung nicht den politischen Streik, sondern — die jüdische Einwanderung anführen. Diese Argumentation hat bekanntlich auch vor der Königlichen Kommission schon oft eine Rolle gespielt. Obwohl die Araber bei der Finanzierung des Streiks und des Terrors eine erstaunliche finanzielle Leistungsfähigkeit erwiesen haben, hört man immer wieder die Gegenüberstellung von reichen Juden und armen Arabern. Dass zum mindesten die These von dem reichen Juden unter allen Umständen leider falsch ist.weiss jeder, der das Leben des durchschnittlichen Arbeiters oder Ewa^TOwa^aq Ussischkin übt Kritik Auf einer in Tel-Aviv abgehaltenen Konferenz der Allgemeinen Zionisten (Gruppe B) Palästinas äusserte sich der Präsident des jüdischen Nationalfonds, der Vorsitzende des Zionistischen Aktionskomitees, M. M. Ussischkin, über seinen Standpunkt zu der Art. in der die jüdischen Zionisten vor der Königlichen Kommission vertreten wurden. Er habe von vornherein zwei Forderungen für das Auftreten der jüdischen Zeugen erhoben: erstens, dass sie nicht als Beschuldigte, sondern als Ankläger aufträten, und zweitens, dass sie klar und offen erklärten: im Verlaufe der 18 Jahre britischer Mandatsherrschaft habe man vier Pogrome gegen die Juden Palästinas durchgeführt. Wenn es England nicht gelungen sei, Leben und Eigentum der Juden zu schützen, so beweise das entweder, dass man zur Verwaltung unfähig sei, oder dass man den Schutz nicht gewollt habe. Im ersten Fall hätte man die Verwaltung ändern müssen, im zweiten Fall müsse man offene Anklage gegen England erheben. Jedenfalls sei kaum anzunehmen, dass schwere Unruhen ausbrechen können, wenn die englische Verwaltung es nicht will. Gegen Weizmauns Referat sei, obwohl es ausgezeichnet und wunderbar gewesen sei, in zweierlei Punkten Kritik zu üben: erstens hätte er nach Ussischkins Meinung nicht sagen sollen, dass die Regierung für die Araber zu wenig getan habe. Die Aeusserung einer solchen Ansicht sei nicht Aufgabe Welzmanns, sondern des?>iufti. Der zweite Einwand betreffe die Frage Transiordaniens. Zu diesem Punkte hätte man zur Kommission sagen müssen: Seht, was ihr uns mit der Balfour-Deklaration gegeben habt und was daraus geworden ist. Im ganzen habe es keinen Sinn, mit Tabellen zu operieren, denen andere gegenübergestellt werden könnten. Man. müsse vielmehr erklären, dass zwar nach jüdischer Auffassung Platz für die Araber im Lande sei. dass aber die Regierung, falls sie anderer Meinung sei. den Arabern Boden beschaffen solle — nur nicht auf jüdische Kosten. Es gäbe ein arabisches Volk, das sich über den Irak, Syrien, Aegypten und Saudi-Arabien erstrecke und weite Ländereien besitze, und es gäbe ein anderes Volk, das nichts besitze, ausser dem Stückchen Boden für ein Grab. Eine solche Stellung zu ihm einzunehmen, wie man es getan habe, sei keine Gerechtigkeit! In dieser Weise hätte man von jüdischer Seite aus argumentieren sollen und nicht durch Vorweisen von Zahlen und Tabellen. Mit dieser Auffassung von der Wahrnehmung der jüdischen Interessen, so erklärte Ussischkin zum Sehluss. sei er im Aktionskomitee vereinzelt geblieben. Deshalb sei er nicht vor der Kommission erschienen, weil er keine Spaltung in die Bewegung tragen wollte. In einem Augenblick des Kampfes auf Leben und Tod gelte als obersler Grundsatz die innere Einheit. Toscanini bei den Hühnern Zirka 80 000 Seelen wohnen in Ramoth Hashawim. sicher doch ein bedeutsamer Ort. Zur Ergänzung dieser Angabe muss man aber hinzufügen, dass die Mehrzahl Hühnerseelen sind und die menschliche Einwohnerschaft nur aus 50 Familien besteht. Aber auch diese wiederum sind wegen ihrer Eigenart erwähnenswert. Zirka 20 dieser Familienhäupter waren in ihrem früheren Leben Aerzte in Deutschland, weitere 10 Juristen, die übrigen Kaufleute. Auf dem Lande lebte früher keiner von ihnen, jetzt sind alle Bauern. Bazillen, Paragraphen und Bilanzen sind viel weniger wichtig geworden für den Ramother wie die Verhältnisse auf dem Eiermarkt und Futterpreise. Ja, das Dorf der sogenannten „Eierjekkes" ist bereits ein Faktor geworden in der palästinensischen Landwirtschaft. Da passierte es, dass plötzlich die Ruhe der Eierdörfier gestört wurde, und das geschah so: Es regnete wieder einmal echt palästinensich, d. h. in Bächen. Im Büro der Siedlung sassen zwei schlechtgelaunte Damen, deprimiert durch die anhaltenden Regenschauer, denn sie sind ausgesprochene „Sonnennaturen". Die Tür öffnet sich, Leute kommen herein, ein Herr tritt auf die eine Dame zu, macht eine Verbeugung, reicht ihr die Hand und sagt: „Toscanini." Die Dame sieht von der Seite auf, nein, für Spässe ist sie heute nicht zu haben, bei solch einem Wetter. Und doch, kein Spass, der Maestro stand vor ihr in Begleitung seiner Frau, Hubermans und Chelouche, dem eintägigen Bürgermeister von Tel-Aviv. Ein Gerücht geht schnell herum, selbst bei einem Dorf von 80 000 Seelen (Hühner incl.). Erst lächelt man ironisch, nein, mich kannst du nicht zum Besten halten, dann ward man zappelig, vielleicht ist es doch wrahr, dann aufgeregt und dann begeistert, den grossen Mann plötzlich ganz in der nächsten Nähe zu wrissen. Nein, das Gerücht braucht nicht lange. Als der Maestro wegen des anhaltenden Regens nach kurzer 'Zeit wieder ins Auto stieg, stand auf der Dorfstrasse eine enthusiastische Menge Spalier. Im Büro herrschte unterdessen helle Begeisterung, jeder wollte den beliebten Gästen eine Freude machen. Frau Toscanini bekam echte Ramother Eier — von den musikalischsten Hennen gelegt, ob die wohl vorher schon was geahnt hatten? — Honig wurde angebracht, und als Clou kam jemand mit einem ganzen Zweig voller Orangen. Alle waren glücklich, die Gäste über den spontanen herzlichen Empfang, die Hühnermenschen, weil sie ihre Lieblinge verwöhnen konnten. Wirklich, das Gerücht geht schnell. Am andern Tag erzählte man sich in Tel-Aviv, Toscanini hätte von den Ramothern zehn Hühner und einen ganzen Orangengarten bekommen. Oft bewahrheitet sich ein Gerücht, zwar nicht immer, aber doch hier. Die begeisterte jüdische Bevölkerung wollte ihrem Meister eine besondere Freude bereiten. Rockach, Tel-Avivs Bürgermeister sagte in seiner Festrede, wir wollen dir keine Blumen schenken, denn die vergehen, wir wollen dir was geben, was bleibenden Wert behält. Und der Jischuw schenkte Toscanini jüdischen Boden. Einen Orangengarten in Ramoth-Hashawim, der Siedlung, deren Sphäre ihm so gefallen hatte. Und Toscanini kam wieder zu uns, und wir konnten den Empfang vorbereiten und darin alle unsere Liebe und Verehrung hineinlegen für die beiden V" ier Toscanini und Huberman. Die Arbeit ruhte an den Stunden, in denenwir sie erwarteten. Selbst die Hühner fanden das selbstverständlich und ergaben sich ihrem Schicksal, ohne zu gackern. Auf seinem Grund "standen sie alle, die Verehrer aus der nächsten Umgebung. Jüdische Bauern und Arbeiter in ihrer Arbeitskleidung erwarteten den grossen Meister. Was muss das für ein grosser Eindruck für diesen Mann gewesen sein, dem bisher seine Verehrer immer nur im Festeskleid entgegentraten. Die Autos kommen. Grosse Stille. Ein Kinderchor singt leise eine hebräische Melodie. Die Herren erscheinen. Jubel bricht los. Der Bürgermeister von Ramoth, der Hirt seiner 80 000, hält eine kurze Ansprache, Iwrit und Französisch. Die Urkunde überreicht Chelouche und spricht für die Stadt Tel-Aviv einige Worte. Toscanini unterzeichnet die Schenkungsurkunde und steht auf seinem Boden. Jubel. Es werden junge Zypressen gepflanzt. Toscanini nimmt dem Gärtner d,en Spaten aus der Hand, er will selbst pflanzen. Alle folgen seinem Beispiel, Frau Toscanini, Huberman, Steinberg, Chelouche und Heinz Simon, der frühere Eigentümer der „Frankfurter Zeitung", ein grosser Förderer des Palestine Orchestra. Frau Toscanini geht immer wieder zu ihrem Bäumchen zurück und tritt die Erde glatt. Drei kleine Siedlerkinder bringen Körbe mit Blumen, Eiern, Orangen und Honig, Erzeugnisse von Toscaninis Siedlung. Das Jungchen, das Frau Toscanini den Korb gibt, ist bleich vor Aufregung, und als sie ihn streicheln will, ist er schon verschwunden. Das Mädelchen, das Toscanini ihre Gabe überreicht, steckt vor Verlegenheit das Fingerchen in den Mund, warum lachen denn auch die Erwachsenen so, und warum sehen die Kinder aus ihrer Klasse so auf sie? Das andere Mädel gibt Huberman brav die Hand, macht einen tiefen Knix, geht voller Würde zurück und ' lächelt erhaben über die neidischen Blicke der Klassengenossen. Der Maestro hat Tränen in den Augen. „Ich komme bald zu euch zurück", lässt er durch Chelouche den Kindern übersetzen, und die Kinder und wir erwarten ihn zurück, unsern Toscanini. Hans Ehrlich, Ramatliaim. 40 Jahre jüdische Autographen- und Porträt-Sammlung Den nachfolgenden Artikel entnehmen wir dem demnächst erscheinenden Mitteilungsblatt Nr. 4 der Hebräischen Universität Vierzig Jahre sind vergangen, seit Dr. Abraham Schwadron begann, seine private Sammlung von Autographen und Porträts berühmter Juden aller Berufe und Länder anzulegen. Der Erwerb des Materials war mit grossen Mühen und hohen Kosten verbunden; Schwadron lebte in dem kleinen Dorf Bieniow bei Zloczöw in Galizien, niemand half ihm, er selbst trat mit seinem Plan nicht in die Oeffentlichkeit. Erst 28 Jahre später, anlässlich des Zionistenkongresses in Karlsbad (im Jahre 1923) stellte er erstmalig einenTeil seiner Sammlung aus. Vier Jahre später (1927) schenkte er die ganze Sammlung der National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem. Sie ist die grösste Sammlung dieser Art der Welt und umfasst mehr als 3500 Autographen und 2500 Porträts. Dem Begründer der Sammlung schwebt als erstrebenswertes und wichtiges Ziel die Schaffung eines Jüdisch-Biographischen Institutes im Rahmen der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek vor, das eine allgemeine jüdische Biographie zu publizieren hätte. In den Aufgabenkreis dieses Institutes würden nach Ansicht von Dr. Schwadron auch die Herausgabe eines Faksimiliariums (auf Grundlage "der Schwadronschen Sammlung) sowie eines allgemeinen Inventariums aller in der Welt vorhandenen Autographen bedeutender jüdischer Persönlichkeiten sowie einer allgemeinen jüdischen Ikonographie fallen.