Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 3 (21.1.1937)
- Date
- 1937-01-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Blatt der jüdischen Trau Nummer 3 2. Beiblatt der C.-V.-Zeifung 21. Januar 1937 Ratschläge für Amerika- Einwanderinnen / von Dr. Dom Edinger Sonderb ericht f ür die C.-V.-Z eitung tfew-York, Anfang Januar. Die ausgezeichnete Artikelreihe „Immigrant, nicht Emigrant", die im Sommer 1935 in der C.-V.-Zeitung erschien, enthält, wie ich nun aus eigener Erfahrung bestätigen kann, die beste Information, die sich der Auswanderer nach den Vereinigten Staaten wünschen kann. Es hat sich auch kaum etwas verändert seither. Die wirtschaftliche Lage hat sich — wie vorausgesehen wurde — seit den Wahlen entschieden noch verbessert. Das nicht zu übersehende rein seelische Moment des Vertrauens und der Hoffnung spielt da eine sehr entschei- Die Schneiderin MOdellatetier SCtlHief Der Schneidtr für die elegant gekleidete Dame Berlin NWS, Schiffbauerdamm 12a, a.Bhf.Friedrichstr.,D2W«idend.2137 dende Rolle. Dennoch ist zu sagen, dass Einwanderer, die nicht körperlich leistungsfähig sind, und besonders solche,- die ohne" Mittel für die erste und schwerste Zeit sind, hier kaum Aussichten haben. Und ungeheuer wichtig ist natürlich die Kenntnis der Sprache. Obschon überall ausgezeichnete, speziell für Ausländer' eingerichtete Sprach-, kurse kostenlos besucht werden können, so ist dazu hier die Zeit einfach zu teuer. Immer wieder soll darum mit grossem Nachdruck jede Beratung dem Auswanderer ans Herz legen, im eigensten Interesse seine Sprachstudien in Deutschland zu beginnen. Und, wie ich hinzusetzen möchte: amerikanisch, nicht englisch, soll 'gelernt werden! Wohl ist die Literatursprache kaum unterschieden. Um so mehr aber die Umgangs-, die Geschäfts- und vor allem die Zeitungssprache. Und gerade die muss der Neueinwanderer beherrschen, wenn ihm nicht sehr empfindliche Verluste entstehen sollen. Es kommt sehr viel weniger darauf an, ein korrektes, vor allem in der Aussprache den strengsten „englischen" Regeln entsprechendes Amerikanisch" zu sprechen, als sehr fliessend' und eben mit Kenntnis des „Slang" — vor allem des „Slang" der Zeitungen. Annoncen und vieles andere auch sind sonst unverständlich. Wenn ich zu den oben erwähnten Artikeln noch etwas ergänzen möchte, so nur mit besonderer Rücksicht auf einwandernde Frauen, deren Lage näturgemäss dort nicht so im Vordergrund der Berichterstattung stand. Die Anforderungen sind natürlich verschieden, ob es sich um eine berufstätige (verheiratete oder alleinstehende) oder um eine Frau handelt, die hauptsächlich einwandernden Familienmitgliedern als Haushälterin zur Seite stehen soll. Die jetzige Einwanderung unterscheidet sich ja von der früheren — in deren Einordnung die amerikanisch-jüdischen sozialen Organisationen eine ganz einzigartige, durch Jahrzehnte erprobte Erfahrung besitzen — dadurch, dass es zunächst keine reine Familieneinwanderung ist. Es wandern — bedingt durch die Auswahlmethode der Konsulate, aber auch durch andere Gründe — mehr junge, alleinstehende Menschen ein. Die jungen Männer lassen sehr oft ihre Schwestern nachkommen, und ich kenne eine ganze Reihe solcher Geschwisterpaare, die einen ganz einfachen Gemeinschaftshaushalt führen. Der Bruder ist meist vollberufstätig, die Schwester noch nicht, solange ihre Sprachkenntnisse dazu noch nicht ausreichen. Sie besucht also noch eine Sprachschule, und kocht und wäscht für den Bruder; so können beide bei bescheidensten Ansprüchen auskommen. Die Lebensmittel sind sehr billig, Zimmer mit Kochnische häufiger als in deutschen Grossstädten. Es ist das ein Uebergangszustand, ähnlich dem vieler junger Mädchen, die zunächst eine Stellung . im Haushalt annehmen, um daneben die Sprachkurse abends besuchen zu können. Aus diesen beiden Beispielen geht ja schon deutlich hervor, wieviel günstiger die Verdienstmöglichkeiten lägen, wenn die jungen Mädchen bereits mit perfekten Sprachkenntnissen herkämen. Dass jede hauswirtsehaftliche Vorbildung die Aussichten hier verbessert, ist ebenso klar: Haushaltstellen sind stets angeboten, wenn sie auch nicht immer so sind, wie man sie den Einwanderern wünschen möchte. Aber auch neben dem Beruf, den man gelernt und früher ausgeübt hat, muss man sich etwas hauswirtschaftlieh auskennen. Es verbilligt das Leben sehr, und selbst hochbezahlte Angestellte arbeiten mehr für sich, als sie in Deutschland täten. Die Industrie kommt ihnen da in jeder Weise zu Hilfe. Die Frau, die dauernd nur als Haushälterin ihrer Familie hier lebt — und das nicht als Uebergang betrachtet —, muss zunächst viel mehr selbst tun, als sie gewohnt war, findet aber mehr praktische Hilfsmittel; es herrschen auch im allgemeinen geringere Ansprüche an „Gepflegtheit" des Haushaltes. Dass in der Küche gegessen, dass die Schlafsofas nur ganz kurz gelüftet werden, dass die Wäsche sehr viel rascher erledigt wird, ist etwas, woran man sich gewöhnen wird. Schwerer fällt der aus Deutschland kommenden Hausfrau oft die so notwendige geistige Beweglichkeit: sehr oft versäumt sie, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, sich in das geistig-kulturelle Leben der neuen Umwelt einzuordnen, wie es die ausserhäuslich berufstätigen Frauen zwangsweise tun müssen, und gerät dadurch in die Gefahr, so zu werden wie die Familienmutter der vorletzten .ostjüdischen Einwandererschicht, die doch ein warnendes Beispiel sein sollte. Während nämlich die Männer und Kinder sich weitgehend amerikanisiert haben, ist die Frau — aus sehr entschuldbaren Gründen — darin weit zurückgeblieben, und hat nicht das einigende und bewahrende Element in der gefahrvollen . Uebergangszeit. bilden können. Sehr häufig sind die streng orthodoxen, jiddischsprechenden Mütter ihren Kindern geistig ganz fremd geworden. Ich habe besonders viel Gelegenheit, solche Frauen zu sehen. Sie sind nicht die lebensvollen Vermittlerinnen einer überlieferten Kultur, sondern tragisch vereinsamt und stehen den Interessen ihrer Kinder und Enkel hilflos und ganz ohne geistige Brücke gegenüber. Hier ist also gerade die scheinbar, den Familienzusammenhang erhaltende Funktion der Nur-Hausfrau der Grund des Familien Zerfalls mit all seinen seelischen und moralischen Folgen geworden. Die aus Deutschland einwandernde Frau hat es unendlich viel leichter als diese Einwanderin der früheren Generation, und doch versäumen viele es in gleicher Weise, sich einzufügen. Es kann also nicht dringend genug auch der Frau, die mit ihrer Familie auswandern will, geraten werden, sich bereits vorher so gründlich sprachlich und hauswirtschaftlich vorzubereiten, dass sie hier mit einem Mindestmass an Anstrengung auskommt und Kräfte übrig hat, um sich geistig umzustellen, ja sogar — wenn möglich — eine ausserhäusliche Tätigkeit anzunehmen. Das braucht noch kein Erwerb zu sein. Aber sehr wertvoll ist tätiger Anschluss an einen Frauenverein oder Frauenklub. Hier findet sie den gesellschaftlichen Anschluss, den sie sonst nur im Kreise früherer Bekannter fände, hier wertvolle Hilfe in Schulfragen, und auch eventuell Verdienstmöglichkeiten. Vor allem verschafft sie sich so eine „Ausspannung", die in den Vereinsprogrammen hier eine grosse Rolle spielt. Im aligemeinen kommen die Hausfrauen hier in einem so erschöpften Zustand an, dass ihnen jede neue Aufgabe eine unerträgliche Last scheint. Diese Erschöpfung habe ich mit tiefer Sorge wieder und wieder beobachtet. Sie entsteht durch die seelische, geistige und körperliche Ueberbelastung zwischen der Visumserteilung und der Ausreise, und wird in der Hoffnung ertragen, dass ja eine Seereise eine Erholung sei. Sie ist es gewiss nicht immer, gewiss nicht für eine abgearbeitete Mutter mit Kindern, die durch die etwas gelockerte Disziplin der Wochen vor dem Aufbruch nicht gerade besonders fügsam, und am Ende — seekrank sein können. Darum möchte ich recht dringend allen, besonders aber allen Müttern, die die grosse Belastung der Auswanderung auf sich nehmen müssen, anraten, unbedingt — so schwer es auch ausführbar erscheint — einige Tage völliger Entspannung zwischen die letzten Reisevorbereitungen und den endgültigen Aufbruch einzuschieben. In viel grösserem Masse, als es bei allem sorgfältigen Planen berechenbar ist, entscheidet die persönliche Eignung der Auswandernden über das endgültige Gelingen. Und wenn es sich um eine Familie handelt, so ist die Kraft der Mutter ein Faktor, der — in wortwörtlichem Sinne — „unschätzbar" ist Im Rahmen einer Veranstaltung de6 „JoQdsche Vrouwenraads" Amsterdam, trug Edith Herrnstadt-Oettingen aus der Bibel und jüdischen Dichtwerken vor. e> KA J"i *M ML^ der Jüdischen Winterhilfe am Sonntag, den 24. Januar Die Teeveranstaltung zugunsten der Jüdischen Winterhilfe findet am Sonntag, 24. Januar, um 16.30 im Brüderverein, Kurfürstenstrasse 115/116, statt. Mitwirkende: Rita A 11 a s z , Wilhelm G u 11 - mann, Ruth C o n d e 11, Xelly Hirsch, Charlotte Rosen-Salomonsky. Willy P r a g e r , Erna Klein und das Orchester der Jüdischen Künstlerhilfe unter Leitung von Dr. Hermann Schildberger und Dr. Fritz Berend. Karten- Vorbestellungen: Jüdische Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Berlin C. 2, Rosenstrasse 3—4 CD 1 6711 Apparat 60). Seelische Winterhilfe 11. Veranstaltung. Kinder-Nachmittag, am 26. Ja- nuar, 15 Uhr 30 Min. 12. Veranstaltung, Bunter Abend, am 26. Januar, 20 Uhr. 13. A;eranstaltung, Kinder-Nachmittag, am 27. Januar, 15 Uhr 30 Min. 14. Veranstaltung, Bunter Abend, am 27. Januar, 20 Uhr, Logenhaus, Kleiststrasse 10. Mitwirkende am Kindernachmittag: Charlotte Hirschfeld (Holms), Henny Loewenstein, Eva M ü n z e r , Hanni Rosenthal,.Jonny Schwersenz. Am Klavier: Ilse Stern. — Mitwirkende 'am Bunten Abend: Arthur Zander sagt an; Werner Bukofzer, Martha Frost, Hedi Haas«, Alice Hannes (Cassirer), Charlotte Hirsch feld (Holms), Heinz M a k o w s k i, David Neumann, Hanni Rosent h a 1, Erwin Siissmann, Jonny Schwersenz. Am Klavier: Rudi Lehmann, Ilse Stern. Karten für Hilfsbedürftige unentgeltlich im Winterhilfsbezirk Westen, Lützowstrasse 16. Winterhilfsbezirk Südwest, Münchener Strasse 37. Neben der Eintrittskarte ist das Bewilligungsschreiben auf Verlangen vorzuzeigen. Einlass zum Bunten Abend ■ 19 Uhr 30 Min. Jugendliche unter 18 Jahren haben zum Bunten Abend keinen Zutritt. Mutter spricht im Wind Von S. Ben-Chorin Du sprichst zu mir im Abendwind, Deine Stimme kommt weltenweit her: Ich glaube, das ist ein Gnadenwind Aus Kinderlandschaft her. Keine Sorge mehr in deinen Worten ist Kein Bangen macht sie mehr schwer. Dein Wort nur Feier und Trost mir ist Von Träumeland weht es her. Es gibt einen Schmerz, der selig macht. Dein Reden tut solches Weh. O großer Liebe große Macht Nimmer im Wind verweh! Nimmer im Wind mir verweh! <><><x><>o<><><><xx><><x>o<>ooo<>o<xx>o<>oo<> Vom Abschiednehmen Von Dr. W. Blumenthal Man sprach in kleinem Freundeskreis über allerlei zeitgemässe jüdische Fragen. Von einer klugen Frau wurde die Ansicht geäussert, es sei eine bemerkenswerte Begleiterscheinung unseres Gegenwartsschicksals, dass die „Seltenheitsgefühle", Empfindungen, die im Ablauf eines Menschenlebens sonst nur ganz selten, nur an den Wenden des Daseins auf uns einwirken, uns jetzt mit ihrer ganzen Wucht häufig, ja unablässig überfallen und unser Seelenleben belasten und verwirren. Die Sprecherin, der wir aufmerksam und zunächst mit fragend-hochgezogenen Augenbrauen lauschten, erläuterte ihre Meinung sogleich an einem praktischen Beispiel: Sie dachte vor allem an die jetzt so zahlreich an uns herangetragenen Augenblicke der Trennung von lieben Angehörigen, die uns verlassen, um in ein anderes Land zu gehen. Was wir in unserer Jugend in Balladen und Liedern von Leid und. Trauer des Abschieds vernahmen, ist fast zur Begleitmelodie unseres Alltags geworden. Wir fühlten, dass hier ein überaus wichtiges Thema angeschnitten wurde, mit dem sich wohl jeder von uns schon einmal in dieser Zeit beschäftigt hat. Die Frage: Wie bestehen wir bei dieser Beschwerung unseres Gefühlslebens, wie überwinden wir zunächst seelisch* für uns selbst die Notwendigkeit der Trennung, das Aufhören liebgewordener und vertrauter Beziehungen, und wie verhalten wir uns in der Stunde des Abschieds? Haben wir es gelernt, das unnennbare Gefühl des Wehs zurückzudrängen, durch einen natürlichen Takt des Herzeng die Situation durch Selbstbeherrschung zu überbrücken und für die neue Lebenslage die notwendige Bereitschaft und Umstellung zu finden? Hier liegt eine wichtige Aufgabe jüdischer Selbsterziehung. Wir wissen alle aus eigener Erfahrung, dass die Jugend, die von uns geht, durch eine wunderbare Selbstzucht diese Stunde des Abschiednehmens, mag sie sich in stiller Stube unter vier Augen oder in der Oeffentlichkeit einer Bahnhofshalle vollziehen, zu meistern gelernt hat. Die jungen Leute, die oft einer ungewissen Zukunft entgegengehen, lächeln ihren Eltern und Freunden zu, sie unterdrücken nicht nur den Schmerz der Trennung von denen, die ihnen das Liebste sind, das sie besitzen, sondern sie besiegen dies Weh wirklich im Besitz ihres Zukunftwillens, angefacht durch das Beispiel der Kameradschaft, die ihnen das Sicherheitsgefühl der Zusammengehörigkeit verleiht. Dies hat das Geschehen der letzten Jahre immer wieder gezeigt: Unsere jüdische Jugend hat die richtige Geste des Abechiednehmens gefunden. — Mit ihrer höheren, beinahe philosophischen Heiterkeit verschönt sie die sonst kaum fassbare Stünde, in der Raum und Zeit sich zu einer Ewigkeit zu überschneiden scheinen. Diese Jungen rufen uns nicht da6 phrasenhafte „Auf Wiedersehen" zu: In ihrem Händedruck liegt vielmehr . Versprechen und Gewissheit, dass wir uns wirklich wiedersehen werden, dass der Begriff der Trennung, wie so vieles andere, nur eine Illusion von vois gestern ist. Auch wir Zurückbleibenden und Aelteren sollen von diesem Heroismus lernen: Hingabe Masswäsche. Oberhemden, Damenu. Bettwäsche. Schlafanzüge. Stoffannahme Gertrud Saloschin, Chartottenburg. Wielandstr. 6. C L 3551 Wienerin Eleg. sehr fesche individuelle Damenmoden jeder Art Mässige Preise.?ritzi Gimpel. Eisenacher Str.85. B 6 2886 Meta Fuhrmann Berlin 0112, Rlgaerstr.70, E 8, 2136 Dam enmeden Elegante Massanfertigung Fritz Baum Nachf. Iah. Hanna Löwenstein Waitzstrasse 17 — J 6 0944 Pfundwäsche la Ausführung RM0.28 WSscheatefierM.Fiedler, W30, KOnchener- Str. 24, Tel. 8 6 4355. Anfertig. sow.Verkauf fein. Damenwäsche, ganze Ausstattungen, n .Mass. Herrenwäsche, auch Stoff annähme Ihre $amitim - Anzeige in Ihr Blatt, in die C.-V.-Zeitung Kaufhaus FelixRichter Inhaber: Adolf Borewski Neukölln Hermannstrasse 161 . seit 190« Schonende Hauswäscherei am Lietiensee Emma Fandree, Charlottenbnrg Königsweg 27 a» JV3 5409. MOd6SdlOH Breslaner Bamber^er Straße 22. 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