Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 3 (21.1.1937)
- Date
- 1937-01-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2277379-2277516-2277519--11539-2281084- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Konzerte und Vorträge Partner Bert Baer machte sich' 'durch* 'die angenehme und sympathische Frische seines Spiels bemerkbar, das er in der Rolle des Liebhabers an der Klippe konventioneller Sentimentalität geschickt vorbeiführte. Reizend, auch für das Auge, das Kinderquartett in seiner exakten, gestrafften Haltung. Dass es gegen den eigenen ,Vater unisono rebellierte, konnte man ihm schon .verzeihen; doch darf man für Siegfried Urias, den dumpf polternden Darsteller Vater Enzingers, mildernde Umstände insofern geltend machen, als die Autoren dem schwarzen Mann ihres Stückes an Bösewichtszügen kaum etwas schuldig geblieben waren und gerade bei dieser „unsympathischen" Figur eine wienerische Dialektfärbung wahrscheinlich sänftigend gewirkt hätte. Eine ausgezeichnete komische Charge von sicherem Umriss und ohne betonte Aufdringlichkeit bot Berthold Guttentag mit seinem Buchhalter, der in der Bezechtheit den tyrannisch dem stimmungstiefen Traumspiel „Jusik" bringt die Jüdische Jugendbühne in Berlin nunmehr zwei unbeschwerte Lustspiel-Einakter heraus: Kleists „Zerbrochenen Krug" und „Die Gezierten" („Les precieuses ridicules") von Moliere. Die Wirkung auf die Kinder ist diesmal unzweifelhaft schwächer. Es fallen keine Vorhänge zwischen den Szenen, es fehlen diese Augenblicke schönster Erregung, in denen man in leiser Unruhe, manches vorausahnend und herbeiwünschend, auf den nächsten Akt wartet, ungewiss, was nun geschehen wird. Dazu kommt — dies trifft allerdings nur auf das Moliere-Lustspiel zu: die Kinder wissen nichts Rechtes damit anzufangen. Schon der Titel: „Die Gezierten!", was heisst denn das, was ist denn ein „Gezierter" oder gar eine „Gezierte"? Ja, gewiss, sie verstehen schon: die beiden vornehmen Dämchen auf der Bühne haben sich furchtbar „affig", und dass sie von zwei gewöhnlichen Dienern zum Narren gehalten werden, das geschieht ihnen auch ganz recht, aber so eigentlich glaubhaft ist das alles nicht; woher sollten sie auch wissen, dass es derlei im siebzehnten Jahrhundert gegeben hat. und dass der Sittenrichter Moliere die modischen Unsitten und Auswüchse seiner Zeit geissein wollte?! Ach, und es wird soviel von literarischen Salons und kleinen Chansons geplappert und alles in so gedrechselter Redeweise, manchmal ist es ja ganz lustig, aber auf die Dauer doch ein bischen fad, — ob die auf der Bühne nicht alle mächtig viel Staub in den Perrücken haben? Immerhin: es wird hübsch gespielt, vor allem Steffi Rosenb a u m gefällt, ihr glaubt man ganz die gezierte Gans, ihrer Cousine im Stück (Franziska Okmiansky) schon etwas weniger. Und lustig ist vor allem der Werner Hinzelmann, der immer mit der Stimme überkippt. Ein energischer Papa, wenn auch eher aus Neukölln als aus Paris: Martin Merory. In kleineren Rollen: Kurt Süssmaun, Simon Sainsky, Stella Ehrlich, Irene 0 h n s t e i n und Bert Baer. Die undankbare Aufgabe, dieses sehr zeit- und sehr kinderferne Stück in Szene zu setzen, hatte Ernst Rosenbaum übernommen. sieren'den Chef an 'den Pranger stellt. Von 3en sonstigen Mitwirkenden seien noch der junge Wolfgang Bernstein als schlaksiger Lehrling, Ilse Intrator als energisch ins Zeug gehende Köchin und Stella Ehrlich (Hay) als ältere Erzieherin mit typischen Gouvernantenmanieren hervorgehoben. Die Musik wurde, wo sie über ihren melodramatisch untermalenden Charakter hinaus selbständig hervortrat, vom Orchester der Kleinkunst-Sechs unter Werner Baers umsichtiger Leitung schmissig wiedergegeben. Bei den Bühnenbildern durfte man wieder das sichere Raumgefühl und die malerische Phantasie Heinz Condells bewundern, der — gemeinsam mit dem technischen Einrichter Hans Sondheimer — eine Reihe illustrierender, grellbunter, dazu drehbarer Prospekte äusserst geschickt in die Miniaturbühne hineingestellt hatte. Dr. Hugo Lachmanski. Dass das Stück nach der Pause den Kindern mehr Freude machte, war deutlich zu spüren. Der „Zerbrochene Krug" ist wirklich unverwüstlich (man möchte schreiben: unzerbrechlich) — hier wurde das Stück ausserdem noch, wofür besonders dem Regisseur Herbert Grün - b a u m Anerkennung gebührt, mit so viel Verve gespielt, dass es die jungen Zuschauer vom ersten bis zum letzten Wort in Atem hielt. Prächtig war Artur P e i s e r , der bisher in der Jüdischen Jugendbühne noch nicht gewirkt liatte, in der Rolle des Dorfrichters Adam. Wie er sich immer mehr und mehr in das Netz seiner eigenen Lügen verfängt, das ist ausgezeichnet gestaltet, auch dass er in den Tönen zuweilen vergröbernd derb und laut ist, kann man ihm bei dieser Aufführung vor Kindern nicht verargen. Etwas blass dagegen, nicht genügend Intrigant, Werner Hinzelmann als Schreiber Licht. Von gelassener Ueberlegenheit der Gerichtsrat Walter: Simon Sainsky. Stefanie Mannheim, Franziska Okmiansky und Bert Baer geben ihre Rollen mit glaubwürdiger Biederkeit. Stella Ehrlich ist eine fast gespenstisch wirkende Frau Brigitte. — Die dreifache Aufgabe, die Kleist nach der Auffassung von Gundolf am „Zerbrochenen Krug" gelockt hat, nämlich Spannung, Kleinmalerei und Komik zu geben, ist bei dieser Aufführung der Jüdischen Jugendbühne sicher bis. zu einem gewissen Grade^gelöst worden. Und dennoch hatte man zu sehr den Eindruck, dass über eine flüchtige, eine kurze Zeitspanne währende Unterhaltung den Kindern diesmal nicht sehr viel gegeben wurde. Heinz Berggrüa. Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin hat ein Notstandskabarett jüdischer Künstler eingerichtet. Der erste Abend findet am 31. Januar, 201/-* Uhr. in den Berolina- Festsälen, Schönhauser Allee 28, statt. Künstlerische Leitung: Willi M a s ch k e. Mitwirkende: Kurt Abramowski (Gialdini), Walter Goldstein (Steiner), Dr. Richard Hirsch, Else Horwitz (Jansen), Alice Jacobsohn (Jansen), Siegberg Lewin, Ilse Vordemberge und Herbert Zernick. Eintritt ohne Reichsverbandskarte, bei Nachweis der Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft. Im letzten Konzert des Jüdischen Kammerorchesters unter Edvard Moritz in Berlin wurde deutlich, dass sich die junge Vereinigung auf aufsteigendem.Wege befindet. Der Gesamtklang gewinnt immer mehr an Kultur; eine stärkere Initiative vom Dirigentenpult her wird noch manches zur Straffung des Aufbaus und zu regerem Pulsieren künstlerischen Atems beitragen können. Sind viele Dirigenten zu unruhig, so muss man Moritzdas Gegenteil vorhalten. Die erste Programmhälfte brachte schöne Werke alter Meister, darunter das festliche Cembalokonzert von Dittersdorf, das Gertrud Wertheim mit dem barockhaften Glanz ihres herrlichen Instrumentes ausstattete. Walter 01 i t z k i setzte in einer Telemann-Arie mit obligater Violine zuviel Ton an, so dass der Triocharakter des Stückes — drei gleichberechtigte melodische Linien nebeneinander — nicht ganz zur Geltung kam. Die „Elias"-Arien erhielten einen Schuss Opernblut, der ihnen nicht recht ansteht Diese kleinen stilistischen Bedenken wurden aber durch die stimmlichen" Fähigkeiten Olitzkis weitgehend aufgewogen. Die etwas längliche Serenade von Dvorak beschloss den Abend; H. Fr. Mayer-Mahr-Trio — der Name ist 'dem musikliebehden Berliner seit langer Zeit ein Begriff. In der alten Zusammensetzung besteht es nicht mehr; aber Professor Moritz Mayer-Mahr hat in Wladislaw Waghalter und Leo R o s t a 1 neue Gefährten gewonnen, und er bietet uns mit ihnen — in einer Sonderveranstaltung des Kulturbundes — gleich zwei der schwersten Werke der Literatur, Beethovens Geistertrio und Brahms' op. 87. Man erlebt ein Zusammenwirken in strengster Form, bei dem alles auf Grosslinigkeit. des Aufrisses und Bindung der einzelnen Klangfarben zum einheitlichen Gemälde abgestellt ist. Für solistische Allüren bleibt kein Raum. Trotzdem darf man sich an dem perlenden Laufwerk des Klaviers freuen und an der unaufdringlichen Sicherheit, mit der Mayer-Mahr zu führen versteht. Dem Violinpart wäre vielleicht etwas mehr Elan und Sinnlichkeit des Tones zu wünschen gewesen. Des Cellisten musikantisches Temperament lebte sich besonders in einem Variationswerk Hans Gäis über ein ..Heurigen"-Lied aus, einer geistvollen Arbeit, in der man etwas von weicher Wiener Luft, etwas von lieber Rühr Seligkeit, gemildert durch einen leicht parodistischen Einschlag, zu verspüren meint. Konzerte von diesem Niveau sind uns nicht mehr allzu häufig beschieden. Daher wäre zu hoffen, dass auch die nicht übermässig grossen Lücken im Saal sich künftig füllen. H. Fr. Riehard K a r p führte sich mit dem ersten Konzert, das er in Hamburg als Leiter des Orchesters der Jüdischen Kulturbünde gab, erfolgreich ein. Er ist ein sehr temperamentvoller Dirigent, dessen Schwung das Orchester milzureissen versteht. Der erste Teil des Konzerts enthielt neben Mozarts Figaro-Ouvertüre eine gute Aufführung der h-moll Sinfonie von. Schubert. Mit Bizets Arlesienne-Suite und Strauss' „Zigeunerbaron"-Ouvertüre erspielte er sich dann im zweiten Teil einen ganz ungewöhnlich starken Publikumserfolg, an dem er auch das Orchester teilnehmen liess. Solistin des Abends war Ilse Urias, die mit Orchesterbegleitung eine Mozart-Arie und zwei Mahler- Lieder sang. Sie besitzt eine vortrefflich geschulte Stimme, ihr Sopran ist von grossem Wohlklang und ihr Vortrag ist sehr kultiviert. Auch sie hatte starken Beifall. Das gesamte Programm war indes wenig glücklich zusammengestellt. Dass man z. B. die Mahler-Lieder zwischen die Arlesienne-Suite und die „Zigeunerbaron'-Ouvertüre gesetzt hatte, war ein Missgriff. Weder hätte man eine solche Gewaltsam-» keit dem Komponisten noch der Solistin und den Hörern antun sollen. A. . Eine der stärksten Erscheinungen des jüdischpianistischen Nachwuchses, Erich Landerer« fand aussergewöhnlichen Beifall bei den Mitgliedern sämtlicher, dem Rhein-Ruhr-Bezirk des Jüdischen Kulturbundes angeschlossenen Städte. Die Ueberwindung höchster technischer Anforderung ist dem Künstler selbstverständliche Voraussetzung für sein Spiel, das sich ungehindert der Vergeistigung und der Verinnerlichung hingibt Kein Wunder, dass der Vortrag brillanter, mit Verve eines echten Vollblutmusikantentums gebrachter Kompositionen von Chopin und Paganini-Liszt das Publikum zu rückhaltloser Bewunderung zwang. In Dortmund, Duisburg, Krefeld und Wuppertal musizierte Landerer gemeinsam mit dem überall hochgeschätzten Bariton Hermann S c h e y. —yo— Das Orchester der Jüdischen Kulturbünde konzertierte unter Leitung von Generalmusikdirektor Professor Julius Prüwer in Leipzig und Chemnitz. Prüwer und seine Musiker ernteten starken Beifall. Auf Einladung des Jüdischen Kulturbundes gab der Chor Chemjo Wi n a w e r s in 3Iünchen ein Konzert. Die Darbietungen fanden volle Anerkennung. Die Fremdartigkeit mancher Weisen und das "Ungewohnte ihrer Darbietungsart, wie auch die Tatsache, da6s einzelne Stücke zum Teil die Grenze von Synagogengesang zur Konzertsaalmusik überschritt, liess nicht alle Hörer zur vollen Begeisterung für die ungewöhnliche Veranstaltung kommen. . Dela L i p i n s k a j a gastierte an drei viel umjubelten Abenden im Kulturbund München. Hier tritt nicht nur eine scharmante, sondern auch eine hochbegabte, geist- und witzvolle Artistin auf. — mm. Jüdischer Kulturbund Berlin Der nächste Theaterabend des Jüdischen Kulturbundes Berlin bringt zwei Märchenstücke aus dem Osten: „Das Postamt" des berühmten indischen Dichters Rabindranath Tagore und darauf „Di e Hochzeit der S o b e 1 d e", das dreiaktige Bühnenwerk von Hugo von Holmannsthal. Dieser österreichische Dichter jüdischen Bluts wird mit diesem Werk zum erstenmal auf der Bühne des Jüdischen Kulturbundes Berlin vertreten sein. . Am 7. Februar, 20% Uhr, wird als Sonderveranstaltung zugunsten der Jüdischen Winterhilfe Händeis grosses biblisches Oratorium „Israel in Aegypten" vom Kurt Singerschen Chor zusammen mit dem Chor des Jüdischen Kulturbundes (über 200 Sänger) im Bachsaal, Lützowstrasse 76, aufgeführt werden, Die Leitung liegt in den Händen von Kurt Singer. Solisten: Marianne Caula, Paula Salomon (Lindberg), Julius Peissachowitsch, Kurt Rahmer. Cembalo: Gertrug Marcus, Orgel: Erwin J o s p e. Der'2.' Vortrag; von Dr. 'Anneliese Landau im Januar „Jüdische Musiker III" muss von Sonnabend, 30. Januar auf Sonntag, 31. Januar, 2QK Uhr, im Bach-Saal, Lützowstrasse 76, verlegt werden. Die ausgegebenen Vortragsmarken behalten ihre Gültigkeit. _ Der Jüdische Kulturbund Rhein-Main führt; „Rigoletto" am 28. Januar, 20 Uhr, im Saalbau Frankfurt a. M. auf. Musikalische Leitung: Generalmusikdirektor Professor Julius Prüwer; Regie: Kurt Rahmer, Berlin. Mitwirkende: Wilhelm Guttmann, Emmy Lussheimer-Joseph, Richard Dresdner, Hans Assenheim. Leonore Schwarz-Nenmaier, Kurt Rahmer, Max Lipmann, Janko Czerner- Kauffmann, der Opernchor unter Leitung von Dr.-Nathan Ehrenreich und das Orchester der Jüdischen Kulturbünde. Zwei Einakter in der Jüdischen Jugendbühne ankommenden Musikern zur Seite steht. Vorläufig muss jeder auf eigene Faust sein Glück versuchen und die Vakanzen auskundschaften. Immer wieder gewinnt man aber den Eindruck, dass ein qualifizierter Musiker über kurz oder lang in seine Berufssphäre gelangen kann. Er stelle sich nur ohne übertriebene Vorstellungen von dem, was ihm geboten werden kann, fest auf den Boden der Realitäten: sie sind für ihn wahrscheinlich gerade in den Vereinigten Staaten immer noch günstiger als in den meisten Ländern der Erde. Senden Sie mir bis auf Widerruf die C.-V.-Zeityng 66 Pfennig für Februar und März zahle ich bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger. Die beiden letzten Januar-Nummern werden mir kostenlos geliefert. Name:--- Ort:- Strasse:-— Ausschneiden und mit 3 Pfg. frankiert (oder auch unfrankiert) senden an: C-Y.-Zeitung, Vertrieb, Berlin W 15, Emser Strasse 42. J 2 Oliva 8141. Der Seher des Grauens Zu Georg Heyms 25. Todestag Vor 25 Jahren ertrank beim Eislaufen im Wannsee, als er seinen eingebrochenen Freund Ernst Balcke retten wollte, der Lyriker Georg Heym, 25 Jahre alt, neben Werfel wohl die stärkste expressionistische Begabung dieser Epoche. Nur war Heym der Herbere, Härtere, der Dunklere und Schwermütigere. Dieser Rechtsstudent wider Willen war wirklich ein expressiver, explosiver Dichter: der stämmige, derbe, unsentimentäle Berliner barst und platzte stets von dichterischen Visionen, die er in Verse, Erzählungen, Tagebücher unermüdlich zu bannen suchte. Die Realität wurde ihm zur Vision, die Vision aber zur Realität. Denn das war das Neue: Die Wirklichkeit war hier übersteigert gesehen, in schauriger Unheimlichkeit, ins Wilde, Uebergrosse, Ueberlaute verzerrt, die Vision hingegen gedrängt und geballt zu krass anschaulicher Gegenständlichkeit. Zu seinen Lebzeiten erschien nur der Gedichtband „Der ewige Tag", kurz nach seinem Tode, noch von ihm vorbereitet, die Novellensammlung „Der Dieb". Dann unter dem Titel „Umbra vitae" nachgelassene Gedichte, zusammengestellt von seinen Freunden David Baumgardt (später Professor der Philisophie an der Berliner Universität, jetzt in England), Erwin Loewenson, W. S. Ghuttmann, Jacob van Hoddis (Davidsohn), Robert Jentzsch. Zehn Jahre nach seinem Tode gab ich mit Erwin Loewenson Heyms „Dichtungen" heraus: das bisher Erschienene um eine grosse Zahl herrlicher Gedichte unter dem Titel „Der Himmel Trauerspiel" vermehrt, die wir in Heyms unendlichem Nachlass fanden. Heym hat seine tönenden, dröhnenden, vokalreichen Strophen an Baudelaire geschult, und zeitweise erstarren sie in ihrer gehämmerten Monotonie mit den vielen Relativsätzen fast zum Schema. Aber später entströmten ihm dann freiere Gedichte, und mit der gelösteren Form löst sich auch sein gequältes Ich. Denn die bisher unveröffentlichten Tagebücher zeigen, dass dieser kraftstrotzende, wildgeniessende Kerl von Leid und Sehnsucht zertrümmert war, zermartert vom Leben, von seiner Zeit und seinem Intellekt. Es sind im Grunde zwei Arten von Visionen, die in diesen Gedichten, Gesichten immer wiederkehren, meist ineinander verschmolzen: traumhafte Landschaft der Traurigkeit und Schaurigkeit — und Menschen in Elend, Not und Tod. Unter ihnen sind auch Juden, wie Simson und Judas. Um so unbegreiflicher und überwältigender, dass dieser unheimliche, schmerzliche Ton dann manchmal ganz zart und lieblich klingt. Und am allerunheimlichsten erschien uns Ordnern seines Nachlasses, dass Georg Heym in seinem Tagebuch plötzlich das damals unzeitgemässe Bekenntnis und hellsichtige Selbstbekenntnis hingeschrieben hatte: „Man könnte vielleicht sagen, dass meine Dichtung der beste Beweis eines metaphysischen Landes ist, das seine schwarzen Halbinseln weit herein in unsere flüchtigen Tage steckt." k. P. Theater, Musik, Film In Prag starb im Alter von 44 Jahren der Schauspieler Ferdinand Hart. Er war früher an führenden Bühnen Deutschlands, zuletzt an der Volksbühne und am Deutschen Theater, in Berlin tätig.. * Am 23. Januar, 22 Uhr 20 Min., singt Hermann Schey im Wiener Rundfunk u. a. einige der Pierrotlieder von Max Kowalski. ■ * Im Alter von 58 Jahren ist in London der weltbekannte Pianist Harold S a m u e T gestorben. Die gesamte Londoner/Presse widmet dem Verstorbenen eingehende Würdigungen. Es wird übereinstimmend festgestellt, dass Samuel einer der hervorragendsten Interpreten Bachscher Musik war. * Walter Olitzki wurde von Direktor Raoul Gunzbourg verpflichtet, an der Oper in Monte Carlo den Alberich in „Rheingold" und „Siegfried" zu singen. * Der dänische Rundfunk überträgt am 21. Januar, 20 Uhr 10 Min., aus dem Theatersaal in Kopenhagen ein Sinfoniekonzert, dessen Dirigent Professor Nikolai Malko ist und bei dem als Solist Emanuel Feuer mann (Cello) mitwirkt. Das Programm weist u. a. die Hebräische Ouvertüre von Prokofieff sowie ein Konzert für Violoncello und Orchester, op. 35, von Ernst T o c h auf. * In einem Sinfoniekonzert, das am 21. Januar, 20 Uhr. 55 Min., vom holländischen Rundfunk aus dem Concertgebouw Amsterdam übertragen wird, wirkt Arthur Rubinstein (Klavfer) mit * Unter der Leitung von Heinz U n g e r findet am 22. Januar, 22 Uhr 40 Min., . im englischen Nationalsender ein Sinfoniekonzert statt, bei dem u. a. Gustav Mahlers 4. Sinfonie zu hören sein wTird. * Die Pariser Radiostation sendet am 23. Januar, 21 Uhr 30 Min., Offenbachs Operette „La Perichole'\ # Die englischen Senderübertragen am 23. Januar, 22 Uhr 30 Min., aus dem Covent Garden eine Aufführung von Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen". * Ernst Silb erst ein, der frühere Cellist des Klingler-Quartetts, gab zusammen mit V. E. W o 1 f f sein erstes Konzert in N e w-Y o r k unter starker Anteilnahme von Publikum und Presse. # Franz Osborn konzertierte mit grossem Erfolg in T u r i n , wo er im Sinfoniekonzert mitwirkte, und in Rom, wo er als Solist im Konzert des dortigen Kammerorchestes auftrat und einen eigenen Klavierabend gab. * Der Cellist Ewel Stegman spielt im Warschauer Radio für alle polnischen Sender am 24. Januar, 2IV2 Uhr. * Friz L a n g hat in A m e r i k a seinen ersten Film „Fury" beendet. Er behandelt das Problem der Lynchjustiz. Die Hauptrollen spielen Sylvia S i d n e y und Spencer Tracy.