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Central-Verein-Zeitung · 1937-01-21 · 3 (21.1.1937) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
3 (21.1.1937)
Date
1937-01-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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JDrei Pw*@mieren Georg Hirschfelds „Pojaz" im Kulturbund Rhein-Ruhr Köln, 17. Januar, Auf der Suche nach Stücken jüdischen Stoffes für die Kulturbünde kamen der Leiter des Kulturbundes Rhein-Ruhr, Dr. Heinrich L e - vinger, und der Schauspieler Walther Herz: (Hertner) auf den Gedanken, den „Pojaz" auf die Bühne zu bringen. Georg Hirschfeld, der Schöpfer der „Agnes Jordan", der „Mütter" und anderer naturalistischer Dramen, wurde aufgefordert, diese Dramatisierung vorzunehmen. Was wir in Köln nun am Sonnabend zum erstenmal auf den Brettern sahen, war nicht der dramatisierte Frauzos'sche Pojaz, sondern wie das Programm es klugerweise nannte, ein Schauspiel nach dem Roman von K. E. Franzos von Georg Hirschfeld. Dieser selbst bekennt in einem Aufsatz „Dramatisieren" im Januar-Mitteilungsblatt des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr — und so erklärte er es mir auch in einer persönlichen Unterhaltung vor der Premiere —, weshalb er den Versuch eines eigentlichen Dramatisierens des Französischen Romans habe aufgeben müssen: „Als ich Franzos' Pojaz las" — so führte er aus — „kam ich hoffnungsvoll verwirrt Von dem Drama des Vaters Kurländer, der unvergeesliclien Schnorrergestalt, zu dem des Sohnes und seiner Pflegemutter, von dem bunten Abenteurerdasein des Pojaz zu seinem Theatererleb- Walter Herz (Hertner), Anneliese Gellhorn nis, von der tragischen Begegnung mit dem österreichischen Freigeist zu seinem Kampf mit dem Rabbi von Barnow. Auch Malke Salmenfelds Geschick wäre ein Schauspiel. Der kostbare Ausschnitt aus dem östlichen Wandertruppenleben gäbe eine Tragikomödie für sich... Aber der Rückblick auf das Ganze des Romans steht vor keiner Wahl, es heisst hart sein und vergessen, um desto tiefer sich zu erinnern. Die Kunst des Ablösens und Aufgebens, sogar von Dingen, die unentbehrlich schienen, war Grundbedingung. Das Drama ist Selbstzweck..." So müssen wir also, bevor wir das Schauspiel betrachten, von vielen Menschen, Schauplätzen und Vorstellungen, die uns mit dem Roman verbinden, Abschied nehmen. Der da vor uns steht, ist nicht mehr der Pflege6ohn der Mautpächterin Rosel, sondern ihr leibliches Kind und er wächst auf in Kenntnis der Tatsache, dass er der Sohn des König6 der Schnorrer, Mendel ist. So braucht er über das „Warum" seines Wesens nicht lange zu grübeln, wie denn überhaupt vieles, was in dem Roman an Problematik, Tiefe, Spannung steckt, durch die — zum Teil wohl notwendige — Vereinfachung verloren geht. Das „Geheime", das Sender, der Pojaz, in sich trägt, und von dem immerfort die Rede ist, ist kein Geheimnis mehr, denn die Schauspielertruppe ist in Barnow selbst gewesen, Jenny Boree (Marba), Alfons Fink Fot. (2) Ehrlich, Köln der Theaterdirektor hat in der Gaststube der Rosel mit Sender gesprochen, halb Barnow klatscht darüber, ja selbst seine Freundschaft mit Pater Marian ist der Mutter und den Freunden bekannt — bleibt zu erraten also nur noch, dass er durchbrennen will und dass er Deutsch lernt . . da aber beides gleich im ersten Akt zwischen Sender und dem Theaterdirektor auf der Bühne besprochen wird, bleibt für den Zuschauer im Gegensatz zu den Einwohnern von Barnow ein eigentlicher Spannungsmoment nicht mehr übrig. Wenn trotzdem der Abend gleich vom ersten Auftritt an ein unzweifelhafter Erfolg war, so liegt das daran, dass man gern einmal alte Bekannte auf der Bünhe sieht, selbst wenn sie sich etwas verändert haben — so wie wir uns ja auch über Jettchen Gebert freuten, obschon wir jede Pointe im voraus kannten, und daran, dass das Stück in seinem Aufbau die Hand des erfahrenen Theaterschriftstellers fühlen lässt, der aus dem volkstümlichen Motiv ein theaterfestes Volksstück zu machen verstanden hat, das an alle Saiten des menschlichen Gemüts rührt: man lacht und man lächelt, man wird ernst und man. weint____ Vor allem aber verdankt es den Erfolg der sehr gewandten Regie Ben Spaniers, die das Volksstückhafte im Spiel, das sieh da in einfachstem aber sehr geschicktem und geschmackvollem Szenenwechsel zwischen den Kulissen der Wanderbühne vor uns abspielte, besonders betojit. (Bühnenbilder Egon Marcus.) Zuerst allerdings wird das Schauspiel etwas zu stark zum Schwank, da müsste es nicht der Pojaz, sondern Itzig Türkischgelb heissen, denn dieser immer lustige Heiratsvermittler beherrscht die Szene. Alfons Fink gibt ihm aus tiefer Menschlichkeit quellenden Humor, er gestaltet ihn liebenswert und vermeidet bei aller Lebendigkeit das allzu Drastische. Neben ihm spielt sich Walter Herz (Hertner) als Sender erst in den Szenen in den Vordergrund, wo er nicht mehr der Pojaz, sondern ganz der zielbewusste. für sein Studium lebende und sterbende Mensch ist. Fink nämlich ist der heiter unbeschwerte Pojaz von Natur — Herz (Hertner) mehr der Pojaz aus dem Verstände heraus. Ihm glaubt man nicht die Narreteien und nicht den Schalk, aber man folgt ihm mit innerer Bewegung als „Bocher des Lebens", wie er seinen glühenden Lebensdurst einmal zu bezeichnen hat. Der Höhepunkt ist seine Erzählung von der Flucht — da und in ähnlichen Momenten erschüttert er, und da gelingt es ihm auch, seinem Organ die Fülle und Festigkeit zu geben, die wir in letzter Zeit zu unserer Freude häufiger bei ihm feststellen konnten. Neben ihm die Gestalt seiner Mutter, der Jenny Boree (Marba),. die Güte, Wehmut und Liebe zu geben weiss, mit der der Autor diese Mutter in reichem Masse ausgestattet hat. Der Rabbi, W.Fraenkel (Froon), besitzt nicht die Unnahbarkeit und Härte, die ihn zum Tyrannen seiner Gemeinde macht, wie man überhaupt die Enge des Ghettos mehr aus den Reden erfährt, als dass man die Atmosphäre spürt, und wenn man an sie dennoch glaubt, so eigentlich nur aus unserem Vorwissen, das uns Enge und Ghetto als identisch zu empfinden gelehrt hat. Zum erstenmal stand Anneliese Gellhorn an diesem Abend auf der Bühne. Sie gab der Jütte die Zartheit ihrer geheimen Liebe und ihres Verzichts und liess durch die Echtheit ihres Spiels und Tons aufhorchen. Neben ihr trat die allerdings vom Dichter recht stiefmütterlich behandelte Gestalt der Malke (Ruth Festers e n)'' etwas zurück. Willy B u s c h h o f f lieh dem berühmten Schauspieler Dawison in geschmackvoller Schlichtheit Gestalt und Sprache. Georg Jakobsohn sollte als Nadler den Theaterdirektor weniger und den warmherzigen Menschen mehr betonen. In kleineren Rollen mühten sieh Julius Rutkowski, Emmy Samuel (Merkel), Hugo Schuster und Hans Tobar mit um das Gelingen des Abends. Dichter, Regisseur und Schauspieler konnten für einen stürmischen Beifall danken, der bewies, wie ausserordentlich starken Kontakt diese Menschen links des Rheins mit dem Schicksal der gestalteten Menschen von rechts der Weichsei gefunden hatten. Und dies wiederum mag beweisen, dass es dem Dichter und der Darstellung gelungen war, das ewig Menschliche, das Streben nach dem hohen Ziel und die Sehnsucht aus der Enge in die Weite, das den Roman uns zeitlos nah erscheinen lässt, auch in diesem Schauspiel lebendig zu machen. Der Besucher aus Berlin, der sogar innerhalb des jüdischen Theaterlebens richtige Bühnen und Bühnenzubehör gewöhnt ist, freut sich der grossen und tüchtigen Arbeit, die ernste, kunstbesessene Menschen mit den bescheidensten Mitteln nun schon seit Jahren in Köln und in Rheinland-Westfalen vollbringen. Dr. Margarete Edelheim. „Essig und OeF* Kleinkunst im Berliner Kulturbund Diesmal ist's keine Revue, sondern ein richtiggehendes Stück mit einer zusammenhängenden Handlung und der dazugehörigen Musik. Es heisst „Essig und 0 e 1", stammt von den Wiener Autoren Siegfried Geyer und Paul Frank und dem Musiker Rudolf Katscher. Vor einigen Jahren bereits bei Reinhardt gespielt, hat es bei der Wiederaufnahme wie eine Novität gezündet, und Max Ehrlich, der Sieggewohnte, durfte mit seinem Gemischtwarenhändler Seibert mit Recht von sich sagen: Ich bin der glücklichste Mensch unter der Erde. Die Autoren haben ihr Stück ein Märchen genannt. Man hätte es eher ein Volksstlick nennen sollen, dem auch die Wiener Lokalfärbung zugute kommt. Wie im Volksstück ergibt sich zum Schluss eine einfache Moral aus der Geschieht', etwa so: Reichtum macht glücklich, oder: Wahre Liebe überwindet alle Hindernisse. Dass eine so unbekümmerte, durch keinerlei Problematik beschwerte Naivität zu stärkster Wirkung kam, war das besondere Verdienst der Aufführung, für die der Tausendsassa Max Ehrlich in eigener Person verantwortlich zeichnete. Er hat zwar den spezifisch wienerischen Ton des Stückes, das er fast ganz ins Norddeutsche transponiert, nur leise anklingen lassen; aber die eine Szene, in der er selber mit dem Vortrag eines Wiener Weinliedes die weiche Atmosphäre der Donaustadt hervorzauberte, formte er zu einem kleinen, feinen Kabinettstück. Neben ihm Camilla Eisner (Spira), die den sieghaften Charme und die sprühende Lebhaftigkeit ihres Naturells für die Rolle der „Lebensretterin" Annie erfolgreich einsetzte. Auch ihr Jüdische Musiker in Nordamerika Von unserem A. H—e-Sonderberichterstatter New-York, Anfang Januar. Man darf sich bei der Betrachtung des amerikanischen Kunstlebens nicht vom Glanz des gigantischen New-Yorker Betriebs täuschen lassen. Wie bei vielen anderen Dingen nimmt diese in ihrer Energieentfaltüng fast unheimliche Stadt auch in der Musik eine Sonderstellung ein. Eine Stadt, in der drei Konzertorchester miteinander wetteifern — New-York, Boston und Philadelphia —, deren technische Vollendung in der Welt nicht überboten wird, gibt keine allgemeingültigen Massstäbe. So besitzt auch der „Solistenmarkt" hier einen Reichtum an Erscheinungen wie kein Musikzentrum Europas. Die Entwicklung in Europa ist Nordamerika schon seit Jahren zugute gekommen. Ueberall stösst man auf Namen hier ansässiger Tonkünstler, die meistens ihre Weltgeltung von Europa aus erworben haben. K r e i s 1 e r, El man, Heifetz, Zimbalist, Menuh i m. Moriz Roseatbal, Emanual Feuerm a n n bilden nur eine Auslese unter den grossen jüdischen Solisten, denen die schöne, akustisch unübertreffliche Carnegie-Hall an ihren Abenden das imposante Relief gibt. Stellt man ihnen noch die unzähligen Musiker von Können und Ansehen zur Seite, die in neuester Zeit ihr Wirkungsfeld nach New-York verlegt haben, dann bekommt man eine Vorstellung, welche Bereicherung das hiesige und damit zugleich das ganz? nordamerikanische Musikleben erfahren hat In den Wettbewerb auf dem Podium sind neuerdings hochqualifizierte Künstler, wie die frühere Koloratursängerin der Münchener Staatsoper und später des Berliner Kulturbundtheaters. Fritzi Jokl, der Baritonist Ernst W o 1 f f, der Kapellmeister Emil Kahn, die Begleiter Kitzinger, Rebner, V. Ernst y? o 1 f f, Dr. Jokl, der Violinist Boris Schwarz, die Cellisten Silberstein und Schuster getreten. Viele Musiker von Rang haben sich angesichts der Ueberfüllung New-Yorks nach den Weststaaten gewandt, in denen nach dem Urteil gründlicher Kenner des Landes grössere Chancen bestehen. Die Physiognomie des Musiklebens von Los Angeles wird in den repräsentativen Orchesterkonzerten schon seit mehreren Jahren von Otto Klemperer bestimmt. Ihm sind neuerdings Arnold Schönberg als Kompositionslehrer, Ernst T o c h als Verfasser von Filmmusiken, Dr. Hugo Strelitzer als Dirigent und Dozent für Musikwissenschaft gefolgt. Das amerikanische Sprechtheater hat kaum einen Schauspieler von Bedeutung aus Europa aufgenommen. Auch die akzentfreie Beherrschung der Sprache bietet neben dem Talent noch keine Gewähr für einen erfolgreichen Weg. Die künstlerischen Eigenschaften, die hier zu Anerkennung und Popularität führen, weichen eben doch beträchtlich von dem ab, was etwa in Deutschland oder in Oesterreich bestimmend ist. Gerade die amerikanische Komik geht von ganz anderen psychischen Voraussetzungen aus. Leichter haben es die Opernsänger, die sich überwiegend der deutschen Sprache bedienen können. Auch in dieser Saison gehören zu den gefeiertsten Mitgliedern der Metropolitan Opera Friedrich Schorr, Emanuel List und Alexander Kipnis. Am Dirigentenpult wirkt seit Jahren Arthur B o d a n z k i, der die entscheidenden Werke des deutschen Repertoires leitet. Den szenischen Apparat beeinflussen im Sinne moderner Opernregie seit der vorigen Spielzeit erfolgreich Herbert Graf und Leopold Sachse. Auch aus dem Orchesterraum grüssen wohlbekannte Gesichter herauf: den Streicherchor führt am ersten Pult Stefan F r e n k e 1, der auch als Solist tätig ist, und der frühere Konzertmeister des Berliner Kulturbundes, Werner L y w e n. In dem grossen Stab der Kapellmeister des Instituts figuriert an hervorragender Stelle noch der frühere Kasseler Dirigent Abravanel. In der Manhattan Opera hat die (an dieser Stelle schon gewürdigte) Uraufführung des „Wegs der Verheissung" von Franz W e r f e 1 in der Inszenierung Max Reinhardts stattgefunden. Will man sich einen Begriff von dem Umfang der öffentlichen Musikpflege in den Vereinigten Staaten machen, dann halte man sich vor Augen, dass mehr als 600 S e n d e s t a t i o n e n tätig sind. Selbst die populäre Musik erfährt meist eine ausgezeichnete Wiedergabe. Dem neu ins Land kommenden Solisten von gefestigtem Können eröffnen sich im Rundfunk beträchtliche Wirkungsmöglichkeiten. Allerdings erschweren die gewaltigen Entfernungen Reisen für Radiokonzerte in anderen Staaten. Konzertreisen sind in Nordamerika überhaupt ein Problem. Trotz aller Bequemlichkeiten, die der Reisende bei weiten Strecken haben kann, stellen Konzerttourneen so ungewöhnliche körperliche Anforderungen, dass jedem Solisten Vorsicht bei Abschluss solcher Unternehmungen anzuraten ist. Es sei dabei noch betont, dass die Zeiten, in denen Geld gescheffelt werden konnte, selbst für Solisten von internationalem Ruf — wenigstens vorläufig — vorüber sind. Die Musikliebe des Juden findet in der Struktur des Publikums ihren deutlich wahrnehmbaren Ausdruck. Juden bilden einen erheblichen Prozentsatz der Konzert- und Opernbesucher, und sie stellen auch einen grossen Teil des Mäzenatentums, auf dem die öffentliche Musikpflege, wie überhaupt das gesamte Kunstwesen, in weitem Ausmass ruht. Ungewöhnliche Talente finden häufig eine Förderung, wie sie kaum ein europäisches Land noch zu bieten vermöchte. Die Frage, ob die Vereinigten Staaten einem einwandernden Tonkünstler begründete Aussichten auf ein innerlich und materiell befriedigendes Wirkungsfeld geben können, lässt sich bei sorgsamer Prüfung der positiven und negativen Faktoren dahin beantworten, dass heute wie ehedem auf allen musikalischen Gebieten Chancen bestehen. Man vergesse allerdings nicht, dass auch Amerika eine nicht unbeträchtliche Zahl arbeitsloser Musiker, besonders Orcheetermusiker, hat. Das in den Oststaaten vorhandene Ueberangebot muss zu der dringenden Mahnung führen, das Augenmerk auf Städte der mittleren und der westlichen Staaten zu richten. An zahllosen Punkten des ungeheuren Landes lässt sich eine kulturelle Aufbauarbeit von nicht zu unterschätzender Bedeutung leisten. Bedauerlich ist nur, dass keine Instanz vorhanden ist, die als Stellenvermittlung den neu Bedame, die Waren dürfen nicht ausgeführt werden. — Er hätte sich Mühe und Kosten gespart, wenn er den WirN schaftsteil der C.-V.-Z E IT U N G gelesen hätte. Bestellschein umseitig!

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