Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 3 (21.1.1937)
- Date
- 1937-01-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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stammung, auch in den einzelnen Provinz- Parlamenten sind einige Juden zu finden. An einigen grossen Tageszeitungen, die, wie die „Prensa" und die „Nacion", eine internationale Bedeutung beanspruchenwirken jüdische Journalisten mit. Es gibt aber in ganz Argentinien keinen jüdischen Bankier, wohl aber eine Anzahl von jüdischen Genossenschaftsbanken und anderen, auf genossenschaftlicher oder gemeinnütziger Grundlage ruhenden Kreditinstituten. Der einzige Zusammensehluss, den alle jüdischen Organisationen zustandegebracht haben, ist der einer Dachgesellschaft „Daja" genannt, die völlig unpolitisch ist. Der Verfasser, unseren Lesern aus der Zeit seiner Anwaltstätigkeit in Deutschland und späterhin als Ümschiclitler durch mannigfache Beiträge bekannt, sendet uns kritische Bemerkungen zur Lage der jüdischen Einwanderung nach Süd-Afrika, die durch das neue Einwanderungsgesetz von besonderer Aktualität sind. Johannesburg, 28. Dezember 1936. In den Berichten aus Südafrika vermisse ich oft eine gesunde Kritik an der Emigration selbst, besonders der Berufsschichtung, die hier genau so zu werden droht, wie sie in Deutschland war. Die Einwanderung von zahlreichen Kaufieuten über 30, die zu alt zur Umschichtung, zu wenig widerstandsfähig für das Land und zu wenig landerfahren zur Aufziehung eines eigenen Betriebes sind, war und ist gewiss ein schweres Problem. Die Lösung wurde nun hier in der Art gefunden, dass in weitestem Umfang der Hausierhandel aufgenommen wurde, eine Tätigkeit diekeine Vorbildung verlangt und keine Tüchtigkeit voraussetzt. Die meisten „Unternehmen" dieser Art ernähren ihren Mann, jedenfalls heute, noch. Aber die Sache fängt an, überhand zu nehmen. Die Klagen über dauernde Inanspruchnahme, die zum Teil eine wenig verhüllte Appellation an das Mitleid des Eingesessenen darstellt, führt zu einer begreiflichen, ablehnenden Haltung. Andererseits haben die immer noch guten Verdienstmöglichkeiten dieses Berufes einen Anreiz, dem schwer zru widerstehen ist. Es ist leicht, im Hausierhandel 10 Pfund im Monat zu verdienen, dagegen als Kaufmann und Akademiker schwer, ein derartiges Anfangsgebalt zu erreichen. (Früher war das anders.) So bietet sich vielfach das Bild, dass schlechtbezahlte Anfangsstellungen abgelehnt werden und damit diese Positionen für die Emigration unwiderbringlich verloren gehen. Es soll damit nicht entschuldigt werden, dass Emigrantenarbeit invielen Betrieben recht massig bezahlt wird. Zum grösseren Teil ist diese Bezahlung darauf zurückzuführen, dass der sprachungewandte und landesunerfahrene Emigrant tatsächlich keine vollwertige Arbeitskraft darstellt. Trotzdem wird man nicht übersehen dürfen, dass manche Betriebe sich die Arbeit branchekundiger und tüchtiger Leute unter sehr unbefriedigenden Bedingungen zuzusichern Eine besondere Erschwerung wurde in die Arbeit der Hilfsorganisationen in der letzten Zeit dadurch hereingebracht, dass . die Regierung von'.P araguay, insbesondere der Polizeichef von Asuncion, die Ausweisung aller jüdischen Einwanderer verfügt hat, die sich nicht länger als zwei Jahre im Lande befinden. Die sofortige Ausweisung konnte durch das Eingreifen des Beauftragten der HICEM abgewandt werden. Es wurde jedoch nur eine relativ kurze Frist für die Abwanderung gestellt, und die aus Paraguay so verdrängten Einwanderer haben sich zum grössten Teil nach dem nahegelegenen Argentinien gewandt. wussten. Die Behörden hatten in letzter Zeit verschiedentlich Gelegenheit wegen Unterbezahlung einzuschreiten und Nachzahlungen usw. zu erzwingen. Das sind Dinge, die für die allgemeine Lage der Stellungsuchenden denkbar ungünstig sind, denn der Anstellende fürchtet, dass jeder Eingestellte nach einiger Zeit die Behörde in Anspruch nimmt und Nachzahlung erwirkt. Diese Befürchtungen sind zwar in jeder Hinsicht unbegründet, denn nur ausgesprochene Fachkräfte mit jahrelanger praktischer Erfahrung werden durch die Tarifgesetze erfasst. Aber Vorurteile sind schwer zu bekämpfen. Die Versuche, selbständige Betriebe aufzuziehen, waren im allgemeinen befriedigend, aber auch nicht mehr. Einige Fälle, die den Besitzern grössere Verdienste in kurzer Zeit brachten, können nicht generalisiert werden. Die Gewinnspannen sind gering, die Konkurrenz eines Landes, das dem gesamten Welthandel offensteht, riesengross. Eine zähe und entsagungsvolle Aufbauarbeit ist nötig, um dem Wirtschaftskampf hier gerecht zu werden, zumal der hiesige Kaufmann durch die Bank tüchtig und rührig ist und den Riesenvorteil unbedingter Sprachbeherrschung und der hier besonders wichtigen Verbindungen hat. Andererseits sind die Geschäftsleute hier fair und geneigt, dem Neuling eine Chance zu geben. Leistet er Gutes zu angemessenen Preisen, so wird er sich durchsetzen können. Interessant ist der gesellschaftli c h e Aufbau der Emigration. Es haben alle Unterschiede der sozialen Stellung aufgehört, da die Wandelbarkeit solcher Werte sich zu deutlich demonstriert hat. Dagegen haben sich die Scheidungen zwischen dem gebildeten und dem ungebildeten Emigranten in reinster Form erhalten. Es ist; hier noch schwerer, in dieser Hinsicht Homogenität herbeizuführen, da die Bedeutung geistiger Werte sich nirgends stärker zeigt als nach einem allgemeinen usite-down. Nie war der Unterschied zwischen dem Geist, der strebend sich bemüht, und dem kleinen Geschäftemacher so deutlich wie hier. Gewiss, die Jagd nach dem Pfund . muss mitgemacht werden, aber hier scheiden sich die Geister, wenn es sich darum dreht, ob Selbstzweck oder Notwendigkeit vorliegt. Noch wesentlicher ist die innere Einstellung, die auf der einen Seite eine starke Befriedigung über die Neuerringung eines Standards, auf der anderen Seite ein ängstliches Vergleichen mit dem bessergestellten zeigt. ""' "Und nun das Schönste: Der iSräcii wtfcifs'f '' Die Kinder gehen hier sofort in das hiesige Milieu über, sie lernen spielend die Sprache-und passen sich in jeder Beziehung an. Sie ziehen ' keine Vergleiche, sie denken nicht über Dinge,:' die ihnen nie richtig bewusst wurden, sie werden kleine Afrikaner mit etwas derberen Gepflogenheiten und etwas mehr Prügeleien in der Schule, als sonst üblich war. Jedenfalls ist sicher, dass ihre Einschaltung in das hiesige Sozial-und Wirtschaftsleben kein Problem mehr sein wird, dass all die Uebergangserscheinungen, die wir mit uns schleppen, und die uns hemmen, bei ihnen' nicht mehr vorliegen. Und die besten Voraussetzungen liegen vor: Es wird hier in stärkstem Masse geheiratet. Die ehemaligen, aus allen möglichen Erwägungen heraus zustandegebrachten Ehen gibt es kaum. Es sind Kameradschaften, die zu einer guten und gesunden Lebensgemeinschaft führen, ohne Sentimentalität und Romantik, aber auch' ohne jeden Ballast der früheren Verhältnisse. ';■ A aslands-Nach richten Dänemark Auf der nordischen Rabbinerkonferenz in Kopenhagen, über die wir in Nr. 2 der C.-V.-Zeitung berichteten, wurde beschlossen, die Konferenz periodisch zusammentreten zu lassen, und zwar abwechselnd in den vier nordischen Ländern. Griechenland Der Direktor der Wohlfahrtsabteilung im Generalgouvernement von Saloniki, Psarras, hat einer jüdischen Abordnung mitgeteilt, dass auf Anordnung des Wohlfahrtsministers von der Regierung 250 Wohnhäuser für arme Juden in Saloniki errichtet werden sollen. Die Baukosten sollen von den Bewohnern in kleinen Teilzahlungen erstattet werden, die auf einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren verteilt sind. Die Häuser gehen sodann in den Besitz der Bewohner über. Die Behörden sind zurzeit damit beschäftigt, geeignete Bauplätze ausfindig zu machen. Italien Im.Palazzo Chigi in Rom fand die feierliche Uebergabe der Ordensinsignien an den mit dem Grossorden eines Ritters der italienischen Krone ausgezeichneten Journalisten DavOd Kleinlerer statt. Kleinlerer ist feit fünfzehn Jahren Berichterstatter der Jüdischen Telegraphen- Agentur in Rom. Oesterreich In einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter äusserte sich der Bundesführer der Jüdischen Frontsoldaten Oesterreichs, >Edler v. Friedm an n, über das Programm für das Jahr 1937: Die Schaffung, einer .Einheitsfront aller österreichischen Juden sei eine, selbstverständliche Forderung des Bundes, von der er nicht abgehe. Es wird Sache des Bundes sein, für den Kampf gegen den Antisemitismus die wreite österreichische Oeffentlichkeit " zu gewinnen und Juden aller Parteirichtungen zur aktiven Mitarbeit heranzuziehen. Durch die Bestellung des Bundes zur Zentralstelle der Weltvereinigung jüdischer Frontkämpferorganisationen hat der Oesterreichische Bund jüdischer Frontsoldaten besondere Pflichten übernommen, die er im Anschluss an die Frontkämpferorganisationen in aller Welt im Interesse des Judentums erfüllen wird. Wänh und wo finden Site Rat? Mitteldeutschland , . Erfurt . 28'. Januar. Wohnung "von Dr. Baumsart. Xorinenrain 68a (Tel.: 208 58), 16—19 Uhr._ Eine Religionsvereinigung , in Sao Paulo In Sao Paulo wurde in diesen Tagen eine Jüdische Religions-Vereinigung, die Congreg a c-.a o I s r aelita Paulista (Israeli-, tische Religions*-Vereinigung. Sao Paulo) gegründet. Diese Vereinigung ist eine \Religions-Gemeinde. Ihr gehören Juden mittel- und westeuropäischer Abkunft an. Sie soll ein religiöser und geistiger Mittelpunkt insbesondere für diejenigen Juden werden, die im Laufe der letzten Jahre aus Deutschland und aus anderen Staaten eingewandert sind. Die neue Gemeindeverwaltung setzt sich im wesentlichen aus Kräften zusammen, welche schon seit Jahren hier ansässig sind. In ihr befinden sich jedoch auch Herren, die sich vor noch nicht langer Zeit in Sao Paulo niederliessen, deren langjähriges Wirken auf jüdischem Gebiet andererseits feststand. Die neue Gemeinde setzt sich neben religiösen Aufgaben — wie Abhaltung von Gottesdiensten, Erteilung von Religionsunterricht für die Kinder und Erziehung der Kinder zu bewusst jüdischer Auffassung sowie Wahrung jüdischen Brauchtums — zum Ziel, auch den kulturellen Bedürfnissen ihrer Mitglieder durch Abhaltung von Vorträgen, Schaffung einer Bibliothek und in anderer Weise zu dienen. Auch für körperliche Ertüchtigung und Pflege der Geselligkeit soll gesorgt werden. Eine der Hauptaufgaben wird das Wohlfahrtsamt verrichten müssen, um Kranken und Schwachen zu helfen, aber auch um Neueinwanderer umzuschichten und neuen Berufen zuzuführen. So soll diese neue Gemeinde in Sao Paulo ein Zentrum werden für jüdisches Gedankengut, eine neue Heimat des Judentums in Südamerika. Von der Erkenntnis getragen, dass es gilt, alle jüdischen Kräfte zusammenzufassen, will die Congregacao Israelita Paulista mitarbeiten an dem Aufbau einer grossen jüdischen Gesamtgemeinde in Sao Paulo, die sämtliche Juden aller aschkenasischen und sephardischen Richtungen umfasst. Die jüdischen Auswanderer aus Litauen Von den 1936 aus Litauen ausgewanderten .1627 Personen waren 948 (394 Männer und .554 Frauen) Juden. Von diesen gingen 487 na~ch Palästina, 234 nach Südafrika, 55 nach Ame;rika, :37 nach Kanada," 35 nach Argentinien, 32 nach Brasilien, 33 nach Uruguay und 35 nach anderen Ländern. Der Verband Polnischer Juden in Berlin teilt mit: Die polnischen Konsulate in Deutschland geben, bekannt, dass Personen, die die Verlängerung ihrer polnischen Pässe beantragen, persönlich oder schriftlich unter Beifügung des Passes beim zuständigen Konsulat mindestens 2 Wochen vor Ablauf der Gültigkeit des Passes sich zu melden haben, •widrigenfalls die Konsulate keine Verantwortung für die terrainmässige Erledigung der Verlängerung übernehmen.- Sie machen auf die Rechtsfolgen aufmerksam^ die durch die deutschen gesetzlichen Passvorschriften entstehen, wenn Ausländer nicht im dauernden Besitz gültiger Pässe sind. Brief aus Süd-Afrika Von Rudi Wertheimer Englische Bücher Nachfolgend setzen wir die Besprechung englischer Bücher aus Nr. 2 der C.-V.- Zeitung fort. III. Die Geschichtsphilosophie des vergangenen Jahrhunderts bis auf unsere Zeit und die sich aus ihr ergebende Methodik der Geschichtswissenschaft wird durch die Auseinandersetzung über das Problem der wechselseitigen Wirkung von Individuum und Gesellschaft, von Einzelpersönlichkeit und ..sozialer Masse" charakterisiert. Leiden die Theorien von Condorcet, Comte und Buckle unter einer Ueberschätzung der Massenbetätigung, so sehen ihre Antipoden — unter ihnen besonders Friedrich Nietzsche — in der Persönlichkeit den Träger der schöpferischen und vorwärtswuchtenden Ideen seiner Zeit. Der am stärksten wegweisende Vertreter dieser letzten Richtung, dessen Ideen auch am meisten nicht nur in die Tiefe, sondern auch in die Breite gewirkt haben, istThomasCarlyle geworden. .Gerade in unserer Zeit, die in Europa das Problem aus der Sphäre der Theorie wissenschaftlicher Forschung in die Realität praktischer Politik und sozialer Gestaltung gehoben hat, ist sein Werk von besonderer Bedeutung und Wirkung nach verschiedener Richtung hin geworden. Es ist deshalb zu begrüssen, dass Michael Freund jetzt eine Auswahl der Schriften des grossen Engländers herausgegeben hat, die ein ausgezeichnetes Bild von dem Werk und der Wesensart' dieses eigenwilligen, knorrigen und genialischen Menschen gibt. (Thomas Carlyle: Heldentum und Macht, herausgegeben von Michael Fre u n d, Verlag Alfred K r ö n e r. Leipzig 1936.) Es ist eines der charakteristischen Merkmale im Schaffen Carlyles, zum grossen Teiltorsohafl geblieben zu sein. Seine Arbeiten entbehren der kritischen unj. methodischen Einzelforschung. Es liegt retwas von der Art der „Stürmer und Dränger" in seiner oft ungebändigten Darstellungs- und Gestaltungsweise, was sich auch in der bis zum Bizarren gesteigerten Eigenwilligkeit seines Stils ausdrückt. Aber gleichbleibend geht durch alle seine Schriften mit der unerbittlichen Konsequenz der bewussten Einseitigkeit die eine leitende Idee: Die Herausarbeitung dessen in der Persönlichkeit, was er als „das Heldische" in ihr bezeichnet hat, was die grosse „Ehrfurcht" erzwingt, was zur Macht nicht nur befähigt, sondern auch berechtigt, und was, nach ihm. das allein beherrschende Prinzip in der Weltgeschichte ist. Goethe erkannte mit der seherischen Gabe des Genies die Kraft, die von Carlyle ausging, als er das umfassende Urteil abgab: ,.Er ist eine moralische Kraft in Europa." Carlyles Wesen wurzelt tief im Puritanismus, der seine Kräfte wiederum nicht zuletzt aus Lehre und Geschichte des Alten Testaments zog, jener heiligen Geschichte, die wie keine andere vom höchsten Heldentum sittlicher Freiheit zeugt. Auch die Linie, die von hier zu den Grundlagen Carlylescher Gedanken führt, scheint bedeutsam genug zu sein, um, wenn sie auch hier nicht verfolgt werden kann, doch auf sie hinweisen zu dürfen. Dr. E. Fr----1. - IV. Während die drei bisher besprochenen Bücher Wesen und Werden des Britentums schilderten, führen die folgenden auf jüdisches Gebiet. Schon oft ist in diesen Blättern von Menasseh ben Israel die Rede gewesen. Wir können jetzt den Lesern ein Buch vorlegen, in dem das gesamte Material über Menasseh ben Israel von neuem sorgfältig zusammengetragen und anziehend und fesselnd dargestellt ist. Der Verfasser ist Cecil Roth, ein bereits gut bekannter jüdischer Historiker, der sich durch eine Geschichte der Juden in Venedig und eine Geschichte der Marranen und manche andere Arbeit, besonders^ auf dem Gebiete anglojüdischer Gteschrahte, einen guten Ruf verschafft hat. Cecil Roth hart 'die Ergebnisse der Forschung von M. Kayserliüg'Ans Lucien Wolff, zu denen auch seine eigenen Studien gehören, in dem zwölf Kapitel umfassenden Büchlein (Life of Menasse h-ben I s r a e 1, R a b b i, P r i n t e r and Diplomat. Philadelphia, The Jewish Publication Society of America, 1934) verarbeitet und in zahlreichen Anmerkungen und einer vollständigen Bibliographie die Belege gegeben, so dass jeder die etwa strittigen Punkte nachzuprüfen in der Lage ist. Es lohnt sich, das inhaltreiche Leben eines Mannes kennenzulernen, der Rabbiner — schon mit achtzehn Jahren —, Buchdrucker, Verleger, Schriftsteller und Diplomat war und auf all diesen Gebieten eine umfangreiche Tätigkeit entfaltete. Daneben, wie bei solcher Vielseitigkeit natürlich, in einem grossen Freundeskreis ' lebte ' und regen Gedankenaustausch auch schriftlich mit nahen und fernen namhaften Gelehrten und geistig interessierten hervorragenden Menschen ' (u. a. Christine von Schweden) pflegte.. Zeigt doch das Buch sein Bild auch in der Wiedergabe einer Originalradierung von Rembrandt, der seit 1645 mit ihm sehr intim war und für sein Buch „Piedra gloriosa" vier Stiche lieferte: das von Nebukadnezar im Traume; gesehene Bild, Ezachiels Vision, Jacobs Traum und David und Goliath. Vor allem ist es Roth gelungen, die Geschichte der Neuansiedlung der Juden -in England zur Zeit Cromwells vollständig -'und wohl endgültig darzustellen nach eigenen Forschungen an bisher vernachlässigten Stellen. Er bringt hier viele neue Tatsachen, die merkwürdigerweise nicht in den Archiven der spanisch-portugiesischen Gemeinde von Amsterdam zu finden waren; denn hier waren verschlossene Türen für den suchenden Gelehrten schon seit langem» Mit viel Mühe sicherlich sind all die vielen Einzelheiten zusammengesucht worden, die sich jetzt vor uns zu einem klaren Bilde formen von dem Manne, der mit beispielloser Selbstaufopferung und Beharrlichkeit'sein einzigartiges Ziel verfolgte, den Juden ^eder legalen Aufenthalt auf englischem Boden zu verschaffen. Und wenn er auch selbst nur wt^ferne den Erfolg schimmern sah, da ein Gesetz||ilrag" damals an . dem Widerstand der GeistliäikeiV scheiterte, so bleibt doch sein Verdienst, äüreh -Wort und Schrift und persönliche Veihandlt^eii den Weg gebahnt zu haben, der zum Ziele führte, wenn auch erst allmählich. V. Israel Abrahams und George Foot Moore, die ihre Verdienste um die Society of Jews and Christians haben, zum Gedächtnis ist ein erfreulich vorbildliches Buch gewidmet. Es zeigt, wie seit Jahren Männer von Ruf — Theologen — sich in England bemühten, ihre verschiedenen Wege im Glauben, ihre Anschauungen über den Weg des anderen eingehend zu erörtern und durch das Wissen von dem anderen im Eigenen fester und sicherer zu werden. (In spirit and in truth, Aspects of Judaism and Christian i t y, edited for the Society of Jews and Christians by George A.Y ates, M. Ä. with a Foreword by the Dean of Canterbury, London.) Der Dean of Canterbury Hewlett Johnson hat zu den Aufsätzen des Buches ein Vorwort geschrieben, in dem er betont, dass religiöses Erleben 6eine Vertiefung erhält durch die Betrachtung uns fremder Religionen, etwa der Indiens, ganz gewiss aber und viel mehr noch durch die Beschäftigung mit dem Judentum, dem Mutterboden des Christentums. Abwechselnd sprechen Christen und Juden über dasselbe Thema: Die Nähe Gottes, das Leid, die Versöhnung, das Soziale, die menschliche Gesellschaft als Ideal, das Beten, Offenbarung, Unsterblichkeit, das Gesetz im modernen Judentum, die Stellung Jesus im modernen christlichen Denken. Abschliessend kommt Professor B e-r k i 11 (Cambridge) zu Worte: „Christliche Ansichten vom Judentum", und Claude Montef i o r e spricht über „Jüdische Ansichten vom Judentum". Als Epilog ein messianisches Gebet für Kirche und Synagoge und ein Verzeichnis von1 Büchern, die zu weiterem Studium empfohlen werden. Das Wesentliche im Grundzeichen des Christentums und des Judentums ist hier friedlich in einem Buche vereinigt; man kann; das Buch eine Religiohslehre für beide nennen. J, Friedländer«