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Central-Verein-Zeitung · 1937-01-21 · 3 (21.1.1937) · page 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
3 (21.1.1937)
Date
1937-01-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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* fasser, der sich durch seine gründlichen und unvoreingenommenen Forschungen schon manches Verdienst erworben hat, unser Dank für dieses Schriftchen. Es sei jedem empfohlen, der sich oder andere über den Wert der Bibel und ihrer Ethik unterrichten will. Paul Volz: Die Eschatologie der jüdischen Gemeinde im neutestamentlichen Zeitalter. Tübingen. J. C. B. Mohr. Dieses umfangreiche Werk (45S Seiten), das als Frucht eines "bewundernswerten Fleisses in klarer Anordnung die Anschauungen über die „letzten Dinge", über das bevorstehende Endechicksal des Volkes oder der. Welt nach den Quellen der rabbinischen, apokalyptischen und apokryphen Literatur darstellt, ist die zweite Auflage des Werkes „Jüdische Eschatologie von Daniel bis Akiba". Es handelt sich dabei um eine Arbeit für die Fachwissenschaft. Doch seien die jüdischen Gebildeten darauf hingewiesen, dass hier ein Gebiet der Geschichte des jüdischen Geistes behandelt wird, das viele von ihnen überhaupt nicht kennen: die irdischen und überirdischen, nationalen und menschlichen Zukunftshoffnungen, die das Gemüt unseres Volkes vor zwei Jahrtausenden bewegten. Sie sind vom rabbinischen Judentum nicht zu Glaubenssätzen erhoben worden, und doch findet sich manches davon noch in den Gebeten, die wir jeden Tag sprechen. Der Verfasser betont die vorsichtige Haltung des Rabbinismus gegenüber der Apokalyptik, beide seien gleich wichtig in ihrer Zeit. Der Rabbinismus zeigt die Frömmigkeit breiter Volkskreise, die Apokalyptik lebte in kleinen Zirkeln. Beide beruhen auf der Bibel. Im Rabbinismus lebte die sittliche Kraft des Prophetismus weiter, in der Apokalyptik die intensive persönliche Frömmigkeit. Das Buch will eine rein sachliche Aufgabe leisten und ein objektives Bild geben. Bei der Verarbeitung des rabbinischen Materials ist dem Autor manches Missverständnis unterlaufen, z. B. beweisen S. 105 die angeführten Zitate keineswegs, dass die Führer des Volkes Auswege ersannen, durch die die ethische Forderung gewahrt blieb und doch die Heilsgewissheit nicht durch überschwere Bedingungen erschüttert wrurde. Essoll im Gegenteil die Schwierigkeit, das Gesetz zu halten, betont werden. Aehnliche falsche Deutungen S. 264 und sonst. Sie unterlaufen fast jedem Gelehrten, der nicht in der Welt des Talmuds zu Hause ist und daher seinen einzelnen Aussprüchen nicht das Gewicht zu geben versteht, das ihnen im Rahmen des Ganzen zukommt. Doch soll durch solche Ausstellungen der Wert des Buches nicht geschmälert werden. Es "bietet der jüdischen. Theologie, ebenso wie der christlichen ein umfangreiches Material in geschickter Verarbeitung dar. Ernst Jacob-Augsburg Erik Petersen: Das Bueh von den Engeln. Leipzig, Jakob Hegner. Joseph Bernhart: Der Engel des deutschen Yoikes. München, Verlag Ars sacra. Erik Petersen gibt in dieser Schrift eine Analyse der christlichen Liturgie und zeigt deren ausgesprochen religiös-politischen Charakter. Eine Fülle von Ausdrücken, die 'dem politischen Bereich angehören, zum Beispiel Akklamatio (Beifall), Epinikion (Siegeshymnus) usw. sind in die christliche Kultsprache hinei:igekommen. Das Gebet der Kirche gibt sich als das „neue Lied", das unvergänglich ist, „während aller Stammesgesang, Volksgesang und nationaler Hymnus immer wieder dem Schicksal des Veraltens verfällt." Peterson beweist, dass die Kirche wie aus ihrer Liturgie schon sicntbar wira\ nicht einraeh „menschliche Religionsgesellschaft" ist, sondern öffentliche Grösse, also nicht private Institution. „Oeffent- Dazu ist der Lehrer nicht da, begann sie in ihrer besonderen Sprache, dass er seine Nase mit Tabak füllt und Tee in seinen Mund giesst und Kinder schlägt. Wenn er durchaus Lust hat zu schlagen, da soll er mit dem Kopf gegen die Wand gehen. Mag der Rebbe schfagen, wen er will, aber das Kind darf er nicht anrühren. Die Lehrer in unserem Hause wussten, dass man mit dieser Frau sich nicht in Streitigkeiten einlassen dürfe, besonders wenn es mich betraf. Vor ihr fürchteten sich nicht nur die übrigen Mägde in unserem Hof, auch die Nachbarn, ja auch die Tanten. Besonders vorsichtig waren die Lehrer; abgesehen davon, dass sie es für unter ihrer Ehre hielten, mit der etwas frechen Köchin sich einzulassen, wussten sie auch ganz gut, dass, solange sie im Hause wohnten, Essen, Trinken und Schlafen mehr von ihr abhing, als von der Herrin des Hauses, und schliesslich besserte Feigele ihnen auch ihren Rock und ihre Strümpfe aus. Inzwischen war ich elf Jahre alt und Gemore-Schüler geworden. Am Sabbat- Ausgang im Winter las meine Mutter „Kaa Hajaschar" oder „Menorat Hamaor" 4) und auch Feigele hörte an der Tür zu. Da kam es vor, dass die jiddische Uebersetzung irgend eines talmudischen Satzes der Mutter nicht klar war und sie einen Augenblick stockte — da trat ich dann hinzu und las den Satz in der richtigen Weise und erklärte ihn0, so gut ich konnte, und Feigele strahlte vor Lust. Da kamen in Menge die Schwestern und die Basen und ihre Freundinnen und baten mich, den Maggid in seinen Predigten nachzumachen, oder den stotternden Melamed,' wenn er die Schüler lehrte, mit dem Juden aus Wilna, dem Apotheker, deutsch zu reden. Alle Kinder standen am mich herum und lachten laut und Feigele trat leise an mich heran und *) Sammlungen von Midraschin. 5) Talmudtraktat. lieh (parhessia), o Gott, will ich dir singen", heisst es in einem christlichen Psalmenkommentar Das griechische Wort parhessia ist ohne Veränderung in die hebräische Sprache der Mischnalehrer übergegangen. Im Gegensatz zum heidnischen Mysterienkult seiner Zeit hat das rabbinische Judentum das Gebet der Gemeinde und des Einzelnen in das helle Licht der Oeffentlichkeit hineingestellt. Was Peterson an der Liturgie zeigt, führt Joseph Bernhart an der Geschichte des Erzengels Michael aus. Diese Geschichte, die mit Daniel 10,13,21 beginnt, führt in die deutsche Geschichte hinein. Wie der Name Jakob mit dem französischen Bauerntum verknüpft wurde (Jacquerie ist in Frankreich gleichbedeutend mit Bauerntum), so ist Michael Symbol der deutschen Sendung geworden. Die deutsche Geschichte dieses Engels ist so alt wie die christliche Geschichte des deutschen Volkstums. Bernharts Darstellung verweilt besonders bei Karl dem Grossen. Dieser erste Vertreter der christlichen Idee des Abendlandes sah sein Reich als „Gottesstaat": mit dieser Idee Augustins vereinigte er die Völker seines Reiches zu einer politischen Einheit. Die Kirche, über die er zum Unterschied von seinen Nachfolgern die Disposition nie Ssefer Niw Ssfatajm. 2. Teil. Gesammelt und geordnet von Nathan Adler. Verlag 1. Kaufmann, Frankfurt a. M. Der erste Teil des Werkes ist dem Rezensenten nicht bekannt. Nach dem Vorwort wurden diesem Teile bei seinem Erscheinen vor einigen Jahren von berufener Seite so viele wohlwollende Worte gesagt, dass sie den Verfasser und den Verlag bestimmten, einen zweiten Teil folgen zu lassen. Das Buch bietet auf 69 Seiten zu jeder der 54 Ssidroth der Tora je einen hebräischen Midrasch und dazu eine — meist kurze — Ausdeutung desselben, die, wenn war den Verfasser richtig verstehen, „das Licht des Geistes" darstellen soll, welches er selbst dem tausendjährigen Glänze der Midrasch hinzufügt. Der Schimmer, in dem sie nun unter der neuen Beleuchtung erstrahlen, ist aber wohl weniger magisch als seltsam. Die allegorische, moralisierende Auslegungsweise Adlers erscheint uns recht gesucht und gewaltsam. Die Beziehungen, die er zwischen dem Text und den Erzählungen von bestimmten biblischen Personen, dem Seelenleben des Menschen im allgemeinen und des jüdischen Menschen im besonderen, seinen körperlichen Funktionen, seinen sittlichen Aufgaben und sozialen Bestrebungen herstellt, sind vielfach äusserst befremdlich. Sprache und Ausdruck sind stellenweise auf einen hohen Ton gestimmt, zuweilen etwas mystisch. Genuss von den Darbietungen, sei es beim Lesen oder Hören, dürfte vielleicht der Kreis der unentwegt Draschafreudigen empfinden, die von Worten an sich beglückt sind, wenn sie nur Religiöses zum Inhalt haben. M. A. Elie Münk: Die Welt der Gebete. 2. Band. Hermon-Verlag, Frankfurt a. M. 1936. Der Kommentar Münks zum Gebetbuch bedarf keiner erneuten Empfehlung. Der zweite Band, der die Gebete des Sabbaths, Neumonds und der Festtage bespricht setzt die gediegene Arbeitsweise, die wir im ersten Teil des Werkes schon zu bewundern Gelegenheit hatten, in erfreulicher Weise fort. Durch die fast lückenlose Erfassung der Traditionsliteratur bekommt der Leser ein anschauliches Bild des feingesponnenen Gewebes, aus dem die Wortwahl unserer Gebete entstanden ist. Dabei versäumt es der Verfasser nie, auf die dem Teppich der jüditat etwas Salz in meine Tasche, damit, Gott behüte, kein böses Auge auf mir ruhe . . . Und noch ein Winter, da hatte ich schon „Baba kama"5) und auch „Baba inezia"6) gelernt. Nun lernte ich „Chulin" in Verbindung mit Joretea, ausserhalb des Cheder mit dem Rabbi. Mein Lehrer wrar Rabbi Nach man, der zwar schon die Automation zum Rabbiner hatte, aber noch keine Stelle in einem Städtchen als Rabbiner fand. Er leitete die Jeschiwa in dem Bethause der Glaser. Er war besonders erfahren in Hilchot Trefot und an den Abenden, wo im Schlachthause viel geschachtet wurde, am Sabbat-Abend oder am Donnerstag-Abend, da fuhr er im Schlitten mit einem der Rabbinen unserer Stadt, um die Schächtlehrlinge in der Untersuchung der Eingeweide und besonders der Lunge zu unterweisen. Rabbi Nachman nahm mich auch mit, und Feigele untersuchte mit grosser Liebe, ob ich meinen warmen Mantel auch ordentlich zugeknöpft hatte, ob ich auch keine kalten Füsse hatte, und am anderen Tage rühmte sie sich und erzählt überall, dass die Rabbiner gestern nur mich ins Schlachthaus mitgenommen hätten und dass in der Beantwortung von Fragen über Kascher und Trefa keiner grösser sei als ich, und wenn wirklich das Vieh des Schlächters in der vorigen Woche durch den Schochet, der ihn hasste, trefa geworden sei, so solle der ' Schlächter nur zu ihr kommen und sie würde mich dann befragen . , . Wieder gingen einige Jahre dahin und nun kamen die Jahre der Haskala. Die Leute fingen an, mir bisweilen Uebles nachzusagen . . . Ich lese in kleinen fremden Büchern viel mehr als in der Gemore; und wenn ich zur Abendmahlzeit oder zu Mittag nicht zu Hause bin, dann findet man mich beim Buchhändler, wo 6) Zweiter Teil des Schulchan Äruch. aus 'der Hand Hess, war ihmdie entscheidende organisatorische Hilfe beim Aufbau seines Reiches. Aus diesen Gründen erklärt es sich, wenn Karl sich als der „neue David" von seiner Tafelrunde verherrlichen Hess, wenn er seine Franken als „Gottesvolk" in einer religiösen Sendung stehend begriff, und wenn der Erzengel Michael, auf den Alkuin, der Hofgelehrte Karls, eine Dichtung verfasste, und für den der „Michaelstag" (29. September) besonders geweiht wurde, seine grosse Bedeutung erhielt. — Wenn Peterson und Bernhart das Christentum als übervölkische, aber ins politische Leben des Volkstums eingreifende Grösse darstellen, so können hier auch die in kleinen Heften erscheinenden Arbeiten von Mensching erwähnt werden. („Biblische Lebensbilder", zu beziehen beim Verfasser, Petzen bei Bückeburg). Die marcionitische Gefahr betrifft die Loslösung des Christentums vom Alten Testament. Diese Gefahr hat das Christentum oft bekämpfen müssen. Mensching sucht in der Darstellung einzelner Persönlichkeiten des Alten Testaments an das Empfinden der Gegenwart anzuknüpfen und so die Bedeutung des "Alten Testamentes den Zeitströmungen entgegen durchzusetzen. I. M. sehen Gebetswelt eingeflochtenen mystischen Bezüge sein besonderes Augenmerk zu richten. Auf diese Weise kommen in seinen klar und übersichtlich gestalteten Erklärungen Herz und Verstand in gleicher Weise zu ihrem Recht. Der Laie wie der Kenner werden sich mit Gewinn in diese mit viel Liebe und grosser Gelehrsamkeit geschriebene Einführung in unsere Gebetswelt vertiefen. Hugo Hahn. Naphtali Cohn: Anleitung zum Talmudstudiura, 1. Heft, Traktat Sabbat, Abschnitt I. Hermon-Verlag, Frankfurt a. M. 5696/1936. Die Veranlassung zur vorliegenden Arbeit bildet der Umstand, „dass die Bestrebungen das Talmudstudium bei der jüngeren Generation heimisch zu machen, nicht die gewünschten Erfolge gehabt haben." Die Hauptursache hierfür ist der Mangel an geeigneten Hilfsmitteln. „Ziel der Anleitung ist: Verständnis des Textes und dessen Sinn." Der Weg ist folgender: Kurze Einleitung zum Traktat Sabbat, Erläuterung der wichtigsten Begriffe, die im behandelten'Abschnitt von Bedeutung sind, knappe Inhaltsangabe mit Hinweisen auf anderweitige Stellen, die sachlich zum hier behandelten Thema gehören. Nun folgt die Wiedergabe des wesentlichen Inhaltes von Mischna und Gemara (keine Uebersetzung). Das Verständnis der Materie wird durch wissenschaftliche Bemerkungen erleichtert und vertieft. Eine Vermehrung der sprachlichen Hinweise wäre dankenswert. Verwendung und Wertung der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur ist etwas einseitig. Isaak Halevy wird überschätzt. Da das Buch für Laien (nicht für Talmudwissenschaftler) geschrieben ist, sollten nur die einigermaßen gesicherten Ergebnisse der Wissenschaft Verwendung finden, vage Hypothesen wären zu meiden. S. 20 Anm. 5 beruft sich Verfasser zur Unterstützung einer Hypothese auf Sota 12a Tossafot (s. v. Acherim), wo aber diese Hypothese wegen ihrer Unnahbarkeit mit Recht abgewiesen wird. S. 28 ist die Bemerkung über das Redaktionelle unzutreffend (s. besonders Frankel: Darche Hamischna, Absc'hn. 4). Die Arbeit ist geeignet, das Talmudstudium zu fördern, bedeutet somit eine wertvolle Bereicherung der pädagogischen Talmudliteratur. Alexander Guttmann. ich ganze Stunden in den Bücherreihen verbringe. Einige Folianten bringe ich nach Hause, Zeitungen, Broschüren, die, wenn sie zur Erde gefallen sind, ich aufhebe und nicht küsse. Von den Melamdim und den Rabbinen habe ich mich endgültig losgesagt. Zur Mincha und Maoriwzeit gehe ich auf der breiten Strasse spazieren, — und mit wem! Uns besuchen manche junge Leute mit silbernen Knöpfen, die ohne Kopfbedeckung dasitzen und Unjüdisches reden. Der Vater wohnt in Petersburg, die Mutter ist ständig im Laden und ausserdem mit dem Verheiraten ihrer Töchter beschäftigt. Sie legt mir nichts in den Weg, ja sie gibt sogar noch jenen hübschen jungen Leuten Geld, sie dürfen es nur dem Grossvater nicht sagen, denn selbstverständlich gestattet der seinen Enkeln nicht, mit „dergleichen" sich zu befreunden. In ihrem schwachen Gehirn konnte Feigele sich all diese wunderbaren Dinge nicht erklären, doch bei mir und in meinem Benehmen fand sie nichts Böses, sie fühlte zwar einige Veränderungen heraus, hatte manches gehört, was die alten Tanten verbreiteten und dass man dem Vater nach Petersburg schreiben müsse, der sei ja nun einmal der Vater und müsse wissen, dass der Junge vom rechten Wege abginge . . . Wer kann ihr ihre Zweifel deuten, wer ist so klug, dass er versteht, was mit mir, ihrem Liebling los ist? Sie fastet noch mehr, wirft sich im Winter auf die Gräber, bekommt eine starke Lungenentzündung und ist viele Tage krank.' Da kommt nun Unheil über ihren Liebling, an das sie noch nicht gedacht hat: Die allgemeine Wehrpflicht. Alle Vorrechte der Kinder der Kaufleute sind da- .hin, ich muss ins Heer. Der Grossvater selbst, der bisweilen schon die Kinder seiner Untergebenen frei bekommen hat, kann nichts ausrichten, er kann seinen Enkel nicht retten. Man wird mich dienen lassen. S. Spinner: Die Verwendung von Synonymen im Alten Testament und die aufgefundenen Ras-Schamratexte. Nebst einem Anhange: Historischer Exkurs. 1. Heft. Wien. In den letzten Jahrzehnten konnte die Bibelwissenschaft uns durch viele grosse Funde viel Neues und Entscheidendes sagen. Es war von jeher die besondere Schwierigkeit, dass man bei Erforschung der biblischen "Sprache und der älteren jüdischen Geschichte fast nur auf die Bibel selbst als Zeugnis angewiesen war: — ein historisch nicht ernst genug zu nehmendes Zeugnis, aber doch eben nur ein Zeugnis. Für viele historisch und sprachlich unklare Stellen konnte man aus Mangel an fehlendem Vergleichsmaterial keine Lösung finden und w?ar auf Vermutungen angewiesen. Da haben nun die grossen Funde neue Quellen erschlossen. Bis in die allerneueste Zeit gehen die Ausgrabungen fort; erst vor wenigen Wochen kam aus Palästina die Nachricht von neu entdeckten Urkunden aus dem Reiche Juda. — Fragen, die sich aus dem Verhältnis der aus Syrien stammenden Ras-Schamra-Texte zur Bibel ergeben, behandelt Spinner in der vorliegenden kleinen Schrift; er kommt dabei zu reizvollen Feststellungen, wenn er verschiedene Namen und Angaben für Nordsyrien' identifiziert und festlegt. Es zeigt sich gerade hier wieder. wTie sehr wir den Angaben der Bibel Glauben schenken müssen und dass wir nicht — wie es die Bibelwissenschaft oft getan hat — ihre Mitteilungen zuerst einmal als geschichtlich falsch hinstellen dürfen: die .,hochmütige Nichtbeachtung der althebräischen Tradition" ist heute nicht mehr möglich, oder sie führt auf völlig falsche Wege, wie auch Spinner an Einzelbeispielen aufweist. A. Isaak Hememann: Altjüdisehe Allegoristik. Breslau 1938. Die „Altjüdische Allegoristik" ist Gegenstand einer gelehrten Abhandlung des Breslauer Dozenten Professor Dr. I. Heinemann, der hier wohl einen Teil einer noch zu erwartenden grösseren Untersuchung gibt. Nach einer Klärung des Begriffes spricht Heinemann eingehend über die sprachlichen Formen im Hebräischen — chidah, melizah und maschal — in ihrem Bedeutungswandel und über die entsprechende griechische Terminologie, die für die hellenistische und neutestamentliche Zeit von hervorragender Wichtigkeit ist. Eine sorgfältige Untersuchung der betreffenden Teile des jüdischen Schrifttums kommt zu dem Ergebnis, dass sich die altjüdisehe Allegoristik bei aller Aehnlichkeit mit der anderer Völker und Literaturen an zwei Punkten wesentlich unterscheidet: durch die strenge Uebernahme und Ausführung biblischer Gedanken brauchte sie nicht, wie die Kirchenväter, Philosophen und Mystiker, neue Gedanken einzuführen, ist also daher in ihren Aussagen geringer gewagt: und weiterhin ist bei ihr der rationelle Einschlag geringer, während die volkstümliche Frische "der Aggada stärker zum Durchbruch kommt. Fritz Aronstein. Richard Weiner Im Alter von 52 Jahren starb in Prag der bekannte tschechische Lyriker und Epiker Richard W e i n e r, langjähriger Pariser Berichterstatter" der grossen Tageszeitung „Lidove" Noviny". Die "Presse der Tschechoslowakei würdigt in tief empfundenen Nachrufen das dichterische Schaffen Richard Weiners. Seine sterblichen Usberreste wurden in seine Vaterstadt P i s e k in Böhmen überführt, wo das Begräbnis In Anwesenheit hervorragender Persönlichkeiten auf dem israelitischen Friedhof stattfand. Fast jeden Tag lief sie auf den Friedhof, je nach dem Stande meiner Soldatenangelegenheit. Einmal war die Gefahr sehr gross, da schlich sich Feigele den ganzen Tag aus dem Hause und kam erst abends müde und matt und zerschlagen heim. Ich bin auf dem Grabe der Grossmutter gewesen, sie ruht in Frieden, man darf ihre Ruhe die ersten zwölf Monate nicht stören, aber dies ist eine Ausnahme, sie hat michangenommen. So hatte Feigele entschieden, dass in solchem Kriegszustande und solcher Unglückszeit man auf diesen Minhag nicht zu achten brauchte, da ist sie hingegangen und hat an das Grab der Grossmutter geklopft und von ihr mit aller Kraft verlangt, dort oben Erbarmung zu wecken und sich meinetwegen zu bemühen und mich aus meiner Not zu erretten. In diesem Winter erkrankte sie noch einmal an der Lungenentzündung und wenn sie auch von dieser Krankheit sich noch erhob, so war sie doch sehr schwach undhinfällig. Als ich meine Vaterstadt verliess und nach Petersburg ging, verliess auch sie unser Haus und unsere Stadt und kehrte in ihre Vaterstadt heim, dort ist sie gestorben. Aus Petersburg schrieb ich ihr einige Male und bisweilen fand sie auch jemanden dort, der mir in ihrem Namen schrieb; sie bat mich, ihr Freimarken zu senden, denn sie wüsste nicht, wo man sie kaufen soll. Die warmen und zarten Wellen, die mein Herz durchziehen, während ich diese Zeilen schreibe, packen mich mit aller Macht, auch jetzt noch nach so vielen Jahren. Zu Hause in der Kindheit habe ich den teuren Schatz, der. mir in der Liebe der Feigele und in ihrer Sorge um mich beschieden war, nicht so stark empfunden. Menschenaugen sehen oft nicht die Engelsflügel, die sie schützen. (Uebersetzt von J. Friedländer.) Deutung und Auslegung

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